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Kein Grund zur Besorgnis

von rexword
Kurzbeschreibung
GeschichteThriller, Action / P16 / Het
03.07.2022
04.07.2022
2
7.282
 
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04.07.2022 4.835
 
Hangover

Mario, 15. Mai

Hustend rollte sich Mario auf die Seite. Seine Lunge brannte wie Feuer und der Schädel wummerte wie nach einer durchzechten Nacht. Er spukte Blut und Dreck aus. In der Luft lag verbranntes Gummi und Ozon. Mühsam richtete er sich auf und schaute sich verwirrt um. Glasscherben und Steine rieselten von seiner Jacke. Unmittelbar um ihn herum herrschte gespenstische Stille. Die Fenster sämtlicher Häuser und Autos sind zerborsten. Dutzende Körper lagen durcheinandergewürfelt auf der Straße und in den Vorgärten. Niemand rührte sich. In der Ferne heulten Sirenen. Einzelne dumpfe Detonationen bezeugten, dass dieser Albtraum Realität war.

Was war passiert? Die Bombe. Eine Explosion. Kataryna!

Mit benebelten Sinnen schaute er sich um. Ihr Vater hing halb über dem Gartenzaun und starrte ihn aus gebrochenen Augen vorwurfsvoll an. Benommen torkelte er von einer Leiche zur nächsten. Der Bruder. Ebenfalls tot. Die Nachbarn. Alle waren tot.

Wo war seine ehemalige Kommilitonin? Er räumte Schutt zur Seite und schaute sich panisch um. Ihm fällt ein hellblau gefärbter Haarschopf ins Auge. Zwei Schritt weiter hinter dem Müllcontainer in einer Blutlache, deren Fäden sich durch den Staub fraßen. Die Implosion hatte sie scheinbar mit dem Kopf gegen die Stahlkante geschleudert. Kataryna war chancenlos. Dort lag sie, als würde sie schlafen und von einer friedlichen Welt träumen. Wenn die massive Platzwunde und das Blut nicht wären. Er brachte es nicht über sich, sie zu berühren. Niemand außer ihm schien den Angriff überlebt zu haben.

Es musste hier weg. Zu seinen Eltern im Vorort, in der Hoffnung, dass es sie nicht ebenfalls erwischt hatte. Sie hatten ein Auto, mit dem sie in Richtung Ostgrenze fliehen könnten – oder zu einer der Hafenstädte. Hauptsache weg von den Bomben und Leichen.

Mit schnellen Schritten joggte Mario los. Nach wenigen Hundert Metern änderte sich das Stadtbild. Die Gebäude waren intakt, die Menschen packten ihr Hab und Gut. Nicht unähnlich wie bei Katarynas Familie. Nur, dass hier noch keine Bombe das Leben ausgelöscht hatten. Die Straßen waren mit Autos verstopft. Rettungsdienste versuchten erfolglos, sich in Richtung der zerstörten Stadtteile durchzudrängen.

Erst jetzt fiel ihm sein Smartphone ein. Warum hatte er daran nicht früher gedacht? Mario holte es aus der Hosentasche. Es war gesprungen, aber funktionsfähig. Mist. Immer noch kein Netz. Vermutlich waren die Mobilfunknetze überlastet. Logisch, jeder versuchte, Verwandte oder Freunde zu erreichen. Er verlangsamte seine Schritte. Bis zu seinem Elternhaus waren es von hier mindestens 15 Kilometer. Die schaffte er nicht zu joggen. Zügig gehend, wäre das problemlos in drei Stunden zu schaffen. Vielleicht nahm ihn jemand per Anhalter mit, aber darauf zu wetten, wäre keine gute Idee.



Kampfjets dröhnten über den Himmel, in der ferne stieg fetter schwarzer Rauch auf. Dumpfe Detonationen bildeten die passende Untermalung, während die Sonne unbeeindruckt ihre Bahn zog. Mario war langer als zwei Stunden unterwegs und hatte sich an die Kulisse gewöhnt. Die Stadtgrenze lag seit einer hinter ihm. Er wanderte über den Standstreifen der Autobahn. Unter normalen Umständen würde man ihn anhupen und spätestens nach ein paar Minuten käme die Polizei. Heute nicht. Die Autos standen mit den Stoßstangen aneinander. Nichts bewegte sich. Der Seitenstreifen ähnelte einer Fußgängerzone, in der sich Menschen in beide Richtungen schoben.

Er bemerkte, dass ihm inzwischen deutlich mehr Flüchtende entgegenkamen als umgekehrt. Das war seltsam. Wollten die alle in die Stadt, auf die Bomben fielen? Er sah, dass diverse Fahrzeuge scheinbar verlassen waren. Andere standen quer auf dem Standstreifen. Sie hatten erfolglos versucht, umzudrehen. Was ist hier los?

„Junge! Du läufst in die falsche Richtung!“, rief ihm einer der Entgegenkommenden zu.

„Ich ... Was ...?“ Er dreht sich hilflos um, aber der Mann war bereits verschwunden.

„Entschuldigung!“ Mario hielt eine Frau mittleren Alters am Arm fest, die ein jüngeres Mädchen hinter sich herzog. „Warum rennen hier alle in Richtung Stadt?“

Sie hält einen Moment inne: „Dahinten wird gekämpft! Bomben fallen und es wird geschossen! Sieh zu, dass du hier wegkommst!“

„Dort?“ Er zeigte mit dem Finger zur Ortschaft, in der seine Eltern wohnten.

Sie nickte und entzog sich seinem Griff. Kurz darauf war sie mit den anderen verschwunden. Mario hielt nichts mehr, er sprintete los. Von hier waren es maximal drei oder vier Kilometer. Der Vorort lag direkt an der nächsten Ausfahrt.



Außergepumpt und mit klopfendem Herz verlangsamte er seine Schritte. Zweidrittel der Strecke lagen hinter ihm und er stand mutterseelenallein auf der Landstraße am Ende des Autobahnzubringers. Bäume verdeckten ihm die Sicht auf die heimatliche Ortschaft, aber der Kampflärm war deutlich zu hören. Das Knattern von Maschinengewehrsalven. Dumpfe Explosionen und schwere Artillerie. Es donnerte und ein Kampfjet zog im Tiefflug über ihn hinweg. Leuchtspurmunition folgte dem Fluggerät und verfehlte es. Mario duckte sich an die nächsten Büsche.

Er fragte sich, woher all das Militär kam. Die standen typischerweise nicht in Wohngebieten herum und warteten auf Gegner. Da fiel ihm ein, dass es eine Kaserne keine zwei Kilometer von hier gab. Früher war er mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Baggersee an den trostlosen Gebäuden vorbeigefahren. Heute verfluchte er die Lage seines elterlichen Hauses.

War es besser, umzudrehen? Keinesfalls wären seine Eltern in einer Kampfzone geblieben. Mit Sicherheit waren sie längst über alle Berge. Was er hier tat, war töricht. Er hätte vorhin mit den anderen Menschen in die Stadt zurückgehen sollen. Wie konnte er nur so dumm sein!

Von hinten brausten drei Militärtransporter heran. Sie beachteten ihn nicht und fuhren weiter in Richtung des Kampflärms. Ein Sirren erfüllte die Luft. Seine Nackenhaare richteten sich auf. Sofort warf sich Mario in den matschigen Straßengraben. Brennnesseln brannten auf seinem Gesicht. Ohrenbetäubendes, vielfaches Donnern und heftige Erschütterungen raubten ihm alle Sinne. Hitze brandete über seinen Rücken. Steine und Erde prasselte nieder.

Wenige Sekunden später hatte der Spuk ein Ende. Scheinbar war er erneut einem Bombenangriff entkommen. Zweimal an einem Tag. Nachdem das Fiepen in seinen Ohren abklang, hörte er wieder den Kampflärm. Inzwischen deutlich näher. Mit Bedacht hob er seinen Oberkörper und lugte aus dem Graben.

Drei brennende Wracks lagen auf der Straße, wo vorher die Militärtransporter fuhren, bewegungslose Körper daneben. Viele Bäume um ihn herum waren zersplittert und der Straßenbelag mit Dutzenden Krater übersäht. Beißender Schießpulvergestank lag in der Luft. Man hatte scheinbar die Gegend breitgestreut bombardiert. Jetzt aber nichts wie weg! Mario erhob sich aus dem Graben, um das Kampfgebiet schnellstmöglich zu verlassen. Nochmals hätte er nicht das gleiche Glück.

„Halt! Keine Bewegung!“ Der gellende Ruf ließ ihn innehalten.

Aus den Büschen hinter ihm kam ein Trupp bewaffneter Soldaten. Sie waren dreckig und hatten ihre Maschinengewehre im Anschlag. Zwei zielten auf ihn. Die anderen rannten geduckt weiter in Richtung der Transporter.

„Los! Hinlegen! Hände auf den Kopf!“, rief einer der beiden. Ein Bursche keine zwanzig Jahre alt.

Er kam der Aufforderung nach. Kurz darauf riss man ihm die Arme auf den Rücken und fesselte seine Handgelenke mit Kabelbindern.

„Den hier nehmen mir mit. Der hat bestimmt spioniert!“ Damit stellten sie ihn auf die Beine.

„Nein, ich ...“ Ein Gewehrkolben schlug schmerzhaft zwischen seine Schulterblätter. Keuchend stolperte Mario vorwärts.

„Halt’s Maul und spar dir die Luft! Du wirst später noch froh sein, welche zu bekommen, wenn dich die Naofzs in die Mangel nehmen.“ Hämisches Gelächter folgte und er versuchte nicht, nochmals sich zu erklären.

Naofzs? Der Begriff sagt ihm nichts. Die zwei trieben ihn vor sich her, wohin auch immer. Ihm war klar, dass die Uniformen, die er hier sah, nicht den heimischen Soldaten gehörten.

Damit war er scheinbar ein Kriegsgefangener.





Kataryna, 15. Mai

Ein Gnom hämmerte mit einer Spitzhacke feinsäuberlich ihre Gehirnwindungen kleinste Stücke. Davon war Kataryna überzeugt, als sie aufwachte. Oh, man. Sie hatte einen Filmriss. Hatte sie gestern zu heftig gefeiert? Ihr Kopf war leer gefegt – bis auf die hässlich stechenden Schmerzen. Was auch immer sie am Abend unternommen hatte, sie hatte es vergessen. Egal. Wie wäre es mit Augen öffnen? Besser nicht. Im Zimmer schien es taghell zu sein. Vermutlich wartete ihr Vater in der Küche mit dem Mittagessen auf sie. Roch sie Borschtsch? Nur noch einen weiteren Moment im Bett liegen bleiben.

Irgendwas passt hier nicht zusammen. Den Decken haftete ein unbekannter Geruch an. Es piepe neben ihr. Nicht der Wecker. Erschrocken riss Kataryna ihre Augen auf – und schloss sie direkt wieder. Das grelle Licht hatte sich wie Dolche in Pupillen gebohrt und der Gnom kam auf Speed. Verfickte Scheiße. Einige Augenblicke später, nachdem das Biest in ihrem Schädel sich beruhigt hatte, versuchte sie es erneut. Langsam öffnete sie ihre Lieder. Verschwommen erkannte sie Schläuche und Kabel. Das Piepen kam einem grauen Kasten neben ihr. Verflucht, sie war in einem Krankenhaus! Dermaßen heftig war sie noch nie abgestürzt. Normalerweise trank sie nicht übermäßig. Hatte ihr ein perverses Schwein K.O.-Tropfen in einen Drink gemischt? Denkbar.

Am Ende öffnete sie ihre Augen komplett und erkannte ihre Umgebung. Sie lag in einem Krankenhausbett, das auf dem Gang stand. Zusammen mit Dutzenden weiterer Betten. Wieso war sie nicht in einem Zimmer? Andere Details fielen ihr auf, die nicht ins Bild passten: Der Flur war massiv überfüllt. Menschen lagen auf dem Boden oder lehnten an Wänden. Decken waren blutverschmiert. Verwundete stöhnten. Personal sah sie keines. Panik kroch durch ihre Kehle und ihrem Magen bildete ein Eisklumpen. Was zum Teufel war hier los?!

„Hallo?“ Aus ihrem Mund kam nicht kaum mehr als ein Krächzen.

„Hallo?! Kann mir hier jemand helfen?“, versuchte sie es nochmals deutlich kräftiger.

Das eine oder andere Augenpaar schaute sie mitleidig an. Eine weitere Reaktion gab es nicht.

„Hey!! HALLO! Kann mich jemand hören! Ich brauche Hilfe!!“ Mit dem Gebrüll übertönte sie sogar den fiesen Gnom, der sich im Anschluss umso heftiger rächte.

„Mädel, lass gut sein. Da kommt keiner.“ Es war ein älterer Herr, der ihr gegenüber zwischen zwei Betten an der Wand lehnte. Seine rechte Körperhälfte war komplett bandagiert. „Die Ärzte sind damit beschäftigt, den anderen Schwerverletzten zu helfen. Bei uns sind sie schon durch.“

Den was? Schon durch? Langsam sickerten die Worte ihn ihre malträtierten Hirnwindungen. Verletzte? Hektisch schaute sie unter die Decke und tastete sich ab. Sie hatte ihre Uniklamotten von heute Morgen an. Allerdings waren diese zerrissen und dreckig. Verwundungen waren dort keine zu sehen. Kurz darauf kam sie bei ihrem Kopf an. Scheiße. Ihr gesamter Schädel steckte in einem festen Verband. Auf ihre rechte Gesichtshälfte hatte man eine Paste geschmiert. Sie brannte bei jeder Berührung. Damit wären Ursprung des kleinen Gnoms und der stechenden Schmerzen geklärt. Trotzdem fehlte ihr die Erinnerung. In der Früh war sie mit dem Scooter losgefahren. Mehr gab es nicht. Ihr Kopf war wie leergeblasen.

„Was ist passiert?“ Sie wandte sich erneut an den Alten.

„Sie haben uns tatsächlich angegriffen. Einfach so.“ Seine Stimme blieb erstaunlich teilnahmslos. „Haben Bomben auf unsere schöne Stadt regnen lassen. Diese Schweine. Wir hätten sie damals vor 70 Jahren endgültig auslöschen sollen. Hinterher ist man immer schlauer.“

„Angriff?“ Kataryna kapierte nicht, was er meinte.

„Angriff.“ Er nickte bestätigend und sprach langsam weiter. „Die halbe Stadt wurde in Schutt und Asche gelegt. Meine Frau hat es erwischt und ... meinen Enkel. War zu Besuch. Hat mir stolz seine zwei in Mathe gezeigt. Er ist in der dritten Klasse, müssen Sie wissen. Dafür gebe ich ihm immer einen kleinen Schein. Dann sind die Scheiben zerplatzt. Die Scherben haben alles zerfetzt. Unser Sofa, die Bilder, meinen Enkel, meine Frau, ...“

Er stockte, eine Träne rannte seine Wange hinab. Der Alter schloss die Augen und wurde von einem Weinkrampf geschüttelt.

Sie war erschüttert und wusste nicht, was die denken oder sagen sollte. Wie schaffte es der Mann, über diese Grausamkeit dermaßen gelassen zu berichten? Angriff? Sicher. Die Möglichkeit war in den Nachrichten diskutiert worden, aber niemand hatte das ernsthaft in Betracht gezogen. Angriff. Verrückt. Und sie erinnerte sich nichts! Woher kam die Verletzung an ihrem Kopf? Was war mit ihrem Vater und Oleksandr? Die beiden würden sich Sorgen machen! Kataryna tastete ihre Taschen ab und schaute sich um. Mist. Ihr Rucksack mit Laptop und Smartphone war weg. Ausweis und Geldscheine fand sie in der Hosentasche. Besser als nichts.

„Ich ... muss los! Wie kommt man hier raus?“ Der Alte lies seine Augen geschlossen und die anderen waren mit ihren eigenen Schmerzen beschäftig.

Sie schaute sich um, ein weißes Männchen auf grünem Grund wies ihr den Weg. Nichts wie los. Mit Bedacht schwang sie ihre Füße aus dem Bett. Ihre Schuhe hatte sie an. Das rasende Stechen, die der fiese Gnom in ihr Hirn schlug, ignorierte sie. Es gab Wichtigeres. Damit suchte sie sich mit wackeligen Beinen einen Pfad durch die stöhnenden Patienten in Richtung Ausgang. Ihr graute davor, was sie dort sehen würde. Nach der furchtbaren Erzählung des Alten schwante ihr Übles.



Kataryna stolperte durch überfüllte und chaotische Flure. Überall verletzte und Ärzte, die sich bemühten, aufgerissene Körper und abgetrennte Gliedmaßen notdürftig zu versorgen. Schreie, Blut, verzweifelte Mütter und Väter. Es war die Hölle. Sie versuchte nicht zu hinzuschauen und es nicht an sich heranzulassen. Folgte den weiß-grünen Männchen. Nicht hinschauen. Weiter.

Auf dem Vorplatz drängelte sie sich zwischen der Masse an Verletzten hindurch, die auf eine Behandlung warteten. Es war die Petrowski-Klinik, die sie von außen erkannte. Der uralte Betonbau verkörperte ehemalige Sowjetarchitektur in Reinform. Zum Glück war es von hier maximal 30 Minuten zu Fuß zu ihrem Haus, das im nächsten Vorort lag. Hoffentlich war ihrem Vater und Bruder nichts passiert.

Die Sonne verschwand hinter den Fassaden. Auf dem Weg durch die Straßen realisierte erstmalig, dass es nicht kein schlechter Traum war. Sie wanderte durch eine postapokalyptische Kulisse. In der Luft lag der Geruch von verbranntem Gummi und Staub. Immer wieder kam sie an einzelnen ausgebrannten Häusern und Gerippe zerstörter Dächer vorbei, deren Überreste rauchten. Ein paar Wohnblöcke erweckten den Anschein, als hätte die Faust eines Riesen komplette Teile herausgeschlagen. Scheinbar war eine größere Zahl Raketen oder Bomben wahllos auf die Stadt gefeuert worden. Viele Gebäude lagen verlassen am Straßenrand. Autos mit Gepäck auf den Dächern verstopften die Straße. Zu Fuß war sie definitiv die schnellste Form der Fortbewegung.



Kurz nach Sonnenuntergang erreichte sie ihren heimatlichen Stadtteil. Es gab keine größeren Zerstörungen. Hoffnung keimte ihn auf. Lediglich die Scheiben sämtlicher Gebäude und Autos waren einer Druckwelle zum Opfer gefallen. Die meisten Straßenlaternen funktionieren und verbreiten ein fahles Licht.

Im Hintergrund hörte sie die ganze Zeit das Böllern schwerer Explosionen. Zum Glück weit weg, wie es schien. Davon abgesehen, war es unnatürlich still. Hier fuhren keine Autos auf den Straßen. Warum packten hier die Menschen nicht ihre Sachen? Waren sie bereits alle weg? Sie hoffte es. Dann wäre ihre Familie zumindest in Sicherheit.

Als sie um die Ecke der Bäckerei bog, bei der sie jeden Morgen ihr Brot kaufte, stockte Kataryna der Atem. Vor ihr lagen, fein säuberlich auf dem Gehweg aufgereiht, dicht an dicht Dutzende, wenn nicht Hunderte, notdürftig abgedeckte Körper. Den gesamten Straßenzug entlang bis zur nächsten Kreuzung und darüber hinaus. Erwachsene und Kinder. In Luft hing der süßliche Geruch von Verwesung. Überkeit stieg in ihr auf und sie übergab sich spontan. Es kam nichts heraus.

„Dmitry? Oleksandr?“ Sie rannte an der langen Reihe Toter vorbei in Richtung ihres Hauses und schrie sich ihre Seele aus dem Leib.

Schwarze Fensterhöhlen erwarteten sie bei ihrer Ankunft. Es brannte kein Licht und rührte sich nichts. Erneut rief sie den Namen ihres Vaters und Bruders, ohne eine Antwort zu erhalten. An der Straße lang ihr Auto auf der Seite, als wäre es von einem Windzug umgeworfen worden. Offene Koffer und Klamotten verteilten sich breitflächig. Sie wetzte ins Haus. Das Licht funktionierte erstaunlicherweise. Hier bot sich ein ähnliches Bild: eilends geöffnete Schränke und halbgepackte Sachen. Ihre Tasse von heute Morgen stand in der Spüle. Panisch durchsuchte sie alle Räume. Nichts.

Kataryna sank auf die Knie, dann auf den Boden. Tränen stiegen in ihr auf. Langsam sickerte die Erkenntnis ihn ihr Bewusstsein, dass sich ihre Liebsten möglicherweise dort draußen lagen. Auf dem Gehweg. Eine Ewigkeit saß sie da. Inzwischen war es komplett finster, kühler Wind fegte durch die offnen Fester. Es bestand die Chance, dass die beiden vor dem Angriff entkommen waren. Trotz des Autos. Es existierte nur eine Möglichkeit, sicherzugehen.



Kurz darauf holte sie die Taschenlampe aus ihrer Küchenschublade schritt zögerlich hinaus in Richtung der Leichenkette. Kataryna hob die Decke der Ersten. Aufgerissene Augen starrten sie an.

„WARUM?! Was habe ich getan?“, schien das Antlitz der Toten ihr entgegenzuschreien.

Zum Glück war sie eine Unbekannte. Es half nichts, sie brauchte Gewissheit und setzte ihre Suche fort. Die meisten der Körper waren unversehrt. Was war den Menschen passiert? Darauf fiel ihr keine Antwort ein.

Nach unzähligen grausigen Fratzen, darunter Nachbarn und Freunde, sah sie in das Gesicht von Dmytro. Seine Augen waren glücklicherweise geschlossen. Sein friedliches Antlitz sah aus, als schliefe er. Erneut stiegen in ihr Tränen auf. Heute Morgen hatte sie die Tür hinter sich zugeknallt und sein Wort abgeschnitten. Wenn sie geahnt hätte ... Weitere Erinnerungen und Bilder überschwemmten ihren ihren Geist und sie ließ ihrer Trauer freien Lauf. Der fiese Gnom hielt sich freundlicherweise zurück.

Unendliche Zeit später senkte sie das Lacken wieder über das Gesicht ihres Vaters. Aus welchen Reserven sie die Kraft holte, wusste sie nicht. Sie hob die weiteren Decken an und suchte nach ihrem Bruder. Unter der fünften fand sie ihn. Eine Gesichtshälfte war zerschrammt ähnlich wie ihre. Erstaunlicherweise hatte sie auch für ihn noch Tränen übrig. Oleksandr war unglaublich musikalisch. Er hatte sich bei der staatlichen Musikschule beworben. Jeden Tag wartete er auf die deren Antwort.

Seine Zukunft war verloren. Ihre Feinde haben sein Leben ausgelöscht. Einfach so. Ohne Grund. Seines und das Hunderter, Tausender, anderer Jugendlicher und Kinder. Ihre Träume, ihre Wünsche ... Für nichts.

Sie war hier fertig. Ihre Familie existierte nicht mehr. Unschlüssig stand am Straßenrand zwischen der endlosen Reihe Toter. Am Ende raffte sie sich zusammen und wanderte langsam zu ihrem Haus zurück.



Dort angekommen, schleppte sie sich in den ersten Stock. Glas knirschte unter ihren Sohlen. Holte apathisch einen Besen aus dem Schrank und fegte die Scherben in ihrem Zimmer zusammen. Schüttelte sie vom Bett und ließ sich hineinfallen. Ihr Kopf war leergefegt. Bis auf den hämisch lachenden Gnom, der jetzt mit seiner Spitzhacke ausholte und auf ihren Schädel eindrosch.

Trotz der beißenden Schmerzen schlief Kataryna kurz darauf ein.



Mario. 15. Mai

Seit einer Stunde fuhr Mario in einem klapprigen Militärtransporter auf einer harten Pritsche durch die Pampa. Der Anblick trostloser leerer Dörfer, die er nicht kannte, wiederholte sich. Mehrfach zogen Kolonnen mit militärischem Gerät in die entgegengesetzte Richtung vorbei. Auf den Bänken neben ihm saßen zwei mürrisch dreinschauenden Bewacher sowie fünf weitere Gefangene. Männer in seinem Alter. Sie sahen ähnlich mitgenommen aus, wie er sich fühlte. Alle schwiegen. Vermutlich aus Angst.

Ohne Verwarnung bog der Lkw von der Hauptstraße auf einen Feldweg ab. Kurz darauf passierten sie einen Militärposten. Hohe mit Stacheldraht und spiralförmigen NATO-Draht bespannte Zäune begrenzten das weite Gelände. In der Ferne waren befestigte Stellungen mit Maschinengewehren zu sehen. Unimogs, gepanzerte Truppentraporter, Haubitzen und schweres Kriegsgerät zogen vorbei. Überall waren Soldaten einzeln oder geordneten Gruppen unterwegs. Er wunderte sich, wie ihre Gegner das logistisch vorbereitet hatten, ohne dass das jemand vorher bemerkt hatte. Der Transporter stoppte.

Mit ruppigen Worten und Gesten holten ihre Bewacher sie von der Ladefläche. Sie schubste die Gruppe über einen matschigen Platz in Richtung vier lang gezogener Baracken, die am Rande des Lagers standen. Die Gebäude waren nochmals mit einem umgebenden Zaun gesichert.

„Du nicht!“ Einer der Soldaten hielt seine Jacke fest und dirigierte ihn nach links, wo sich ein paar schmucklose Häuschen auf dem Platz drängten. „Für Spione haben wir besonders hübsche Gästequartiere.“

Kurz darauf landete er in einer fensterlosen Zelle, die grell erleuchtet und bis auf einen Eimer komplett leer war. Die Metalltür fiel ins Schloss. Er hatte Schlimmeres erwartet und war froh, dass er seine Ruhe hatte. Zum ersten Mal, seitdem er dem Bombardement entkommen war, hatte er Zeit, um über die Geschehnisse nachzudenken. Erschöpft ließ er sich zu Boden sinken und legte seinen Kopf auf die Knie.



Totaler Irrsinn. Heute in der Früh stand er mit seinem Team vor einem Whiteboard und hat die Technik der nächsten Drohnenmodelle diskutiert. Und jetzt? Zweimal nacheinander ist er einem Bombenangriff entkommen. Bomben! Wahnsinn! Ob seine Eltern und Geschwister die erste Angriffswelle überlebt hatten, war fraglich. Kataryna, seine ehemalige Kommilitonin, in die er verknallt war, hätte er heute Abend bei der Party gefragt, ob sie beim ihm übernachten wolle. Sie und ihre Familie waren tot. Ihn hatte man verschleppt und der Spionage bezichtigt.

Das Nachbarland hatte sie ohne plausiblen Grund angegriffen. In den Nachrichten spekulierte man seit Längerem darüber, dass das passieren könne. Ihre Länder wurden vor über 70 Jahren nach dem Ende des Krieges von den Siegermächten getrennt. Seitdem hatte seine Heimat einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, eine Demokratie aufgebaut und die freie Marktwirtschaft begrüßt. Bei ihren Nachbarn sah es nicht so rosig aus. Von Anfang an hatte es sich eine korrupte Clique aus Politikern zu Aufgabe gemacht, dass eigene Land systematisch auszuplündern. Deren Präsident Vlad Potemkin allen voran. Ein winziger Bruchteil der Menschen wurde superreich, dem Rest der Bevölkerung blieb kaum genug zum Leben. Von Aufschwung konnte keine Rede sein. Als Rechtfertigung nutzten die dortigen Machthaber immer wieder die gleichen Ausreden: Nachdem Krieg wären sie ungerecht behandelt worden. Ihr Nachbarland würde Ressourcen stehen, die ihnen zustünden. Nur gemeinsam unter ihrer zentralen Führung könne das Reich erneut erstarken.

Mario hatte starke Zweifel, dass das etwas änderte. Im Gegenteil: Er war überzeugt, dass dieser Angriff sie ins Unglück stürzte und einzig den persönlichen und politischen Interessen der korrupten Machtelite diente. Offensichtlich haben sie jetzt ernstgemacht und seine Heimat angegriffen, um sie sich einzuverleiben. Sie haben bewusst zivile Ziele bombardiert. Vermutlich um ihre Regierung direkt zur Aufgabe zu zwingen. Es gab keine Kriegserklärung und internationales Recht interessierte Potemkin noch nie.

Seine Gedanken drifteten ab und er nickte später ein.



Mario schrak auf. In seinen Träumen suchten ihn erneut Explosionen und die tote Kataryna heim. Fragte ihn, warum er sie nicht geschützt hatte.

Seine Umgebung war unverändert. Wieviel Zeit vergangen war, wusste er nicht zu sagen. Sein Handy hatte er verloren. Wie lange er hier ausharren muss? Langsam bekam er Durst. Es existierte jedoch kein Wasserhahn und der Eimer war dem Geruch nach für seine Notdurft gedacht. Braune Flecken und Spitzer an den Wänden erinnerten ihn an eintrockenet Blut. Mario war unsicher, ob er wirklich erfahren wollte, was folgte wenn man ihn aus dieser Zelle holte.



Stunden später. Oder waren es Minuten? Zu dem drängenden Verlangen nach Wasser gesellte sich Hunger. Noch immer hockte er im grellen Licht. Von draußen drangen öfters dumpfe Stimmen, Rufe und Schritte zu ihm durch. Die Tür blieb verschlossen.

Hatte man ihn vergessen? Sollte er rufen, um auf die aufmerksam zu machen? Im kamen erste Zweifel. Die Soldaten bezichtigten ihn der Spionage. Wollten sie ihn weichklopfen, indem sie ihn ohne Wasser und Nahrung einsperrten? Denkbar. Ändern konnte er daran nichts. Am Ende legte er sich auf den harten Steinboden, nutzte seine Jacke als Kissen und versuchte zu schlafen.



Es knallte. Mario schrak aus dem Schlaf hoch und schaute sich irritiert um. Neben der geschlossenen Tür stand ein Offzier. Er hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt und trug eine dunkelgraue Uniform mit schwarzer Schirmmütze und rotabgesetzten militärischen Abzeichen, die ihm nichts sagten. Ein Waffe war nicht zu erkennen. Er war mittleren Alters, glattrasiert und betrachtete ihn mit einem stechenden Blick.

„Na? Ist der Langschläfer endlich aufgewacht?“ Seine Stimme passte zu den kalten Augen und hatte einen schneidenen Untertohn.

Mario war unsicher, wie er auf diese rethorische Frage reagieren sollte.

„Ein Spinon. So, so. Ziemlich jung, um die hier die feindlichen Linien zu schleichen. Habt ihr keine anständigen Leute mehr?“

„Ich ... ich bin kein Spion“, krächste Mario mit trockenem Hals während er sich mühsam in eine stehende Position erhob.

„Das wird sich noch zeigen.“ Damit wandte sich der Offizier in Richtung Tür.

„Entschuldigung. Aber könnte ich etwas Wasser bekommen?“, versuchte es Mario vorsichtig.

Er dreht sich nochmals um. „Aber sicher, das ist kein Problem. Du bekommst gleich Waser. Jede Menge. Verdursten wirst du garantiert nicht.“

Damit schlug er mit der flachen Hand auf die Tür, die von einem draußen wartneden Soldaten geöffnet wurde.

„Kümmert euch um ihn. Eine Stunde sollte genügen. Und seht zu, dass euch der hier nicht draufgeht, so wie der andere vorhin. Tote Spione können nicht reden.“

Marios Magen ging auf grundeis. Das klang nicht gut.



Was in den nächsten Stunden folgte, würde er seinen Lebtag nicht vergessen. Die Soldaten brachten ihn einen anderen Raum und schnallten ihn dort auf ein festmontiertes Brett. Dann zogen sie ihm fest ein Tuch über den Kopf und übergossen es mit eiskaltem Wasser. Immer nur soviel, dass er überzeugt war zu ertrinken. Er schluckte Wasser, dass auch in Lungen gelangte. Aushusten. Beinahe ersticken und ertrinken. Immer wieder.

Waterboarding. Davon hatte er im Internet gelesen, aber nie erwartet es am eigenen Leib zu erfahren. Es war eine graumsame Folter in der er sich die gesamte Zeit zwischen Leben und Tod wähnte. Am Ende wäre er lieber tot gewesen.

Ein unendliche Zeit später ließen sie von ihm ab. Eine kurze Gelegenheit sich zu erholten. Er blieb jedoch auf dem Brett festgeschnallt. Der Offizier war ebenfalls im Raum und schritt auf ihn zu.

„Immer noch durstig?“ Er lächelte dünn.

Mario schütttelte nur den Kopf. Sehe Kehle war rauh und heiser von dem vielen Husten.

„Schön, dass ich dir diese Bitte erfüllen konnte.“ Das sardistische Schwein schien Spaß an seinem Job zu haben. „Nochmals zu meiner Frage, die du mir vorhin nicht beantworten wolltest: Warum hat man dich als Spion ausgewählt?“

Seine Gedanken rasten. Was wäre eine Antwort, die ihm die weitere Folter erspart?

„Mein Name ist Mario Dmitrijew. Ich arbeite für ein Start-up, das Fernsehdrohnen baut. Schauen sie ins Internet, dort finden sie mein Profil. Mit dem Militär oder Geheimdienst hatte ich nie zu tun.“ Er sah seinen Peiniger flehentlich an. „Wirklich. Daher kann ich Ihre Frage nicht beantworten. Ich bin kein Spion und es hat mich niemand ausgewählt. In der Ortschaft, in der mich Ihre Soldaten aufgegriffen haben, wohnen meine Eltern. Das können sie leicht überprüfen. Ich wollte nur nach ihnen schauen. Mehr nicht.“

Die letzten Worte krächzte er nur noch. Seine Schultern zuckten und er brach in Tränen aus. Nochmals diese Folter würde er nicht überstehen. Es gab nichts Relevantes, was er dem Offizier anzubieten hatte. Diese schaute ihn schweigend an.

Nach einer Weile meinte er: „Wir prüfen das. Ich hoffe für dich, dass das der Wahrheit entspricht.“

Mario fiel ein Stein vom Herzen: „Vielen Dank. Und ja, bitte. Tun sie das, ich habe nichts zu verbergen.“



Die nächsten Stunden verbrachte er erneut in der kahlen weißen Zelle und erholte sich von dem Schrecken. Obwohl Hunger an ihm nagte, verkniff er sich zu rufen und wartete ab.

Die Tür öffnete sich. Ohne Erklärung kam ein der Soldat herein, griff unter seinen Arm und bugsierte ihn aus dem Gebäude heraus. Gemeinsam schritten sie durch das Lager und hielten auf die bekannten Baracken zu, in die man anderen Mitgefangenen gebracht hatte. Es war spät am Abend, klarer Nachthimmel spannte sich über das Camp.

Sein Bewacher öffnete die Eingangstür eines der Gebäude und schubste ihn hinein. Mario stolperte in den dämmrigen Innenraum. Die Tür schloss sich mit einem Knall und wurde verriegelt. Er schaute sich bedächtig um. Zwei Reihen metallene Doppelstockbetten mit dünnen Matratzen und Decken zogen sich durch den Raum. Hier war Platz für mindesten hundert Personen. In der Ecke gab ein Waschbecken sowie die bekannten Eimer.

Auf den ersten Blick war maximal ein Drittel der Betten beleg. Zerschundene und müde Gestalten lagen dort. Die meisten starrten dumpf vor sich hin. Der eine oder andere unterhielt sich flüsternd mit seinem Bettnachbarn. Ihm schenkten sie kaum Beachtung. Es war anzunehmen, dass hier den ganzen Tag Neuankömmlinge aufschlugen. Der Beginn des Krieges lag maximal ein bis zwei Tage zurück. In der Zelle und nach der Folter hatte er jedes Zeitgefühl verloren.

Unschlüssig bewegte er sich in Richtung eines leeren Bettes in der Raummitte. Niemand sprach ihn an. Er setzte stöhnend auf die brettharte Matratze. Sein Körper war ein einziger blauer Fleck. Ihm gegenüber lag ein rothaariger Mittzwanziger und schaute ihn aufmerksam an.

„Äh ... Hallo. Ich bin Mario.“ Egal, in welcher Situation sie waren, sich vorzustellen gebot die Höflichkeit.

„Artem. Hi. Ich würde ja gerne sagen, dass es mich freut, dich kennenzulernen. Aber die Umstände machen einen das nicht gerade leicht. Das hier“, er deutete mit Hand nach auf das obere Bett ihm, „ist Bohdan.“

Ein grobschlächtiges Gesicht mit schwarzem Haarschopf schob sich über die Kante und schaute ihn mit einem gequälten Lächeln an.

„Hallo.“ Damit verschwand der Kopf wieder außer Sichtweite.

„Sorry, er ist ein netter Kerl, aber nicht sehr gesprächig.“ Artem zuckte mit den Schultern. „Woher kommst du?“

„Aus Kamitorsk und du?“

„Ach, ein kleines Nest hier um die Ecke. Die sind vorgestern mit einem Trupp Soldaten in unser Dorf eingefallen und haben alle jungen Männer mitgenommen. Daher kenne ich einige der anderen hier.“

„Hast du eine Idee, was mit uns hier geschieht?“

„Ich denke mal, die wollen, dass wir für sie in den Kampf ziehen. Warum sonst sollte man Hunderte wehrfähige Männer entführen und nicht direkt erschießen?“

„Hm ... Wohl wahr. Aber von uns wird doch keiner freiwillig gegen die eigenen Leute kämpfen?“

Artem schaute ihn erstaunt an. „Wer redet denn von freiwillig ...?“
 
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