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Ein Blick sagt mehr als 1.000 Worte

von Lovelle
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter
15.07.2022
23.10.2022
8
12.838
4
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Dieses Kapitel
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15.07.2022 1.206
 
Mit schmerzender Brust rannte ich die Gänge entlang. Meine Lunge signalisierte mir, dass ich anhalten sollte, doch mein Kopf schrie mich an, er drohte mir beinahe, dass ich wegrennen musste. Zumindest so lange bis ich genügend Distanz zwischen uns beide gebracht hatte. Kleine Tränen bildeten sich in meinen Augen und meine Sicht wurde verschwommen.

Die Korridore flogen nur so an mir vorbei. Auch meine Beine fingen an zu schmerzen. Wie konnte das nur passieren? Wir hassten uns bis aufs Blut! Doch seine rauchgrauen Augen ließen mich seit dem Tag unseres ersten Treffens im Hogwartsexpress nicht mehr los.

Damals hatte ich nicht verstanden, was dieses ungute Gefühl in meinem Bauch zu bedeuten hatte und selbst jetzt wollte ich es nicht begreifen, obwohl mein Herz bei dem Gedanken an das Geschehene anfing zu rasen. Meine Wangen glühten, nicht nur von der mir ausbleibenden Luft. Nein! Das war alles so falsch! Aber wieso fühlte es sich dann so an? Wieso konnte das überhaupt passieren? Wie konnte aus all dem Hass dieses Gefühl entstehen? Selbst seine Drohung prallte nur so an mir ab, denn ich hatte das Beben in seiner Stimme gehört - es waren alles nur Lügen.

Ich rannte und rannte. In der Ferne konnte ich bereits den Baumstamm sehen, der am Seeufer lag. Hermine zog sich dort oft zurück, wenn sie lesen oder nachdenken wollte. Es war der erste Ort, der mir einfiel. Wie automatisiert hatten mich meine Beine dort hingetragen. Keuchend ließ ich mich auf ihm nieder und ließ meinen Tränen nun freien Lauf. Dicke Tropfen flossen mir die Wange hinab. Ich versuchte mich zu beruhigen, doch es gelang mir nicht. Meine Lunge war verkrampft und ich japste nach Luft, doch das Schlimmste war der Schmerz in meiner Brust. Zuerst dachte ich, er käme von der Anstrengung, doch jetzt erkannte ich, dass mein Herz zerrüttet war.

Unweigerlich schweiften meine Gedanken zurück zu dem Ort, an dem ich vor zehn Minuten noch war. Ein Schluchzer entfuhr meiner Kehle. Ich wusste nicht mit meinen Gefühlen umzugehen und raufte mir meine Haare. Wieso...er?

Weil du ihn liebst, das weißt du schon sehr lange und tief in dir ist dir das auch bewusst.

Seit einiger Zeit war meine innere Stimme so laut geworden, dass sie mich beinahe vereinnahm. Ich wusste nicht, ob sie mich betrog oder mir nur helfen wollte.

Du kapierst doch gar nichts, du dummes Herz, schrie ich laut in die Dämmerung hinaus. Wenn die Anderen mich jetzt sehen könnten. Sie würden versuchen mich zu beruhigen, sie würden Fragen stellen auf die ich keine Antwort hatte: Was ist passiert? Du kannst uns alles erzählen! Nein, das kann ich nicht! Nicht in diesem Fall! Es geht einfach nicht. Alles daran war falsch. Es hätte niemals passieren dürfen! Ich selbst verstand nicht einmal, wie aus einem handfesten Streit sich so etwas entwickeln konnte. Doch ein Gedanke wiederholte sich immer wieder in meinem Kopf: Wieso hatte er den Kuss erwidert? Hatte er Gefühle für mich?

Rauchgraue Augen tauchten vor meinem inneren Auge auf. Sie waren kühl, doch an diesem Abend, es war nur für einen kurzen Moment, so kurz, dass jeder andere es sicherlich übersehen hätte, war ein Blitzen in ihnen zu sehen. Es war, als hätte sich eine Tür geöffnet, die mich in seine Seele hineinblicken ließ. Das war es! Die Einladung, die ich brauchte, um meine Hände von seinem Kragen zu lösen, sie sanft seine Wangen umschließen zu lassen und meine Lippen auf seine zu legen. Anfänglich wehrte er sich, doch schon nach wenigen Sekunden schlang er seine Arme um meine Hüfte und erwiderte den Kuss. Ich spürte Tränen auf meiner Wange, doch zu diesem Zeitpunkt waren es nicht meine - es waren Dracos.

Für diesen einen Moment stand die Zeit still. Es war, als wäre ein Zahnrädchen perfekt eingerastet. Ich verspürte zum ersten Mal in meinem Leben Frieden, doch dieser hielt nicht lange an, denn unser Verstand unterbrach diesen Moment umgehend. Wir stieben außeinander und starrten uns an. Das Blitzen in seinen Augen war verschwunden und sein Gesicht hatte sich zu einer hässlichen Fratze verzogen. Mit dem Ärmel seines Sackos wischte er sich die Lippen ab und warf mir vorwurfsvolle Blicke zu. Wie eingefroren stand ich da. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte.

"Wenn du davon auch nur ein Sterbenswörtchen jemandem erzählst..."

"Was dann Malfoy?" Mein Schock hatte sich so schnell in rasende Wut verwandelt, dass ich keine Kontrolle mehr über mich hatte. Seine Haut, die sonst so blass war, hatte sich rot gefärbt. Er spuckte mir die Worte förmlich vor die Füße.

"Dann wirst du so enden wie deine Eltern, diese Blutsverräter!" Das war's! Ich zog meinen Zauberstab und feuerte ihn ab. Draco knallte rücklings an die Wand und sackte auf den Boden zusammen. Mit geballten Fäusten blickte ich auf ihn herab. Mir rasten tausend Dinge durch den Kopf, doch ich brachte kein Wort heraus. Für einen kurzen Moment trafen sich unsere Blicke erneut bevor ich mich umdrehte und davonrannte. Ich musste weg von ihm, weg von dieser Situation, die niemals hätte passieren dürfen.

Du weißt genau, warum er das getan hat!

Meine innere Stimme holte mich ins Hier und Jetzt zurück, doch ich schüttelte den Kopf. Nein! Das waren nur Ausreden. Er war der schlimmste Mensch, den ich kannte, denn obwohl Voldemort der böseste Schwarzmagier war, so war er es, der ständig Menschen verletzte. Er stieß jeden von sich weg, belog und betrog nur um seine wahren Gefühle nicht Preis zu geben. Schlussendlich war er nur der gleiche feige Junge von unserem ersten Schuljahr...

Doch warum schlug mein Herz schneller, wenn wir uns begegneten? Wieso schaute er mich immer so an, wenn er nicht doch etwas empfand? Er suchte mich förmlich, um mich in Schwierigkeiten zu bringen und stachelte andere an mitzumachen. Tat er das, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen? War das seine Art zu zeigen, dass er etwas für mich empfand oder spielte mein Verstand mir gerade einen Trick. Das musste es sein, denn es gab keinen plausiblen Grund für das Geschehene. Ich war nicht in ihn verliebt. Ich hasste ihn!

Langsam sankt die Sonne hinter dem verbotenen Wald und warf  lange Schatten über die Ländereien. Es war Zeit hineinzugehen, so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre, denn wenn irgendjemand herausfinden würde, was passiert war...Mir wurde schlecht bei dem Gedanken...Ron, Hermine...und Ginny...Sie würden mich verachten, sich von mir abwenden. Nicht nur, dass ich mich mit dem Feind verbündete...ich würde Ginny das Herz brechen...

Schwer atmend lief ich auf den See zu und warf mir einen Schwall Wasser ins Gesicht, um frischer zu wirken. Ich musste das Schauspiel aufrecht erhalten. Wenn unsere Schulzeit vorbei war, dann würde ich ihn nie wieder sehen. Alle Probleme würden sich in Luft auflösen. Ab jetzt würde dieses Mantra zu meinem Schutz werden und mich vor all dem Schlechten bewahren, was noch bevorstand. Das hoffte ich wirklich!

Mein Atem hatte sich etwas beruhigt, meine Tränen waren versiegt. Ich kämmte mir mit den Fingern durchs Haar und straffte meinen Rücken. Mit festen Schritten machte ich mich auf den Weg hinauf zum Gemeinschaftsraum, in dem die Anderen bereits auf mich warteten, doch ein Gedanke ließ mich einfach nicht los: Ging es ihm genauso schlecht wie mir?
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