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Ein Blick sagt mehr als 1.000 Worte

von Lovelle
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter
15.07.2022
23.09.2022
7
10.940
3
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
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23.09.2022 1.282
 
Ich rannte und rannte. Mein einziger Gedanke war Snape zur Rede zu stellen und ihn dafür zu bestrafen, dass er Dumbledore getötet hat. Während die Gänge an mir vorbeiflogen und ich immer wieder Flüchen auswich, rannen Tränen mein Gesicht hinab. Er hatte ihm vertraut! Wie konnte er ihm so etwas nur antun? Der Kloß in meinem Hals schwoll an, doch ich musste fokussiert bleiben. Snape sollte nicht davonkommen! Sein Umhang war in der Ferne noch zu erkennen, sodass ich nach meinem Zauberstab griff und einen Fluch nach dem anderen auf ihn abfeuerte. Es schien jedoch so, als wüsste er genau, was ich tun würde, denn jeden davon wehrte er mühelos ab.

Wir waren nun bereits auf den Länderein angekommen und in der Ferne konnte ich bereits sehen, dass Hagrids Hütte brannte und Hagrid versuchte hineinzukommen. Doch ich hatte nicht viel Zeit mir darüber gedanken zu machen. Mein Ziel war immer noch Snape, der nur noch wenige hundert Meter von dem Tor entfernt war. Plötzlich stürzte sich Seidenschnabel von oben auf ihn herab, sodass er ins Straucheln kam. Er rappelte sich jedoch sofort wieder auf und rannte weiter. Meine Beine waren schwer und die Muskeln brannten unter der Anstrengung. Nochmals feuerte ich einen Fluch ab, der ihn erneut verfehlte.

Langsam wurde mir bewusst, dass ich keine Chance hatte ihn zu erwischen. Meine Schritte verlangsamten sich und kurze Zeit später kam ich zum Stehen. Er war nun hinter dem Tor angekommen und drehte sich noch ein letztes Mal zu mir um, bevor er im nächsten Augenblick schon verschwunden war. Ich sackte auf dem Boden zusammen und ließ einen verzweifelten Schrei über die Ländereien hallen. Verzweifelt riss ich Grasbüschel vom Boden und warf sie zornig zur Seite, als ich Hagrid "Fang" riefen hörte, was mich zurück ins Jetzt brachte.

Automatisiert sprang ich auf und rannte auf die brennende Hütte zu.

"Er ist noch da drin. Wir müssen ihn rausholen!" Verzweifelt stand er da und versuchte irgend einen Weg hineinzufinden. Ich griff nach meinem Zauberstab und konnte einige Minuten später das Feuer mit Aguamenti löschen. Sofort stürzte Hangrid in die Hütte und kam wenig später mit dem unversehrten Fang wieder heraus. Erleichterung machte sich für einen Augenblick in mir breit, bevor mir wieder das gesamte Ausmaß des Kampfes bewusst wurde. Ich blickte hinauf zum Schloss. Über dem Astronomieturm prangte das dunkel Mal und ich wusste, dass Dumbledores Körper dort immer noch lag. Mein ganzer Körper zitterte, denn es war klar, dass nun der schlimmste Teil bevorstand - die Bergung der Verletzten. Mein Gesicht verdunkelte sich.

"Hagrid!" Und es waren keine weiteren Worte nötig, als er bereits an mir vorbeirannte Richtung Schloss, um den Anderen beizustehen.

Und plötzlich schossen mir rauchgraue Augen in den Sinn, die zu der einen Person gehörten, die an all dem schuld war - Malfoy! Er war mit den anderen Todessern feige geflohen und hatte nicht gekämpft. Das sah ihm ähnlich. Dumbledores Sturz war wohl seine Aufgabe gewesen...doch er hat sie nicht erfüllt. Es war Snape! Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Küsse und Zärtlichkeiten, aber auch die schlimmen Bilder im Astronomieturm kreisten mir durch den Kopf.

Er hat ihn nicht töten können, weil er es selbst nicht wollte. Das hat selbst Dumbledore erkannt...

Meine innere Stimme wiederholte diese Aussage immer und immer wieder. Verzweifelt griff ich mir in die Haare und stieß erneut einen Schrei aus. Dumbledore ist tot! Er wird nie wieder kommen. Du wirst nie wieder mit ihm reden können. Ab jetzt bist du auf dich selbst gestellt. Er kann dich nicht mehr beschützen. Nun bist du selbst für die Zukunft der Zaubererwelt verantwortlich. Du weißt, was zu tun ist!

Mit diesem Mantra rannte ich zurück ins Schloss und ließ die traurigen Szenen, die folgten, über mich ergehen. In diesen Momenten wusste ich, dass der Krieg begonnen hatte und nichts mehr sein würde, wie es mal war. Nun galt es auf Horkruxjagd zu gehen und Voldemort zu stürzen. Auch Snape und Malfoy sollten ihre gerechte Strafe bekommen, das schwor ich. Wie sehr ich mich jedoch in ihnen täuschte wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Hermine, Ginny und Ron fielen mir weinend in die Arme, als wir uns im Astronomieturm versammelten. Nun wusste die ganze Schule, dass Dumbledore tot war - gestürzt in Hogwarts, dem sichersten Ort in der Zaubererwelt. Eine düstere Stimmung legte sich über das Schloss. Dunkle Wolken zogen über den See heran und jeder wusste, dass es nun nur noch um das Überleben ging.

Dumbledores Beerdigung sollte kurze Zeit später stattgefunden haben. Die Zeremonie war gerade beendet, als ich mich, ohne eine Verabschiedung, auf den Weg machen wollte. Niemand sollte mehr wegen mir leiden müssen. Auch Ron und Hermine nicht. Ich war bereits in der hinteren Reihe der Stühle angekommen als Ginny vor mir zum Stehen kam.

"Wo willst du hin?", fragte sie, doch ich konnte in ihrem Gesicht erkennen, dass sie die Antwort bereits kannte.

"Du weißt, dass ich das tun muss...auf die Jagd gehen...alleine!" Ihre Lippen bebten und Tränen quollen ihr aus den Augen. Es brach mir das Herz sie so zu sehen. Ich wollte sie gerade in den Arm nehmen, als sie mich wegstieß und davoneilte, sich jedoch noch einmal umdrehte und mich ansah.

"Wann begreifst du endlich, dass wir alle mit drinstecken?" Sie hatte recht, aber ich konnte es nicht verantworten sie noch weiter in Gefahr zu bringen. Ich wollte etwas sagen, doch die Worte blieben mir im Hals stecken. Sie schüttelte ebenfalls ihren Kopf, um zu signalisieren, dass ich es auch überhaupt nicht versuchen brauchte. Ihre letzten Worte jedoch trafen mich so je, dass ich auf dem Stuhl neben mir zusammensackte. "Ich habe dich gesehen...dich und Malfoy...im Raum der Wünsche..."

"Ginny, nein...das ist nicht so...", rief ich, doch sie drehte sich um und rannte davon. Panik entfachte in mir. Was genau hatte sie gesehen? Und wieso war sie damals nicht auf uns losgegangen und hatte uns zur Rede gestellt? Frage um Frage kreiste in meinem Kopf umher und gerade in dem Moment, als ich wieder Kraft in meinen Beinen hatte und sie suchen wollte, traten Ron und Hermine in mein Feld und zogen mich von der Menschenmenge fern. Sie hatten beide stark gerötete Augen wie jeder Anwesende. Tiefer Schock steckte in unseren Knochen von diesem Angriff. Wir liefen schweigend einige Minuten bis wir außer Höhrweite waren. Hermine wandte sich nun an mich.

"Und? Wie ist der Plan, Harry?" Verdutzt blickte ich sie an.

"Welcher Plan?"

"Tu doch nicht so ahnungslos", schaltete Ron sich ein. Für einen Moment wusste ich nicht, was genau sie meinten: ob sie die Sache mit mir und Malfoy meinten oder wie wir mit den Horkruxen verfahren sollten. Panik entfachte in mir, denn ich wusste nich, ob Ginny einen der beiden etwas gesagt hatte.

"Also ich..."

"Wie viele Horkruxe sind nun noch übrig?", fragte Hermine und wischte sich erneut die Tränen aus dem Gesicht, die ihr unaufhörlich die Wangen hinabliefen.

"Das braucht euch nicht zu interessieren, denn ich werde alleine gehen. Ich werde nicht zulassen, dass euch noch mehr passieren wird, habt ihr mich verstanden? Voldemort will mich, nicht euch! Ihr habt schon genug gelitten!"Ron gab mir einen Klaps auf den Hinterkopf.

"Sei nicht so stur, Harry. Ob du willst oder nicht, wir kommen mit dir. Ende der Diskussion!" Ich wollte gerade Widerwort einlegen, als Hermine mich bereits an der Hand packte, ebenso wie nach Rons Hand griff und wir mit einem Plopp von der Trauerfeier davonapparierten, ahnungslos, wo wir mit der Suche anfangen sollten und was uns noch alles erwarten würde.
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