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Neubeginn mit Hürden

von Sleipnira
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Miya Osamu OC (Own Character)
22.06.2022
05.08.2022
15
80.376
8
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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23.06.2022 4.776
 
Das Wochenende flog an Finnja schneller vorbei als ihr lieb war, der Kurs begann endlich und sie konnte es kaum erwarten ihre innere Mitte wieder zu finden. Obwohl um ehrlich zu sein wusste sie nicht wirklich, ob sie das auch hinbekommen würde. In ihrem Kopf herrschte schon vor Beginn des Kurses Chaos.

Als erstes würden sie ohne Pferde arbeiten, Kitai-Sensei, so hieß der Kursleiter, war ein älterer Mann, mit graumelierten, kurzen Haaren und einen liebevollen Blick. Finnja fühlte sich bei ihm sofort wohl und schaffte es auch ihre Aufregung etwas zu dämpfen.  Jeder Teilnehmer hatte seinen eigenen Platz, es waren nicht viele, 5 mit ihr inbegriffen, also eine sehr überschaubare Anzahl. Zumal das Angebot sehr speziell war, sie wusste das alle hier mit ihren Pferden hier waren und es später auch zu Übungen kommen wird, wo sie mit ihren Tieren arbeiten.

Zuerst hatte jeder eine gemütliche, flauschige Unterlage bekommen, auf denen man trotz allem mit einem festen Stand stehen konnte. Finnja hatte schon von ein paar Entspannungsübungen gehört, dazu gehören Qi-Gong, Taiji Quan, Yoga, Reiki sogar Aikido war ihr geläufig. Aber was sie hier zu sehen bekam war irgendwie alles gemixt. Aber nicht unbeholfen. Es hatte System, aber das erkannte sie erst nach einer Woche. Im Grunde ging es darum die Energie, das Ki - die Energie des Körpers, durch Atem- Bewegungs- Konzentrations- und Meditationsübungen wieder in die Richtige Richtung zu lenken. Seine sogenannte innere Mitte finden, sich wieder auf den richtigen Weg zu leiten.

Ihr Mentor Kitai, erklärte in der ersten Stunde das sie zuerst lernen mussten richtig zu Atmen, danach würden sie anfangen zu Meditieren. Sobald sie die Ruhe gefunden haben, geht es in die Atem-, Bewegungs- und Konzentrationsübung über. Sobald das alles gemeistert wurde, werden erst die Tiere dazu geholt. Dort geht es zu einer Art Parelli Natural Horsemanship* über, man kann die beiden Spaten wunderbar miteinander kombinieren und am Ende sollte man mit seinem Tier den Fluss der Energie richtig lenken, um nicht nur körperlich, sondern auch geistig stabil zu sein. Unterm Strich lernt man sich selbst aus den Augen des Pferdes kennen und auch die Dinge aus der Sicht eines Fluchttieres.

Finnja hatte schon ein paar Kurse, vor allem Parelli war ihr nicht fremd, doch hier würde sie völlig neue Ebenen beschreiten und sie ist wirklich gespannt was alles auf sie zukommen wird. Aber erstmal musste sie es schaffen richtig zu Atmen. Ihr Mentor, oder auch Sensei- hatte natürlich bemerkt, dass sie sich nicht richtig konzentrieren konnte.

Ito Kitai ließ sich neben Finnja nieder, seine tiefe Stimme holte sie komplett in die Realität zurück. “Toenner-San, du musst versuchen deine Gedanken zu beruhigen, versuche es nicht zu erzwingen, Atme bewusst, fühle die Luft, die in deine Lungen fließt, mit Energie speist und die verbrauchte, schlechte Energie wieder ausströmt. Es ist wie eine dreifache Kombination**. Davor musst du dich versammeln, konzentrieren, den Sprung anvisieren und das erste Hindernis nehmen, einatmen, den mittleren Sprung überwinden, Atem halten und den Sprung zum Rausspringen, Ausatmen. Nicht zu schnell, sonst gibt es Abwürfe, nicht zu langsam, sonst verweigert das Pferd den Sprung.”

Der Vergleich hatte sie etwas verwirrt, sie wusste das ihr Sensei mit Pferden zu tun hatte, dass er aber so darauf einging, damit hatte sie nicht gerechnet. Und doch hilft es ihr, wenn sie es visualisiert, wie einen dreifach Kombi Sprung dann schaffte sie es sogar sich dabei zu konzentrieren. Natürlich atmete sie nicht in dem Tempo wie ein Pferd solch ein Hindernis in Wirklichkeit nehmen würde. Aber sie ritt es imaginär, in dem sie die Luft durch ihre Lungen sog und wieder ausstieß. Kurz nachdem sie es geschafft hatte, lächelt sie den Sensei an “Vielen Dank Kitei-Sensei, das hat mir wirklich geholfen!” Er nickte, stand auf und strich ihr Lobend über die Schulter, sie zuckte zusammen, es war die Schulter, die der Unfall komplett entstellt hatte.

Für einen Moment dachte sie, er hätte die Narben spüren können. Was natürlich Blödsinn war, trotz der Spätsommerlichen Temperaturen trug sie ein Dreiviertel Shirt, um ihre Arme zu verdecken und die Narben waren nicht dick genug das sie durch einen normalen Stoff und ohne deren Wissen, ertastbar wären. Tief holte sie Luft und versuchte erneut ihre Gedanken zu beruhigen. Finnja schloss wieder ihre Augen und versuchte ihre Angst und Panik aus ihrem Körper zu verbannen. Dieses Mal gelang es ihr schon besser, aber auch nicht so wie sie das gerne hätte.

Zwei Stunden später befand sie sich auf dem Weg nach Hause, sie war frustriert über ihren geringen Fortschritt, der Kurs würde nur 2 Monate gehen. Eine Woche und sie hatte nichts erreicht, außer dass sie Kopfschmerzen hatte. Wütend trat sie fester in die Pedale ihres Fahrrades und zischte durch die Dämmerung nach Hause. Kurz bevor sie mit ihrem Fahrrad die Auffahrt zu ihrem Wohnkomplex nahm, vibrierte ihr Hintern. Verwirrt blieb sie stehen und tastete ihre Kehrseite ab, dort fand sie ihr Handy, was sie normalerweise nie dorthin tat.

Zu leicht könnte es aus der Gesäßtasche rutschen, das Handy war ihr größter Schatz. Darauf hatte sie alle Fotos von La Fayette. Sie zog das, fröhlich vibrierende Gerät, aus ihrer Tasche und stellte fest das ihre Freundin Natsu anrief. Schnell hob sie ab und drückte das Handy an ihr Ohr, während sie ihre Schulter dazu benutzt es zu halten um vom Fahrrad, etwas ungelenk, abzusteigen. “Hallo Natsu!”

Begrüßte sie freudig ihre Freundin. “Eeeeeeendlich hebst du ab!!” schallte es aus dem Hörer und Finnja zuckte zusammen, die Lautstärke war definitiv nicht geeignet für ein Telefonat. Besorgt sah sie sich um, sie hatte kurz den Eindruck die komplette Nachbarschaft aufzuwecken bzw. zu stören. Bevor Finnja aber etwas sagen konnte plapperte die quirlige Japanerin am anderen Ende weiter. “Am Wochenende findet ein kleines Fest statt, ich komme von Kyoto extra her und ich werde dich mitnehmen.” die silbrig haarige stieß die Luft aus ihren Lungen. “Natsu-chan, du weißt doch dass ich nicht ausge..” weiter kam sie nicht.

“Paperlapapp, du wirst endlich aus deinem verdammten Schneckenhaus rauskommen, dich in ein passendes Kleid werfen oder was auch immer und ENDLICH SPASS HABEN!” grölte der Schluss erneut aus dem Hörer und Finnja hielt das kleine schwarze Telefon von ihrem Kopf weg. Jetzt war sie sich sicher, dass die unmittelbar nahe Nachbarschaft darüber Bescheid wusste das sie Spaß haben sollte.

Ihr Fahrrad schob sie in den vorgesehenen Parkplatz, schloss es ab und hatte derweil ihr Handy wieder zwischen Schulter und Ohr geklemmt. “Muss ich?” fragte sie resigniert, da sie genau wusste das Natsu nicht aufgeben wird. “JA du musst! Außerdem wird mein Bruder da sein, ich habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen. Ich möchte ihn dir endlich mal vorstellen!” jauchzte sie. “Äh…” etwas Geistreiches kam der 27-jährigen gerade nicht über die Lippen. “J-Ja natürlich würde ich ihn auch gerne Kennenlernen, aber Natus, bitte versuch nicht mich mit irgendjemanden zu verkuppeln. Das mit Stefan hat mir mehr als gereicht.” murrte sie.

Natus wusste genau was sie sagen musste, um Finnja schnell zu etwas zu überreden, sie appellierte an ihr Gewissen und auch daran das sie ihr versprochen hatte ihren Bruder endlich mal kennen zu lernen. Während Natsu am Telefon weiterhin versuchte sie zu überreden, stand sie inzwischen vor ihrer Wohnungstüre und schloss diese auf, warf die Schlüssel in ein Schälchen neben der Türe, zog ihre Schuhe aus und tapste durch den kleinen Gang in das Wohnzimmer, welches mit der Küche einen Raum bildete. Aus ihrem Telefon war fröhliches Gerede zu hören, inzwischen war sie dazu übergegangen, dass es doch schön wäre, wenn sie hier einen Partner finden würde. “Natsu-Chan, ich bin nicht nach Japan gekommen, um einen Partner zu finden, sondern um mein Leben neu zu beginnen. Wenn irgendwann mal ein Partner dafür auftaucht, ist das schön, aber keine Pflicht.” nuschelte Finnja.

Am anderen Ende seufzte es laut, “Fina-chan, dass weiß ich doch, obwohl ich der Meinung bin, dass du dir endlich jemand neues Suchen musst, gerade du hast es nicht verdient allein zu sein. Du bist ein absoluter Familienmensch, du brauchst den Trubel um dich herum.” Da hatte Natsu leider recht, sie brauchte Familie, eigentlich witzig das sie gerade davor von ihrer Heimat Reißaus genommen hatte. Sie konnte die mitleidigen Blicke nicht mehr ertragen. Vielleicht war es etwas übertrieben, dass sie gleich nach Japan gezogen war. Aber gut rannte nicht jeder vor irgendetwas weg?

“Natsu-chan, wie ich schon sagte, wenn jemand auftaucht der passt, wieso nicht. Aber erzwingen werde ich es sicher nicht. Außerdem habe ich gerade viel zu viel mit dem Kurs und mir selbst zu tun.” versuchte sie die Volleyballerin davon abzubringen irgendwelche Kupplungspläne zu schmieden. “Klar, bis dahin ist dir da unten auch ein Spinnennetz gewachsen, damit fängst du aber keine Männer, sondern schreckst sie nur ab.” Entsetzt klappte ihr der Mund herab, man sagte ja immer Japaner wären so konservativ und zurückhaltend.

Aber sobald Natus einmal in Fahrt war, dann nahm sie kein Blatt vor dem Mund, sie war der Dämon in einer süßen, überaus freundlichen und quirligen jungen Frau. “Pff.. also wirklich, darüber mach ich mir Gedanken, wenn es so weit ist. Sonst muss ich halt einen Kammerjäger holen.” sie kicherte über ihren überaus schlechten Witz. Natürlich würde sie das nie machen. “Ja, Ja genau, Kammerjäger.” Es seufzte leise am anderen Ende der Leitung.

“Keine Sorge, auch wenn ich nicht so wirke, auch mir ist bewusst das man, dass was du erlebt hast, nicht einfach rausvögeln kann. Ich will wirklich nur mit dir auf das Fest gehen und Gemeinsam Spaß haben Fina-Chan.” Versicherte ihre Freundin, Finnja lächelte leicht, so lange kannten sie sich noch nicht, aber es war als hätte man einen Schalter umgelegt als sie sich damals im Krankenhaus getroffen hatten. Das warum sie überhaupt dort war, bekam sie nicht mehr ganz auf die Reihe, es war wohl ihr Bruder, der bei einem alten Schulkollegen war, der irgendwas mit Physio machte und sie hatte ihn abholen wollen. Traf aber auf Finnja, die mit Krücken durch die Gänge schlich.

“Ich danke dir Natsu-Chan. Da ich aber absolut keine Kleidung fürs Ausgehen habe, musst du mit mir Shoppen gehen.” Es quietschte durch ihr Telefon, sodass sie es erneut in einen Sicherheitsabstand zu ihrem Ohr hielt, bis der Ton nachließ. “Ich weiß genau, wo ich dich hin mitnehme. Morgen 14 Uhr bin ich bei dir und dann gehen wir Shopppeeeeeeeeen.” jaulte Natsu erfreut und Finnja seufzte, man sollte eigentlich meinen sie würde sich freuen, was sie auch tat aber nicht darauf ihren Körper in div. Kleidungsstücke stecken zu müssen und vor allem die verfluchten Spiegel dieser Umkleiden.

“Gut ist in Ordnung, dann sehen wir uns morgen um 14 Uhr. Fahr vorsichtig! Hab dich lieb. Tschüss, Baba!” Die letzten beiden Wörter sagte sie in Deutsch, es war eine Angewohnheit, die sie nicht ablegen konnte und Natsu machte es nichts aus, sie war ziemlich offen was die Kultur von Finnja betraf.  

Seufzend legte sie das Handy neben ihr auf die kleine Couch, sie saß immer noch im Dunkeln und sah dabei in die finstere Nacht hinaus. Es zogen ein paar Wolken auf und sie spürte regelrecht, wie sich die Luft auflud, das würde noch ein Gewitter geben. Bevor dieses jedoch begann, würde sie gerne mit Duschen fertig sein. Sie hatte zwar keine Angst vor dem Wetterphänomen, aber Duschen tat sie dennoch ungern, wenn so ein Gewitter über ihren Kopf einbrach. Also sprang die hellhaarige auf, schlüpfte aus ihrer Kleidung, warf diese zu einem Häufchen zur Seite und sprang unter die Dusche.

Gerade als sie mit ein paar Dampfschwaden aus dem Badezimmer kam, hörte sie ein tiefes Grollen, inzwischen hatte sie eine Deckenfluter Lampe eingeschaltet. Es ließ ihre Bescheidenen Vier Wände gemütlicher wirken und ein zufriedenes Schmunzeln huschte über ihre Lippen. Sie war noch rechtzeitig fertig geworden also schlürfte sie, immer noch in ihr Handtuch gewickelt in die kleine Küche, dort holte sie sich Butter, Wurst, Käse aus dem Kühlschrank und das Brot aus der Box. Schmunzelnd betrachtete sie das merkwürdig aussehende Gebäck. Hier in Japan gibt es inzwischen Brot, aber die sehen nicht so aus wie sie es von daheim gewohnt war. Aber es war egal, Hauptsache das fluffige Ding würde sie gleich mit Wurst und Käse belegen und das ihren Hunger stillen.

Als sie ihr Brot halb im Stehen verputzt hatte stellte sie den Teller in das Abwaschbecken und machte sich auf den Weg in ihr Schlafzimmer, dort zog sie einen dünnes, viel zu großes, Shirt aus dem Schrank und warf es sich über ihren Kopf. Darauf stand groß “LANDWIRTSCHAFTSSCHULE GROTTENHOF***”, ein Überbleibsel aus ihrer Ausbildungszeit. Kurz sah sie zu ihren Armen, sie waren zwar bedeckt, aber nicht so akribisch, als wenn sie Draußen wäre. Zu Hause hatte sie weniger Probleme ihren Körper zu zeigen, da war schließlich nur sie und nur sie selbst konnte über sich urteilen. Obwohl das oftmals das härtere Urteil war.

Müde plumpste sie auf ihr Bett, es war groß genug für mehr als eine Person, aber Finnja liebte es auch einfach quer in einem Bett zu schlafen. Daher hatte sie sich gleich als erste Amtshandlung ein fast 180m Breites Bett angeschafft, auch wenn es ihr kleines Schlafzimmer beinahe gänzlich ausfüllte. Es war ihr egal, diesen Komfort hatte sie sich einfach geleistet.

Am nächsten Morgen oder eher später Vormittag, wachte Finnja auf, ihre Haare standen ihr zu Berge, sie hatte vergessen diese in einen Zopf zu flechten und nun hatte sie einen Mob auf dem Kopf. Schlaftrunken torkelte sie aus ihrem Schlafzimmer und machte sich auf den Weg in die Küche. Dort würde sie ihren schwarzen Lebensspender finden. Die Kaffeemaschine blubberte 10Minuten später fröhlich vor sich hin und in der Wohnung breitete sich der herrliche Duft nach frisch gebrühten Kaffee aus. Irgendwie hatte es Finnja geschafft ihre widerspenstigen Haare zu bändigen und in einen französischen Zopf zu verbannen. Anders würde sie ihre Haarpracht heute nicht mehr gebändigt bekommen. Mit einem Blick stellte sie fest das es fast 12 Uhr war. Heute hatte sie verdammt lange geschlafen. Zum Pferd musste sie heute nicht, Vailuna hatte heute Weidegang und so konnte sich Finnja zu Hause entspannen.

Auch wenn sie sich erstmal daran gewöhnen musste, vor dem Unfall hatte sie bis zu 5 Beritt Pferde**** in verschiedenen Stadien der Ausbildung. Jetzt nur noch ihren Apfelschimmel und die war schon lange mit den Basics durch. Lernen konnte man immer etwas, das war Finnja klar, trotzdem ist es immer noch etwas befremdlich sich etwas auf die faule Haut zu legen. Mit ein paar Handgriffen hatte sie sich ein kleines Frühstück gezaubert, tatsächlich hatte sie noch ein Croissant was noch genießbar war und das ließ sie sich jetzt schmecken.

Der Kaffee dampfte, komplett schwarz, vor sich hin. Neben Finnja lag ihr Smartphone, dort scrollte sie sich gerade durch die aktuellen Nachrichten von ihrer alten Heimat. Um ehrlich zu sein hasste sie die Nachrichten, doch sie brachte es nicht übers Herz ihrem Geburtsland komplett den Rücken zu zukehren. Gerade wollte sie sich auf einen Artikel über den Tierschutz in Graz stürzen, als das Handy schrill zu Piepsen begann und Finnja verschüttete fast den Kaffee, den sie sich gerade zu ihrem Mund bewegen wollte.

Eine WhatsApp Nachricht ging ein, noch eine und noch eine.. “Wos zum Henker?” knurrte die Österreicherin vor sich hin und öffnete den Messenger. Es war die Alte Gruppe von ihrer Schule. Sie wollten ein Klassentreffen veranstalten, schnell drückte sie den Chat wieder weg. Finnja war nicht bereit dafür. Auf keinen Fall würde sie zu diesem Klassentreffen fahren. Mürrisch steckte sie sich das letzte Stück Croissant in den Mund und spülte es mit einem kräftigen Schluck Kaffee ihre Kehle hinab. Mürrisch räumte sie die Reste des Frühstücks weg. Irgendwie hatte ihr diese Gruppe gerade die Laune verhagelt.

~Egal wie weit man weg ist, die Vergangenheit holt einen immer ein. ~ Schoss es ihr durch die Gedanken, wunderbar, vielen Dank liebes Gehirn, das habe hatte sie gerade noch gebraucht. Katzenkalender Weisheiten! Stärker als beabsichtigt stellte sie ihre Tasse in die Spüle und der Teller vom Vortag klirrte protestierend als das Keramik aufeinanderschlug. Das holte sie wieder zurück in die Realität und sie begann die Unliebsame Hausarbeit zu erledigen. Wäsche waschen, Saugen und natürlich Abwaschen. Als sie alles Erledigt hatte war sie müde und hatte das Gefühl nochmal duschen zu müssen. In 20 Minuten würde Natsu vor der Türe stehen und Finnja fielen beinahe die Augen zu. Keine gute Voraussetzung fürs Shoppen. Also quälte sie sich wieder auf die Beine und griff zu ihrem beliebten Aufputschmittel. Energy!

Seelig ließ sie sich das absolut ungesunde und zuckerhaltige Getränk ihre Kehle hinab rinnen und freut sich schon auf den Energieschub, denn wenn solch ein Energy Drink eines Tat, dann sie so richtig aufputschen und das brauchte sie bei Natsu auch. Sonst konnte sie nicht mit dem Wirbelwind mithalten. Ihre Augen glitten über die Dose, es war schon erstaunlich wie populär das Produkt aus Salzburg war. Obwohl, eigentlich stammte der Ursprung sogar aus Japan, damals hatte man den Piloten zur Leistungssteigerung etwas ähnliches gegeben. Nun gut weiter darüber nachzudenken, würde ihr die kleine Sünde, mit den beiden roten Bullen, nur schlecht machen, also stürzte sie den letzten Rest des Zuckergemisches runter und warf die Dose in den Eimer zu dem anderen Metallischen Müll.

Kurz darauf läutete es an ihrer Türe sturm, lächelnd öffnete sie der quirligen Natsu die Türe. Beinahe wäre sie umgefallen, da sie plötzlich einen orangenen Teufel an ihren Hals hängen hatte. Natürlich war sie größer als die junge Frau, doch das störte sie nicht sonderlich. Schnell drückte sie an sich und gab ihr ein Küsschen auf die Wange.  Sie hatten eine Art Ritual entwickelt, in dem sie sich mit einer Umarmung und Küsschen begrüßen. “Na bist du bereit zum Shoppen?” fragte Natsu die Österreicherin, diese aber verzog etwas ihr Gesicht. “Nicht wirklich, aber ich habe keine Wahl, also ab gehts!” antwortete Finnja mutig. Natsu grinste, sie wusste genau wie das gemeint war, also wartete sie, bis Finnja sich endlich angezogen hatte.

“Natus-Chan, NEIN!” knurrte Finnja, als diese ihr ein knalliges Kleid vor den Körper hielt. Diese gluckste nur und zog dasselbe Kleid nur in schwarz aus dem Kleiderständer. “Das darf doch nicht wahr sein…” maulte die größere und Natsu setzte einen Hundeblick auf. “Nagut, aber ich probiere es nur an! Kaufen werde ich es mir nicht.” drohte sie und schnappte sich das Kleid, sie hatte die Hoffnung das es ihr sowieso nicht passen würde. Hier war ja schließlich alles wesentlich kleiner, war natürlich ein Schock als sie festgestellt hatte das sie XL tragen muss anstatt ihr gewohntes M/L. Der Schnitt war einfach nicht für ihren Körperbau gedacht. Es war nicht schlimm das sie nicht extravagante Kleidung fand, im Grunde braucht sie nur Unterwäsche, Sport-BH und Shirts um zum Pferd zu können. Hoodies gab es genug in der Männerabteilung.

Was sie aber an Japan liebte, waren diese verdammt süßen Accessoires, sie könnte sich daran verrückt kaufen. Sie hatte vorhin einen kleinen grauen Fuchs gekauft, der nun an ihrem Handy als Anhänger baumelte. Irgendwie hatte sie nicht daran vorbeigehen können. Seufzend blickte sie sich in der Kabine um, sie war zum Glück recht groß und nicht überall mit Spiegeln gepflastert, nur ein großer vor ihr. Gut den würde sie überstehen, schnell zog sie ihre Kleidung aus, darauf bedacht nicht in den Spiegel zu sehen und zog sich das Kleid über, es passte überraschenderweise.

Skeptisch blickte sie in den Spiegel, dort sah sie eine junge Frau, die wohlgeformte Rundungen besaß, ihre Körperform könnte man auch eine Birne nennen, seufzend fuhr sie sich über ihre Breiten Hüften. Gebärfreudiges Becken nannte man das in ihrer Heimat. Brüste waren nicht zu groß und nicht zu klein, damit war sie zufrieden, zu große würden beim Reiten einfach stören.

Zögerlich glitt ihr Blick über das weitere Kleid, vorne hatte es 3 große silberne Knöpfe, die nur zur Deko waren, aber dennoch ihre Brüste betonten. Das Kleid bestand aus einem schwarzen Leinenstoff, war sehr Körper betont und der Rock ging bis zu ihren Kniekehlen. Nur war das Manko was sie an dem Kleid nicht mochte die Ärmel, sie waren zu kurz und so konnte sie ihren linken Arm im Spiegel betrachten, er war etwas deformiert von den ganzen Narben, diese bildeten ein, teilweise rot schimmerndes, wirres, Spinnennetz. Bis zu ihrem Ellenbogen, danach hörte es schlagartig auf und man konnte erkennen das die Haut auf ihren Unterarmen dunkler war, da sie dort von der Sonne gebräunt wurde.

“Na wie weit bist du?” Natsu steckte ihren Kopf in die Kabine, Finnja erschreckte sich so sehr, dass sie kurz aufschrie. “Natsu! Musst du mich so erschrecken?!” knurrte sie mürrisch, drehte sich aber zu ihrer Freundin um, die sofort riesige Kulleraugen bekam. “Wooooooooooooooow Fina-chan, das sieht unglaublich süß an dir aus. Das musst du dir kaufen!” bettelte sie schon fast. Dich Finnja schüttelte konsequent den Kopf. “Nein Natsu, ich zieh das nicht an. Ich habe mir schon was rausgesucht.” “Achja und was?” fragte sie nun neugierig.

Finnja legte ihre Hand auf, mit einem leisen klatschen, auf die Stirn von Natsu und schob den Kopf aus der Kabine, sagte dabei. “Ich zeige es dir, warte einen Moment.” Schnell schälte sie sich aus dem Kleid und warf es in die Ecke, als ob sie sich daran verbrannt hatte. Schnell wandte sie sich dem anderen Kleiderstapel zu, sie zog einen leichten Leinenstoff hervor, es war eine Hose, aber die Beine waren so weit ausgeschnitten das es aussieht als hätte sie ein Kleid an. Die Hose hatte einen hohen Bund um den Bauch, also zog sie sich eine lockere Beige Bluse darüber, die auch aus einem ähnlichen Stoff bestand. Die Arme waren etwas ausgestellt und so sah sie sich zufrieden im Spiegel an.

Es war jetzt keine Modische Explosion aber auch kein Reinfall, zumindest nach ihrem Geschmack. Also ging sie aus der Kabine, um sich Natsu zu präsentieren. Diese zog eine Schnute als sie die silbrig haarige erblickte. “Fina-Chan, mir hat das Kleid besser gefallen, aber das hier sieht auch nicht schlecht aus. Würde aber statt der Bluse ein enges Top anziehen, das würde es etwas besser betonen.” Schon wurde ihr ein helles Shirt in die Hand gedrückt und zurück in die Kabine verfrachtet. Natsu wusste warum Finnja nicht ohne Ärmel außer Haus ging und so hatte sie ihr, obwohl sie Top sagte, ein Shirt mit dreiviertel Ärmel in die Hand gedrückt. Also zog sie sich das Shirt an, es lag eng an ihrem Körper an, die Ärmel gingen bis knapp zu ihrem Ellenbogen und verdeckten alles was sie nicht zeigen wollte.

Zufrieden sah sie sich im Spiegel an, das passte tatsächlich noch besser. Es betonte zumindest die Vorzüge, die sie zu bieten hatte. Kurz entglitt ihr das Gesicht, was dachte sie sich hier eigentlich? Sie wollte niemanden ihre Vorzüge zeigen. Kopfschüttelnd drehte sie sich um und stapfte aus der Kabine. Natsu quietschte freudig, “Ja das passt viel besser, dann nehmen wir das. Auch wenn ich immer noch für das Kleid bin, Finaleinchen.” neckte sie Finnja, doch diese hatte das Kleid schon komplett abgeschrieben.

Nach einer Gefühlte Ewigkeit und 4 Tüten mit Kleidung kamen die beiden aus dem Geschäft wieder raus, Drei von Vier gehörten Natsu und in der einen befand sich das Abendliche Outfit für Finnja. Als sie zurück zur Stadtmitte schlenderte, da sie daran vorbeimussten um zu ihrer Wohnung zu gelangen, erkannten sie das hier schon alles aufgebaut und nur noch die letzten Handgriffe getätigt wurden.

“Wow, Finnja, die Jungs sind schon ziemlich weit mit dem Aufbau. Ich bin so aufgeregt und ich freue mich schon so!” jauchzte die kleinere und hüpfte wie ein Flummi um die Österreicherin. Diese lächelte besonnen, ja ihre kleine Freundin konnte sich an so ziemlich allem freuen. Ihr Blick wurde von einer großen Person abgelenkt, die sie wohl doppelt sah, was zum? Nein Moment, sie sah doppelt aber nicht aufgrund eines Augenleidens oder Alkoholkonsum. Da stand der Ladenbesitzer von Miya Onigiri und das andere war wohl sein Bruder.

Osamu wurde von seinem Zwilling angestupst. “Guck mal, da ist Natsu-Chan und die kleine Furie.” Neugierig drehte er seinen Kopf etwas und konnte tatsächlich die silbrig haarige Frau erkennen. “Nenn sie nicht so, sie war nur zu dir bissig. Aber das wundert mich kein Stück.” brummte er und wandte sich wieder seinem Stand zu. Er musste nur noch ein paar Kleinigkeiten aufhängen und er wäre fertig. Kojo würde in einer Stunde hier sein und sich darum kümmern, eigentlich würde er gerne hinter der Theke stehen, doch Atsumu hatte darauf bestanden das er mit seinem Bruder feiern musste.

“Oya, beschützt du sie etwa? Läuft da was zwischen euch?” Die Augen von Osamu verengten sich zu schlitzen. “Du hast mal wieder einen zu viel geraucht, kann das sein? Du hast Wahnvorstellungen!” knurrte er zur Antwort. Erneut drehte er sich, so dass er zu der Frau blicken konnte, die inzwischen an der Dorfmitte vorbeigekommen war und er erkannte, dass sie etwas rot im Gesicht war. Hoffentlich hatte sie Atsumu gerade nicht gehört, das wäre Todes peinlich. Auch ihm schlich ein kleiner rot Schimmer auf die Wangen. “Hey ihr beiden Träumer!” schallte es über den Platz und Osamu zuckte etwas zusammen.

Das laute Organ von Bokuto hallte über den Platz, es war unmöglich ihn nicht zu hören. Die ehemalige Eule spielte nun mit seinem Bruder bei den MSBY Black Jackals, wie er das nur aushalten konnte war ihm aber ein Rätsel. Bevor Bokuto nochmal die Chance hatte, quer über den Hauptplatz zu brüllen machte sich die Brüder auf zu dem großgewachsenen grauhaarigen.

Finnja hörte hinter sich noch wie jemand etwas über den Platz grölte und ihr Gesicht hatte immer noch eine Gesunde Farbe, sie hatte kurz in die Augen von dem Onigiri Ladeninhaber geguckt und fast hätte sie nicht wegschauen können. Natsu wandte sich zu Finnja und wollte gerade etwas sagen, als sie bemerkte, wie rot ihre Freundin doch war, irritiert blieb sie stehen. “Was ist los Fina-Chan?”

Fragte diese und sah sie neugierig an. “Ach äh.. nichts, ich habe mich nur an etwas erinnert.” versuchte sie auszuweichen. Doch Natsu gab nicht nach, sie schlenderten durch die Gassen und entfernten sich von der Stadtmitte. “Ist ja gut!” seufzte Finnja entnervt, “Ich habe den Ladenbesitzer von Miya Onigiri mit seinem Bruder verwechselt und ihn ziemlich angefahren, bis er mich darüber aufklärte das er mir sicher kein Onigiri gegeben hatte.” Finnja hatte das Gefühl ihr Kopf würde gleich Kochen, so rot musste sie sein, dafür konnte Natsu das Lachen nicht mehr zurückhalten.

“Wie kann man die beiden verwechseln? Miya Atsumu hat doch blonde Haare.” Finnja schnaubte, “Ach, was du nicht sagst, das ist mir aber erst danach aufgefallen…” Erneut lachte Natsu laut auf. “Schon gut, lass uns einfach heimgehen und uns herrichten.” Natsu aber konnte nicht lockerlassen und nervte sie den ganzen Weg nach Hause was sie noch so zu Atsumu gesagt hatte. Bis die beiden endlich in ihrer Wohnung ankamen war es schon 18 Uhr und um 19 Uhr sollte das ganze beginnen. Kaum Zeit für irgendetwas. Genervt schob sie Natsu auf die Couch. “Such dir dein Outfit auswaschen können wir es jetzt nicht mehr. Aber ist nicht so schlimm, ich springe schnell unter die Dusche, um mich frisch zu machen.”

♣♣♣♣♣♣


A/N:

Diesmal nach dem Kapitel, fand es unpassend es davor zu schreiben.
Da ich es selbst hasse immer ewig auf Kapitel zu warten, weil ich einfach zu ungeduldig bin und eine alte Binge-Readerin bin. Die Geschichte ist ja schon fertig, habe ich mir gedacht, es würde vielleicht 1-2 Freuen wenn es schon weiter geht. Keine Sorgen ich werde jetzt nicht jeden Tag Updaten, das ist nur die Aufregung es endlich gewagt zu haben meine Geschichte zu veröffentlichen. *Herzinfarkt steht kurz bevor*

Übrigens freue ich mich auch über Feedback, egal ob PN, Review oder sonst irgendwie :D

Ein paar Begriffserklärungen:

Text der Fett und Kursiv geschrieben wurde, wird im Dialekt gesprochen. Kleiner Tipp: Wenn man es laut sagt, ergibt sich oftmals der Sinn. Sollten es Sätze sein die schwer zu verstehen sind, werde ich diese natürlich auf Hochdeutsch wiedergeben.  Aber keine Sorge, es kommt nicht oft vor.  
Sollte es einen Aufschrei von Steirern geben, ich bemühe mich Grazer Dialekt zu verwenden, doch habe ich selbst einen Mischmasch aus div. Dialekten, dass ich es leider nicht zu 100% korrekt wiedergeben kann. Zumal es gefühlt für jedes "Dorf" einen eigenen Dialekt gibt ;). Bitte verzeiht mir.


* Parelli ist eine Grundausbildung für Mensch und Pferd, welche auf gegenseitiger Kommunikation sowie auf Respekt und Vertrauen basiert.
** dreifache Kombination, sie besteht aus 3 Hindernissen, in denen ein oder zwei Galoppsprünge liegen.
*** Landwirtschaft Schule Grottenhof: Landwirtschaft Schule in Graz, Finnja hat den Schwerpunkt ORG für Pferdewirtschaft gewählt.
**** Beritt Pferd: Tiere die Finnja auszubilden, fortzubilden oder auf Turnieren vorzustellen musste. Oft werden Pferde in Beritt gegeben, die Korrektur geritten werden müssen.
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