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Ein Blick sagt mehr als 1.000 Worte

von Lovelle
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter
15.07.2022
23.10.2022
8
12.838
4
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
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03.09.2022 2.028
 
Ein gellender Schrei hallte durch den Raum in dem Moment, als die Tür hinter den Beiden ins Schloss fiel. Mir brannte die Kehle, doch ich konnte meine Emotionen nicht weiter unterdrücken. Heiße Trännen rannen mir die Wange hinab und ich raufte mir die Haare. Vor Wut trat ich an eine Komode links von mir und eine Vase fiel krachend zu Boden.

Wie konnte das alles nur passieren? Der Kuss schlug solche Wellen, dass ich beinahe anfing zu taumeln. Mein Körper vibrierte allein bei dem Gedanken an ihn. Wie er mich ansah, voller Leidenschaft. In dem Moment, wo sich unsere Lippen berührten, waren wir eins. Wir beide fühlten das Gleiche und unser Verstand dachte nicht eine Sekunde an die Konsequenzen. Ein Schnaufen entfuhr mir, als mir sein Geruch erneut gegenwärtig wurde, wie seine Hände über meinen Körper fuhren...Er hatte solche Macht über mich, wie niemand anderes, denn es waren keine Machtspiele oder Erniedrigungen...es war pure Emotion. Wieso hatte dieser Moment nicht ewig anhalten können?

Weasley! Allein bei dem Namen bekam ich eine unangenehme Gänsehaut. Diese Familie war die Pest. Immer wieder gerieten wir aneinander, sei es mit Wiesel oder seiner Schwester. Wie Zecken hingen sie an Potters Hals, als würde ihr erbärmliches Leben dadurch besser werden. Wieso gab er sich mit solchen Menschen ab? Hatten sie es vielleicht auf seinen Ruhm abgesehen, dass sie einmal in ihrem Leben nicht in der Gosse standen? Ich war so wütend auf sie, dass mein Gesicht anfing zu glühen. Doch auch die Frage, wieso ihr der Raum der Wünsche Eintritt gewährte, kreiste mir im Kopf herum. Ich verstand nicht, wieso wir unterbrochen werden sollten...doch dann traf es mich wie ein Blitz, denn ich kannte die Wahrheit bereits. Der heutige Abend würde den Verlauf der Geschichte verändern und ich war Schuld daran. Mein Kiefer bebte und ich blickte mit glasigen Augen hinüber zum Verschwindekabinett.

Sofort wurde mir übel, Sterne zeichneten sich vor meinem Augen ab und ich drohte in Ohnmacht zu fallen. Die grausame Wahrheit hatte wieder Oberhand gewonnen. Schon bald würde nichts mehr sein wie vorher. Es würde sich eine Dunkelheit über das Schloss legen...und das war erst der Anfang. Ich hatte Stunden damit verbracht meinen Geist zu beruhigen, mir zuzusprechen, dass ich es nur tat, damit meine Eltern und ich nicht sterben mussten, doch es half nichts. Jeder Tag der verging zog mich weiter hinab in den Abgrund, dass sich selbst meine Mutter anfing zu sorgen, obwohl sie diese Ideale lebte. Hinter dem Rücken meines Vaters ist sie einen Schwur mit Snape eingegangen, um mich zu schützen.
Ich wusste, was es für eine Überwindung gewesen sein musste dies zu tun, denn Bellatrix traute ihm nicht über den Weg. Sie war vergiftet von dem Glaube Voldemorts eine bessere Welt nur mit Reinblütern aufzubauen.

Bei dem Gedanken daran brannte das dunkle Mal an meinem Arm. Ich wusste, dass sie sich weit entfern in der Nokturngasse bei Borgin und Burkes versammelten und auf den Moment warteten...dass ich meinen Teil der Abmachung erfüllte...Heute Nacht sollte Dumbledore stürzen...durch meine Hand. Diese Klarheit zog die Schlinge um meinen Hals immer enger zu und ich bekam kaum Luft. Angestrengt versuchte ich zu atmen, doch es wurde nur schlimmer. Wie sollte ich je wieder glücklich werden?

Ich schloss meine Augen und sackte auf dem Boden zusammen.
"Wie nur?", entwich es mir mit zittriger Stimme. "Es gibt keinen Ausweg..." Träne um Träne tropfte mir von meinem Kinn. Es wurde immer dunkler um mich herum bis ich mich schließlich doch der Ohnmacht hingab.

Ein entferntes Rumpeln ließ mich hochfahren. Ich blickte mich um und musste mich erst einmal akklimatisieren. Wie lange ich bewusstlos auf dem Boden lag wusste ich nicht. Nochmals polterte es und dieses Mal erkannte ich, dass es aus dem Verschwindekabinett kam. Es war soweit. Meine Zeit war
gekommen...Zittrig stand ich auf, schweißdurchnässt, und stolperte hinüber, meinen Zauberstab fest in meiner Hand. Ein letztes Mal atmete ich ein und schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter, als ich die Tür aufriss. Mehrere Todesser, darunter Bellatrix und Greyback stürzten hinaus.

"Wieso hat das so lange gedauert?", fauchte er mich an. Angst durchzog mich.

"Gut gemacht, Draco!" Bellatrix tätschelte meinen Arm, doch ich wusste, dass es nicht  liebevoll gemeint war, sondern sie nur aus ihrem Wahn heraus handelte. Sie war bessesen von Voldemort und ging dafür über Leichen. "Komm, es ist Zeit!", flüsterte sie in mein Ohr. Mechanisch setzte ich einen Fuß vor den anderen und folgte ihnen hinaus in den Korridor. Ein letztes Mal blickte ich auf die Stelle zurück, an der ich vorhin einer meiner glücklichsten Momente verbracht hatte...mit Potter...Der Raum der Wünsche tat seinem Namen wirklich alle Ehre...im guten wie im schlechten Sinne!

Unsanft wurde ich von Greyback am Arm gepackt und nach vorne geschubst, da ich keine Anstalten machte weiterzugehen. Vielleicht würde alles enden, wenn ich einfach gar nichts tat? Vielleicht hätte ich aber auch eine Chance sie zu warnen? Wir hatten durch eine Quelle erfahren, dass Dumbledore heute Abend außer Haus war. Wir würden ihn abpassen und dann...Ich konnte den Gedanken nicht zu enden denken. Mir wurde klar, dass es keine Möglichkeit gab das Blatt zu wenden. Es würde geschehen.

"Wo geht es hin, Draco?" Bellatrix riss mich aus meinen Gedanken. Zuest reagierte ich nicht, doch wie Licht am Ende des Tunnels fiel mir ein, dass die kleine Weasley vorhin gesagt hatte, dass Potter heute mit Dumbledore unterwegs war. Das hieß, dass er nicht alleine war. Vielleicht war das meine Chance? Mut stieg in mir auf und mein Körper wurde erneut belebt.

"Hier entlang!", sagte ich und ging voraus, doch als ich um die nächste Ecke bog, konnte ich gerade zurückschrecken, als ich sah, dass die Flure bewacht wurden.

"Sie haben es gewusst!", flüsterte Bellatrix aufgebracht und zog ihren Zauberstab. Doch wir waren auf alles vorbereitet. Ich griff in meine Sackotasche und warf das Instant-Finsternispulver in den Gang vor uns. Sofort legten sich dicke Nebelschwaden über uns, die keine Sicht mehr ermöglichten. Das war meine Chance. Mein Herz raste, die Ohnmacht wollte ihren Mantel erneut um mich legen, doch mein Verstand wurde Messerscharf. Nochmals schob ich meine Hand in die Tasche und zog die Hand des Ruhmes heraus, die mir den Weg leuchtete. Wie in Trance rannte ich voraus und kam schweißgebadet vor der Treppe zum Astronomieturm zum Stehen.

"Du weißt, was zu tun ist, Draco!", schrie Bellatrix im Wahn. Ich nickte nur, rannte die Stufen hinauf in den Turm und schloss die Tür hinter mir. Hier oben war es friedlich und still. Für einen Moment wirkte alles so weit entfernt, so unwirklich, doch der Lärm wurde nicht lange von mir ferngehalten und erinnerte mich daran, was mir bevorstand. Gibbon, ein Todesser, war neben mir aufgetaucht, rannte zur Brüstung und beschwor das dunkle Mal.

"Es wird sicher nicht lange dauern bis dieser alte, naive Mann hier auftaucht, wenn er davon mitbekommt." Er verfiel in schallendes Gelächter und rannte zurück zu den anderen Todessern, um ihnen zu helfen, die sich nun im Kampf mit der Patroulie befand. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern bis die Beiden auftauchten. Im Schatten der Nacht versteckte ich mich im hinteren Teil  des Turmes und wartete, den Zauberstab in meiner geballten Faust.

Es dauerte nicht lange als die Beiden per Besenflug ankamen. Dumbledore wurde durch Potter gestützt und sie schafften es gerade noch in die Mitte des Raumes, bevor sie zusammensackten. Wo waren sie und was war passiert? Doch dafür war keine Zeit. Die nächsten Augenblicke geschahen so schnell, dass ich kaum einen Gedanken verschwenden konnte. Ich stürzte hervor und entwaffnete Dumbledore, der einen Moment vor mir Potter nach hinten in die Dunkelheit schleuderte und magisch festzuhalten schien, denn er regte sich nicht. Nur wer wusste, dass er dort war, konnte ihn sehen, so dunkel war es. Mit zwei Zauberstäben in der Hand stand ich nun vor Dumbledore.

"Guten Abend, Draco!", sagte er mit seiner sanften Stimme, doch ich reagierte nicht. Meine volle Konzentration lag darin nicht umzufallen, denn mein Körper stand erneut an der Klippe zur Ohnmacht. Ich richtete meinen Zauberstab auf ihn, doch es schien ihn nicht zu interessieren. Interessiert blickte er mich an, sagte jedoch nichts. Einige Momente vergingen, in denen wir uns nur anstarrten.

"Sie wissen, dass ich das tun muss? Ich habe keine Wahl", schrie ich ihn an und konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Meine Hand zitterte und konnte ihn kaum fokussieren. Erneut überraschte Dumbledore mich, indem er mich mit einem zaghaften Lächeln anschaute.

"Meinst du, ich habe nicht mitbekommen, was du seit Monaten planst, Draco?" Mein Mund öffnete sich und ich riss meine Augen weit auf. Woher wusste er davon? Ich hatte doch alles sorgfältig geplant...ich...mein Zauberstab sackte etwas nach unten. Er kam einige Schritte auf mich zu, was mich jedoch aus meinem Schock herausriss. Sofort richtete ich ihn wieder auf ihn. Doch er hatte keine Angst. "Du bist kein Mörder!", sagte er in einem ruhigen Ton, der mich Mitten ins Herz traf.

"...aber...ich bin so weit gekommen. Alle haben gedacht, dass ich allein bei dem Versuch sterben würde, doch hier bin ich. Ich bin derjenige mit dem Zauberstab...ich habe Sie in der Hand!" Ich riss meinen Ärmel hinauf und zeigte ihm das dunkle Mal, das auf meinem Arm prangerte.

"Nein, Draco", sagte Dumbledore ruhig. "Meine Barmherzigkeit dir gegenüber ist das Einzige, was zählt!" Er streckte mir seine Hand entgegen. Vor lauter Tränen konnte ich sie kaum erkennen. Tausend Gedanken rannten mir durch den Kopf. Mein Herz schrie, ich sollte nach ihr greifen, doch mein Verstand war getrieben von dem Willen zu überleben. Und plötzlich tauchten grüne Augen vor mir auf, sie strahlten mich an und füllten mich mit dem schönsten Licht aus, das ich je gesehen habe. Langsam senkte ich meinen Arm und wollte auf ihn zulaufen, als ich Stimmen hinter mir hörte. Sofort schoss mein Arm wieder in die Höhe.

"Ach wen haben wir denn da?" Bellatrix stolzierte auf uns zu und legte eine Hand auf meine Schulter. "Los, töte ihn!" Gänsehaut überzog meinen ganzen Körper und erneut konnte ich mich nicht rühren. Bilder der Vergangenheit rasten an mir vorbei, allen voran die Küsse...Nein! Ich konnte es einfach nicht. "Tu es!", schrie sie mir ins Ohr, doch mein Körper gehorchte mir nicht. Die Zeit war wie eingefroren, als ich in die Augen Dumbledores blickte, der erkannte, dass ich ihn niemals töten könnte. Es war wie ein innerer Frieden, der sich in ihm ausbreitete.

"Zur Seite!", hörte ich eine bekannte Stimme hinter mir. Es war Snape, der mich zur Seite stieß und nun anstelle von mir seinen Zauberstab auf Dumbledore richtete. Keiner der Anwesenden wagte es auch nur zu atmen.

"Severus, bitte!", war das Letzte, was ich hörte, bevor das grüne Licht den Raum flutete. Snape hatte den Todesfluch auf ihn abgefeuert. Dumbledore war tot! Tot! Es hallte in meinem Kopf wieder und wieder, doch mein Verstand konnte es nicht begreifen. Selbst der reglose Körper auf dem Boden änderte daran nichts. Die Todesser stürzten bereits zur Flucht die Stufen hinunter, hinaus aus dem Schloss. Auch Snape drehte sich um und wollte davonstürzen, als er mir in die Arme lief. Obwohl ich kein Wort sagte, sprach mein Blick bände. Ich war entsetzt, was gerade passiert war. Er packte meinen Ärmel, doch ich riss mich los.

"Er hat ihnen vertraut!" Aus dem hinteren Teil, heraus aus den Schatten, stürzte Potter und rannte auf uns zu. Tränen flossen ihm über das Gesicht. Noch nie in meinem Leben hatte ich ihn so voller Hass erlebt. Für einen Augenblick trafen sich unsere Blicke, doch er war so fokussiert auf Snape, dass er mich kaum wahrnahm. Die Beiden rasten davon, hinunter auf die Ländereien. Ein letztes Mal blickte ich zu Dumbledore, bevor mein Überlebensinstinkt mich dazu zwang ebenfalls zu flüchten. Ich rannte und rannte und hielt erst an, als ich neben Bellatrix zum Stehen kam und im nächsten Moment mit einem Plopp bereits davonapparierte.
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