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Hirschkühe & blaue Flecken (Titel WIP)

von Enoraa
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Charlie Weasley Harry Potter Remus "Moony" Lupin Severus Snape
18.07.2022
19.08.2022
16
47.313
44
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Dieses Kapitel
10 Reviews
 
06.08.2022 2.971
 
Kapitel 8 – Taumeln


„Guten Morgen“, murmelte er, als er sich langsam aufsetzte, wie er es jeden Morgen tat. Nur, dass er sich heute aus warmen Armen löste, nicht vom felligen Rücken seiner Hirschkuh. Und doch wollte er es so. Er wollte keine Veränderung, sondern, dass alles genauso blieb, wie im letzten halben Jahr. Er wollte einfach nicht darauf verzichten. Nicht auf die Zuneigung, die er gab, aber auch nicht auf die Zuneigung, die er bekam, verdammt noch mal! Ja, vielleicht war es krank, so für ein Tier zu empfinden und nein, er wusste nicht, ob Snape überhaupt in der Lage dazu war, geschweige denn, ob er es annähernd ähnlich sah, aber er war verdammt noch mal geblieben. Das letzte halbe Jahr. Gestern. Er war geblieben. Obwohl er wieder gesund war. Obwohl es jetzt vermutlich sicherer für ihn wäre, von sich aus zu seinem Sklavenhalter zurückzukehren.
Harry hatte in dieser Nacht wie tot geschlafen, er hätte es vermutlich gar nicht mitbekommen, wenn Severus einfach gegangen wäre. Und doch war er hier. Immer noch.
„Guten Morgen“, erwiderte er rau, was Harry beinah zucken ließ. Klar, so eine Hirschkuh antwortete halt nicht. Generell war es ja, wie Minerva zu Weihnachten gesagt hatte: abgesehen von den wüsten Beschimpfungen der Jarveys, antwortete nichts und niemand auf seinem Grundstück.
Harry räusperte sich.
„Ich gehe ins Bad“, sagte er, ebenfalls wie jeden Morgen. Für die Hirschkuh war das Anlass, sich von der weichen Matratze zu kämpfen und dann schon mal nach unten zu gehen. Severus blieb natürlich für den Moment, wo er war, immerhin musste er wohl ebenfalls ins Bad. Als Harry damit fertig war – es hatte wieder deutlich länger gedauert als sonst, was ihn maßlos ärgerte – ging er nach unten, wo Jeemy schon das Frühstück vorbereitete, was ihn leise seufzen ließ. Er hätte das heute gerne selbst gemacht…
So konnte er nicht viel mehr tun, als sich einfach schon mal an den Tisch zu setzen und sah Severus entgegen, als dieser, in den gleichen Klamotten wie gestern, in die Küche trat. Harry runzelte die Stirn. Gestern hatte er da nicht so drauf geachtet, aber während ihm die Hose halbwegs zu passen schien, war der Pullover einfach zu kurz, sowohl am Bauch als auch an den Armen.
„Du brauchst andere Klamotten“, stellte er leise fest. Severus sagte nichts dazu, was Harry direkt wieder ärgerte. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Verdammt. „Du kannst mein Rasierzeug gerne benutzen, wenn du möchtest“, fügte er an, anstatt sich schon wieder aufzuregen. Severus mit Bartschatten zu sehen war merkwürdig! In Hogwarts war er stets glattrasiert gewesen.
„Im Gegensatz zu dir, meinst du?“, gab der leise zurück und unweigerlich fuhr sich Harry durch die krausen Haare am Kinn. Er rasierte sich nur alle fünf oder sechs Tage, häufiger nur, wenn er Besuch bekam, und generell einfach immer glatt. Alles andere war ihm zu aufwändig.
„Da du meine Routinen kennst,…“ Er hob die Schultern leicht. „Ich kenne deine nicht.“
„Ich habe keine Routinen mehr“, lautete die niederschmetternde Erwiderung und Harry beschloss, für das Frühstück die Klappe zu halten, denn das ganze schlug ihm ohnehin schon auf den Magen und er gab sich wirklich, wirklich Mühe, sich gut um sich zu kümmern. Also aß er und hielt den Mund, ehe er schließlich nach draußen trat… wo Severus ihn wieder begleitete. Wobei das nicht stimmte. Er verfolgte ihn, wie ein Hündchen, dass sonst nichts mit sich anzufangen wusste.
Die Herde war reichlich irritiert, da sie Severus sehr wohl am Geruch erkannten, aber den Unterschied zwischen Zweibeiner und Hirschkuh schienen sie nicht so richtig zu kapieren.
„Du bringst die Herde ganz durcheinander“, murmelte er und nahm sich noch etwas mehr Zeit als sonst, um hier und da eine Stirn zu kraulen und einen Hals zu tätscheln.
„Tut mir leid“, murmelte er und Harry nahm im Augenwinkel wahr, wie er sich zurückziehen wollte.
„Nicht… bleib ruhig. Sie gewöhnen sich daran“, versicherte er. Diese Tiere waren schlau, so war das nicht. Und da sie sich ohnehin mit ihnen über das Gelände bewegten, war es quasi unmöglich, ihnen aus dem Weg zu gehen, wenn er trotzdem bei Harry bleiben wollte. Was… exakt das zu sein schien, was er wollte. Dabei verhielt er sich im Grunde wie die Hirschkuh, bedrängte ihn nicht, sah aber bei allem was er tat ganz aufmerksam zu. Und schien wirklich erleichtert zu sein, als Harry dem Hippogreifen sein Futter über den Zaun hinweg zuwarf, anstatt wieder hineinzugehen.
Da seine Runde damit endete, ging er anschließend hinein und wusch sich, ehe er ins Wohnzimmer zurückkehrte, wo Severus genauso stumm auf dem Sofa saß und wartete, wie die Hirschkuh in all der Zeit davor.
Harry setzte sich erneut auf seinen Sessel und atmete tief durch.
Bevor er jedoch irgendetwas sagen konnte, hörte er das Rauschen des Kamins und reagierte rein instinktiv, als er direkt einen Verschleierungszauber über Severus auf dem Sofa warf. Keinen Herzschlag später erschien Charlies Gesicht in den Flammen und Harry stieß die Luft aus.
„Charlie“, murmelte er und bequemte sich vom Sessel auf den Boden.
„Harry! Geht’s dir gut? Hermine hat von dem Hippogreifen erzählt“, brummte er.
„Sie übertreibt wirklich“, murmelte Harry.
„Sei ihr nicht böse… sie hat mit Hagrid gesprochen, bei dem ich gerade beim Tee war“, erklärte er. „Also… geht’s dir gut?“
Harry nickte fest.
„Alles in Ordnung“, versprach er, sich sehr wohl bewusst, dass es merkwürdig war, dass die Hirschkuh ihm bei seinen Floh-Anrufen nicht über die Schulter schaute. Charlie schien das auch nicht zu entgehen, aber bevor er fragen konnte, sagte Harry: „Also weiß Hagrid schon, dass er ihn abholen soll?“
„Ja, deswegen rufe ich an. Wir würden ihn gleich morgen zusammen abholen. Hagrid meint, er käme schon mit ihm klar, aber mir ist unwohl, ihn ohne ausgebildeten Zauberer mit ihm allein zu lassen“, erklärte er und Harry nickte mehrfach.
„Absolut… das ist lieb von euch. Wann kommt ihr?“, hakte er nach.
„Gegen sieben?“, schlug Charlie vor.
„Okay, super. Ich sehe zu, dass er morgens richtig viel isst, dann ist er etwas ruhiger.“
„Aber geh bloß nicht zu ihm rein, klar?“, sagte Charlie streng.
„Hey… ich passe auf Charlie“, versprach er. „Ich füttere ihn über den Zaun hinweg, ehrlich. Mach dir keine Sorgen“, bat er.
„Das tue ich immer, Harry…“
Der verzog die Lippen leicht, nahm es seinem Freund aber wirklich nicht übel.
„Bringst du Adrian mit?“, hakte er nach, um abzulenken.
„Er muss im Reservat bleiben, wir haben einen ungarischen Neuzugang, der kein Englisch versteht.“
„Okay, schade. Grüß ihn von mir, ja?“
Charlie nickte, musterte Harry aber noch einmal aufmerksam.
„Wir sehen uns morgen“, sagte er schließlich, ohne noch weitere Fragen zu stellen… und Harry stieß die Luft hörbar aus, als die Flammen wieder erloschen. Nachdenklich drehte er eine Runde durchs Zimmer, ehe er sich wieder auf den Sessel setzte, wobei er sich daran erinnerte, dass der Zauber noch über Severus lag, den er erst einmal aufhob. Der Tränkemeister kommentierte das nicht.
„Reden wir noch einmal darüber“, bat er.
„Es gibt dabei nicht viel zu reden“, schmetterte Severus ihn jedoch ab. Harry biss die Zähne fest aufeinander.
„Willst du wirklich dorthin zurück? Deine Fähigkeiten von ihm missbrauchen lassen? Dich… so behandeln lassen?“, knurrte er leise.
„Nein“, gab er zurück und hob doch die Schultern leicht. „Ich habe aber keine andere Wahl, sobald er mich aufgespürt hat. Selbst wenn du es finanziell könntest, ich will nicht, dass du mich auslöst.“
„Ich kann ihm andere Dinge geben“, entgegnete Harry.
„Was denn, Leucrotta-Scheiße?“ Harry starrte ihn an. Severus wirkte noch immer vollkommen ruhig. Nicht aufgebracht, nicht herablassend, einfach… gar nicht so, als würde ihn das Thema näher betreffen. Statt aufzubrausen, hob Harry seinen Zauberstab hoch.
Severus verengte die Brauen.
„Das kann nicht dein Ernst sein“, entgegnete er.
„Es wäre in seinen Händen nur ein Zauberstab wie jeder andere. Kaum einer weiß, wie und das man die Gefolgschaft eines Zauberstabs tatsächlich erlangen kann und muss… Er könnte nicht mehr damit anrichten, als er ohnehin tut“, entgegnete er und wedelte nachlässig mit dem Elderstab, den er all die Jahre behalten hatte, durch die Luft.
„Aber er würde es denken“, widersprach Severus. „Und vom Denken ist es nicht weit bis zum Versuchen… und dazu, andere Menschen in Gefahr zu bringen. Ich bin ohnehin überrascht, dass du ihn behalten hast“, gab er zu.
„Wollte ich eigentlich nicht. Genaugenommen hatte ich ihn weggeworfen. Dummerweise habe ich meinen richtigen Zauberstab kaum ein halbes Jahr später schon wieder zerbrochen… und ich habe einfach keinen anderen bei Ollivander, in Gregorovitchs Laden und auch nicht bei Kiddells gefunden, der mir gehorchen wollte. Ich wollte immer mal nach Frankreich oder so… um es dort zu probieren, aber ich bin nie dazu gekommen also…“ Er hob die Schultern. „Ich habe den Elderstab geholt und wollte meinen reparieren, aber er war wohl endgültig hinüber.“ Er deutete auf die Kommode an der Wand. „Er liegt da drin…“ Er hatte ihn nicht weggeworfen. Das brachte er irgendwie nicht über sich.
„Du bist ein sentimentaler Trottel“, murmelte Severus und klang darüber irgendwie… traurig.
„Bin ich“, stimmte Harry unumwunden zu. Sonst hätte er wirklich weniger Probleme im Leben… „Also, was auch immer du machst… ich gehe jetzt zu Lexington“, legte er fest und kam beschwingt auf die Beine.
„Harry!“
Er ignorierte den Ruf und stapfte in Richtung Flur davon, nur um gleich darauf am Handgelenk herumgezogen zu werden und sich in Severus Armen wieder zu finden, fest umschlungen und festgehalten.
„Nicht“, flüsterte der Tränkemeister rau. Harry fuhr sachte mit den Fingerspitzen über seinen Rücken.
„Ich kann nicht einfach nichts tun“, entgegnete er leise. Warum nur lag sein Kopf so furchtbar bequem an Severus Schulter?
„Du musst. Ich bitte dich, du würdest…“ Erneut rauschte der Kamin und Severus unterbrach sich, doch obwohl Harry sofort versuchte, sich loszumachen, damit er Severus weiterhin verstecken konnte, hielt der ihn einfach weiter fest.
„Harry?“ Das war Hermines Stimme und sie war eindeutig aus dem Kamin gestiegen, und rief nicht einfach nur an. Severus drückte ihn fest an sich, offenbar nicht gewillt, ihn loszulassen, sodass Harry Hermine direkt entgegensah, als diese vom Wohnzimmer in Richtung Flur kam.
Ihre Augen weiteten sich und sie blieb sofort stehen.
„Störe ich?“, fragte sie, vor Überraschung ganz dünn. Harry brachte keinen Ton heraus.
„Sie stören nicht, Miss Granger… Verzeihung, Mrs Weasley“, sagte Severus leise und löste sich so weit, als dass er zu ihr sehen konnte.
Jetzt wirkten Hermines Augen wirklich, als wollten sie ihr gleich aus dem Kopf fallen.
„Professor Snape?“, quietschte sie erschrocken… und Harry sah direkt, wie ihr Kopf einfach schon weiterarbeitete. „Sie… die Hirschkuh… aber?“, stotterte sie und sah wieder zu Harry.
„Ich erkläre es Ihnen, sofern Sie mir helfen, Harry am disapparieren zu hindern“, merkte Severus ruhig an und Harrys Schultern sanken herab. Deswegen hatte er sich ihr, ohne zu zögern, offenbart?
„Das ist nicht dein Ernst“, murmelte er empört.
„Was du vorhast, ist gefährlich – also ist es mein absoluter Ernst“, stellte er fest.
„Gefährlich?“, war natürlich das einzige Wort, das Hermine aufschnappte. „Harry“, tadelte sie direkt und trat nun gleich zu ihnen, um eine seiner Hände zu nehmen und ihn, und damit auch Severus, zurück ins Wohnzimmer zu ziehen. Sie schubste sie beide regelrecht aufs Sofa.
„Also… was genau geht hier vor?“, hakte sie nun aufmerksam nach und setzte sich einfach auf den Couchtisch, sodass sie genau vor Harry saß, der sich vorkam wie ein kleines Kind, dass man am Weglaufen hindern musste. Und da er auch ungefähr genauso viel Entscheidungsgewalt zu haben schien, verschränkte er nur die Arme vor der Brust und schwieg.
„Wie Sie bereits treffend festgestellt haben, bin ich besagte Hirschkuh“, erklärte Severus ihr ruhig. „Wissen Sie, was das ist?“, fragte er und fuhr sich mit dem Zeigefinger unter den Kragen des Pullovers, um die im Grunde schlichte Silberkette leicht anzuheben. Harry hätte sie jedenfalls nicht von jeder anderen Halskette unterscheiden können. Natürlich ging es Hermine da ganz anders. Ihre Augen weiteten sich.
„Und ich dachte, Draco hätte zu Weihnachten einen Scherz gemacht“, flüsterte sie und schlug sich die Hände vors Gesicht. „Deswegen haben Sie sich nicht zurückverwandelt“, schlussfolgerte sie direkt weiter. Merlin, manchmal hasste Harry ihren Verstand. Wie konnte man nur so verdammt klug und schnell im Kopf sein? „Du wusstest es, oder?“, fragte sie an Harry gewendet.
„Dass die Hirschkuh ein Animagus ist, ja. Nicht, wer sie ist“, murmelte er, ohne einen der beiden anzusehen. Hätte er es doch nur gewusst! Nun… ach verdammt, ehrlich gesagt hätte das überhaupt nichts geändert.
„Wie sehr war Harry also wirklich verletzt, wenn sie sich doch zurückverwandelt haben?“
Harry stieß die Luft tief aus. Ja. Er hasste ihren Verstand. Es war doch nicht normal, dass sich all diese Dinge einfach in ihrem Kopf zusammensetzten als gäbe es nicht noch einhundert andere Möglichkeiten!
„Schwer“, antwortete Severus nur und Hermine seufzte tief.
„Natürlich“, murmelte sie und schüttelte den Kopf. „Du hast mir versprochen, auf dich aufzupassen!“, warf sie ihm vor.
„Hermine, jetzt mach mal halblang, klar? Ich habe so vorsichtig gemacht, wie es eben geht. Er hat sich vor einem verdammten Schaf erschrocken, okay?“, knurrte er reichlich angefressen.
„Es war wirklich nicht seine Schuld“, sprang Severus ihm zumindest hierzu bei.
„Na gut… entschuldige“, sagte sie leiser. „Aber… wie geht es denn jetzt weiter und wo wollte Harry hin?“
Offenbar hatte Hermine beschlossen, sich mit Severus zu unterhalten sei sinnvoller und Harry starrte nur weiter in den Raum.
„Harry will versuchen mich auszulösen – ich verbiete es ihm“, stellte er ruhig fest. Sollte Hermine über die vollkommen veränderte Art des Professors verwirrt sein, so ließ sie sich absolut nichts davon anmerken.
„Okay… Warum verbieten Sie es ihm, Professor?“, hakte sie nach, wie stets darauf bedacht, erst einmal alle Fakten zu sammeln.
„Nennen Sie mich Severus, ich bin kein Professor mehr. Und der Mann, zu dem er dafür gehen müsste, ist gefährlich… und wird sich auch nicht auf einen Deal einlassen. Wahrscheinlicher ist es, dass er bei dem Versuch verletzt wird… oder Schlimmeres“, erklärte er weiter, während Hermine das nur abnickte.
„Okay, wir müssen also einen anderen Weg finden. Eine List“, stellte sie fest und Harry stand auf.
„Wo willst du hin?“, fragte Hermine scharf und erhob sich direkt vor ihm, sodass sie sich Auge in Auge gegenüberstanden.
„In mein Bett“, entgegnete er frostig.
„Es ist gerade einmal Nachmittag“, sagte Hermine verwirrt.
„Was du nicht sagst.“
Er schob sich an ihr vorbei und ging die Treppe nach oben, um sich vollständig angezogen auf seine Matratze zu werfen. Hierher würde Hermine ihm niemals folgen. Dass sie gestern überhaupt nach oben gekommen war, lag wohl nur an all dem vielen Blut.
Nein, hier hatte er seine Ruhe, hier konnte er sich zusammenrollen und sein Herz schmerzen lassen, ohne dass es jemand sah. Das Gefühl zerriss ihn beinahe. Die Aussicht, Severus dorthin zurückgehen zu lassen, wo ihm so wehgetan worden war… überhaupt, ihn gehen zu lassen, war schlimm und raubte ihm beinah die Fähigkeit, zu atmen. Harry gewöhnte sich nicht gerne und nicht schnell an neue Dinge und Begegnungen mit neuen Menschen ging er aus dem Weg, sobald es darüber hinausging, sich mit ihnen flüchtig zu unterhalten. Bei Tieren war es so viel leichter und so war es auch bei der Hirschkuh gewesen, obwohl er so schnell erfahren hatte, dass sie eigentlich ein Mensch war. Doch er war nach den vielen Wochen und Monaten davon ausgegangen, dass es einfach so bleiben würde. Dass sie sich nun als Severus entpuppte, hatte ihn vollkommen überrascht und machte das alles nur noch Schlimmer irgendwie. Das war so schon schwer zu ertragen und er hatte jedes Mal im Badezimmer mit sich zu kämpfen, um keinen Unsinn zu machen.
Das letzte halbe Jahr war so gut gewesen, er selbst so stabil wie selten nach dem Krieg, der Druck in seinem Inneren so angenehm gering, doch jetzt drohte ihn der Strudel wieder zu erfassen und er wusste nicht, wie viel Kraft er noch besaß, um sich gegen das Untergehen zu wehren.

Später, viel später, als sich Severus warmer, großer Körper über ihn schob, macht er sich für einen Moment noch kleiner, ehe sich seine Arme ganz sanft um ihn schlossen und er sich wieder etwas entspannen konnte. Er war so froh gewesen, diese Gradwanderungen hinter sich zu haben…
Severus sagte nichts und Harry war froh darüber. Er wollte keine Lügen hören, keine Halbwahrheiten. Nein, sein Entschluss stand ohnehin schon fest.
„Hat Hermine gesagt, was sie eigentlich wollte?“, hakte er nach einer ganzen Weile leise nach, sich etwas mehr auf die Seite schiebend, ohne Severus von sich zu schubsen.
„Nur sehen, wie es dir geht“, entgegnete Severus leise, seinen Rücken weiter streichelnd. Harry suchte den Blick in seine dunklen Augen. Irgendetwas an seinen musste ihn verraten haben, denn genau in dem Moment, in dem Severus der Lähmfluch traf, weiteten sich seine Augen, er kam jedoch nicht mehr dazu, einen Ton von sich zu geben. Harry atmete tief durch und machte sich aus der noch immer vorhandenen Umarmung vorsichtig frei.
„Es tut mir leid…“ Er leckte sich über die Lippen und strich Severus das wirre Haar vorsichtig aus dem Gesicht. Er gab sich wirklich Mühe, aber mehr Worte wollten seinem Hirn einfach nicht einfallen, also beugte er sich nur vor, küsste ihn sanft auf die Stirn und raffte sich dann auf die Beine, um sich umzuziehen, damit er das Haus verlassen konnte. Kaum, dass er die Haustür hinter sich geschlossen hatte, apparierte er bereits.

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Ähm... ups? Ich schwöre, es tut mir leid. Ja? Zählt? Nein? Hey! Immerhin hab ich das Kapitel nicht erst morgen gepostet und lasse euch damit eine Woche sitzen! Zählt immer noch nicht? Bedauerlich! :D

Ich muss aber zugeben, es war schon ein bisschen naiv von den beiden anzunehmen, sie könnten Harry so einfach davon abhalten... ich mein, wir reden hier von Harry ö.ö Als ob der mit dem Hintern zu Hause bleibt, wenn was im Argen ist!

Ab dem nächsten Kapitel gelten dann offizielle Triggerwarnungen, bitte beachten!

Ich hoffe, ihr seid gut ins Wochenende gestartet!
Eno
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