Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine Liebe Niemals Vergehend

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
24.07.2022
24.11.2022
18
29.077
6
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
24.11.2022 1.947
 
16. Kapitel
Donnergrollen

Der Herbst neigte sich langsam dem Ende zu. In den vergangenen Tagen waren die letzten, warmen Sonnenstrahlen in den Palast gefallen und hatten die Edhil, die spazieren waren, gewärmt.
Heute stürmte es.
Der Himmel war pechschwarz, nur hin und wieder wurde er durch einen Blitz erhellt. Ein ohrenbetäubender Donnerschlag folgte stets auf jeden Lichtschlag. Der Regenschauer war so dicht, dass man kaum zehn Fuß weit sehen konnte.
Thranduil, der seinem Freund Melglor gegenüber saß, hatte sich passend zum Wetter und passend zu seiner Laune schwarz gekleidet.
Der Schmied wusste, dass man sich dann normalerweise vom Prinzen fernhalten sollte, aber dieser hatte ihn aufgesucht. Deswegen hatte er ihn lieber ins Gemach eingelassen. Nun saßen sie hier und spielten Schach.
Schweigend.
Irgendwann jedoch wurde es ihm zu unerträglich und er meldete sich zu Wort:
„Thran, was ist los?“
Stille.
Energisch machte der Prinz seinen nächsten Zug. Seine Figur knallte mit einem lauten Geräusch auf das Brett.
„Sag mir doch, was los ist.“, fuhr Melglor fort und schlug einen Bauer Thranduils. Dieser spielte jedoch stillschweigend weiter.
„In Ordnung, ich schlage deine Königin und du sagst mir, was los ist. Du schlägst meine und wir sitzen hier weiter und hüllen uns in Schweigen, tun so, als wäre nichts los.“, schlug Melglor fort.
„Ich weiß, was du versuchst.“, erwiderte Thranduil knurrend, „Und es wird nicht funktionieren.“
„Angst, ich unterbreche deine Siegesstrecke, hmm?“, triezte der Schmied ihn und bekam prompt einen Blick zugeworfen, „Jetzt erzähl schon! Dein warnender Blick funktioniert bei mir nur selten, das weißt du doch.“
Er konnte sehen, dass sein Freund mit sich rang. Sie spielten eine Weile schweigend weiter. Die Stille wurde zwischendurch von Donnerschlägen durchbrochen. Diese waren teilweise so heftig, dass die Fenster zitterten.
„Dir ist bewusst, dass Launárië und ich miteinander reden, oder?“, brachte Melglor irgendwann an. Thranduil lehnte sich seufzend in den gemütlichen Sessel.
„. . . Ihr habt darüber gesprochen?“, fragte er, obwohl er bereits die Antwort wusste. Das Nicken seines Freundes war also vollkommen überflüssig.
„Du hast sie einfach auf dem falschen Fuß erwischt, Mellon nín.“, fuhr der Schmied fort, „Du weißt doch mittlerweile genauso gut wie ich, wie aufbrausend und ungehalten sie sein kann. Und wenn du dann genauso darauf reagierst, weil du es nicht gewohnt bist, dass dir jemand die Stirn bietet, eskaliert die Situation nun mal gern.“
Thranduil wusste, was sein Freund meinte. Trotzdem stieß es ihm auf.
Er war ungehalten?
Wie könnte er es nicht sein, wenn Rúsca selbst so aufbrausend war?
Gleichem mit Gleichem gesellt sich nun mal gern, brachte jedoch nicht immer das Beste hervor.
Die beiden spielten weiter und Melglor schaffte es während der Partie seinen Freund dazu zu überreden, zu Rúsca zu gehen, sobald sie fertig waren. Dieser tat dies nur Widerwillens, aber im Stillen musste Thranduil zugeben, dass er sie wiedersehen wollte.
Ihr Streit war nun schon ein paar Wochen her und er vermisste ihre Gespräche, an die er sich doch so gewöhnt hatte. Jedes Mal, wenn sie sich im gleichen Raum befanden seitdem, war er ihr aus dem Weg gegangen. Echte hatte ihn verletzt, dass die ihn ohne Erklärung und – seiner Meinung nach – ohne Grund lautstark abgewiesen hatte.
Er kam vor dem Gemach Rúscas an und hob die Hand. Kurz zögerte er noch, dann klopfte er und trat ein. Die junge Frau saß schräg rechts von ihm im Schneidersitz auf dem Bett. Auf ihrem Schoß lag ein Zeichenblock und sie war mit einem Stift bewaffnet.
Sobald er sie sah, fiel die schlechte Laune von ihm ab.
Sie sah nicht zu ihm herüber, sondern zeichnete weiter.
Er konnte Entwürfe für Äxte auf dem Papier erkennen.
„Guten Abend, Rúsca.“, hob er an und sah abwartend zu ihr herüber. Ein Donnerschlag begleitete laut grollend seine Begrüßung.
War sie gerade leicht zusammengezuckt?
Er konnte sehen, dass sie einmal durchatmete.
„Ihr wisst, ich bin nicht gut mit Entschuldigungen.“, hob Rúsca an, zeichnete jedoch weiter, „Und auf n Übungskampf hab ich jetzt auch keine Lust. Ich will nicht wieder von Eurem Vater angeschnauzt werden so wie schon mal.“
Thranduil hob erstaunt die Augenbrauen an. Sie war sich ihres explosiven Verhaltens also bewusst. Aber sie hatte ja auch mit Melglor darüber gesprochen, vielleicht hatte er sie darauf hingewiesen. Die beiden verstanden sich sehr gut miteinander und schienen auf gleicher Wellenlänge.
„Also scheucht Ihr mich nicht mehr aus Eurem Gemach?“, fragte er und trat einen Schritt näher.
„Zumindest nicht heute.“, erwiderte sie und sah schmunzelnd zu ihm auf. Doch sobald ein erneuter Donnerschlag ertönte, der die Fenster zum Zittern brachte, wich das Schmunzeln von ihrem Gesicht. Ihr Blick huschte herüber zum Fenster. Sie hatte es verhangen, was Thranduil eigenartig fand, wusste er doch um ihre Liebe, den Himmel und den Wald sehen zu können.
Es dämmerte ihm.
Ihre Körperhaltung war angespannt, die Hand um den Stift verkrampft und die Lippen zu einer dünnen Linie gepresst.
„Stört Euch das Gewitter?“, fragte er und kam ihr näher.
„Nein, bloß ein neugieriger Prinz.“, gab sie spitz von sich.
Thranduil atmete einmal durch.
Wieder zuckte ein Blitz und erneut kam ein Donnergrollen.
Rúsca schloss die Augen.
„Ja, in Ordnung, ich habe Angst vor Gewitter!“, gab sie von sich und sah zu ihm auf, „Zufrieden?“
Er sah noch einen Moment auf sie herab, dann setzte er sich neben sie auf das Bett. Sie beäugte ihn skeptisch.
„Woran arbeitet Ihr?“, fragte er und betrachtete die Skizzen auf ihrem Schoß.
„Ähm. . . ein paar Entwürfe für Axtköpfe. . .“, ihr Blick glitt hin und wieder zum Fenster, „Besonders Blatt und Haupt.“
„Die sehen gut aus.“, kommentierte er, „Besonders die hier.“
Er deutete auf eine komplett gezeichnete Axt. Sie hatte ein halbrundes Blatt und einen mit Ranken verziertes Haupt. Eine Aussparung befand sich im Blatt, die an ein Herz erinnerte. Der Griff war für eine, aber auch für zwei Hände gedacht.
„Das ist meine.“, kommentierte sie, „Mit der hab ich Euer Leben gerettet.“
Sie schmunzelte ihn kurz an, während ihm ein belustigtes Schnauben entkam. Die beiden sahen einander für einen Moment an. Direkt in die Augen. Dann sahen beide wieder auf die Skizzen und schmunzelten in sich hinein.
Ein weiterer Donnerschlag krachte.
Thranduil konnte spüren, wie Rúsca neben ihm leicht zusammenzuckte.
Er griff nach Block und Stift, legte sie zur Seite und setzte sich ihr gegenüber im Schneidersitz auf die Matratze.
„Meine Mutter hat mir früher immer Geschichten erzählt, wenn ich klein war und Angst hatte. Besonders bei Gewittern.“, hob er an, „Irgendwann habe ich angefangen diese Naturphänomene zu lieben. Wie sich all diese Energie aufstaut und dann ausbricht und sich entlädt. Danach wirkt die Welt immer so. . . frei.“
Rúsca horchte auf, als er seine Mutter erwähnte. Melglor und Feren hatten ihr doch etwas anderes erzählt – dass sie bei seiner Geburt gestorben sei.
„Eure Mutter?“, fragte sie vorsichtig nach, „Wie war sie so?“
Er fing an zu lächeln. Etwas trauriges lag jedoch in dem Blau seiner Augen.
„Sie war wunderschön. Offen, freundlich, weise, liebevoll. . .“, erzählte er, dann senkte er den Blick, „So stelle ich sie mir zumindest vor. Sie starb bei meiner Geburt.“
„So stelle ich mir auch meine Mutter vor.“, gab sie Preis, „Mein Vater hat erzählt, dass ich sie mir so vorstellen kann, wie auch immer ich es mag. Ich habe mich für gute Sachen entschieden, anstatt für schlechte.“
„Ihr kennt Eure Mutter also auch nicht?“, hakte er nach und sie schüttelte den Kopf.
„Meine leiblichen Eltern sind mir nicht bekannt, nein.“, antwortete sie, „Wenn ich von meinem Vater spreche, spreche in über den Edhel, der mich aufgenommen hat. Er sagte stets, dass er nichts über meine Eltern weiß, das mir helfen könnte, ein besseres Bild von mir selbst zu bekommen. Bin doch nur ich für mich verantwortlich.“
Thranduil nickte verstehend.
„Also habe ich mir meine Mutter immer so vorgestellt, wie es mir am besten passt.“, fuhr sie fort, „Als liebende Frau.“
„Das ist eine sehr positive Art zu denken.“, kommentierte er, „Was ist mit Eurem leiblichen Vater?“
Rúsca zuckte mit den Schultern.
„Habe mir nie viele Gedanken über ihn gemacht, um ehrlich zu sein.“, meinte sie und setzte sich etwas bequemer hin, „Hatte ich doch einen Vater. Ich habe ihn geliebt und er mich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“
„Was tätet Ihr, wenn Ihr Euren Eltern begegnen würdet?“, fragte er sie neugierig.
„Darüber lohnt es sich nicht nachzudenken.“, gab sie schulterzuckend von sich, „Sie sind nicht in meinem Leben und das wars.“
Thranduil merkte, dass sie tatsächlich nicht sonderlich viel Interesse für saß Thema ihrer leiblichen Eltern zeigte. Aber wer sehnte sich denn nicht danach, mehr zu erfahren?
Sie spielte es bestimmt nur herunter.
„Was für Geschichten habt Ihr Euch damals ausgedacht?“, fragte sie und änderte damit das Thema. Thranduil überlegte.
„Oh. . . über die Valar, die ersten Edhil, über Valinor. . .“, zählte er auf, „Solche Dinge.“
„Valinor?“, fragte sie und lehnte sich vor, „Mein Vater hat mir manchmal von Valinor erzählt. Über die weiten Ebenen, die nie vertrocknen. Über Bäume, die nie verdorren und Blumen, die nie verblühen. Sanfte Winde und klare Wasser.“
Sie fing an zu lächeln. Thranduil lauschte ihr interessiert.  
„Ich habe es mir immer so fantastisch vorgestellt. Ein Land der ewigen Schönheit. Alles, was dort ist, überdauert.“
Rúscas Blick nahm etwas träumerisches an.
„Mein Vater ist in Valinor geboren worden.“, sagte sie dann, „Deswegen hat er mir manchmal, in Stunden, in denen es ruhig war, davon erzählt.“
Thranduil schien beeindruckt. Elben aus Valinor waren mittlerweile recht selten.
„Ich war einmal in Mithlond, wisst Ihr?“, fuhr Rúsca fort und der Prinz horchte auf.
Eine so junge Frau wie sie, in Mithlond?
„Ich habe die Grauen Anfurten gesehen.“, fuhr sie fort, ihre Stimme nahm etwas Schwärmerisches an, „Das türkisene Wasser, die Schiffe mit den weißen Segeln, die untergehende Sonne. Einfach wunderschön.“  
„Ihr wart in Mithlond? Wann?“, fragte er, überrascht, dass sie in einer Stadt der Edhil gewesen ist.
„Ist schon länger her, ich kann mich nicht genau erinnern wann.“, antwortete sie nachdenklich, „Ich weiß aber noch, dass mir auch dort ein paar Edhil davon erzählt haben, wie sie sich Valinor vorstellen und dass sie es nicht erwarten können, endlich dort zu sein.“
Thranduil stützte die Ellenbogen auf die Knie, um gemütlicher zu sitzen.
„Ich habe mir nie sonderlich viele Gedanken über den Westen gemacht.“, gab Thranduil zu, „Für mich gab es nie einen Grund, wirklich darüber nachzudenken, um ehrlich zu sein. Ich habe mich immer darauf konzentriert, eines Tages ein würdiger Nachfolger meines Vaters zu sein.“
Rúsca sah ihm eine Weile lang ins Gesicht.
„Was ist?“, fragte er und sah sie aus schmalen Augen an. Irgendwas ging doch in ihrem Kopf vor. Plötzlich legte sie ihre Hand an seine Wange.
„Ihr musstet schnell erwachsen werden, nicht wahr?“, fragte sie, ohne eine Antwort zu erwarten. Er legte seine Hand auf die ihre, dann senkte er sie herab. Er ließ seine linke Hand auf seinem Schoß ruhen, ihr Handrücken lag darauf und mit den Fingerspitzen seiner rechten begann er über ihre Handinnenfläche zu fahren.
„Vielleicht.“, gab er murmelnd von sich.
So saßen sie eine Weile schweigend da und hingen jeweils ihren eigenen Gedanken nach.
Das Gewitter hatte mittlerweile aufgehört und es regnete bloß noch sanft vor sich hin.
„Habt Ihr ein Lieblingslied?“, fragte er irgendwann und hörte auf, über ihre Handfläche zu fahren. Sie sah ihn verwirrt an und entzog ihm die Hand, musste jedoch schmunzeln.
„Ja, das habe ich.“, antwortete sie, „Eine alte Freundin hat es mir beigebracht. Es geht um Valinor.“
Er schmunzelte sie ebenfalls an.
„. . . Wollt Ihr es mir vorsingen?“, fragte er zögerlich.
„Vielleicht ein anderes Mal.“, antwortete sie, „Habt Ihr eins?“
Er nickte.
„Aber ihr werdet mir auch nicht vorsingen?“, fragte sie gespielt erwartungsvoll. Er schüttelte den Kopf.
Statt sich einander vorzusingen, was doch vielleicht ein wenig eigenartig wäre, saßen sie die ganze Nacht da und sprachen über die Wesen und die Welt.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast