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Oblivion

von Nordkrone
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Blaise Zabini Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger
23.06.2022
27.06.2022
5
20.471
31
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
23.06.2022 4.233
 
Meine Lieben,

Ich hatte ja hier und da schon angekündigt, dass ich im Juli mit der neuen Geschichte an den Start gehe. Eben diese neue Story hat es aber aktuell echt in sich und hat mich dazu veranlasst, mal eben eine kreative Pause einzuschieben. Was da dann entstanden ist, könnt ihr hier mit Oblivion lesen. Manchmal muss man Abstand gewinnen um wieder zusammenzufinden, nicht wahr? Manche kennen es vielleicht.

Auf jeden Fall freue ich mich, dass ich euch bis Juli noch ein wenig die Zeit vertreiben kann mit diesem Werk, das ich quasi in Lichtgeschwindigkeit fertig gestellt habe. Viel Spaß damit!


Titel: Oblivion

Kategorie: Kurzgeschichte

Genre: Romanze / Erotik / Trost

Pairing: Zwischenzeitlich ist es langweilig es aufzuführen, aber selbstverständlich ist es wieder einmal eine Dramione-Story. Aber der Ordnung halber muss es schon gesagt werden, denn über kurz oder lang habe ich definitiv vor, auch andere Charas mal wieder miteinander spielen zu lassen.

Disclaimer: Wie immer möchte ich and dieser Stelle zwingend darauf hinweisen, dass die Charaktere und die Handlungsorte, die wir aus dem Potterversum kennen und lieben, nicht mir gehören, sondern nach wie vor J.K.R. Die Protagonisten werden von mir nur ausgeliehen, gequält und in den Wahnsinn getrieben, bis ich mit ihnen fertig bin und sie dann vermutlich etwas verstört wieder zurückgebe. Selbstredend verdiene ich hiermit noch immer kein Geld, ich schreibe für meine und eure Unterhaltung. Denn: I love to entertain you!

Zur Story: Dieses Mal ist die Geschichte im Präteritum geschrieben. Jedoch ein weiteres Mal komplett aus Dracos Sicht. Ich weiß nicht warum, aber in seinem Kopf fühle ich mich einfach am wohlsten.

Was erwartet euch: Oblivion entstand in erster Linie, weil ich eine kleine, romantische und eher seichte Auszeit brauchte. Was als Oneshot gedacht war, wurde dann eine Kurzgeschichte mit insgesamt fünf Kapiteln. Wenn ich die Geschichte mit drei Worten beschreiben müsste, wäre ich vermutlich überfordert. Unterm Strich ist es wohl eine niedliche Romanze mit ein klein wenig Drama und einem Hauch sexy für zwischendurch. Ausserdem - falls große Paris-Fans unter euch sein sollten… fühlt euch bitte nicht auf den Schlips getreten. :)

Rating: FSK 18  - auch, wenn ich in der Story dieses Mal auf wirklich richtig ausführliche Sexszenen verzichtet habe, heißt es nicht, dass es keine gibt. Also ihr wisst Bescheid.

Authors Note: Ich freue mich natürlich, wie jeder Schreiberling, über Feedback. Und da ist es mir egal in welcher Art und Weise. Kommis, Empfehlungen, PN’s, Rauchzeichen oder Heuler - ich nehme was ich bekommen kann. *g* Ihr Leser seid es, die mich motivieren und die meine Geschichten erst zu dem machen, was sie sind! Also habt keine Angst euch zu melden, ich freue mich über jegliches Feedback. Aber natürlich sind auch Schwarzleser willkommen - ich weiß, dass ihr da seid! ;-) Ich hüpfe wirklich jedes Mal im Kreis vor Freude wenn ich eine Notification bekomme, also seid nicht scheu!

Widmung
Ja, dieses Mal gibts eine Widmung. Und zwar möchte ich die Story gerne der lieben Crownwriter sowie MrsCowley widmen. Ihr zwei habt mich in den letzten Wochen vermutlich vor dem Durchdrehen bewahrt und mir so viel geholfen und euch all meinen Mist angehört. TAUSEND DANK DAFÜR!



OBLIVION



KAPITEL 1

Haare. Da waren überall Haare in seinem Gesicht. Selbst vor seinem Mund hatten sie nicht Halt gemacht und noch während er langsam in den Wachzustand hinüber glitt und sein Traum, den er bis eben noch klar und deutlich vor seinem inneren Auge gesehen hatte, im Nirvana verpuffte, fragte er sich, wo diese verfluchten Haare herkamen, die ihn an seiner Nase kitzelten. Nur langsam lichtete sich der Nebel in seinem Kopf und machte einem dumpfen Hämmern Platz, das ganz sicher vom gestrigen Alkoholkonsum herrührte. Oh. Da war ja was!

Schnell schlug er seine Augen auf und fand sich in seiner Befürchtung bestätigt, dass der gestrige Abend doch kein Traum gewesen sein konnte, denn die braune Lockenmähne, die er nun erblickte, half schneller als ihm lieb war, sich an die vergangene Nacht zu erinnern.

„Shit“, entfuhr es ihm leise und gleichzeitig zupfte er sich umständlich eine einzelne Strähne der besagten Lockenpracht aus dem Mundwinkel. Verdammt nochmal, wie konnte es bitte passieren, dass Granger hier in seinem Bett lag? Okay, er wusste natürlich, wie so etwas passieren konnte, doch wie hatte IHM das passieren können? IHM, von all den Menschen in dieser gottverdammten Stadt.

Er hatte Probleme, den gestrigen Abend zu rekonstruieren und ehrlich gesagt fiel es ihm auch nicht gerade leicht, sich zu konzentrieren, während ihr Hintern gegen seine nun wachsende Männlichkeit gepresst war. Um nicht zu stöhnen und sie aus Versehen noch damit zu wecken, biss Draco sich auf die Unterlippe und schloss für einen weiteren Moment die Augen. Verdammt, er hatte mit Granger geschlafen. Mit Hermine Granger, der wohl nervigsten Person auf diesem verfluchten Planeten und noch viel schlimmer war es, dass ihn die Erinnerung daran schon wieder steinhart werden ließ.

Nach und nach kamen auch die Erinnerungen an den restlichen Abend zurück und trotz seiner aktuell recht misslichen Lage, musste Draco nun grinsen. Er hatte zwar keine Ahnung was genau in die Gryffindor gefahren war (abgesehen von ihm, ganz offensichtlich), doch er musste zugeben, dass diese Begegnung alles andere als nervig oder langweilig gewesen war. Seltsam und befremdlich, ja. Etwas erschreckend und verstörend, das auch. Aber nicht langweilig. In seinen kühnsten Träumen hätte er es nicht für möglich gehalten, dass er einmal mit ihr im Bett landen würde.

Draco schlug die Augen erneut auf, als Hermine begann, sich zu bewegen und langsam aber sicher bekam er wirkliche Probleme, doch wer konnte ihm das schon verdenken, immerhin lag er hier selbst vollkommen nackt mit einer nicht minder bekleideten, weiblichen Person im Bett seines Hotelzimmers. Und vielleicht musste man zu seiner Verteidigung auch sagen, dass er eine lange Zeit mit keiner Frau mehr zusammen gewesen war. Seit seiner Trennung von Astoria vor einem dreiviertel Jahr hatte er zuerst kein Bedürfnis gehabt, sich auf irgendetwas einzulassen, auch wenn es nur eine Bettgeschichte war und dann hatte er zudem auch noch schlicht und ergreifend keine Zeit gefunden, sich auf dem Markt umzusehen. Wie auch, er war in den letzten Monaten berufsbedingt keine drei Tage am Stück zu Hause gewesen und er wusste schon gar nicht mehr, wie sein Penthouse in Paris überhaupt aussah. Seit gestern war er hier in London und er war mehr als froh darüber. Die letzten drei Wochen in Moskau waren zwar nett gewesen, aber er hasste die Kälte. Und der Herbst in Russland war weit entfernt von dem Herbst mit den milden Temperaturen, wie er ihn aus Europa kannte. Und da er endlich wieder einmal ohne zu frieren auf die Straße hatte gehen können, hatte es ihn auch direkt nach seinem Abendessen in die nächste Bar verschlagen. Und dort war es dann kompliziert geworden.

Nun ließ sich ein leises Stöhnen doch nicht mehr unterdrücken und Draco versuchte es auch gar nicht mehr, denn Granger war ganz offensichtlich zwischenzeitlich auch aufgewacht und begann, sich in seinem Griff zu strecken und zu räkeln. Verfluchte Gryffindor.

„Guten Morgen“, raunte er ihr entgegen, während sie sich langsam zu ihm herumdrehte und ihn verschlafen anblinzelte. Er wusste ja nicht, was genau er erwartet hatte, doch auf jeden Fall hatte er nicht damit gerechnet, dass sie ihn nun anlächelte. Viel eher hätte er erwartet, dass sie, nachdem sie wieder nüchtern war, nun kreischend das Weite suchen würde, sobald sie herausgefunden hatte bei wem sie da im Bett lag. Doch ganz offensichtlich hatte sie am vergangenen Abend entweder so viel getrunken, dass sie immer noch betrunken war, oder… er wusste ehrlich gesagt keinen weiteren Grund, warum sie noch nicht fluchtartig den Raum verlassen haben könnte.

„Guten Morgen, Lucius“, grinste sie und ehe Draco sich versehen konnte, hatte sie ihn in einen Kuss verwickelt. Er verstand die Welt nicht mehr. Ja sicher, es war irgendwie lustig gewesen, dieses kleine Rollenspiel am Vorabend… Wobei, konnte man es Rollenspiel nennen, wenn man vorgab, sich nicht zu kennen und seinen Zweitnamen benutzte? Wohl kaum. Oder doch? Draco konnte diesen Gedanken nicht weiterverfolgen, denn scheinbar war Granger noch nicht bereit, sich der Wirklichkeit zu stellen und bei Salazar, es hätte ihm in diesem Moment nicht gleichgültiger sein können, denn ihre kleine Hand fand schamlos den Weg in seinen Schritt und fing an, ihn leicht zu massieren. Ein heiseres Stöhnen verließ seinen Mund und traf im Gegenzug direkt auf ihr eigenes. Er ließ seine Hände über ihren nackten Körper unter der Bettdecke gleiten und spürte, dass ihre Haut vom Schlafen noch ganz erhitzt war, was ihn unheimlich anturnte.

In keinem Leben, nicht in diesem und auch nicht in eventuell vergangenen, hätte er es für möglich gehalten, dass er einmal in dieser Art und Weise mit dieser Gryffindor zusammen sein würde. Hätte Iwan, sein russischer Geschäftspartner, ihm das gestern beim Frühstück erzählt, hätte er ihn einfach ausgelacht. Aber Fakt war, dass Hermine Granger sich gerade unter seinen Händen räkelte und ihr Becken auffordernd gegen seins rollte. Eines musste er ihr sicherlich zugestehen - sie war entzückend, wenn sie sich nicht wie die besserwisserische, nervige Person verhielt, die sie nun einmal war und die er aus seiner Schulzeit kannte. Auch wenn er immer noch keinen Schimmer hatte, was hier eigentlich vor sich ging.

Zwischenzeitlich hatte auch eine seiner Hände den Weg zwischen ihre Beine gefunden und dank seiner Behandlung, die er ihr zuteilwerden ließ, hatte er nun einen uneingeschränkten Blick in ihr Gesicht, denn sie hatte den Kuss unterbrochen und ihren Kopf in den Nacken geworfen. Draco war sich sicher, dass dieses Bild, welches sie nun abgab mit geschlossenen Augen, leicht geöffneten Lippen und roten Wangen, die von ihrer wilden Lockenmähne eingerahmt wurden, das wohl Schönste war, was er seit langem gesehen hatte. Ihr leises Keuchen schickte kleine Hitzewellen direkt in seine Lenden und hätte er Zeit, oder auch nur genügend aktive Hirnzellen übrig gehabt in diesem Moment, hätte er sich wohl gefragt, wann er das letzte Mal durch einen Handjob gekommen war. Doch das war in dem Moment, in dem Granger ihren Kopf in seine Halsbeuge fallen ließ und dadurch versuchte ihr Stöhnen zu unterdrücken, während sie unter seiner Hand zusammenzuckte, vollkommen irrelevant und mit einem leisen Fluch auf den Lippen folgte er ihrem Beispiel nur wenige Sekunden später.

„Okay, den Tag so zu beginnen… also daran könnte ich mich ehrlich gesagt gewöhnen“, sagte Granger einige Augenblicke später, während sie sich aus seinem Griff befreite und sich schwer atmend auf den Rücken fallen ließ. Wenn er vorher schon verwirrt gewesen war, dann hatte er mit hundertprozentiger Sicherheit keine passenden Worte für seinen gegenwärtigen Gemütszustand. Ihm blieb nichts weiter übrig, als die Frau in seinem Bett, von der er eigentlich dachte sie zu kennen, anzustarren. Und sich zu fragen, ob sich hier vielleicht irgendjemand einen schlechten Scherz mit ihm erlaubte. Doch er kam nicht dazu, den Gedanken weiter zu verfolgen, denn seine gesamte Konzentration, die er nach diesen morgendlichen Aktivitäten noch aufbringen konnte, wurde nun von der Gryffindor beansprucht, die plötzlich wie vom Blitz getroffen in die Höhe fuhr und einen unschönen Fluch verlauten ließ. „Verdammt, wie spät ist es? Mein Chef bringt mich um, wenn ich den Laden nicht pünktlich aufschließe!“

Obwohl es ihn eigentlich nicht wirklich interessierte wie spät es war, warf er einen Blick auf den digitalen Wecker auf dem Nachttisch.

„Kurz nach neun“, beantwortete Draco ihre Frage, doch sie schien ihm nicht mehr wirklich zuzuhören, denn Hermine war bereits aus dem Bett gesprungen und hätte vermutlich einen Orden dafür verdient, wie schnell sie es schaffte, ihre Klamotten vom Boden aufzusammeln, sich gleichzeitig anzuziehen, ins Badezimmer zu rennen um sich ein wenig Wasser ins Gesicht zu spritzen, nebenbei noch vor dem Spiegel ihre Haare zu einem unordentlichen Zopf zu binden und ihr verbliebenes Makeup zu kontrollieren. Draco wollte etwas sagen. Wirklich. Er wollte sie fragen, ob sie verrückt geworden war oder ob sie meinte, dass er vielleicht verrückt geworden sein könnte. Er wollte sie fragen, ob sie vielleicht in Wirklichkeit doch nicht Granger war und irgendwie hoffte er beinahe, dass es eine plausible Erklärung hierfür gab, doch kein Wort kam aus seinem Mund, während sie sich in seine Richtung drehte, und lächelte.

„Tut mir leid, ich muss los“, zuckte sie mit den Schultern und stieg im gleichen Atemzug in ihre Pumps. Noch so etwas, was ihn misstrauisch werden ließ und etwas, das er am gestrigen Abend einfach kommentarlos hingenommen hatte. Eine Hermine Granger trug ganz sicher keine Pumps, geschweige denn, sollte der Bücherwurm darin auch nur mehr als einen Meter weit laufen können, doch sie konnte. Und zwar geradewegs auf ihn zu. Auf ihn, der da immer noch wie vom Donner gerührt in seinem Hotelbett saß. Nackt, nebenbei erwähnt.

„Du arbeitest Sonntags?“, fragte er, als sie sich zu ihm beugte um ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen zu drücken, nur, um überhaupt irgendetwas zu sagen.

„Ich arbeite immer“, konterte sie mit einem Schmunzeln und richtete sich wieder auf. „Wie lange sagtest du, bleibst du in London?“

„Ich…“, begann Draco zu sprechen und runzelte die Stirn über diese Frage. Er wurde nicht schlau aus dieser Frau, die unmöglich Granger sein konnte und die ganze Situation begann ihn zu nerven. „… ich weiß nicht genau. Zwei Wochen, vielleicht länger?“ Warum wollte sie das von ihm wissen? Er hatte ihr gestern Abend in der Bar erzählt, dass er geschäftlich hier war für eine Weile und hatte seine Aussagen sehr vage gehalten, denn er hatte nicht vor, ihr zu viel von sich selbst oder seinen Absichten zu erzählen. Nur weil sie und ihre Freunde damals vor sechs Jahren vor dem Zaubergamot ein gutes Wort für ihn eingelegt hatten und er mit einer Bewährungsstrafe davongekommen war, hieß das noch lange nicht, dass er auch nur irgendein freundschaftliches Gefühl für einen dieser Gryffindors übrig hatte.  

„Also ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich für meinen Teil hätte nichts gegen eine Wiederholung einzuwenden.“ Hatte sie ihm gerade allen Ernstes zugezwinkert? Wer zur Hölle war diese Frau? „Ich bin Samstags eigentlich immer mit meinen Kollegen im Harvey's abends nach der Arbeit. Vielleicht sieht man sich ja nochmal dort?“ Sie wartete jedoch nicht auf eine Antwort auf ihre offene Frage und so schnell wie sie sich angezogen hatte, war sie auch schon aus der Tür verschwunden und ließ einen völlig verwirrten Draco zurück, der für den Moment nichts weiter tun konnte, als ihr ungläubig hinterher zu starren. Vielleicht sollte er erst mal eine kalte Dusche nehmen. Konnte es sein, dass er noch schlief und das Ganze nur ein höchst seltsamer Traum gewesen war? Unwahrscheinlich, dafür war sein Umfeld und sein Verstand viel zu klar. Aber könnte es nicht tatsächlich sein, dass es überhaupt nicht Hermine Granger gewesen war, sondern nur jemand, der genau gleich aussah, die gleichen Locken sowie den selben Zweitnamen hatte und rein zufällig die gleiche Stimme mit demselben, besserwisserischen Unterton wie die Gryffindor aus seiner Schulzeit? Draco seufzte und schüttelte den Kopf. Nun, sich darüber jetzt den Kopf zu zerbrechen brachte rein gar nichts. Granger, oder wer auch immer es gewesen war, war nicht mehr hier und er würde einen großen Bogen um die Bar machen, in der er sie gestern aufgerissen hatte. Oder sie ihn. So wirklich sicher war er sich mittlerweile auch nicht mehr, was das anging.

Schwerfällig stand er auf und schleppte sich auf direktem Weg ins Badezimmer unter die Dusche. In einer knappen Stunde wollte er sich mit Blaise zum Frühstück treffen und bis dahin sollte er wahrscheinlich wieder einen klaren Kopf haben und diese dubiose Begegnung aus seinem Hirn streichen. Blaise allein war schon Herausforderung genug, da brauchte er nicht auch noch die wirren Gedanken an die vergangene Nacht, die ihm im Kopf herumschwirrten.

***

„Blaise, du kannst mich wieder loslassen, die Leute schauen schon“, knurrte er, doch sein bester Freund dachte ja überhaupt nicht daran, Draco aus seiner knochenbrechenden Umarmung entkommen zu lassen. Im Gegenteil. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn Blaise zu allem Überfluss auch noch angefangen hätte, freudig auf und ab zu hüpfen, was er Merlin sei Dank jedoch nicht tat.

„Erst, wenn du mir versprichst, das nächste Mal nicht wieder jahrelang verschollen zu sein und nichts von dir hören zu lassen, Alter!“

„Ja, ja, versprochen und jetzt lass mich los, oder ich verfluche dich hier und jetzt vor all den Muggeln!“

Das zog offensichtlich, denn der hochgewachsene, ehemalige Slytherin ließ Draco nun aus seinem Griff und grinste übers ganze Gesicht, während er sich wieder auf seinen Stuhl setzte und auch Draco nahm nun Platz und strich sein Hemd glatt, das durch die Behandlung von seinem Kumpel ganz schön in Mittleidenschaft gezogen worden war.

„Ich kann’s immer noch nicht fassen, dass du in England bist. Wie viele Jahre ist es nun schon her, als du das letzte Mal einen Fuß in das vereinigte Königreich gesetzt hast?“

Draco schmunzelte. Ja, es war lange her, seit er zuletzt in England gewesen war. Das einzige Mal war etwa ein Jahr nach der finalen Schlacht gewesen und das auch nur, um das Manor zu verkaufen und sämtliche Familienkonten auf seinen Namen umschreiben zu lassen. Seine Beziehung zu seinem Heimatland war… kompliziert geworden. Er wusste, dass ihn in Großbritanniens Zauberwelt keiner wirklich vermisste und um ehrlich zu sein, vermisste er sie auch nicht. Er hatte ein neues Leben begonnen, damals, mit Astoria. Hatte seiner Heimat den Rücken gekehrt mit der festen Absicht, nie wieder zurück zu kommen und alles einfach hinter sich zu lassen. Das war zumindest der Plan gewesen, doch wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, dann hatte er diese Entscheidung in den letzten Monaten mehrmals hinterfragt. Jetzt, wo Astoria nicht mehr da war, gleich umso mehr. Er liebte sein Leben in Paris, keine Frage. Doch nun, mit dem grinsenden Blaise vor sich, fragte er sich, ob es nicht doch an der Zeit wäre, um zumindest einmal über eine Rückkehr nachzudenken.

„Fünf Jahre ungefähr“, antwortete er seinem Freund und schmunzelte amüsiert.

„Ja, ganz richtig. Fünf verdammt lange Jahre, Draco! Ich meine, ja, Paris ist nicht die Welt und ich werde auch künftig immer wieder gerne die Portschlüssel-Reise auf mich nehmen, um euch zu besuchen, immerhin sind die Französinnen absolut ein Argument, aber verdammt, ich vermisse dich hier wirklich! Aber wo wir schon beim Thema sind, hat Astoria noch Kontakt zu ihrer Freundin, du weißt schon, die mit dem Namen, den ich mir nicht merken kann?“ Das verschmitzte Lachen, welches auf seine Worte folgte, brachte Draco dazu, spöttisch zu schnauben.

„Du meinst Madeleine. Und ja, sie haben noch Kontakt. Anders, als Astoria und ich im Übrigen“, ließ er die Bombe nun platzen und genoss Blaises verwirrten Gesichtsausdruck.

„Hast du da gerade tatsächlich gesagt, was ich denke, was du gesagt hast?“

„Was denkst du denn, was ich gesagt habe?“, wollte Draco wissen und lachte über den frustrierten Blick seines Freundes, während der Kellner kam und ihre Bestellung aufnahm.

„Draco! Raus mit der Sprache, was ist mir dir und Astoria?“ Blaise war schon immer viel zu ungeduldig gewesen und auch zu neugierig, das war nun wirklich keine Neuigkeit. Er genoss es geradezu, seinen Freund auf die Folter zu spannen und ebenso das Gefühl von Normalität, das ihn dabei beschlich. Er hatte Blaise wirklich vermisst. Nicht immer, aber meistens.

„Astoria und ich sind seit Anfang des Jahres getrennt. Sie lebt mit ihrem neuen Freund in Marseilles seit einigen Monaten.“

„Nicht dein Ernst!“ Blaise hatte nun die Augen aufgerissen und schüttelte den Kopf. „Ich meine, nicht dass ich mich nicht bereits gewundert hätte, dass ihr nicht schon lang geheiratet habt, aber damit hab ich nun nicht gerechnet. Wieso, wenn ich fragen darf? Und warum erfahre ich davon erst jetzt?“

Draco hatte eigentlich keine Lust, seine Trennung weiter zu erörtern. Sie hatten einfach andere Vorstellungen vom Leben gehabt. Astoria war schon immer sehr einnehmend gewesen. Sie hatte nur selten einmal stillschweigend akzeptiert, wenn er geschäftlich ohne sie verreisen musste. Nicht selten hatte ihn ihre Art und ihre Eifersucht zur Weißglut getrieben. Seit sie vor Jahren zusammengekommen waren, lag sie ihm mit Heirat und Kindern in den Ohren und vermutlich war dies der größte Streitpunkt von allen gewesen, denn Draco war sich ziemlich sicher, dass er mit seinen 26 Jahren noch weit entfernt von diesen Themen war. Erschreckender Weise hatte es ihn nicht mal schockiert, als Astoria ihm eines Tages eröffnet hatte, dass sie jemanden kennengelernt hatte und dass sie keine Zukunft mehr in ihrer gemeinsamen Beziehung sah. Er seufzte.

„Wir waren nicht besonders… kompatibel. Ich war noch nicht bereit, mich für mein restliches Leben an sie zu binden. Sie ist jemand, der mehr Aufmerksamkeit braucht, als ich bereit war zu geben. Sagen wir einfach, es ist für alle Beteiligten besser so. Keine große Sache.“ Es wunderte ihn nicht einmal mehr, dass er nicht das kleinste bisschen Wehmut verspürte, bei diesen Worten. Draco war sich nicht sicher, aber er bezweifelte mittlerweile sogar, dass da tatsächlich Liebe zwischen ihnen gewesen war. Sicher, er war verliebt in sie gewesen und sie hatten die ersten Jahre wirklich viel Spaß gehabt, doch Liebe? Wusste er überhaupt was das war? Blaise riss ihn aus seinen Gedanken.

„Okay. Puh, also ich will ja jetzt nicht irgendwie nerven…“

„Du nervst immer, das ist nichts Neues“, warf Draco schmunzelnd ein und erntete einen beleidigten Blick von seinem Kumpel.

„…ABER“, sagte Blaise und ging nicht weiter auf seinen Einwurf ein „das wäre doch DIE Gelegenheit, wieder nach England zu ziehen. Ich meine, in Frankreich hält dich ja eigentlich nichts…“

„Außer meiner Wohnung und meinem Job, dem Freundeskreis den ich mir aufgebaut habe…“

„…und glaub mir, in den letzten Jahren ist hier viel passiert. Die Welt hat sich geändert. Die Leute haben sich geändert. Ich denke nicht, dass sich noch irgendwer dafür interessiert, was damals im Krieg passiert ist und welche Rolle du dabei gespielt hast.“

Draco lachte trocken auf. „Ja, das habe ich gemerkt.“ Verdammt, das war ihm rausgerutscht. Er hatte nicht vorgehabt, Blaise von seiner Begegnung der dritten Art mit Granger zu erzählen, aber so wie sein Kumpel ihn nun auffordernd ansah, kam er wohl nicht drum herum.

„Wie meinst du denn das?“

In diesem Moment kam glücklicher Weise ihr Kellner mit ihrer Bestellung um die Ecke und er hatte noch einige Sekunden Schonfrist, um sich zu überlegen, was er seinem besten Freund erzählen wollte und was nicht, entschied sich aber dann, mit der Tür ins Haus zu fallen. Was war schon dabei?

„Ich habe die letzte Nacht mit Granger verbracht. Glaube ich zumindest.“

Die Stille, die darauf folgte, war ohrenbetäubend laut und hätte Blaise sein Messer in der Hand gehabt, war Draco sicher, dass er es hätte fallen lassen. Doch so schwebte Blaises Hand über dem Besteck, welches er gerade hatte greifen wollen und starrte ihn schockiert an.

„Du hast WAS?“

Draco schnaubte amüsiert. „So ähnlich ging es mir heute Morgen auch.“

„Moment, was meinst du mit ‚glaubst du zumindest‘?“ Der Blick seines besten Freundes war absolut Gold wert und alleine schon deshalb hatte sich diese seltsame Begegnung mit ihrer früheren Schulkameradin gelohnt. Und wenn er ehrlich zu sich selbst war, nicht nur deshalb. Verdammt. Er sollte jetzt alles tun, aber nicht an den Sex mit Hermine Granger denken, das war im Moment wirklich nicht förderlich.

„Damit meine ich, dass ich mir nicht sicher bin, was vor sich geht. Also theoretisch war es Granger, aber sie hat sich nicht verhalten wie Granger. Sie hat sich mit ihrem Zweitnamen vorgestellt, der übrigens Jean ist, und so getan, als würde sie mich nicht kennen“, zuckte er mit den Schultern und widmete sich nun seinem Full english Breakfast. Noch etwas, was er in den letzten Jahren schmerzlich vermisst hatte. Ihm hingen Croissants ja sowas von zum Hals raus.

„Alter, du weißt aber schon, dass keiner in der Zauberwelt in den letzten Jahren von Granger gehört hat, ja? Die Frau ist quasi wie vom Erdboden verschwunden und du erzählst mir hier, dass du einen Tag zurück in London bist und sie gevögelt hast?“

Nun war es an Draco, verwirrt dreinzuschauen.

„Nein? Woher auch, ich habe keine Ahnung was hier in den letzten Jahren los war und selbstverständlich habe ich auch nicht verfolgt, was Granger oder Potter oder sonst wer treibt. Du bist der Einzige, mit dem ich mich abgebe.“

„Ich fühle mich gleichzeitig geehrt und beleidigt“, meinte Blaise daraufhin trocken und rollte mit den Augen, während er einen Schluck von seinem Kaffee nahm.

Draco winkte jedoch einfach nur ab. „Du weißt, wie ich das meine. Aber im Ernst, irgendwas stimmt da nicht. Ich meine, wir kennen Granger und was für eine nervige Persönlichkeit diese Frau eigentlich immer hatte. Das gestern war… uhm… so überhaupt nicht die Granger, die ich in Erinnerung habe.“

„AHA!“, rief sein Gegenüber aus und wackelte anzüglich mit den Augenbrauen. „Kommen jetzt die schmutzigen Details, oder muss ich dir die aus der Nase ziehen?“

Draco lachte. „Davon träumst du wohl!“

„Du bist immer noch der gleiche Arsch wie früher“, schmollte Blaise nun, jedoch mit einem Zwinkern. Draco wusste, dass sein bester Freund ihm eigentlich nie etwas übel nahm. Darum war der Typ immerhin sein bester und vielleicht auch einziger, richtiger Freund. Zabini war zwar neugierig wie sonst niemand den er kannte, doch er war derjenige, der Draco akzeptierte wie er nun einmal war. Und er wusste sehr wohl, dass er nicht immer die einfachste Gesellschaft war, vor allem nicht, wenn es darum ging, über private Angelegenheiten zu sprechen.

„Iss, Zabini, bevor es kalt wird. Es wäre ärgerlich, wenn ich dich zu einem ungenießbaren Frühstück einladen müsste.“

Diese Worte hatten den gewünschten Effekt, denn der Dunkelhaarige grinste übers ganze Gesicht. „Ich nehm‘ alles zurück, du bist vielleicht doch kein Arsch.“
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