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So bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / Gen
24.07.2022
11.08.2022
14
35.542
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05.08.2022 1.865
 
Chakotay brachte mich sicher zum Boot und sogar hinein. Er hob mich, ganz der Gentleman, der er war, am Ufer direkt auf seine Arme, nachdem ich meine Schuhe ausgezogen hatte und bevor ich mit meinen Füßen das Wasser betrat. Er überlistete mich, nutze meinen Zustand aus. Böse war ich ihn nicht. Ich spürte sehr deutlich die Auswirkungen des zu mir genommenen Alkohols und eigentlich entsprach es nicht meinen Charakter, mich zu betäuben, aber er versprach mir ein wenig Trost und Erleichterung in dieser verfahrenen Lage. Ein sehr vergänglicher Trost und es war zudem nichts, was mir dauerhaft helfen würde, nur ein weiteres Problem schaffen.

Als auch er im Boot war, die Bewegungen langsam weniger wurden, weil wir beide saßen, wartete ich auf das, was er tat. Es ging ihn wohl ähnlich, denn auch er beobachtete mich und schwieg.
„Ich hätte nicht so viel trinken sollen. Das war nicht fair.“, wollte ich ihn sagen und tat es auch.
„Ich danke dir auch für dein sicheres Geleit.“, war mir auch wichtig, dass er es wisse. Ich sah, wie verständnisvoll er trotz allem war, auch wenn er natürlich nicht ganz unschuldig an meiner emotionalen Situation war.
„Und ich dir, für deine ehrlichen Worte sowie die Duldung meiner Berührungen. Ich weiß ja, du wirst nicht gerne auf Händen getragen.“, legte er offen mit einen Grübchenlächeln, welches sein Wirken auf mich noch immer nicht verfehlte.
Während er anfing, uns vom Land wegzubringen, blickte ich auf das vorbeiziehende Ufer. Des Nachts war es mehr einen Dschungel als Wald. Die Tierwelt war damals auf den Planeten recht aktiv und so hörte ich auch jetzt Tiergeräusche und reflektierende Augen uns missbilligend ansehen, immerhin störten wir ihr normales Leben und nicht umgekehrt. Der Affe, den Chakotay eher als störend empfand als ich, würde er kaum programmiert haben, gestand ich mir grinsend ein und hing meinen Erinnerungen nach.
Wie wir hier langsam über das Wasser glitten, schaute ich das erste Mal wieder bewusst Chakotay an. Er legte sich geschmeidig in die Riemen und es sah leicht für ihn aus, aber die Kraft, die es heute von ihn verlangt hatte, wenn auch mehr mental als körperlich, hinterließen Spuren. Erste Schweißperlen zeigten sich auf seiner Stirn und ich wollte ihn schon anbieten, die Positionen zu tauschen, wusste aber, er würde dies nicht tun. So tat ich das zweit Beste, ergriff das Dessert und stand vorsichtig auf.
„Kathryn, bleib besser sitzen!“, mahnte er, sicherlich auch an den Alkohol denkend und fürchtend, ich könnte unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Wasser machen.
Ich ignorierte ihn, konzentrierte mich auf meine Bewegungen und kam ohne über Bord zu gehen, bei ihn an. Er hielt mir seine eine Hand entgegen, die ich ergriff und ließ mich vorsichtig vor ihn nieder. Er war mir nahe, aber ich berührte ihn nicht. Er war überrascht und doch neugierig, was ich nun wieder vor hatte.
„Schau nicht so wie ein Auto, du verausgabst dich hier, würdest mich sicherlich nicht auch einmal rudern lassen, also sollst du wenigstens etwas Brennstoff für deine Muskeln haben.“, stellte ich klar, nahm entschieden den einen Löffel, um ihn etwas zum Mund zu führen. Er beobachtete mich genau, zögerte kurz, den Mund zu öffnen, aber wollte es zu sehr, um abzulehnen. Diese verspielte und leichtfertige Nähe gab es selten von mir für ihn, fürchtete ich doch, ihn die falschen Signale zu senden. Nach dem heutigen Abend würde es kaum noch eine Rolle spielen, was zwischen uns war oder eben nicht. Wieso sollte ich also nicht einmal einfach Kathryn den Vorzug geben, zumal der Captain sich zurückhielt?

„Mhm, das wird dir schmecken.“, sagte er genussvoll und wollte mich animieren, es auch zu probieren. Ich nahm einen weiteren Löffel der Süßspeise und hielt ihn wieder ihn hin. Er zögerte keinen Moment, öffnete das Schnäbelchen bereitwillig und sah mir dabei tief in die Augen. Darin war so viel Liebe und Wärme. Ich bereute kurz, nie Situationen wie diese zugelassen zu haben, machten sie mich doch ebenso glücklich wie komplett. Sie waren das, was mir all die Jahre schmerzlich fehlte und mich immer einen Teil des Verlustes empfinden ließen. Jetzt erkannte ich es und jetzt war es dafür wohl zu spät.

Während er nun das Rudern langsam einstellte, wir einfach sanft dahin trieben, sah er mich fragend an. Ich nahm einen weiteren Happen, hielt ihn den Löffel hin, was er grinsend mit einen sich öffnenden Mund quittierte.
„Das meinte ich nicht, aber danke.“, sagte er mit leeren Mund.
„Was meintest du dann?“, wollte ich wissen und er schwieg.
„Chakotay?“, erwachte er aus der Trance und wollte doch mir seine Gedanken nicht offenbaren. Stattdessen nahm er nun den Löffel mir aus der Hand und wollte sich bei mir revanchieren. Ich schüttelte den Kopf, hatte einfach keinen Appetit auf etwas Süßes.
„Komm Kathryn, es ist Kaffee drinnen.“, neckte er mich und ich ergab mich lächelnd.
„Wirklich gut gelungen. Vielleicht machst du es noch einmal…“, brach ich ab, mir der Lage bewusst, es gebe kein später. Er schluckte merklich und die Lockerheit war dahin. Noch wollte ich nicht aufgeben. Noch sollte es so nicht enden. Der Abend sollte etwas besonderes sein.
Ich nahm ihn den Löffel aus der Hand, legte ihn in die Dessertschale und stellte sie sicher außer Reichweite. Damit fertig, drehte ich mich mit meinen Rücken zu ihn. Ich rutschte so weit nach hinten, bis ich seine Wärme in meinen Rücken spüren konnte, aber ihn nicht berührte. Ich nahm das Brett, auf dem er saß, wahr, konnte ihn förmlich denken hören, was ich nun wieder plane. Ich schloss die Augen und versuchte mich zu entspannen, wartete, ob er sich traute. Die Sekunden verstrichen, als ich seine Hände bedacht sanft auf meinen Schultern spürte, sie mich zu massieren begannen. Ein kleines Stöhnen entwich mir, als sich die Entspannung in meinen Körper ausbreitete.
„Du bist genauso verspannt wie damals.“, redete er endlich und ich tauchte wieder etwas auf. Erst jetzt bemerkte ich, dass er sich so weit mir genähert hatte, dass seine Beine mich berührten.
„Dank dir nicht mehr ganz so doll.“, erklärte ich und genoss seine Berührungen, die etwas grobflächiger wurden. Seine kreisenden Bewegungen wurden größer, aber er blieb in sicheren Gefilden.
„Ich träumte oft davon, dies bei dir tun zu dürfen, habe aber nicht erwartet, es wirklich wieder zu können.“, gestand er mir einer unverkennbaren Freude in seiner Stimme.
„Ich glaube, keiner von uns rechnete mit den heutigen Ereignissen.“, blieb ich ehrlich.
Er stoppte seine Massage und ich öffnete die Augen langsam, abwartend, was er tun würde.
„Kathryn, was wird das hier?“, wollte er nun wissen.
„Verstehe mich bitte nicht falsch, ich finde es toll und ich bin nicht abgeneigt, heraus zu finden, was du vorhast, aber ich verstehe dein jetziges Verhalten nicht.“
Wenn ich das mal selbst wüsste, dachte ich und statt zu antworten, drehte ich mich vorsichtig um. Sein Gesicht im Blick, sein sanftes und hoffendes Wesen mir bewusst, kam mir eine spontane Idee. Ich grinste ihn an und er war verwirrter als davor. Ich ging auf meine Knie, zog mir mein Kleid etwas auf die Oberschenkel und er verfolgte sehr genau, was meine Hände taten. Ich habe dich, Chakotay, dachte ich grinsend.
„Vorerst, gehe ich schwimmen, wenn du keine bösen Überraschungen im Wasser einprogrammiert hast!“, sagte ich und er war sowohl enttäuscht als auch erfreut.
„Sicher für Sie, Ma‘am!“
Während ich mich hinstellte, mir das Kleid vor seinen Augen über den Kopf zog, lief er etwas rot an, überlegte, ob er mir dabei wirklich zusehen sollte. Das sah ich ihn an.
„Chakotay, die weibliche Unterwäsche ist kaum etwas anderes als ein Bikini und ich vermutlich kaum die erste so bekleidete Frau. Ist der Commander etwa prüde?“, erlaubte ich ihn sogar, mich ansehen zu dürfen. Was er sah, gefiel ihn offensichtlich, obwohl ich nichts besonderes an hatte. Eben einen normalen BH mit etwas Spitze und einen höher geschnittenen, passenden Taillenslip. Beides zum Glück in schwarz, weshalb man danach, im nassen Zustand, nichts durchsehen würde. Hatte der Alkohol meine Hemmschwelle gesenkt oder war es mir einfach egal?
Nein, kalt ließ es mich nicht, seinen Blick auf mir zu spüren, begehrlich, auf eine sanfte Art und geprägt durch Liebe. Er hatte mehr als nur Interesse an mir.
Ich legte das Kleid zur Seite und sprang einfach in kalte Nass. Etwas wärmer wäre angenehmer gewesen, dachte ich, als ich auftauchte von der Wasserfläche und drehte mich zu ihn um. Er saß noch im Boot und schaute zu mir, wie ich entspannt meine Runde drehte.
„Es ist angenehm erfrischend!“, sagte ich und er grinste nur verlegen, wohlwissend, ich schilderte es etwas zu positiv.
„Du vergisst, ich war auch vorhin im Wasser, wenn auch nur mit den Beinen. Dir wird bitterlich kalt werden.“, warnte er mich, sah zum Ufer hinter mir.
„Schwimme dort hin und wir machen uns ein Feuer zum Aufwärmen!“

Ich tat, was er vorschlug und da er nicht Chakotay wäre, wenn er nicht mitdenkt, stand er am Ufer und hielt mir eine Decke hin. Er gab mir die Decke aber nicht einfach in die Hand, nein, er legte sie mir über die Schultern und wickelte mich zärtlich ein. Ich ließ ihn gewähren, genoss die Fürsorge mehr als ich vorab annahm und spürte meine klappernden Zähne bereits jetzt. Er rieb kurz über meine eingepackten Arme und zog los, um Holz zu sammeln. In Windeseile hatte er einen guten Stapel eingesammelt, ich eine Fläche zum Feuer machen vorbereitet und er das Feuer angemacht. Ich saß auf den Boden, in die Decke gewickelt und schaute ihn stolz an. Er hatte das Feuer anbekommen.
„Darf ich?“, fragte er mich und ich wusste nicht, was er meinte, glaubte aber, es wäre nichts schlechtes.
„Ich denke schon.“, gestand ich etwas verunsichert, vertraute ihn aber.
Er lächelte mich an, rieb an seinen Ohrläppchen und schaute zu Boden, ein sicheres Zeichen, dass es etwas persönlicheres sein wird. Er kam zu mir, trat hinter mich und setze sich an meinen Rücken. Er zog mich entschieden die letzten Zentimeter an sich, legte seine Arme um mich und ich spürte sein Kinn an meiner linken Schulter.
„Gleich ist dir wieder warm. Versprochen.“, sagte er warmherzig und zufrieden mit sich. Er hatte nicht nur Mut aufgebracht, er hatte es sogar gedurft. Zwei Dinge, die selten zusammen kamen.
Seine Umarmung fühlte sich mehr als angenehm an, sie entspannte und wärmte mich auf. Sie ließ mich so fühlen, als sei ich daheim und angekommen. Ging es ihm auch so?
„Danke.“, sagte ich schlicht. „Ich habe die Temperatur unterschätzt.“
„Dafür sind Freunde da und als erster Offizier darf ich nicht zulassen, dass der Captain sich verkühlt.“, sagte er Dinge, die ich nicht unbedingt hören wollte und ihn gleichzeitig hoch anrechnete. Er versuchte nicht die Lage auszunutzen oder sich einen Vorteil zu verschaffen. Er blieb bei seiner Entscheidung, die meine nicht zu torpedieren. Körperlich sich mir zu nähern, wenn ich es nicht wollte. Dummerweise wollte ich es schon. Ihn mir derart nahe zu lassen, ließ meine Gefühle für ihn intensiver werden, wünschten sich endlich ein ausleben und befeuerten meinen Körper, mein Zölibat zu beenden. Nun lag es an mir, was ich bereit war zu tun und wann ich wie vorgehen würde. Bevor ich mir aber über solche Dinge Gedanken machen wollte, ließ ich meinen Kopf an seine Brust sinken und schloss die Augen.
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