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L'histoire d'un elfe, c'est...

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Anthony Goldstein Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin
29.07.2022
15.08.2022
6
47.110
6
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05.08.2022 11.059
 
Ihr Lieben, ich würde mich wirklich über Reviews, Kritik und Anregungen freuen! Nur so kann man wachsen :) Danke!


~oOo~



Es war am späten Nachmittag, als sämtliche Einkäufe erledigt waren und Harry mit Remus gemütlich bei Florean Fortescues Eisdiele saß. Harry freute sich riesig über seinen Eisbecher, während sich Remus mit seinem Kaffee begnügte und den Jungen aus den Augenwinkeln beobachtete, wie dieser sein Eis genüsslich aß, während er den Tag Revue passieren ließ. Ihm war aufgefallen, dass Harry nicht sehr viel sprach und es die meiste Zeit den Anschein machte, als würde er nach den richtigen Antworten suchen. Nicht, dass der Junge nicht wüsste, was er sagen sollte, er schien auf den ersten Blick recht intelligente Äußerungen von sich zu geben. Nein, der Junge war definitiv nicht auf den Kopf gefallen, aber Remus hatte den Eindruck, als würde Harry durchgehend damit hadern, wie er die Dinge sagen sollte und es schien eher, dass Harry versuchte einen guten Eindruck zu machen. Doch genau das machte ihn stutzig und Harrys Unsicherheit beschäftigte ihn mehr, als ihm lieb war.

Du möchtest mich wirklich aufnehmen?

Remus rieb sich die Nasenwurzel und lehnte sich mit locker verschränkten Armen zurück.

Ich… ich dachte, vielleicht hast du eine Familie mit Kindern und – vielleicht wäre da kein Platz für mich.

Er seufzte, als er sich die Sätze des Jungen mehrmals hintereinander in Erinnerung rief. Er war sich bewusst, dass Harry teilweise damit überfordert war, sich auf ihn als wildfremden Mann einzulassen, obgleich der Junge wusste, dass er ein Freund seiner Mutter gewesen war. Und auf der einen Seite schien er sich zu freuen, dass er da war. Auf der anderen Seite, und dieser Gedanke verursachte bei Remus ein wenig Magengrummeln, waren die Aussagen von solch einer Ungläubigkeit gegenüber Remus‘ Bereitschaft, sich um ihn zu kümmern, als würde Harry in ständiger Sorge sein, dass er ihn eigentlich gar nicht haben wollte – der Unterton zwischen den Zeilen in dem Brief, den er ihm geschrieben hatte, waren mehr als deutlich gewesen. Er würde dem Jungen all die Zeit geben, und auch geben müssen, die er brauchen würde, um sich auf ihn einlassen zu können. Dass es jedoch nur noch vier Wochen bis zum Schulbeginn waren, war für das Ganze natürlich nicht wirklich förderlich, wenn auch Remus sich sicher war, dass in manchen Fällen die Qualität der Zeit die Quantität übersteigen würde.

Er trank einen Schluck Kaffee und schmunzelte, als er den kleinen Bowtruckle über Harrys Schultern und Kopf schleichen sah, um sich dann an einer der schwarzen Haarsträhnen herunterhangeln zu lassen. Harry lachte und hob Edd wieder auf seine Schulter und schob seinen leeren Eisbecher von sich weg.

„Fertig?“, fragte Remus und trank den letzten Schluck seines Kaffees aus.

„Mhm. Danke, das Eis war lecker.“, sagte Harry und wischte sich mit dem Handrücken ein wenig Eis von den Lippen. Remus schüttelte schmunzelnd den Kopf und lief mit Harry weiter durch die Winkelgasse. Vor der Eisdiele hatten die beiden die Schneeeule aus dem Käfig gelassen und zu den Lovegoods nach Hause geschickt, da Harry mindestens noch eine Nacht dort verbringen musste, sodass die Eule nicht den ganzen Tag im Käfig sitzen würde. Den Käfig hatte Remus nach einem kurzen Reinigungszauber verkleinert in Harrys Tasche gepackt. Sie spazierten noch eine ganze Weile durch die belebte Straße, sahen in vereinzelte Geschäfte hinein und erkundeten die ein oder andere Seitengasse. Als Harry die Glocken sechs Uhr schlagen hörte, sah er Remus fragend an. „Was machen wir heute noch?“

„Wir treffen noch zwei Personen, um ein paar letzte Kleinigkeiten klären zu können, wie es jetzt mit uns weitergeht.“, antwortete Remus kryptisch und bot Harry den Arm, in den er sich einhakte. Er konnte schon die Vorteile vom Apparieren nachvollziehen, aber das Gefühl selbst war ihm durchweg unangenehm. Das Gefühl, durch einen engen Schlauch gezogen zu werden sorgte augenblicklich für Magengrummeln, aber Harry riss sich zusammen – er wollte sich vor Remus nicht blamieren.

Als er wenige Augenblicke später die Augen öffnete stand er mit Remus an der Hauptstraße eines Dorfes, in dessen Straßen und Gassen reger Betrieb herrschte. Vereinzelt sah man Eulen zwischen den Häusern umherfliegen oder die ein oder andere Katze um eine Hausecke abbiegen. Die Menschen, die Harry erkennen konnte, trugen allesamt Zaubererkleidung wie die Menschen in der Winkelgasse.

„Remus, wo sind wir?“, fragte Harry verwundert.

„Wir sind in dem schottischen Dorf Hogsmeade. Es ist das einzige Dorf in ganz Großbritannien, in dem ausschließlich Zauberer und Hexen leben.“, antwortete Remus. „Ganz in der Nähe ist Hogwarts, aber das wirst du heute nicht sehen. Nicht, dass die Überraschung am ersten September verloren geht.“

„Es ist schön hier.“, meinte der Junge sah sich die kleinen Häuschen, teilweise mit Fachwerk, manche ein wenig bunt gestrichen, genauer an. Remus führte ihn durch die Hauptstraße, wo Harry mehrere Geschäfte, ähnlich denen der Winkelgasse, erkennen konnte. Der Ältere führte ihn zu einem Gebäude, an der das große Schild „Die Drei Besen“ hing. Als die Tür von einer älteren Hexe geöffnet wurde, die das Haus gerade verließ, konnte Harry erkennen, dass es sich um ein Wirtshaus handeln musste. Remus öffnete die Tür und ging mit Harry hinein. Eine Frau mit blonden, zusammengeknoteten Locken kam auf sie zu und bot ihnen einen Tisch für zwei an, jedoch winkte Remus ab.

„Madame Rosmertha, wir haben einen Raum reserviert für heute Abend.“, meinte Remus und die Frau warf in einer theatralischen Geste die Hände hoch.

„Stimmt, ich erinnere mich. Folgt mir.“, sagte sie und führte sie die Treppe hoch in einen großen Raum mit ein drei Sofas, die vor einem Kamin aufgereiht waren, sowie ein Tisch mit mehreren Stühlen. Remus bestellte zwei Gläser Saft und eine Platte mit verschiedenem Käse, Wurst und Brot, da er aus dem Augenwinkel gesehen hatte, wie sich Harry den Bauch gerieben hatte. Nachdem das Abendessen gebracht wurde, war Remus zufrieden, als er sah, dass Harry keine Probleme mit dem Essen hatte. Gemeinsam aßen sie in Ruhe und unterhielten sich über Kleinigkeiten – Harry hatte ihm auf Nachfrage von ein paar seiner unkontrollierten magischen Ausbrüche erzählt, bei denen Remus zwischendurch herzlich lachen musste und für einen kurzen Moment hatte der Junge das Gefühl, wirklich nicht ganz so unnormal zu sein. Harry dachte jedoch, dass es besser wäre, wenn er niemandem erzählen würde, dass er mit Schlangen sprechen konnte. Er hatte das Gefühl, dass das vielleicht sogar in der magischen Welt etwas Seltsames sein könnte, denn als sie an der Tierhandlung in der Winkelgasse vorbeigelaufen waren, hatte er niemanden erkennen können, der mit Tieren gesprochen hatte. Vielleicht war es in dieser Hinsicht besser, nichts zu sagen. Der richtige Zeitpunkt würde sich schon noch ergeben, dessen war sich Harry sicher.

Nach dem Essen machten es sich Harry und Remus auf einem der Sofas gemütlich und Harry wurde ein wenig nervös und biss auf seiner Unterlippe herum. Er konnte es kaum erwarten zu wissen, wer zu diesem gemeinsamen Gespräch erscheinen würde. Edd hatte sich wieder auf Harrys Schulter gesetzt und spielte mit einer seiner Haarsträhnen, während Harry nachdenklich den Kopf auf seinem Arm abstützte, der auf der Lehne des Sofas lag. Nach einer Weile schwang die Tür auf und Harry sah auf. Zur Tür kam eine große, streng aussehende ältere Hexe herein, gekleidet in smaragdgrünen Roben, mit einem großen schwarzen, spitzen Hut, der die zu einem strengen Dutt gewickelte Haare verdeckte. Sie blickte durch den Raum und ein sanftes Lächeln weichte den strengen Blick auf. Nichtsdestotrotz hatte Harry augenblicklich Respekt vor dieser Frau. Dicht hinter ihr betrat ein ebenso großer, alter Zauberer den Raum. Harry bestaunte ihn von oben bis unten. Der ältere Mann war in langen, dunklen Roben gekleidet, über denen er einen violetten, reich mit goldenen Stickereien verzierten Umhang und einen dazu passenden Hut trug. Die fast hüftlangen Haare und der Bart des Zauberers leuchteten Silbergrau in der durch die Fenster hereinfallende Abendsonne und hinter der Halbmondbrille des Mannes blitzten stechend hellblaue Augen hervor. Als dieser die Tür schloss, schwang er kurz seinen Zauberstab und die Tür leuchtete für einen kleinen Moment hell auf. Harry schluckte. Remus und Harry standen auf, um die Gäste zu begrüßen.

Nach einer kurzen Begrüßung in die Runde wandte sich Remus an Harry: „Harry, darf ich vorstellen, Professor McGonagall und der Direktor von Hogwarts, Professor Dumbledore. Beide werden deine zukünftigen Professoren in Hogwarts sein.“ Harry machte im ersten Moment große Augen, war er doch ein wenig überfordert mit der Gesamtsituation, doch er riss sich schnell zusammen und gab beiden die Hand und stellte sich noch einmal vor, auch wenn er wusste, dass jeder wusste, wer er war. McGonagall begrüßte ihn freundlich und setzte sich auf das Sofa gegenüber von ihm.

„Harry, mein Junge.“, grüßte ihn Dumbledore mit einem großen Lächeln und setzte sich. „Wie geht es dir?“

„Gut, Sir. Danke. Ihnen auch?“

„Aber sicher doch.“, sprach der Schulleiter und seine Augen blitzten erfreut auf, als er den Bowtruckle sah. „Vor vielen Jahren hatte ich einen guten Freund, der immer einen Bowtruckle bei sich hatte. Talentierter und herzensguter Mann, aber zurück zum heutigen Anlass. Ich muss gestehen, ich war doch ein wenig verwundert, als ich über die Umstände unseres Treffens heute informiert wurde.“, sagte Dumbledore und blickte in die Runde. Harry sah, dass McGonagall dem älteren Mann einen strengen Blick zuwarf, an dem dieser kurz hängen blieb. „Harry, Remus hat Professor McGonagall und mich noch am gleichen Tag kontaktiert, als er deinen Brief erhalten hat und uns über die aktuellen Entwicklungen und Offenbarungen informiert.“, fuhr er fort und sah Harry direkt an. Er blickte dem Schulleiter in die leuchtenden blauen Augen und hatte das Gefühl, dass dieser mit seinem Blick aus irgendeinem Grund in seinen Kopf schauen konnte. „Und es sind durchaus interessante Entwicklungen.“ Es folgte eine kurze Stille, in der Dumbledore nachdenklich wirkte. „Und nichtsdestotrotz bin ich dir eine Erklärung schuldig, Harry.“

„Ich verstehe nicht warum, Sir.“, sagte Harry leise und sah zwischen den Erwachsenen hin und her. Remus sah ihn freundlich an und hob die Mundwinkel zu einem leichten Lächeln an. „Es gibt Dinge, die du wissen musst, um ansatzweise zu verstehen, warum dein Leben so verlaufen ist, wie es verlaufen ist.“, sagte der Remus und sah zu Dumbledore, welcher Harry nachdenklich ansah.

„Harry. In der Nacht als Lord Voldemort deine Eltern umgebracht hatte, ist etwas passiert, mit dem keiner gerechnet hat. Oder sagen wir es so, es ist etwas passiert, von dem er nicht wusste – oder es ignoriert hatte –, dass es existiert. Im Moment der freiwilligen Selbstopferung deiner Mutter aus Liebe zu dir, bewirkte sie einen mächtigen, uralten Zauber, der den auf dich gerichteten Fluch zurückwarf und Voldemort zu Fall brachte. Das Ergebnis ist die Narbe auf deiner Stirn. Kannst du bis hierhin folgen?“ Harry nickte aufmerksam. „Dieser Schutzzauber wirkt durch dein Blut und sollte so lange anhalten, wie das Blut deiner Mutter fließt. Das bedeutet, dass eine blutsverwandte Person, die dich in ihre Obhut nehmen würde, den Schutz deiner Mutter länger am Leben halten würde. In der besagten Nacht hatte ich einen weiteren Zauber gewirkt, um den Schutz weiterhin aufrecht zu erhalten, mit dem Ziel, dich weiter schützen zu können. Dieser Zauber setzt jedoch die besagte die Blutsverwandtschaft voraus. Durch diesen Zauber wärst du bis zu deinem siebzehnten Lebensjahr im Haus deiner Tante geschützt.“, erklärte Dumbledore und schloss kurz die Augen. „Ich war der Überzeugung, in deinem besten Interesse zu handeln, doch Lily hat mir nie offenbart, was sie dir und Remus in den Briefen geschrieben und in Gringotts hinterlegt hatte. Niemand wusste davon, wir alle waren uns sicher, dass du mit den Dursleys verwandt bist und um den Schutz zu erhalten, wurdest du nicht in die Obhut deines Paten gegeben. Wenn wir gewusst hätten, dass Lily als Kind zu den Dursleys…, ja, verschleppt wurde, dann hätten andere Maßnahmen getroffen werden können. Da sie keine optischen Merkmale von Elfenblut zeigte, zweifelte niemand ihre Herkunft an – es wäre nicht die erste muggelgeborene Hexe, die außergewöhnliches Talent mitgebracht hätte. Es war meine Entscheidung, die dazu führte, dass du bei den Dursleys leben musstest.“

Harry sah Dumbledore mit großen Augen an, sah McGonagall an, die ihn mit einem für ihn nicht deutbaren Blick ansah und seufzte. Er blickte zu Remus, der ihm aufmunternd zunickte, und atmete tief ein und aus, er wusste nicht, was er sagen sollte. Die Informationen schlugen bei ihm ein wie eine Granate, aber er wusste nicht so richtig, wie er seine Gefühle einordnen sollte. Es fühlte sich fast so an, wie die große Traurigkeit, wie er sie bei den Dursleys empfand. Nur war die Traurigkeit in diesem Moment nicht so schwer, wie sie es noch vor ein paar Tagen gewesen war. Es war eine Mischung aus Enttäuschung und Traurigkeit, aus der Erkenntnis heraus, dass wenn seine Mutter diese Personen, die vor ihm saßen, eingeweiht hätte, dass es ihm besser gegangen wäre. Harry fuhr sich mit der Hand durch die Haare und sah zu Dumbledore. Woher hätte er das denn wissen sollen?

„Ich weiß nicht, ob ich alles so richtig begreifen kann, aber ich… ich bin nicht böse auf Sie.“, sprach Harry nach einer Weile.

„Danke, Harry.“, sprach Dumbledore. Er sah, wie Dumbledore seinen Zauberstab zog und eine komplizierte Bewegung machte. Harry spürte, dass sich die Luft um ihn erwärmte. Als nichts weiter passierte, nickte Dumbledore kurz. Harry lehnte sich zurück und rückte ein kleines Stück in Remus‘ Richtung, sodass seine Schulter ganz leicht den Arm des Älteren berührte. Minerva beobachtete den Jungen still und blickte zu Remus und Dumbledore. Die beiden Männer verstanden ihren Blick und Remus ergriff das Wort.

„Harry, Lily hatte in ihrem Brief geschrieben, dass ich ab dem Moment, in dem ich die Patenschaft für dich übernehmen und antreten kann, dich bei mir aufnehmen soll. Sie hat alles so geregelt, dass wir beide in ihr Elternhaus, das Cottage von dem dir in Gringotts erzählt wurde, ziehen können.“, begann Remus und sah einen Hoffnungsschimmer in Harrys Gesicht aufwallen, der auch Dumbledore und Minerva nicht entging. Minerva richtete sich leicht auf.

„Wenn du das möchtest, dann würde ich es dir gerne ermöglichen.“, fuhr Remus fort, wirkte jedoch nachdenklich. „Es gibt allerdings eine Sache, die ich dir nicht verheimlichen kann und will, die zur Folge hat, dass einmal im Monat für einen Tag und eine Nacht jemand anderes auf dich aufpassen muss.“

„Hm?“, kam es unsicher von Harry. Remus blickte auf den Boden und seufzte.

„Ich… bin ein Werwolf.“

Stille. Harry sah ihn zuerst ungläubig an, und sah dann zu den Dumbledore, der ihn mit funkelnden Augen ansah und McGonagall, die ihn recht ernst ansah.

„Du machst einen Scherz, oder?“, fragte Harry mit gerunzelter Stirn.

„Nein, leider nicht.“

Harry wusste nicht, was er mit dieser Information anfangen sollte, er konnte sich nicht viel darunter vorstellen. Aber Remus war freundlich zu ihm, er behandelte ihn gut und seine Mutter hatte ihn zu seinem Paten gemacht, sie musste das doch gewusst haben, dachte sich der Schwarzhaarige und runzelte die Stirn. Jahrelang zeigten die Dursleys mit Worten und Taten, dass sie in Harry nur einen Freak sahen, eine Abnormalität und niemand war da, der ihn in den Arm genommen hätte, ihn lieb haben würde und ihn wie die anderen Kinder von ihren Eltern als etwas Wertvolles betrachten würden. Auch wenn Harry Remus erst seit einigen Stunden kannte, sein Gefühl sagte ihm, dass er ein guter Mensch war. Er kratzte sich am Kinn und überlegte. Es hing jetzt alles davon ab, welche Reaktion Harry auf diese Offenbarung zeigen würde. Und er wollte nicht zurück – er wollte bei jemandem sein, der ihn gern hatte.

„Ok.“, sagte Harry, um einen lockeren Ton bemüht und zuckte mit den Schultern. „Zauberer, Elfen, Werwölfe… Wir können dann ja ein Märchenbuch schreiben, oder?“

Er hatte die Hoffnung, dass dieser kleine Scherz die angespannte Stimmung auflockerte und war erleichtert, als Remus ihn mit einem warmen Blick anlächelte und seine Hand drückte.

„Lily wusste um meine Situation, Werwölfe sind jedoch nicht gern gesehen in der Gesellschaft, was bedeutet, dass ich keine adäquaten Wohnmöglichkeiten für ein Kind habe, geschweige denn finanziell stabil genug dastehe, um für dich zusätzlich in dieser Form sorgen zu können. Für deinen Unterhalt wurde ja bereits gesorgt, es geht praktisch darum, dass wir in einer passenden Umgebung zusammen wohnen können. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich von deinem Geld leben werde, ich werde nach wie vor meiner Arbeit nachgehen und nach allen Möglichkeiten, die ich ausschöpfen kann, für dich sorgen.“, sprach Remus deutlich. Harry nickte verstehend und kratzte sich am Hals.

„In den Tagen, an denen Remus außer Haus sein wird, habe ich angeboten, auf dich aufzupassen.“, wandte sich McGonagall an Harry. „Wir haben bereits mehrere Möglichkeiten erarbeitet, um alles weitestgehend reibungslos und zum Wohle aller Beteiligten klären zu können.“ Er sah die Professorin an und nickte ruhig. Es war nett, zu wissen, dass hier Leute im Raum saßen, die es ihm ermöglichen wollten, mit Remus leben zu können.

„Effektiv bedeutet das für dich, Harry, dass wir uns vor dem Schulbeginn mindestens noch einmal sehen werden. Wir können gerne noch vorher einen Tag gemeinsam verbringen, zum Kennenlernen. Es wird auch keine Bevorzugung aufgrund privater Umstände während der Schulzeit geben.“, richtete sie ernst, jedoch mit hochgezogenen Mundwinkeln, an Harry.

„Das ist in Ordnung.“, antwortete der Schwarzhaarige.

„Deine Mutter hat mir viel bedeutet, sie kam oft während der Schulzeit zu mir, aus akademischen Gründen, oder um Rat zu suchen. Auch nach ihrem Abschluss haben wir engen Kontakt gehalten. Ich sehe es als Selbstverständlichkeit an.“

„Dankeschön.“, sagte Harry und entschuldigte sich nach einer Weile kurz, um auf die Toilette zu gehen. Als er das Zimmer verlassen hatte, wandte sich McGonagall an Remus. „Wie macht er sich so?“

Remus seufzte leise und begann kurz seine Eindrücke des Tages zu berichten, sowie Griphooks Beobachtungen zu schildern. Remus schloss die Augen lehnte sich langsam zurück. „Von den körperlichen Dingen abgesehen, Albus, diese Muggel haben dieses Kind auf vielen Ebenen so tiefgreifend verletzt und vernachlässigt. Als wir im Verlies waren, habe ich ihm nachträglich zum Geburtstag einen Geldbeutel geschenkt, den ich ein wenig verzaubert habe – die Standartgeschichten, ein paar Kleinigkeiten, mehr nicht. Albus, der Junge hat angefangen zu weinen, weil das angeblich das erste Geburtstagsgeschenk war, dass er in seinen zehn Jahren bei den Dursleys bekommen hatte. Xenophilius hat mir etwas Ähnliches berichtet, dass er wegen des Kuchens, den er und Luna für ihn zu seinem Geburtstag gebacken hatten, glasige Augen bekommen hat und mit der Gesamtsituation maximal überfordert war. Harry kennt mich noch keine vierundzwanzig Stunden und hat zwischen den Zeilen schon die Angst geäußert, dass ich ihn nicht aufnehmen kann oder möchte, dass ich vielleicht Familie haben könnte, in der kein Platz für ihn ist und er für keinen eine Belastung sein will. Ich hab das Gefühl, dass die Male, in denen Harry in den letzten zehn Jahren umarmt worden ist, an einer Hand abgezählt werden können.“ Die Stimme des Werwolfs war am Ende der Erzählung dunkel geworden, seine Wut war deutlich herauszuhören und Minerva warf Albus einen wütenden Blick zu.

„Albus, ich hatte dir gesagt, dass es die schlimmste Sorte von Muggeln war! Schau, was sie mit dem Kind gemacht habe.“, fuhr sie ihn an.

„Ich dachte wirklich, dass ich das Richtige tue, wenn ich ihn bei seinen einzigen Verwandten unterbringe, um ihn zu schützen und weit weg von jeglichem Ruhm als normales Kind aufwachsen zu lassen.“, entgegnete Albus ruhig, doch das Funkeln in den Augen war für einen kurzen Moment erloschen. „Es konnte doch keiner wissen, was Lily herausgefunden hatte – ich verstehe auch nicht, warum sie uns diese Informationen vorenthalten hatte. Ich frage mich nur, warum und von wem Lily bei Muggeln versteckt wurde. Dieses Rätsel ergibt in meinen Augen absolut keinen Sinn.“

„Wie sind die Greenwoods gestorben? Hat keiner nach Lily gesucht?“, fragte Remus.

„Ich habe lange gesucht und geforscht und ich habe keine zufriedenstellende Antwort gefunden. Man wusste, dass die Greenwoods eine Tochter hatten, aber da es im Ausland zu einem Unfall gekommen ist, wusste keiner, was genau passiert ist. Und da Eloanne nicht in England entbunden hatte, sondern in Frankreich, wurde Lily zunächst auch nicht im Aufnahmebuch niedergeschrieben. Es ist einer dieser Fälle, wo man an keine zufriedenstellende Antwort kommt. Selbst meine Beziehungen in Frankreich haben sich als Sackgassen erwiesen.“, antwortete Dumbledore. „Die Frage ist nur, wie Lily an diese Informationen gekommen ist.“

„Koboldmagie. Es ging um alte Verträge und Erbangelegenheiten der Potters, weshalb sie in Gringotts Auskünfte benötigte. Und dadurch ergaben sich bei ihrem Nachweis der Identität Ungereimtheiten. Nach mehreren Untersuchungen mithilfe der Kobolde konnte dieses Rätsel ansatzweise gelöst und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, sodass sie das Erbe antreten und auf Harry überschreiben konnte. Die Kobolde hatten ihr offenbart, dass ein sehr alter und dunkler Zauber über sie gelegt worden war, um das Elfenblut zu unterdrücken, weshalb sie nicht wie Harry, oder nach Angaben der Kobolde wie ihre leibliche Mutter, die spitzen Ohren hatte. Sie konnten den Zauber jedoch nicht rechtzeitig lösen. Das war alles kurz vor ihrem Tod, den Brief an mich und Harry hatte sie genau eine Woche vorher geschrieben. Im Prinzip hatte sie innerhalb einer Woche alles geregelt, was es zu regeln gab und dann war Voldemort leider schneller. Sie hatte auch Sirius, ohne James‘ Zustimmung, aus der Patenschaft gestrichen, allerdings hat sie nicht erläutert, warum.“  

„Nun, möglicherweise hatte sie mit Black eine gewisse Vorahnung, wenn man die darauffolgenden Ereignisse betrachtet.“, kam es von Minerva, welche lediglich den Kopf schüttelte, als die Tür aufging und Harry wieder hereinkam.

„Entschuldigung, ich hab‘ mich verlaufen.“, meinte er und setzte sich wieder neben Remus. Harry gähnte noch einmal ausgiebig und rieb sich die Augen. Die Müdigkeit des Jungen war Anlass für die Erwachsenen, das Treffen zu beenden. So nett wie Harry seine zwei zukünftigen Professoren fand – der Tag hatte ihn doch mehr angestrengt, als er es zugeben wollte.

„Mein Junge, du bist sicher müde, nach all den ganzen Informationen heute. Für heute haben wir zunächst einmal alles klären können, das ist ein guter Anfang. Remus, wegen dem Trank müssen wir uns noch einmal zusammensetzen.“, sagte Dumbledore und stand auf. „Harry, ich danke dir für dein Verständnis. Wir sehen uns zum Schulbeginn.“ Mit diesen Worten und einem leichten Schulterklopfer verabschiedete sich Dumbledore und verließ mit Minerva das Wirtshaus, nachdem diese sich ebenfalls verabschiedet hatte und Harry versprach, ihm eine Eule zukommen zu lassen.

Dieser freute sich schon auf den nächsten Tag, denn Remus hatte ihm auf dem Weg aus dem Wirtshaus offenbart, dass ihnen nun nichts im Weg stände, morgen das Haus seiner Großeltern zu beziehen und auf Vordermann zu bringen. Das würde gleichzeitig bedeuten, dass sie nochmal einen Ausflug nach Gringotts machen würden, worauf Harry sich ebenfalls freute.

Remus apparierte mit Harry wieder zurück zum Haus der Lovegoods, besprach kurz mit Mr. Lovegood, wann er ihn am nächsten Morgen abholen würde und wollte Harry anschließend ins Bett bringen. Bevor Harry jedoch ins Bett ging, hatte er sich einen seiner neuen Schlafanzüge genommen und im Bad umgezogen, Dudleys Sachen zusammengeknüllt und im Erdgeschoss in den Kamin geworfen. Er bat einen der Erwachsenen, ein Feuer zu entfachen und mit einem Schwung seines Zauberstabes hatte Mr. Lovegood den Kamin in ein leuchtendes Flammenmeer verwandelt. Harry sah zu, wie seine alte Kleidung in den Flammen zu Asche zerfiel und fühlte sich erleichtert.

Mr. Lovegood nahm von Remus eine Garnitur von Harrys neuer Kleidung entgegen, um diese für den nächsten Tag zu waschen, während Remus den Schwarzhaarigen ins Bett bringen würde.

„Remus?“, sprach Harry den Werwolf an, als er sich ins Bett gelegt hatte.

„Hm?“

„Danke.“

~oOo~


Harry hatte einen großen Teil der Nacht, trotz der großen Müdigkeit vom Vortag, nicht wirklich schlafen können. Zu aufgeregt war er, durch die Neugierde und Vorfreude gegenüber dem, was ihn heute erwarten würde, denn Remus wollte ihn direkt nach dem Frühstück abholen. Deswegen hatte er in den frühen Morgenstunden ein wenig in seinen Schulbüchern geblättert und hatte in seinem Geschichtsbuch den Namen Hedwig entdeckt, welchen er ziemlich passend für seine Schneeeule fand. Als Harry der Eule ihren Namen verriet, sah diese ihn lediglich mit ihren leuchtenden Augen an und schloss diese langsam, als wollte sie ihm mitteilen, dass sie es zur Kenntnis genommen hatte.

Als die Uhr der Lovegoods neun schlug, flammte der Kamin erneut leuchtend grün auf und Remus trat aus den Flammen hervor. Er klopfte sich die Asche von der Kleidung und begrüßte alle. Harry verabschiedete sich von Mr. Lovegood und beteuerte ihm mehrfach, wie dankbar er ihm war, dass er ihn aufgenommen hatte. Dieser neigte nur lächelnd seinen Kopf und kündigte an, dass es nicht ihre letzte Begegnung sein würde. Luna kam mit einem großen Topf im Arm zur Tür herein und strahlte Harry und Remus an. Als sie Remus den Topf reichte, sah Harry sie fragend an.

„Das ist unser Geschenk für euch. Eine Eberesche, sie schützt jeden, der sie berührt, vor dunklen Kreaturen. Pflanzt sie bei euch im Garten ein und sie wird euch treue Dienste erweisen.“ Luna nahm Harrys Hand und drückte sie leicht. „Es war schön mit dir, Harry. Fast so, als hätte man einen Freund.“, sagte sie mit ihrer glockenhelle Stimme und lächelte verträumt.

„Wir…wir sind Freunde, Luna. Ich schreibe dir einen Brief, wenn wir alles erledigt haben, ja?“, sagte Harry und spürte die Wärme, die sich in seinem Brustkorb ausbreitete. Luna nickte und verschwand hüpfend im Nebenzimmer. Sie verabschiedeten sich noch einmal von Mr. Lovegood und schlossen die Haustür hinter sich.

„Bereit?“, fragte Remus und hielt Harry den Arm hin. Harry blickte noch einmal zum Haus der Lovegoods, nahm Hedwigs Käfig in die Hand und sah Remus an.

„Ja.“, antwortete Harry leise und hakte sich ein. Mit einem ‚Plopp‘ waren sie verschwunden und standen Sekunden später auf einem langen Feldweg vor einer alten, hüfthohen und mit Moosen und Farnen bewachsenen Steinmauer, mit einem kunstvollen Eisentor, die sich endlos weit um die Wiesen und Felder auszudehnen schien.

„Ich dachte, wir kommen beim Haus an?“, fragte Harry verwirrt. Remus deutete auf einen unauffälligen, mit Efeu überwachsenen Stein direkt an der Mauer neben dem Eisentor. Harry konnte ein eingemeißeltes Symbol erkennen, welches sich reliefartig abhob. Er hatte noch nie so ein Zeichen gesehen.

„Siehst du diesen Stein mit der Othala Rune?“, fragte Remus und Harry nickte. „Leg deine Hand drauf. Du bist durch dein Blut und deine magische Signatur mit den Zaubern verbunden, die deine Großeltern und Vorfahren auf einen Teil der Grundstücke gelegt haben. Dieser Stein ist sozusagen der magische Schlüssel, dass wir innen die Bereiche und das Haus betreten können.“

Harry sah Remus mit großen Augen an und legte seine Hand auf die Rune. Er spürte, wie der Stein kurz vibrierte und die Rune rot aufleuchtete. Eine leichte Windböe wehte über die Wiesen hinweg und das Eisentor schwang auf. Nachdem Remus anschließend seine Hand ebenfalls auf den Stein gelegt hatte, betraten sie beide das Grundstück. Ein stärkerer Wind wehte auf und etwas weiter in der Ferne konnten sie den Umriss eines Hauses erkennen. Sie liefen los, nachdem Harry Hedwigs Käfig geöffnet hatte und sie auf seine Schulter setzte. Zwischenzeitig sahen sie eine Herde Rothirsche über die Wiesen laufen, Vogelgezwitscher erfüllte die Luft, begleitet vom Summen der Insekten auf den Wiesen.

„Die Ländereien, die zu diesem Grundstück gehören, sind enorm groß. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich die Ausmaße in Gringotts gesehen habe. In einem der Briefe von Gringotts, die Lily von den Kobolden bekommen hatte, waren entsprechende Informationen über die Grundstücke, mit Hinweisen darauf, welche Zauber darauf lagen und welche Bereiche davon betroffen sind. Wenn wir nach den Angaben der Kobolde gehen, gehören zu diesem Cottage unzählige Wiesen und riesige Waldgebiete und zwei große Seen. Die Ländereien sind so groß, dass man sie an einem Tag wahrscheinlich kaum zu Fuß umrunden könnte. Die Schutzzauber, die ein Eindringen durch fremde, unerwünschte Menschen verhindern, umschließen den Bereich, den diese erste Steinmauer umschließt.“, erklärte Remus und deutete auf den Verlauf der Steinmauer. „Ein Großteil der Wälder und Ländereien kann zwar betreten und durchwandert werden, allerdings kann kein Schaden angerichtet werden, ohne entsprechende Konsequenzen zu provozieren.“

„Wow. Aber das ist doch schön, oder? Dann… können wir viel entdecken.“, meinte Harry leise und sah Remus hoffnungsvoll an.

„Wir haben ab heute viel Zeit, alles zu entdecken, was es zu entdecken gibt.“

„Lunas Vater hat auch gesagt, dass es nie früh genug sein kann, die Rätsel des Lebens lösen zu wollen.“

„Da hat er absolut recht. Weißt du, viele unserer Mitschüler damals haben sich in Hogwarts über Pandora und Xenophilius lustig gemacht, weil sie… anders wahren. Sie waren auch… anders als die meisten der Anderen, aber sie haben stets ihr Herz auf Händen getragen und sich nie vor der Wahrheit gescheut.“

„Luna ist auch so.“, erwiderte Harry fest und staunte mit einem leisen, langgezogenen „Oh!“, als sie ihrem Ziel näher kamen. Vor ihnen war eine weitere halbhohe Steinmauer mit einem kleinen Tor, ähnlich wie die Steinmauer, die zum Grundstück führte, welche den nächsten Eingang zum inneren Bereich des Grundstücks ermöglichte und sich in einem engeren Radius um das Haus ausbreitete. Vor ihnen stand ein größeres Cottage aus hellbraunem Sandstein und vereinzelten Fachwerkelementen, mit großen, weiß gerahmten Fenstern und einem dunklen Schilfdach, aus dem große, halbrunde Fenster hervorstanden. Die Vorderseite des Hauses war teilweise verborgen von unzähligen, und wahrscheinlich jahrzehntelang verwilderten, Rosensträuchern, mit den prächtigsten Blüten, die Harry je gesehen hatte. Zwischen den Rosen ragten Unmengen an wilden Blumen hervor, an denen sich unzählige Insekten vergnügten. Der Vorgarten des Cottages war ein einziges Blumenmeer und Harry blieb in Bewunderung stehen, um den Anblick in sich aufzunehmen. Direkt neben dem Haus sah Harry einen großen, uralten Kirschbaum, vollbehangen mit dunkelroten Früchten. Mit wenigen kräftigen Flügelschlagen hatte sich Hedwig von Harrys Schulter erhoben und war im Kirschbaum verschwunden.

„Es ist wunderschön.“, stellte Remus fest und stellte die Eberesche vor den Treppenstufen ab. Der Werwolf lief mit Harry zur Haustür, an der eine große Kletterrose mit dunkelroten, fast purpurfarbenen gefüllten Blüten über den gesamten Türbogen entlang wuchs. Edd streckte seinen Kopf aus Harrys Tasche und gab erfreute Laute von sich, kroch aus der Tasche raus und sprang in die Kletterrose. Remus steckte den Schlüssel in die helle, mit Messing beschlagene Holztür und wollte den Schlüssel umdrehen, welcher sich jedoch nicht bewegen ließ. Remus sah sich die Tür genauer an und erkannte, dass mittig in der Tür in einem kleinen Kreis mehrere, hauchfeine, kaum sichtbare Runen eingebrannt waren, die er jedoch nicht lesen konnte.

„Was ist?“, fragte Harry verwundert.

„Da sind noch einmal Runen an der Tür. Leg die Hand bitte auf die Runen, Harry.“ Dieser folge Remus‘ Bitte und legte seine Hand auf die Runen, woraufhin der Runenkreis in einem hellen Licht aufleuchtete. Remus drehte den Schlüssel um und konnte die Tür öffnen. Als sie die in den Hausflur eintraten, runzelte Harry die Stirn. Das Haus leuchtete innen in einem milchigen Weiß.

„Warum leuchtet alles?“, fragte er.

„Eine Art Schutzzauber für leerstehende Häuser. Das erleichtert das Putzen ungemein für diejenigen, die einziehen wollen.“, erklärte er schmunzelnd und schwang seinen Zauberstab. Das Leuchten ebbte ab, die Fenster im Haus öffneten sich und ließen frische Luft herein. Harry stellte Hedwigs Käfig ab und begann mit Remus das Haus zu erkunden. Links von der Eingangstür führt eine Holztreppe in das obere Geschoss, welches sie jedoch erst später besichtigen würden. Der Flur, mit hellen Steinfliesen gefliest, führte gerade aus in eine große, offene, ebenso geflieste, Küche. Die Küche war hell und einladend, an den Wänden hingen ein paar große und kleine Kupferpfannen, auf Regalbrettern reihten sich Töpfe, Backformen aus Ton und Emaille, sowie einige Schüsseln entlang. Harry schaute in die Schränke hinein, in denen unterschiedlichstes, teilweise nicht zusammenpassendes Geschirr sauber gestapelt war und blickte zu dem großen, gusseisernen Holzherd, den er interessiert inspizierte. An der Wand neben dem Herd war ein großes, steinernes Waschbecken und in der Mitte des Raumes stand ein großer Holztisch, mit ausreichendem Platz für eine große Familienfeier – bei dem Gedanken an eine Familienfeier wurde Harry von einem seltsamen Gefühl ergriffen, das er so nicht wirklich fassen und benennen konnte. Eine große Terrassentür, umrahmt von hellen Stoffgardinen, ließ Unmengen an Licht hineinfallen und führte direkt in den hinteren Garten. Harry und Remus steckten kurz den Kopf zur Tür heraus und konnten sehen, dass im Küchengarten unzählige Beete angelegt waren, die jedoch dringender Pflege benötigten. Eine weitere schmale Tür führte zu einer kleinen Abstellkammer. Sie liefen zurück durch die Küche in den Flur und gingen ins anliegende Wohnzimmer. Der Raum war ebenfalls durch eine große Terrassentür, welche ebenfalls zur Terrasse und dem Garten führte, und die hohen Fenster lichtdurchflutet. An den Fenstern hingen helle Stoffgardinen, die sanft hin und herwogen, auf dem warmen Holzdielenboden lag ein großer, champagnerfarbener Teppich mit goldenen und purpurfarbenen Stickereien und vor dem Kamin reihten sich im Halbkreis drei große, gemütliche Sofas mit dunklen, purpurfarbenen Bezügen um einen hellen Sofatisch. An den Wänden stand auch das ein oder andere offene Regal und zwei Kommoden reihten sich unter den Fenstern entlang. Harry blickte hoch und im Kreis herum und sah, dass an der Decke ein schlichter, goldener Kerzenleuchter hing, ergänzt durch vereinzelte goldene Kerzenhalter an den Wänden.

„Purpur und Gold sind wohl die Familienfarben der Greenwoods gewesen.“, meinte Remus nachdenklich.

„Familienfarben? Wie kommst du darauf?“, fragte Harry.

„Jede der alten Familien hat ihre typische Farben, die Farben der Potters waren zum Beispiel Dunkelrot und Gold. Andere wiederum führten zum Beispiel die Farben Grün und Bronze, oder Schwarz und Kupfer etc. Es gibt unzählige Möglichkeiten. Bei so alten Familien war es typisch, im Wohnbereich die Familienfarben zu präsentieren, wenn auch das Cottage hier sehr schlicht und bescheiden ausgestattet ist, der Wohnbereich hatte immer eine gewisse Repräsentationsfunktion.“

„Ah. Ich finde das Purpur ganz schön.“, meinte der Schwarzhaarige und zuckte mit den Schultern. Remus schmunzelte und führte Harry eine Tür weiter in die große Bibliothek. Zwischen den Fenstern reihten sich deckenhohe, helle Bücherregale an den Wänden im gesamten Raum entlang. Vereinzelt standen noch einige Bücher darin, jedoch war ersichtlich, dass ein großer Teil fehlte. Nahe des Kamins stand ein großer, schlichter Schreibtisch und am anderen Ende des Raums sah Harry einen großen, einladenden Ohrensessel mit purpurfarbenen Bezügen und goldenen Ornamenten am Holz mit einem kleinen Beistelltisch.

„Ich nehme an, dass die wichtigen Bücher alle in Gringotts verstaut wurden. Die teilweise über Generationen weitervererbten Bücher sind dort definitiv sicherer.“, erklärte Remus dem Jungen.

„Aber hier waren doch so viele Schutzzauber?“

„Es gibt, außer vielleicht Hogwarts, meines Wissens nach keinen sichereren Ort als Gringotts. Die wenigsten, die dort einbrechen, schaffen es lebendig wieder heraus. Eigentlich schafft es keiner.“

„Holen wir dann alle Bücher wieder aus den Verliesen? Die Potters hatten ja auch Unmengen an Büchern, dann können wir eine noch größere Bibliothek daraus machen.“, schlug der Junge vor und Remus nickte zustimmend.

„Dann können wir dich schonmal ein wenig auf Hogwarts vorbereiten, was die magische Welt betrifft.“ Harry strahlte Remus begeistert an und nickte. „Und wenn du in Hogwarts bist, habe ich noch mehr Beschäftigung.“ Beide gingen zurück in die Küche, um die Treppe in den Keller zu nehmen. Als sie die Treppen hinab stiegen, entflammten sich die Kerzen an den Wänden und erhellten den Weg.

„Warum ist im Keller ein Kamin?“, fragte Harry und deutete auf den großen Kamin nahe der Treppe.

„Damit die Leute, die zu Besuch kommen nicht die ganze Asche in den Wohnräumen verteilen. Das wäre wahrscheinlich der einzige Kamin, der ans Flohnetzwerk angeschlossen würde, aber ich denke, dass wir vorerst den Kamin nicht anschließen, bis wir alles geordnet haben.“

„Flohnetzwerk?“

„Die grünen Flammen, aus denen ich herausgestiegen bin, erinnerst du dich? Das ist das Flohnetzwerk, es ist eine weitere Art kurze Strecken zu reisen oder sich mit jemandem zu unterhalten.“

„Achso.“, meinte Harry nur und folge Remus in eine Art Vorratskammer für Lebensmittel, in der lediglich leere Regale und Kisten standen. Daneben befand sich eine weitere Tür, hinter der sich eine große Waschküche befand, mit mehreren großen Zubern, Waschbrettern, einem großen Waschbecken, einem kleinen gusseisernen Holzherd, ein paar Regale und Kerzenhalter an den Wänden, sowie mehrere Wäscheleinen. Eine Treppe führte zu einer schlichten Tür, die wahrscheinlich, so nahm Harry es an, in den Garten führte. An der Decke des Raumen reihten sich mehrere kleine Fenster entlang, die Remus mit einem Schwung seines Zauberstabes öffnete. Als sie die andere Tür des Flurs öffneten, staunte Harry nicht wenig. Er stand in einem großen Raum, der einem Labor ähnelte, wie er es im Fernsehen schon einmal gesehen hatte. An den Wänden reihten sich viele Regale mit Gläsern, Phiolen und Flaschen entlang, von denen die Meisten jedoch leer waren. In zwei großen Glasvitrinen, von denen ein leichtes, blaues Leuchten ausging konnte Harry unzählige Gläser, Phiolen, Tiegel und Dosen erkennen.

„Was ist das alles?“, fragte Harry neugierig. „Und ist das auch so ein Schutzzauber?“

„Ich nehme an, dass das recht… teure oder seltene Zutaten sind. Lily hatte in ihrem Brief erwähnt, dass ihr Vater wohl ein bekannter Zaubertrankmeister war. Das Leuchten ist eine Art Konservierungszauber, dass nichts verdirbt. Es gibt nur wenige Zauber, die die Qualität der Zutaten nicht beeinflusst. Und hier unten in der Vitrine stehen, so wie es aussieht, mehrere Samen von diversen Pflanzen. Ich war zwar kein Experte in Kräuterkunde, aber da bin ich mir ziemlich sicher.“, erklärte Remus und sah sich die Vitrinen genauer an.

Neben einem weiteren Kamin und einem großen steinernen Waschbecken war in der Mitte des Raumes drei große Arbeitstische, auf denen noch der ein oder andere Dreifuß mit einem leeren Kessel darauf stand. Am Ende des Raumes befand sich noch ein großer Schreibtisch und Harry wunderte sich, dass der Raum trotz dessen, dass er sich im Keller befand, nicht dunkel war – von dem Kerzenleuchter an der Decke abgesehen, ließen mehrere kleine Fenster nahe der Decke Licht von draußen hereinfallen. Remus schwang seinen Zauberstab, dass die Fenster sich öffneten und verließ mit Harry den Keller.

Sie liefen hoch in den obersten Stock, auf dem sich zwei große Schlafzimmer, ein kleineres Gästezimmer und ein hellgefliestes Badezimmer befanden. Remus überließ Harry die Wahl seines Zimmers. Der Schwarzhaarige entschied sich für das Zimmer mit drei großen Fenstern – er wollte es hell in seinem Zimmer haben, so viel Licht wie möglich. Der Boden im oberen Stockwerk war der gleiche warme Dielenboden wie im Wohnzimmer und der Bibliothek. Im Raum befand sich lediglich ein großer, schlichter Bettrahmen aus hellem Birkenholz und Harry überlegte sich, wie er sein Zimmer einrichten wollen würde – aber er hatte sich noch nie Gedanken machen müssen, wie er sein Zimmer gerne hätte. Und zum ersten Mal in seinem Leben hatte er sowohl ein Zimmer als auch die Möglichkeit und die Freiheit, es einzurichten, wie es ihm gefiel.

Remus nahm das Schlafzimmer gegenüber von Harrys Zimmer und lehnte sich nach der kurzen Inspektion an den Türrahmen des Kinderzimmers. Er beobachtete, wie Harry konzentriert im Zimmer stand und hin und wieder aus dem Fenster herausblickte.

„Remus!“, rief Harry laut und erschrak, als sich Remus direkt hinter ihm meldete.

„Ich steh schon hier.“, lachte er. „Was gibt’s?“

„Schau mal, die Rosen von der Eingangstür wachsen bis hier hoch.“, meinte er und deutete auf die Rosen, die unter der Fensterbank entlangwuchsen. „So schön.“, fügte er leise an und begann zu lachen, als er sah, dass Edd plötzlich aus den Rosen hervorlugte und zu Harry krabbelte.

„Das ist wirklich schön. An meinem Fenster wachsen die Weinreben von der Terrasse entlang. Das sind wirklich wunderschöne Rosen.“, entgegnete der Werwolf und stemmte die Hände in die Hüften. „Hast du schon eine Idee, was du in deinem Zimmer möchtest?“

„Ich weiß es nicht, in den Verliesen sind doch Möbel gewesen, da können wir ein paar davon mitnehmen. Dann müssen wir nichts Neues kaufen.“, meinte Harry und zuckte mit der Schulter.

„Und wenn wir Bettwäsche oder Gardinen besorgen, welche Farben gefallen dir gut?“

„Hm. Vielleicht blau? Oder grün. Die hellen aus dem Wohnzimmer sind auch schön. Ich…ich kann mich nicht entscheiden.“

„Dann lass uns nach Gringotts gehen, ein paar Möbel, die Bücher und die Dinge einpacken, die dir gefallen und noch einmal Geld holen, dass wir Bettwäsche, Teppiche und Gardinen für dein Zimmer, Handtücher fürs Bad und Geschirrtücher für die Küche holen. Vielleicht brauchen wir auch noch ein paar Decken fürs Wohnzimmer, ja? Eine Matratze für dein Bett benötigen wir definitiv auch noch.“

„Und dein Zimmer?“, fragte Harry und legte den Kopf schräg. Remus schwieg kurz.

„Ich werde einfach die Dinge aus meinem alten Haus holen.“

„Warum?“ Harry legte den Kopf schief und sah hoch zu Remus.

„Weil ich nicht von deinem Geld leben möchte, das fühlt sich nicht richtig an. Nur weil ich dein Pate bin, möchte ich nicht direkt den Anspruch erheben, dass ich mich auf deine Kosten einrichte.“ Harry sah ihn stillschweigend an und drehte sich zum Fenster. Er hatte die Kleider gesehen, die Remus trug – sie erinnerten ihn an seine Kleidung, bevor Remus mit ihm einkaufen war. Alt, verwaschen und an vielen Stellen geflickt. Er hatte auch verstanden, was er gestern zu Harry gesagt hatte, als sie sich mit den Professoren getroffen hatten. Und Harry konnte nachvollziehen, wie er sich fühlen musste – bestimmt schämte er sich ein bisschen, so wie er sich immer geschämt hatte. Er drehte sich um und sah Remus an.

„Dafür hat meine Mutter dir doch bestimmt den Brief geschrieben, oder? Wenn…, wenn du dich schämst, ist das nicht schlimm, oder? Ich habe mich immer in den alten Sachen von Dudley geschämt, die anderen Kinder haben mich ausgelacht.“, sagte er, blickte auf den Boden und wurde zum Ende hin leiser.

„Ach Harry.“, seufzte Remus und nahm den Jungen in den Arm. „Ich schäme mich nicht.“

„Ich hab gesehen, wie die Leute uns in der Winkelgasse angeschaut haben.“, entgegnete der Schwarzhaarige knapp. „Du kümmerst dich um mich, einfach so, ohne etwas dafür zu wollen. Und… wir müssen uns um uns kümmern, oder? Der Kobold hat gesagt, ich kann zwei Lebzeiten ohne zu arbeiten leben!“, beharrte er. „Wenn man es nicht übertreibt.“, fügte er nach ein paar Momenten leise hinzu.

„Ich weiß, aber ich fühle mich nicht wohl dabei.“, sagte Remus leise. Er konnte nachvollziehen, was Harry meinte, doch seine moralischen Vorstellungen stellten sich quer. Aber er war ein bisschen stolz auf den Jungen, dass dieser den Mut hatte, ihm bis zu einem gewissen Punkt zu widersprechen. „Ich will nicht, dass jemand denken könnte, ich nutze deine Situation aus, auch wenn mir generell egal ist, was die anderen Leute denken.“

„Das… das ist nicht wichtig. Niemand in dieser Welt hier weiß, wo ich aufgewachsen bin. Das wissen doch nur wir beide und Professor McGonagall und Professor Dumbledore, oder?“

„Weitestgehend, ja.“

„Als… ich bei den Dursleys putzen musste, habe einmal ich gehört, wie Vernon mit Petunia über das Geld gesprochen hat, das sie jeden Monat zum Einkaufen bekommt. Sowas können wir doch auch machen, oder?“

„Du meinst eine Art Haushaltskasse?“

„Ja. Ich glaube so hat sie es genannt.“

„Das können wir machen, wenn es dich beruhigen würde. Ich werde aber nach wie vor mit meinem Verdienst für uns sorgen und was nicht reicht, ergänzen wir mit der Haushaltskasse. Ok?“, schlug Remus vor. Er wuschelte dem Jungen ein wenig durch die Haare und legte stirnrunzelnd den Kopf schräg, als Harry ihn schweigend ansah.

„Einverstanden. Aber wenn wir Sachen für mein Zimmer besorgen, dann möchte ich, dass du dir auch etwas aussuchst. Und wenn du Kleidung brauchst, dann…kauf die Kleidung, okay?“, sprach Harry und schaute auf den Boden. Er hatte selten so mit Erwachsenen gesprochen, aber es machte ihn traurig, wenn er mit Remus in so einem schönen Haus wohnen würde und Remus in seinem Schlafzimmer nur kaputte Sachen besitzen würde.

„Einverstanden.“, seufzte Remus und lächelte leicht. Der Junge weiß gar nicht, wie ähnlich er seiner Mutter war, dachte sich Remus und verließ mit Harry das Zimmer. Sie schauten sich noch kurz das Gästezimmer an, in dem sich lediglich ein großes Bettgestell befand, und sahen sich noch den Dachboden an, welcher jedoch komplett leer stand, weshalb sie sich wieder auf den Weg in die Küche machten. Dort angekommen setzte Remus alle Dinge, die sich in Harrys Umhängetasche mit einem Schwung seines Zauberstabes auf den Küchentisch, schloss alle Fenster und Türen im Haus und ging mit Harry in den Garten.

Über der Terrasse bildeten Weinreben, an denen dicke, dunkle Traubenrispen hingen, ein schattenspendendes Blätterdach und Harry staunte nicht schlecht, als er hinter dem Haus den großen Nutzgarten von Nahem sah, in dem allerlei Kräuter, Blumen und Sträucher in, zumindest einst, sauber angelegten Beeten, wuchsen. Zumindest war Harry sich sicher, dass die Beete einst sauber angelegt waren, allerdings war die Anordnung der Beete seltsam. Es sah chaotisch aus, doch er war sich sicher, dass er mit Remus den Garten wieder auf Vordermann bringen könnte – er hatte ja auch schließlich Übung darin und zwanzig Jahre ohne Pflege hinterließen ihre Spuren. Harry hatte selten so einen wilden, aber dennoch prächtigen Garten gesehen. Als sie ein paar Schritte weitergingen entdeckte Harry neben dem Haus einen von Wein überwachsenen Schuppen mit zwei Türen, bei dem es sich, nach einer kurzen Inspektion, auf der einen Seite um einen Garten-, und Holzschuppen handelte und auf der anderen Seite um einen großen, leeren Hühnerstall, dessen Gehege sich zur Rückseite des Schuppens erstreckte. Die Zäune des Geheges waren größtenteils schon morsch und am auseinanderfallen. Harry und Remus staunten, als sie sich umdrehten und neben einer Seite des Hauses, nahe dem einstigen Gemüsegarten, ein großes, mit Gusseisen gerahmtes, verglastes Gewächshaus sahen.

„Das wird nicht wenig Arbeit.“, meinte Remus und kratzte sich am Kopf.

„Aber es wird Spaß machen.“, entgegnete Harry und lächelte.

„Dann werden wir uns in den nächsten Tagen mal an die Arbeit machen, hm? Siehst du dort hinten, hinter der kleinen Mauer, die ganzen Obstbäume? Da sieht einiges schon ziemlich reif aus, bei der Menge an Obstbäumen könnten wir wahrscheinlich bis Weihnachten von Kuchen leben.“, meinte Remus und Harry lachte.

„Dann machen wir heute und morgen das Haus schön, putzen und dann können wir in den Garten?“

„Das wäre ein Plan.“

„Super.“, sagte Harry und strahlte, als er den Garten ansah. „Diese Eberesche von den Lovegoods, können wir sie neben das Haus setzen? Im Vorgarten? Dann ist auf der einen Seite der Kirschbaum und auf der anderen Seite wächst dann die Eberesche. Das wird mit den Rosen bestimmt schön aussehen.“, fragte er nach einer Weile und Remus nickte. Sie schlossen das Haus ab und machten sich auf den Weg in die Winkelgasse.

Harry beobachtete Remus, wie dieser im Potterverlies um die verschiedenen Möbel lief und die ein oder andere Tür oder Schublade öffnete, um nachzusehen, ob sich etwas darin befand. Nachdem er sich für einen größeren, schlichten Schrank, eine Kommode und ein Nachttischchen aus Kirschholz entschieden hatte, schwang dieser seinen Zauberstab und schrumpfte die Möbel auf die Größe von Streichholzschachteln und legte sie in seine Tasche. Er packte noch einen weiteren Schrank und eine Kommode, sowie einen Stuhl für das Gästezimmer ein und drehte sich um. Er sah zu Harry und warf ihm einen fragenden Blick zu

„Mir haben die Möbel aus dem anderen Verlies besser gefallen, die hier sind so…dunkel. Sie sehen schön aus, mir gefällt das helle Holz aber besser.“, erklärte er, während er durch die Reihen lief und für sich und Remus noch einmal die Geldbeutel für den späteren Einkauf füllte. Remus hatte ihm noch einen kleinen Block und Stift gegeben, dass er genau aufschreiben sollte, wie viel er aus dem Verlies holen würde, sodass Remus eine angemessene Buchhaltung führen könnte. Als er genug eingepackt hatte, entdeckte er hinter einem Schrank mehrere Bilderrahmen. Er winkte Remus zu sich und dieser half ihm, den Schrank zur Seite zu schieben. Zum Vorschein kamen zahlreiche große, kunstvoll gerahmte Gemälde. Harry staunte, denn die Gemälde schienen sich genauso zu bewegen wie das Foto seiner Eltern. Die beiden sahen sich die Gemälde nacheinander an und entschieden sich, ein Gemälde von nebelbehangenen Gebirgen, aus dessen Nebelschwaden Tannen emporragten, für den Flur einzupacken. Nach ein paar weiteren Gemälden kam ein großes, goldgerahmtes Gemälde eines mächtigen, auf einem Felsen sitzenden Löwen mit wallender Mähne vor einem strahlenden Himmel zum Vorschein, der die beiden mit durchdringenden Augen ansah.

„Wow.“, sagte Harry.

„Das ist das Wappentier der Potterfamilie.“, sagte Remus und sah zu Harry. „Möchtest du es mitnehmen?“

„Ja, bitte. Können wir es ins Wohnzimmer hängen?“

„Wir könnten es über den Kamin hängen. Vielleicht finden wir noch irgendwo das Familienwappen.“, antwortete der Werwolf, packte das Gemälde nach einem Schwung des Zauberstabes ein und schob mit Harry den Schrank zurück. Sie öffneten mehrere Schubladen, bis sie in einer Schublade einer größeren Kommode fündig wurden.

Vor ihnen lag ein kunstvoll geschmiedetes Wappen, mit etwa dreißig Zentimetern Durchmesser. Harry nahm es hoch und erkannte auf dem Schild den gleichen, in Gold gearbeiteten Löwen auf rotem Hintergrund. Das Wappen wurde von goldenen und vereinzelten dunkleren Federn umrahmt und an der oberen Seite ragte ein dunkles, filigran gearbeitetes Hirschgeweih empor, dessen Wurzel ein kunstvolles, goldenes „P“ vor einem Zweig mit drei dunkelgrünen Eichenblättern und zwei braunen Eicheln bedeckte. Am Fuß des Wappens war ein helles, leicht gewelltes Band mit der geschwungenen Aufschrift „Pacem serva in anima. zu erkennen. Harry sah zu Remus und fragte, was die Aufschrift bedeutete.

„Es bedeutet in etwa, den Frieden in der Seele bewahren.“

„Ich möchte es mit dem Löwen zusammen aufhängen. Was denkst du? Vielleicht finden wir im anderen Verlies auch so etwas.“

„Theoretisch müsste das alles vorhanden sein, die Greenwoods waren ja auch eine alte Familie. Hast du alles?“, fragte Remus und Harry deutete noch auf die Bücherregale, die Remus mit einem Schwung seines Zauberstabes leerte. Der Schwarzhaarige sah belustigt zu, wie die Bücher in einer Reihe in Richtung seiner Umhängetasche flogen und darin verschwanden. Nachdem sie das Verlies verschlossen hatten, machten sie sich auf den Weg zum Greenwoodverlies und packten zunächst die Bücherregale ein. Harry lief mit Remus zu den Gemälden und entdeckte ein Gemälde einer Landschaft mit einer großen Weide an einem Bach. Die langen Arme der Weide wehten im Wind, die Spitzen teilweise bereits im Wasser hängend, vereinzelte Vögel flogen durch das Gemälde und der Bach floss vor sich hin. Das Bild hatte etwas Beruhigendes, etwas Friedliches an sich. Sie sahen sich weitere Gemälde an, bis sie auf ein großes Gemälde, in etwa der gleichen Größe wie der Löwe aus dem Potterverlies, stießen, welches einen prächtigen Rothirsch mit einem gewaltigen Geweih und eine Hirschkuh im Wald zeigte, die sich neugierig zu Harry und Remus umdrehten. Der schlichte Holzrahmen aus Eschenholz, mit feinen, goldenen Runen, war für Remus das Indiz, dass es sich bei diesem Gemälde ebenfalls um das Wappentier der Greenwoods handeln musste. Sie packten das Gemälde ein, nahmen noch weitere Landschaftsgemälde für Remus mit und Harry entschied sich dazu, ebenfalls das Gemälde eines Fuchses mit leuchtendem, feurig roten Fell und seinen Welpen, sowie ein großes Gemälde mit einem mächtigen Braunbären im Wald, eines mit zwei Ottern, die gerade miteinander spielten, das Gemälde eines großen Hasen, der im Gras saß, und eines mit einem Steinbockpaar an einem Gebirgsbach für sein Zimmer mitzunehmen. Als sie die anderen Gemälde zurückstellten, fiel den beiden ein weiteres, in edlem, kunstvoll geschnitzten Holz gerahmtes, großes Gemälde auf, auf dem ein imposanter Wolf mit silbrig glänzendem Fell und leuchtenden Augen auf einem großen Stein saß, im Hintergrund die Tannen und Buchen vom Wind sich hin und herwiegend. Harry bemerkte, wie Remus das Bild ansah und blickte zu Remus hoch.

„Hängen wir es ins Wohnzimmer?“, fragte der Schwarzhaarige vorsichtig.

„Bist du dir sicher?“

„Ja. Hängen wir es mit dem Löwen und den Hirschen zusammen über den Kamin.“ Remus lächelte und nickte.

Harry ging zu den Möbeln und entschied sich für einen Schrank aus dem gleichen, passenden hellen Holz zu seinem Bettgestell und zwei weiteren Kommoden, einen kleinen Tisch mit Stuhl und ein Nachttischchen, welche Remus für ihn einpackte. Sie öffneten weitere Schränke, in denen sie lediglich ein paar Pergamentrollen fanden, bis sie in einem kleineren Schrank eine Kiste entdeckten. Harry öffnete die Kiste mit Remus und staunte, als sie darin eine in dunklem Samt gebettete große Kristallkugel entdeckten, mit einem dazugehörigen bronzenen Ständer.

„Ich würde behaupten, dass einer deiner Vorfahren eine Vorliebe für Wahrsagerei hatte.“, meinte Remus und schmunzelte. „In der Schule konnte ich damit nichts anfangen.“

„Die sieht schön aus. Ich möchte sie mitnehmen.“, sagte Harry und Remus packte es ein. Sie öffneten noch einige weitere Schubladen, bis sie gefunden hatten, wonach sie suchten. Remus hob das ebenfalls etwa dreißig Zentimeter große, in kunstvoller Manier geschmiedete Wappen hoch und Harry sah es sich ebenfalls interessiert an. Das Wappen war gänzlich verschieden gegenüber dem der Potters. Es zeigte ein in der Mitte, je auf einer Seite von einem goldenen Hirsch und einer Hirschkuh gehaltenes großes, goldenes und verschnörkeltes „G“ auf purpurnem Hintergrund. Das Wappen war umrandet von dunkelgrünen Efeublättern und Weinreben und in der Mitte der Oberseite ragten drei goldene Rosenblüten empor. Am unteren Ende des Wappens war ebenfalls eine helles Band mit der Aufschrift „Lumen manet in aeternum.“ zu sehen. Harry sah zu Remus, welcher nur „Das Licht währt ewig.“ meinte und das Familienwappen einpackte. Nachdem sie noch einmal alles kontrolliert hatten machten sie sich auf den Rückweg in die Winkelgasse.

Nachdem sie eine Kleinigkeit gegessen hatten, bogen sie aus der Winkelgasse in eine etwas ruhigere Seitengasse ein, um die restlichen Dinge für das Haus zu besorgen und danach einen kleinen Abstecher auf den Markt zu machen. Harry war lediglich kurz verwirrt, als Remus noch einmal kurz in einer Apotheke verschwunden war, woraufhin dieser nur entgegnete, dass er etwas beim letzten Mal vergessen hatte.

„Ich bin froh, dass die Farben im Wohnzimmer schon vorgegeben waren – Mode und Einrichtung waren noch nie meine Stärke.“, meinte Remus erschöpft, als er sich in der Küche auf einen Stuhl fallen ließ und die Umhängetasche neben sich ablegte.

„Kann ich verstehen. Ich bin da auch nicht so gut, ich… ich musste mir auch nie etwas aussuchen, weißt du?“, antwortete Harry und biss in einen Apfel.

„Was meinst du damit?“

„Hm. Ich habe keine neuen Spielsachen bekommen, nur das alte und kaputte Zeug von Dudley. Mit dem Kleidern war das auch so. Ich hatte ja auch gar kein richtiges Zim… Naja, ich habe einfach nichts von den Dursleys bekommen, also musste ich mich auch nicht entscheiden.“

„Du hattest kein richtiges Zimmer?“, fragte Remus mit hochgezogener Augenbraue. Harry schüttelte den Kopf und sah auf den Küchentisch, während er mit einem Finger die Holzmaserung nachfuhr. Er spürte Remus Blick auf sich ruhen, bis er seine Tasche öffnete und seinen Hogwartsbrief rauszog. Harry war verwundert gewesen, dass der Brief mit der Adresse bei den Dursleys beschriftet war, obwohl er sich bei den Lovegoods aufhielt, aber maß dem keine weitere Bedeutung zu. Allerdings hatte er Remus nur seine Materialliste zukommen lassen, damit dieser den Umschlag nicht gleich am ersten Tag sehen würde. Er schob ihm den Brief zu. Dieser nahm den Umschlag und las leise „Harry Potter. Der Schrank unter der Treppe, …“ und biss seine Kiefer zusammen. Er schloss die Augen, atmete tief ein und aus und schob Harry Kopfschüttelnd den Brief zurück.

„Es ist vorbei, Harry.“, sagte er dann leise zu ihm und Harry lächelte ihn an. „Und weißt du, was wir jetzt machen?“

„Hm?“

„Auspacken.“, antwortete Remus knapp und schwang seinen Zauberstab. Die Umhängetaschen der beiden öffneten sich und in ordentlichen Reihen flog alles empor und sortierte sich auf dem Küchentisch.

„Wieso bewegen sich die ganzen Sachen alle so ordentlich oder ordnen sich von selbst?“, fragte Harry, nachdem er sich diese Frage mehrfach gestellt hatte.

„Ein Zauberspruch besteht meistens aus einer Zauberstabbewegung, einem Zauberspruch und der Absicht des Zauberers. Es gibt unzählige Zaubersprüche, jedoch sind einige davon abhängig, welche Absicht, welches Bild im Kopf oder welchen Sinn man verfolgt. Ich ordne in diesem Fall praktisch beim Sprechen des Zaubers bereits in Gedanken die Dinge und gebe das gewünschte Ergebnis vor. Das ist eines der Hauptprinzipien beispielsweise bei Haushaltszaubern, wie du es gleich erleben wirst, wenn wir anfangen zu putzen.“, erklärte Remus und Harry sah ihn begeistert an, während er die Informationen innerlich verarbeitete. „Das wirst du alles in Zauberkunst lernen.“

„Ich freue mich jetzt schon.“

Nachdem mehrere Eimer, Lappen, Besen und Wischmopps bereit waren, sprach Remus zur Verdeutlichung seinen Zauber laut aus und Harry staunte, als die Gegenstände begannen sich auf ihren Weg in die jeweiligen Räume zu machen, die Schränke, Regale und Möbel, die Remus zuvor noch in die entsprechenden Zimmer gebracht und mit Harry positioniert hatte, Böden und Fenster zu putzen.

In der Zeit, in der das Haus geputzt werden würde, setzten sich Remus und Harry auf die Terrasse und genossen die Sonne mit ein paar Kirschen des großen Kirschbaumes neben dem Haus. Harry spielte ein wenig mit Edd, der vor ihm auf dem Tisch saß und Remus las ein Buch, bis sie hörten, wie die Eimer, Besen und Mopps in der Abstellkammer zum Stillstand kamen. Harry lief ins Haus zurück und staunte mit großen Augen, als er sah, wie die einzelnen Zimmer vor Sauberkeit blitzten. Remus stand neben Harry und machte ein zufriedenes Gesicht. Er sammelte mit Harry die Gardinen aus dem Wohnzimmer, der Küche und Bibliothek ein, Harrys gesamte neuen Klamotten, die Bettwäsche, Bezüge, Handtücher und neuen Gardinen und ging mit ihm in den Keller. Gemeinsam füllten sie die großen Zuber mit warmem Wasser und bereiteten alles vor. Harry öffnete auf Remus‘ Bitten hin die Kellertür zum Garten und drehte sich gespannt zu Remus um, der kurz grinste, den Zauberspruch laut sprach und mit einem Schwung des Zauberstabes die Waschküche in Bewegung setzte. Wie von Geisterhand flogen die einzelnen Teile durch die kleine Waschstraße aus Zubern und Eimern, Waschbrettern und Seife. Die gewaschenen, gespülten und ausgewrungenen Teile flogen durch den Raum hinaus in den Garten und Harry rannte hinterher, um zu sehen, wie sich alles fein säuberlich auf den Wäscheleinen aufreihte.

Ein leichter Wind wehte den Duft der frischen Wäsche durch den Garten und Harry hatte das Gefühl, dass die Freude und Aufregung über diese so unwirklich wirkende Realität gar keinen Platz in seiner Brust hatte, dass er das Gefühl hatte, zu platzen. Er ging zurück in die Waschküche und sah Remus sprachlos an, mit leuchtenden Augen und Begeisterung und atmete tief durch.

„Es ist alles so unglaublich.“, sagte er. „Es ist kein Traum, oder?“

„Nein, Harry. Es ist alles real.“, antwortete Remus.

„Aber du machst manche Dinge noch ohne deinen Zauberstab, oder?“, fragte er neugierig.

„Natürlich, spätestens wenn es darum geht, die Wäsche abzuhängen und zusammen zu falten müssen wir von Hand ran. Der Zauber zum Falten gelingt mir nämlich gar nicht gut, wie so manch einer Mutter, die ihn täglich benutzen muss.“, entgegnete dieser. „Und das war jetzt auch nur für die Grundreinigung, dein Zimmer wirst du ab sofort selbst sauber machen müssen.“, fügte er mit einem Zwinkern an und Harry lachte.

„Außerdem, wie du gemerkt hast, ist das Zaubertranklabor noch nicht geputzt. Das machen wir morgen oder an einem anderen Tag von Hand. Jetzt müssen wir erst einmal alles Wichtige verräumen.“

„Okay. Die Bibliothek und das Wohnzimmer zuerst? Die Küche ist ja schon fertig und sauber.“, schlug Harry vor.

„Ja, bis wir dort fertig sind, müsste die Wäsche auch weitestgehend trocken sein, bei der Sonne und dem Wind und wir können dann die Schlafzimmer fertig machen.“, antwortete Remus und zog einen Werkzeugkasten aus seiner Tasche heraus, den er in seine ursprüngliche Größe zurückversetzte. Anschließend holten sie die Gemälde, die Remus mit einem Schwung des Zauberstabes in die ursprüngliche Größe versetzte und reinigte und sich mit Harry überlegte, wo sie welche Bilder aufhängen würden.

Sie entschieden sich, wie geplant, das Bild der nebelbehangenen Tannen im Gebirge im Flur in den Eingangsbereich aufzuhängen und standen anschließend im Wohnzimmer vor dem Kamin. Das große Gemälde des Wolfs hingen sie genau mittig über den Kamin. Rechts des Kamins wollten sie seitlich versetzt das große Gemälde des Löwen aufhängen, als Harry verwundert zu Remus schaute.

„Der Löwe ist nicht mehr allein.“, stellte er staunend fest, als er die anmutige Löwin neben dem Löwen sitzen sah und Remus lachte.

„Manchmal verschwinden die Personen oder Objekte aus den Bildern und tauchen wieder auf. Wir kennen die Welt nicht, in der sie gemalt wurden.“, meinte er hing das Gemälde an den Nagel. Unter dem Gemälde platzierten sie passend das Wappen der Potters. Auf der linken Seite des Kamins hingen sie in gleicher Weise das Gemälde der Hirsche mit dem Wappen der Greenwoods darunter auf. Harry sah zufrieden auf die Wand und hatte das Gefühl, dass jetzt alle wichtigen Dinge an der Wand hingen. Er holte die Kiste mit der Kristallkugel und stellte diese mit dem Bronzeständer auf eine der Kommoden im Wohnzimmer und ging mit Remus in die Bibliothek. Sie entschieden sich, dass sie die Bücher der beiden Verliese voneinander getrennt sortieren würden und begannen nach und nach die Regale einzuräumen. Nachdem sie knapp zwei Stunden später alle Bücher abgestaubt, sortiert und eingeräumt hatten, räumten sie die Bücher, die thematisch oder aus Platzgründen nicht mehr in die Bibliothek passten, in die Regale im Wohnzimmer und ließen sich im Wohnzimmer müde auf die Sofas fallen. Nach einer kleinen Pause sortierte Remus alles Nötige in den Schreibtisch, ging in die Küche und rief nach einer kleinen Weile Harry zum Abendessen. Gemeinsam aßen sie auf der Terrasse ein paar belegte Brote und Obst und unterhielten sich über Kleinigkeiten. Hedwig saß zwischendurch auf Harrys Stuhllehne und knabberte ihm leicht am Ohr, während er sie mit dem ein oder anderen Stückchen Brot fütterte und nach dem Essen noch ein wenig auf dem Schoß behielt, um sie zu streicheln.

Remus war zufrieden mit der Entwicklung des Tages und machte sich gedanklich die ein oder andere Notiz, was er mit Harry unternehmen würde, um die ersten Schritte in der magischen Welt zu erleichtern. Nach dem Essen und dem gemeinsamen Abwasch begannen sie im Garten die Wäsche abzuhängen und in mehreren Körben ins Haus zu tragen. Gemeinsam hingen sie alle Gardinen wieder auf, legten die neu gekauften, hellen Decken ins Wohnzimmer und machten sich auf den Weg in die Schlafzimmer. Remus bezog das Bett mit dunkelblauer Bettwäsche und Harry räumte unterdessen seine Kleidung in die Schränke und Kommoden. Remus hängte die hellen Gardinen auf und rollte mit ihm den hellen, runden Teppich aus. Da Harry sich nicht zwischen Blau und Grün entscheiden konnte, entschieden sie sich einfach dazu, beides mitzunehmen und zwischendurch zu wechseln. Harry ordnete seine Schulbücher, und diejenigen, die er aktuell lesen wollen würde, in sein Regal ein, ordnete Pergament, Federkiele und Tinte auf seinem Schreibtisch, der unter einem der Fenster stand, und ließ das Material, was er für die Schule brauchte, in seinem Koffer, den er an eine Wand in seinem Zimmer schob. Er wollte den Koffer nicht in den Keller stellen, da er ihn sowohl optisch ganz schön fand und sich so auf Hogwarts freuen konnte.

Als Remus mit Hammer und Nagel kam, um die Gemälde aufzuhängen, entschied Harry sich dazu, dass der Bär, der das größte Gemälde war, über seinem Bett hängen sollte. Die ebenfalls recht großen Gemälde mit den Steinböcken und Ottern hing Remus seitlich versetzt an die gleiche Wand und Harry war zufrieden. Die Gemälde von den Füchsen und dem Hasen hing Remus zusammen an die andere Wand, wie Harry es sich wünschte und sah anschließend zu Harry, der sich in seinem Zimmer freudestrahlend umsah und zufrieden strahlte. Er entschied sich mit Remus dazu, dass die anderen Landschaftsgemälde doch allesamt in den Flur des oberen Stockwerkes kommen sollten, um diesen freundlicher zu machen. Dieser verschwand kurzzeitig im Schlafzimmer und kam mit einem kleinen, hellen Bilderrahmen aus Holz zurück, den er Harry in die Hand drückte. „Für das Bild deiner Eltern, ich habe es auf dem Küchentisch liegen sehen.“, meinte er nur, klopfte Harry auf die Schulter und verschwand im Schlafzimmer. Harry rannte in die Küche, um das Bild zu holen und stellte es, nachdem er es in den Rahmen gesetzt hatte, auf sein kleines Nachttischchen.

Jetzt ist es perfekt, dachte er sich und verließ sein Zimmer, um Remus zu helfen. Dieser war unterdessen dazu übergegangen, sein Schlafzimmer einzuräumen und Harry half ihm dabei. Der Werwolf hatte sich hauptsächlich für Erd-, und Grüntöne entschieden, hing das Gemälde eines Waldes über sein Bett und ließ mit einem Schwung seines Zauberstabes seine persönlichen Dinge und die Kleidung in die jeweiligen Schränke und Schubladen fliegen.

Als alles erledigt war, war die Sonne schon lange untergegangen und die Grillen im Garten zirpten laut durch das offene Fenster herein, während Remus und Harry im Bad standen, um Zähne zu putzen. Da Harry sich nach dem anstrengenden und schweißtreibenden Tag duschen sollte, hatte dieser bereits seine Sachen mit ins Bad genommen. Remus machte kurz einen der Badschränke auf und holte einen braunen Tiegel hervor, den er aufschraubte und Harry ans Waschbecken stellte.

„Wenn du dich gewaschen hast, creme dich bitte überall damit ein.“, sagte Remus und schloss die Badtür hinter sich. Harry sah nur auf den Tiegel mit der darin enthaltenen hellen, fast zartgrünen Salbe und roch neugierig daran. Der dominanteste Duft, den er wahrnahm, war Lavendel, gefolgt von etwas holzigem, dass ihn an Tannennadeln erinnerte. Den Rest konnte er jedoch nicht erkennen. Er entschloss sich, Remus‘ Bitte zu folgen und warf seine Kleidung in den Wäschekorb. Nach einem Blick in den Spiegel seufzte er leise. Leicht fuhr er mit seinen Fingern über die blauen Flecken, die teilweise schon zu grün oder lila übergegangen werden, die Rötungen und Kratzer, die durch Dudleys Attacken auf seiner blassen Haut deutlich hervortraten. Die ein oder andere auffällige Narbe ergänzte das unschöne Bild. Er stieg in die Badewanne, um sich zu waschen und genoss den Duft der Seife, mit dem ähnlichen Duft von Lavendel und Tannenholz – vielleicht auch Rosmarin, dachte sich Harry. Als er fertig war, trocknete er sich mit einem der weichen Handtücher ab und hing es über die Stange, die am Kamin angebracht war. Er ging zum Waschbecken und begann sich sorgfältig einzucremen – nach wenigen Minuten merkte er, wie seine Haut kühler wurde und leicht kribbelte. Harry klappte die Kinnlade herunter, als er sah, wie vereinzelte leichte blaue Flecken blasser wurden, die Kratzer zu heilen begannen und die älteren, sich verfärbenden Hämatome heller wurden.

Harry fuhr mit der Hand über seine Haut, doch es war keine Täuschung, seine Verletzungen begannen zu heilen. Er zog sich seine Schlafhose und das Schlafshirt an und sah Remus am Schreibtisch in seinem Zimmer etwas in ein Buch hineinschreiben.

„Danke.“, sagte Harry leise und lächelte leicht.

„Bitte. Ich brauche sie auch oft, sie hilft wirklich gut.“, erwiderte Remus und ging selbst duschen, nachdem er Harry ins Bett gebracht hatte. Als der Werwolf aus dem Bad kam, hörte er, wie Harry ihn vorsichtig rief. „Remus?“

Er lief zu Harrys Zimmer und sah in den dunklen Raum. Die Fenster waren offen und Hedwig saß auf dem Fensterbrett, die weißen Federn vom Mondlicht erhellt. Remus lächelte beim Anblick dieses friedlichen Bildes und er konnte sehen, wie sich der Junge zu ihm drehte. „Ja?“, fragte Remus und lehnte sich an den Türrahmen.

„Lässt du… heute Nacht die Türen offen?“

„Wenn du das möchtest.“

„Ja, bitte.“

„In Ordnung.“

„Danke. Gute Nacht, Remus.“

„Schlaf gut, Harry.“
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