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Kurztrip ins Chaos, darf es auch etwas mehr sein?

von MarieSol
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Riku Rajamaa
04.07.2022
26.09.2022
37
52.778
9
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Dieses Kapitel
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23.09.2022 1.330
 
„Du hast gestern die Jungs mit deinem Eiswagen ganz schön aus dem Konzept gebracht und sie haben es erst erkannt als wir uns verabschiedet haben…“ bemerkte Riku als er auf Britts Schulterblatt mit der Fingerspitze kleine und große Herzen zeichnete. „Stimmt, ich hab sie um einen mehr als anständigen Rausch gebracht. Aber als ich die ganzen hochprozentigen Flaschen gesehen hab, als wir ankamen, da wusste ich, das würde ich nicht überleben.“ küsste sie kurz sein leicht stoppeliges Kinn „Und da fiel mir der Stand mit dem Bauernhofeis ein Stückchen die Straße runter wieder ein. Es hat zwar etwas Überredungskunst gekostet, ihn davon zu überzeugen, sich da abends auf den Parkplatz zu stellen, aber es hat sich für ihn durch die ganzen anderen Gäste und Konzertbesucher, die auch noch kurz bei ihm Halt gemacht hatten ja wirklich gelohnt.“  Riku genoss es in vollen Zügen langsam mit ihr wachzuwerden, und ohne den vorherzusehenden Kater, den sie beide zweifelsohne ohne Britts intervenieren gehabt hätten, war das auch eine wirklich ganz feine Sache: sie lag splitterfasernackt eng an seiner Seite und er konnte jeden ihrer Atemzüge auf seiner Haut spüren, ihr Duft umhüllte ihn warm und seidig und mit jeder kleinen Bewegung schwappte eine neue Welle Mangogelüste auf ihn über. Seine Arme schlossen sich fester um sie, damit er sie auf seine Brust dirigieren konnte, er musste sie jetzt einfach vollkommen spüren „Das Eis war ja wirklich verdammt lecker, so cremig und fruchtig, nur schade, dass es kein Mangoeis gab…“. Das wiederrum entlockte Britt ein vergnügtes Auflachen „Was daran liegen könnte, dass es Bauernhofeis war, Riku. Ich wüsste nicht, dass seit Neustem auf deutschen Äckern Mangos reifen. Die Erdbeeren und Himbeeren waren aus eigenem Anbau und die Nüsse wohl auch. Mangos und freilaufende Löwen gehören hier nicht zur heimischen Spezies…“ „Touché!“ fuhr sich Riku mit der Hand übers Gesicht „Ich kann nicht denken, wenn du so auf mir liegst!“ und gleichdrauf hatte er alle Hände voll zu tun, sie festzuhalten und ihre Flucht zu vereiteln. Da halfen auch ihre Kitzelversuche nichts, trotz allem Kichern und Zucken, sie war fest auf Rikus Brust „Hej und außerdem, was soll denn das heißen ‚freilaufende Löwen‘? Willst du mir eine Leine anlegen?“ japste er nach Luft. „Hab ich doch schon längst…“ verließ es Britts Lippen ohne nachzudenken und zauberte ihr wunderbar rote Wangen, als ihr bewusst wurde, was sie da eben gesagt hatte. „Sooooo, hast du das?“ schmunzelte Riku und nützte ihr Unbehagen noch etwas mit einer künstlichen Pause aus „Na, wenn sich das so anfühlt, kannst du gerne weitermachen, da hab ich nichts dagegen…“ küsste er ihre Lippen innig.

„Ist dir das jetzt etwa peinlich?“ wollte Riku wissen, worauf Britt die Nase krauszog und beschämt nickte. „Muss es nicht, ist ja schon irgendwie wahr…“ er konnte förmlich sehen, wie sich ihre Augen ungläubig weiteten „Du hattest mich schon in der Bar, allerdings musste ich dich da erst noch mit harter Arbeit davon überzeugen, dass du mich willst…“ schmunzelte er als er daran dachte, welch ein steiniger Weg das war „oder vielmehr, dass du zulässt mich zu wollen… Naja, und wenn wir ernsthaft darüber nachdenken, ein gemeinsames Leben aufzubauen, dann geht das ja schon in diese Richtung, auch wenn ich es nicht als Leine bezeichnet hätte.“ Das Kribbeln von gestern auf der Autobahn war schlagartig wieder da, nein, das stimmt so nicht, das Kribbeln war die Basis dessen, was nun seinen Körper beherrschte. Die Endorphine wirbelten durch seine Blutbahnen, sein Herz schien einen neuen Rhythmus zu suchen, um Herr der Lage werden zu können und doch war es machtlos gegen all die Liebe und die Wärme, die auf ihn einströmten. Nicht nur Rikus Körper war davon gefangen, auch Britt fühlte wie ihre Schmetterlingsbande im Geschwindigkeitsrausch neue Rekorde aufstellte und alle sorgsam gehüteten Gefühle aufbranden ließen und bis kurz vor dem Überschwappen auftürmte. Sie hätte heulen können vor Glück und doch war das nicht möglich, da eine innere Hitze alle Tränen bereits verdampfen lassen hat. Sie spürte, wie jede Faser Rikus auf ihrer Haut bis in ihr Innerstes echote, ihr Löwinnenherz war geweckt. „Schlaf mit mir!“ es war keine sanfte Bitte, die sie da dicht an Rikus Lippen raunte, es war ein pures und heftiges Verlangen.

Auch wenn Riku zuerst schlucken musste, er wusste woher der Wunsch rührte, kannte die Quelle genaustens. Nur hatte er nicht erwartete, ihn überhaupt aus Britts Kehle zu hören und diese Überraschung stachelte ihn gleich doppelt an. Er presste sie auf sich und drehte sich ruckartig mit ihr in diesem großen weichen Hotelbett um. Die Oberhand hatte er sowieso gern und jetzt, jetzt kam nichts anderes in Frage. Während die Küsse hungriger wurden, die Hände beim Streicheln auch fester zu griffen und ein sanfter, neckischer Biss an den richtigen Stellen auch als Zärtlichkeit galt, mussten sich beide immer wieder daran erinnern, in einem Hotel zu sein, mit Nachbarn nur eine dünne Wand entfernt! Bei all ihrem Zauber, der durch ein lockendes Becken, das ihm entgegenkam, durch ein verführerisch klingendes Aufseufzen nah an seinen Ohren und Lippen, die genussvoll an seiner Haut saugten, nun in unermessliche Höhen getrieben wurde, bei all dem, war es fast zu viel ihre Fingerspitzen auf seinem Bauch zu spüren, die eine deutlich südliche Richtung eingeschlagen hatten.
   
Er konnte nicht anders, Riku griff nach ihren Händen und führte sie nach oben an die Metallstangen des Kopfteils „Halt dich fest…“ raunte er heißer „könnte stürmisch werden!“ und kontrollierte, ob sich ihre Finger auch wirklich um die Stäbe schlossen. Den Platz zwischen ihren Beinen musste er sich nicht erkämpfen, den gewährte sie ihm in dem sie ihre Beine um seine Hüften schlang. Britts leises aber intensives „Bitte!“ drückte alle drängenden Empfindungen mit einem einzigen Wort aus und katapultierten Riku damit an den Rand dessen, was er noch aushalten konnte.

Während die beiden sich der Erfüllung ihrer eigenen dringlichsten Bedürfnisse widmeten, schlich sich eine schwarzvermummte Gestalt über Britts Terrasse. Immer wieder ein Blick über die Schulter, dass auch niemand dieser Person gefolgt war oder sie beobachten würde. Heute stand hier nicht der übliche Wäscheständer auf der Terrasse, auf dem Britt die Wäsche der letzten Woche trocknen ließ. Verwunderlich, denn das tat sie immer. Auch war die Terrassentür geschlossen und manche Rollläden waren heruntergelassen. So war diesem Vermummten der Blick in bestimmte Räume verwehrt: das Schlafzimmer an erster Stelle! Was ging dort jetzt vor sich? Würde sie wieder mit diesem Mann rummachen? Würde der wieder Dinge mit ihr tun, die sie in Ektase versetzten, so wie er selbst sie nie zuvor gesehen hatte? Das Badezimmer hatte ein Milchglasfenster, da erkannte er auch ohne geschlossenen Rollladen nichts, nicht mal schemenhaft. Und die restlichen Räume, an denen er geduckt vorbeischlich und hineinsah, waren uninteressant. Es tat sich nichts in der Wohnung, war sie überhaupt da? Oder lag sie tatsächlich noch mit diesem Kerl in den Federn und trieb dort sonst was?

Langsam und mit wachem Rundumblick zog sich diese Gestalt in Richtung des Gartenschuppens zurück, niemand schien von ihm Notiz genommen zu haben. Der Stein in seiner schwarz behandschuhten kräftigen Hand hatte eine angenehme Größe und auch ein gutes Gewicht, er stammte aus der Einfassung unter Britts Schlafzimmerfenster. Wenn er dort nachher wieder landen würde, würde das niemandem auffallen. „Wollen wir doch mal sehen, wen wir hier aufschrecken und zum Ausfliegen bringen…“ murmelte die Person durch zusammengebissene Zähne. Ein zielsicherer Wurf ließ den Stein gegen den geschlossenen Rollladen scheppern, nicht so stark, dass ein Schaden entstanden wäre, nur so, dass es ordentlich Lärm verursachte. Die Gestalt schob sich im Schutz des Schuppens außer Sichtweite und wartete. Nichts tat sich, rein gar nichts! Kein hektisches Rollladenöffnen und angsterfülltes Nachsehen, keine Reaktion in der entsprechenden Wohnung. Am Balkon darüber ging allerdings die Tür auf und ein Mann sah sich neugierig um, fand jedoch keinen Anhaltspunkt für den Krach an einem Sonntag. „Verdammter Jäger!“ brummte eine dunkle Stimme leise. Unzufrieden schälte sich die Gestalt aus ihren schwarzen Klamotten und deponierte die im Schuppen um sie ein andermal unauffällig abzuholen und zog sich unverrichteter Dinge zurück.
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