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So bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / Het
24.07.2022
11.08.2022
14
35.542
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24.07.2022 3.059
 
Ich hörte zuerst das Rauschen der brechenden Wellen von Wasser an der Küste, roch die salzige Meernote in der Luft und spürte die angenehme Wärme der abklingenden Sonne nach einen heißen Tag auf meiner Haut. Die Luft umwehte meinen Körper, spülte all die vertrauten und doch lange nicht mehr gerochenen Düfte um meine Nase, als ich die Augen langsam voller Vorfreude öffnete. Ohne auch nur einen Augenblick meine Umgebung gesehen zu haben, wusste ich, was ich gleich erblicken würde: einen Strand oder etwas vergleichbares. Genauer hatte ich einen feuchten Sandstrand der Erde erwartet.
Als sich mein Sichtfeld klärte, bemerkte ich zuerst Seegras, saftig und grün, welches durchgeschüttelt wurde vom neckenden Wind. Einen rosa roten Himmel, der noch immer Noten von orange, gelb und blau aufwies. Ein Spiel der Farben, wie ich es lange nicht mehr gesehen hatte und mir erst nun bewusst wurde, wie sehr ich es vermisste.
Weiter sah ich Sanddünen und Totholz, aufgetürmt und angetrieben von den Naturgewalten des Wassers. Ich richtete meinen Blick zum Meeresrauschen und wurde mit einen Sonnenuntergang belohnt, der seinesgleichen suchte. Verträumt hätte ich darin versinken können. Auch wenn es mir schwerfiel, ich sollte mir einen Überblick verschaffen von meiner Umgebung, verlangte der Offizier in mir. Als ich mich mit meinen Körper drehte, um mich weiter umzusehen, spürte ich einen Blick auf mir ruhen, aber als ich mich umsah, entdeckte ich niemanden, der mir dieses Gefühl hätte erklären können. Als ich mich weiter orientierte, bestätigen sich all meine Erwartungen eines Sandstrandes der Erde. Nur eins erklärte sich nicht, das Gefühl des nicht Alleinseins.

„Hallo?“, versuchte ich meine Unruhe zu zügeln und mir einzureden, ich habe einen Verfolgungswahn. Ein paar Sekunden wartend, passierte nichts und ich war bereit, meinen Verstand anzuzweifeln oder mir einzugestehen, der Delta Quadrant habe seine Spuren auf mir hinterlassen, als ich eine Bewegung links von mir wahrnahm und ich mich direkt dort umsah, entdeckte ich eine kleine, gräuliche Eidechse auf einen mit Sand bedeckten Baumstamm, die mich anzusehen schien. Irritiert über dieses mutige und keine Angst zeigende Tier, begab ich mich auf alle vier und robbte bedächtig näher zu ihr. So ruhig und geduldig ich dazu fähig war. Sie blieb störrisch an Ort und Stelle. Trotze meiner viel größeren Gestalt und zeigte wahre Größe.

„Hallo, Chakotay. Du glaubst nicht, wie gespannt ich auf dich war.“, sprach sie mich unvermittelt an und ich wusste, dies war keine gewöhnliche Eidechse, sondern musste ein tierischer Begleiter sein. Woher hätte sie mich sonst erkannt oder reden können, fragte mich mein Verstand. Wie ich jedoch an einen anderen Begleiter als meine Wölfin kam, erklärte sich mir nicht. Dies geschah selten und war durch Legenden meines Volkes meist als Schicksal änderndes Ereignis gekennzeichnet.
„Hallo.“, sagte ich überrumpelt und doch neugierig auf sie.
„Woher kennst du mich?“, wollte ich sogleich wissen und vertraute darauf, was immer die Ursache sei, es hatte einen Grund, wieso gerade ich jetzt hier war mit ihr. Ich wusste nicht, woher, aber ich fühlte mich mit diesen kleinen Lebewesen seltsam verbunden und in ihrer Gegenwart wohl. Sie beruhigte und erdete mich durch ihre Energie, die sie aussandte. Fast als sei sie ein Teil meiner selbst oder wie meine Wölfin, eine Ergänzung zu mir. Wie Ying zu Yang, der Schatten zum Licht oder schwarz und weiß.

„Oh, du hast keine Ahnung, weshalb du dich mit mir einlassen willst und doch hast du dieses Urvertrauen in mich sowie deine Kultur, was dir Kraft und Interesse gibt. Dies Chakotay, ist ein seltener Moment, der Wenigen der Deinen vergönnt ist und doch bist du auserlesen, einer der Glücklichen zu sein. Ich bin mit jemanden vertraut, ohne den du keinen einzigen Tag mehr sein willst.“, erklärte sie und ich erinnerte mich, als wie kraftvoll dieses Tier in meiner kulturellen Geisterwelt angesehen war. Mein Großvater sagte eins, dass das Krafttier Eidechse der Inbegriff eines wahren Überlebenden sei. Die Eidechse wird große Anstrengungen unternehmen, um seinen Weg zu gehen und gleichzeitig weiß sie, wann sie aufhören muss. Sie ist jederzeit bereit, den eigenen Schwanz dem Feind zu opfern, nur um sicherzustellen, dass sie den Kampf überlebt, auch wenn sie einen Teil ihrer selbst opfert für das höhere Ziel des Überlebens. Natürlich geschieht dies in dem vollen Wissen, dass anstelle des ersten ein anderer Schwanz wachsen wird. Mein Großvater war diesem kleinen Lebewesen immer seltsam euphorisch gegenüber gestellt. Er sagte mir, wenn einmal eine in dein Leben kommt, bist du entschlossen, die Dinge auf ihre Weise zu regeln, lernst, wie du die Dinge aufgeben kannst, die du im Leben nicht brauchst und für was du kämpfst, weil es wirklich wichtig ist. Die Eidechse wird dir einen Weg auftun, der voller Energie und Erkenntnis steckt. Die Erkenntnis der Regeneration, einer Wiedergeburt deiner selbst und eine Verwandlung beginnt, wenn man nur bereit ist, den kleinen geistigen Führer in eigenen Leben willkommen zu heißen. Verrückt, dass ich gerade jetzt daran wieder dachte, ihn vor mir versonnen grinsend sitzen sah und vergessen war all seine Verrücktheit um das verfluchte Familiengen, welches auch ich in mir trug. Sicherlich, deaktiviert und sicher, nicht für verrückt gehalten zu werden.

Nun erst erkannte ich, was der letzte Satz von ihr in mir auslöste und wer ihn einst zu mir sagte: Kathryn Janeway, Raumschiff Captain, meine beste Freundin sowie meine engste Verbündete, gleichzeitig meine mehr oder minder heimlich Angebetete. Was ich für sie empfand, war ein offenes Geheimnis, ebenso wie die Tatsache unseres Nicht-Zusammenseins. Sie lehnte mich ab, auch wenn sie selbst Gefühle hatte. Zumindest auf New Earth konnte ich die Tiefe ihrer Liebe zu mir spüren. Mehr noch, sie zeigte sie statt sie wie davor und womöglich danach zu verstecken. Die einzige Seite an ihr, die sie vor mir penibel verschloss. Aus Selbstschutz und auch, um mir keine Hoffnungen zu machen. Zumindest redete ich es mir so ein.

„Genau richtig erkannt, Chakotay. Ich bin wegen Kathryn hier. Aber nicht nur wegen ihr, auch für dich.“, erklärte sie mir geduldig und mit einer Autorität einer alten Seele, der Aura der Weisheit und doch so nahbar.
„Ich will sie befreien wie auch dich. Euch aus eurer Verwirrung und Fesseln des Trotts zu befreien, wenn du mir wie auch dein Grundverständnis für Kathryn vertraust. Mehr sogar, den Fluss des Lebens.“, wurde sie rätselhafter und doch glaubte ich, sie im Groben zu verstehen.
„Den Fluss des Lebens?“, harkte ich nach und wusste genau, ihre Worte waren wahr, ebenso, wie mir klar war, wie vorsichtig ich vorgehen musste. Wie ich es immer tun musste, wenn es um Gefühle und Kathryn, nein besser um ihre eigenen Gefühle für mich, ging. Die Wahrnehmung und Weisheit der Eidechse war bekannt und gefürchtet unter den meinen. Sie gab die Kraft, weiterzumachen, auch wenn es am Schwierigsten ist und man vor der Weggabelung stand, einen Weg nun wählen musste und sie einen zur Seite stand in all ihrer Weisheit.
„Ja, Fluss des Lebens oder das vorher bestimmte Schicksal auf die Sprünge helfen. Eurer Schicksal, Chakotay. Zugegeben, du hast viele Ängste und Herausforderungen im Leben hier im Delta Quadranten, aber du solltest dich nicht zurückziehen vor deiner großen Liebe zu ihr. Ich spüre und weiß, wie tief und unerschütterlich diese Liebe ist. Übrigens nicht nur von deiner Seite aus. Vielmehr solltest du dich jener Angst, sie zu verlieren, stellen und effektiv damit umgehen. Nutze die daraus entstehende Energie und greife an. Für sie und dich. Stelle dich nötigenfalls erstmal gegen sie, sehe sie als deine Gegnerin an, die du überwinden musst, um dein Ziel zu erreichen. Auch wenn es ihr wie dir wehtun wird, sei dir bewusst, du tust es für eurer Glück, was ihr euch verdient habt. Wenn du mir gut zuhörst, wirst du wieder geboren in deinen Entschluss, sie an deiner Seite zu wollen und dem Weg folgen, der euch vorbestimmt ist. Nur eins musst du schaffen mit meiner Hilfe: ihre Sturheit überwinden und ihren Entschluss, alleine als Captain bleiben zu müssen. Ich bin die letzte Warnung an dich, bevor du sie für immer verlierst und sich trennt, was zusammen gehört. Ich werde dir die Dinge aus ihrer Perspektive zeigen und wie einfach es sein kann, sie für dich zu gewinnen, wenn du es auf die richtige Art und Weise tust.“, erklärte sie mit einer Engelszunge. Gleichzeitig musste ich denken, was sie mir für neue Einblicke geben könnte, die ich nicht bereits kannte. Welche Wege sie mir vorschlug, die ich nicht bereits gegangen war. Nun hallte unentwegt ein Wort in meinen Kopf wider: Gegnerin. Sie als solche zu behandeln würde mir schwer fallen, erst recht, wenn ich sie leiden sah oder sie den Captain heraus holte und alles an Autorität ausspielte, was sie ausmachte. Meinen Respekt hatte sie stets und ihn nun eventuell ignorieren zu müssen, bereitete mir Bauchschmerzen.

„Du hast Recht, du kennst sie so gut wie sie dich, dass ihr ohne ein einziges Wort einander versteht, ein Blick meist euch reicht, um genau zu wissen, was im Anderen vorgeht und doch kann sie Geheimnisse vor dir bewahren, ohne das du es ahnst. Du im Gegenzug spielst mit den Gedanken an eine andere Frau, die dir schmeichelt, ihr so nahe steht wie kein anderes weibliches Wesen und von der du glaubst, sie ließe dich die Liebe zu Kathryn vergessen. Auch wenn sie meist von deinen Interesse für einer anderen Frau weiß, tappt sie hier noch im Dunkeln. Ich sage es frei heraus. Wenn du diesen Weg gehst, verlierst du sie als deine Gefährtin, auch wenn sie dir nach anfänglichen Schmerz verzeihen wird und die Freundschaft zu dir ihr wichtiger ist als ihr verletztes Herz, wird es ein anderes Leben sein und eins, welches du bereuen könntest. Ein gemeinsamer Weg als Paar wird euch danach verwehrt bleiben.“, holte sie aus und ich fragte mich, woher sie dies alles wusste. Ebenso spürte ich, je länger ich mit ihr hier war, wie die Hoffnung in meinen Herzen, sie als die Meine haben zu können, mich beflügelte, mich alles tun lassen wollte, was das Ziel, sie als Gefährtin in meinen Leben nicht nur in beruflichen zu haben und doch mahnte mich die Erfahrung mit ihr, diese Hoffnung nicht zu groß werden zu lassen. Sie hatte mich oft abgewiesen, freundlich, fast liebevoll, aber doch bestimmt. Das sie über ihren Schatten wirklich springen würde, sie sich auf mich einlassen und mit mir das Bett teilen würde, schien unvorstellbar für mich.

Es war mir bekannt, dass hier die normalen Grenzen des Denkens, Fühlens und der Vorhersage der Zukunft anders war, aber so klar zu hören, was meine Tat, meine Überlegung, mich auf Seven’s Werben einzulassen, mit ihr anstellte, verletzte mich mehr als ich mir eingestehen wollte. Irgendwie war mir peinlich bewusst, dass ich nicht ein einziges Mal darüber nachdachte, was es emotional mit ihr anstellen würde. Nur, das Seven mich meine Gefühle für sie vergessen ließ. Kathryn schien so unverwüstlich, so unerschütterlich stark und doch war ich Zeuge einer ihrer düstersten Phase. Als wir die Leere durchflogen, einen Raum ohne sichtbaren Sternen, geriet sie ins Grübeln, rutschte ab und fand keinen Halt in der Dunkelheit oder gar ein Fixstern fand, der sie an ihren sonst so unbeugsamen Optimismus erinnerte, er ihr so abhanden kam. Sie zergrübelte alles und gab sich die Schuld an unserer Lage. Nur ein weiteres Mal, durch einen anderen Captain, der ihre Ideale mit Füßen trat, tötete, um schneller nach Hause zu kommen, verlor ich sie ebenfalls und sie sich. Diese beiden Ereignisse zeigten mir die tiefe Dunkelheit in all ihrem sonst so überstrahlenden Licht. Dies zeigte mir eine Seite an ihr, die ich mit meinen Maquis Leben verglich. Sie war rastlos, aus ihrem Gleichgewicht geraten und hatte alles aus den Augen verloren, was sie eigentlich ausmachte. Auch wenn sie nicht wie ich tötete, veränderte sie diese beiden Erlebnisse ebenso wie mich meine Zeit beim Maquis. Doch wie auch ich, fand sie zu sich zurück und wurde wieder die Frau, die ich abgöttisch liebte und respektierte.

„Wie?“, war alles, was ich sagen konnte, alles, was ich denken und tun wollte, um diese Zukunft Wahrheit werden zu lassen.
„Es ist einfach und gleichzeitig simpel. Schlage sie mit ihren eigenen Waffen.“, begann sie und ich war keinen Deut weiser als davor.
„Ich verstehe nicht.“, erwiderte ich und wollte es so gerne wissen. Ich wusste, würde ich wieder in meiner Welt sein, würde ich nicht warten können oder wollen. Ich würde sie stellen und umsetzen, was diese kleine Eidechse mir auftrug. Wenn sie Recht hatte, war es meine letzte Chance. Was hatte ich schon zu verlieren? Was hatte ich im Gegenzug zu gewinnen?
Ich war bereit alles zu riskieren, für Kathryn an meiner Seite, auch wenn ich alles berufliche verlieren konnte. Was war mein Rang, meine Position, wenn ich sie an meiner Seite, in jeder Lebenslage, haben würde?
Ohne darüber nachzudenken, hatte mein Herz gewählt. Mein Verstand war nur noch da, um den Plan zu verstehen und umzusetzen, erkannte ich sicher, das Richtige zu tun. Ich besaß keinen Funken Zweifel in mir, das Falsche zu tun, wollte nur Kathryn endlich als meine Partnerin haben. Sie küssen, berühren und spüren, wie sehr sie mich im Gegenzug wollte.

„Was ich dir nun sage, musst du verstehen. Du musst bereit sein, sie zu verletzen und auf Tränen dich einstellen. Die starke Frau, der Captain, ist oft im Vordergrund und Kathryn’s Schutzschild in jeder Lage. Wie oft war sie Ziel eines Angriffes? Wie oft vergaß man sich ihr gegenüber, weil man nur ihre Stärke sah und nicht die Emotionen der Frau?“, sagte sie weiter und ich bestätigte ihre Worte sofort als richtig. Oft erfuhr ich erst danach, was jemand zu ihr sagte, wie man sie versuchte anzugreifen aus Wut oder Zorn, sie eben perfekt schien als Prellbock, weil sie es aushielt und doch nicht persönlich nahm. Ich selbst hatte es auch getan, dann aber gesehen, wie es auch sie manchmal innerlich traf, sie es aber überspielte und als Captain das Richtige tat.
„Ich verstehe, was du meinst, aber muss ich sie bis ans Äußerste treiben? Sie derart verletzen?“, wollte ich wissen. Mein Unbehagen war mir zu bewusst und ich ahnte, es würde auch mich an meine Grenzen bringen können. Nie hatte ich sie weinen sehen. Mal eine Träne, ja, mal tief bewegt durch das Erlebte, aber niemals richtig weinen oder ihren Emotionen ausgeliefert.
„Ja.“, war alles, was sie antwortete. Zum ersten Mal zweifelte ich die Eidechse, ihre Weisheit oder den gut gemeinten Wunsch ihres Hierseins an. War sie doch der eigentliche Gegner und wollte uns angreifen? Wollte sie unsere Anführerin ablenken, ausschalten und emotional durch mich bezwingen, während sie sich das Schiff, die Crew oder einfach Nahrung, ein Stück Hardware unter den Nagel reißt?
„Das wäre denkbar oder?“, fragte sie und riss mich aus meinen Gedanken.
„Du bist ein guter erster Offizier und ihr wahrer Freund. Du willst sie nicht verletzen, das ehrt dich, aber ich versichere dir zwei Dinge. Erstens, ich bin an nichts weiter interessiert, als euer beider Glück. Ich will, dass zusammen findet, was zusammen gehört. Sie ist dein Gegenstück und du das ihre. Bei euch nennt man es Seelenverwandt. Doch eigentlich weißt du das bereits, richtig? Zweitens, nichts am Schiff, Crew oder Materiellen möchte ich euch abnehmen. Alles, was hier ist, soll auch hier sein. Etwas zu nehmen, könnte alles verändern und den Verlauf der Dinge gefährden. Sei beruhigt, ich will nichts Böses.“, griff sie meine Gedanken auf. Das sie mich lesen konnte wie ein offenes Buch, gefiel mir nicht. Ich war hier in der deutlich schwächeren Position und sollte besser gut überlegen, was ich denken sollte und damit der Eidechse offenbaren.
„In Ordnung. Ich möchte dir glauben. Ich möchte glauben, ich könnte Kathryn dazu bewegen, sich auf mich als ihr Partner einzulassen. Aus freien Stücken, versteht sich. Ich kann verstehen, wieso ich sie erst aus ihrer Komfortzone bringen muss, sogar trennen vom Captain, aber sie wird mich aufhalten und nicht einfach zuhören oder klein bei geben. Nötigenfalls wird sie die Sicherheit rufen und mich einsperren, um mich von ihr fernzuhalten. Was habe ich dann gewonnen?“, wollte ich wissen und sie erkannte die Wahrheit darin.
„Nun, Chakotay, kommen wir an den Punkt, der wichtig ist. Du alleine wirst sie nicht bezwingen. Dies ist dir bewusst, wenn auch nur intuitiv. Die Erfahrung aus vergleichbaren Situationen mit ihr, haben dich das gelehrt und du hast schlussendlich ihre Entscheidung akzeptiert, weil sie dir als Captain, als Mensch und Frau so wichtig ist. Du wirst also Hilfe benötigen. Einen Raum, aus den sie nicht entkommen kann durch ihre Position und wo keine Hilfe ihr zukommt. Verstehst du, was ich meine?“
„Eine Meuterei anzetteln?“, fragte ich mit deutlichen Entsetzen in meiner Stimme, denn alles, was sie sagte, war auf dieses eine Wort zu reduzieren.
„Wenn du es so nennen willst. Du musst verstehen, sie muss dir gleich gestellt sein. Sie darf nicht mehr Rechte oder Möglichkeiten haben als du. Sie steht nicht als Captain vor dir oder als deine Vorgesetzte. Dies musst du zuerst akzeptieren. Sie kann nur als die Frau vor dir stehen, die du liebst, auch wenn sie natürlich der Captain ist oder alle anderen Teile ihrer Persönlichkeit sie ebenfalls ausmachen als den Mensch, der sie ist. Für das Gespräch ist sie aber eben nur die menschliche Frau. Sie wird den Captain nutzen, um dich aufzuhalten. Sie wird Gehorsam einfordern von dir, aber du musst das ignorieren. Du darfst sie nur emotional ansprechen und sogar damit angreifen, verletzen und aus der Fassung bringen. Erst wenn sie ins Wanken kommt, ist sie bereit, bei dir Halt zu suchen, Nähe zuzulassen und dich als Mann körperlich auf sie zu kommen zu lassen. Kannst du das verstehen?“, fragte sie nun nach und ich verstand, was sie meinte.
„Ja, doch…“
„Nein! Kein doch, kein Zweifeln oder zaudern! Entweder du tust es auf meine Weise oder du wirst sie verlieren!“, war sie das erste Mal lauter. Sie verlor die Geduld mit mir, dachte ich und korrigierte mich sofort. Nein, sie verdeutlichte ihren Standpunkt. Wie sagte sie, sie sei die letzte Warnung? Wie lange trieben Kathryn und ich schon umeinander rum? Wie oft träumte ich von ihr und einen gemeinsamen Leben? Wie oft erkannte ich am Boden der Tatsachen angekommen, ich würde ihr niemals näher kommen als als Freund? Wenn dies, wenn die Eidechse meine letzte Möglichkeit war, Kathryn zu überzeugen, würde ich alles riskieren müssen.
„Gut, Chakotay!“, sagte sie und fast hätte ich ein Grinsen um ihr Maul erahnen können.
„Wen kannst du auf deine Seite ziehen? Wen vertraust du genug, um deinen Plan umzusetzen?“, fragte sie weiter.
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