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Warum nicht?

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Erotik / P18 / MaleSlash
Blaise Zabini Draco Malfoy Harry Potter OC (Own Character)
20.07.2022
22.09.2022
15
62.108
59
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Dieses Kapitel
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22.09.2022 4.484
 
Ich stehe in der Tür meines Bungalows und verfolge die Szene, die sich direkt vor Britneys Bleibe abspielt. Potter wirkt mitgenommen, das sehe ich auf den ersten Blick. Als er realisiert, wo er sich befindet, schrumpft er noch mehr in sich zusammen. Er macht nicht einmal Anstalten, sich vom Boden zu erheben, wo er nun einfach zusammengesunken sitzen bleibt.  So als würde er sich in sein Schicksal ergeben. Damit ist klar, dass er die falschen Schlüsse aus den Informationen gezogen hat, die Blaise ihm in seiner Unwissenheit mitgeteilt hat.

Britney hat sich von Blaise gelöst und geht nun zu Potter, um ihm auf die Beine zu helfen. Er wirkt beinahe, als wäre er betrunken. Sie führt ihn in ihren Bungalow und nun wendet Blaise den Blick von den beiden ab und sieht mich an. Er kommt auf mich zu und umarmt mich.
“Ihr müsst das jetzt klären.”
Ich nicke. War ja klar, dass er auch Bescheid weiß. “Was … was ist mit Potter?” Sein Erscheinungsbild macht mir wirklich Angst.
“Ich würde mal sagen, schwerer Fall von Liebeskummer …”  Blaise grinst und sieht mich herausfordernd an. “Den hat es ganz schön erwischt. Also sieh zu, dass du das wieder in Ordnung bringst!”
Mein Herz flattert kurz, denn es fühlt sich leider ziemlich gut an, dass Potter so intensive Gefühle für mich haben soll, dass er dermaßen fertig aussieht. Aber wird er mir glauben?
Blaise drückt mir einen Tigel in die Hand, den ich fragend betrachte. “Britney wollte, dass ich ihr das von Zuhause mitbringe. Du würdest das brauchen …” Sein Grinsen ist verschwunden und hat einem ernsten Ausdruck Platz gemacht. Ich erkenne, dass es Diptam ist. Britney hatte erwähnt, dass sie sich darum kümmern würde. Sie hatte nur einen kleinen Vorrat bei sich und da wir uns einig waren, keinen Heiler hinzuzuziehen, mussten wir warten, bis Blaise welches von Zuhause mitbringen würde. Ich hatte das schon völlig vergessen und auch jetzt gerät es schnell in Vergessenheit, denn die Tür von Britneys Bungalow geht wieder auf und Potter, der von Britney hinausgeschoben wird, erscheint darin. Sein Blick fällt auf mich und mein Herz schlägt mit einem mal wie verrückt. In seinem Gesicht spielen sich so viele Gefühle ab - Hoffnung, Angst, Schmerz, Sehnsucht …
Ich nehme an, dass Britney ihm gesagt hat, dass ich ihn nicht mit Shawn betrogen habe, ich selbst ihm aber berichten werde, was geschehen ist.

Wie ferngesteuert kommt er den schmalen Weg entlang auf mich zu. Ich muss mich am Türrahmen festhalten, um mich selbst davon abzuhalten, ihm entgegen zu gehen. Ich will ihn nicht verschrecken und hoffe einfach, er möge mir die Chance geben, alles zu erklären.
Blaise hat sich von mir entfernt und kommt Potter auf halbem Weg entgegen. Er legt eine Hand auf seine Schulter und drückt sie kurz, während er ihm etwas zuflüstert, das ich nicht hören kann.
Schließlich ist Potter bei mir angekommen. Er bleibt ungefähr zwei Meter vor mir stehen. Weit genug, dass ich nicht nach ihm greifen kann. Seine Augen sind blutunterlaufen, er wirkt unglaublich erschöpft. Nichts ist mehr von seiner Präsenz, von seiner Energie spürbar. Er ist zerbrochen.
Ich habe ihn zerbrochen.
Das tut mir so unglaublich weh, dass ich nun doch einen Schritt auf ihn zu gehe und inständig hoffe, er möge nicht zurück weichen.
“Ich habe mein Versprechen eingehalten”, sage ich leise. “Ich war dir treu.”
Wieder flackern heftige Emotionen über Potters Gesicht. Er versucht, sie zu kontrollieren, aber es gelingt ihm nicht.
“Wirst du mich erzählen lassen, was geschehen ist? Bitte? Es … es ist nämlich so …” Ich senke den Blick. Ich habe immer noch Angst, ihm diese Worte zu sagen, aber er leidet hier wie ein Hund und ich will doch, dass er mir glaubt, oder? Ich hole tief Luft und sehe ihm in die Augen. “Ich habe mich in dich verliebt. Und ich will mit dir zusammen sein. Richtig zusammen sein. Nicht nur freitags. Und nicht nur im Shadows. Und nicht nur für Sex.”
Potters Augen haben sich kurz geweitet und jetzt ist sein Blick prüfend. Er flackert immer wieder zwischen meinen Augen und meinen Lippen hin und her.
“Komm …”
Ich strecke meine Hand aus, als wolle ich ein scheues Tier heranlocken. Er macht einen kleinen Schritt und ich mache auch einen, so dass ich nach ihm greifen kann. Ich ziehe ihn zu mir und umarme ihn. Halte ihn fest. Um nichts in der Welt werde ich ihn jetzt nochmal gehen lassen. Ich würde ihn gerne küssen, aber ich wage es nicht. Es fühlt sich bereits wunderbar an, ihn in den Armen zu halten und als er seine Arme schließlich um mich legt, entspanne ich mich das erste Mal, seit er hier gelandet ist.


~*~


Wie sehr ich mir wünsche, dass es wahr ist, was Malfoy sagt. Bei Merlin, ich glaube, ich werde einfach zu Staub zerfallen, falls er mich anlügt. Seine Nähe fühlt sich so gut an und erst jetzt, in dieser Umarmung, dringen seine Worte in ihrer ganzen Fülle an mein Bewusstsein. Er hat sich in mich verliebt. Er will mit mir zusammen sein. Immer … richtig … wie ein Paar.
Damit wäre doch eigentlich alles gut. Denn immerhin habe ich mir doch inzwischen eingestanden, dass ich auch in ihn verliebt bin. Und wenn ich mir die Gefühle, die sein vermeintlicher Verrat in mir ausgelöst hat, anschaue, dann hat es mich mehr als nur ein bisschen erwischt.

Malfoy löst sich von mir und greift nach meiner Hand. “Komm”, wiederholt er bittend und ich folge dem leichten Zug und lasse mich in das kleine Haus ziehen. Dort stehen wir erstmal ziemlich verloren in dem offenen Wohnbereich, bis Malfoy sich offenbar erinnert, dass er hier der Gastgeber ist. Er zieht mich zur Couch und wir lassen uns nah nebeneinander nieder. Meine Hand hat er nicht losgelassen, so dass unsere verschränkten Hände nun auf seinem Knie ruhen.
“Ok…” Er räuspert sich, sein Blick ist auf unsere Hände gerichtet. Und dann erzählt er mir von seiner ersten Begegnung mit Shawn, von dessen Versuch, mich schlecht zu machen und Malfoys Wut darüber. Ich lausche ihm, ebenfalls unsere Hände betrachtend. Als er allerdings von seinem Plan berichtet, Shawn zu obliviieren, sehe ich ihn erschrocken an.  “Das … das ist strafbar! Was, wenn das rausgekommen wäre?”
Malfoy sieht zerknirscht aus. “Ja … der Plan hatte durchaus Lücken. Aber ich war unter Zeitdruck und …” Ich kann sehen, wie er mit den Zähnen knirscht. “Du hast nicht gehört, wie er über dich gesprochen hat.”
Bei Merlin, wie gut es sich anfühlt, dass Malfoy mich verteidigen wollte! Seine Wut ist echt, das kann ich spüren und ich entspanne mich umgehend. Dann erinnere ich mich aber, dass Malfoy ja schließlich bei Shawn war und ganz offensichtlich ist dabei etwas schief gegangen.
“Was ist passiert?”
Malfoy windet sich sichtlich. Er streicht mit seinem Daumen über meine Hand, als müsse er sich selbst beruhigen.  “Ich … ich musste versuchen, mit Shawn allein zu sein. Leider hab ich nicht damit gerechnet, dass er so … ran geht.”
“Hat er dir weh getan?”
Die Art und Weise, wie Malfoy den Kopf zur Seite dreht, ist eigentlich schon Antwort genug. Aber ich will die Wahrheit. Ich betrachte ihn eindringlich und glaube, bei genauem Hinsehen, ein leichtes Flimmern auf seinen Zügen zu erkennen. Das macht mich misstrauisch und ich ziehe meinen Zauberstab.
“Finite Incantatem.”
Erschrocken springe ich auf und lasse Malfoys Hand los, nur um vor ihm auf die Knie zu sinken. Sein Hals ist von blauen Flecken übersät, seine Wange leuchtet violett und sein linkes Auge ist rot unterlaufen, wo es weiß sein sollte.
“Merlin! Ich bring ihn um!”
Dieser Aussage zum Trotz fahre ich vorsichtig über die geschundene Haut. Und plötzlich wird mir übel, denn das ist ja nur das, was ich sehen kann. Wer weiß, wie Malfoy unter seinen Kleidern aussieht und ob Shawn ihn …
“Malfoy …!” Das fühlt sich mit einem mal so falsch an …  “Draco! Hat er … hat er dich …”
“Nein!”
Das kam beinahe zu schnell und ich sehe ihn skeptisch an. Draco sieht mir direkt in die Augen. “Wirklich nicht. Er … er wollte es. Aber Jim … der andere Treiber … er hat es verhindert. Hat er jedenfalls Britney so gesagt und … und ich habe keine Verletzungen, die ... darauf hindeuten.”
Ich schließe die Augen und versuche, meine Magie unter Kontrolle zu bekommen. Am liebsten würde ich losziehen und Shawn verfluchen. Aber es geht jetzt erstmal nicht um Shawn. Um den kann ich mich später noch kümmern. Und dazu sollte ich mich beruhigen, wenn mir meine Karriere am Herzen liegt.

Jetzt geht es um Draco und dieser sieht mich mit so angstvollem Blick an, dass ich weiß, was ich jetzt zu tun habe. Vorsichtige lege ich meine Hand an seine heile Wange und nähere mich seinem Gesicht. Er kommt mir entgegen und als sich unsere Lippen treffen ist plötzlich alles wieder gut. Alle Sorgen und Ängste, Wut und Verzweiflung sind wie weg gewischt. Ich versuche, ihm nicht weh zu tun, aber er ist es, der den Kuss vertieft, mich enger zwischen seine Beine zieht und seine Hände in meinen Haaren verkrallt. “Ich … ich will nur dich …”, glaube ich, an meine Lippen gepresst zu hören. “Du musst mir glauben. Bitte…”
Ich löse mich etwas von ihm und erkenne erst jetzt, dass er ebenso verzweifelt war wie ich. Er wusste, wie ich auf die Nachricht, er wäre bei Shawn gewesen, reagieren würde. Und offenbar haben Britney und Blaise sich eingemischt, um uns beiden auf die Sprünge zu helfen.
“Ich glaube dir.”  


~*~


Die Erleichterung, die ich verspüre, muss mit Händen greifbar sein. Es ist egal, dass Potters Berührungen leicht schmerzhaft sind, ich muss ihn spüren und ich will verdammt sein, wenn ich jetzt zulasse, dass er sich von mir löst. Der Kuss, in den ich ihn verwickle, soll alle meine Gefühle für ihn transportieren und als wir uns schließlich doch voreinander lösen, glaube ich, Tränen in Potters Augen glitzern zu sehen.
“Draco … es tut mir leid … Es tut mir leid, dass ich gezweifelt habe. Aber …”
Er wendet den Blick ab  und lässt sich auf seine Fersen nieder, so dass er nun von unten zu mir hoch blickt. Seine Verletzlichkeit ist mit Händen greifbar.
Ich hebe meine Hand und streiche ihm über die Wange. Er dreht den Kopf und küsst die Handinnenfläche. Dann sieht er mich wieder an und räuspert sich.
“Ich … ich habe mich auch in dich verliebt. Ich wollte es nicht akzeptieren. Weil … weil ich nie mehr so verwundbar sein wollte. Aber …” Er zuckt mit den Schultern. “...sieht aus, als hätte mein Herz schon längst entschieden.”
Er umgreift meine Mitte und legt einen Kopf auf meinem Oberschenkel ab. Diese Geste rührt mich auf eine seltsame Art und ich beginne, ihm über den Kopf zu streichen, kraule ihn im Nacken und fahren über seinen Rücken, soweit ich mit meinen Händen komme.  “Es liegt mir fern, dir weh zu tun, Harry. Wenn es nach mir ginge, dürfte niemand dir jemals wieder weh tun.”

Er hebt den Kopf. Sein Blick ist so offen und er präsentiert sich mir in einer Art, die ich noch nie an ihm erlebt habe. Nichts ist von seiner Dominanz übrig. Es ist, als würde er mir seine Liebe offenbaren und damit sich selbst nackt und verletzlich zeigen. Plötzlich lässt er von mir ab und fokussiert seinen Blick wieder, die Stirn gerunzelt. Er scheint sich an meine Blutergüsse zu erinnern.
“Was ist?”
“Blaise hat mir gesagt, ich solle mich um dich kümmern …” Er hebt die Hand und legt seine Finger sanft an meinen Hals. “Hast du Diptam hier?”
Erst jetzt erinnere ich mich an den Tigel, den ich neben mir auf die Couch gelegt habe und taste danach.
Harry nimmt ihn mir aus der Hand und schraubt ihn auf. Mit unglaublicher Sanftheit beginnt er, die Spuren von Shawns Ausbruch zu bestreichen. Die Zärtlichkeit seiner Berührung passt nicht zu seinem Gesichtsausdruck, der geradezu mörderisch ist. Seine Kiefermuskeln zeugen davon, wie sehr er die Zähne zusammen beißt.
“Vergiss Shawn. Du bist jetzt da und er spielt in diesem Moment keine Rolle.”
Harry scheint zu realisieren, wie angespannt er war und entspannt sich. Schließlich ist er offenbar zufrieden mit seiner Behandlung und verschließt den Tigel. Mit einem Mal wirkt er unglaublich erschöpft, wie er da vor mir kniet und mich von unten herauf anblickt. Ich greife nach seiner Hand und stehe auf.
“Komm. Du bist müde.”  
Er lässt zu, dass ich ihn auf die Beine ziehe und folgt mir widerstandslos.
“Hier ist das Bad”, zeige ich auf eine Tür und öffne dann eine andere. “Und hier ist mein Schlafzimmer. Unser Schlafzimmer.”
Er dreht sich zu mir und nimmt mein Gesicht vorsichtig in beide Hände, bevor er mich küsst.

Wenig später liegen wir nackt in meinem Bett. Harry hat sich nicht nehmen lassen, meinen restlichen Körper noch nach weiteren Spuren von Shawns Ausbruch zu untersuchen. Offenbar lernt man bei den Auroren auch einfache Diagnosezauber, denen ich mich vollständig unterziehen musste. Als Harry somit sicher war, dass ich keine Knochenbrüche erlitten habe und er sich vergewissert hat, alle Blutergüsse ordnungsgemäß versorgt zu haben, konnte er sich endlich entspannen.
Ich selbst kann dies durchaus nachempfinden und sehe Harry zu, wie er in meinen Armen zur Ruhe kommt. Er ist schnell eingeschlafen und jedes Mal, wenn ein angespannter Gesichtsausdruck sich auf seine Züge schleicht, streiche ich ihm über die Wange und murmle beruhigende Worte. Es macht mich unglaublich glücklich, wie direkt die Wirkung einsetzt und er sich wieder entspannt. Sieht  so aus, als wäre er angekommen.


~*~


Es dauert nur Sekunden, bis ich realisiere, wo ich bin. Dracos Duft beruhigt mich sofort und sein warmer Körper neben mir fühlt sich einfach nur richtig an. Warum habe ich mich so lange dagegen gewehrt?
Nun ja, ich weiß es natürlich und der Grund ist nicht einmal sehr weit entfernt. Ich werde mich noch um Shawn kümmern müssen. Aber jetzt genieße ich erstmal die Tatsache, dass mein Traummann neben mir liegt. Ich ziehe ihn näher zu mir und vergrabe meine Nase in seinem Nacken. Auch, wenn mein Schwanz bereits wieder um Aufmerksamkeit bettelt und die Erinnerung an Sex mit Draco durchaus Lust machen könnte, liegt es mir nun fern, ihn auf diese Weise zu wecken. Ich will einfach nur genießen, ihn hier bei mir zu haben. Mir sicher zu sein, dass er meine Gefühle erwidert und mich das erste Mal seit Tagen vollständig wohl zu fühlen.

Draco brummt leise und dreht sich dann zu mir. Er blinzelt ein paar mal, bevor er seinen Blick fokussiert und mich ansieht. Das Lächeln, das sich auf seine Züge legt, kaum dass er die Situation erfasst hat, leuchtet bis in mein Herz.
“Guten Morgen, mein Schöner”, schnurre ich und lehne mich zu ihm, um ihn zu küssen. Er seufzt leise in den Kuss.
Nachdem ich mich von ihm gelöst habe, betrachte ich ihn aufmerksam. Seine Blutergüsse haben sich zurückgebildet, allein das Auge zeigt noch Belege von Shawns Gewaltausbruch.
“Ich werde heute Shawn einen Besuch abstatten.”
Draco rappelt sich auf und sieht mich erschrocken an. “Was … was willst du tun? Denk an deinen Job!”
Ich setze mich auf und sehe ihn grinsend an. “So gern ich ihm einen bestimmt verbotenen Fluch auf den Hals hetzen würde …” Ich lehne mich vor und küsse ihn sanft. Dann blicke ich ihn ernst an. “Ich werde nicht vergessen, dass ich meinen Job liebe, nicht in Askaban landen möchte und dass er Britneys Bruder ist.” Langsam hebe ich meine Hand und streiche über die geheilte Wange. “Und vor allem werde ich nicht vergessen, dass du hier auf mich wartest. Aber ich muss das ein für alle mal mit ihm klären.” Damit schwinge ich meine Beine aus dem Bett und stehe auf.


~*~


Was glaubt dieser Verrückte eigentlich, was er da tut? Erst erzählt er mir, er müsse sich mit Shawn treffen und dann steht er splitterfasernackt wie die menschgewordene Versuchung vor mir.  “Also entweder ziehst du dir sofort was an, oder ich kann für nichts garantieren.”
Harry blickt über seine Schulter und grinst mich an. “Ich entferne mich sofort aus deinem Blickfeld. Aber wenn ich mit Shawn fertig bin, solltest du bereit sein ... Malfoy …”
Er hat seiner Stimme einen dunklen Klang gegeben und ein Schauer erfasst mich. Merlin, er ist so unwiderstehlich, wenn er seine natürliche Dominanz einfach so aus sich raus fließen lässt. Immerhin beginnt er, sich anzuziehen, was beinahe so viel Sexappael hat, wie ein Strip. Dennoch kann ich nicht vergessen, was er eben gesagt hat.
“Harry … bitte nimm Britney und Jim mit … Zwischen dir und Shawn, da ist noch so viel ungeklärt. Ich möchte nicht, dass ihr euch alleine trefft.”
Ein verletzter Ausdruck tritt auf sein Gesicht. “Traust du mir nicht?”
“Was?” Ungeachtet der Tatsache, dass ich selbst nackt bin, stehe ich auf. Harrys Blick gleitet kurz begehrlich über mich und er leckt sich über die Lippen. Sieht aus, als wären wir beide leicht abzulenken.
“Harry!”
Ich ziehe die Decke zu mir und wickle sie um mich. Er sieht mir in die Augen und erinnert sich offenbar, dass wir uns mitten in einem Gespräch befinden.
“Entschuldige … du bist einfach nur so …”
“Harry … ich traue dir. Aber ich habe Angst um dich! Shawn scheint ein echtes Aggressionsproblem zu haben. Und es geht Britney und Jim auch etwas an … Dann kann er sich auch nicht so raus winden und … es muss ihm doch etwas an seinem Platz in der Mannschaft liegen. Jim scheint ihm nahe zu stehen …”
Harry hebt ergeben die Hände.  “Ja, ist gut. Du hast vermutlich recht.”
Dann kommt er auf mich zu und schlingt seine Arme um mich. Wieder bin ich mir fast sicher, seine Magie zu spüren. Ich bin etwas unbeweglich, weil ich mit einer Hand die Decke festhalte und ich kann nicht anders, als ihn wie paralysiert anzuschauen.
“Und wenn ich das erledigt habe … Malfoy …”
Allein, wie er meinen Nachnamen ausspricht … Ich schließe die Augen und spüre, wie er sich meinem Hals nähert und einen Kuss darauf platziert, um gleich darauf über die Stelle zu lecken. “... dann nehme ich mir Zeit für dich … Ich hoffe, du bist dann bereit für mich.”
“Ja …”
Er löst sich von mir und sieht mir in die Augen. Sein Blick ist so intensiv, selbst wenn ich wollte, ich könnte mich ihm nicht entziehen.
“Das ist gut.” Mit einem mal lächelt er mich lausbubenhaft an und lehnt sich vor, um mich auf die Lippen zu küssen. “Ich freu mich drauf.”
Und damit lässt er mich los und ist verschwunden.
Merlin! Und ich dachte, es würde einfacher werden, wenn alle Missverständnisse ausgeräumt wären. Aber der Mann macht mich wirklich fertig.


~*~


Nachdem ich Britney abgeholt habe und wir gemeinsam Jim von unserem Vorhaben überzeugt haben, gehen wir zu dritt zum Bungalow von Shawn. Von Jim habe ich mir nochmals versichern lassen, dass Shawn zwar offensichtlich drauf und dran war, sich an Draco zu vergehen, es aber nicht dazu gekommen ist. Das beruhigt mich, denn auch wenn die Diagnosezauber nichts ergeben haben, hatte ich doch Sorge, Shawn wäre weiter gekommen.

Auf unser Klopfen hin öffnet Shawn. Sein Ausdruck wechselt von offen zu überrascht und schließlich zu spöttisch. “Was ist das für ein Tribunal?”
“Halt den Mund und geh zur Seite.” Britney übernimmt die Führung und als Schwester kann sie ganz anders mit Shawn reden als ich als sein Ex-Freund oder Jim als Team-Kollege.
“Setz dich!”
“Was soll das werden? Bin ich angeklagt?”
“Shawn”, ergreife ich jetzt doch das Wort. “Du bist nicht angeklagt und das ist allein der Tatsache geschuldet, dass Draco keine Anzeige gegen dich erstattet!”
“Die kleine Ratte wollte mich angreifen! Hat er euch das auch erzählt?”
“Das hat er!” Britney schiebt Shawn auf die Couch und baut sich vor ihm auf. “Und es war bestimmt nicht richtig von ihm. Aber es hätte genügt, ihm den Zauberstab abzunehmen! Du hättest ihn nicht zusammenschlagen müssen und vor allem …” Sie wendet den Blick ab. Es ist ihr anzusehen, dass dieses Gespräch ihr zusetzt.
Jim springt ein. Er ist offensichtlich ein besonnener Kerl und kennt Shawn ganz anders als wir. “Kumpel. Du wolltest dich an dem Kerl vergehen, obwohl er völlig wehrlos war. Du hast es gesagt und du hast bereits deine Hose aufgeknöpft.”
Meine Magie geht mit mir durch, ohne dass ich es verhindern kann. Alle sehen mich an und Shawn hebt spöttisch die Augenbraue.  “Was … Harry? Ist er etwa dein Betthäschen? Dein Trostpflaster?”
Ich bin so schnell direkt an ihn heran getreten, dass ich gar nicht weiß, wie es geschehen ist. Mit einer Hand ziehe ich ihn am Kragen seines Shirts auf die Beine. Er ist erheblich größer als ich, aber seine Augen weiten sich angstvoll.
“Hör zu, Shawn. Ich sage das nur einmal. Ich bin fertig mit dir. Du nimmst dir immer nur, was du willst, ohne zu fragen, wie das für andere ist. Wenn es dabei um Gefühle geht, dann ist das Pech für den anderen. Aber was Gewalt und Sex angeht, hast du offenbar den Bezug zur Realität verloren. Wenn du so weiter machst, wirst du früher oder später nicht nur deine Karriere aufs Spiel setzen, sondern im Knast landen!”
Ich gebe ihn frei und schubse ihn zurück auf die Couch.
Er fängt sich rasch wieder, nachdem ich auf Abstand gegangen bin. “Pah! Ich habe dich zu dem gemacht, was du bist! Ohne mich würdest du heute noch Muschis ficken und dich fragen, warum dich das nicht glücklich macht.”
Britneys kleine Hand hat einen roten Fleck auf Shawns Wange hinterlassen. So schnell konnte ich gar nicht sehen, wie sie ihm eine Ohrfeige verpasst hat.
“Reiß dich zusammen!” Ihre Stimme ist leise, aber die Bedrohung ist eindeutig greifbar. “Ich bereue immer noch, Harry und dich zusammen gebracht zu haben. Du hast ihm so weh getan und es tat mir immer leid, dass seine erste homosexuelle Beziehung so schief gegangen ist.”
“Britney … das ist doch nicht deine Schuld.” Es erschüttert mich, dass sie sich deshalb Vorwürfe macht.
“Das … “ Sie schüttelt den Kopf, sieht mich aber nicht an. “Das tut jetzt nichts zur Sache.” Dann wendet sie sich wieder an Shawn. “Ich glaube, ich weiß inzwischen, was dein Problem ist. Du hast in Harry das erste Mal jemanden gefunden, der sich voll und ganz auf dich eingelassen hat. Der dir seine Liebe vor die Füße gelegt hat und du hast sie in deiner Dummheit zertrampelt. Und seither verhältst du dich wie ein Berserker. Weil du dein Verhalten bereust, was du dir aber niemals zugestehen würdest! Du hast Harry genau so geliebt, wie er dich, aber du bist ein Feigling, Shawn!”
Ich kann nicht anders, als Shawn anzublicken, der seine Kiefer aufeinander gepresst hat und aussieht, als würde er jeden Moment explodieren. Zu meinem Erstaunen, wendet er schließlich den Kopf ab, aber ich kann die Tränen sehen, die ihm über die Wangen rollen.
“Shawn”, sage ich leise. “Stimmt das?”
Shawn sagt lange nichts. Er blickt auf seine Hände, die er ineinander verschränkt hat. Britney setzt sich neben ihn und legt ihren Arm um seine Schulter. Es ist ein rührendes und beinahe etwas komisches Bild, denn Shawn ist einfach ein Bär von einem Mann und Britney ist so eine zarte Person.
Schließlich nickt Shawn und beginnt, mit sehr belegter Stimme, zu sprechen. “Vater … Vater hat sich nie damit abgefunden, dass ich schwul bin. “Ein Schwuler ist kein richtiger Mann.“ Das hat er immer gesagt …”
Britney nickt. Ich habe die Eltern der beiden nie kennengelernt, da sie beide ein Jahr vor meinem Umzug nach Amerika verstorben waren.
“Und … und ich dachte … wenn es nunmal eben so ist, dass ich schwul bin … dann … dann darf ich … darf ich einfach nicht so … so weich sein …”
“Und weich sein würde für dich bedeuten, treu zu sein? Zu seinem Partner zu stehen?” Ich muss das fragen, denn ich kann es nicht ganz verstehen.
Shawn zuckt unbeholfen mit den Schultern. “Ich … ich weiß ja auch nicht. Ich dachte einfach … händchenhaltend mit einem anderen Typen rum laufen … das … das ist so … kitschig. Für mich war das eben vor allem Sex …”
“Dagegen spricht ja nichts, wenn man sich nicht gleichzeitig in der Beziehung mit einem anderen befindet.”
Jim schaltet sich ein. “Shawn. Mir ist es egal, auf was du stehst und mit wem du - einvernehmlichen - Sex hast. Aber es ist mir nicht egal, wenn du deinen Frust an anderen auslässt und dich strafbar machst. Ich habe niemandem von diesem Vorfall erzählt! Aber du hast Malfoy verletzt und du hättest ihn vergewaltigt, während er bewusstlos war. Das kann doch verdammt nochmal nicht das sein, was du selbst willst!”
Shawn blickt seinen Teamkameraden entsetzt an, als hätte erst dessen Zusammenfassung ihm bewusst gemacht, was er eigentlich getan hat. Dann schweift sein Blick zu Britney, die ihn besorgt ansieht. Alle Wut scheint aus ihr entwichen zu sein. Und schließlich sieht er mich an und das erste Mal sehe ich wieder den Mann, in den ich mich verliebt hatte.
“Britney hat recht. Ich … ich habe dich geliebt. Aber ich wusste einfach nicht … ich weiß nicht, wie das geht! Wie man … wie man eine richtige Beziehung führt. Ich wollte dir nie weh tun … “ Er zuckt mit den Schultern. “Aber ich habe es getan und du … du hast die Konsequenzen gezogen.
Ich war so wütend. Und habe diese Wut auf dich … und eigentlich ja auf mich selbst, denn ich war ja der Grund … in diesem destruktiven Verhalten ausgelebt.
Und dann habe ich hier Leute aus England getroffen und ich wollte mit ihnen über dich sprechen und  … und etwas über dich wissen. Gleichzeitig wollte ich dich aber schlecht machen, denn … du musstest doch der Schlechte in dieser Sache sein. Weil … weil es sonst ich gewesen wäre …”
Er sieht mich wieder an und so viel Leid liegt in seinem Blick, dass es mir weh tut.
Ich gehe vor ihm in die Hocke und lege eine Hand auf sein Knie.  “Shawn, das mit dir wird immer etwas besonderes für mich bleiben. Ich habe dich geliebt. Sehr sogar. Aber vielleicht war ich für dich auch nur eine Station, um dich selbst besser kennenzulernen, genauso wie du es für mich warst.
Bitte, geh deine Probleme an. Du bist doch ein guter Kerl und du wirst den einen finden. Und dann wirst du wissen, dass du dich offen zu ihm bekennen darfst und trotzdem noch ein toller Mann bist. Ein hervorragender Treiber und ein wunderbarer Bruder.”
Ich erhebe mich.
“Ich denke, die Angelegenheit ist damit für mich und auch für Draco erledigt. Auch er hat einen Fehler gemacht, indem er dich angreifen wollte.
Nimm diese Chance an und hol dir Hilfe, wenn du es nicht alleine schaffst. Das ist keine Schande, weißt du?”
Und damit wende ich mich endgültig ab und verlasse Shawns Bungalow. Denn immerhin wartet Draco darauf, in den siebten Himmel befördert zu werden.


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Ihr Lieben,
ich hoffe, ihr seid mit diesen Aussprachen zufrieden.

Auf den Versöhnungs - Sex müsst ihr leider noch mindestens eine Woche warten. Der September hat es echt in sich mit Terminen, aber ich bin stets bemüht, euch zufrieden zu stellen ;)

Danke übrigens, für insgesamt nun über 8.000 Favoriten für meine 23 Geschichten! Ich freu mich total :)

LG Luna
 
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