Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Knocking on Evans door

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Edmundo "Eddie" Diaz Evan "Buck" Buckley
01.07.2022
12.08.2022
7
16.152
8
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
05.08.2022 2.623
 
Danke an alle, die gelesen, reviewt, favorisiert oder diese Story empfohlen haben.

Kapitel 6 - Die Marshmallow-Verschwörung

Sich in schwindelerregendem Tempo die Treppe runterkämpfendes Fußgetrappel veranlasste Eddie dazu, seinem komfortablen Sitzplatz den Rücken zu kehren, um sich zu erheben. In Gedanken bereits die Möglichkeit eines Kampfes gegen die einer Flucht abwägend, wappnete er sich für alles zwischen betrunkenem Bodybuilder und der Konfrontation mit einem nicht gerade unauffälligen Einbrecher. Mit Buck, der nur um Haaresbreite dem nächsten Zusammenprall mit einem diesmal aus massivem Beton bestehenden Gegenspieler entging, hatte er nicht gerechnet.

Bucks Blick bohrte sich in einer bisher nicht gekannten Intensität in den seinen. Er wirkte hyperfokussiert, was nicht wirklich zu seinen Augenringen, den sich in alle Richtungen zu kleinen Locken ringelten Haaren sowie dem Kissenabdruck auf seiner rechten Wange passte. Eddie sah ihn alarmiert an, als er sich am Tresen abstützte, um einen Augenblick lang Luft zu holen, nur um diese im nächsten Moment in einem Schwall aus rasch aneinandergereihten Worten bereits wieder freizugeben.

„Sie ziehen zusätzliche Einheiten zur Eindämmung eines Großbrandes auf einem im Hafen liegenden Containerschiff zusammen. Zum Glück sind keine Menschenleben unmittelbar in Gefahr, aber das ganze unter Kontrolle zu bekommen, braucht viel Zeit und Ausdauer, weshalb regelmäßig die Einsatzkräfte ausgetauscht werden“, erklärte Buck den Grund für seinen raschen Aufbruch.

Er trug ein verwaschenes, einmal dunkelblau gewesenes T-Shirt mit dem Aufdruck seines Arbeitgebers auf der linken Seite knapp oberhalb der Stelle, wo sein Herz schlug. Eddie überlegte, ob er es wohl übergezogen hatte, um später Zeit beim Anlegen seiner restlichen Ausrüstung zu sparen oder es sich um ein altes, ausrangiertes Exemplar handelte, was nun als Schlafshirt fungierte. Er hielt inne, nachdem sein Blick weiter nach unten gewandert war, um den Rest von Bucks Outfits in Augenschein zu nehmen.

„Vielleicht solltest du die Wahl deines Beinkleides noch einmal überdenken, bevor du gehst“, schlug Eddie schließlich diplomatisch vor.

Buck folgte seinem Blick, um sich kurz darauf mit der Realität konfrontiert zusehen, dass er lediglich Shorts trug, die bei großzügiger Auslegung seine Knie zumindest berührten, statt sie zu bedecken, während seine Füße in nach hinten offenen Sandalen umherschlappten. Dem Dresscode einer Eliteschule würde er damit genauso wenig genügen wie den aktuellen nächtlichen Temperaturen in Los Angeles und den Anforderungen für sicheres Fahren.

Ohne weitere Worte stürzte Buck zwei Stufen auf einmal nehmend zurück nach oben, um keine Minute später in ein paar Jeans und festes Schuhwerk gekleidet wieder aufzutauchen. Eddie erwartete ihn pflichtbewusst an der bereits aufgeschlossenen Haustür.

„Wusstest du das Beinkleid, ein Wort, das ich in deinem Vokabular nicht vermutet hätte, als Oberbegriff für Röcke, Hosen und Beinlinge dient?“

Eddies Gedanken fabrizierten ohne Mühe und in atemberaubender Geschwindigkeit ein Bild von Buck in voller Cowboy-Montur.

„Hast du das auf deinem Weg nach oben gegoogelt, nur um dann damit angeben zu können?“

Buck grinste ertappt, bevor er kläglich an einem unschuldigen Lächeln scheiterte.

„Möglicherweise. Gleichzeitig habe ich es geschafft, versehentlich viel zu viele vom Umtausch ausgeschlossene Gummienten zu bestellen. Vielleicht lässt sich Christopher ja für ein paar begeistern. Beim Versuch, meine Hose falsch herum anzuziehen, bin ich dafür einmal weniger als sonst über meine eigenen Füße gestolpert“, erklärte er in selbstzufriedenem Ton.

Eddie fragte sich, wie jemand, dessen Arbeit ihm den höchsten Grad an Professionalität abverlangte, in seinem Privatleben so chaotisch sein konnte. Eine auf ihn sehr anziehend wirkende Form von Widersprüchlichkeit.

„Wie schafft man es … vergiss es. Du bist schlimmer als mein Kind”, seufzte Eddie übertrieben dramatisch, während es ihm unheimlich schwerfiel, seine zuckenden Mundwinkel im Zaum zu halten.

Buck stemmte beide Hände in die Hüften und legte den Kopf schief.

„Das sollte ich mir wahrscheinlich aufschreiben, um es zu gegebener Zeit mit Chris zu teilen und dann gegen dich zu verwenden“, überlegte er mit einem teuflischen Glitzern in den Augen.

Eddies Herz stolperte hinsichtlich der Aussicht, in einer nicht näher definierten Zukunft mehr Zeit mit Chris und Buck zu verbringen. Buck selbst sah dankenswerterweise davon ab, das Thema zu forcieren, während sein Lächeln weicher wirkte als zuvor. Eddie räusperte sich, nahm dann einen weiteren noch losen Faden ihrer Unterhaltung wieder auf.

„Da liegen noch eine Menge anderer Schätze begraben“, deutete er in Hinblick auf den in seinem Kopf vorhandenen Wortbestand an.

„Leider müssen wir deren Bergung auf ein anderes Mal verschieben. Ich schaffe Platz in meinem Terminkalender und freue mich schon darauf.“

Eddie nickte und scheuchte ihn dann in bester Imitation eines Schülerlotsen nach draußen.

„Sei vorsichtig“, gab er Buck noch mit auf den Weg und beobachtete, wie dieser in seinen Jeep kletterte, um sich endlich auf den Weg zur Wache der 118 zu machen, wo der Rest seines Teams bereits auf ihn wartete.

***

Für etwas mehr Halt notierte Eddie auf einem neongrünen Post-it, bevor er ein verschnörkeltes E gefolgt von einem Punkt daruntersetzte. Vorsichtig strich er mit Zeige- und Mittelfinger über den weichen Baumwollstoff der Antirutschsocken, die er zu Schichtbeginn, inzwischen verpackt in einen mit Luftpolsterfolie ausgekleidetem Versandumschlag neben Bucks neuer Fußmatte mit der Aufschrift The neighbors have better stuff platzierte.  

***

Buck musste sie durch die Scheibe bereits gesehen und sich seine Gedanken gemacht haben, glaubte man dem gut positionierten, aber nur halb gelungenen Lächeln auf seinen Lippen, als er an diesem Abend die Eingangshalle seines Wohnkomplexes betrat. Eddie erkannte dieselbe Sorge, die ihn umtrieb in seinen Augen, auch wenn die meist dazugehörigen Falten sich nicht auf seiner Stirn abzeichneten. Ungewöhnlich vorsichtig stellte er seine Sporttasche auf dem Boden ab, bevor er die ersten Worte an sie richtete.

„Die Praktikanten von heute werden auch immer jünger“, scherzte Buck, ein Versuch, die sich in Wellen von Eddie ausbreitende Anspannung zu durchbrechen.

Christopher, bei bester Laune und eingepackt in einen flauschigen Poncho, der Buck dezent neidisch werden ließ, sah von seinem Videospiel auf und giggelte unbeschwert. Neben der Regie, was den Ablauf des Abends betraf, hatte Eddie auch den passenden Stuhl an Chris übergeben, während er selbst die Hände verkrampft in seine Hosentaschen gestopft, davor am Tresen lehnte.

„Hey Buddy“, wandte er sich direkt an Chris, „sieht gemütlich aus.“

Christopher nickte bestätigend, bevor sein Vater ihn in sanftem Ton darüber in Kenntnis setzte, dass er kurz mit Buck ein wenig Erwachsenenkram besprechen musste.

„Langweilig“, kommentierte sein Sohn, die bisher lose um seinen Hals hängenden Noise-Cancelling-Kopfhörer über die Ohren schiebend, um sich wieder dem Spiel auf Eddies Handy zuzuwenden. Buck trat unaufgefordert ein paar Schritte zur Seite, um Eddie Raum zu geben, seine Gedanken zu sortieren und seine ruhelosen Beine zu vertreten.

„Meine Abuela liegt mit einer gebrochenen Hüfte im Krankenhaus, also ist meine Tante natürlich bei ihr, was mit den ganzen aktuellen Bestimmungen schon kompliziert genug ist. Ich konnte mich nicht krankmelden, da ich noch in der Probezeit bin und Ravi leider auch nicht so kurzfristig einspringen. Chris kommt also zu einer unfreiwilligen bring dein Kind zur Arbeit Nacht, da ich einfach nicht wusste, wo ich ihn unterbringen sollte. Wahrscheinlich haben meine Eltern doch recht damit, dass ich ein schlechter Vater bin.“

Buck legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter und versuchte nicht zu viel darin hineinzuinterpretieren, dass Eddie offenbar das Gefühl hatte, sich ihm gegenüber erklären zu müssen, auch wenn er ihm dies natürlich in keiner Weise schuldig war.

„Ich denke, du schlägst dich ziemlich gut und musst dich ganz sicher nicht vor mir rechtfertigen“, versicherte er ihm deshalb.

Eddie warf einen kurzen Blick über seine Schulter auf der Suche nach etwas, um Bucks Worte zu entkräften. Stattdessen wurde er mit einem neugierigen Augenpaar konfrontiert, welches jede ihrer Bewegungen verfolgte und auch nicht wegsah, als er auf frischer Tat dabei ertappt wurde. Eddie fühlte sich als der Vater des besten oder zumindest mutigsten Kindes der Welt. Eine Eigenschaft, die er selbst gern mehr in seinen Alltag etablieren wollte.

„Ich will aber“, eröffnete er Buck nachdrücklich.

Die Überraschung stand beiden ins Gesicht geschrieben, bevor sie rasch von Stolz, Konzentration und schließlich Entschlossenheit abgelöst wurde. Buck erkundigte sich mit der verinnerlichten Routine eines Ersthelfers nach dem Gesundheitszustand von Eddies Großmutter, bevor er damit begann, dessen Entscheidung hinsichtlich Chris zu validieren, indem er ihm aufzeigte, wie gut dieser hier aufgehoben sei. Er überlegte, ob ein Strauß Sonnenblumen den Genesungsprozess von Eddies Abuela wohl positiv beeinflussen konnte.

„Du hast immer noch meinen Schlüssel, richtig?“

Buck selbst hatte sich die dritte bei Maddie hinterlegte Kopie genau aus diesem Grund von Chim mit auf die Wache bringen lassen. Einen Schlüssel mit Albert zu teilen, war keine praktikable Option gewesen, da ihre Leben nach sehr unterschiedlichen Zeitplänen verliefen.

Eddie schien den Sinn von Bucks Frage nicht sofort greifen zu können und vertrat außerdem die Meinung, dass die Tatsache, dass er sich in seiner Verwahrung befand, nicht mit der Berechtigung einherging, ihn beliebig zu benutzen. Er versuchte weniger darüber nachzudenken, wieso er ihn nicht längst von sich aus zurückgegeben oder aber Buck ihn zurückverlangt hatte. Es würde noch eine Weile dauern, bis er bereit dafür wäre, was all das bedeutete. In der Zwischenzeit musste er darauf vertrauen, dass Buck geduldig sein würde.

„Albert ist eine Weile bei Chim und Maddie untergekrochen, also richte ich Chris gern das Sofa für die Nacht her, wenn das für euch ok ist“, fügte Buck erklärend hinzu.

Eddie zögerte, während ihm gleichzeitig eine Million Steine vom Herzen fielen.

„Ist ja nicht so, dass ich ihn einfach entführen könnte. Schließlich kommt niemand ungesehen an dir vorbei."

„Die Feuertreppe?“, protestierte Eddie schwach.

„Selbst ich bin nicht so rücksichtslos“, konterte er ernst.

Buck wartete auf ein zustimmendes Kopfnicken, bevor er zielstrebig den Fahrstuhl ansteuerte, um den Rufknopf zu betätigen. Eddie vermerkte eine frühe Pause im Zeiterfassungssystem und sammelte dann seinen Sohn samt dessen sieben Sachen ein. Es war das erste Mal, das Eddie beobachtete, wie Buck den Lift benutzte, wo er doch sonst konsequent die Treppen nahm. Chris bat sie darum, einmal bis nach ganz oben zu fahren, doch Eddie erinnerte ihn an die bereits fortgeschrittene Uhrzeit und den morgen anstehenden vollgepackten Schultag.

Der erste Eindruck von Bucks Loft wurde durch den Soundtrack der auf dem Parkettboden klapperten Krücken des Jüngsten unter ihnen in Szene gesetzt, der wegen des offenen Wohnkonzepts nicht so schnell aus dem Staunen herauskam. Eddie machte sich Gedanken wegen etwaiger Kratzer auf dem Fußboden, aber Buck bat sie noch nicht einmal darum, ihre Straßenschuhe auszuziehen, was sie trotzdem taten.

„Ich habe Cornflakes und Saft fürs Frühstück da oder kann ein paar Eier in die Pfanne hauen. Im Gegensatz zu dir kann ich nämlich kochen“, grinste Buck auf seinem Weg in die Küche, wo er sich die Hände wusch und dann besagte Utensilien, ohne hinzusehen direkt aus seiner inzwischen wieder geschulterten Reisetasche in den Kühlschrank stopfte.

Eddie platzierte seinerseits einen unförmigen übergroßen Wanderrucksack auf einer der Abstellflächen, indem sich zu viele Wechselsachen, zwei Lieblingsplüschtiere und Chris‘ Schulsachen für den nächsten Tag befanden.

„Christopher, was hältst du davon, wenn ich uns eine heiße Schokolade mit zwei Marshmallows mache. Ich wette, dein Dad erlaubt dir normalerweise nur einen. In der Zwischenzeit kann er sich in Ruhe und total unauffällig zu Ende umsehen.“

„Er erlaubt mir sogar drei“, verkündete Chris stolz.

Buck sah Eddie interessiert an, der nicht anders konnte, als ihm die Zunge rauszustrecken.

„Tatsächlich? Na, vielleicht machen wir ihm dann auch eine Tasse. Irgendwo muss hier noch ein Thermobecher rumliegen. Hilfst du mir beim Suchen? Ich gebe dir die ausdrückliche Erlaubnis, in alle Schränke zu schauen. Was hätte ich in deinem Alter dafür gegeben, dass das jemand zu mir gesagt hätte.“

Chris sah zur Bestätigung zu seinem Dad, der eine halb schulterzuckende, halb Zustimmung signalisierende Geste machte und den Verdacht hegte, dass Buck diesem eher ungewöhnlichen Hobby auch ohne Erlaubnis nachgegangen war.

„Irgendwelche Allergien oder Unverträglichkeiten, von denen ich wissen sollte?“, erkundigte sich Buck, den Kopf im Kühlschrank, dem er eine Flasche Milch abzuluchsen versuchte.

„Ähm … also“, stotterte Eddie.

„Vielleicht kannst du mir bis zum nächsten Mal eine Liste schreiben, damit ich die Chance habe, mich darauf einzustellen“, bat Buck, zwei Tassen und mit der Milch die zweit wichtigste Zutat auf dem Weg zu ihrem Kakao, auf die freie Fläche neben dem Herd abstellend.

„Nächstes Mal?“, fragte Eddie verwirrt, während ein triumphierender Ausruf signalisierte, dass Chris den Reisebecher erfolgreich lokalisiert hatte.

Warum Buck den Backofen als geeigneten Aufbewahrungsort ansah, blieb zunächst offen.

„Du bist schon eine Weile im Besitz der dafür gültigen Dauerkarte. Vom Umtausch ausgeschlossen“, erklärte Buck, wandte sich dann ab, um Chris bei den restlichen Schritten auf dem Weg zu ihrer süßen Sünde über die Schulter zu schauen.

Eddie nahm Christophers vorsichtig an jeder Seite von einem Legosteinmagneten gehaltene Zeichnung an Bucks Kühlschrank lächelnd zur Kenntnis und hielt vergebens Ausschau nach Cowboy-Memorialien. Die Möglichkeit, das Hen ihn nur mit Erfolg hatte aufziehen wollen oder aber auch Buck Dinge aus seiner Vergangenheit in genau dieser belassen wollte, bekriegten sich in seinen Gedanken.

„Warum hängt da ein Fahrrad an der Wand?“, fragte Chris neugierig, was Eddie aus seinen Gedanken riss und dazu veranlasste, seine Besichtigung zu beenden.

Buck goss die inzwischen erhitzte Milch in die dafür vorgesehenen Gefäße, bevor er den Jüngsten unter ihnen direkt ansah, um ihm zu antworten.

„Jemand, der die wichtigen Fragen stellt. Das gefällt mir. Ich verrate es dir später, wenn dein Dad nicht mehr hier ist. Es ist nämlich ein Geheimnis“, erwiderte er verschwörerisch.

Eddie zog amüsiert eine Braue nach oben, schwieg jedoch.

Chris stimmte dem nur zu gern zu, während Eddie bei einem Blick auf seine Armbanduhr feststellte, dass seine Pause sich dem Ende näherte und er schweren Herzens an seinen Arbeitsplatz zurückkehren musste. Vorher entnahm er dem mitgebrachten Gepäck aber noch Schlafanzug, Zahnbürste und eine Taschenlampe.

„Ich leihe dir einfach mein Nachtlicht. Es ist ein Brontosaurus“, sagte Buck, nachdem Chris ihm von dem fest installierten in seinem Zimmer erzählte, was er nicht mitnehmen konnte, weshalb sie improvisierten.

„So wie Littlefoot?“, wollte Chris aufgeregt wissen.

Buck nickte grinsend.

„Ein Fachmann, wie ich sehe. Sehr gut“, freute er sich.

„Du hast wirklich ein Nachtlicht?“, hakte Christopher in skeptischen Tonfall nach.

„Es hat mir schon durch einige dunkle Zeiten geholfen“, versicherte Buck.

Chris würde in dieser Antwort nichts Ungewöhnliches sehen, nur jemandem, dem die Nacht so wie ihm nicht immer ganz geheuer war. Eddie hingegen verstand durchaus den doppelten Boden, wie Buck feststellte, als sich ihre Blicke kreuzten.

„Wirst du es denn heute Nacht gar nicht brauchen?“

„Ich habe ja dich hier mit mir und seit dein Dad über das Haus und deren Bewohner wacht, brauche ich es weniger.“

Eddie trat neben Chris und legte ihm einen Arm um die Schulter.

„Zu ihren Diensten“, meinte er, eine Verbeugung andeutend, während der sanfte Ausdruck in seinen Augen so viel mehr sagte.

Buck drückte ihm den Thermobecher in die Hand, ohne dabei den Blickkontakt zu unterbrechen.

„Frühstück wird 06:30 serviert“, ließ er Eddie wissen.

„Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll, Buck.“

Buck wiegelte ab.

„Du hast den Schlüssel, also benutze ihn ruhig, um nach un- ähm Chris zu sehen.“

Da war sie also, die universelle, direkt ausgesprochene Eintrittserlaubnis. Im gleichen Atemzug übergab er Eddie seine Handynummer, damit er Chris nachher anrufen und ihm eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen konnte, welcher zu lauschen er mindestens genauso genießen würde.

„Hör auf das, was Buck sagt, okay Kiddo? Ansonsten bin ich nur eine Fahrstuhlfahrt entfernt und hab dich sehr lieb. Vergiss nicht deine Zähne zu putzen.“

Eddie wuschelte ihm liebevoll durchs Haar.

„Daaaad“, nörgelte Chris halbherzig, bevor er sich rächte, indem er es bei seinem Vater gleichtat.

***

Zwischen der Stromrechnung und einigen Prospekten entdeckte Buck beim Blick in den Briefkasten eine Tüte mit Mini-Marshmallows. Diese bestachen durch eine vom Standard abweichende Form, die jeder sofort erkannte, trotz ihrer anatomisch inkorrekten Darstellung. Buck versuchte abzuwägen, ob Eddie bei der Wahl der Süßigkeit eine bewusste Entscheidung getroffen hatte oder sich von seinen Gefühlen verleiten ließ.

Nachschub. Danke! E.

Die kleinen Schaumzuckerkreationen zu verspeisen, würde er ganz sicher nicht so schnell übers Herz bringen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast