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Kurztrip ins Chaos, darf es auch etwas mehr sein?

von MarieSol
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Riku Rajamaa
04.07.2022
12.10.2022
43
60.403
13
Alle Kapitel
76 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
04.07.2022 2.198
 
Ihr Lieben,

da bin ich wieder… und werfe euch gleich mittenrein in Britts Urlaubschaos! Viel Spaß!





„Verdammt auch das noch! Reicht es nicht, dass mein Tag im Arsch ist, muss ich jetzt auch noch den von anderen ruinieren?!“ am liebsten wäre Britt jetzt unsichtbar und würde sich wieder leise und vor allem unbemerkt durch die schwere hölzerne Tür hinausstehlen. Doch der Wunsch sollte einer ohne Erfüllung bleiben. Die beiden Musiker auf der kleinen Bühne dieses von außen so einladend wirkenden Irish-Pubs hatten sie bemerkt, doch verzogen keine Miene. ‚Man bin ich froh, dass die beiden einfach höflich sind, andere wären jetzt sicher aus der Haut gefahren!‘ durchzuckte es Britt gleich wieder, ihr schlechtes Gewissen biss sie förmlich in den Hintern und schubste sie weiter in den Raum hinein. Da sie ihr karamellblondes langes Haar erst vor dem Urlaub in Form schneiden hat lassen, konnte sie sich jetzt nicht mal hinter ihrer Mähne verstecken ‚Wie unangenehm!‘ versuchte sie sich kleinmachend und möglichst ohne weiteres Aufsehen zur Bar zu kommen.

Dass die Frau mit dem Rucksack über der Schulter, der so gar nicht zum sportlich-eleganten Rest passen wollte, hier im Molly’s gelandet war, war purer Zufall – und das kein glücklicher! Der Tag hatte so bescheiden begonnen, wie er wohl jetzt, wenn sie hochkant aus dieser Bar fliegen würde, enden würde.

Mit einer wahnsinnigen Vorfreude im Bauch war sie heute Morgen zum Bahnhof gekommen, ihr erster kurzer Urlaub seit Jahren sollte beginnen. Blöd nur, dass sie noch keine fünf Minuten am Gleis war und dann die Anzeigetafel verkündete, dass ihr Zug-zum-Flug gestrichen wurde. Der Schienenersatzverkehr kam satte zwei Stunden zu spät am Flughafen an, doch Britt war nicht bereit kampflos aufzugeben und ihrem heißersehnten Urlaub hinterherzuwinken. Sie hatte noch im Bus herausgefunden, dass ihr Flug ebenfalls verspätet abheben sollte, also rannte sie so schnell es mit Rucksack und Koffer eben möglich war zu ihrem Gate und erwischte mit einem abgehetzten „Halt! Warten Sie auf mich!“ gerade noch so den Abfertigungsschalter. Schwer nach Atem ringend und klatschnass geschwitzt durfte sie freundlicherweise noch einsteigen, ihr Koffer sollte gleich versorgt werden, sie musste sich nur noch um ihren Rucksack kümmern. So erleichtert und erschöpft, wie sie sich in ihren Sitz fallen ließ, so frustriert saß sie dann auch dort noch weitere 90 Minuten auf dem Rollfeld, bis die Maschine endlich starten durfte – mit einer riesengroßen Verspätung und einigen Ehrenrunden über Helsinki landete sie schließlich am späten Nachmittag in Vaanta. Nur leider war sie scheinbar alleine angekommen, ihr Koffer lief nicht mit den anderen Gepäckstücken vom Band. ‚Kann es eigentlich noch schlimmer werden???‘ fragte sie sich insgeheim, atmete tief durch und beantwortete sich ihre Frage auch gleich selbst ‚NEIN! So viel, wie bis jetzt schieflief, kann nicht noch mehr daneben gehen! Ab jetzt muss das einfach ein Traumurlaub werden!‘ Doch weit gefehlt, wenn der Wurm einmal drin war…

Nachdem die Vermisstenanzeige aufgegeben war, fuhr ihr die Bahn, die sie ins Zentrum bringen sollte, vor der Nase weg. „Okay, dann eben ein Taxi zum Hotel, ich verplempere nicht noch mehr wertvolle Zeit!“ sprach Britt mit sich selbst und verdrehte beim Gedanken an die horrenden Kosten die müden blauen Augen. Aber anstatt, dass jetzt ein entspannter Urlaub beginnen konnte, zog das Unheil weitere Kreise: Es war zu einer Doppelbuchung gekommen und das Zimmer – ihr Zimmer - bereits von anderen Gästen bezogen. Doch wenn sie auf Hilfsbereitschaft seitens des Hotels gehofft hatte, wurde sie ein weiteres Mal enttäuscht. Die Damen und Herren hinter dem Tresen war nicht mal bereit ihr etwas anderes zu empfehlen, oder ein Branchenbuch zu überlassen, damit sie selbst aktiv werden konnte – Service war definitiv anders!

Das war der Punkt, an dem Britt beschlossen hatte sich einen, vielleicht auch zwei Drinks in einer netten Kneipe zu gönnen und sich dort Gedanken um eine günstige Übernachtungsmöglichkeit zu machen, schließlich war das Hotel bereits im Voraus bezahlt. Das Molly’s zu ihrer Linken schien geradezu perfekt, es leuchtet warm und einladend und die Musik, die nach außen drang sprach sie auch an: also nichts wie rein. Und da nahm nun das nächste Malheur seinen Lauf…

Riku und Patrik spielten sich auf der kleinen Bühne die Seele aus dem Leib und genossen das pulsierende Leben um sie herum. Beide verlangten ihren Gitarren alles ab, beide sangen voller Inbrunst und Leidenschaft über die Liebe, das Leben und die Wünsche an beides. Als sich plötzlich die Tür öffnete und ein weiterer Gast eintrat, empfand das keiner von beiden als schlimm – im Gegenteil, Riku war direkt fasziniert von den blauen Augen, die ihn mehr als um Entschuldigung flehend ansahen. Der selbst im Sitzen große braunhaarige Mann lächelte, zuckte mit den Schultern und spielte einfach weiter. Es gab hier nichts zu entschuldigen. Auch Patrik sang weiter, sie waren in einer Bar, nicht in einem Konzertsaal mit strenger Platzordnung. Beide schaukelten sich hoch, stachelten sich gegenseitig zu Höchstleistung an und doch ging Rikus Blick immer und immer wieder zur Bar, an der die junge Frau von eben jetzt stand. Sie hatte ihren Rucksack abgestellt und blätterte mit dem Kellner anscheinend in Branchenbüchern. In Branchenbüchern? Untypisch für eine Bar und untypische für diese Zeit! Wenn sie nur ein Taxi brauchte, dafür musste hier niemand einen Blick in irgendwelche Gelben Seiten werfen… Sie sah unglücklich aus, nicht nur weil sie mitten in einem Song hereingeplatzt war. Etwas in ihrer Aura hielt Riku fest, er konnte es nur nicht benennen. Ihre Augen baten verzweifelt um Verzeihung, aber da war auch noch etwas anderes, etwas verstecktes, etwas das entdeckt werden wollte. Es war dringend Zeit für eine Pause, seine schwitzigen Finger ließen langsam die Gitarrenseiten quietschen. Und seine Kehle verlangte eiligst nach Flüssigkeit. Seine Blicke flogen immer und immer wieder zur Bar hinüber, angezogen wie von einem Magneten, der definitiv nicht Durst hieß. Ein Blickwechsel mit seinem braungebrannten Lockenkopf von Kollegen während der Songs war nur das Sprungbrett um die Unbekannte zu beobachten. Langsam musste das auch anderen auffallen, gefährliches Terrain. Nass geschwitzt und auch außer Atem brauchten die beiden Musiker eine Auszeit und verabschiedeten sich vorübergehend vom Publikum um sich Richtung Bar zu begeben. Sie kamen aber nicht weit, da Britt ihnen schon scheu lächelnd mit zwei Flaschen Bier in der Hand entgegenkam.

„Das nenn ich mal Service! Darfst gerne jedes Mal zu spätkommen, wenn du uns dann mit Bier versorgst…“ lachte Patrik, nutzte ihr Unbehagen aus und zog die Frau gemeinsam mit Riku wieder zurück an die Bar. Mitten im Schankraum stehen zu bleiben war keine gute Idee, sie brauchten ein etwas zurückgezogeneres Plätzchen. „Es tut mir so leid, ich wollte nicht stören… hätte ich gewusst, dass ich mittenreinplatze, wäre ich draußen geblieben.“ entschuldigte sie sich ohne das Wort auch nur in den Mund zunehmen. „Das wäre jammerschade gewesen.“ ergriff nun auch Riku endlich das Wort. „Stimmt, da hätte ich was verpasst…“ dieses Lächeln, das ihre Lippen jetzt umspielte, war einfach nur ehrlich und entwaffnend „spielt ihr öfter hier, ich hab gar kein Plakat draußen gesehen?“ fragte sie  weiter, während die Männer neben der Bar in einer abgedunkelten Nische verschwanden und sie quasi als Sichtschutz davor fungierte. ‚Hei was tu ich hier eigentlich? Seit wann quatsche ich fremde Männer an? Aber hej, seit wann platze ich mir nichts dir nichts in irgendwelche Konzerte?‘ fingen ihre Gedanken eine wilde, über sich selbst verwunderte Fahrt an, dass sie fast die Antwort verpasst hätte. „Ab und An, uns muss man nicht extra ankündigen.“ meinte Patrik „Da du wohl nicht von hier bist… ich bin Patrik“ streckte er ihr die tätowierte Hand hin „und das ist Riku.“ deutet er auf den großen braunhaarigen Musiker im schwarzen T-Shirt neben sich. „Freut mich, ich bin Britt.“ reichte sie beiden die Hand, wobei der zweite ihre Hand deutlich länger festhielt, als es hätte sein müssen. ‚Gar nicht mal so unangenehm…‘ durchzuckte sie ein Gedanke, der dafür sorgte, dass sie etwas rot wurde als sie sich eine Strähne ihrer schulterlangen karamellfarbenen Haare hinters Ohr schob. ‚Wie charmant!‘ war die gedankliche Reaktion des zweiten. „Also Britt, du bist nicht von hier, was treibt dich trotzdem hierher?“ fragte dieser dann auch noch. „Urlaub… eigentlich hätte es Urlaub sein sollen, aber im Moment ist es eher ein Scherbenhaufen…“ sie seufzte und begann der fragenden Blicke wegen von ihrer Odyssee zu erzählen. „Und jetzt suchst du hier nach einer Ersatz-Unterkunft?“ schlussfolgerte Riku am Ende ihres Berichts. „Ja, woher weißt du?“ sie konnte sich nicht erinnern, das auch nur mit einem Wort erwähnt zu haben. „Normalerweise liegen hier keine Branchenbücher auf dem Tresen…“ eilte ihm Patrik zur Hilfe „Wir sollten langsam die Pause beenden, vielleicht fällt uns auch noch das eine oder andere Übernachtungsangebot ein, lass uns später mal schauen.“ trieb er Riku wieder auf die kleine Bühne „Und ich meinte jetzt nicht dein Bett, Ricardo mio…“ raunte er ihm zu bevor er die Mikros wieder einstöpselte. „Was???“ weiteten sich dessen Augen. „Alter ich hab Augen im Kopf, ich sehe, wie du sie ansiehst und ich sehe, wie sie zurückschaut – ich war von dem Moment an abgemeldet, als du ihr die Hand gegeben hattest!“ Riku schüttelte grinsend den Kopf, Patrik hatte verdammt feine Antennen, denen konnte er nichts vormachen. „Kuck bloß, dass du jetzt nicht wieder die ganze Zeit mit den Augen an der Bar klebst, du kannst dich nachher um sie bemühen!“ schupste er Riku mit der Schulter an und begann damit das Publikum auf eine zweite Runde einzuschwören.

Die Musiker hatten ihren Spaß, das Publikum mindestens genauso viel. Die Stimmung war ausgelassen, die Temperatur im Lokal war zum Ende des Auftritts um mindestens 5 Grad angestiegen, ganz zu schweigen von der Luftfeuchtigkeit. Die Männer hatten alles gegeben, sie erzählten kurze Geschichten zu den Songs, schäkerten mit den Gästen, zogen sich gegenseitig auf und genossen jede einzelne Sekunde. Einer etwas mehr als der andere, da er immer wieder ein fröhliches Lächeln von der Theke her einsammelte und sah, dass sich die Laune von Britt deutlich gebessert hatte.

„Was trinkst du denn da?“ verzog Patrik das Gesicht, als er Britts Wasserflasche entdeckte. „Hej ich brauch noch ein Zimmer, da sollte ich wohl weder lallen noch Schlangenlinien laufen. Macht nicht so den Eindruck für ein seriöses Zimmer…“ gab die zu bedenken. „Uhhh, Riku sie will es seriös… na ob wir beide dann die richtigen für sie sind?!“ amüsierte er sich köstlich während Riku einen Hustanfall bekam. „Na du dann sicher nicht!“ wischte Riku sich mit dem Handrücken die Tränen vom Husten aus den Augenwinkeln. „Ich zieh mir nur schnell ein trockenes T-Shirt an…“ legte sich seine Hand automatisch auf Britts Schulter bevor er sich an den Barmann wand „Machst du mir eine Cola?“ und dann doch nochmal an Britt gewandt meinte „Hast du schon was gefunden?“ Die Antwort wartete er allerdings erst gar nicht ab, denn sie hatte während ihrer Session nur Augen für die Bühne, nicht für die Branchenbücher „Dann können wir ja gleich nochmal zusammen schauen und überlegen…“

Bei Patrik dauerte die Umziehaktion deutlich länger, Riku vermutete schon fast, dass er ihm Zeit mit Britt verschaffen wollte. Als Patrik dann aber zurück kam waren beide immer noch über das Pensionsverzeichnis gebeugt. „Das kannst du vergessen, die sind viel zu weit draußen, da kommst du ohne Auto nicht mehr weg.“ meinte Riku gerade. „Warum sucht ihr nicht nach einem Hotel in der Innenstadt?“ beäugte Patrik die quasi nicht vorhandene Auswahl. „Weil ich das Hotel, das doppelt gebucht hat, schon bezahlt hatte. Bis ich das Geld wiedersehen werde, dauert wahrscheinlich länger als mein Aufenthalt hier. Deshalb darf es jetzt etwas günstiger sein.“ erklärte Britt. „Okay, das kann ich nachvollziehen, aber gibt es bei Pensionen einen Nachtportier?“ damit läutete der inzwischen eine Lederjacke über dem Shirt tragende Musiker ohne es zu wollen das Ende des Abends ein. Britt sah auf die Uhr und wurde aufgescheucht wie ein Huhn „Scheiße, schon nach eins… Jetzt bleibt wohl doch nur noch ein überteuertes Hotel für eine Nacht!“ ‚… oder eine unbequeme Bank im Bahnhof‘ allein der Gedanke ließ sie erschaudern. „Hej langsam,“ legte sich Rikus Hand warm und beruhigend auf ihren Arm „wir finden schon was… ich hab da eine Idee. Wenn du leer hast, brechen wir auf, ich bring dich.“ In ihren Augen sah er so etwas wie ein Anflug von Entspannung, die musste nur noch bei ihrem Körper ankommen. Und da war noch etwas in ihren weit aufgerissenen blauen Augen, das er jetzt mal als Dankbarkeit deutete. Vielleicht, wenn sie sich länger gekannt hätten, hätte man von mehr als Sympathie reden können, aber dafür fehlte im Moment noch die Basis.

Die Männer packten ihr mitgebrachtes Equipment zusammen und stellten es bis zum nächsten Tag in den Büroräumen unter. Sie würden es am nächsten Tag mit der Abrechnung abholen, wie sie hier immer praktizierten. „Also dann, auf geht’s.“ scheuchte Patrik Britt und Riku vor sich her. „Alter wir sehen uns morgen…“ klopfte er Riku auf die Schulter, die mittlerweile neben einem Shirt auch von einem Jeanshemd bedeckt wurde „Und wenn du mir in deiner Zeit in Helsinki noch mal über den Weg läufst, würde mich das auch freuen! Auf einen Kaffee oder so!“ drückte er Britt kurz und verabschiedete sich in die Nacht – nicht ohne Riku noch einen entsprechenden Blick zuzuwerfen, der wohl heißen sollte ‚tu nichts, was ich nicht auch tun würde‘.
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