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Harry Potter und sein Kampf mit sich selbst

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Div
Bill Weasley Fleur Delacour Harry Potter Lucius Malfoy Viktor Krum
07.07.2022
06.08.2022
3
9.832
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06.08.2022 3.160
 
Das erste was Harry bei seiner Ankunft spürte, war der harte Steinboden der Familie Krum. Fluchend versuchte sich der Junge aufzurappeln, das würde blaue Flecken auf seinen Knien geben und so wie sich sein Handgelenk anfühlte wohl auch ein geprelltes Handgelenk. Zum Glück konnte er sein Gesicht noch in letzter Minute davon abhalten die Bekanntschaft mit dem Boden zu genießen. Er hasst einfach jegliche Reisearten seiner Welt - natürlich abgesehen vom Besenfliegen. Wobei er das Fliegen auf einem Teppich nicht beurteilen konnte, da die Einfuhr nach England schließlich verboten war.

Ein plötzlicher Knall reiste den schwarzhaarigen Jungen aus seinen Gedanken. Vor ihm stand, mit einem Dolch bewaffneter, Hauselfe. Harrys Augen weiteten sich leicht, war es das jetzt? Würde er durch die Hand eines Hauselfen sterben? Würde Voldemort darüber lachen, dass er der-Junge-der-Lebt durch einen Hauselfen getötet wurde? Welche Ironie des Schicksals das wäre. Voldemort drei Mal überlebt, einem Mutterdrachen gegenüber gestanden, einen Basilisken getötet - aber sterben würde er am Ende durch die Klinge eines einfachen gottverdammten Hauselfs.

Rationalität war etwas, wozu Harry in diesem Augenblick nicht mehr in der Lage war. Zu viel, war zu schnell in den letzten vierundzwanzig Stunden geschehen. Die ganzen letzten Wochen waren zu viel gewesen. Nein, wen belügt Harry, sein ganzes gottverdammtes Leben war zu viel gewesen. Der Zusammenbruch war lange überfällig. Wie sein Pate vor über dreizehnjahren begann der kleine Junge zu lachen. Lachen war einfacher als Weinen. Er hatte genug geweint. Er wollte nicht mehr weinen. Konnte nicht mehr weinen. Alle Tränen die er hatte, hatte er heute schon vergoßen.

Der Hauselfen versuchte ihn mehrmals anzusprechen um herauszufinden wer dieser Junge war, der plötzlich im Haus der Krums aufgetaucht war. Viktor hatte zwar seinen Vater informiert, da dieser ihm den Portschlüssel besorgen musste, doch noch nicht den Rest des Haushaltes. So stand der Hauselfen etwas verloren mit dem Dolch in seiner Hand vor einer hysterisch lachenden Person und war sich nicht sicher, was er nun tun sollte. Rjvat war auf viele Dinge vorbereitet, aber nicht auf diese Situation. Einbrecher, kein Problem, er hatte einen Dolch. Attentäter, kein Problem, er hatte einen Dolch. Gäste, angekündigt oder nicht, kein Problem, er würde sie in den Salon begleiten, solange er wusste, dass diese Bekannte der Familie waren. Aber einen lachenden Jungen?  

Zum Glück wurde Rjvat aus seiner Predulie gerettet als Viktor den Raum betrat. Mit schnellen Schritten trat der große und stämmige junge Mann zu seinem Besuch. „Harry, geht es dir gut?“ Doch der angesprochene reagierte nicht, er lachte einfach weiter. Grob packte Viktor den anderen Trimagischen Teilnehmer an den Schultern und schüttelte ihn. Doch er bekam keine Reaktion, egal wie oft er ihn ansprach. „Rjvat, hol bitte meine Mutter und sag ihr, sie soll einen Beruhigungstrank mitbringen. Ich warte so lange hier.“ Ein knall und der Hauself war verschwunden. Der braunhaarige Mann musste nicht lange warten, bis seine Mutter den Raum betrat. Welche die Situation mit einem Augenschlag erfasste und ihrem Sohn den Beruhigungstrank überreichte. Viktor hob die kleine Flasche an die Lippen von Harry und zwang ihn diesen zu trinken. Nach wenigen Minuten hörte der Junge auf zu lachen und fiel in die Arme von Krum.

„Hast du dich endlich beruhigt?“, erschöpft nickte der Angesprochene. „Gut, dann kommst du jetzt mit in den kleinen Salon.“ Ein Blick zu seiner Mutter sagte ihm, dass sie zwar nicht verstand was los war, aber ihrem Sohn in dieser Angelegenheit vertrauen würde. Wobei sie zweifellos eine Erklärung fordern wird.
„Rjvat, bring uns bitte drei Tassen Tee.“, bat die ältere Frau. Mit einem Knall verschwand der Hauselfen. Im kleinen Salon angekommen, setze Viktor den Jungen-der-Lebt auf einen Sessel ab und setzte sich neben diesen. Seine Mutter tat es ihm gleich. „Viktor, ich glaube du hast etwas zu erklären.“ „Mutter, darf ich dir Harry Potter vorstellen? Du trafst ihn in Hogwarts.“ „Natürlich weiß ich wer er ist, Viktor. Ich verstehe nur nicht warum er hier ist und die Umstände seines Verhaltens.“ „Ich vermute, dass er einen Nervenzusammenbruch hat?“, seine braunen Augen wanderten zu dem erschöpften Jungen. Angeschwollene und blutunterlaufende grüne Augen schauten ziellos in den Raum. Es wirkte nicht so als würde der Junge wirklich wissen, wo er war oder was er tat. Viktor bemerkte auch das leichte zittern seiner Hände. Vorsichtig kniete er sich vor den Jungen und griff nach seinen Händen. Vor Schreck zuckte der Junge zurück. Grüne Augen, die in Hogwarts immer aufmerksam und fröhlich aussahen, starten ihn nun leer an. Viktor war sich nicht sicher, ob der Ausdruck in den grünen Augen durch den Beruhigungstrank oder des seelischen Zustands kam. Höchstwahrscheinlich eine Mischung aus beidem. „Harry, was ist passiert?“ „Dementoren, i-ich wurde aus Hogwarts verwiesen. Mein Zauberstab.“ „Dementoren?“, zischte Irina Krum: „Rjvat, bring uns bitte eine heiße Schokolade.“ Wenige Sekunden später erschien das gewünschte Getränk auf dem Tisch, neben den drei Tassen Tee. Viktor hielt Harry die Tasse hin. „Trink, danach wird es dir besser gehen.“

„Wieso wurdest du den jetzt aus Hogwarts verwiesen?“, fragte der braunhaarige Mann. „Weil ich gezaubert habe.“ Verständnislos schaute Viktor erst zu Harry und dann zu seiner Mutter. Er verstand einfach nicht, wieso jemand seiner Schule verwiesen werden würde, wenn er das tut, was sie immer tun - zaubern. Nachdenklich nippte seine Mutter an ihrem Tee: „Die Engländer verbieten es ihren Töchtern und Söhnen ausserhalb der Schule zu zaubern. Jede Anwendung eines Zaubers in den Schulferien wird sanktioniert. Wahrscheinlich wurde Mister Potter deswegen aus Hogwarts geworfen.“ Viktors Daumen fuhr Harrys Handrücken aus und ab, hoffentlich würde das den Jungen vor ihm etwas beruhigen. Doch Harry reagierte nicht, sein Blick war stur auf seinen Schoß gerichtet. „Es ist spät Viktor. Rjvat wird das Zimmer neben Konstantin vorbereiten. Morgen müssen wir alles weitere besprechen.“ Unsichtbar hörte der kleine Hauselfen den Befehl seiner Herrin und machte sich zusammen mit dem Gepäck des Jungens, welches er schnell in der Eingangshalle einsammelte, auf den Weg.

—*—

Der nächste Morgen. Harry wachte in einen sehr großen und dem wichtigsten, sehr weichen Bett auf. Selbst Hogwarts erreicht diesen Weichheitsgrad nicht in seinen Matratzen.

Hogwarts. Dementoren. Viktor. Fuck. Er war so am Arsch.

Hektisch versuchte Harry aufzustehen, doch da hatte er die Rechnung nicht mit seiner Bettdecke gemacht. Diese fand es gar nicht amüsant, dass sie so plötzlich aus dem Schlaf gerissen wurde und verhedderte sich darum um den Jungen. Doch die Geschichte dieser Bettdecke ist eine andere und wird in einer anderen Geschichte erzählt.

„Meister Harry Potter wird zum Frühstück erwartet. Rjvat soll Meister Harry Potter in den Salon bringen. Meister Harry Potter muss sich anziehen!“, erschrocken blickte der Angesprochene zu dem kleinen Hauselfen. Wie kam dieser plötzlich hier rein? Und das wichtigste, er würde Mad-Eye Moody niemals wieder in die Augen sehen können.

Mit blutunterlaufenden Augen scannte der Junge-der-lebt den Raum, dieser war einfach eingerichtet, mit einem viel zu großem Bett, einem Kleiderschrank sowie einem Schreibtisch mit einem Stuhl. Der Boden wurde mit einem schönen Teppich in braun, welches weder zu hell noch zu dunkel war bedeckt. Die Wände waren in einem sanften apricot gestrichen. Doch das beste an diesem Zimmer war die Aussicht, es gab ein zentrales und großes Fenster von dem man in die weite Landschaft blicken konnte. Anscheinend wohnte Viktor mit seiner Familie an einem See, der an einen alten dunklen Wald grenzte.

„Meister Harry muss sich ankleiden. Das Frühstück wartet!“ Ja Moody wäre wirklich enttäuscht. Seufzend wand sich Harry an den Kleiderschrank, er vermutete, dass der Hauselfen dort seine Kleidung eingeräumt hatte. Er hatte recht. Mit einem weiteren Seufzer griff sich Harry wahllos seine Kleider, er hätte sich wirklich in der Winkelgasse neue Kleider kaufen können. Nun war es zu spät. Es ist ja nicht so als wäre er die alte Kleidung von Dudley nicht gewöhnt. Doch etwas Scham fühlte er trotzdem in diesem Moment. Wie konnte er es auch nicht fühlen, zwar war der Raum bzw. Sein Zimmer nur spartanisch eingerichtet, nichtsdestotrotz hatten die Möbel, Harrys bescheidener Meinung nach eine höhere Qualität als er sie sonst kannte. Das was der Grund warum sich der schwarzhaarige Jungen unwohl fühlte, wie er sich auch immer in der Gegenwart von Draco fühlte. Die Krums schienen ebenfalls sehr wohlhabend zu sein, wie die Malfoy.
Hoffentlich tragen sie ihren Reichtum nicht so offensichtlich und arrogant wie diese Puristen zur Schau. Wobei er konnte es sich nicht vorstellen, so wirkte Viktor nicht auf ihn. Aber - hier war es wieder er kannte Viktor gar nicht. Hatte nur ein mal wirklich mit ihm gesprochen. Wen belügt er hier eigentlich? Viktor hatte ihm eine Predigt gehalten, Gespräch konnte man das wirklich nicht nennen! Und jetzt, jetzt war er allen Anschein nach in einem fremden Land, das er nicht kannte, bei einem Menschen den er nicht kannte. Hallo, mein Name ist Potter und Impulsivität ist mein zweiter Vorname, freut mich sie kennen zu lernen. Hermine wird ihm sowas von eine Predigt über verantwortungsvolles verhalten halten. Ron ja Ron würde einfach nur lachen und ihn abklatschen. Schließlich war Ron der Junge, der in Alter von zwölf, die grandiose Idee hatte mit einem fliegendem Auto nach Hogwarts zu reisen, statt einmal eine Minute nach zu decken um vielleicht eine Eule oder so zu schreiben. Kein Wunder das Snape ihn für unfähig hielt. Er war es.

Doch jetzt spielte all das keine Rolle, das Kind war wieder einmal in den Brunnen gefallen. Harry musste sich nun mit den Folgen seiner impulsiven Handlung auseinandersetzen. Nachdem er den Krums sein Auftreten des letzten Tages erklärt hatte. Verzweifelt fuhren zittrige Hände durch das zerzauste rabenschwarze Haar. Ein letzter Blick aus dem Fenster verbunden mit dem verlangen einfach zu laufen. Zu laufen und niemals wieder zurück zu schauen um einfach nur Harry sein zu können.

„Also Rjvat, wo finde ich den denn kleinen Salon?“ Er spürte den leicht geringschätzigen Blick des Hauselfen auf seine Garderobe, ignorierte jedoch den kleinen Stich der Scham. „Folgen sie mir bitte Mister Potter.“, mit diesen Worten begann Rjvat vorzugehen. Harry hatte keinen Blick für seine Umgebung. Nahm die marienenfarbenden Läufer nicht war, obwohl sein Kopf nach unten gerichtet war. Sah nicht die vielen Familienporträts die zum Teil aus Muggelgemälden bestanden oder gar die weiten Fenster, die den Wald in all seiner blühte zeigten. Harry war gefangen in seinen eigenen Gedanken, seiner eigenen Scham, Verzweiflung.

-*-

„Guten Morgen Mister Potter, bitte setzen sie sich doch. Möchten Sie lieber Tee oder Kaffee?“ Grüne Augen blickten auf, er hatte gar nicht bemerkt, dass er im kleinen Salon angekommen war. „Vielen Dank, ihnen auch einen guten Morgen. Ich würde gerne einen Kaffee nehmen.“ Die braunhaarige Frau vor ihm, die allen Anschein nach die Mutter von Viktor sein musste, winkte mit ihrer Hand Richtung Tisch. Der Junge beeilte sich schnell der stillen Aufforderung sich zu setzen nachzukommen. Wieso war Viktor nicht hier? Schmale, aber dicke Finger fummelten nervös an dem alten T-Shirt von Dudley. Seit drei Jahren besaß er nun dieses T-Shirt und es passte ihm immer noch nicht. Abgesehen natürlich davon, dass es alt und beinahe unbrauchbar war. Doch das störendste war wirklich, dass das Shirt ihm nach drei Jahren immer noch nicht passte. Dabei wuchs sein Cousin im alter von acht Jahren aus diesem. Harry konnte das aber leider nicht ändern. Seine Tante sorgte zwar immer dafür, dass er nicht verhungern würde und das er einigermaßen genug zu Essen bekam. Doch eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung sah anders aus. Sein Körper bekam in den wichtigen Kindheitsjahren nicht alle Nährstoffe die er benötigte. Er würde wohl immer kleiner und schmaler bleiben als die anderen Jungs in seinem Jahrgang.


„Mister Potter, wie geht es ihnen heute?“ „Danke der Nachfrage Frau Krum, mir geht es gut. Ich hoffe ihnen auch?“ Krums Mutter ignorierte seine Frage: „Mister Potter, ich hoffe sie sind sich bewusst, dass ihr Aufenthalt hier meiner Familie Schwierigkeiten bereiten kann? Soviel wie ich gestern aus ihrem - Zustand - herauslesen konnte, haben sie gegen die Gesetze ihres Landes verstoßen und wurden aus Hogwarts verwiesen. Wie mein Mann mir gestern mitteilte bedeutet dies, dass ihr Zauberstab zerbrochen wird. Stimmen meine Informationen?“ Der Junge schluckte, ja es stimmte, was die ältere Dame vor ihm sagte. Was Krums Mutter sagte. Er blickte in braune Augen, die ihn spekulativ musterten. Unwohl fuhr sich Harry durch seine schwarzen Haare. Es schien als würde er bewertet, nur Snape schaute ihn sonst so an. „Ja, Mam.“ Höflich bleiben, durchhalten bis Viktor kam, der ihm hoffentlich helfen könnte einen Plan zu erstellen, wie es weitergehen sollte. Also das heißt, wenn Viktor ihm helfen wollte. Hier ging es schließlich nicht mehr darum nur über sein Leben zu sprechen oder herauszufinden, was seine Wahrheit war. Nein, nun ging es darum wortwörtlich seinen Arsch zu retten. Harry Potter, der Junge-der-alles-ruiniert.

„Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie sich aktuell fühlen. Es tut mir auch wirklich leid für sie. Doch ihre Anwesenheit hier bringt meine Familie in Gefahr. Sie werden noch heute das Anwesen verlassen. Zudem wäre es am besten, wenn sie keinen weiteren Kontakt mit meinem Sohn pflegen würden. Es ist nichts persönliches Mister Potter, doch ich muss an meine Familie denken. Ich wünsche ihnen viel Glück.“, mit diesen Worten stand Krums Mutter um und verließ mit den Worten: „Viktor du kannst nun hereinkommen.“, den kleinen Salon.

-*-

Als Viktor den kleinen Salon betrat wusste er, dass er einen verzweifelten kleinen Jungen vorfinden würde. Der braunhaarige wusste ganz genau, was seine Mutter zu dem aktuellen Flüchtling sagen würde. Er mochte es nicht, vertrat auch eine andere Meinung als sie, doch er konnte sie auch verstehen. Sie hatte zu viele geliebte Menschen verloren. Grindelwald und auch Voldemort hatten ihre Familie beinahe ausgelöscht. Nur noch der Vater seiner Mutter lebte. Der Rest starb in beiden Kriegen und nun würde ein neuer Krieg ausbrechen. Auch wenn die Engländer Harry nicht glaubten, dass der dunkle Lord auferstanden war, der Rest der Welt tat dies. Wahrscheinlich lag es aber daran, dass die Engländer sehr selten in den Krieg Grindelwalds hineingezogen wurden und somit kaum an die vorherige Schreckensherrschaft dachten. Das Festland hatte versucht aus Grindelwald gelernt und auch dem Wissen, das Magie alles möglich machen konnte. Voldemort hatte immer ein großes persönliches Ziel - Unsterblichkeit. Daher lag es Nahe, das er wieder auferstehen würde. Dazu kam noch - zurück zu den wichtigen Dingen, der Junge vor ihm.

„Harry, es - es tut mir Leid für die Worte meiner Mutter.“ „Es ist in Ordnung Viktor, ich meine ich bin Harry Potter, die Menschen um mich herum … sie leben nicht sehr sicher.“ Eine große, schwielige Hand griff nach Harrys. Der Durmstangstudent schwieg und bot nur einen festen Händedruck an. Jedoch verschwand dann der weiche und verständnisvolle Ausdruck in seinen Augen und sie wurden hart: „Doch die Worte meiner Mutter waren notwendig. Eß, wir können danach reden.“ Das taten sie.

-*-

„Was soll ich jetzt nur machen Viktor?“ Braune Augen schauten Harry an, Harry schaute zurück. Viktors rechtes Auge war größer als das Linke. Normalerweise würde es niemanden auffallen, nur wenn man genau darauf achten würde. Doch Harry schaute genau hin, auf der Suche nach, nach irgendetwas.

„Harry. Es ist dein Leben. Es sind deine Entscheidungen. Ich kann sie dir nicht abnehmen. Ich will sie dir nicht abnehmen.“ „Aber -“ „Nein Harry! Kein aber! Ich hab es dir damals in Hogwarts gesagt, dass du aufhören sollst dich selbst zu bemitleiden. Das du Handeln sollst. Das du aufhören sollst schwach zu sein. Und was tust du? Schau dich doch an.“

Harry erstarrte. Eins war klar, aus Viktor wurde er nicht schlau. Der junge Mann erschien ihm Bipolar, nicht im Sinne der bekannten psychischen Erkrankung, sondern eher, als würde er aus zwei verschiedenen Charakteren bestehen. Einer netten und einer unfreundlichen Seite. Ying und Yang. „Wieso sagst du sowas?“

„Weil es notwendig ist. Schau dich an Harry, schau dich doch wirklich in deiner gesamten Klarheit einmal selbst an. Du befindest dich im Krieg gegen den dunklen Lord und was machst du? Bekommst eine Panikattacke, fliegst aus Hogwarts und fliehst noch aus deinem eigenen Land zu einem völlig Fremden. Ich meine, was geht bitte in deinem Kopf vor? Wie tief kann sich ein Mensch selbst in die scheiße reiten? Hast du dir meine Worte überhaupt zur Brust genommen?“

„Ich - Viktor ich - “      

„Nein. Hör auf dich selbst zu belügen. Du willst einfach nur keine Verantwortung für dein vergangenes, zukünftiges und aktuelles Handeln übernehmen. Darum wirst du auch verlieren. Darum werden alle um dich herum sterben, bis du stirbst.“

„Halt dein Maul, halt verdammt noch mal dein Maul Viktor! Du hast doch gar keine Ahnung! Ich -“

„Siehst du, ich ich ich. Was ist mit Hermine? Deinem rothaarigen Freund Reg oder Cedric? Sie würden für dich sterben! Cedric ist wegen dir gestorben. Akzeptiere das. Hör auf zu jammern und änder dich“

„Du bist ein Arschloch. Ich weiß überhaupt nicht warum ich zu dir gekommen bin! Fick dich einfach!“

Damit drehte Harry sich um, leise Tränen rannten über seine Wangen. Das zweite Mal innerhalb vierundzwanzig Stunden floh er.

„Ja, die Wahrheit tut weh Harry. Darum warst du hier und darum haust du jetzt ab.“

Krum folgte dem anderen Jungen nicht. Hielt ihn auch nicht auf. Harry musste lernen, was es bedeutet, sich seinen Problemen zu stellen. Den harten Weg und nicht den einfachen zugehen. Schließlich hatte der Junge-der-Lebt eine Aufgabe zu erfüllen. Doch vorher muss er durch den Schmerz gehen. Abstumpfen, gewinnen und danach war die Zeit zu trauern. Davon war zumindest Viktor Krum überzeugt.

-*-

Mine,

Ich hab scheiße gebaut. Große scheiße. Ich weiß nicht was ich tun soll. Wie es jetzt weitergehen soll. Ich …

Ich. Ich. Ich.

Hermine würde für mich sterben. Hermine würde wegen mir sterben. Cedric starb für mich.

Harry zerrissen den angefangenen Brief an seine beste Freundin. Was hatte Cassius nochmal geschrieben? Zittrige Hände fummelten in seinen Taschen bis er den gesuchten Brief fand.

„Das tut mir leid und auch wieder nicht. Denn, wenn du Antworten suchst. Wenn du nach der einen Wahrheit suchst. Kannst du lange suchen. Die gibt es nämlich nicht. Du kannst nur für dich ganz alleine nach einer Antwort suchen. Du musst dir alleine deine Wahrheit geben. Gleichzeitig musst du aber auch offen für die Wahrheiten von anderen Menschen bleiben. Dann musst du dir die Fähigkeit aneignen, als erstes den Menschen vor dir und seine Meinungen zu akzeptieren.“

Krum mag recht haben, jedenfalls glaubte dieser dies. Es war seine Wahrheit. Was war Harrys? Er wusste es nicht, noch nicht. Doch eins war für den kleinen Jungen in den viel zu großen Klamotten seines Cousins klar, er würde Antworten finden. Wege um die zu beschützen die er liebte. Nachdem er seine aktuelle Situation gelöst hatte. Eine bleibe zu finden.

Ruhige Hände zogen eine Schachtel Zigaretten und ein Feuerzeug aus der Tasche.

„Ja.“, dachte Harry: „Eins nach dem anderen.“                            





Anmerkungen

1.) Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen und ihr findet den psychischen Gesundheitszustand von Harry plausibel.
2.) Viktors „Gegensätzlichkeit“ wird noch Thema werden.
3.) Ich habe niemanden der Korrektur ließt.
4.) Wie immer freue ich mich auf Rückmeldungen, gnadenlose Kritik und göttliches Lob. <3
 
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