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Nothing is as it seems

von -Carry
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / Het
Cole Jay Kai Lloyd Nya OC (Own Character)
24.06.2022
22.09.2022
13
28.071
2
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15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.09.2022 1.871
 
Kapitel 13: Sieg



Die Zeit vergeht unsagbar langsam und Minuten fühlen sich wahrhaftig wie Stunden an.
Ich sitze neben einem gleichaltrigen Mädchen auf dem Boden und lehne mich mit dem Rücken an die Wand. Sie schluchzt und während ich abwäge, ob ich sie fragen soll, ob es ihr einigermaßen gut geht, kommt die Frau, die sich mir als Misako vorgestellt hat, mit einem kleinen Erste-Hilfe-Kasten zu mir.

„Hallo…“, meint sie mit einem freundlichen Lächeln und ich nicke höflich.

„Joe“

„Hallo Joe. Ich habe gesehen, dass du an der Hand verletzt bist“
Mit ihrem freundlichen oder schon beinahe mütterlichen Lächeln kniet sie sich neben mich und deutet auf meine verbundene Hand. Erst jetzt bemerke ich, dass der Verband bereits durchgeblutet ist und vorsichtig beginnt Misako ihn abzuwickeln.

„Wie ist das passiert?“

„Ich bin hingefallen und habe mich beim Aufstehen in Scherben gestützt“

Die grauhaarige Frau nickt und betrachtet aufmerksam durch ihre kleine Brille die Fleischwunde an meiner Handinnenfläche.
„Das ist ziemlich tief und ein Arzt sollte sich das dringend ansehen, aber ich werde es erst nochmal verbinden um die Blutung zu stoppen“

Ich nicke nur und lasse sie machen, während ich mich in dem Raum umsehe.
Mir fallen vor allem viele Leute auf, die wie Farmer oder Bauern gekleidet sind. Vermutlich sind es die umliegenden Bewohner, die vor den Oni Zuflucht im Kloster gefunden haben.

Als ein höllischer Schmerz durch meine Hand schießt, zische ich fluchend auf und entreiße sie Misako, die mich nur entschuldigend ansieht.

„Tut mir leid, ich wollte prüfen, ob irgendwelche Nerven verletzt sind. Aber es scheint als sei alles in Ordnung“

Skeptisch hebe ich eine Augenbraue, reiche ihr zögerlich meine Hand und betrachte argwöhnisch jede noch so kleine Bewegung von ihr. Immerhin bin ich nicht scharf darauf, noch so einem Test unterzogen zu werden.

„Tut dir noch etwas weh?“

Ich überlege einen Moment. Ob das zählt, wenn ich sage, dass mir der ganze Körper weh tut?

„Boxen Sie mir gegen die Rippen, um zu testen, ob ich sie noch spüre, wenn ich Ihnen sage, dass meine Rippen weh tun?“

Amüsiert lacht die ältere Frau auf und schüttelt den Kopf.
„Selbstverständlich nicht“

Mein Mundwinkel zuckt in die Höhe.

„Okay. Dann tun meine Rippen noch etwas weh“

Sie nickt und wickelt das letzte Stück Verband um mein Hand, ehe sie mich ansieht.

„Ich vermute, dass du dir die Rippen geprellt hast. Das ist zwar schmerzhaft, aber nicht sonderlich schlimm. Ich kann dir etwas gegen die Schmerzen anbieten“

„Danke, nein. Es wird schon so gehen“

„In Ordnung. Wenn noch etwas ist, dann sag einfach Bescheid“

Mit den Worten schenkt sie mir noch ein letztes Lächeln, ehe sie sich dem Mädchen neben mir zuwendet und sie zu trösten beginnt.

Ich seufze und ziehe mein Handy aus der Jackentasche. Das Display ist vollständig zerbrochen und flimmert nur noch blau auf. Schöner Mist. Mit geschlossenen Augen schiebe ich es zurück in die Tasche und lehne meinen Kopf an die Wand.


Mir fällt erst auf, wie laut die Kampfgeräusche gewesen sind, als sie verstummen und leises Gemurmel durch den Raum geht. Ich werde hellhörig und schaue mich nach Misako um, doch sie scheint verschwunden.

Langsam richte ich mich auf und lege mir eine Hand an meine geprellte Rippe, die sich in den letzten Minuten erst richtig bemerkbar gemacht hat. Immerhin lässt das Adrenalin auch langsam nach.

Da kein anderer den Anschein macht, sich zu bewegen, verlasse ich zögerlich die Kommandozentrale und laufe den gleichen Weg zurück, den ich vor schier etlichen Minuten gekommen bin.

Ein Gewirr aus Stimmen reißt mich aus meinen Gedanken und während die Leute langsam hinter mir aus dem Raum trippeln, öffne ich vorsichtig die Tür und luke hindurch.

Erleichtert atme ich auf, als ich Jay und Nya entdecke, die sich soeben lachend um den Hals fallen und als ich Cole nur wenige Meter von mir entfernt ausmachen kann, laufe ich los und reiche ihm eine Hand, um ihm aufzuhelfen.

Müde lächelnd nimmt er sie an und lässt sich von mir hochziehen, ehe sein Blick an mir vorbeigleitet und etwas hinter mir fixiert.
„Kai!“, ruft er erschrocken aus und ich wirbel herum.

Der Feuerninja liegt unter einem Balken eingeklemmt und versucht sich krampfhaft zu befreien. Eilig laufen Cole und ich zu ihm und schieben mit einem Ächzen den Balken beiseite, ehe wir den Braunhaarigen mühsam auf die Beine ziehen.

Zane kommt zu uns und sieht sich suchend um.
„Wo ist Lloyd?“

Ich drehe meinen Kopf von einer Seite zur anderen, als ich unter Trümmerteilen des Tors etwas Grünes aufblitzen sehen.
„Dort!“

Ehe ich auch nur einen Finger hätte rühren können, sind die drei schon losgestürmt und befreien ihren Freund, der regungslos am Boden liegt.

Vorsichtig nähere ich mich ihnen, halte aber den gebührenden Abstand. Immerhin bin ich nicht so eng mit Lloyd wie die anderen. Eigentlich bin ich gar nichts mit ihnen.

Behutsam tragen Zane und Cole den Blonden an Armen und Beinen aus den Trümmern und legen ihn etwas abseits auf den Boden. Ich schlucke hart, als mir die verklebten roten Strähnen an seinem Hinterkopf auffallen.

Nya und Jay eilen an mir vorbei und an seine Seite, während ich sie wortlos beobachte. Augenblicklich fühle ich mich unglaublich fehl am Platz und ich wünsche mir nichts sehnlicher als mich in Leos Arme zu werfen.

„Lloyd, wach auf Kumpel“, ruft Kai verzweifelt und kniet sich neben seinen Freund. Nya schüttelt den Tränen nahe den Kopf.

„Er… er hört uns nicht. Er ist…“

Cole unterbricht die schwarzhaarige harsch und wirft hektisch einen Blick über die Schulter.
„Wir müssen jetzt Wu finden! Wo ist er?“

Der Mann mit dem langen weißen Bart kommt angerannt und lässt sich neben Lloyd auf die Knie fallen, ehe er nach seinem Handgelenk greift und nach dem Puls sucht. Ich halte den Atem an und reiße die Augen auf.

„Du kannst ihm helfen, richtig?“, fragt Jay mit brüchiger Stimme und greift nach der Hand seiner Verlobten, die sich nur ängstlich auf die Lippen beißt.

Wu zögert einen Moment, ehe er den Kopf hängen lässt und schluckt.
„Tragen wir ihn erst mal rein“

Nya schlägt sich eine Hand vor den Mund und verzieht das Gesicht, während Cole einen Schritt zurück taumelt und Kai nur den Kopf sinken lässt.

Das darf nicht wahr sein. Ich halte den Atem an und betrachte die Szene vollkommen perplex.

Es ist, als würde die Zeit stillstehen. Erneut. Wir alle starren auf den leblosen Körper des Grünen Ninja und auch immer mehr Passanten treten aus dem Kloster hervor und schütteln trauernd ihre Köpfe.

Mein Herz fühlt sich schwer an, als mein Blick auf Cole fällt, der mit blassem Gesicht seinen Freund anstarrt.

Ich will mich gerade zum Gehen abwenden, als ein schwaches Husten ertönt. Ich wirbel herum und atme erleichtert aus, als Lloyd die Augen öffnet und erneut zu husten beginnt.

Die Ninja beginnen zu jubeln und fallen sich erleichtert in die Arme, ehe Zane Lloyd beim Aufstehen hilft und sich Misako plötzlich an mir vorbei drängt.

„Lloyd! Oh Lloyd“, ruft sie und fällt ihm um den Hals. Überrascht hebe ich eine Augenbraue und beobachte die Szene.

„Mom“, murmelt er und schaut sie kurz an, ehe er sich im Innenhof umsieht und eine Hand an den blutenden Kopf legt.
„Wo bin ich gerade?“

Ich wende mich ab und verschwinde im Kloster, um nach dem Erste-Hilfe-Kasten zu suchen, den Misako vorhin hatte und die Verletzten versorgt hat. Ich werde in der Küche fündig, schnappe ihn mir und drängel mich durch die Schaulustigen hindurch, ehe ich zu den anderen trete und ihn dem Sensei reiche. Dankend nimmt er ihn an und holt sofort eine Kompresse heraus, die er Lloyd gibt und noch immer sichtlich benommen, presst dieser sie an seinen Hinterkopf. Vermutlich war das schon längst überfällig.

„Danke“, meint Misako erschöpft lächelnd, während sie Lloyd eine Hand auf die Schulter legt und ihn, begleitet von seinen Freunein in Richtung Tür schiebt.

„Komm, bringen wir dich lieber rein“, meint Jay und etwas verloren bleibe ich mit Sensei Wu und den anderen im Innenhof zurück.

„Du bist die Joe, die Kai, Zane und Jay bei der Verfolgung vom Mechaniker geholfen hat“, meldet sich plötzlich eine tiefe Stimme hinter mir und ich drehe mich zum Sensei um und nicke.

„Ja, die bin ich wohl“, meine ich und einen kurzen Moment betrachtet mich der langbärtige Mann ausgiebig.

„Wir danken dir erneut für deine Hilfe“

Na ja, wirklich viel habe ich hier ja nicht geleistet, aber andererseits habe ich getan, was ich konnte und wäre ich nicht gewesen, hätte Cole es vielleicht nie bis hierher geschafft.

„Kein Problem“, meine ich verlegen und senke den Kopf, ehe ich nervös von einem Fuß auf den anderen zu tippeln beginne. „Sir, Sensei… Cole hat mir versprochen mich sofort zu meinem Bruder zu bringen und auch wenn ich die kleine Feier hier nicht stören möchte, muss ich unbedingt nach Jamestown“

Er nickt wissend und streicht sich durch seinen langen Bart.

„Ich verstehe. Ich werde ihn gleich hinausschicken“

Und mit den Worten verschwindet er ebenfalls im Inneren des Klosters, während sich die Menschenmasse bereits zu zerstreuen beginnt.

Binnen Sekunden stehe ich alleine inmitten des Klosterinnenhofs und trippel nervös von einem Fuß auf den anderen, bis Cole in Jeans und Pullover die Treppe heruntergeeilt kommt und mit einem Schlüssel in der Hand herum wedelt.

„Klar, kein Stress. Wenn noch Zeit zum Umziehen war, dann können wir auf dem Weg nach Jamestown auch gleich noch bei Burgerland ranfahren“, rufe ich ihm zu, während ich die Arme theatralisch hebe und wieder fallen lasse.

Der schwarzhaarige drückt grinsend einen Knopf und während sich die Scheune, oder wie ich jetzt erkenne, die Garage neben dem Kloster öffnet, kommt ein Pick-Up-Truck herausgefahren und kommt vor uns zum Stehen.

„Bei euch braucht man wohl keine Fahrer mehr“

„Nun ja, Maschinen sind doch unsere Zukunft, oder nicht?“

Er lässt sich auf den Fahrersitz nieder und ich nehme neben ihm Platz und schnalle mich an.

„Das ist schon einmal in die Hose gegangen, ich glaube darauf sollte vorerst verzichtet werden“

Während Cole den Schotterweg, der parallel zur Steintreppe führt, hinunterfährt, beginnt hinter den weit entfernten Feldern die Sonne unterzugehen. Ich sehe vereinzelte Punkte die sich als Menschen herausstellen und kaum sind wir am Fuße des Berges angelangt, führt der Weg in einen dichten Laubwald. Die orangenen Blätter liegen auf dem Weg verstreut und läuten nun endgültig das Ende des Herbstes ein.

Ich verkrieche mich in dem dünnen Stoff meines blauen Pullovers, der sehr zu meinem Bedauern unter dem heutigen Tag hat leiden müssen und wünschte, meine Jacke hierzu haben. Aber sie ist mit Coles Fahrzeug abgestürzt und vermutlich nur noch ein Haufen Asche.

„Die Wolke hat sich übrigens laut Zanes und P.I.X.A.L.S. Messungen nach aufgelöst und alle eingefrorenen Menschen sind wieder bei Bewusstsein. Ich dachte du möchtest das wissen. Immerhin ist deine Freundin…“, beginnt Cole nach einigen Minuten und empört reiße ich die Augen auf.

„Und das sagst du mir jetzt erst? Natürlich will ich das wissen“

„Ist ja gut“, lacht der Schwarzhaarige auf und wirft mir einen schnellen aber amüsierten Blick zu.

Ich seufze erschöpft und lehne mich bequem im Sitz zurück. Abby und Josie müsste es also gut gehen. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass Leo auch wirklich in Jamestown angekommen ist.
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