Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine Liebe Niemals Vergehend

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
24.07.2022
27.01.2023
27
43.826
8
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
18.11.2022 1.401
 
15. Kapitel
Verflossene Geste

Das Fenster in dem kleinen Gästezimmer war sperrangelweit offen und ließ die kalte Herbstluft hineinströmen. Es war dunkel, der Tag neigte sich dem Ende zu.  
Rúsca lag auf ihrem Bett, bloß in einer dunkelroten Tunika bekleidet, die ihr bis zur Mitte der Oberschenkel reichte. Sie hatte alle Viere von sich gestreckt und starrte an die bemalte Decke. Diese zeigte Baumkronen, wie als würde man auf dem Waldboden liegen und nach oben sehen.
Selbst hier wurde sie daran erinnert, wo sie eigentlich hätte sein können. . .
Sie schloss die Augen und stieß ein stilles Seufzen aus.
Noch immer musste sie an Orophers Monolog denken, den sie heimlich mitangehört hatte. Und noch immer war sie sich nicht gewiss, warum seine Worte sie so getroffen hatten. Oder welche Worte sie überhaupt derart einnahmen.
Ein Klopfen ertönte an ihrer Tür und jemand betrat den Raum.
„Geht, Thranduil, ich habe keine Lust, heute ein Wortgefecht zu halten.“, meinte die Goldhaarige lustlos und legte die Armbeuge über die Augen.
„Verzeiht für die Störung, Launárië, aber ich bin es bloß.“, kam eine weibliche Stimme.
Rúsca sah erstaunt zu Fanuiël auf, die unschlüssig an der Tür stand.
„Tut mir Leid für den pampigen Ton, aber ich dachte, du seist der Prinz.“, meinte sie und setzte sich dann auf, „Was ist los?“
Die Elleth bemerkte natürlich sofort, dass Rúsca sie duzte. Sie hatten die letzten Wochen zwar immer öfter Zeit miteinander verbracht, aber dennoch überraschte diese Offenheit sie ein wenig.
„Ich wollte Euch Bescheid geben, dass der Prinz in seinem Gemach auf Euch wartet.“, antwortete Fanuiël und lächelte die Goldhaarige an. Rúsca stützte das Kinn in die Hände und stieß den Atem aus.
„Ja. . . hab keine Lust unserem Prinzlein heute zu begegnen.“, murrte sie, „Oder überhaupt irgendwem.“
„Ihr solltet-“, hob die Elleth an, wurde jedoch unterbrochen:
„Ach bitte, Fanuiël. Nicht so höflich!“
Rúsca warf ihr ein kurzes Lächeln zu, was ihr Gegenüber leicht verlegen machte.
„In Ordnung. . .“, hob sie an, „Du solltest aber etwas essen.“
„Keinen Hunger.“, erwiderte die Goldhaarige nur, „Ich möchte nicht, dass du dich wie rausgeworfen anfühlst, aber ich möchte gern allein sein. Würdest du mich für heute bitte allein lassen? Ich habe auch schon Melglor weggeschickt.“
„Ich weiß, er schien etwas niedergeschlagen, als ich ihn vorhin gesehen hatte.“, meinte sie daraufhin.
Rúsca sah sie fragend an, doch sie winkte bloß ab.
„Was ist, wenn es sich bloß anfühlt, als möchtest du allein sein, aber solltest es nicht?“, schlug die Elleth stattdessen vor.
„Ist das die berühmte Weisheit der Elben?“, fragte die Goldhaarige amüsiert, „Ich möchte allein sein, bitte.“
Fanuiël nickte und verließ den Raum. Dann machte sie sich auf zu ihrem Prinzen. Er hatte sie schließlich geschickt, also sollte sie ihm auch Bescheid geben, dass die Einladung nicht angenommen wurde. Schnell war sie bei ihm, klopfte und trat ein.  
Rechts im Raum stand ein runder Tisch, der mit Essen und Wein gefüllt war. Es brannte sogar eine Kerze auf einem silbernen Ständer.
„Rúsca!“, ertönte die tiefe Stimme des Prinzen und er trat lächelnd von dem Balkon aus in sein Schlafgemach.
„Ich bin es, Ernil nín.“, meinte Fanuiël und verbeugte sich vor ihm. Als sie sich wieder aufrichtete war Thranduils Gesichtsausdruck reserviert. Er nahm die Hände hinterm Rücken zusammen.
„Lady Launárië möchte heute keine Gesellschaft.“, eröffnete sie und sah, wie sich der Gesichtsausdruck ihres Gegenübers veränderte. Es war nur minimal, aber sie sah, dass ein anderer Ausdruck auf sein Gesicht trat.
„Sie hat mich und auch schon Melglor weggeschickt.“, fügte sie deswegen an.
Sie wusste, dass der Prinz oft vieles sehr persönlich nahm, weshalb sie diesen Satz mitanfügte.
„In Ordnung, du kannst gehen.“, wies er sie an und Fanuiël verbeugte sich, ehe sie sich von ihm abwandte. Als sie den Raum verlassen wollte, hörte sie, wie er die Kerze ausblies.
„. . . Wisst Ihr?“, hob Fanuiël an und sah ihm über die Schulter hinweg an, „Ich weiß zufälligerweise, dass Rúsca seit gestern Abend nichts mehr gegessen hat.“
Sie sahen einander kurz an, dann verneigte sie sich erneut und verschwand endgültig.

~~~~~

Rúsca lag eingerollt auf ihrem Bett, auf der allerlei Kleidung lag und sah durch das geöffnete Buntglasfenster nach draußen. Sie konnte ein wenig den Sternenhimmel sehen. Es war nicht lange, seit Fanuiël gegangen war. Allein konnte sie wieder ihren Gedanken nachhängen, die jedoch nicht sonderlich schlüssig waren.
Eins wusste sie jedoch:
Sie wollte raus.
Hinaus in den Wald, das Laub riechen, das Wasser rauschen hören, durch das Unterholz streifen.
Sie schloss die Augen und dachte an den Wald. Wie sie auf dem Boden lag. Nach oben sah. Glücklich war. Den Kopf wandte. . . und Thranduil erblickte.
Sie öffnete die Augen wieder.
Ein Klopfen ertönte an der Tür.
„Verflucht, was wollen heute alle bloß?“, zischte sie, ehe die Tür geöffnet wurde. Sie dachte jedoch gar nicht erst daran, sich dem ungebetenen Gast zuzudrehen. Stattdessen blieb sie ihm mit dem Rücken zugewandt liegen.
„Guten Abend, Rúsca.“, ertönte die tiefe Stimme Thranduils und sie hörte, wie er die Tür schloss, „Wollt Ihr Euch eine Erkältung holen, oder warum ist das Fenster sperrangelweit offen?“
Er klang amüsiert. Rúsca warf ihm einen Blick über die Schulter zu. Sie sah, dass er ein großes Tablett mit Deckel in den Händen hielt, das er auf der Kommode neben der Badezimmertür abstellte.
„Ich liege in einem Bett, das passt schon.“, kommentierte sie und drehte sich wieder weg.
„Es ist dennoch kalt. Und Ihr seid nicht zugedeckt. . . und tragt bloß eine Tunika.“, konterte Thranduil und lief herüber zum Fenster, um es zu schließen. Sie sah ihn genervt an.
„Aber gut zu wissen, dass Ihr das Bett auch selbst benutzt, statt es bloß mit Euer Kleidung zu belagern.“
Er schien gute Laune zu haben.
Als er sich ihr wieder zuwandte, drehte sie sich bloß um und sah zur Tür, wandte ihm somit erneut den Rücken zu.  
„Ist das erste Mal.“, kommentierte sie mürrisch. Sie konnte seinen Blick auf sich spüren.
„Was ist los, stimmt etwas nicht?“, fragte er und sie bemerkte, dass sich die Matratze hinter ihr leicht absenkte. Dann legte sich seine Hand auf ihre Schulter.
Rúsca spannte sich an.
„Möchtet Ihr mir davon erzählen?“, fragte er weiter und strich über ihren nackten Oberarm, „. . . Ihr seid ja ganz kalt.“
„Lasst mich einfach in Ruhe.“, gab sie von sich und entzog ihm ihren Arm. Sie konnte hören, dass er einmal durchatmete.
Der Prinz erhob sich und lief erneut um das Bett herum, um sie ansehen zu können. Sie schloss einfach die Augen.
„Was bedrückt Euch?“, fragte er, „Erzählt es mir.“
Seine Stimme war ganz nah, sodass sie wusste, dass er sich hingehockt haben musste.
„Geht einfach.“, presste sie hervor.
„Rúsca-“, er legte seine Hand erneut auf ihren Arm. Es reichte ihr. Ruckartig setzte sie sich auf, was Thranduil dazu brachte, ebenso schnell aufzustehen.
„Ich habe Fanuiël explizit gesagt, dass ich allein sein will!“, fuhr sie ihn an, „Sie hat Euch doch sicherlich davon erzählt, oder? Also. . . raus!“
Ein Feuer brannte in ihren Augen.
Thranduil trat einen Schritt zurück. Er verstand ihren Stimmungsumschwung nicht.
„Ich wollte-“, hob er an, doch sie unterbrach ihn:
„Nein, nichts wolltet Ihr! Raus!“
Sein Gesicht verhärtete sich.
„Ihr habt kein Recht, so mit mir umzuspringen. Ich bin hergekommen, weil-“, hob er mit leiser, tiefer Stimme an.
„Ich habe jedes Recht, raus!“, sie sprang auf die Füße und stieß ihm gegen die Brust.
Thranduil reckte das Kinn.
„Und Ihr sagt, ich bin der, der sich zu viel erlaubt.“, presste er kalt hervor. In seinen Augen lag etwas dunkles. . . etwas verletztes?
Sie bemerkte dies sofort, ihre Wut war verraucht.
Thranduil drehte sich um und verließ das Zimmer, zog die Tür geräuschvoll hinter sich zu. Rúsca starrte auf das dunkle Holz, ihre Schultern sackten herab. Ihr Blick wanderte zum Boden.  
Was tat sie bloß?
Sie lief schnell zur Tür und riss diese auf. Sie trat auf den Flur und wollte nach Thranduil rufen, doch dieser war bereits nicht mehr zu sehen. Mit hängenden Schultern und sich selbst scheltend ging sie ins Zimmer zurück. Als die Tür ins Schloss fiel, landete ihr Blick auf dem zugedeckten Tablett, das auf der Kommode stand. Langsam lief sie herüber und hob die Abdeckung ab.
Zwei Teller mit fantastisch angerichtetem Essen kamen zum Vorschein.
Wildbraten mit Kartoffeln und frischem Gemüse.
Sogar eine kleine Schüssel Obstsalat stand auf der Mitte des Tabletts – mit zwei Silbergabeln in ihm.
Kraftlos sank Rúsca auf den Hocker neben sich, den grünen Blick starr auf das Essen – auf diese Geste – gerichtet.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast