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Der Weg des Yakuza

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Krimi / P18 / Gen
16.07.2022
24.01.2023
12
17.193
1
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24.01.2023 1.136
 
Japan, Osaka, Straße

Sie waren in Osaka angekommen. Tatsuo konnte die Stadt in der er geboren und aufgewachsen war durch die vergitterten Fenster des Transporters sehen. Wahrscheinlich würde er nie wieder einfach nur durch die Straßen der Stadt laufen können. Er lehnte sein Gesicht gegen das kalte Panzerglas. Erst als der Transporter abrupt stoppte sah der Yakuza verwirrt auf. Warum hielten sie an? Hier war doch keine Ampel. Sie waren mitten auf der Straßen. Er versuchte zu sehen was vor ihnen lag.

Der Transporter wurde von einem Streifenwagen der Polizei angehalten.  Die Polizisten der Eskorte stiegen aus. “Was ist denn los?” fragte der uniformierte Beamte seine Kollegen. “Wir sollen euch ablösen” erwiderte der Polizist, der den Transporter aufhielt. “Ablösen? Jetzt? Wir sind doch kurz von Ziel und wir haben die Ursprünglichen Beamten auf halben Weg abgelöst”. Aus einigen parkenden Autos stiegen nun bewaffnete Männer aus. Sie trugen chinesische Kalaschnikows, einige auch MAC-10 Maschinenpistolen. Eine billige kompakte Maschinenpistole made in USA. Beliebt bei Gangstern aus aller Welt. Die überraschten Polizisten hoben ihre Hände. Sie waren in der Unterzahl und mit ihren Revolvern auch bei den Waffen Unterlegen.

Die maskierten Angreifer gingen methodisch vor. Zwei hielten die Polizisten in Schach während ihre Freunden den Transporter aufbrauchen. Mit einem Bolzenschneider kappten sie die Ketten, die ihn fixiert hatten. Doch die Gangster schienen nicht die Befreiung des Yakuzas im Kopf zu haben. Tatsuo wurde ein Sack über den Kopf gezogen und aus dem Transporter gezogen. Wegen der Fußfesseln konnte er nicht laufen, weswegen er über den Asphalt geschliffen wurde. Schnell wurde er in den Kofferraum eines Autos geworfen, was dann auch mit quietschenden Reifen davon fuhr. Tatsuo hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden. Anscheinend hatten die Yakuza was dagegen, dass er in den Knast kommen sollte. Sie wollten ihn wohl selber bestrafen. Wahrscheinlich war der Tod durch hängen den es im japanischen Rechtssystem gab für die Gangster einfach zu milde. Wahrscheinlich würde sie ihn seine Gliedmaßen abtrennen und ausbluten lassen. Oder irgendwas schlimmeres. Dieses mal würde Tatsuo auf der anderen Seite der Hinrichtung stehen. Vielleicht würde er auch im Hafenbecken landen.

Das Auto kam abrupt zum stehen.  Der Kofferraum wurde geöffnet und Tatsuo wurde herausgezogen. Wieder wurde er geschliffen. Über die Straße, über den Bordstein, über eine Türschwelle und eine Treppe herunter. Dort wurde er auf einen Stuhl gesetzt.


Kellerraum, wenig später

Die Tür öffnete sich und laut klackende Schritte kamen näher. Entweder eine Dame mit High Heels oder ein Herr hatte sehr teure Holzsohlen unter seinen feinen Anzugsschuhen.”Was? Er hat immer noch den Sack auf dem Kopf? Habt ihr wenigstens Löcher reingemacht, damit er nicht erstickt? Also ihr seid wirklich nachlässig geworden. Jetzt nehmt ihm doch endlich den Sack vom Kopf!”. Tatsuo kniff seine Augen zusammen, als ihm das Licht in den Augen stach.

“Hallo! Hast du deine Zeit mit der Yakuza genossen Tatsuo?”. Kurz musste Tatsuo sich an das Licht gewöhnen, damit er mehr als nur helle Formen und Umrisse sah. “Wei?” fragte er. “Ja richtig Dummerchen” erwiderte der Triadenboss im feinen Anzug vor ihm. “Ich habe deinen kleinen Rachefeldzug aus der Ferne verfolgt und habe gehört, dass du ziemlich in der Scheiße steckst. Ich finde weil du ein Stück Scheiße für Jozu und Leute die sich schützend vor ihn stellten umgelegt hast, solltest du nicht hängen. Ich mache dir ein Angebot. Das hier alles sind meine Männer. Sie haben dich da rausgeholt. Du hast die Wahl. Entweder wir schmuggeln dich nach Hongkong wo ich dich beschützen kann oder du stellst dich da draußen den Bullen und wirst in einen Knast gesteckt voller Yakuza, die dich am liebsten Tot sehen wollen. Entweder deines Lebens auf der anderen Seite des Meeres oder du passt für den Rest deiner Tage auf, dass du die Seife nicht fallen lässt”.

“Ich denke mal ich habe nicht wirklich eine Wahl”. Wei stellte sich hinter Tatsuo und öffnete die Handschellen die er immer noch trug. “Nein. Die hast du nicht wirklich”. Ihm wurden auch die Beinfesseln abgenommen. “Na dann komme ich wohl mit nach Hongkong”. Tatsuo rieb sich seine Handgelenke. “Gut mein Junge. Denn ich habe mir meinen Kalender freigemacht. Du und ich”. Wei hatte seinen Arm um den Yakuza gelegt. “Wir lassen es richtig krachen!!!!”. Wie dieser Typ Anführer einer der mächtigsten Triaden werden konnte war für Tatsuo manchmal wirklich schleierhaft. “Wir haben einiges vor. Du brauchst nen neuen Ausweis und neu einkleiden wäre auch kein Fehler. Und deine Schwester”. Tatsuo schaute ihn an. “Wird doch höchste Zeit, dass ihr euch mal kennenlernt, oder?”. Langsam nickte der verstoßene Yakuza. “Und jetzt komm. Du wirst noch einen letzten Blick auf die Stadt werfen können. Unser Boot nach Hongkong legt in einer Stunde ab”.


Hongkong, einige Wochen später

Wei Shen hatte sein Wort gehalten. Tatsuo bekam einen neuen Pass mit einer neuen Identität. Er musste wohl in Hongkong bleiben, denn in Japan war er nun der meistgesuchte Mann des Landes. Es schmerzte ihn zwar seine Heimat zu verlieren, aber Hongkong war gar nicht so schlecht. Immerhin konnte er jetzt sein Kantonesisch und sein Englisch verbessern. Mit Japanisch kam man in Hongkong nicht weit und wurde meistens seltsam angeschaut.  

Aber diesmal war er nicht aufgeregt weil er Angst hatte geschnappt zu werden. Nein. Er würde auf seine leibliche Schwester treffen. Naja seine Halbschwester. Oder für ihn die einzig noch lebende Verwandte. Bis vor einigen Wochen wusste er nicht mal, dass es sie gab. Und sie auch nicht dass es ihn gab. Wei hatte sie zwar eingeweiht, aber wie weit wusste er nicht. Er wartete einfach an der Stelle des Parks die Wei genannt hatte. Er warf schon die dritte Zigarette auf den Boden, die er hintereinander geraucht hatte. “Fuck” fluchte er, als er bemerkte, dass seine Zigaretten leer waren. Er spürte eine Berührung an seiner Schulter.  Schlagartig drehte er sich um. Vor ihm stand aber keiner der ihm in den Rücken schießen wollte.  Es war tatsächlich seine Schwester.

“Tatsuo....”. Ohne zu antworten umarmte der ehemalige Gangster sie einfach, was sie etwas perplex erwiderte. “Saya...” sagte er dann, als er sie losgelassen hatte. Beide setzten sich auf die Parkbank. “Also.....Onkel Wei...ich meine....keine Ahnung. Er hat mir alles erzählt und....ich weiß nicht. Meine Mutter ist meine Tante und meine richtige Mutter ist tot....”.

“So war es ungefähr für mich, als ich Wei kennengelernt habe. War eigentlich wegen was anderem in Hongkong” erklärte er seiner Schwester. “Ich weiß. Ich hab die Zeitung gelesen. Ich weiß was Wei macht. Ich will die Details zwar nicht wissen, aber ich weiß es im Grunde”. Tatsuo nickte. “Aber...es ist schön einen Bruder zu haben”. Die junge Studentin lächelte. “Wir sollten klein anfangen. Wie wärs mit was zu essen?”. Tatsuo nickte. “Das klingt wirklich gut”. Sie erhoben sich wieder und gingen gemeinsam aus dem Park in die geschäftigen Straßen der Stadt.
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