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Eine Liebe Niemals Vergehend

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Elrond Legolas OC (Own Character) Thranduil
24.07.2022
23.09.2022
10
15.981
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23.09.2022 1.917
 
8. Kapitel
Einsichten

Es war ein schöner Frühlingsmorgen. Die Mittagssonne strahlte in den Palastgarten und brach sich auf der Oberfläche des großen Teiches. Blauschillernde Schmetterlinge flogen über die grüne Wiese, kleine braune Vögel sangen ihre Lieder in den paar Bäumen und Sträuchern, die hier wuchsen.
Feren, der auf einer steinernen Bank saß, hatte die Beine überschlagen und beobachtete Rúsca, die vor ihm war. Sie übte immer und immer wieder die gleiche Bewegungsabfolge. Der Edhel konnte den Kampfstil nicht ganz erkennen, musste aber zugeben, dass Faustkampf sehr gut zu der Blonden passte. Sie strahlte eine natürliche Stärke aus. Die Kampfschreie, die sie hin und wieder von sich gab, unterstützten dies. Ihr Gesichtsausdruck war der einer Kriegerin.
„Ihr solltet mit Thranduil sprechen, anstatt ihm aus dem Weg zu gehen.“, kam es irgendwann von dem braunhaarigen Edhel, „Sonst wird es nicht besser.“
„Ich halte mich lieber fern.“, erwiderte Rúsca schweratmend, „Der König hat mich gerade nicht in seinem bösen Buch stehen. Das kann gern so bleiben.“
Sie machte sich noch nicht einmal die Mühe zu Feren herüberzusehen, sondern machte ihre Übung einfach weiter.
„Böses Buch?“, fragte Feren verwundert.
„Ach, das ist so ne Redensart.“, winkte sie ab, „Unwichtig.“
„Ich weiß, was es heißt.“, meinte er, „Aber warum denkt Ihr, dass das zutrifft?“
Nun hielt Rúsca Inne und drehte sich ihm zu. Sie stemmte die Hände in die Hüfte und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Ist das gerade Euer Ernst?“, fragte sie und als ihr Gegenüber sie fragend ansah, stieß sie die Luft aus. Sie lief zu ihm herüber und setzte sich neben ihn auf die Bank. Dann griff sie nach einem Wasserschlauch und trank.
„Allein, dass ich seinem Sohn das verfluchte Leben gerettet hab und er mich hier gefangen hält reicht doch als Beweis aus!“, meinte sie und strich sich eine verirrte Haarsträhne aus dem vor Anstrengung leicht geröteten Gesicht.
„Ihr solltet nicht immer so viel fluchen.“, sagte Feren, „Ihr-“
„Warum?“, unterbrach Rúsca ihn mürrisch, „Weil ich eine Frau bin?“
„Nein, sondern wegen des Königs.“, erklärte er ruhig, „Wenn Ihr so respektlos über ihn sprecht und er es mitbekommt, geht es nicht gut für Euch aus.“
„Ihr seid doch der, der mich beobachten und ihm sowas mitteilen soll, oder nicht?“, konterte sie und legte den Wasserschlauch zur Seite, „Dann habe ich es auch Euch zu verdanken, wenn der Zorn des Königs mich trifft.“
Die beiden sahen sich an. Dann fingen sie an zu schmunzeln.
„Meiner Meinung nach solltet Ihr nicht hier im Palast sein müssen. Schließlich habt Ihr tatsächlich eine große Tat vollbracht und unseren Prinzen gerettet.“, stellte er seinen Standpunkt klar.
„Tja, endlich sagt es mal jemand.“, gab sie trocken von sich und erhob sich, um sich zu dehnen. Feren beobachtete sie.
„Aber da er Euch derartig festhält, muss er einen wichtigen Grund dafür haben.“, fuhr er fort, „Nehmt es ihm nicht allzu übel, bitte. Er muss etwas in Euch sehen.“
„Nun, vielleicht hat er sich ja unsterblich in mich verliebt, kann es bloß nicht zeigen?“, witzelte sie, „Der große Elbenkönig verliebt in eine Menschenfrau.“
Sie gab ein kurzes, trockenes Lachen von sich.
Die Stimmung schlug um.
„Der König hat bereits geliebt.“, erwiderte Feren, „Und er wird es nicht erneut tun.“
„Ah, stimmt. Elben verlieben sich nur sehr selten, oder?“, erinnerte sie sich, „Eigenartig, wenn man bedenkt, dass sie so gut wie ewig leben können. Wenn man seine Liebe verliert, muss es noch grauenvoller sein, wenn man so lange ohne sie weiterleben muss.“
„Der König hat sich in der Tat sehr verändert, seit er seine Frau verlor.“, stimmte der Edhel zu. Rúsca richtete sich auf.
„Also ist sie doch tot. . .“, meinte sie und setzte sich wieder hin, „Ich hatte es bloß angenommen, da ich sie noch nicht gesehen habe.“
Die junge Frau schien betroffen. Feren konnte einen Schatten spüren, der auf ihr lag. Er hatte so eine Ahnung, was Oropher an ihr als so. . . verdächtig? . . . oder eher interessant empfand.
„Wie ist sie gestorben?“, fragte sie ihn nach einer kleinen Weile, „Oh, natürlich nur, wenn Ihr darüber sprechen dürft.“
Feren wollte ihr zunächst sagen, was passiert ist, doch dann entschied er sich dagegen. Er war nicht in der Position, zumindest nicht momentan. Außerdem ertappte er sich dabei, zu vergessen, dass diese Frau, die neben ihm saß, in der Tat eine Fremde war. Für ihn fühlte es sich manchmal jedoch so an, als ob sie sich länger kannten.
„Sie starb bei einer der größten Ehren, die man vollbringen kann.“, antwortete er bloß, „Viel nobler als ein Krieger, der in der Schlacht fällt.“
Rúsca bemerkte, dass er nicht wirklich darüber sprechen wollte, – oder konnte – weshalb sie schwieg. Nach einer kleinen Weile wechselte sie dann das Thema.  
„Wisst Ihr was, Feren?“, meinte sie beschwingter, „Ich finde es gut, dass Ihr Euch nicht mehr in den Schatten versteckt. So schlimm ist meine Gesellschaft doch gar nicht, oder?“
Sie grinste ihn an und er schmunzelte zurück.    
„Ich muss zugeben, dass ich immer noch ein wenig erstaunt bin, dass Ihr mich bemerkt habt.“, ging er auf den Themenwechsel ein, „Ihr seid sehr wachsam.“
Rúsca stütze sich mit den Ellbogen auf den Knien ab. Ihr Training schlauchte sie ein wenig.
„Ich lebe in der Wildnis. Schlafe in Höhlen oder auf Bäumen. Jage und Fische. Verfolge Orks und andere Untiere.“, erklärte sie, „Da muss ich aufmerksam sein. Der kleinste Fehler kann zu den größten Problemen führen. Das ist hier nicht anders.“
Feren betrachtete die junge Frau neben sich für eine kleine Weile.
Dachte sie tatsächlich derart schlecht vom König?
„In diesen Hallen wird jedem der Respekt entgegengebracht, den er verdient.“, meinte er, „Wenn es anfangs auch schwer sein mag, bald werdet Ihr gar nicht mehr darüber nachdenken müssen, was passiert, solltet Ihr einen Fehltritt machen. Der König kann sehr einfühlsam sein.“
„Wenn man ein langes Leben und ebenso spitze Ohren hat wie er? Bestimmt.“, erwiderte sie pessimistisch und setzte sich wieder gerade hin. Das ruhige Sitzen tat nach ihrem Training zwar gut, aber jetzt fingen ihre Muskeln an zu kribbeln. Sie erhob sich.
„Glaubt mir, die Edhil in diesen Hallen haben guten Grund, nicht jedem dahergelaufenen Fremden zu vertrauen. Wir sind vorsichtig, wem wir unser Vertrauen schenken, aber urteilen nicht zu voreilig.“, fuhr er fort.
„Also macht Ihr keinen Unterschied zwischen Zwerg, Mensch oder Elb?“, fragte sie, ihre Stimme leicht scharf, „Zwischen einem Soldaten oder einem Händler? Zwischen jemandem, der in diesem Wald lebt und jemandem, der ihn bloß passieren möchte?“
„Selten.“, erwiderte Feren, „Zumeist behandeln wir alle gleich.“
„Dann sagt das Eurem König, ich glaub er hat das nicht ganz mitbekommen.“, kommentierte sie mürrisch, „Wisst Ihr, manchmal würde ich gern wissen, wie der König mich behandelt, hätte ich seinem Sohn nicht das Leben retten müssen. Wenn es ihm gut ginge, ohne dass ich hätte eingreifen müssen. . .“
„Ihr würdet nicht anders behandelt.“, meinte Feren, „Aber denkt Ihr wirklich, Ihr hättet den Prinzen retten müssen?
Rúsca sah ihn verwirrt an.
„Was hätte ich denn sonst tun sollen?“, blaffte sie, „Ihn sterben lassen?“
Feren winkte ab.
„Nein, das meine ich nicht.“, er suchte die richtigen Worte, „Habt Ihr unseren Prinzen nur gerettet, weil Ihr gedacht habt, Ihr müsstet es tun?“
Damit warf er sie wohl aus der Bahn. Er sah, dass sie nachdachte, ehe sie sich ins Gras plumpsen ließ.
„Ich weiß nicht genau. . . Ich habe ihn und den Ork gesehen und musste einfach einspringen. Wortwörtlich.“, sie grinste, wohl um der Situation ihre Ernsthaftigkeit zu nehmen, „Aber ich hätte auch jeden anderen gerettet. Wusste ja nicht, dass gerade er ein Prinz ist.“
„Apropos Prinz. . .“, hob Feren an und sein Gegenüber verdrehte die Augen, da sie ganz genau wusste, worauf er hinauswollte, „Geht doch einfach zu ihm. Möchtet Ihr nicht den Streit beilegen?“
„Das war doch kein Streit, nur. . . hitzige Diskussion.“, erwiderte sie und ließ sich nach hinten fallen, um in den Himmel zu sehen, „Ich habe nicht sonderlich oft mit anderen die Chance, längere Gespräche zu führen. Es war glatt erfrischend.“
„Ein Streit? Erfrischend?“, meinte er verwirrt, „Ihr seid ein sehr interessantes Individuum, Rúsca, das muss gesagt sein.“
Sie schmunzelte.
„Ihr solltet aber wirklich mit dem Prinzen sprechen. Ich denke, eine Woche strafendes Schweigen ist genug, oder?“, bat er sie erneut, „Er nimmt vieles sehr persönlich. Es geht ihm nicht um eine Begleichung einer Schuld. Ein Leben für ein Leben. So denkt er nicht. Er hat versucht Euch zu retten, weil es das Richtige war. Genauso wie Ihr ihn gerettet habt, weil es das Richtige gewesen ist.“
Sie wandte den Kopf und sah zu dem Edhel auf.
„Sind alle Elben so weise?“, fragte sie amüsiert, dann nahm ihr Gesicht jedoch einen ernsteren Ausdruck an, „Ihr habt wohl Recht. Ich sollte mit ihm sprechen. Schließlich war ich die, die zuerst so. . . überreagiert hat.“
Rúsca schloss kurz die Augen.
Natürlich hatte sie einen Grund dafür gehabt, aber dies würde sie nun nicht Preis geben.
Der Prinz hatte ja auch unbedingt ihren verwundeten Arm sehen wollen!
Hätte er darauf verzichtet, wäre alles in Ordnung gewesen.
Unterbewusst fasste sie sich an die Stelle, wo der Warg mit seinen Krallen ihre Haut aufgerissen hatte. Es waren bloß ein paar Narben zurückgeblieben. Ein paar mehr störten sie nun wirklich nicht.
„Aber „strafendes Schweigen“?“, wandte sie sich dann mit Ferens eigenen Worten an ihn, „Ich bezweifle, dass mein Schweigen eine Strafe für ihn ist. Eher eine Pause von der Aufgabe seines Vaters, auf mich aufpassen zu müssen.“
Feren schwieg.
„Wie ein unmündiges Kind.“, murrte sie und erhob sich erneut, „Nun gut, dann werde ich unser hoheitliches Spitzohr mal suchen gehen.“
Damit verabschiedete sie sich von dem Braunhaarigen und lief los, um Thranduil zu suchen. Er war zumeist auf Patrouillen, in Besprechungen oder in der Trainingshalle. In den letzten paar Tagen hatte Rúsca diese Orte gemieden, da sie ihn einfach nicht sehen wollte. Sie wusste, dass sie ihm gegenüber unfair gewesen war, aber ändern konnte sie dies nun auch nicht mehr. Dass er Dinge persönlich nahm, vereinfachte ihr Vorhaben sicherlich nicht, aber mehr als ihm eine Entschuldigung anzubieten – wenn auch auf ihre eigene Art und Weise – konnte sie nicht.
Da die Trainingshallen nicht weit entfernt vom großen Garten waren, entschloss sie sich dazu diese zuerst aufzusuchen. In der kleinen hatte sie kein Glück, aber in der großen schon:
Der Prinz trainierte allein mit seinen Geschwisterklingen an einem Ende der Halle.
Rúsca betrat den leicht sandigen Boden und bahnte sich ihren Weg durch die Trainierenden herüber zum Prinzen. Die Edhil warfen ihr interessierte Blicke zu, als sie sie passierte.
„Hey!“, rief sie Thranduil zu, der kurz über die Schulter sah, dann jedoch weiter seine Übung machte. Sie blieb in etwas Abstand von ihm stehen. Er trug lediglich eine Tunika, sodass man seine definierten Muskeln an Brust, Bauch, Rücken und Schultern geradezu bewundern konnte. Was einige der anwesenden Ellith – aber auch Edhil – schamlos taten. Sein langes, silberblondes Haar hatte er zu einem tiefen und lockeren Knoten gebunden.
„Mir wurde zu Ohren getragen, dass ich mich wohl bei Euch für mein hitziges Temperament, das ich Euch letztens gegenüber gebracht habe, entschuldigen sollte. . .“, fuhr Rúsca fort, „Nun sind direkte Entschuldigungen aber nicht wirklich meins. . . Wie wäre es stattdessen mit einem Übungskampf?“
Thranduil hielt inne und strich sich ein paar Schweißtropfen von der Stirn.
„Keine Sorge – keine Waffen. Darf ich ja noch immer nicht.“, gab sie leicht zerknirscht von sich, „Also was ist mit einem guten, alten Faustkampf?“
Sie grinste ihn an und er wandte sich wortlos um, lief herüber zu einem Waffenständer. Er platzierte die Klingen und ging dann weiter in den Raum hinein.
„Zeigt mir, was Ihr könnt.“, sagte Thranduil dann und begab sich in Kampfposition.
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