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2022 06 28: Ein Hoch auf die Technik [by Sira-la]

Kurzbeschreibung
OneshotSchmerz/Trost, Übernatürlich / P16 / Het
Beth Turner Guillermo Josef Kostan Mick St. John
28.06.2022
28.06.2022
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Tag der Veröffentlichung: 28.06.2022
Titel der Geschichte: Ein Hoch auf die Technik
Song: „Bruder vor Luder“ von Die Lochis
Autor: Sira-la
Kommentar des Autors: Als ich den Prompt gelesen habe, musste ich recht schnell an Mick mit Josef und Beth denken. Entstanden ist dieser OneShot, der nach dem ersten Abschnitt irgendwie ganz anders verlief, als ich mir das überlegt hatte. Nun ja … Passiert ^^



Ein Hoch auf die Technik


„Es ist wirklich schön hier“, sagte Beth und lehnte sich an ihn.
Mick legte einen Arm um ihre Schultern. „Ist es“, bestätigte er. Sie saßen im Schatten einiger Palmen und beobachteten den Sonnenuntergang über dem Meer. Es war ihr zweites Date von hoffentlich vielen weiteren. Romantische Picknicks am Strand waren natürlich schwierig, wenn einer der Beteiligten der Sonne lieber auswich, und so hatten sie sich erst zum Abend hier getroffen.
Beth zog sich die Kühltasche näher heran, die sie mitgebracht hatte. Mick lehnte ab, als sie ihm einen der Donuts anbot. „Oh, stimmt ja“, murmelte sie entschuldigend.
Mick lachte leise. „Schon okay“, sagte er. „Lass es dir schmecken.“
Sie drehte den Kopf und blinzelte ihn von unten her an. „Falls du hungrig bist, musst du es nur sagen.“
Mick küsste sie sanft. „Ich weiß“, sagte er. Allerdings wussten sie beide, dass er das Angebot nicht annehmen würde. Er hatte bis jetzt nur ein einziges Mal von Beth getrunken und das war in einer Ausnahmesituation gewesen. Leben oder sterben. Aber wenn er die Wahl hatte, würde Mick immer das Blut bevorzugen, das er von Guillermo kaufte.
Beth aß schweigend und auch Mick sagte nichts mehr weiter zu diesem Thema. Schließlich schloss sie die Kühltasche wieder. „Was machen wir jetzt?“, fragte sie und sah ihn mit diesem sanften, neugierigen Lächeln an, das ihn halb wahnsinnig machen konnte.
„Ich dachte, wir könnten tanzen gehen.“
Beth strahlte ihn an und Mick wusste, dass er die richtige Idee gehabt hatte. Doch noch bevor er aufstehen konnte, klingelte sein Handy. Er runzelte die Stirn und zog es aus seiner Tasche. Er hatte, bevor er sich mit Beth getroffen hatte, eingestellt, dass er nicht gestört werden wollte. Nur zwei Personen konnten ihn dann überhaupt erreichen und eine von ihnen saß gerade neben ihm.
„Ja?“
„Mick?“ Josef klang, als wäre er außer Atem, was nie ein gutes Zeichen war.
„Josef?“, fragte Mick stirnrunzelnd. Er hörte Glas splittern, dann war die Leitung plötzlich tot. „Josef?!“ Er war schon auf halbem Weg zu seinem Auto, als ihm einfiel, dass er ja eigentlich gerade ein Date hatte, und stolpernd stehen blieb. „Tut mir leid“, rief er Beth zu, die ihn verwirrt ansah. „Ich muss weg!“

***

Mit quietschenden Bremsen hielt Mick eine Straße von Josefs Villa entfernt an. Er hatte Logan gebeten, Josefs Handy zu orten, einmal mehr dankbar für die heutige Technik, und hoffte, schnell genug gewesen zu sein.
Seine Sinne aufs Äußerste gespannt, näherte er sich dem Vordereingang. Die Tür war aufgebrochen, doch einzig die schmutzigen Stiefelabdrücke zeugten davon, dass jemand das Haus betreten hatte, der hier nicht sein sollte. Mick atmete einmal tief durch, um sich zu beruhigen. Die Angst um Josef überlagerte alles andere, aber er musste konzentriert bleiben.
Mick betrat die Küche. Anders als im Gang waren hier keine Fußspuren zu sehen. Mick öffnete den Kühlschrank und nahm sich die im Eisfach gelagerte Pistole. Er überprüfte, ob sie geladen war, während er den Raum durchquerte. An der Tür zum Salon erstarrte er. Es sah wortwörtlich aus, als hätte hier eine Bombe eingeschlagen. Unzählige Nägel steckten in den Wänden und auf dem Boden stand Wasser. Mick warf einen Blick an die Zimmerdecke. Er war nicht überrascht, dass die Düsen von Josefs automatischem Löschsystem sichtbar waren.
Vorsichtig bewegte er sich durch den Raum, bis er die Terrassentüren erreichte. Eine von ihnen war zerstört. Die Scherben lagen außen und Mick kam der Verdacht, dass Josef ohne Rücksicht auf Verluste durch die Scheibe gesprungen war. Es würde das Splittern erklären, das er gehört hatte.
„Josef?“
Die Waffe erhoben, schob er sich durch die Öffnung. Er bemerkte, dass Josefs Handy zwischen den Scherben lag, und schluckte schwer.
„Josef?!“
Der Geruch von Blut stieg ihm in die Nase und Mick sah sich etwas nervös um, bis er die Tropfen am Boden entdeckte, die sich kaum von der Maserung des Holzes abhoben. Immer wieder die Umgebung sichernd, folgte er der Spur von der Terrasse und den Abhang hinunter.
Hinter einem großen Busch entdeckte er schließlich eine leblose Gestalt.
„Josef!“, rief er entsetzt, als er seinen Freund erkannte. Ein silbrig glänzender Holzpflock steckte in Josefs Brust, seine Kehle war durchgeschnitten und als Mick ihn vorsichtig auf den Rücken drehte, entdeckte er ein Einschussloch an Josefs Schläfe.
Mick zog den Pflock heraus und wischte sich die Hände am Boden sauber. Er konnte es gerade wirklich nicht gebrauchen, Silber in sein System zu bekommen. Er musste Josef hier wegschaffen. Natürlich wäre es kein Problem für ihn, Josef zu seinem Auto zu bringen, aber er wollte nicht riskieren, doch noch auf den Angreifer zu treffen.
Seine Finger zitterten leicht, als er sein Handy aus der Tasche zog und Guillermos Nummer eingab.
„Hey Kumpel. Ich dachte, du hast heut n Date?“
„Hatte ich“, sagte Mick. „Ich brauch deine Hilfe. Josef ist verletzt, es sieht übel aus. Kannst du uns unterhalb seiner Villa abholen?“
„Bin in ner halben Stunde da. Ich bring n bisschen A+ mit, das trinkt er doch auch, oder?“
„Wenn er keine andere Wahl hat“, scherzte Mick halbherzig. „Danke, Mann.“
Guillermo legte auf und Mick steckte sein Handy wieder ein, bevor er aufstand und Josef vorsichtig hochhob. Zu seiner Erleichterung hatten die Verletzungen begonnen, zu verheilen, kaum dass er den Pflock entfernt hatte, aber so langsam, wie es voranging, schien eine Menge Silber an dem Pflock gewesen zu sein.

***

Sie waren bereits auf halbem Weg zur Leichenhalle, als Josef endlich die Augen aufschlug.
„Was ist passiert?“, fragte Mick sofort.
„Erinnerst du dich an Ralf Martan?“ Josefs Stimme klang brüchig.
„Der Auftragskiller, den Sarahs Vater auf dich angesetzt hatte?“ Mick reichte ihm einen der Blutbeutel, die Guillermo mitgebracht hatte.
Josef nickte, bevor er gierig seine Zähne in dem Plastik versenkte.
Mick ballte seine Hände zu Fäusten. „Er weiß Bescheid?“
„Inzwischen scheinbar schon“, sagte Josef und warf den leeren Beutel auf den Boden. Ungefragt gab Mick ihm einen zweiten.
„Der wird doch jetzt glauben, dass er erfolgreich war?“, mischte Guillermo sich vom Fahrersitz ein. „In allen Mythen sterben Vampire von dem Pfahl ins Herz.“
Langsam nickte Mick. „Das stimmt“, sagte er. „Aber wir sollten es nicht riskieren, dass er das nächste Mal was anderes probiert.“ Er sah Josef ernst an. „Lass uns die Cleaner rufen. Die können sich um den Mistkerl kümmern.“
Josef wirkte nicht sehr glücklich über diesen Vorschlag. „Ich bin über 400 Jahre alt. Ich sollte allein mit nem menschlichen Attentäter klarkommen.“
Mick deutete demonstrativ auf Josefs blutige, zerstörte Kleidung. „Das war das zweite Mal, dass er fast erfolgreich war.“
Josef griff sich einen dritten Beutel. Mick wartete geduldig, bis er leer war. Er wusste, dass Josef dann eine Antwort für ihn hätte.
„Ich will ihn selbst töten“, sagte Josef und seine Augen wurden weiß. „Aber vielleicht können die Cleaner uns helfen, ihn schneller zu finden.“
Mick griff nach seinem Handy. Erst jetzt bemerkte er die unzähligen SMS, die er im Laufe der letzten Stunden bekommen hatte. Er verzog leicht das Gesicht. Beth hatte er völlig vergessen.
„Ich wollte dein Date nicht ruinieren“, sagte Josef zerknirscht.
Mick sah ihn überrascht an.
„Du hattest dein Beth-Gesicht“, meinte Josef nur. „Ruf sie an und entschuldige dich.“
Mick legte eine Hand auf Josefs Schulter. „Ich werde mich nie entschuldigen, dass ich einem Freund geholfen habe“, sagte er ernst und wählte die Nummer der Cleaner. „Entweder Beth versteht das, oder sie ist doch nicht die Richtige.“
Josef legte seine Hand auf Micks. Und er lächelte.
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