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Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
24.06.2022
19.01.2023
17
43.146
51
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Dieses Kapitel
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10.11.2022 2.477
 
Da Joko nun sowieso Klaas versprochen hat, dass er hierbleiben würde, bis der wieder zurück sei, lässt er sich ein heisses Bad ein. Klaas konnte ihm nicht sagen, wann er zurück sein würde, aber Joko hofft, dass es nicht zu lange dauern würde. Schließlich steht laut Klaas heute nur die Vertragsunterzeichnung auf dem Plan und Joko hat zwar nicht viel Ahnung vom Showbusiness, aber er kann sich nicht vorstellen, dass dieses Unterfangen mehrere Stunden einnehmen würde. Falls doch, hätte er ein Problem, denn wenn es spät wird, dann muss er auch nicht mehr mit Klaas losziehen, um Modelagenturen abzuklappern, weil alle geschlossen sein würden und Joko vermutet schwer, dass Klaas morgen keine Zeit haben wird und er vermutet noch mehr, dass Klaas ihn erneut bitten wird, nicht das Hotel ohne ihn zu verlassen.

Das warme Bad tut ihm und seinem Körper gut. Es entspannt ihn und für einen kurzen Moment lässt es ihn sogar vergessen, welche abstruse Ausgangslage ihn überhaupt hierher gebracht hat. Zu lange kann er aber nicht im wohltuenden Wasser sein, denn wenn er mit schrumpliger Haut aus der Wanne steigt, kann er sich den Gang zu den Agenturen auch direkt sparen. Deshalb schwingt er sich früher als gewollt aus dem warmen Nass, nur um direkt in den hoteleigenen Bademantel zu schlüpfen. Kuschelig eingepackt verlässt er das Bad und macht es sich dafür auf dem Bett bequem. Die Klimaanlage kühlt die Temperatur im Zimmer angenehm runter, so dass ihm auch im Bademantel nicht zu warm wird, was Joko sehr begrüßt, will er diesen weichen, flauschigen Stoff nur ungern wieder ausziehen. Langsam beginnt auch sein Magen zu knurren. Kein Wunder, er hat heute ja auch noch nicht wirklich was gegessen, außer einen billigen Tankstellen Hot Dog bei einem ihrer Stopps. Sie mussten nämlich für die Raucher ganz schön viele Stopps einlegen. Deshalb krabbelt er wieder vom Bett, um die Speisekarte des Hotels vom Tisch zu ziehen und diese zu studieren. Schnell hat er sich entschieden und nach einem kurzen Telefonat hat er sich einen Cesar Salad bestellt, welcher zu seiner Erleichterung keine zehn Minuten später bereits vor seiner Tür steht. Genüsslich seinen Salat essend, wählt er auf seinem Handy Matthias Nummer. Er weiß nicht, ob der Blondschopf Zeit hat, aber einen Versuch ist es wert. Es dauert auch nicht lange, da meldet sich Matthias zu Wort.

„Joko, altes Haus, alles fit im Schritt?“

„Matthi, na? Hast du Zeit für deinen Kumpel?“, grüßt Joko grinsend zurück.

„Bin auf dem Weg zum Training“, antwortet Matthias.

„Das heißt ja“, grinst Joko weiter, würden sie sich sonst normalerweise schließlich im Tanzstudio treffen, um zu quatschen.

„Aber warum hast du Zeit? Ich dachte, du wolltest in Hamburg Modelagenturen abklappern?“, erwidert Matthias neugierig.

„Well ... ich bin an mein Hotelzimmer gefesselt“, erklärt Joko.

„What? Warum?“, kommt es nun irritiert von Matthias.

„Wegen Klaas“, ist Jokos schlichte Antwort.

„Wie, wegen Klaas?“

„Na weil der gerade mit den Jungs unterwegs ist, um den Plattenvertrag zu unterzeichnen.“

„Und deswegen bist du an dein Zimmer gefesselt?“

Matthias versteht die Logik dahinter immer noch nicht ganz.

„Ja, weil Klaas sich da jetzt drauf konzentrieren muss und er mich deshalb in Sicherheit wissen muss.“, erklärt Joko deshalb weiter.

„Aha ... verstehe ... und du machst das einfach so mit?“, fragt Matthias weiter.

„Was soll ich denn machen? Das ist für ihn hier alles unglaublich wichtig.“

„Seit wann bist du denn so verständnisvoll, wenn es um Klaas geht? Also versteh mich nicht falsch, ich finde das super, ich hab dir ja selbst gesagt, du musst ihn mehr in dein Leben integrieren, aber trotzdem. Ich war schon überrascht als du mir gesagt hast, du fährst mit ihm nach Hamburg und jetzt sitzt du da sogar den ganzen Tag einfach nur im Hotelzimmer.“

Matthias ist wirklich überrascht. Schließlich wollte Joko Klaas bisher immer nur mit allen Mitteln loswerden.

„Also erstens sitze ich nicht den ganzen Tag im Hotel. Er kommt später wieder zurück und dann gehen wir gemeinsam zu den Agenturen ...“

„Gemeinsam?“, unterbricht ihn Matthias direkt ungläubig.

„Ja, gemeinsam, damit er sich keine Sorgen machen muss.“, erklärt Joko deshalb schnaubend, bevor er sich abermals eine Gabel mit Salat in den Mund schiebt.

Ist doch logisch oder nicht?

„Aha ... und zweitens?“, fragt Matthias dann weiter.

„Naja ... vielleicht hab ich ihm nen Grund gegeben, sich Sorgen zu machen ... und vielleicht war‘s ganz gut, dass er ... naja ... mich beschützen muss ...“, druckst Joko herum.

Er hat Matthias schließlich nicht erzählt, was vor einigen Tagen mit Thorsten passiert war.

„Was soll das heissen?“, fragt nun Matthias neugierig, aber auch skeptisch nach.

„Ja ... also ... ähm ich war vor ein paar Tagen bei einer Modelagentur, die mich über diese Onlineplattform angeschrieben hat und ja ... der Typ war total creepy und wollte mir irgendwie an die Wäsche und ja ... dann ist halt Klaas gekommen und hat den in die Schranken gewiesen ...“, murmelt Joko vor sich hin, weiß er schließlich, dass er gleich einen aufgebrachten Matthias haben wird, weil er sich a) in solch eine Situation gebracht hat und b) Matthias bis gerade eben nichts davon erzählt hat.

„Um Himmelswillen Joko bist du noch ganz sauber im Kopf?! Warum machst du sowas? Ich hab dir doch immer gesagt, meld dich nicht auf solchen Plattformen an, da kannst du an irgendeinen Irren geraten!“, enerviert sich Matthias dann auch schon lautstark.

Matthias hatte ihm tatsächlich schon mehrmals oft davon abgeraten, solche Sachen zu machen. Joko hatte immer das Gefühl, Matthias würde übertreiben, aber wie er nun feststellen musste, waren an Matthias‘ Sorgen doch mehr dran als gedacht.

„Ja, aber es ist ja zum Glück nichts passiert, weil ja eben Klaas gekommen ist.“, versucht Joko Matthias zu beruhigen.

„Ja zum Glück! Was heißt überhaupt, er hat ihn in die Schranken gewiesen?“

„Naja, er hat ihm nen Besenstiel über die Rübe gezogen und ihm literally damit gedroht, ihn zu töten, wenn er mich nochmals anrühren würde.“, erklärt Joko kleinlaut.

„Gut so!“, ruft Matthias aus, weshalb Joko auflachen muss.

„Und deshalb bist du nun auch Klaas dankbar und lässt dich auf das alles ein“, schlussfolgert Matthias nun.

„Ich versuchs zumindest“, bestätigt ihm Joko.

Das tut er wirklich. Anders wird das alles nicht funktionieren.

„Das ist gut, Joko. Wirklich. Wie ich gesagt hab, nur so kann das für euch funktionieren.“, freut sich Matthias.

„Ich weiss, das hab ich langsam auch verstanden“, bestätigt ihm Joko.

„Bin stolz auf dich“, meint Matthias ehrlich.

„Awww Matthi“, erwidert Joko sichtlich gerührt.

Es bedeutet ihm wirklich viel, dass sein bester Freund so über ihn denkt.

„Hey, ich muss aufhören. Wir sprechen uns die Tage, ja?“, meint dann Matthias.

„Ja klar, viel Spaß beim Training“, erwidert Joko.

„Und dir viel Spaß mit Klaas“, lacht Matthias, bevor er auch schon aufgelegt hat.

Mit einem Grinsen auf dem Gesicht legt auch Joko das Handy beiseite, schiebt sich dann die letzten zwei Gabeln Salat in den Mund, bevor er den leeren Teller auf den kleinen Nachttisch stellt und sich danach wie ein Seestern komplett auf dem Bett ausbreitet. Die lange Autofahrt, das heiße Bad, das Mittagessen, das alles kombiniert mit der eher unruhigen Nacht, die Joko hatte, weil er wegen heute etwas nervös war, lässt ihn nun ganz schön müde werden. Deshalb schließt er ergeben seine Augen. Er kann ja etwas dösen, bevor dann endlich Klaas zurückkommt und sie losziehen können. Es dauert auch nicht lange und Joko ist nicht nur eingedöst, sondern komplett eingeschlafen.

Wach wird er, weil es an seiner Tür klopft. Einmal. Zweimal. Gefolgt von einem ’Joko?‘. Völlig verschlafen reibt sich Joko über das Gesicht. Das war so eigentlich nicht geplant. Er wollte doch nur kurz dösen. Es klopft erneut an der Tür und Joko hüpft eilig aus seinem Bett, als ihm bewusst wird, dass er deswegen vermutlich wach wurde. Fuck, wie lange hat er geschlafen? Hastig schreitet er durch das Zimmer und öffnet die Tür. Wie vermutet steht Klaas davor. Der schaut ihn mit einem leicht verwirrten Blick an, welcher an ihm runter wandert, nur um direkt wieder hoch zu seinem Gesicht zu schnelle. Diesmal jedoch nicht mehr verwirrt, sondern Joko trifft ein fast schon geschockter Blick und als Joko an sich runter schaut, weiß er auch wieso. Adrenalin peitscht durch seinen Körper, sein Herz pocht ganz schnell und sein Kopf glüht vor Scham, während er panisch nach seinem Bademantel greift, welcher sich geöffnet hat, und sich die Enden um seinen Körper schlingen und so seinen entblößten Penis verdeckt. Um Himmelswillen kann sich bitte ein grosses Loch im Boden auftun, in welchem er sich verkriechen kann?

„Ich wollte dich abholen, damit wir zu deinen Model-Dingens da gehen können“, meint dann Klaas und man hört seiner Stimme an, wie unangenehm auch ihm diese Situation ist.

Schließlich hat er auf Jokos Penis gestarrt, wenn auch nur eine Sekunde. Aber er hat da hingeschaut. Er hat ihn gesehen. Den kleinen Joko. Und das Bild sitzt jetzt in seinem Kopf.

„Ähm ja, ich bin sofort fertig“, stammelt Joko, bevor er sich umdreht, in seinem Zimmer verschwindet und Klaas die Tür vor der Nase zuknallt.

Um Gotteswillen wie soll er Klaas je wieder unter die Augen treten? Leise vor sich hin fluchend strampelt er sich den Bademantel von den Schultern und pfeffert ihn auf sein Bett.

„Scheiß Ding. Kannst du deinen Job nicht richtig machen?!“, motzt er den weißen Stoff an, bevor er sich frische Klamotten aus seinem Koffer zieht und sich diese überstreift.

Zum Glück hat er sich schon in Berlin überlegt, welche Klamotten er anziehen will, so dass er jetzt nicht noch viel Zeit damit verliert, schließlich wartet Klaas draußen. Schnell richtet er sich vor dem Badezimmerspiegel noch die Haare, sprüht Deo auf und schnappt sich sein Handy und seinen Geldbeutel. Vor der Hoteltür bleibt er kurz stehen und atmet durch. Eigentlich ist er nach gerade eben nicht bereit, Klaas unter die Augen zu treten. Eigentlich will er Klaas gar nie mehr unter die Augen treten. Aber das geht ja nicht. Leider. Also nimmt er all seinen Mut zusammen und versucht, all seine Scham wegzusperren, bevor er die Tür öffnet.

„Bin soweit“, erklärt Joko unnötigerweise, ohne Klaas anzusehen, während er direkt los in Richtung Aufzüge schreitet.

Klaas folgt ihm und wortlos legen sie den Weg zurück, nur um genauso wortlos vor der Aufzugstür zu stehen und zu warten. Selten hat sich für Joko eine Situation unangenehmer angefühlt als diese. Mit einem Ping öffnet sich nach Ewigkeiten die Fahrstuhltür und beide treten ein, um sich erneut nebeneinander zu positionieren, sich nicht anzusehen und zu schweigen. Uff.

„Meiner ist kleiner“, flutet dann plötzlich Klaas‘ Stimme den Aufzug.

„Was?“, kommt es überfordert von Joko.

„Meiner ist kleiner ... ich dachte das machts für dich vielleicht ein bisschen leichter“, erklärt Klaas, während er weiterhin starr nach vorne schaut und die Aufzugstür anstarrt.

„Das machts nur schlimmer“, erwidert Joko dann, weil das ja bedeutet, dass Klaas genau hingeschaut hat.

Will Klaas hier gerade ernsthaft ein Gespräch über ihre Penisse führen?!

„War auch gelogen“, meint dann Klaas nach zwei Sekunden Stille und Joko sieht im Augenwinkel, wie Klaas breit grinst, weshalb er nicht anders kann, als selbst aufzulachen.

Wie absurd ist bitte diese ganze Situation.

„Glaub ich dir nicht“, grinst dann Joko kopfschüttelnd.

„Ach ja? Soll ich es dir zeigen?“, grinst Klaas genauso, während er zur Verdeutlichung die Hände an den Hosenbund legt.

„Nein, bitte. Ist okay.“, lacht Joko deswegen erneut auf.

Im nächsten Moment öffnet sich die Aufzugstür und beide schreiten mit einem breiten Grinsen raus in Richtung Tiefgarage. Schnell ist ihr Auto erreicht und während sich Klaas hinter das Steuer setzt, schwingt sich Joko auf den Beifahrersitz. Mit dem Starten des Motors springt auch direkt das Radio an und Harry Styles trällert durch die Lautsprecherboxen. Genauso geschickt wie Klaas den Van vorhin eingeparkt hat, parkt er ihn wieder aus.

„Gib mal die erste Adresse ein“, fordert er dann Joko auf, während er den Wagen zur Ausfahrt manövriert.

Und so befinden sie sich kurze Zeit später auf dem Weg zur ersten Agentur. Laut Navi brauchen sie dafür gut 15 Minuten. Die ersten Minuten herrscht wieder Stille zwischen den beiden, und obwohl die Situation, in der sie sich befinden, eigentlich immer noch absolut absurd ist, vor allem nach dem, was vorhin im Hotelzimmer passiert ist, so empfindet Joko die Stille zwischen ihnen dennoch nicht als unangenehm. Er kann es sich selbst nicht erklären wieso. Trotzdem unterbricht er die Stille nach einigen Minuten.

„Wie ist euer Treffen gelaufen? Habt ihr nun den Vertrag?“, fragt er Klaas und er sieht, wie Klaas sofort beginnt zu lächeln, ohne den Blick von der Straße zu lösen.

„Es ist sehr gut gelaufen. Wir haben nun einen Vertrag und die nehmen uns unter ihre Fittiche. Wir haben denen mal die Songs, die wir schon haben, als Demoversion da gelassen und morgen gehen wir wieder hin und nehmen dann die Songs, für welche die sich entschieden haben, auf, damit wir hoffentlich schon bald unser erstes Album rausbringen können.“

Joko kann hören, wie viel Herzblut Klaas in diese Sache gesteckt hat. Wie wichtig ihm das alles ist und wie stolz und glücklich es ihn macht, dass alles nun machen zu können. Und dann denkt Joko daran, dass Klaas das alles für ihn in den Sand gesetzt hätte, und Joko fühlt sich ganz schlecht bei diesem Gedanken, jetzt wo er sieht, wie viel das alles Klaas eigentlich bedeutet.

„Das klingt echt toll“, meint deshalb Joko.

„Ja, das ist es!“, erwidert Klaas sofort.

„Und es klingt nach viel Arbeit“, fügt Joko an.

Nun nickt Klaas nur stumm vor sich hin.

„Ja, das wird ein langer Tag morgen ...“, spricht Klaas weiter, deutlich weniger euphorisch als noch gerade eben und für einen kurzen Moment glaubt Joko, dass Klaas die Tatsache, dass es ein langer, anstrengender Tag werden wird, ihm die Begeisterung nimmt, doch dann kommt ihm ein anderer Gedanke.

„Und du möchtest deshalb sicher gerne, dass ich auch morgen im Hotel bleibe“, spricht er diesen Gedanken aus.

Seufzend atmet Klaas durch.

„Ich weiß, es ist total assi von mir, dass ich dich immer wieder um sowas bitte, aber ich weiß gerade echt nicht, wie ich das sonst hinbekommen soll. Vielleicht wird das mit der Zeit besser und ich kann dem Drang mehr nachgeben und ...“, beginnt Klaas sichtlich gestresst zu erklären.

„Ist okay, ich bleib im Hotel“, unterbricht ihn deshalb Joko, weshalb nun doch für einen kurzen Moment Klaas‘ überraschter Blick auf ihm landet.

„Echt jetzt? Du würdest das nochmals für mich machen?“, fragt Klaas überrascht und Joko antwortet sofort mit ’ja‘.

Er weiß selbst nicht, wo sein Abwehrmechanismus, der bisher immer gegen Klaas gearbeitet hat, abgeblieben ist, aber gerade eben würde er ohne zu Murren für Klaas den nächsten Tag im Hotel verbringen. Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass er gesehen hat, wie unglaublich viel Klaas die Band bedeutet und dass er es für ihn opfern würde. Also sollt er vielleicht auch ein bisschen was für Klaas opfern und einen Tag im Hotelzimmer zu verbringen, würde er wohl hinbekommen. Das dankbare Lächeln, welches ihm Klaas daraufhin schenkt, bestätigt das nur noch mehr.
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