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Seelenheil

von Nordkrone
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger
01.07.2022
13.08.2022
8
35.251
23
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
13.08.2022 5.973
 
Einen wunderschönen Samstag Nachmittag wünsche ich euch!

Ich bin heute ein wenig später dran mit dem Posten aber ich habe eine wunderbare Ausrede. Ich bin aktuell in London und gestern war ich im Theater und zwar in dem Stück, in dem Tom Felton derzeit spielt. Es war grandios und tatsächlich hatte ich im Anschluss sogar die Gelegenheit ein Autogramm und ein Selfie zu ergattern. Daher kam ich dann gestern nicht mehr dazu.
Auch kommenden Freitag wird es schwierig werden, denn ich bin spontan noch in Italien kommende Woche - ob ich da Internet haben werde ist fraglich. Spätestens Sonntag sollte dann aber das nächste Kapitel kommen und dann gehts wie gewohnt im Freitags-Rythmus weiter.

Viel Spaß jetzt aber beim Lesen. Und immer dran denken - ich hab euch gewarnt, dass die Story ein wenig anders wird! ;)


Kapitel Sieben – Verlangen

Ver·lan·gen
Substantiv, Neutrum [das]
ausgeprägter Wunsch; starkes inneres Bedürfnis
nachdrückliche Bitte


Hätte irgendjemand an diesem Morgen zu Hermine gesagt, dass sie heute Abend mit Draco Malfoy geschlafen haben würde, hätte sie demjenigen gekonnt den Vogel gezeigt. Nie im Leben hätte sie angenommen, dass der Abend sich in diese Richtung entwickeln würde, doch hier stand sie nun, mit den Überresten ihrer eigenen Kleidung in den Händen vor der Tür zum Grimmauldplatz Nummer 12.

Und erst jetzt wurde ihr das gesamte Ausmaß ihres Handelns bewusst. Was hatte sie getan? Wie hatte es nur passieren können, dass sie all ihre Prinzipien über Bord geworfen und sich auf den ehemals verhassten Erzfeind eingelassen hatte? Ein Keuchen entwich ihr und sie hatte große Schwierigkeiten, den Schlüssel mit ihrer zitternden Hand in das dafür vorgesehene Schlüsselloch zu schieben. Irgendwann hatte sie es jedoch tatsächlich geschafft und betrat den dunklen Hausflur des alten Black-Anwesens. Die Nacht wich schon beinahe dem herannahenden Morgengrauen und auf Zehenspitzen schlich sie sich auf ihr Zimmer und zog sich schnell Malfoys Shirt vom Körper, ehe sie in ihren Pyjama schlüpfte.

Hermine war gerade dabei sich in ihr Bett zu legen, da überlegte sie es sich anders und mit einem Lächeln auf den Lippen verließ sie ihr eigenes Zimmer, um nebenan durch Harrys Tür zu huschen und sich in der Morgendämmerung in das Bett ihres besten Freundes zu stehlen. Sie brauchte jetzt unbedingt ein wenig Beständigkeit, denn diese schien in den letzten Tagen noch mehr abhanden gekommen zu sein, wie es ohnehin schon über die letzten Monate hinweg der Fall gewesen war. Die einzige Konstante in ihrem Leben war Harry und auch, wenn sie und Harry noch einen langen Weg vor sich haben würden, war es doch tröstlich zu wissen, dass es sie beide nach wie vor noch zusammen gab.

„Hermine? Was ist passiert?“, murmelte Harry, der von der Bewegung auf seiner Matratze geweckt wurde und verschlafen in ihre Richtung blinzelte.

„Alles gut, Harry. Schlaf weiter. Nur ein Alptraum…“, antwortete sie ihm flüsternd, während sie sich zu ihm unter die Decke schob und in das zweite Kissen kuschelte.

„Hab gar nichts mitbekommen…“, nuschelte er unverständlich und schlang in gewohnter Geste seine Hand über der Decke um Hermines Körper und zog sie noch ein wenig näher zu sich.

„Nein, dieses Mal habe ich schlecht geträumt…“

„Ach… so…“ Und schon konnte sie wieder die gleichmäßigen Atemzüge ihres Freundes vernehmen, die darauf hindeuteten, dass Harry sich bereits wieder im Traumland befinden musste. Das Licht des herannahenden Tages kämpfte sich nach und nach durch die staubigen Fenster und verwandelte die Dunkelheit des Zimmers in ein magisches Zwielicht und auch in Harrys schützender Umarmung schaffte Hermine es nicht, die wirren Gedanken aus ihrem Hirn zu verbannen. Ebenso wenig war an Schlaf auch nur zu denken, denn obwohl Hermine sich fühlte, als hätte sie einen Marathon hinter sich, so ausgelaugt war sie, pochte ihr Herz gleichmäßig und hart gegen ihren Brustkorb. Sie versuchte tief in sich hinein zu horchen und irgendein Zeichen von Scham oder Reue zu entdecken, doch da war nichts dergleichen. Eigentlich hätte sie gedacht, dass das schlechte Gewissen wie eine Abrissbirne einschlagen würde, sobald sie wieder einigermaßen klar denken konnte, doch alles was sie fühlte, war ein wohliges Kribbeln in ihrem Inneren, wenn sie an die letzten Stunden zurückdachte. Wer hätte jemals gedacht, dass Malfoy und sie sich mal auf diese Art und Weise nahekommen würden?

Während Hermine dem gleichmäßigen Atem von Harry lauschte, spann sich ihr Hirn immer verrücktere Gedanken zusammen. Was, wenn er seine letzten Worte an sie tatsächlich ernst gemeint hatte? ‚Dir ist klar, dass es das noch nicht gewesen ist?‘, hatte er gesagt. Ihr Magen machte einen kleinen Purzelbaum. Das hieß so viel wie, dass er sie wiedersehen wollte, oder? Hatte sie nun so etwas wie eine… Affäre mit Draco Malfoy? Nein, das war nun wirklich zu absurd. Hermine seufzte lautlos und kuschelte sich noch etwas tiefer in das weiche Kissen. Aber nur mal angenommen, also rein hypothetisch… was, wenn sie sich wieder trafen? Das würde seltsam sein, oder nicht? Konnte sie das überhaupt mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass sie sich erneut mit ihm traf? Und sollte sie sich bei ihm melden oder warten, ob er irgendetwas in die Richtung unternahm? All die Fragen, die nun in ihrem Kopf herumschwirrten, sollten heute keine Antworten mehr finden, denn irgendwann schlug die Müdigkeit erbarmungslos zu und Hermine fiel in einen relativ unruhigen Schlaf.

Lange war ihr die nicht ganz so erholsame Nachtruhe jedoch nicht vergönnt, denn schon nach wenigen Stunden wurde sie von Harry geweckt, der sich unruhig an ihrem Rücken bewegte, was ein eindeutiges Indiz dafür war, dass er bald aufwachen würde. Sie stöhnte gedanklich auf und gähnte herzhaft, als sie sich umdrehte und ihrem besten Freund ins Gesicht sah, während dieser langsam blinzelnd die Augen öffnete und beinahe im gleichen Moment einen halben Satz in die Luft vollführte.

„Scheiße, Hermine hast du mich erschreckt!“, fasste er sich an die Brust und versuchte schnellstmöglich seinen Herzschlag unter Kontrolle zu bringen, indem er einmal langsam tief ein und wieder ausatmete.

„Dir auch einen schönen guten Morgen“, lächelte Hermine und fuhr ihm in freundschaftlicher Geste durch die Haare. „Hast du gut geschlafen?“

Harry zuckte nur mit den Schultern und versuchte sich an einem schiefen Grinsen, was ihm nicht so ganz gelingen wollte. Es schien, als würde er sich bemühen, wieder am Leben teilzunehmen, doch so recht funktionieren wollte das nicht. In seinem Blick lag noch immer eine tiefe Traurigkeit und Hermine brach es das Herz, ihn so zu sehen. Sie selbst hatte heute jedoch ein Gefühl beschlichen, das irgendwo zwischen Scham und Euphorie lag. Sie konnte sich immer noch nicht erklären, welcher Hippogreif sie gestern dazu geritten hatte, zu Malfoy zu gehen und alleine, wenn sie an den Verlauf des gestrigen Abends oder besser gesagt, der vergangenen Nacht, zurückdachte, schoss ihr die Röte ins Gesicht und die Hitze in tiefere Regionen ihres Körpers. Sie war beinahe dankbar darum, dass Harry nun etwas sagte.

„Um ehrlich zu sein schlafe ich nie wirklich gut. Ich fühle mich morgens immer, als hätte ich die Nacht durchgemacht und stehe irgendwie ständig neben mir“, seufzte er und sie konnte es ihm gut nachfühlen, wenn auch aus aktuell anderen Gründen. „Du siehst auch müde aus“, merkte er dann noch an, während er sich wieder tief in sein Kissen kuschelte und ihr in vertrauter Geste mit der linken Hand über die Haare fuhr. Wenn er jedoch wüsste, warum genau Hermine so müde aussah, würde er mit Sicherheit nicht mehr so entspannt daliegen und würde ihr wahrscheinlich die Standpauke ihres Lebens halten.

„Ja, ich habe auch nicht viel geschlafen heute Nacht.“ Und das stimmte sogar ausnahmslos. Über Harrys verständnisvollen Blick hätte sie beinahe lachen müssen und sie fragte sich gleichzeitig, ob er immer noch so verständnisvoll dreinschauen würde, wenn er wüsste, was sie vor einigen Stunden noch auf Malfoys Schreibtisch in seiner Bibliothek getrieben hatte.

Harry atmete schwer und zog sie näher an sich heran und obwohl Hermine im Moment nicht wirklich wusste, was sie mit so viel Nähe anfangen sollte, da ihre kompletten Sinne sowieso schon überreizt waren, ließ sie es geschehen, wusste sie doch, dass ihr Freund jemand war, der das brauchte. Harry hatte nie viel körperliche Nähe und Zuneigung erfahren, weder in seiner Kindheit, noch während ihrer gemeinsamen Schulzeit. Einzig Ginny hatte es geschafft, zu ihm durchzudringen, was diesen Punkt anbetraf und auch Hermine selbst hatte es in den vergangenen Jahren immer öfter geschafft, ihn aus der Reserve zu locken. Und irgendwann war der Punkt gekommen, ab dem Harry selbst mit Umarmungen um sich geworfen hatte und plötzlich offener und empfänglicher für diese Art Zuneigung geworden war. Und nun, da er sie endlich, nach all den Monaten, in denen er sich komplett von ihr abgewandt hatte, wieder in sein Leben ließ, wollte sie es ihm nur ungern verwehren, auch, wenn sie immer noch bei jeder Berührung Malfoys Hände auf ihrem Körper spüren konnte. Das war nicht gut.

„Alpträume sind die Pest“, murmelte er nun, während er sein Kinn auf Hermines Kopf ablegte und sie somit gezwungen war, ihren Kopf gegen Harrys Oberkörper zu pressen, wo sie das dumpfe Pochen seines Herzens hören konnte, dass sie nach wenigen Minuten schon wieder ganz schläfrig werden ließ. Auch ihr Freund schien langsam wieder abzudriften, denn sein Atem ging gleichmäßig und langsam, doch in dem Moment als Hermine bereits tatsächlich kurz davor war, erneut einzuschlafen, erschrak sie fürchterlich, denn sie spürte Harrys Hand, die er zwischenzeitlich unter die Decke geschoben haben musste und die nun langsam aber zielstrebig an ihrem Rücken unter ihr Top verschwand und Hermine versteifte sich augenblicklich, als die Hand dann anfing, kleine, kreisende Bewegungen auf ihrem unteren Rücken zu vollführen. Also DAS war mit eindeutiger Sicherheit neu und sie konnte nur hoffen, dass er das im Schlaf tat und nicht bewusst.

„Harry?“, fragte sie nun leise und hoffnungsvoll, doch diese Hoffnung wurde direkt zerschlagen, denn er war nicht etwa eingeschlafen, sondern scheinbar in vollem Besitzt seiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten, wobei sie sich da, wenn sie genauer darüber nachdachte, nicht ganz so sicher war, was die geistigen Fähigkeiten anbelangte.

„Hmh?“, brummte er in ihre Haare, doch machte gleichzeitig keine Anstalten, damit aufzuhören, was auch immer er da gerade tat und Hermine versteifte sich noch ein wenig mehr. Ihr Körper war vollkommen überfordert, was wohl nicht zuletzt an der vergangenen Nacht mit einem gewissen, blonden Slytherin lag und Harrys ungewohnte Berührung trieb ihr augenblicklich den Schweiß auf die Stirn.

„Was wird das?“, flüsterte sie und traute sich gleichzeitig nicht, ihn von sich zu stoßen, denn das zarte Band, dass sie sich in den letzten Tagen mühsam wieder geknüpft hatten, war viel zu fragil, um es mit einer unbedachten Handlung wieder einzureißen.

„Keine Ahnung.“ Seine ebenfalls beinahe geflüsterten Worte verwirrten sie unfassbar und sie konnte plötzlich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Waren denn alle verrückt geworden? Erst Malfoy, von ihr selbst ganz zu schweigen und nun auch noch Harry?

Viel Zeit, um darüber nachzudenken, was hier gerade passierte, hatte sie jedoch nicht, denn nun wanderte Harrys Hand höher, ihre Wirbelsäule entlang, bis hoch zu ihrem Nacken, jedoch ohne die leicht knetenden Bewegungen zu unterbrechen. Hermine hatte mittlerweile das Atmen eingestellt und wenn sie nicht alles täuschte, dann hatte sich Harrys Herzschlag in den letzten Sekunden beschleunigt. Doch vielleicht war es auch ihr eigener, so genau konnte sie das in ihrer momentanen Situation nicht wirklich zuordnen, um ganz ehrlich zu sein. Normalerweise hatte sie keine Probleme damit, Situationen rational und schnell zu analysieren, doch in ihrem Kopf herrschte in diesem Moment eine gähnende Leere und selbst wenn sie versucht hätte, einen klaren Gedanken zu fassen, wäre es ihr wohl nicht gelungen. Was um Merlins Willen war hier los? Harry musste eindeutig seinen kompletten Verstand verloren haben, denn er hatte es nun irgendwie bewerkstelligt, ein wenig von ihr abzurücken und sie nun aus großen, grünen Augen durchdringend anzusehen.

„Harry, das ist womöglich keine besonders kluge Idee“, hauchte Hermine kaum hörbar. Sie traute sich nicht laut zu sprechen, ebenso wenig wollte sie sich aus seinem Griff befreien und ihm damit vor den Kopf stoßen. Natürlich war ihr klar, dass sie das theoretisch hätte tun müssen, doch sie war nicht fähig, auch nur irgendwas in diese Richtung zu unternehmen. Mit Harry umzugehen, war zur Zeit sowieso schon schwierig genug und nüchtern betrachtet war sie froh darüber, dass er sie wieder in sein Leben gelassen hatte, doch SO hatte sie sich das eigentlich nicht vorgestellt.

„Das ist mir im Moment eigentlich ganz egal“, antwortete er ihr und ein Schauer lief Hermine über den Rücken, denn seine Augen waren dunkler, als sie diese jemals gesehen hatte und sie konnte aus ihnen eine Verzweiflung lesen, die sie stocken ließ. Das war nicht mehr der Harry, den sie seit Kindheitstagen kannte. Sie hatte vor sich plötzlich nicht mehr nur ihren besten Freund, sondern einen erwachsenen, gebrochenen Mann, der ganz offensichtlich auch auf der Suche nach Zerstreuung war. Genau wie sie selbst.

Kaum hatte Hermine diesen Gedanken zu Ende gedacht, schwappte die Erinnerung an die vergangene Nacht über sie hinweg und mit dieser auch die Erinnerung an Malfoy und seine Art und Weise, Zerstreuung zu definieren. Ihre Haut begann zu kribbeln und ein weiterer Schauer lief ihr bei dem Gedanken an die letzten Stunden die Wirbelsäule entlang und ob sie nun wollte oder nicht, bog sich ihr Rücken durch bei Harrys Berührung und sie kam ihm so noch ein Stück weiter entgegen.

„Harry...“, flüsterte sie mit zittriger Stimme und beschloss im gleichen Moment, dass sie dringend wieder Herr ihrer Sinne werden musste. „…wir sind Freunde.“

Er seufzte und entließ sie nun glücklicher Weise aus seinem Griff, wenn auch langsam. Mit einem frustrierten Laut drehte Harry sich nun auf den Rücken und blickte zur Zimmerdecke, während er sich mit einer Hand die Haare raufte und die andere nun dazu nahm, um sein Gesicht zu bedecken. Hermine wusste kurz nicht, ob sie über diese bizarre Situation heulen oder doch lieber lachen sollte. All ihre Sinne waren einfach nur hoffnungslos überreizt und sie musste zuerst ihren Herzschlag unter Kontrolle bringen, ehe sie irgendetwas sagen konnte, doch ihr Freund kam ihr zuvor.

„Tut mir leid, Hermine. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was mit mir los ist. Wirklich, ich…“

„Nein!“, unterbrach sie ihn nun und bemerkte, wie sich ein verständnisvolles Lächeln auf ihre Lippen gelegt hatte. „Du musst dich nicht entschuldigen. Es ist alles okay.“ Das war es wirklich. Denn bei Merlin, auch wenn sie keine Ahnung hatte, warum die Erde sich auf einmal in die falsche Richtung drehte, so war ihr klar, dass gerade sie die Letzte sein sollte, die Harry dafür verurteilen dürfte. Doppelmoral war noch nie Hermines Ding gewesen und wie könnte sie auch? Hatte sie selbst noch überdeutlich die Bilder der vergangenen Nacht im Kopf. Auch sie konnte sich nicht erklären, was sie sich dabei gedacht hatte, um sich auf ein tête a tête mit Malfoy einzulassen. Auf dem Schreibtisch in seiner Bibliothek, wohlgemerkt! Ihr Lächeln verwandelte sich in einen Blick der verklärten Sorte und als sie das bemerkte, schüttelte sie rasch ihren Kopf, um diese Gedanken aus dem Hirn zu bekommen. Sie durfte sich jetzt nicht ablenken lassen. „Wirklich Harry. Mach dir keine Gedanken“, fügte sie daher noch an, nachdem der junge Mann vor ihr keine Anstalten machte, noch irgendetwas zu sagen. Zumindest hatte er es aufgegeben, sich hinter seiner Hand verstecken zu wollen und schenkte ihr nun ein dankbares Lächeln.

„Ich geh dann mal duschen“, sagte sie eher zu sich selbst als zu Harry, als sie sich erhob und Anstalten machte, das Zimmer zu verlassen. Wahrscheinlich war es tatsächlich eine gute Idee, jetzt einfach mal eine Weile allein zu sein, um ihre Gedanken zu sortieren. Doch kaum hatte sie die Türe erreicht, hielt seine Stimme sie zurück.

„Wollen… wollen wir später vielleicht mal nach Muggellondon? Ich weiß nicht… ein wenig bummeln oder so? Oder hast du was Anderes vor?“, wollte er zaghaft wissen und Hermine hätte in diesem Moment am liebsten vor Freude gejubelt – war es doch das allererste Mal seit sie hier gemeinsam in diesem Haus festsaßen, dass Harry von allein den Vorschlag machte, vor die Tür zu gehen. Auch wenn sie tatsächlich vermutlich lieber etwas Zeit für sich gehabt hätte, um über diese höchst verwirrenden letzten Stunden nachzudenken, so nickte sie doch eifrig auf seine Frage hin.

„Sehr gerne“, strahlte sie daher über das ganze Gesicht und drängte sämtliche Bedenken bezüglich seiner Annäherungsversuche, sowie jeden kleinsten Gedanken an einen gewissen blonden Slytherin in den hintersten Winkel ihres Gehirns. Damit konnte sie sich immer noch befassen. Viel wichtiger war im Moment, dass Harry scheinbar tatsächlich auf dem Weg der Besserung war.


***


Draco wusste nicht, die wievielte Runde er nun um diesen verfluchten Wald gelaufen war und es interessierte ihn auch nicht wirklich. Jedoch schien es seine Lungen eindeutig zu interessieren, denn diese protestierten lautstark. Gierig atmete er die kalte Luft ein, die ein unangenehmes Stechen verursachte, gleichzeitig aber so dringend notwendig war, nach dieser Rennerei. Keuchend ließ er sich in das gefrorene Gras fallen und blickte in den Himmel, der zur Hälfte durch das karge Geäst der Baumkronen verdeckt war. Hier lag er also, am Rande des kleinen Buchenwäldchens, völlig erschöpft und immer noch damit beschäftigt, seine Dämonen loszuwerden. Was nicht funktionierte. Seit nunmehr fünf Tagen versuchte er jetzt, seinen Kopf Granger-frei zu bekommen, mit mäßigem Erfolg, denn nun hatte er zu der nervigen Tatsache, dass diese Gryffindor ständig in seinen Gedanken zu sein schien, auch noch Muskelkater im ganzen Körper. Sein Plan war eigentlich einfach gewesen. Morgens Krafttraining, mittags joggen, abends fliegen und danach halbtot ins Bett zu fallen, ohne sich noch großartig Gedanken über irgendetwas machen zu müssen. Eigentlich. Doch die Realität sah anders aus, denn egal wann er sich auch mal eine ruhige Minute gönnte, sofort schob sich das Bild von Granger vor sein geistiges Auge, wie sie nackt vor ihm auf seinem Schreibtisch lag. So auch jetzt.

„Verdammt nochmal“, murrte er und blieb noch eine weitere Minute liegen, ehe er sich aufraffte und in gemäßigtem Schritt den Weg zurück ins Manor antrat. Draco wusste ganz genau, dass er irgendwann einknicken würde und dass seine Hormone den Krieg gegen seinen Kopf gewinnen würden, immerhin war er kein Idiot, aber er konnte wenigstens versuchen, dem Drang, sie zu kontaktieren, so lange wie möglich standzuhalten.

Ja, er hatte Blut geleckt und jegliche Fantasie, die er zuvor gehabt hatte, war von der Realität übertroffen worden. Wer in Slytherins Namen hätte auch nur ansatzweise gedacht, dass Hermine Granger so ein zügelloses Wesen hatte? Er jedenfalls nicht, musste er zugeben. Aber jetzt, mit diesem Wissen, da wollte er sie nur noch mehr als ohnehin schon. Wie hatte das nur passieren können? Er versuchte seit Tagen zu rekonstruieren, was genau schief gelaufen war und wo er die falsche Abzweigung genommen hatte, doch kam einfach zu keinem Ergebnis. Es war schlicht und ergreifend Fakt und er war es leid, sich darüber noch weiter den Kopf zu zerbrechen. Manchmal hatte er nicht wenig Lust, sich einfach zu betrinken, um das Gedankenkarussell in seinem Kopf zu stoppen, doch er wusste genau, dass auch dieser Versuch nach Hinten losgehen würde. Also hatte er auch dem Whisky abgeschworen und dies in Kombination mit dem straffen Sportprogramm, wurde ihm durchaus von seinem Körper gedankt, stellte er fest.

Mittlerweile war er im Manor angekommen und beschloss, es für heute gut sein zu lassen. Ihm tat alles weh und einzig die Aussicht auf eine heiße Dusche ließ ihn noch den Elan aufbringen, sich in seine Räume zu schleppen und nicht gleich hier in der Eingangshalle ein Schläfchen auf dem Boden abzuhalten.

Als er einige Zeit später mit einer Tasse Tee auf einem der gemütlichen Sofas in der Bibliothek saß und gerade dabei war ein neues Buch aufzuschlagen, fiel sein Blick wie so oft in den letzten Tagen zum Schreibtisch. Die ganzen Dinge darauf waren wieder ordentlich an Ort uns Stelle platziert, doch diese Tatsache konnte seine Gedanken leider nicht daran hindern, zur Nacht mit Granger zurück zu wandern. Draco biss sich auf die Lippen und versuchte angestrengt, sich wieder auf die geschriebenen Worte vor seiner Nase zu konzentrieren, doch vergeblich. Sein krankes Hirn hatte schon angefangen, die farbenfrohsten Bilder heraufzubeschwören und als die Buchstaben bereits anfingen zu verschwimmen, klappte er das Buch frustriert zu und starrte eine Weile auf den Einband.

Von einer fixen Idee überrascht sprang er auf, klemmte sich das Buch unter den Arm und machte sich auf den Weg in sein Schlafzimmer, wo er seinen Zauberstab einige Stunden zuvor zurückgelassen hatte.


***


Der Tag war anstrengend gewesen, stellte Hermine mit schmerzenden Muskeln fest, als sie endlich auf ihrem Bett saß und voller Vorfreude ihr Buch aufschlug. Harry und sie hatten heute den gesamten Tag damit verbracht, den Keller vom Grimmauldplatz zu entrümpeln. Zwar waren sie damit noch lange nicht fertig geworden, doch ein großer Teil des Kellers konnte nun zumindest wieder benutzt werden, ohne dass man sich darüber sorgen musste, ob man nicht zufällig von einem verzauberten und - im dümmsten Fall schwarzmagischen - Möbelstück angefallen wurde. Sirius‘ Vorfahren hatten offensichtlich ein Faible für solche Dinge gehabt und Hermine überlegte, ob das wohl auf alle reinblütigen Familien zutraf? Bei den Weasleys hatte sie zumindest nie irgendwelche gefährlichen Artefakte gesehen, wobei man sich da bei Mr Weasleys verzauberten Muggelgegenständen auch wiederum nicht ganz sicher sein konnte.

Es versetzte ihr einen kleinen Stich, an die Weasleys zu denken. Vor zwei Tagen war eine Eule von Mrs Weasley eingetroffen mit einem Brief und der unverbindlichen Einladung zu einem gemeinsamen Frühstück am Wochenende, doch Hermine hatte für Harry und sie abgesagt. Es ging einfach nicht und ein kleiner Teil ihrer selbst hasste sich dafür, dass sie mit den Verlusten nicht umgehen konnte – wusste sie doch, wie dringend Molly versuchte, sie und Harry wieder in die Familie zu integrieren. Doch vor allem Harry konnte mit Ginnys Tod einfach nicht umgehen und auch ihr selbst wurde beim Gedanken an Ginny und Fred ganz anders.

Molly hatte außerdem geschrieben, dass George sich gemeldet hatte und es ihm und Ron soweit gut ginge. Allein diese so nebenbei erwähnte Bemerkung hatte Hermine für einen vollen Tag in ein tiefes Loch gestürzt. Sie wollte nicht an Ron denken, immerhin schaffte dieser es ja offensichtlich auch wunderbar, nicht an sie oder Harry zu denken und sie ärgerte sich maßlos, dass sie dieses Thema nach wie vor so sehr mitnahm. Und auch ein anderes Thema beschäftigte Hermine, bereitete ihr sogar schlaflose Nächte. Harry. Sie konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen, doch seit dem Morgen, an dem er diesen seltsamen Annäherungsversuch gestartet hatte, war irgendetwas komisch zwischen ihnen. Er bemühte sich zwar sehr, sie so normal wie möglich zu behandeln, doch genau aus diesem Grund, weil er es so sehr versuchte, war die Stimmung zwischen ihnen nur noch angespannter geworden. Er war sehr darauf bedacht, Hermine nicht aus Versehen zu berühren und gestern hatte er sogar die Milchflasche beim Frühstück fallen gelassen, weil sich ihre Hände zufällig dabei gestreift hatten. Hermine seufzte und betrachtete gedankenversunken ihre neue, hübsche Stehlampe, die sie am heutigen Nachmittag aus dem Black’schen Keller gerettet hatte. Einer der wenigen nicht-schwarzmagischen Gegenstände. Die Kerzen in den gusseisernen Halterungen waren mit einem netten kleinen Zauber belegt. Sobald derjenige, der sie entfachte einschlief oder außer Sichtweite war, erloschen sie ganz von selbst. Hermine hatte dies als äußerst praktisch empfunden und dieses Teil auf direktem Weg in ihr Zimmer geschleppt.

Hier saß sie nun mit ihrem neuen Möbelstück sowie ihrem Buch und ärgerte sich, dass sie die gleichen Zeilen nun schon zum vierten Mal überflog, ohne zu wissen, was genau sie da gerade gelesen hatte. Sie konnte sich einfach nicht ausreichend konzentrieren, egal wie sehr sie es versuchte. Ihre Gedanken fuhren Achterbahn und genervt klappte sie den Roman wieder zu und ließ sich seufzend gegen das Kopfteil ihres Bettes sinken.
Augenrollend blickte sie an sich herunter und ärgerte sich noch mehr. Wenn ihr dummer Kopf sich schon mit ihren ganzen Problemen im Moment auseinandersetzen musste, dann konnte sie ja schließlich auch ruhig noch einen weiteren Gedanken an Malfoy verschwenden, dessen Shirt sie nun schon die zweite Nacht zum Schlafen am Körper trug. Sie hatte keine Ahnung, warum sie es nicht einfach verbrannt hatte, denn nichts anderes wäre die richtige Reaktion gewesen, um schnellstmöglich zu vergessen, welche riesige Dummheit sie da eigentlich begangen hatte. Aber dafür roch das Shirt einfach zu gut. Seit sie nach diesem wohl größten Fehler in ihrem jungen Leben nach Hause gekommen war, hatte sie nichts mehr von ihm gehört und Hermine war auf der einen Seite dankbar darüber, denn dann konnte sie schließlich einfach so tun, als wäre rein gar nichts passiert, doch auf der anderen war sie immer noch in höchstem Maße verwirrt. Womit auch immer sie versuchte sich abzulenken, es half nicht. Der Mistkerl war stetig präsent in ihren Gedanken und so sehr sie sich auch anstrengte, es wollte ihr nicht gelingen, ihn daraus zu vertreiben. Seit dieser Nacht trug sie eine innere Unruhe mit sich herum, die sie sich weder erklären noch eingestehen wollte. Allein wenn sie daran dachte, wie Malfoy sie angesehen hatte, als sie vollkommen ausgeliefert vor ihm gesessen hatte, festgehext an seinem verfluchten Schreibtisch, wurde ihr heiß und kalt gleichzeitig. Sie wusste nicht genau was er getan hatte, doch er hatte irgendetwas mit ihr gemacht. Und wenn sie es nicht besser wissen würde, dann würde Hermine sagen, dass er sie mit einem wirklich fiesen, schwarzmagischen Fluch belegt hatte, denn anders konnte sie sich eigentlich nicht erklären, warum sie konstant mit sich kämpfen musste, um nicht erneut auf direktem Weg ins Manor zu spazieren. Doch auf keinen Fall würde sie sich dieser Demütigung unterziehen und wenn sie nochmal so viele Keller in schweißtreibender Kleinstarbeit durchforsten musste, um auf andere Gedanken zu kommen.

Das leise Picken an der staubigen Fensterscheibe riss sie aus ihren Gedanken, worüber sie im Moment sogar sehr erleichtert war. Es wurde höchste Zeit, einmal an etwas anderes zu denken. Doch wer konnte das um diese Uhrzeit sein, der ihr da schrieb? Sie erwartete eigentlich keine Post.
Schnell, um das Tier nicht unnötig warten zu lassen, ging sie zum Fenster und staunte nicht schlecht, als ein weißer Gerfalke in ihr Zimmer gerauscht kam und sich neben dem linken unteren Bettpfosten niederließ, ein kleines Paket am Bein. Hastig nahm sie dem Vogel das geschrumpfte Päckchen ab und hatte noch genau drei Sekunden Zeit das schöne Tier zu betrachten, ehe es sich mit einem leisen Schrei schon wieder erhob und durch das offene Fenster hinaus in die Schwärze der Nacht davonflog.
Mit einem Stirnrunzeln griff sie nach ihrem Zauberstab auf der Kommode und vergrößerte das Paket, indem sie den Schrumpfzauber aufhob. Sie warf ihren Stab auf das Bett und entpackte das viereckige Päckchen, das bereits auf den ersten Blick den Anschein machte, als sei ein Buch darin. Und sie sollte recht behalten, denn zum Vorschein kam ein Buch über schwarze Magie und Hermine runzelte verwirrt die Stirn, während sie das in Leder gebundene Werk aus der schlichten Verpackung hob.
Kaum hatten ihre Finger den glatten, dunkelbraunen Einband berührt, riss es sie von den Füßen und sie erschrak fürchterlich, als sie den so ungewohnten aber durchaus bekannten Ruck, direkt hinter ihrem Bauchnabel verspürte, der sie in einen Strudel aus Dunkelheit zog um sie an einen anderen Ort zu bringen.


***

„Da schau an, Granger. Du bringst mir mein Buch und mein Lieblings-Shirt zurück. Das wäre aber doch nicht nötig gewesen“, grinste Draco süffisant, als Hermine sich, dank dem Portschlüssel und mit einem empörten Ausruf, den er nicht wirklich zuordnen konnte, in seinem Schlafzimmer manifestierte. Er klopfte sich gedanklich auf die Schulter für diese durchaus grandiose Idee, ihr einen Portschlüssel zu schicken. Getarnt als Buch - wenn das nicht mal passend war. Und hier stand sie nun, mitten in seinen Räumlichkeiten, höchst verwirrt in Shorts und seinem T-Shirt. Wenn das nicht allein schon die Aktion wert gewesen war, dann wusste er auch nicht.

„Was zum Teufel soll das, Malfoy?“, wetterte sie auch sogleich los, nachdem sie einen kurzen Moment gebraucht hatte, um die Lage zu erfassen.

„Ich habe dir den langen Weg hierher erspart“, meinte Draco großspurig und erhob sich von seinem Schreibtischstuhl, um sie gebührend zu begrüßen. Granger sah jedoch kein bisschen so aus, als wolle sie von ihm begrüßt werden, denn sie starrte ihn nur wütend nieder, warf das unnütz gewordene Buch in hohem Bogen auf sein Bett und verschränkte die Arme abwehrend vor der Brust.

„Den Weg erspart? In welcher Welt lebst du bitte? Du kannst mich doch nicht einfach so mit einem Portschlüssel hierher holen. Das grenzt ja schon an Entführung! Und ist außerdem illegal!“

Draco schmunzelte und schloss nun zu ihr auf, so, dass sie ihren Kopf ein wenig in den Nacken legen musste, um zu ihm hoch zu sehen. Allein dieses winzige Detail brachte ihn beinahe um seinen restlichen Verstand, auch wenn er eigentlich gedacht hatte, dass er diesen schon vor einer Weile verloren haben musste. Ihre Augen waren dunkel vor Wut und es gefiel ihm, wenn er ehrlich zu sich selbst war. Granger war eine harte Nuss und alles andere wäre ihm vermutlich auch langweilig gewesen. Doch wenn er eines mit absoluter Sicherheit wusste, dann, dass er sie ebenfalls nicht kalt ließ. Nicht nach ihrer letzten Begegnung. Er hatte schon immer ein Gespür dafür gehabt, wie er auf andere wirkte und Granger machte da keine Ausnahme. Zufrieden stellte er fest, dass sich ihre Atmung beschleunigt hatte, seit er so nah vor ihr stand und trotz der Giftpfeile, die sie gerade mit ihrem Blick auf ihn abschoss, bemerkte er, wie sie nervös von einem Bein auf das andere trat.

„Entführung? Ich bitte dich…“ Er hob während diesen Worten seine rechte Hand und zupfte ein wenig an seinem Shirt, das sie am Körper trug, herum. „Erzähl mir nicht, dass du nicht an mich gedacht hast.“

Aus ihrem Mund kam ein frustrierter Laut und Draco spürte genau, wie ihre Gegenwehr von Sekunde zu Sekunde mehr Risse bekam und wenn er richtig sah, dann lag sogar mittlerweile ein leicht flehender Ausdruck in ihrem Gesicht. Ohne groß darüber nachzudenken, griff er nach ihren Armen und zog sie von ihrem Körper fort, damit er nun noch näher an sie heranrücken konnte. Allein Grangers Nähe machte ihn schon beinahe wahnsinnig und er beschloss, dass jetzt nicht die richtige Zeit für weitere Spielchen war. Ohne auf ihren ohnehin nur halbherzigen Protest zu achten, überbrückte er die restlichen Zentimeter zwischen ihnen und küsste sie hart und fordernd auf den Mund. Bei Merlin, er würde es sich zwar wohl selbst nie eingestehen, doch er hatte die letzten Tage an nichts anderes mehr denken können, als an Grangers Lippen auf seinen und an seine Hände auf ihren verdammt perfekten Körper, der sich gegen seinen bewegte. Nur am Rande bekam er mit, dass sie ganz und gar nicht abgeneigt war, denn schon nach Sekundenbruchteilen hatte sie ihre Arme aus seinem Griff gelöst und in seinen Haaren vergraben, um ihn noch näher zu ziehen, was theoretisch gar nicht mehr möglich gewesen wäre. Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, was er eigentlich ursprünglich mit ihr hatte tun wollen, dirigierte Draco Hermine nun zu seinem Bett, wo sie mehr strauchelnd als sonst irgendwas landeten und gerade war er dabei sie in die weichen Laken zu drücken, als sie plötzlich von ihm abließ und ihn mit all ihrer Kraft, die sie wohl momentan aufbringen konnte, von sich stieß.

„Stopp. Das ist nicht in Ordnung!“, keuchte sie etwas außer Atem und Draco war einen Moment viel zu perplex, um etwas anderes zu tun, als sich von ihr auf die Seite schieben zu lassen und ihr dabei zuzusehen, wie sie hastig aufstand und fluchtartig die Tür ansteuerte.

„Granger“, versuchte er sie aufzuhalten, als er endlich seine Stimme wiedergefunden hatte „was ist dein Problem?“

Sie wirbelte herum und starrte ihn ungläubig an. „Mein Problem? MEINS? Was ist dein Problem? Was zur Hölle ist euer aller scheiß Problem?“, rief sie nun aus und fuchtelte wild mit ihren Händen in der Luft herum. „Ich bin verdammt nochmal kein Spielzeug, das man sich mit einem Portschlüssel herzaubern kann, wann es einem gerade passt!“, knurrte sie nun beinahe und Draco verstand nicht genau, was hier gerade passierte. Sie war sichtlich aufgelöst und er hatte nicht die geringste Ahnung, was plötzlich in sie gefahren war. Und was zum Geier meinte sie mit euer aller Problem? Bedächtig erhob er sich von seinem Bett und fuhr sich durch die zerzausten Haare. Doch noch ehe er etwas zu dieser bizarren Situation beitragen konnte, machte sie auch schon weiter.

„Untersteh dich, mich nochmal zu kontaktieren, Malfoy. Gute Nacht.“ Sie war schon beinahe zur Türe hinausmarschiert, als er sie aufhielt.

„Wie willst du denn nach Hause kommen?“, wollte er überheblich grinsend von ihr wissen und die erwartete Reaktion von ihr folgte prompt, denn sie erstarrte in der Bewegung, drehte sich erneut zu ihm und sah ihn mit einem Blick an, der an Trotz nicht mehr zu überbieten war.

„Das hat dich nicht zu interessieren.“

„Du hast keinen Zauberstab dabei“, sprach er das Offensichtliche aus, während er sich langsam wieder auf sie zu bewegte.

„Ich laufe.“ Dass das völlig absurd war, musste ihr jedoch selbst klar sein, denn sein Blick fiel auf ihre nackten Füße und er schnaubte belustigt. Selbst wenn nicht hunderte Kilometer zwischen dem Manor und Potters Haus liegen würden, wäre das nicht auch nur im Ansatz machbar.

„Sei nicht dumm. Du würdest erfrieren.“

Kampflustig reckte sie nun ihr Kinn in die Luft und blickte ihn herausfordernd an, was Draco nur noch mehr anstachelte, denn er mochte diese Art von Konversation. Er wusste genau, dass sie nicht ernst meinen konnte, was sie da sagte und er würde heute nicht eher aufgeben, bis sie einsah, dass der richtige Platz an diesem Abend für sie genau hier in seinem Bett war. Anscheinend wusste sie auch nicht mehr genau, was sie dazu sagen sollte, denn sie hatte die Lippen aufeinander gepresst und starrte verzweifelt einen Punkt an der gegenüberliegenden Wand an, vermutlich, um ihm nicht in die Augen sehen zu müssen.

„Na gut, bitte, dann geh. Aber dann ohne mein Shirt, wenn’s recht ist. Das ist immerhin meine Lieblingsband“, setzte er noch einen hinterher und hielt ihr auffordernd seine rechte Hand entgegen. Er hatte es lustig gefunden. Granger offenbar nicht, denn die starrte ihn nun wieder an – dieses Mal jedoch nicht wütend, sondern ganz und gar verletzt und Draco schluckte. Er hatte zu keiner Zeit vorgehabt, sie zu verletzen. Er war vielleicht ein Arsch, aber trotzdem hatte er Prinzipien. Sie zu unterwerfen - ja. Sie ein bisschen an den Rand der Verzweiflung zu treiben - sicherlich. Ihr ein wenig Angst zu machen - absolut. Aber nicht, ihr ernsthaft zu schaden, egal ob physisch oder psychisch. Das auf keinen Fall. Spätestens seit dem Krieg war Draco klargeworden, dass es vermutlich wirklich keinen Unterschied machte, welchen Blutstatus man hatte oder eben auch nicht hatte. Das Bild, wie Granger schreiend auf dem Steinboden seiner Eingangshalle gelegen hatte und von seiner verrückten Tante gefoltert worden war, hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt und vermutlich war ihm in diesem Moment überhaupt erst klar geworden, wie falsch er all die Jahre gelegen hatte, seine Einstellung gegenüber Schlammblütern betreffend. Gut und schön, vielleicht sollte er auch einmal daran arbeiten, dieses Wort aus seinem Wortschatz zu streichen, aber wie das mit schlechten Angewohnheiten nun einmal war, ließ sich das nicht so einfach ablegen. Er arbeitete daran.

„Du bist ein Arschloch.“ Ihre erstickte Stimme gefiel ihm nicht. Ja, er war ein Arschloch. Offensichtlich. Vielleicht konnte er Granger nicht sonderlich gut leiden, doch er konnte das jetzt nicht einfach nicht so stehen lassen und sie zum Teufel schicken, auch wenn er es vielleicht gerne getan hätte. Oder besser gesagt – tun sollte. Er hatte kein Interesse daran, auf einer emotionalen Ebene mit ihr zu kommunizieren, oder auch nur irgendetwas zu tun, was über die Befriedigung seiner niederen Triebe hinausging, doch in diesem Fall hatte er wohl keine Wahl.

„Komm mit“, warf er ihr im Vorbeigehen entgegen und ignorierte ihren verwirrten Blick, als er ihr die Türe aufhob, die auf den Gang hinausführte.

„Wohin?“, kam auch sofort die Frage, doch zu seiner Überraschung setzte sie sich tatsächlich langsam in Bewegung.
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