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Zwei Leben - Gegen die Welt - Albus Dumbledore

von Enoraa
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald OC (Own Character)
18.07.2022
05.06.2023
43
266.466
11
Alle Kapitel
69 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
18.07.2022 4.352
 
"Kurzer" Disclaimer vorweg:
Natürlich gehören alle bekannten Charaktere nicht mir, ich habe keine Rechte an ihnen und verdiene auch kein Geld damit. Nach dem Ausleihen werden sie außerdem gut gefüttert zurückgegeben. Meine eigenen behalte ich hinterher aber!
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Diese Fanfiction entsteht in Kooperation mit meiner lieben Freundin Silberfeder - wir schreiben gemeinsam die komplett gleiche Geschichte, allerdings wird sie sich Gellerts Sicht der Dinge widmen, während bei mir Albus im Fokus steht.

Hier folgt gleich die Verlinkung zum ersten Gellert-Kapitel :) Dann spart ihr euch das raussuchen, falls ihr beide Seiten lesen möchtet. Zwei Leben - Gegen die Welt - Gellert Grindelwald

Natürlich wird in beiden Geschichten annähernd das Gleiche geschrieben werden – lediglich die Gedankengänge und Emotionen sind natürlich individuell auf den eigenen Charakter gemünzt. Missverständnisse, Sichtweisen und möglicherweise auch getrennte Abläufe können es interessant machen, beide Seiten zu lesen. Das ist aber kein Muss! Es rundet die Geschichte für manchen Leser nur ab und vielleicht ist es auch eine angenehme Abwechslung, ein Kapitel aus Gellerts Sicht und das nächste aus Albus Sicht zu lesen. Ganz wie du es magst! Sollten sich die Geschehnisse sehr unterscheiden und es sich damit extrem lohnen, beide Seiten zu lesen, werde ich das vor dem Kapitel anmerken.
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Diese Fanfiction ist in einem alternativen, dystopischen Universum angesiedelt und bedient sich im kompletten Grundsatz aller Informationen aus den Filmen/Büchern/Pottermore. Durch veränderte Hintergründe werden sowohl Gellert als auch Albus jedoch in ihrem Handeln und Denken recht massiv von den Originalen abweichen, je mehr die Geschichte voranschreitet. Die beiden werden also sehr viel „out of character“ sein. Wenn dir das nicht zusagt oder behagt, ist diese FF vielleicht nichts für dich!
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In dieser FF wird das Thema Krieg, Misshandlung, Gewalt, Tod, Armut/Hunger mitaufgegriffen (Disclaimer: Möglicherweise wird diese Liste noch länger). Wenn dich diese Themen betreffen und dir Probleme bereiten, achte bitte auf die entsprechenden Warnhinweise vor den Kapiteln und sei entsprechend vorsichtig!
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Da die Geschichte noch nicht fertig ist (wir sind ca. 20 Kapitel im Vorlauf), ist hier noch nicht abzusehen, ob es ein HappyEnd geben wird... bitte berücksichtigt das.

Und jetzt: Bühne frei!

Kapitel 1 – Der Neue


Albus überblickte die Schar neuer Schüler, Erstklässler, wie jedes Jahr, die fleißig auf die vier Häuser der einst so renommierten Zaubererschule sortiert wurden. Zaubererschule. Wie schön es wäre, auf eine solche Schule zu gehen. Wie schön es wäre, ein Zauberer vor hundertfünfzig Jahren zu sein, geschützt vom Geheimhaltungsabkommen. Er sah hinauf zum Lehrertisch, wo der neue Schulleiter für dieses Schuljahr das Auswahlverfahren gelangweilt beobachtete. Zumindest sah dieser Magistratszauberer nicht so aus, als würde er sich großartig in die Angelegenheiten der Schüler einmischen.
Dabei war es doch eine ach so große Ehre, diese jährlich wechselnde Stelle zu besetzen.
Sein Blick glitt wieder zu den neuen Schülern – dieses Jahr waren auch ältere dabei. Aus Durmstrang, so hieß es, einer anderen Schule, die aufgelöst worden war. Es war so eine Sache mit Geheimnissen einer Größenordnung wie einer magischen Gemeinschaft – sie blieben nicht geheim. Hatte England sich lange Jahre damit rühmen können, als einziges Land seine magische Gemeinschaft vollkommen unter Kontrolle zu haben, waren doch irgendwann andere Länder gefolgt. Manche hielten es ähnlich wie England, bildeten ihre Zauberer zu Soldaten aus, andere ließen Zauberer auch einfach hinrichten. Die Zauberer waren auf der Welt in der Unterzahl, wen kümmerte es also, ob sie Sklaven oder tot waren.
Durmstrang hatte man aufgelöst, weil der Schulleiter offenbar seine Schüler indoktriniert hatte, dass Muggel zum Kotzen waren. Als ob sie das nicht auch so wüssten.
Albus hatte nur noch dieses Jahr, dann würde man ihn in den aktiven Wehrdienst schicken. Ein Jahr und das würde er damit zubringen, sich um einen jüngeren Schüler zu kümmern, während man ihm beibrachte, Menschen zu töten und andere Menschen zu beschützen.
Dabei träumte er von viel Größerem! Selbst heute war ihm manchmal noch nicht klar, warum der Hut ihn nicht nach Ravenclaw geschickt hatte. Zweifelsohne war er ein Genie! Aber nein, er musste in Gryffindor landen. Dem Haus der Mutigen und frühzeitig Toten. Seine Abschlussarbeit war alles, was ihm den Hintern noch retten konnte und dafür brauchte er eigentlich Zeit. Zeit, die er nicht haben würde, wenn er sich um einen jüngeren Schüler kümmern musste, und doch lief es genau so ab. Keiner der bei weitem nicht freiwillig unterrichtenden Lehrer hatte Zeit und Lust oder auch nur Interesse daran, sich um die Kinder zu kümmern, die hier unterrichtet wurden. Es überraschte also wenig, dass ihnen das selbst oblag.
Albus hatte das nie wirklich in Anspruch genommen. Die Leute sagten, er sei eigenbrötlerisch, geheimnistuerisch. Dabei kümmerte er sich einfach nur gerne um seinen eigenen Kram. Die meisten anderen waren ihm dabei zu kurzsichtig, zu wenig an der Welt interessiert, zu sehr in den Grenzen gefangen, die ihnen beigebracht wurden. Sie interessierten sich nicht dafür, was möglich sein könnte.
Als der Name „Gellert Grindelwald“ aufgerufen wurde, sah er im Grunde nur hin, weil die blonden Locken des Jungen seinen Blick eingefangen hatten. Er mochte blonde Haare. Hatte sie immer gemocht. Und er mochte Locken. Nur nicht an sich selbst.
„Gryffindor!“, verkündete der Hut und Albus stimmte höflich, wie bei all den anderen Schülern, in den Applaus ein, der für ihn noch niemals Sinn gemacht hatte. Warum sollte man sich darüber freuen, dass irgendein Kind oder, in diesem Fall, Jugendlicher, überhaupt an dieser Schule sein musste? Er jubelte nicht. Der Junge mit dem deutschen Nachnamen war nun einfach einer von ihnen – einer der Verdammten. Dennoch rutschte er beiseite, damit der Junge sich dazu setzen konnte. Er sah alt genug aus, um in seinem oder im Jahrgang unter ihm zu sein.
„Hey, ich bin Albus“, stellte er sie dem Jungen vor. Nur, weil er an alle dem kein Interesse hatte, musste er ja nicht unhöflich werden. Dass das unhöflich gegenüber der Veranstaltung war… bedauerte er nicht.
Schon gar nicht mehr, als der Junge ihn ansah. Ein Auge blau, das andere braun. Faszinierend!
„Gellert“, antwortete der Andere kurzangebunden… und blickte direkt hinab auf seine eigene Hand, wo er, wie sie alle, die Registrierungsnummer als Zauberer trug. Die magische Tätowierung, die ihre Gedanken überwachte und sie quälte, sollten sie zu aufmüpfig werden. Natürlich. Als neuer Schüler wollte man nicht direkt Ärger machen. Das war durchaus verständlich. Also lächelte er ihm nur zu und wendete den Blick dann erst einmal wieder nach vorn. Die Auswahl war vorbei, stattdessen stellte sich der neue Schulleiter vor. Allerdings hatte Albus wohl schon die Hälfte verpasst. Darüber war er aber gar nicht böse, als er mehr von diesem Geschwafel hörte. Merlin, es war so anstrengend, Zauberern zu zuhören, die so taten, als seien sie der verlängerte Arm nichtmagischer Menschen und würden alles unterstützen, was diese sagten und die Nichtmagier hatten generell in allem Recht.
Er stieß die Luft aus. Wenn während all der Zeit wenigstens der Tisch vor ihnen leer und nicht gut gefüllt wäre. Das war der größte Vorteil daran, hier zu sein. Es gab Essen. Viel davon. Und sicherlich nicht das Schlechteste – klar, die Jungs, die hier zu Soldaten ausgebildet wurden, wuchsen und sollten ja durchaus ein bisschen Muskelmasse aufbauen. Er bedauerte jetzt schon, dass es in diesem Jahr für ihn keinen Küchendienst geben würde. Es gab dort immer eine Gelegenheit, etwas zusätzlich abzustauben.
Doch jetzt saß er hier… und durfte noch nichts davon anrühren, obwohl die Zugfahrt ihn ausgehungert hatte. Nachdem er bereits mit Hunger von zu Hause gestartet war. Es war nicht leicht für eine verwitwete Hexe durchzukommen und wenn da noch ein wachsender Junge hintendran hing, wurde es nicht leichter. Dann noch die Wirtschaftskrise. Nein, was das anging, konnte er nicht traurig darüber sein, hier zu sitzen. Er hatte Essen und seine Mutter kam alleine besser durch. Jetzt knurrte auch noch sein Magen. Er rutschte auf der Bank weiter nach hinten und beugte sich tiefer vor, stützte den Ellenbogen auf dem Tisch ab und legte das Kinn auf seine Finger. Aus dem Augenwinkel hatte er so einen guten Blick, auf seine eigene Tätowierung, ein Mischmasch aus seinen Initialen an Beginn und Ende und dazwischen Zeichen einer Keilschrift, die seinen Geburtstag und seine Registrierungsnummer darstellten. Es hätte hübsch sein können. Wenn es nicht sein gesamtes Schicksal besiegeln würde.
Endlich… endlich setzte sich der neue Schulleiter und es kam wieder Leben in die Halle – das Essen war eröffnet und Albus griff zu. Gemüse und Fleisch waren die Dinge, auf die er sich fokussierte. Von Brot hatte er im Moment die Nase voll und Kartoffeln stopften nur Platz, den er gerade lieber mit anderen Dingen füllte. Dinge, die ihn satt machen würden und bis zum Morgen satt hielten. Und zum Schluss ein Stückchen Siruptorte – dafür würde er morden. Nun… er würde es müssen, früher oder später. Endlich gesättigt ließ er sich etwas zurücksinken und sah sich aufmerksam um. Der neue Schulleiter aß noch. Offenbar mussten die Lehrer auf ihn warten, bis sie sich erheben und ihre Anweisungen geben durften.
„Gellert?“, wendete er sich also wieder an diesen. Mittlerweile sprachen um sie herum überall Schüler. Klar, Freunde hatten sich den ganzen Sommer nicht gesehen. Elphias Doge – der einzige, den er hier als Freund betrachtete – wusste aber, dass Albus schon mit ihm reden würde, wenn ihm danach war.
„Ja?“, gab der zurück, nicht unbedingt begeistert darüber wirkend, dass er angequatscht wurde.
„Wie ist dein Englisch?“, hakte er nach. Er kam ja nicht aus England. War man freundlich genug gewesen, ihm ein bisschen englisch beizubringen? Nicht, dass das Albus Sorge sein müsste. Ach… vermutlich war er am Ende des Tages doch einfach zu nett. Er sollte damit aufhören.
„Mäßig“, gab er zu. „Zwei Monate reichen kaum, eine Sprache zu lernen“, erklärte er, was aber doch schon mal ein ganz guter Satz war.
„Es klingt schon gut“, lobte er daher lächelnd. „Frag gerne, wenn du etwas nicht verstehst.“ Für zwei Monate fand Albus das gar nicht mal schlecht. Der Junge musste was im Köpfchen haben. „Was ist deine Muttersprache?“
„Norwegisch. Ich spreche besser Deutsch“, antwortete er und Albus nickte.
„Ich versuche Deutsch aus Büchern zu lernen. Vermutlich spreche ich alles falsch aus, aber ich kann es gut lesen.“ Was wichtig war. Sprachen lesen können, war fast wichtiger, als sie zu verstehen. Lesen brachte Wissen. Dinge lesen, die andere nicht lesen konnten, brachte Wissen, das andere nicht hatten und außerdem konnte man nicht dafür bestraft werden. Ein Trick, auf den bisher nicht viele gekommen waren. Aber das mochte auch an der hohen Rivalität der Länder liegen, die ihre Zauberer im Regelfall nicht miteinander interagieren ließen. Erstaunlich genug, dass man die Durmstrangschüler quasi nach England abgetreten hatte.
„Ich lerne englisch aus Büchern. Spreche ich es richtig aus?“, hakte Gellert nach. „Deutsch ist schwer, sagen viele. Hart. Sie haben noch keine Russen gehört.“ Albus schmunzelte über diese Feststellung. Er versuchte auch russisch zu lernen, blöderweise hatte er bisher nur wenige Bücher gefunden, die dafür nützlich waren.
„Dein Englisch klingt auch ein bisschen hart“, gab er zu. Das lag aber mehr an der Betonung. „Aber ich verstehe es gut. Kannst du russisch? Aus Durmstrang?“, erkundigte er sich weiter und strich sich eine nervige Locke aus dem Gesicht. Hoffentlich hatte die Krankenschwester bald Zeit, ihm die Haare zu schneiden, oder eins der Mädchen. Die Locken mussten wieder weg!
„Ich verstehe russisch gut, spreche es etwas… aber ich kann es nicht lesen“, erklärte der Neue weiter. „Durmstrang besteht auf Norwegisch. Bestand.“
Albus nickte sachte. Es machte wohl Sinn, eine einheitliche Sprache zu haben. Sie sprachen hier ja auch nicht gälisch oder was man sonst irgendwo im großen Königreich so vor sich hinmurmelte.
„Die Frau da oben im roten Kleid“, er nickte in Richtung Lehrertisch, „Professor Singer ist unsere Hauslehrerin. Sie kommt gleich und erklärt ein paar Sachen. Dann können wir endlich gehen. Wir wohnen im Turm.“ Wusste Gellert diese Dinge schon?
„Hauslehrerin?“, hakte der nach.
„Sie ist, quasi, für uns verantwortlich. Naja, angeblich. Die Lehrer kümmern sich außerhalb des Unterrichts nicht viel. Aber sie ist für Gryffindor zuständig. Wenn es Ärger gibt, macht sie uns zur Schnecke.“ Er lächelte schief, fast schon nachsichtig.
„Langsamer“, bat Gellert jetzt und Albus biss sich auf die Lippen. Ups. „Gryffindor… die Häuser… was bedeuten sie? Ist es gut, hier zu sitzen?“
Albus stieß die Luft aus und rieb sich den Nacken.
„Also… am besten ist es bei grün oder blau zu sitzen“, gab er zu, nun langsamer sprechend, etwas deutlicher auch, ohne es zu übertreiben. „Slytherin und Ravenclaw kommen am weitesten… müssen selten an die Front“, erklärte er ihm. „Die Gelben, Hufflepuff,…“ Er winkte ab und schüttelte den Kopf. Nichts gegen die Schüler dort, wirklich, aber die Jungs starben wie die Fliegen und die Mädchen… nun.
„Gryffindor ist… kompliziert. Wir sind mächtig und dumm.“ Er lächelte nun reichlich schief. „Helden, die doch eher jung sterben. Schwierig, da rauszukommen…“ Mit seiner Facharbeit könnte er es vielleicht schaffen. Wenn sie jemand las.
Die Züge des Anderen verfinsterten sich deutlich.
„Warum hat mich der Hut hierhergeschickt? Ich bin nicht dumm“, brummte er.
„Oh… nicht dumm, ich… entschuldige“, seufzte er. „Ich meine damit nicht dumm, sondern einfach… naja, wir setzen uns eben für andere ein. Oft genug mehr als für uns selbst. Diese Art von dumm.“ In ihrer Gesellschaft war das dumm. Jeder sollte am besten schauen, wie er selbst mit dem Hintern an die Wand kam. Auf andere aufzupassen war hinderlich… und tödlich.
„Warum sucht man sich sein Haus nicht aus?“, hakte Gellert nach und Albus lachte leise. „Der Hut sprach zuerst von anderen Häusern. Es klang als wäre es ein Experiment, mich nach Gryffindor zu schicken.“
„Der Hut ist… also wäre er ein Mensch, würde ich sagen, er wäre ein Gryffindor“, sagte er schmunzelnd. „Und dann wiederum ist er sehr Slytherin. Mir hat er auch erzählt, wie gut ich doch eigentlich in die anderen Häuser passen würde, vor allem nach Ravenclaw, wohin ich unbedingt wollte… und dann reißt er seine Krempe auf und schickt mich hierher.“ Er hob die Schultern. „Aber sein Wort ist Gesetz und der Rest nur in deinem Kopf.“
Weiter kamen sie nicht, denn in diesem Moment erhoben sich endlich die Lehrer. Die meisten davon hielten es wie der Schulleiter und verschwanden direkt, nur vier Lehrer blieben übrig und stellten sich vor ihren entsprechenden Haustischen auf.
„Herhören!“, rief die Lehrerin streng. Sie hatte tiefschwarzes Haar, das streng nach hinten gebunden war, viel zu helle, blaue Augen und wirkte in ihrem roten Kleid wie ein einziges Warnzeichen.
„Ich erinnere Sie daran, dass Sie sich um die Verantwortlichkeit den jüngeren Schülern gegenüber verpflichtet haben.“
Ach… hatten sie das? Albus war, als hätte man ihnen befohlen, das zu tun.
„Mister Dumbledore, ich entbinde Sie von dieser Pflicht – wie ich sehe, haben Sie sich bereits mit Mister Grindelwald angefreundet, Sie werden ihn bei seinem Einstieg ins Schulgeschehen unterstützen.“
Albus nickte sachte.
„Ich darf Sie alle außerdem daran erinnern, dass wir nach letztem Jahr mit schlechten Aktien starten – bemühen Sie sich um ein tadelloses Benehmen. Die zusammengehörigen Jahrgänge gruppieren sich morgen nach dem Frühstück, um ihre Stundenpläne zu erhalten. Gliedern Sie unsere neuen Schüler bitte anständig ein, und machen Sie ihnen ihren Stand bewusst“, verlangte sie und deutete dann zum Ende der Halle, sodass die Schüler sich nun erhoben.
„Komm, wir können hoch“, murmelte Albus dem Neuen zu, für den er nun verantwortlich sein würde. Nun, das traf sich ganz gut und war vermutlich auch einfacher und angenehmer, als einen Sechstklässler zu übernehmen. Gerade die Sechstklässler waren häufig die Schwierigsten, fand er.
„Ich habe kaum etwas verstanden“, brummte Gellert wenig begeistert, erhob sich aber, um mit Albus mitzugehen. „Du musst dich nicht kümmern. Ich komme schnell allein zurecht“, erklärte er und reckte das Kinn. Dabei fiel Albus das erste Mal der blitzende Halbring in seinem Ohr auf. Sowas erlaubten die in Norwegen? Nicht übel!
„Ich erkläre es dir nachher“, versprach er. Erst einmal zeigte er Gellert den schnellsten Weg nach oben. Wenn die Magie in ihrem Leben auch nur negative Folgen zu haben schien, das Schloss war großartig und hochmagisch.
„Diese Treppe geht mittwochs in den zweiten, nicht in den dritten Stock“, erklärte er ihm, nun wieder ruhig und langsam genug, als dass er es gut würde verstehen können. „An jedem anderen Tag spart sie dir zehn Minuten Weg. Aber du musst auf der nächsten Treppe aufpassen – die fünfte Stufe von unten ist eine Trick-Stufe, durch die man durchsackt“, erklärte er weiter.
„Wer nutzt Zauberei für solchen Unsinn? Trickstufen und Treppen, die ihre Richtung ändern“, fragte er verständnislos und Albus lachte leise, beobachtend, wie Gellert sich das Haar aus der Stirn strich.
„Zauberer, die keine Angst vor Mu… vor normalen Menschen hatten“, entgegnete er schief lächelnd. „Die ihre Magie für jeden Quatsch genutzt haben, der ihnen eingefallen ist. Hast du nicht den Himmel in der Halle gesehen? Hogwarts ist tausend Jahre alt. Merlin selbst war hier Schüler. Ich denke… in diesen Hallen hatten schon viele Hexen und Zauberer sehr viel Spaß“, sagte er und sah sich fast verträumt um. Wie es wohl zu Merlins Zeiten gewesen war? Es gab ein paar wenige Bilder auf den Gängen, magische Bilder, in denen die Menschen und Tiere sich bewegten, sogar sprechen konnten. Aber nur noch die, die sich partout nicht abnehmen ließen. Viele hellere Stellen an den Steinwänden verrieten, dass es dereinst so viele mehr gewesen waren. „Damals… als es noch die großen Zauberer und Hexen gab…“
„Die gibt es heute sicher auch noch“, entgegnete Gellert brummig. „Wenn man uns ließe.“
Albus seufzte.
„Wenn man uns ließe“, stimmte er leise zu und zeigte ihm als nächstes den Geheimgang hinter einem Wandvorhang, bis sie schließlich oben vor dem Portrait der fetten Dame ankamen.
„Passwort?“, hakte sie nach.
„Sie hält sich für besonders witzig“, erklärte Albus und verdrehte die Augen. „Guten Abend, Mylady. Wie war der Sommer?“, hakte er nach.
„Ach… langweilig, wie eh und je, junger Mann. Und doch eine nette Abwechslung dazu, alle drei Minuten auf und zu schwingen zu müssen“, seufzte sie theatralisch, warf den Kopf herum und schwang in diesem Moment auf, um den Weg in den Gemeinschaftsraum zu öffnen. Albus schüttelte nur schmunzelnd den Kopf.
„Das hier ist unser Aufenthaltsraum“, erklärte er und deutete durch den durchaus gemütlichen Raum mit den abgesessenen Sesseln und Sofas. Es gab kleine, wackelige Tische, an denen man seine Hausaufgaben machen konnte, und einen großen, zentralen Kamin, die Wände waren mit Malereien und roten Wandteppichen bedeckt und an einer Seite führten zwei Treppen nach oben. „Links sind die Mädchenschlafräume, rechts die der Jungs.“
„Beachtlich“, gab Gellert zurück, der sich aufmerksam umgesehen hatte. „Gibt es keine Probleme? Mädchen und Jungs an einer Schule?“, hakte er nach.
„Achja… Durmstrang hat nur Jungs, oder? Nein, meist nicht. Wir haben nur die Hälfte der Fächer gemeinsam. Und komm gar nicht erst auf die Idee, dich zu den Mädchen schleichen zu wollen. Die Treppe spuckt dich wieder aus“, warnte er, auf die Treppe zu den Mädchen deutend. „Die Mädchen könnten zwar zu uns hoch, aber… das kommt eigentlich nicht vor. Die Schlafsäle bieten nicht besonders viel… Privatsphäre.“
Gellert folgte seinem Blick zur Mädchen-Treppe.
„Für mich uninteressant.“, stellte er nur fest.
Albus nickte und ging stattdessen die rechte Treppe hinauf.
„Wir müssen erst einmal schauen, wo du untergebracht bist. Hier, an den Türen, stehen die Namen“, erklärte er. „Da wir uns um die jüngeren Schüler kümmern sollen packen sie immer ältere und jüngere zusammen, das wechselt dann jährlich gerne mal“, murmelte er und betrachtete aufmerksam die handgeschriebenen Zettel, auf denen immer mal wieder Namen durchgestrichen worden waren und später weitere hinzugefügt. Sah nicht besonders ordentlich aus. Sie stiegen höher und höher… „Sieht so aus, als könnte ich mich revidieren. Wir sind nur zu zweit, dieses Jahr“, sagte er überrascht, als sie beim letzten, höchsten Zimmer angekommen waren. Albus Name stand zwischen den ganzen durchgestrichenen, Gellerts ganz unten drunter, wobei hier nicht einfach Albus Dumbledore stand. Irgendein Witzbold hatte es offenbar für notwendig befunden, auf den nicht besonders großen Zettel seinen ganzen langen Namen in Winzschrift zu schreiben.
„Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore?” Gellert war es nicht entgangen und Albus seufzte.
„Keine Sorge, ich habe bereits alle Witze gehört, die man darüber machen kann“, versicherte er trocken und schob die Tür auf. In dem runden Turmzimmer mit dem Blechofen in der Mitte gab es vier Betten.
„Du hast nichts dagegen, wenn… ich ein bisschen aufräume?“, hakte er nach und zog seinen Zauberstab aus dem Unterarmholster. Es störte ihn massiv, dass er das Holster über der Kleidung tragen musste, aber alles andere war eben verboten.
„Tu dir keinen Zwang an“, entgegnete der Neue und so schloss Albus nur die Tür mit dem Fuß, ehe er den Zauberstab bereits schwang und die beiden überflüssigen Betten in zwei zusätzliche Kommoden verwandelte, die brav unter je eines der großen, tiefen Fenster wanderten, sodass sie nicht störten und mehr Platz für Kleidung und dergleichen boten, die man sonst immer im Koffer behielt oder versuchte in den kleinen Nachtschrank zu quetschen. Dass Verwandlungen nicht unterrichtet wurden… nun. Mit einem weiteren Wink öffnete er sämtliche Fenster und pustete den Staub aus dem Zimmer hinaus und ließ zwei übriggebliebene Socken ehemaliger Schüler verschwinden.
„Besser“, verkündete er und trat zu seinem Koffer, der bereits hochgebracht worden war – der letzte Luxus vor dem Beginn des Schuljahres. Ein weiterer Zauberstabschlenker und seine Schulkleidung räumte sich aus seinem Koffer in die neue Kommode auf seiner Bettseite.
„Hier wird Verwandlung unterrichtet?“, hakte Gellert nach und brachte Albus damit zum Schmunzeln.
„Nein“, entgegnete er. Als ob sie ihnen etwas derart Nützliches hier beibringen würden… Er beobachtete, wie Gellert zu einer der neuen Kommoden ging und sie mit den Fingern berührte.
„Klar. Nutzt im Krieg oder in der Regierung ja nichts“, knurrte Gellert. „Ich hatte gehofft, es wäre hier anders als in Durmstrang.“
„Es heißt, es sei hier nicht so streng“, entgegnete Albus. „Aber vielleicht erzählen sie das auch nur, das wirst du sicher bald beurteilen können. Man hat jedenfalls…, wenn man will, genügend Freizeit um sich… selbst ein paar Dinge beizubringen.“ Falls man denn gut genug war. Das Interesse hatte. Das Talent und den Willen.
„Gibt es hier vernünftige Bücher?“, wollte Gellert wissen. „Wenn du daraus Deutsch lernst?“
Albus öffnete den Mund, schwieg jedoch und musterte den Blonden stattdessen. „Nein“, lautete seine Antwort schließlich. „Nicht… öffentlich zugänglich, jedenfalls.“ Die Bibliothek war groß, das schon, aber man hatte sehr stark aussortiert. Bücher regelrecht verbrannt… „Wie gerne… magst du die Magie?“, hakte er nach und setzte sich auf die Kante seines Bettes.
Anstatt zu antworten, sah Gellert ihn einen obszön langen Moment an… ehe er selbst seinen Zauberstab zog und durch die Luft schwang. Gerade noch hörbar schwebte das „Expecto Patronum“ durchs Zimmer, als auch schon der silbrigblaue Nebel hervorbrach und sich zur Form eines großen Vogels zusammensetzte. Ein wunderschöner Vogel, mit langen Schwanzfedern und breiten Schwingen.
Plötzlich war Albus wieder auf den Beinen und sah dem Patronus zu, der seine Runden unter der Decke des Raums drehte, wie erstarrt, ehe sein Blick wieder auf den neuen Schüler fiel.
Sein eigenes Blau zeige pure Verwirrung, fast schon… Entsetzen? Aber darunter war mehr. Faszination. Staunen. Schließlich schloss Albus die Augen für einen Moment, während das Leuchten der Lichtgestalt verblasste und sich auflöste. Er räusperte sich. Warum musste morgen Dienstag sein? Auf einen Samstag oder Sonntag wäre es egal gewesen, würden sie verschlafen…
„Ich… zeige dir die Bücher“, sagte er ausweichend. In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. „Am Freitagabend.“ In der Woche nachts durchs Schloss zu schleichen war nicht klug, nicht einmal, wenn man so geschickt zauberte, wie Albus. Den Ärger konnte man sich ersparen.
„In Ordnung“, stimmte Gellert zu, auch wenn er die Stirn gerunzelt hatte. Vermutlich verstand er die Verzögerung nicht. „Hilfst du mir in der Zwischenzeit, mein Englisch weiter… zu fördern?“, bat er und Albus nickte.
„Natürlich. Aber nicht mehr heute. In der Woche ist Verschlafen keine gute Idee. Ich zeige dir noch die Waschräume“, schlug er vor und kramte selbst seine Schlaf- und Waschsachen hervor, die er nun ganz normal trug, keine Magie mehr.
Er brachte ihn wieder nach unten zu den Waschräumen.
„Wieder – links die Mädchen, rechts die Jungs“, erklärte er und ging mit ihm in den großen, offenen Waschraum der Jungs, wo sie natürlich nicht länger alleine waren. Es war ziemlich laut in dem gefliesten Raum, Jungs machten Quatsch, Wasser rauschte und man musste aufpassen, sich nicht auf die Nase zu legen auf dem feuchten Boden. Privatsphäre gab es gerade mal in den abgetrennten Toiletten und in den Duschen durch die Zwischenwände – aber wenn man vorbeilief war es damit auch vorbei.
Albus nickte Gellert zu – hier galt wohl jeder für sich – und schob sich dann in eine freie Dusche, wo er seine trockene Kleidung oben auf die Ablage packte, ehe er sich auszog und das wenigstens halbwegs warme Wasser anschaltete. Ja, wenn man es mal so nahm… mit dem Essen und den Duschen, war Hogwarts ein verdammtes Luxushotel! Zehn Minuten später trocknete er sich ab und zog sich um. Was hatte es mit diesem Jungen auf sich? Vielleicht würde er es am Freitag herausfinden. Vielleicht… brachte er sich aber auch in katastrophale Schwierigkeiten.
Als er zu einem der Waschbecken ging, um sich abschließend die Zähne zu putzen, ergriff Elphias endlich aufgeregt die Möglichkeit, ihn anzuquatschen und Albus ließ es gutmütig über sich ergehen. Der deutlich kleinere, stämmigere junge Mann erzählte aufgeregt von seinem Sommer – so schnell, als sei ihm absolut klar, dass er genauso so lange Zeit hatte, bis Albus am Waschbecken fertig war. Wobei die Neuigkeiten tatsächlich ganz gut waren. Ein naher Verwandter von ihm hatte eine hohe Position im Magistrat inne… und mit viel Glück, würde ihm das den Hintern retten. Albus beglückwünschte ihn aufrichtig dazu. Das wünschte man jedem, selbst denen, die man nicht leiden konnte, und Elphias war ein Freund.
Doch schließlich verabschiedete er sich, um wieder nach oben zu gehen. Die Reise durch London war lang gewesen, dann die Zugfahrt und jetzt dieser Neue, der seine Gedanken so in Aufruhr versetzte – Schlafen war definitiv angebracht. Und ab Morgen… würde er sich diesen Kerl mal im Unterricht genauer anschauen.

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Und damit haben wir das erste Kapitel :)
Hoffentlich gefällt euch der Einstieg. Es ist unsere erste Grindeldore-Geschichte, an der wir schon seit einigen Wochen arbeiten und das alternative Universum natürlich auch noch mal etwas ganz anderes, als ihr sonst bei mir zu lesen bekommt ^^

Ich hoffe, ihr seid gut in die Woche gestartet!
Liebe Grüße
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