Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The Shy & The Charmer

von xscullyx
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Erotik / P18 / Gen
09.07.2022
11.08.2022
29
97.779
16
Alle Kapitel
81 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
05.08.2022 4.337
 
Als sein Handy vibrierte, stöhnte Nolan leise auf und zog das Gerät aus seiner Hosentasche, um einen Blick auf das Display zu werfen, denn er wollte wissen, wer ihn versuchte zu erreichen. Um diese Uhrzeit riefen ihn die wenigsten Leute an, denn seine Mittagspausen machte er immer ziemlich genau zur gleichen Zeit. Detective Mendoza? Dann schien es vielleicht von Dringlichkeit zu sein, weshalb Nolan sich dazu entschloss, das Gespräch entgegenzunehmen.

„Diego“, begrüßte er ihn ernst.

„Hey, Turner, mi amigo“, hörte er Mendoza gut gelaunt am anderen Ende der Leitung und entspannte sich augenblicklich wieder. „Ich bin gerade in der Nähe von Winchester und dachte, man könnte sich mal wieder auf den neuesten Stand bringen. Hast du gerade Mittagspause?“

„Wie du weißt, lege ich meine Gepflogenheiten selten ab. Meine Pause mache ich noch immer um die gleiche Zeit. Wann kannst du hier sein?“, erwiderte Nolan erheitert und legte einen Arm über die gepolsterte Rückenlehne der Sitzbank. „Ich bin einem neuen Diner, die Adresse sende ich dir direkt im Anschluss unseres Gesprächs.“

Er konnte hören, dass Diego anscheinend gerade mit dem Auto fuhr und warf einen kurzen Blick in Richtung der Toiletten, doch eigentlich wusste er, dass er von hier aus keine Einsicht auf den direkten Weg dorthin hatte. Wie lang war Madison jetzt schon weg? So lang, dass er sich Sorgen machen musste? Sollte er vielleicht nachschauen, oder eine der weiblichen Angestellten bitten, einmal nachzuschauen, ob alles in Ordnung war?

„In ungefähr fünf bis sechs Minuten bin ich in der Stadt. Sollte ich einen Parkplatz in der Nähe des Diners bekommen, sollte ich weniger als zehn Minuten brauchen“, schätzte Diego Mendoza grob und lachte dann leise auf. „Lerne ich Madison heute vielleicht sogar kennen?“

„Zufällig verbringen wir die Mittagspause zusammen; also ja“, schmunzelte Nolan und warf einen prüfenden Blick auf seine Armbanduhr. „Ich sende dir den Standort, bis gleich, Mendoza.“

Nachdem sich sein Freund ebenfalls verabschiedet hatte, wechselte er in den Nachrichtendienst und verschickte seinen Standort an ihn, wollte sich erheben und erstarrte, als der Name seines Cousins auf dem Display erschien.

„Rhys?“

„Ihr seid gerade im neuen Diner, richtig?“, erklang die Stimme von Rhys leicht gehetzt und sofort war Nolan in höchster Alarmbereitschaft, denn das wusste vom Prinzip her niemand. „Ich glaube, Gabe ist ganz in der Nähe. Er hat mir eine kryptische Nachricht geschickt und irgendwas davon geschrieben, dass seine Kitty ganz in der Nähe ist und er sie einfangen und zähmen würde. Und dass ihr aktueller Besitzer nur kurzzeitig mit ihr spielen durfte. Ist Madison gerade bei dir; hast du sie im Blick, Nolan?“

„Fuck“, stieß der Angesprochene aus, beendete das Gespräch und ließ das Handy achtlos auf die Tischplatte fallen, um zu den Sanitärräumen zu laufen.

Ohne weitere kostbare Zeit zu verlieren, stürmte er in den Vorraum der Damentoiletten, erfasste die Situation mit einem umfassenden Blick und sah rot. Einfach nur rot, denn dieser verdammte Sohn einer Hure kniete neben Madison, hatte das rechte Knie in ihren unteren Rücken gestützt und wollte gerade in ihre Haare greifen, als Nolan auch schon reagierte und sich wütend auf ihn stürzte, damit er ihn von ihr wegbekam.

„Rühr sie nicht an“, stieß er warnend aus und knurrte zornig.

Mit einem gezielten Schlag seines Handballens ließ Nolan den Kopf von Morrison nach hinten fliegen, um ihn direkt danach am Kragen zu packen, mit sich hochzuziehen und mit voller Wucht gegen die geflieste Wand zu drücken. Morrison sah ihn aus zornig funkelnden Augen an, fing dann höhnisch an zu lachen und stieß ihn überraschend kräftig von sich. Nolan fing sich und warf einen schnellen Blick hinter sich, um nach Madison zu sehen, welche sich in diesem Augenblick aufrichtete und an der Wand abstützte, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen Gegenüber richtete. Ein Fehler, wie Nolan bestürzt feststellte, denn Morrison sprang an ihm vorbei und riss Madison an sich, welche aufkeuchte und fast wieder zu Boden ging, jedoch von diesem Bastard festgehalten wurde.

„Glaubst du, du bist schlauer als ich?“, höhnte er und grinste Nolan überlegen an. „Du bist ein dreckiges und wertloses Nichts. Bedeutungslos im Vergleich zu mir. Und nun verabschiede dich von meiner kleinen Kitty…“

Noch bevor Nolan reagieren konnte, rammte Madison ihrem Peiniger den Ellenbogen in den Magen und sank kraftlos auf ihre Knie. Keuchend vor Schmerzen entschied Morrison sich für die Flucht, da er nun deutlich unterlegen war. Innerlich fluchend eilte Nolan zu Madison, ging neben ihr in die Knie und zog sie behutsam in seine Arme. Ihr ganzer Körper zitterte, doch sie weinte nicht. Zu sehr schien sie unter Schock zu stehen und noch gar nicht richtig begreifen zu können, was gerade geschehen war.

„Hat er dir wehgetan?“, raunte er besorgt an ihrer Schläfe und umfasste mit einer Hand vorsichtig ihren Hinterkopf. „Hat er dich angefasst?“

Sie atmete zittrig ein und stieß ihren Atem dann geräuschvoll aus, grub ihre Finger in sein Shirt und drehte ihr Gesicht an seine Brust – doch sie sprach nicht mit ihm. Wut und Unglaube flammten in ihm auf und er verfluchte die Tatsache, dass sie selbst in einem so kleinen Diner in Gefahr schwebte, weil dieser Irre sein Unwesen in Winchester trieb und es auf sie abgesehen hatte.

Vorsichtig stand Nolan auf, hielt Madison dabei fest umschlungen und zog sie mit sich auf die Füße. Sie stützend, verließ er mit ihr die Sanitäranlage, um sie zu dem Tisch zu bringen, an dem sie saßen, damit sie von dem Ort des Schreckens wegkam und Madison etwas trinken konnte.

- - - - - - - - -


Gott sei Dank wurde gerade ein Parkplatz ganz in der Nähe frei, also setzte er den Blinker, bog in die Parklücke ein und stellte den Motor aus, damit er die wenigen Meter zu Fuß zurücklegen konnte. Detective Diego Mendoza war nun schon seit einiger Zeit nicht mehr in Winchester gewesen, denn von Miami aus hatte er eine fast doppelt so lange Anreise als von New York aus gesehen. Da er nun vor einiger in die Stadt versetzt wurde, die niemals schlief, konnte er die geringere Entfernung auch direkt nutzen und seinem langjährigen Freund Nolan Turner einen Besuch abstatten. Mit einem Grinsen fügte er in Gedanken ‚Namensvetter‘ hinzu.

Und hier war er also – mitten im beschaulichen kleinen Winchester. Die Frauen, denen er auf seinem kurzen Fußmarsch begegnete, musterten ihn interessiert und er schenkte ihnen ein charmantes Lächeln. Ein Lächeln, für das er in Miami bekannt gewesen war. Unter vielen ledigen Frauen in seiner alten Heimatstadt war er als heißbegehrter Latino Cop mit knackigem Hintern, charmantem Lächeln und einem zum Niederknien durchtrainierten Körper bekannt. Andere schwärmten von seiner goldbraune Haut, seinen whiskeyfarbenen Augen und den dunkelbraunen, fast schwarzen Haaren welche sich im Einklang mit seinem akkurat gestutzten Bart befanden und wollten seine überaus sinnlichen Lippen erobern. Doch er war nicht erpicht darauf, sich von Frauen erobern zu lassen – oh nein – nicht mehr.

Doch das war eine Geschichte, die etwas umfangreicher war und mit der momentanen Situation rein gar nichts zu tun hatte. Immerhin war er hergekommen, um Nolan zu besuchen und vielleicht auch seine Madison kennenzulernen. Diego wusste, dass sein Freund in den vergangenen paar Jahren nur wenige One-Night-Stands und kurze, unbedeutende Affären hatte und seine letzte ernsthafte Beziehung mit Sicherheit auch schon mindesten drei Jahre her sein musste, wenn nicht sogar vier. Also musste diese Frau etwas Besonderes an sich haben. Und er, Diego, war neugierig auf dieses weibliche Wesen, welches den guten alten Turner an sich zu binden wusste.

Amüsiert über seine eigenen Gedanken spazierte er in die Straße, in der das Diner lag, als er auch schon wenige Meter vor dem angesteuerten Lokal stand und kurz innehielt, damit er seinen Blick wandern lassen konnte. Viel verändert hatte sich nicht, stellte er schmunzelnd fest. Dann ging er auf die Eingangstür zu und sah bereits von weitem, dass jemand aus dem hinteren Bereich auf ihn zustürzte, welcher in diesem Moment im Laufen über seine Schulter nach hinten sah und sich dann wieder zur Tür umdrehte.

In diesem Augenblick klickte es in seinem Kopf und er erkannte Gabe Morrison wieder, den er mittlerweile bereits auf unzähligen Bildern gesehen hatte. Was machte dieser narzisstische Psychopath in diesem Diner?

Geistesgegenwärtig rammte Diego dem heranstürmenden Morrison den Ellenbogen mit voller Wucht gegen die Kehle und schickte das Arschloch so rücklings zu Boden. Anschließend ging er in die Hocke, rollte den vollkommen überrumpelten Gegner in einer fließenden Bewegung auf den Bauch, drehte dessen Arme auf den Rücken und ließ die Handschellen schneller klicken, als Lucky Luke seine Waffen aus den Halftern zog.

„Verfluchte Scheiße, was bist du denn für ein verdammter Penner“, fluchte Morrison unter Anstrengung, denn Detective Mendoza kniete entspannt lächelnd auf dessen Rücken und versuchte einen Blick ins Innere des Diners zu werfen, konnte aber durch die sich spiegelnde Sonne aus dieser Position heraus nichts erkennen. „Geh runter, du Hurensohn.“

„Hey hey, keine Beleidigungen gegen meine Mutter“, tadelte Diego ihn nach einem Zungenschnalzen, „Gott habe sie selig.“, Rasch zog er sein Handy hervor und informierte die zuständige Dienststelle, damit man Gabe Morrison abholen und ins Kittchen bringen konnte.

„Mir ist scheißegal was du willst“, presste der unter ihm liegende zornig hervor und Diego verlagerte mit einem sanften „Na na na… wer wird denn so unentspannt sein?“ sein volles Gewicht auf das rechte Bein, mit welchem er zwischen Morrisons Schulterblättern kniete.

Ein gepeinigter Schrei entkam dem nervtötendem Narzissten und Diego lächelte träge, denn so schnell brachte ihn niemand aus der Ruhe. Sollte der Kerl unter ihm doch fluchen und wimmern wie er wollte – es störte ihn nicht, denn er wusste wie er solche Menschen zur Raison brachte. Und das sogar ganz und gar ohne Anstrengung seinerseits.

Er wählte Nolans Nummer an und wartete darauf, dass er den Anruf entgegennahm, was jedoch einen Moment länger dauerte als üblich.

„Turner“, erklang es gepresst am anderen Ende und Diego zog seine Augenbrauen zusammen.

„Ist bei euch da drin alles in Ordnung?“, erkundigte er sich umgehend und warf einen prüfenden Blick auf seine Armbanduhr. „In wenigen Minuten sollten meine Kollegen des Winchester VA Police Department eintreffen und den unter mir liegenden Gabe Morrison abführen.“

„Du hast ihn erwischt?“, kam es erstaunt von Nolan und Diego grinste.

„Er ist mit Anlauf in meinen Ellenbogen gelaufen und macht gerade Bekanntschaft mit meinem Knie zwischen seinen Schulterblättern. Gesprächig ist er ja, der Spinner, aber momentan hat er wohl wenig Lust sich mit mir zu unterhalten und schweigt sich lieber aus“, erwiderte er und wurde dann wieder ernst. „Wie geht es euch? Ist er euch zu nahe gekommen?“

„Madison… ich denke, sie hat einen Schock, denn sie spricht nicht mit mir“, antwortete Nolan ihm nach einigen Sekunden der Stille. „Ich weiß nicht, was dieser dreckige Bastard getan hat. Ob er ihr etwas getan hat. Wobei er halb auf ihrem Rücken gekniet hat und…“

Er beendete den Satz nicht und Diego fluchte innerlich, denn das bedeutete in der Regel nichts Gutes. Hoffentlich war vorher nichts weiter passiert und dieser Psychopath hatte sie nicht unsittlich berührt oder anderweitig verletzt. Wenn er etwas nicht leiden konnte, dann war es, wenn Frauen geschlagen oder missbraucht wurden. Nichts brachte ihn schneller von null auf hundert, wie ein solches Verhalten von Abschaum, wie Gabe Morrison es war.

Als er die sich nähernden Sirenen hörte, wandte er den Kopf, um zu sehen, aus welcher Richtung sich die Streife näherte. „Die Kollegen treffen gerade ein. Ich bin sofort bei euch“, informierte Diego Nolan und beendete das Gespräch, damit er aufstehen und Morrison an den Handschellen dabei auf die Beine ziehen konnte, der plötzlich vor Schmerzen jammerte. „Stell dich nicht so an, du Weichei. Bist du ein Mann oder eine Memme? Ist ja peinlich, gilipollas.“

„Detective Diego Mendoza?“, erkundigte sich einer der beiden Officer bei ihm und Diego nickte ihnen freundlich zu, ehe er bejahte und seine Dienstnummer des NYPD nannte. „Das ist Gabe Morrison? Was wird ihm zur Last gelegt?“

„Da ich nicht dabei war, kann ich es nicht mit Sicherheit sagen, doch Stalking, Belästigung und zumindest eine leichte bis mittelschwere Körperverletzung werden zur Debatte stehen. Im Diner befinden sich zwei Personen, welche direkt in das Geschehen involviert waren. Mindestens eine der Personen ist das Opfer.“

Er übergab dem zweiten Officer den Täter und schob dann seine Hände in die Taschen seiner passgenauen dunklen Jeans, während er zusah, wie Morrison abgeführt wurde. Am liebsten hätte er diesem elenden Mistkerl noch die Visage poliert, doch er hielt sich an die Dienstvorschriften, auch wenn er derzeit privat unterwegs war und sich nicht im Dienst befand. Immerhin hatte er einen Eid geleistet und teilte nur aus, wenn es unumgänglich war.

„Stehen Sie als Zeuge zur Verfügung, sollten wir noch Fragen an Sie haben?“, schloss der Officer die kurze Befragung ab und Diego nickte knapp. „Vielen Dank, Detective Mendoza.“

- - - - - - -


Gott sei Dank. Diego war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und konnte Morrison überwältigen und dingfest machen. Eine Sorge weniger für Madison, welche blass und teilnahmslos neben ihm saß und sich an ihre Tasse Tee klammerte, die mittlerweile schon soweit abgekühlt war, dass sie sich nicht mehr daran verletzte.

Die Tür des Diners öffnete sich und zwei Personen betraten es, was Madison zusammenzucken ließ, denn es handelte sich ausnahmslos um Männer. Als Nolan jedoch Diego Mendoza erkannte, schlich sich ein erleichtertes Lächeln auf seine Lippen. Mit seiner ruhigen und erdenden Art würde er ganz sicher einschreiten, sollten die Fragen seitens des Officers zu ruppig gestellt werden. Nolan selbst war in diesem Augenblick viel zu aufgewühlt, auch wenn er versuchte, dies nicht nach außen zu zeigen, damit er Madison nicht noch mehr verunsicherte, als sie es bereits durch Morrisons Auftauchen und seinen Übergriff auf sie war. Wieder stieg der unbändige Zorn in ihm hoch und drohte ihn zu verzehren. Wie konnte dieser Drecksack wagen sich an ihr zu vergreifen? Nolan war danach, Morrison so zu verprügeln, dass seine eigene Mutter ihn nicht mehr wiedererkannte und hätte es auch vorhin bereits getan, wenn Madison zum diesem nun vergangenen Zeitpunkt nicht noch in unmittelbarer Gefahr gewesen wäre.

Diego schob sich auf die Bank vor ihnen und nickte Nolan beruhigend zu, der tief durchatmete und seinen Arm unmerklich ein klein wenig fester um Madison legte, welche unsicher und fast schon ängstlich zuerst ihren Gegenüber ansah und dann den Blick zu dem Cop zucken ließ.

„Der gutaussehende Typ dir gegenüber ist Detective Diego Mendoza, der heiße Latino Cop, von dem ich dir erzählt habe“, raunte Nolan Madison gedämpft zu, sodass lediglich sie und Diego verstehen konnten was er sagte. „Er wollte mir einen Besuch abstatten und dich in einem Atemzug kennenlernen, Cinderella.“

Bei Nennung des Kosenamens reagierte Madison merklich und ein minimales Lächeln umzuckte ihre Mundwinkel, was Nolan innerlich erleichtert aufatmen ließ. Ihr Blick richtete sich erneut auf Diego, der nun ein äußerst charmantes und zeitgleich beruhigendes Lächeln zeigte und ihr seine rechte Hand, mit der Handinnenfläche nach oben, über den Tisch entgegen schob. Nach zwei Herzschlägen legte sie ihre Hand zögerlich in seine und er beugte sich über die Tischplatte, um einen angedeuteten Kuss auf ihre Fingerknöchel zu hauchen, ehe er ihre Hand losließ und seine zurückzog. Nolan verdrehte gespielt entnervt seine Augen und der Latino grinste erheitert.

Der Officer hielt sich die ganze Zeit über dezent im Hintergrund und machte bereits einige Notizen, vermutlich um die Örtlichkeit zu beschreiben und sah auf, als einer der Angestellten an den Tisch kam und sich erkundigte, ob man noch etwas bestellen wollte.

„Für mich bitte einen Kaffee, ohne Milch und Zucker“, entgegnete Diego mit einem Lächeln.

„Ich schließe mich dem an“, sagte Nolan und sah Madison fragend an, erntete ein leichtes Kopfschütteln und bedankte sich beim Kellner.

„Darf ich Ihnen einige Fragen stellen?“, klinkte sich nun der bisher so stille Officer einfühlsam ein und sah von Madison zu Nolan und wieder zurück. „Es wird auch nicht lang dauern.“

Um sie zu bestärken, legte Nolan seine Hand auf ihre und sie seufzte leise auf, ehe sie den Officer entschlossen ansah und sich kaum merklich an Nolan lehnte, der ihre Hand zärtlich drückte.

„Ja, sicher“, waren die ersten Worte die sie seit dem unseligen Zwischenfall sprach.

Der Officer Namens Ben Swanson nahm die Personalien von Madison auf und notierte diese ordnungsgemäß, bevor er ihr Fragen zum Tathergang stellte.

„Um wen handelt es sich bei Mr. Gabe Morrison? In welcher Beziehung stehen Sie zueinander?“

Mit einem kaum wahrnehmbaren Seufzen senkte sie ihren Blick auf die Tischplatte und biss sich kurz auf die Unterlippe; dachte über ihre Antwort nach.

„Mister… Morrison… ist mir eigentlich unter dem Namen Tucker Morris bekannt. Es handelt sich hierbei um meinen… meinen Ex-Freund. Allerdings habe ich ihn heute das erste Mal nach knapp fünf Jahren wiedergesehen und hatte in all dieser Zeit keinerlei Kontakt zu ihm.“
„Wussten Sie, dass er hier sein würde?“

Madison verneinte mit fester Stimme und Nolan streichelte mit seinem Daumen sanft über ihren Handrücken, versuchte seine mittlerweile wiedererlangte Ruhe auf sie zu übertragen und konzentrierte sich vollkommen auf sie.

„Hat Mr. Morrison Sie vor kurzem in diesem Lokal tätlich angegriffen?“, stellte der Officer die nächste Frage und sah sie aufmerksam an.

„Er… hat mir auf der Damentoilette im Vorraum aufgelauert und mich abgefangen, als ich aus einer der Kabinen kam“, begann sie zu erzählen und stockte an einigen Stellen. „Als ich mich geweigert habe dass er mich an sich zieht, hat er mit einer Hand meinen Hals umfasst und zugedrückt… nur kurz, um mir seine Überlegenheit zu demonstrieren und hat meinen… meinen Kopf seitlich gegen die Kabinenwand geschleudert. Ich wollte mich wehren und ihn treten, doch er hat seinen Körper gegen mich gepresst, sodass ich bewegungsunfähig war…“

Madison brach ab und schluckte angestrengt, versuchte sich zu sammeln. In Nolan brodelte es und er unterdrückte mit seiner geballten Willenskraft jegliche Gefühlsregung nach außen hin, damit sie es nicht bemerkte. Am liebsten würde er nun aufspringen, zum Streifenwagen stürmen und diesem widerlichen und gottlosen Bastard jeden verdammten Knochen einzeln brechen und seinen Schädel in zwei Hälften spalten. Doch er blieb ruhig und zwang sich, seine Finger mit denen von Madison zu verflechten, damit er nicht doch noch seine Gedanken in die Tat umsetzte und seine Fäuste sprechen ließ.

Sein Blick traf den von Diego und Nolan konnte erkennen, dass auch er sich mühsam beherrschen musste, wenngleich er vermutlich weniger wütend war, da er nicht der Freund von Madison war und einen ganz anderen Bezug zu ihr hatte. Außerdem kannte er sie bisher kaum.

„Hat Mr. Morrison etwas zu ihnen gesagt?“

„Ja… er hat gesagt, dass ich ihm gehöre und wenn ich nicht gehorche, würde er… er würde…“, beantwortete Madison die Frage von Officer Swanson und presste dann ihre Lippen zusammen, blinzelte einige Male und schüttelte dann ihren Kopf. „Er drohte, dass er meinem Freund ein Messer in den Körper rammen wolle, wenn ich nicht mit ihm gehen und mich ruhig verhalten würde.“

„Sie sind der betreffende Freund von Miss Gardner?“, erkundigte der Officer sich und sah Nolan fragend an, der zustimmend nickte.

„Nolan Diego Turner“, erwiderte er und gab anschließend seine Personalien an, welche zu Protokoll genommen wurden. „Ich bin dazugekommen, als Miss Gardner auch nach längerer Zeit nicht wieder hier am Tisch erschienen ist und habe gesehen, wie Mr. Morrison halb auf ihr kniete, während sie bäuchlings auf dem Boden lag. Als er ihr in die Haare greifen wollte, habe ich ihn überwältigt und ihm einen Schlag unter das Kinn verpasst, doch er konnte mich von sich stoßen und hat sich dann Miss Gardner erneut gegriffen, welche sich in diesem Augenblick aufgerichtet hatte. Ich war für einen Moment abgelenkt, weil ich mich besorgt zu ihr umgeschaut hatte und er somit im Vorteil mir gegenüber war.“

Officer Swanson notierte auch Nolans Aussage und sah ihn dann ernst an.

„Was geschah dann? Wie kam es zur Flucht aus dem Diner?“

„Miss Gardner stieß ihren Ellenbogen in den Magen des Angreifers, welcher danach die Flucht ergriff. Da ich mich vergewissern wollte, dass es ihr gut geht, habe ich ihn fliehen lassen und mich um meine Freundin gekümmert. Glücklicherweise war ich mit Detective Mendoza spontan verabredet, welcher sich in der Nähe von Winchester befand und mich kurz vor seinem Eintreffen anrief. Ohne sein schnelles Eingreifen wäre Mr. Morrison entkommen“, erläuterte Nolan und atmete dann tief durch.

„Vielen Dank für Ihre Aussagen, Miss Gardner und Mr. Turner“, wandte der Officer sich Madison und Nolan, bevor er sich auf Diego konzentrierte. „Ich nehme an, Sie statten uns einen Besuch ab und machen Ihre Aussage zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Revier?“

„Das ist korrekt“, erwiderte er mit einem leichten Lächeln.

Officer Swanson verabschiedete sich und verließ das Diner. Der bestellte Kaffee wurde gebracht und der Kellner entschuldigte sich dafür, dass er gewartet hatte, bis die Zeugenbefragung beendet war, denn er wollte nicht lauschen oder neugierig wirken.

„Ist schon in Ordnung, wir sind ja nicht verdurstet“, winkte Diego lässig ab und nahm einen vorsichtigen Schluck des schwarzen Golds, ehe er innerlich aufseufzte und sich zurücklehnte.

Der Kellner lächelte dankbar und begab sich wieder in seinen gewohnten Wirkungsbereich.

„Hat dieser Mistkerl dich verletzt?“, wagte Nolan nun noch einmal zu fragen und hob seine Hand an Madisons Wange, um zärtlich mit den Fingern über ihre weiche Haut zu streicheln.

„Nein, nicht wirklich. Mein Kopf schmerzt ein wenig und ich werde sicher einige blaue Flecken davontragen, doch ernsthaft verletzt hat er mich nicht“, versuchte sie ihn zu beruhigen, sah jedoch die Angst in ihren grauen Augen aufflackern, ehe sie es verhindern konnte.

Doch es war keine Angst um sich selbst, sondern um ihn. Sie hatte, verdammt noch mal, Angst um ihn gehabt und hatte sie noch immer. Dieser Bastard hatte ihr angedroht, ihn, Nolan, mit einem verfluchten Messer zu erstechen, wenn sie ihm nicht gehorchte und mit ihm ging. Wie konnte ein einzelner Mensch nur so verkorkst sein und so in die Psyche eines anderen Menschen eindringen wollen? Er würde es niemals verstehen.

„Ich bedaure die Umstände, unter denen wir uns kennenlernen, doch ich bin wirklich tief beeindruckt von deiner inneren Stärke, Madison“, hörte Nolan Diego in diesem Moment sagen und konnte erkennen, wie Verblüffung sich auf ihren schönen Gesichtszügen ausbreitete. „Nach all dem, was dir in der Vergangenheit widerfahren ist, hast du dennoch den Mut aufgebracht, dich gegen diesen Mistkerl zur Wehr zu setzen. Und ich möchte meinen, dass der ausschlaggebende Punkt nicht die Bedrohung dir gegenüber war.“

Verlegen sah sie auf ihre mit Nolans verbundene Hand und biss sich auf die Unterlippe, ehe sie ein Kopfschütteln andeutete, was auch die Vermutung von Nolan bestätigte, welche Diego jedoch laut ausgesprochen hatte.

„Ich wollte Nolan nicht in Gefahr bringen – Tucker ist unberechenbar. Hätte er ihn verletzt oder gar getötet… ich weiß nicht, was dann gewesen wäre“, gab sie zu, drehte ihren Oberkörper in Nolans Richtung, schlang ihre Arme um seine Mitte und verbarg ihr Gesicht an seiner Halsbeuge. „Ich ertrage den Gedanken nicht, dich zu verlieren, Nolan…“

Die letzten Worte waren so leise, dass er sie beinahe nicht verstanden hätte, doch sie drangen an seine Ohren, an sein Herz und ließen eine Welle der Liebe über ihn schwappen, die ihn fast laut nach Luft schnappen lassen wollte. Seine Cinderella hatte sich um ihn gesorgt – weniger um sich selbst. Und nun hielt er sie in seinen Armen und sie gestand ihm, dass sie es nicht ertragen würde, sollte sie ihn verlieren.

Niemals wäre er auf den Gedanken gekommen, dass sich eine Frau jemals Sorgen um ihn machen könnte, so wie Madison es gerade tat. Und dann traf es ihn plötzlich wie ein Blitz.

„Madison?“, raunte er mit sanfter Stimme an ihrem Ohr und sie hob ihren Kopf, um ihn fragend anzuschauen, während sie ihn weiterhin umarmt hielt.

„Ja?“

„Ich liebe dich, Cinderella. Du bist die eine, die eine, in die ich mich auf den ersten Blick verliebt habe“, gestand Nolan ihr und verhakte seinen Blick mit ihrem; sah wie ein Wechselbad der Gefühle in ihren Augen tanzte und schluckte nervös. „Und auch ich würde es nicht ertragen dich zu verlieren, denn ohne dich bin ich verloren.“

Tränen schimmerten in ihren Augen und er lehnte seine Stirn sanft an ihre, streichelte noch immer mit seinen Fingerspitzen über die weiche Haut ihrer Wange und konnte nicht fassen, dass er, ohne darüber auch nur eine einzige Sekunde nachzudenken, seine Gefühle endlich ausgesprochen hatte.

„Und ich liebe dich, …“, erwiderte sie mit zitternder Stimme, die ihren Gefühlen mehr Ausdruck verliehen, als Worte es jemals gekonnt hätten.

Nolan lehnte seinen Kopf wieder ein wenig nach hinten und grinste sie auffordernd an.

„Nun sag ihn schon, Cinderella“, neckte er sie und warf einen kurzen Seitenblick auf Diego, der sein Gesicht zwar abgewandt hatte und vorgab, die Einrichtung des Diners zu bewundern, jedoch mit absoluter Sicherheit seinen Hörsinn konzentriert auf ihre Unterhaltung gerichtet hatte. „Ich weiß, du willst mich so nennen.“

„Ich liebe dich ebenfalls, mein Radieschen“, brachte sie errötend hervor und biss sich dann leicht auf ihre Unterlippe, als Diego ihnen das Gesicht verblüfft zuwandte.

„Radieschen?“, presste er mit amüsierter Stimme hervor und Nolan konnte hören, dass er sich mit aller Macht ein Lachen verkniff, was ihm allerdings nicht so recht gelingen wollte. „Ernsthaft?“

„Scharf, lecker und verdammt gesund, Mendoza“, wies Nolan ihn auf die Tatsachen hin und nahm dann grinsend Madisons Gesicht zwischen seine Hände, um ihren Mund für einen innigen Kuss in Besitz zu nehmen. „Was auch auf meine Cinderella zutrifft.“

Der Detective schüttelte erheitert das Haupt und nippte an seinem Kaffee.

„Ein wirklich interessantes Paar gebt ihr ab“, kommentierte Diego vergnügt und stellte seine mittlerweile leere Tasse auf den Tisch. „Wenn meine zukünftige Freundin so nicht ist, dann will ich sie nicht haben.“

Und als Madison lachte, wusste Nolan, dass der Latino sich einen Platz in ihren Freundeskreis ergattert hatte und ihm vertraute. Ob Diego das wohl ahnte?

-

Und erneut durfte ich Detective Diego Mendoza von meiner liebsten Angy-Me ausleihen, der nun auch in Fleisch und Blut seinen Auftritt hatte. :D Er ist sexy, er ist heiß… er ist der Latino Cop, der die Höschen der Frauen feucht werden lässt. ;) Außer dem von Mads… die ist immun. Aber das brauche ich nun wirklich nicht extra erwähnen, oder? Haha

Appell: lest Detective Mendozas Story, er hat es sich sooo verdient. → Latin Vibes (Fiery Desire)

verwendete Wörter: rot sehen (abgewandelt), am Kragen packen

nicht verwendete Wörter: Terrassenüberdachung, Dachterrasse, Rapbattle, Leintuch, Stromausfall
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast