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Die Braut des Schattens

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P18 / Het
31.07.2022
06.08.2022
25
85.520
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06.08.2022 2.408
 
Der Brief für ihre Freunde war nicht einmal zur Hälfe fertig als Cassandra ganz Müde wurde und eingeschlafen war. Doch ihr Nickerchen war nicht von langer Dauer, da ein lauter Knall sie weckte. Müde blickte sie sich in ihrem Zimmer um und wusste zunächst nicht, was genau sie geweckt hatte. Peinlich berührt erkannte sie jedoch, dass sie den Brief völlig zerknittert hatte, da sie mit ihrem Gesicht darauf eingeschlafen war. Noch dazu taten ihr alle Glieder weh, da sie in einer sitzenden Position am Schreibtisch geschlafen hatte.
“Diese Hitze macht einen ganz schläfrig”, nuschelte sie und versuchte den Brief zu glätten, was ihr aber nicht gelang und so zerknüllte sie ihn und beschloss von vorne anzufangen. Doch noch bevor sie das erste Wort auf das neue Papier schreiben konnte, knallte es wieder und sie erschrak. Jetzt wusste sie auch wieder, weshalb sie aus dem Schlaf geschreckt war. Hastig erhob sie sich und begab sich auf die Suche nach dem Ursprung des Knalles. Die dämonischen Sieben waren es nicht, von denen fehlte noch immer jegliche Spur und als es zum dritten Mal knallte, wusste sie, es waren Schüsse. Offensichtlich hatten die Wilderer ihren Schrecken überwunden und waren zurückgekehrt. Schossen sie wieder auf die Affen? Rasch eilte sie auf die Plattform hinaus und kaum dass sie diesen betrat, knallte es wieder. Der Schuss war erschreckend nahe und sie hörte mehrere Männerstimmen. Vorsichtig kniete sie sich an den Rand der Plattform und spähte nach unten. Der Schreck war groß als sie dort an die fünfzehn Männer erblickte. Sie alle waren schwer bewaffnet und diskutierten gerade aufgeregt in einer fremden Sprache. Kurz überlegte Cassandra, welche Sprache in Peru gesprochen wurde und sie glaubte herauszuhören, dass es spanisch war. Die Männer wirkten jedenfalls ziemlich überrascht über das Baumhaus, das sie leider Gottes entdeckt hatten und auch wenn sie kein Wort verstand, ahnte sie, dass sie gerade überlegten, wie sie nach oben kommen könnten. Einige der Männer waren ganz Bleich im Gesicht und zitterten wie Espenlaub. Cassandra vermutete, dass es eben jene Wilderer waren, die Daeon so sehr erschreckt hatte. Wenn sie es richtig deutete, hatten sie sich Verstärkung geholt und waren nun wohl auf der Jagd nach dem Schatten. Oje, wäre es besser, wenn sie Daeon herbei rief? Nein, lieber nicht, wer weiß, was er mit den armen Männern tun würde. Noch dazu bestand für sie keine Gefahr, denn es war für die Männer unmöglich nach oben zu gelangen. Einer der Männer schoss ganz hektisch in einen nahen Busch und wurde von seinen Begleitern dafür geschimpft. Cassandra sah ihm an, dass er ganz große Angst hatte und wo auch immer er etwas Bewegliches sah, schoss er vor Furcht gleich darauf. Der arme konnte ihr irgendwie schon leidtun, wer weiß, was Daeon ihnen angetan hatte. Ihr Mitleid verrauchte Augenblicklich als der Mann nun emporblickte und sie entdeckte. Vermutlich erkannte er nicht einmal, dass es sich bei der Gestalt, die er sah, um einen Menschen handelte, denn er fühlte sich sogleich bedroht und erst als es laut knallte, realisierte sie, dass er nach oben in ihre Richtung schoss. Rasch huschte sie aus seinem Sichtfeld, leider jedoch war die Kugel schneller gewesen und schlug in ihre Schulter ein. Der Schmerz brachte sie laut zum Schreien. Das war doch jetzt ein Witz, wieso geriet sie immer wieder in solche Situationen? War sie vom Pech verfolgt? Niemals hätte sie erwartet, dass sie einmal angeschossen werden würde, mitten in einem Dschungel! Scheiße, der Schmerz war heftig und … oh nein, sie blutete wie ein geschlachtetes Schwein. Die Männer unten hatten ihren Schrei vernommen und sie hörte, wie sie in großer Aufruhr waren und versuchten den Baum zu erklimmen. Mist, Mist, Mist. Was sollte sie jetzt tun? Vor Schmerzen stöhnend kroch sie zurück und lehnte sich gegen die Hauswand. Dabei hatte sie eine blutige Spur mit sich gezogen und der Schmerz drohte ihr beinahe die Besinnung zu rauben. Dennoch waren ihre Gedanken klarer als zuvor und sie konnte dem Mann beim besten Willen keine Schuld geben. Er hatte Angst gehabt und vermutlich hätte sie an seiner Stelle auch sofort geschossen. Ihr war auch klar, dass sie auf keinen Fall nach Daeon rufen durfte. Wenn er sie hier blutend wie ein Schwein erblickte, wäre das Leben der Männer vorbei. Doch was sollte sie sonst tun? Der Schmerz lähmte ihre Glieder und sie wagte es nicht, sich zu bewegen. Unglaublich, niemals hätte sie gedacht, dass eine Schusswunde in die Schulter so heftig bluten könnte. Wieso nur zog sie das Unglück magisch an? Die Tränen kamen ihr, der Schmerz war wirklich nicht mehr zu ertragen und als ihre Sicht zu verschwimmen drohte und sie spürte, dass sie sich kaum noch gegen die Bewusstlosigkeit wären konnte, war ihr klar, dass sie keine andere Wahl hatte. Sie brauchte Hilfe, sonst verblutete sie.
“Daeon …”, ihr Ruf war leise und gebrochen, doch es genügte, dass Daeon sie erhörte, denn er erschien einen Augenblick später.
“Du hast mich gerufen, meine Lie …”, er stockte. Mit gefährlich flackernden Augen betrachtete er sich die Blutspur, die vom Rand der Plattform zu ihr führte. Der Rotschimmer wurde stärker als er ihr blutbeflecktes Kleid sah und als er schließlich die wie Rotz blutende Schusswunde entdeckte, war es, als würde die Hölle auf Erden losbrechen. Sein Knurren war wie ein fernes Donnergrollen.
“Bitte, töte sie nicht”, flehte sie krächzend als er die Stimmen der Männer hörte, die noch immer einen Weg nach oben suchten. Mit vor Wut brodelnder Stimme rief er nach den Brüdern, die sogleich neben ihm erschienen. Als sie Cassandra und das ganze Blut erblickten, keuchten sie erschrocken auf.
“Heilt sie”, befahl Daeon mit einem bebenden Brüllen und löste sich in Luft auf. Keine Sekunde später hörte man die Männer laut schreien.
“Ganz ruhig Cassy, hab keine Angst”, hörte sie Gregor sagen, doch sein Gesicht verschwamm vor ihren Augen, da sie kurz, wirklich nur Kurz ihre Besinnung verlor. Doch ein wohliges warmes kribbeln, das durch ihren gesamten Körper fuhr, holte sie zurück in die Realität und kein Schmerz war mehr zu spüren. Verwundert blickte sie auf ihre Schulter, die Wunde war geheilt.
“Alles gut Cassy, das war nicht so schlimm wie es ausgesehen hat”, versicherte George ihr und Cassandra hoffte, nie wieder in ihren Leben angeschossen zu werden. Hoffentlich war ihre Pechsträhne mit diesem Erlebnis endlich vorüber. Die bestialischen Schrei der Männer rissen sie aus ihren Gedanken. Oh nein, Daeon rastete aus. Obwohl ihr Körper gegen die ruckartige Bewegung protestierte, erhob sie sich und eilte zum Rand der Plattform. Dort sah sie den Schatten, der die Männer entwaffnete und sie durch die Luft schleuderte. Autsch, da flog ein Mann gerade wuchtig gegen einen Baum. Andere lagen schon stöhnend am Boden und flehten um Gnade. Doch diese kannte der Schatten nicht. Finster grollend wandte er sich dem letzten Mann zu, der noch eine Waffe hatte. Panisch schoss dieser auf Daeon und Cassandra schnappte erschrocken nach Luft.
“Keine Angst, diese Kugeln können ihm nichts anhaben”, sagte George, der sich mit seinem Bruder neben sie gesellte und dem Spektakel zusah. Tatsächlich sausten die Kugeln durch den Schatten hindurch und das schwarze Etwas bekam die Waffe in seine Gewalt und bog sie krumm wie eine Banane. Im nächsten Moment wurde das Gewehr zu Staub und ein Teil des Schattens schlang sich um die Kehle des Mannes.
“Daeon hör auf”, schrie Cassandra, doch er reagierte nicht, hob den Mann empor und ließ ihn röchelnd in der Luft baumeln.
“Lass ihn doch machen, die haben nichts anderes verdient”, meinte Gregor.
“Diese Männer hatten doch nur Angst, unter anderen Umständen hätten sie gewiss nicht auf mich geschossen”, protestierte Cassandra voller entsetzten.
“Mag sein, aber egal unter welchen Umständen es geschah, sie haben dich Verletzt und das Verzeiht Daeon nicht, wir übrigens auch nicht”, sagte George und Cassandra konnte nur fassungslos ihren Kopf schütteln.
“Töte sie nicht”, rief sie flehend, doch Daeon ignorierte sie weiterhin und der Mann, den er würgte, verdrehte bereits seine Augen. Nicht mehr lange und er erstickte.
“Daeon hör auf”, schrie sie und als er immer noch nicht reagierte, wurde sie richtig wütend auf ihn.
“Daeon, du hast gesagt, ein Nein zieht immer bei dir, also hör auf. Ich sagte Nein”, schrie sie und das so laut, wie sie nur konnte. Augenblicklich stürzte der Mann röchelnd zu Boden, der Schatten zerstob wie Rauch im Wind und gab den Anblick auf Daeon frei. Mit rot glühenden Augen blickte er zu ihr empor. Dann verschwand er und tauchte direkt neben ihr auf, mit einem, wie sie feststellte, sehr verärgerten Knurren.
“Nein, ist das dein Ernst, warum?”, fragte er wütend.
“Du sollst sie nicht töten”, sagte sie, froh darüber, dass er sie erhört hatte.
“Sie haben auf dich Geschossen”, sagte er und brüllte das letzte Wort.
“Weil sie Angst hatten, sie wollten das sicherlich nicht”, erwiderte sie.
“Das ist mir Scheiß egal”, schrie er sie an und sie zuckte vor ihm zurück.
“Hör auf, mich so anzuschreien”, bat sie.
“Ich schreie wie ich will”, sagte er grollend und machte sie damit so wütend, dass sie nicht darüber nachdachte und ihn erbost schubste. Das hatte er wohl nicht erwartet, anders konnte sie es sich nicht erklären, dass er nach hinten stolperte und mit einem ziemlich überraschten Blick über den Rand hinwegflog und folgend in die Tiefe stürzte. Opps. Welch ein Glück, dass er ein übernatürlichen Wesen war und sich Teleportieren konnte, noch bevor er am Boden aufschlug. Mit einem echt fassungslosen Blick tauchte er wieder neben ihr auf.
“Entschuldigung”, murmelte sie.
“Hast du mich gerade ernsthaft von der Plattform geschubst?”, fragte er.
“Entschuldigung”, wiederholte sie und die Brüder, die schweigend neben ihnen standen, versuchten sich verzweifelt das Lachen zu verkneifen. Kein Wunder, denn der entsetzte Blick von Daeon war herrlich Amüsant. Kurz sah er aus als würde er vor Wut bersten, doch dann atmete er tief ein und aus. Seine Augen wurden wieder zu dem gewohnten eisigen Blau, ein Zeichen, dass er sich offenbar beruhigte, doch sie sah noch ein ganz schwachen rötliches flackern. Schweigend betrachtete er nun ihre geheilte Schulter ehe er sich das blutige Kleid besah.
“Gut, wenn du willst, dass ich sie nicht töte, soll es so sein”, sagte er und erleichtert atmete sie auf. Doch da grinste Daeon höhnisch und wandte sich an die Brüder.
“Bringt die Männer fort, zum Nordpol oder auf eine einsame Insel. Mir egal wohin, wollen wir doch mal sehen, ob sie von alleine Lebend da rauskommen”, befahl er und sogleich verschwanden die Brüder und erfüllten diesen Befehl.
“Daeon”, rief Cassandra protestierend.
“Was? Ich töte sie nicht, so wie du es wolltest. Wenn das Land und die Natur sie töten sollten, ist das nicht unser Problem”, sagte er mit kühler Stimme und im nächsten Moment schubste er sie. Cassandra flog sprichwörtlich über den Rand hinweg und stürzte in die Tiefe. Ihr Schrei war Ohrenbetäubend und der Boden kam rasend schnell näher. Doch kurz bevor sie dort aufschlug, fing Daeon sie sanft auf. Doch Cassandra war so in Panik, dass sie dies gar nicht bemerkte, sie glaubte, noch immer am Fallen zu sein und schrie sich die Seele aus dem Leib. Erst als sie das Gefühl hatte, dass der Sturz ziemlich lange dauerte, hielt sie inne und erkannte, dass sie in den sicheren Armen von Daeon lag.
“Du bist so ein verdammtes Arschloch”, schrie sie ihn sogleich an und begann nun zu Heulen. Sie flennte Rotz und Wasser.
“Es tut mir Leid, hör auf zu Weinen”, bat er.
“Halt einfach die Klappe, du bist ein Vollidiot, ein hochgradiger Penner”, schimpfte sie und Weinte theatralisch weiter.
“Ich wollte dir keine Angst machen, verzeih”, bat er.
“Lass mich in Ruhe, echt jetzt, du hast mich einfach geschubst. Ich dachte wirklich ich müsste Sterben”, schimpfte sie und schniefte kräftig.
“Du hast mich auch geschubst”, verteidigte er sich.
“Ich konnte ja nicht wissen, dass du über den Rand hinweg fliegst. Aber du Penner hast mich mit voller Absicht geschubst”, meckerte sie.
“Baby, glaubst du etwa ernsthaft, ich hätte dich bis zum Ende fallen lassen?”, fragte er und wirkte echt bestürzt darüber, dass sie ihm so etwas zutraute.
“Hallo. Ich bin gefallen, ich hatte Angst, glaubst du, ich denke da daran, dass du mich auffangen könntest”, fauchte sie ihn an.
“Es tut mir Leid”, nuschelte er.
“Geh vor mir auf die Knie, nur dann verzeihe ich dir”, sagte sie und obwohl es nur in ihrer Wut so dahin gesagt war, staunte sie nicht schlecht als er sie auf ihren zittrigen Beinen absetzte und vor ihr auf die Knie ging.
“Verzeih mir”, bat er und sie konnte ihm beim besten Willen nicht böse sein.
“Jage mir nie wieder solch einen Schrecken ein”, bat sie und nickend erhob er sich wieder und küsste sanft ihre geheilte Schulter.
“Hat es sehr weh getan?”, fragte er und sie nickte.
“Eh, nein, es war gar nicht so schlimm”, entfuhr es ihr hastig als seine Augen angesichts ihres Nickens wieder zu Glühen begannen. Dunkel knurrte er, beruhigte sich aber wieder.
“Vergessen wir diesen Vorfall bevor ich doch noch entscheide, das die Männer sterben müssen”, sagte er grollend und Cassandra war verblüfft als seine Laune sich plötzlich wandelte und er ihr ein fröhliches Lächeln schenkte.
“Heute Abend haben wir einiges vor”, meinte er, legte seine Arme um sie und schwebte mit ihr zur Plattform empor.
“Was denn?”, wollte sie wissen als sie oben angekommen waren.
“Die anderen riefen mich vorhin, weil sie etwas in Erfahrung gebracht haben”, antwortete er mit einem Augenzwinkern.
“Und was genau?”, wollte sie voller Neugier wissen.
“Lass dich Überraschen”, sagte er und sie erschrak als ihr Körper von einem Schatten eingehüllt wurde und dann wieder schwand. Das blutige Kleid war verschwunden und an dessen Stelle trug sie nun ein hübsches neues Kleid in zarten rosa Farben.
“Ich hasse Überraschungen, was ist es, sag es mir”, entfuhr es ihr nun.
“Nö, dann wäre es ja keine Überraschung mehr”, meinte Daeon und lief ins Haus.
“Sag es mir, Bitte, komm schon”, bettelte sie und folgte ihm ins Wohnzimmer.
“Nein, gedulde dich”.
“Daeon, ich mag Überraschungen nicht. Jetzt muss ich bis zum Abend daran denken und Rätseln. Was ist es, sag es”, drängelte sie munter weiter.
“Tut mir leid, Baby, da kenne ich keine Gnade. Bleib geschmeidig”, sagte er, zwinkerte ihr unglaublich frech zu und löste sich dann in Luft auf. Entsetzt starrte sie die Stelle an, wo er verschwunden war. Sie sollte geschmeidig bleiben? Hatte er sie nicht mehr alle? Und wo genau war er jetzt hingegangen? Wie konnte er sie wieder alleine lassen? Ging er, um die Männer doch noch zu töten?
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