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Das Spiel des Schicksals

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Het
16.07.2022
09.08.2022
4
2.624
 
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05.08.2022 654
 
Kapitel 3
Hoffnung
Denises Sicht


Ich kann mich nicht erinnern, wann ich Boris das letzte Mal so glücklich gesehen habe. Es ist so schön, dass Papa und er sich endlich versöhnt haben. Wir sind fast wie eine normale Familie. Eigentlich müsste ich glücklich sein. Wenn Annabelle nur hier wäre... Wie es ihr wohl gerade geht? Sie ist bestimmt traurig wegen der Trennung.

Mein Blick wanderte durch den Raum auf der Suche nach Joshua. Ich habe mich schon während der Zeremonie immer wieder dabei ertappt wie ich ihn anstarre. Es ist nicht zu übersehen wie nah es ihm geht.

Mein Blick kreuzte sich mit dem eines Mannes, den ich noch nie zuvor gesehen habe. Vielleicht ein Freund von Tobias? Langsam begann ich mich unwohl zu fühlen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich von ihm beobachtet fühle.

Ich setzte ein Lächeln auf und ging auf Viktor zu. „Viktor, rede mit mir. Der Typ da vorne starrt mich die ganze Zeit an.“ „Der sieht doch ganz nett aus.“, gab Viktor als Antwort. Ich versuchte mich zu beruhigen als ich bemerkte, dass der Mann direkt auf mich zu kam. Ich wusste nicht, was ich tun sollte und blieb stocksteif stehen. „Wollen wir tanzen?“ Ich bemühte mich zu lächeln. „Nein, danke.“ Sofort drehte ich mich weg und lief quer durch den Raum. Auf Small-Talk und unangenehme Gespräche konnte ich verzichten.

Ich war so abwesend, dass ich Joshua, der neben mir stand, fast nicht bemerkte. „Tanzen?“ Mein Herz begann wie wild zu klopfen. Ich konnte nur nicken und legte meine Hände auf seine Schultern. Der Moment war unendlich. Ich verlor mich in seinen Augen und tauchte in eine andere Welt ein.

Als das Lied endete, lösten uns langsam voneinander. Die Stimmen um mich wurden wieder lauter und ich war zurück in der Wirklichkeit.

Tina rollte einen kleinen Tisch mit der Hochzeitstorte herein. Sie war passend in den Farben der Feier dekoriert: black and white. Als Verzierung dienten zwei schwarze, essbare Hüte. Boris und Tobias schnitten sie an und ein regenbogenfarbenes Herz kam zum Vorschein. Ein tosender Applaus brach aus und die Torte wurde verteilt.

Danach bat Papa um Aufmerksamkeit. Er stellte sich auf eine der Treppen und begann zu reden. Er entschuldigte sich ausführlich für sein Verhalten und wünschte den beiden viel Glück für ihre Zukunft. So emotional berührt hat mich schon lange keine Rede mehr. Und ich glaube den anderen ging es genauso. Man konnte sehen, dass seine Worte ehrlich waren.

Die Stimmung war danach sehr ausgelassen. Wir ließen Luftballons durch die Luft fliegen und tanzten alleine zu schnelleren Liedern. Selbst Joshua wirkte etwas entspannter.

So verging einige Zeit bis sich Tina wieder zu Wort meldete. „Es ist Zeit für den Brautstrauß. Aber diesmal nur für die Jungs.“ „Sorry, Ladies“, fügte sie mit einem Lächeln hinzu.

Tobias und Boris traten von der Tanzfläche und die Männer versammelten sich. Ich zog schnell Papa dazu, der sich in die zweite Reihe stellte und den Platz mit Joshua tauschte.

Als alle bereit waren, drehten die Bräutigame sich um und warfen den Strauß. Er flog in einem hohen Bogen auf… Joshua zu. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Er deutete eine Verbeugung an und  alle applaudierten erneut.

Danach setze die Musik wieder ein und die Menge löste sich auf. Bevor ich mich versah, ging Joshua an mir vorbei und drückte mir den Brautstrauß in die Hand. Ich sah ihm nach als er den Raum verließ und überlegte kurz, ob ich ihm nachlaufen sollte, entschied mich aber dagegen. Er brauchte wahrscheinlich etwas  Zeit für sich.

Stattdessen machte ich mich auf den Weg zu meinem Atelier. Die anderen führten gerade einen Gruppentanz auf und würden mich in nächster Zeit nicht vermissen.

Dort nahm ich eine Vase aus dem Regal, stellte die roten Rosen hinein und holte die kleine Gießkanne, die neben dem Bett stand. Während ich die Blumen betrachtete, begann ich augenblicklich mir wieder Hoffnungen zu machen.
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