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point of no return

von arijura
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
Brutus Caesar Flickerman Cato Clove Coriolanus Snow Enobaria
25.06.2022
10.07.2022
2
3.029
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25.06.2022 1.652
 
POINT OF NO RETURN

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Zweitausendeinhundertneunzig Tage zuvor

Es war mein erster Trainingstag in der Akademie und ich hatte fürchterliche Angst. Mein Körper zitterte wie das Laub an den Bäumen bei einer kühlen Herbstbrise. Überall um mich herum standen Mädchen und Jungen, alle von ihnen waren in meinem Alter und der Großteil von ihnen war um mindestens einen Kopf größer als ich. Sie sahen alle so bedrohlich aus. Zögerlich sah ich mich um und versuchte, einen Blick auf meine Eltern zu erhaschen. Aber ich war zu klein und konnte sie nicht entdecken. Ruhig bleiben, tief ein- und ausatmen.
„Guten Morgen, liebe Schülerinnen und Schüler. Ich begrüße euch recht herzlich zu eurem ersten Trainingstag in der Akademie. Vor euch liegen sechs Jahre voller hartem, körperlichen Training aber auch voller großer geistiger Herausforderungen. Denn Hungerspiele werden nicht nur mit körperlichen Vorzügen gewonnen. Oftmals ist ein gut geschulter Geist die viel stärkere Waffe als jedes frisch geschliffene Schwert. Beherzigt diesen Ratschlag, dann werden aus euch eines Tages meisterliche Tribute und ehrwürdige Sieger für Distrikt 2.“
So bereit ich auch dazu war, eine Siegerin zu werden, so sehr hatte ich in diesem Moment auch Respekt vor den folgenden sechs Jahren. Es würde hart werden, unbarmherzig- das wusste ich auch schon damals. Es würde Momente geben, in denen ich mich und die Welt anzweifeln werde. Aber ich war stark. Ich war klug. Und ich war nicht dazu geboren worden, aufzugeben.

Eintausendsiebenhundertsiebzig Tage zuvor

Mehr als ein Jahr lang war ich bereits Schülerin an der Akademie. Schon seit dem ersten, echten Trainingstag musste ich mich der harten Wahrheit stellen – meine Körpergröße machte mich zu einem beliebten Angriffsziel für Sticheleien. Was mit harmlosen Witzen anfing, nahm schon recht bald gravierende Ausmaße an. Die ersten Wochen war ich zu schüchtern um etwas dagegen zu erwidern. Ich wollte damals keinen schlechten Eindruck machen. Zumindest nicht bis zu jenem Tag, an dem das erste Mal jemand Partei für mich ergriffen hat. Jemand, von dem ich es nie erwartet hätte.
Es war ein kühler Nachmittag und das Lauftraining hatte gerade begonnen. Was mir an Körpergröße fehlte, machte ich an Schnelligkeit wieder weg. Bei den Lauftrainings hatte ich von Anfang an mit die besten Zeiten aus meinem Jahrgang. Dass dies ein Dorn in den Augen meiner Mitschüler war, besonders in jenen von Carridia Johnes, war mir bewusst. Doch an diesem Nachmittag wurde ich zum ersten Mal das Opfer eines körperlichen Angriffes. Schneller als ich reagieren konnte, wurde mir mit einem gehässigen, hohen Lachen ein Bein gestellt und einen Herzschlag später schlug ich unsanft mit der Stirn voraus auf dem harten Boden der Laufstecke auf. Zischend stieß ich einen bösen Fluch aus, als ich das Blut auf meinem Gesicht fühlen konnte. Doch viel schneller als das ich reagieren konnte, ertönte mit einem Mal eine tiefe, männliche Stimme hinter mir.
„Hast du wirklich solche Probleme mit deinem Ego das du andere, die besser sind als du, dauerhaft schlecht machen musst?“ grollte er, während er zeitgleich eine Hand nach mir ausstreckte um mir aufzuhelfen. Seine schwielige Haut jagte mir einen Schauder über den Rücken. Dies waren die Hände eines Kriegers, keines einfachen Schülers. Carrida zog eine Augenbraue hoch und bedachte Cato nur eines fragendes Blickes.
„Ernsthaft? Du setzt dich für die da ein?“ fragte sie ungläubig und kam noch einen Schritt näher. Ich stand mittlerweile wieder auf meinen Beinen, wenn auch etwas wackelig, und betastete vorsichtig die immer noch blutende Wunde an meiner Stirn. Es war wohl doch nicht nur eine kleine Schürfwunde. Cato, mein unerwarteter Verteidiger, stellte sich neben mich und überragte mich damit um mehr als einen ganzen Kopf. Zu sagen, er sei riesig, war in diesem Fall nicht verkehrt.
„Die da,“ brummte er ihr mit finsterer Mine entgegen, „ist schon jetzt um Längen besser als du es jemals sein wirst. Also halt gefälligst den Ball flach und lass sie in Ruhe, vielleicht hat sie dann als Siegerin ein gutes Wort für dich übrig.“ In diesem Moment blieb mir die Spucke weg und ich musste mehrmals blinzeln um mich zu vergewissern, dass dies hier kein schlechter Traum war. Carridia schien es ebenso so ergehen, denn sie stieß nurmehr einen abfälligen Seufzer aus, warf ihre ebenholzfarbenen Haare über die Schuler, drehte sich um und stiefelte so schnell sie konnte davon. Ein grummelndes Gefühl breitete sich in meinem Magen aus – das hier war gewiss noch nicht das Ende dieser Schlacht. Eine Verzögerung, aber der nächste Schlag würde folgen und mich vielleicht noch härter treffen als erwartet.

Eintausenddreihundertacht Tage zuvor

Seltsamerweise war dies tatsächlich bis zu diesem Tag die letzte Attacke von Carridia gewesen. Seither konnte ich mich vollkommen auf mein Training und auch auf meine Ausbildung konzentrieren, was sich nicht nur in meinen Noten und Beurteilungen widerspiegelte. Ich war glücklicher. Entspannter.
„Hey, hör auf zu träumen!“ neckte mich eine mittlerweile sehr vertraute Stimme. Cato stellte sich mir gegenüber auf, die Arme lächelnd vor der muskulösen Brust verschränkt. Es war schwer zu glauben, dass dieser Kerl tatsächlich so etwas wie eine weiche Seite an sich hatte. Weich war vielleicht wirklich nicht das richtige Wort, es würde ihn beinahe liebenswürdig machen, und dies wiederum würde sein gesamtes Auftreten ruinieren.
„Mach ich doch garnicht.“ gab ich gespielt beleidigt zurück, konnte mir aber ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Seitdem ich regelmäßig mit ihm trainierte, hatten sich meine ohnehin guten Leistungen noch weiter verbessert. Dass er zwei Jahre älter war als ich und somit schon um einiges mehr an Erfahrung gesammelt hat, war für mich nur von Vorteil.
Mit jedem Tag legte ich die schüchterne, kleine Clove ein Stück weit ab. Schälte mich aus dieser viel zu engen Haut wie eine Schlange, fühlte mich gut. Er hauchte mir irgendwie neues Leben ein, zeigte mir wie ich mich durchsetzen konnte.
„Das sagst du immer.“

Neunhuntertzehn Tage zuvor

Keuchend rappelte ich mich von der Übungsmatte auf. Inzwischen war es beinahe unmöglich geworden für mich, meine Mitschüler im Zweikampf zu besiegen. Fast alle waren um einige Köpfe größer als ich, und selbst mit meiner unangefochtenen Schnelligkeit konnte ich dies nur schwer ausgleichen. Es frustierte mich, brachte mich regelmäßig zum ausrasten.
„Du hast schon bessere Zeiten hinter dir“ tadelte eine tiefe Stimme und ich fuhr schnaubend zu Cato herum. Doch mein böser Blick brachte ihn nur dazu, einen Laut auszustoßen, der einem Lachen ähnlich war. Er lachte nie ehrlich. Viel zu oft wollte ich ihn schon dazu bewegen, mehr von sich selbst nach außen zu tragen. Seine gutherzige Seite wenigstens durchscheinen zu lassen, aber da konnte ich genauso gut mit einer Wand reden.
In den letzten zwei Jahren, die wir nun schon gemeinsam trainierten und uns auch außerhalb des Trainings regelmäßig sahen, hatte ich den wahren Cato kennengelernt. Und mich vielleicht ein kleines bisschen in ihn verliebt. Eine kleine Schwärmerei, wie ich mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rief.

Achthundertsieben Tage zuvor

„Glaubst du, du kannst die Hungerspiele gewinnen?“
Diese Frage schwebte mir seit geraumer Zeit durch den Kopf. Cato und ich saßen in seinem Zimmer, er an seinem Schreibtisch und ich am Fußende seines Bettes. Eigentlich sollten wir zusammen Pflanzenkunde lernen, eindeutig nicht unser beider Stärke, aber wir redeten schon seit einiger Zeit über alle möglichen Dinge außer Pflanzen. Sein durchdringender, blauer Blick bohrte sich in mich, musterte mich von oben bis unten. Leise verfluchte ich diesen dämlichen Schmetterling in meinem Bauch.
„Glaubst du, ich schaffe es nicht?“
Konnte ich ihm sagen, dass ich ihn nicht verlieren wollte? Cato war zwar erst sechzehn, aber bereits jetzt war er einer der besten Schüler, der jemals an der Akademie trainiert hat. Und ich war fünfzehn, noch weit entfernt von den Gedanken, in die Hungerspiele zu ziehen. Ich hatte meinem Vater versprochen, mich frühestens mit 18 Jahren zu melden. Und meiner Mutter hatte ich versprochen, erst garnicht in die Hungerspiele zu ziehen. Was ich wirklich machen würde, wusste ich nicht genau. Das würde die Zeit zeigen.
„Niemand hätte bessere Chancen. Aber ich möchte mich nicht darum sorgen müssen, meinen besten und einzigen Freund zu verlieren.“ Es war die Wahrheit, wenn auch nicht die ganze. Alleine der Gedanke daran, ich könnte ihn in den Hungerspielen sterben sehen, löste Wellen der Angst tief in mir aus.
„Wie du schon sagtest, ich bin gut Clove. Du würdest mich nicht verlieren.“ Ein sanftes Lächeln zierte nun sein Gesicht, versuchte mich zu besänftigen.
Oh wie sehr ich ihn für dieses Lächeln hasste.

Sechshundertzwei Tage vorher

„Alles Gute zum Geburtstag, Clovie.“
Starke Arme hüllten mich in eine innige, liebevolle Umarmung. Lächelnd drückte ich mich an ihn, sog seinen Duft ein und versprach mir selbst, ihn nie mehr zu vergessen. Und als er mir einen sanften Kuss auf die Stirn hauchte war ich froh, dass er seine Hände so fest um mich geschlossen hatte, sonst wäre ich vermutlich umgefallen.

Fünfhundertdreißig Tage vorher

„Man hat mich gefragt ob ich als Tribut in die 72. Hungerspiele ziehen möchte.“
Wir waren gerade auf dem Weg nach Hause, als er mir dies erzählte. Ruckartig blieb ich stehen und warf ihm einen fragenden, vielleicht auch flehenden Blick zu. Seine blauen Augen suchten meine. Seine Mimik verriet in diesem Moment nichts. Dies war der Moment, vor dem ich mich schon so lange fürchtete. Welcher die Grundlage meiner schlimmsten Alpträume geworden war. Mit einem Mal stand ich am Rande einer Klippe, deren Boden nicht zu sehen war. Der Sturz war nahe, doch die Rettung stand direkt vor mir, sah mich eindringlich an.
„Ich weiß es noch nicht.“
Und ich fiel. Endlos lange.

Vierhundertneunzig Tage vorher

„Versprich mir, dich niemals für die Hungerspiele zu melden.“
„Versprochen.

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Hello friends und willkommen zu dieser Fanfiction.
Nicht mein erstes Baby, aber das erste Baby welches die Hürde der Veröffentlichung schafft! :D
Etwas das ich gleich vorweg sagen möchte: keine klassische Geschichte im Sinne von Suzanne Collins, ich nehme mir einige zeitliche und inhaltliche Änderungen vor, die groben Umstände der Trilogie bleiben jedoch die gleichen. Da möchte ich aber jetzt noch nicht allzu weit vorgreifen! :)

Ich freue mich über Reviews! ^^

Bis zum nächsten Mal - Vani
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