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Neubeginn mit Hürden

von Sleipnira
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Miya Osamu OC (Own Character)
22.06.2022
24.06.2022
3
16.093
3
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.06.2022 4.949
 
A/N:
Ehm, Hi?!
Ja, ich glaube Hi passt. Also, Hi liebe*r Leser*innen, dies ist meine erste Fanfiktion, die ich veröffentliche, dementsprechend geht mir auch gerade die Flatter. Um es mal einfach auszudrücken.

Ich möchte euch noch warnen, ich habe leider eine ziemliche Rechtschreibschwäche, ich habe die Geschichte mehrmals durchgeprüft (mit und ohne Hilfe). Falls ihr gravierende Fehler findet, könnt ihr das gerne Anmerken, behaltet aber bitte im Hinterkopf, dass ich eine kleine Schwäche habe und mich nicht gleich aufknüpft. ^^‘

Jetzt zu den Warnungen die direkt meine Geschichte betreffen.
Das Thema Pferde wird etwas Thematisiert, vor allem anfangs. Gewalt in div. Formen, Blut, Abtreibung/Verlust sowie Narben werden angesprochen. Ich versuche so sensibel, aber auch direkt wie möglich mit den Themen umzugehen, sollte es jemanden nicht gefallen, kann man mich gerne, konstruktiv, darauf hinweisen =)

Wer die Haikyuu!! nicht gesehen/gelesen hat sollte sich darauf gefasst machen das es einige Spoiler gibt.

Später gibt es noch ein selbstgemaltes Bild zu dem OC und auch eine Playlist. Aber erstmal schauen, wie es bei euch ankommt.

Genug gelabert, auf ins kalte Wasser! Habt Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße
Lady Sleipnira

♣♣♣♣♣♣

Kapitel 1

Das Klima von Hyogo war dem von Österreich gar nicht so unähnlich, daher war Finnja ziemlich froh, dass sie ihr Pferd, wie damals in Tokio, nicht großartig akklimatisieren musste. Sie schloss für einen Moment die Augen, ließ das Rauschen des Windes, sowie das Knirschen der Steinchen unter den Hufen ihrer Stute ihre Sinne kitzeln. Das tiefe atmen des Pferdes spürte sie an ihren Schenkeln und ein Lächeln zeigte sich auf ihren Lippen.

Beim Ausreiten hatte man immer das Gefühl der Natur und dem Ursprung sehr nahe zu sein, schließlich hat man unter seinem Hintern ein Lebewesen, welches man mit leichten Schenkel Kommandos lenken konnte. Und trotzdem bleibt es immer noch das was es ist, ein Flucht- und Herdentier.

Aber es gibt auch nicht so schöne Ereignisse, so schnell sie konnte riss sie wieder die Augen auf und versuchte ihre Unruhe nicht auf den Apfelschimmel zu übertragen. Kurz zuckten wieder Erinnerungen, die sie lieber vergessen würde durch ihren Kopf, sie bildete sich ein das Brechen der Knochen sowie den letzten, hilflosen schrei, eines Pferdes zu hören. Finnja wusste, dass sich alles in ihrem Kopf abspielte, dennoch schoss ihr Puls in die Höhe und die Erinnerungen versuchten aus der Ecke zu kriechen. Schleimig, ekelhaft und zäh schoben sie sich langsam heraus, doch so schnell sie konnte schob sie dem Ganzen den Riegel vor. Zumindest versuchen sie es, trotz ihrem Unfall hatte sie sich wieder auf das Pferd gewagt, denn als Reiter muss man eines immer tun. Wieder aufsteigen, bleibt man am Boden hat man verloren.

Schräg über ihr flog der letzte Schwarm Vögel, welche Art konnte sie nicht sagen, gen Süden. Hoffte sie, könnte auch ein Haufen Dohlen sein, die sich gerade um die neuesten Insekten Gründe stritten. Das Wetter war wundervoll der Tau hing noch an den einzelnen Grashalmen, die Sonne schien sodass die Wiesen wirkten als wären sie mit kleinen Diamanten ausgestattet geworden. Neugierig sah sich Finnja um, es wirkte alles Surreal, die kleinen und größeren Hügel von Hyogo versperrten ihr eine Weite Sicht, aber das war sie ja von ihrem Heimatland auch gewohnt. Trotzdem schlug ihr Herz schneller, Japan ist ihre Wahlheimat. Vor gerade einmal 2 Wochen hatte sie es endlich geschafft den letzten Schritt ihrer neuen Lebensphase zu setzen. Japan mit Sack und Pack.

Ihre Stute Vailuna hatte den Flug nicht so gut aufgenommen, dank einiger Freunde konnte Finnja ihre Stute in eine der Boxen unterbringen und musste nicht die 22.000 Euro Zahlen, sondern weniger als die Hälfte, aber das war immer noch eine riesige Stange Geld. Sie schüttelte ihren Kopf, absurd, dieser Gedanke so viel Geld nur für einen Flug ausgegeben zu haben. Sanft strich sie über das silbrig, graue Fell am Hals des Pferdes. Vailuna schnaubte zufrieden und auch Finnja musste lächeln. Es war jeden Cent wert, ohne ihre 4-beinige Freundin würde sie nirgendwo hingehen.

Obwohl Vailuna leider etwas schreckhaft geworden ist, ein Flughafen ist immer laut, die Boxen wurden zwar automatisch in den Bauch des Flugzeuges geladen, dennoch ist es, trotz Vorkehrungen, laut, ungewohnt und einfach stressig für die Fluchttiere. Seither schreckte sich Vailuna schneller als zuvor, aber das bekam sie auch wieder raus. Man braucht nur Geduld und viel Liebe. Es ist nur, wenn man nicht gerade auf dem Rücken des Pferdes sitzt, lustig anzusehen wie ein böses Blatt geräuschvoll über den Boden rutscht und das über eine halbe Tonne schwere Pferd sich vor Schreck fast auf den Arsch setzt.

Sobald Finnja den Kurs abgeschlossen hatte, konnte sie anfangen als Horse Trainer zu arbeiten. Sie hatte ein paar vielversprechende Angebote, die Reiter in Japan waren alle meist hochangesehene und vor allem reiche Leute. Denn der Sport, ist auch wie in Österreich, doch recht teuer. Nun ja, noch teurer als in ihrem Geburtsland, da kann es schonmal vorkommen, dass eine Reitstunde an die 10.000 Yen kosten kann. In der Nähe von Tokio steigt der Preis an die 30.000 an. (10.000 -> ~73,89€ // 30.000 -> ~221,67€) Natürlich alles von der Qualität der Reitanlage abhängig und der Pferde.  Gut es gab auch Ausnahmen, kleine Ställe die Preisgünstig das Erlebnis des Reitens für den kleinen Geldbeutel anbieten.  

Die Anspannung, die gerade durch Vailunas Körper zuckte, riss sie aus ihren Gedanken und die Ohren des Pferdes flogen nach vorne. Schräg vor ihnen befand sich eine Hütte, die schon etwas verfallen aussah, das Holz lag teilweise auf dem Boden und rottete fröhlich vor sich hin. Erneut schnaubte Vailuna und Finnja versuchte mit ruhiger Stimme die Stute zu beruhigen. Das Ganze half nicht viel als eine dunkle Gestalt mit einem Gewaltigen Sprung um die Ecke schoss. Ein Panisches wiehern von Vailuna folgte, die Stute erhob sich sofort in die Höhe und wirbelte drohend ihre Hufe durch die Luft. Aus einem Reflex heraus umschlang Finnja, die Zügel immer noch in der Hand, den Hals von Vailuna, um nicht aus dem Sattel zu rutschen. Da die Stute den Winkel des Steigens dezent steil nahm und wenn sie das Gewicht nicht anpassen würde, könnte es sein, dass sie zusammen mit ihrem Pferd einfach umfiel und das möchte Finnja wirklich nicht tun. Unfälle mit Pferden hatte sie schon genug gehabt.

Es staubte ein wenig, die Steinchen flogen zur Seite als Osamu erstarrte und die Fersen in den Boden stemmte, um seinen Körper anzuhalten. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sich ein Pferd hinter dem Heuhäuschen befinden würde, er hatte bisher immer die Spuren von den Tieren gesehen, doch so früh am Morgen war er noch keinem Reiter begegnet.

Daher lief er auch etwas weniger umsichtig und nun hatte er die Quittung. Vor ihm flogen die Hufe wirbelnd durch die Luft und die Eisen blitzten bedrohlich. Das Pferd wieherte schrill und der Reiter versuchte sich verzweifelt am Hals des Tieres festzuhalten. Ein weiteres Mal erhob sich das Gewaltige Tier auf die Hinterbeine und Osamu ging ein paar Schritte nach hinten. Er war sich nicht sicher was er tun sollte, aber er hatte im Gefühl, egal wie schnell er sich bewegen würde, es wäre falsch.

Endlich hörte das Pferd auf sich so bedrohlich zu gebärde, es schnaubte und der Schnodder flog aus der Nase des Tieres. Angeekelt machte er einen weiteren Schritt nach hinten. Sein Herz trommelte wild in seiner Brust, nicht nur von dem Sprint, sondern auch dem Adrenalinstoß, der immer noch durch seine Venen gepumpt wird. Erst jetzt konnte er den Reiter genauer erkennen, beim zweiten Blick fiel ihm auf, dass die Person lange silbrige Haare hatte, die unter dem Reithelm in einem langen Zopf geflochten über den Rücken fielen. Die Krempe des Helms und auch der Stand der Sonne ließ nicht erahnen welche Augenfarbe oder Gesichtszüge sie hatte. Doch dass es sich um eine Frau handelte, konnte er nicht nur an ihrer, gut geformten, Oberweite erkennen.

Beruhigend schien sie auf das Tier einzureden, in einer Sprache die Osamu nicht kannte und völlig fremd, teilweise mit harten Wörtern und doch melodisch klang. Nun schien sie ihn erst zu bemerken, kurz konnte er einen Blick auf Gesicht erhaschen, bevor es wieder im Schatten der Krempe verschwand. Ein entschuldigendes Lächeln stahl sich auf die schmalen Lippen, er sah zwar das sich diese auch bewegten und Töne heraus kamen doch verstanden hatte er es im 1. Moment nicht. Als müsste sein Hirn erst wieder anspringen, verarbeitete es langsamer als sonst was gerade zu ihm gesagt wurde.

Einen harten Akzent registrierte er und er hatte nicht damit gerechnet, dass ihre Stimme auch in Japanischer Sprache nicht so hell klang. Oder er war einfach zu sehr von den Fans seines Bruders geschädigt. Außerdem hatte sich sein Hirn schon auf Englisch eingestellt, aber nicht auf Japanisch von einer Europäisch aussehenden Person. Hui, er schämte sich fast dafür, woher will er bitte wissen, dass sie kein Japanisch sprach.  Er schien verwirrt ausgesehen zu haben, denn sie wiederholte das was sie gesagt hatte erneut, dieses Mal deutlich langsamer. “Entschuldigen Sie bitte, mein Pferd ist heute besonders schreckhaft, ich hoffe Ihnen geht es gut?” Nun hatte er sie verstanden, auch wenn ihr Akzent immer noch heftig war.

Die röte, die gerade auf seine Wangen kriechen wollte, zwang er einfach stoisch zurück. Mit seinem normalen Blick, der für viele gelangweilt oder eher so wirkte als wäre er ständig müde, sah er zu der Frau nach oben. Hob seine Hand und wank, langsam aber doch deutlich verständlich ab, “Kein Thema, mir geht es gut. War eine unübersichtliche Stelle. Ich hätte langsamer Laufen können.” Sie lächelte ihn an und ihr Pferd hatte sich wohl wieder beruhigt, es wirkte dennoch so als wären die Muskeln und Sehnen zum Zerreißen gespannt und bereit, um sofort weg zu sprinten.

Etwas unentschlossen ob er warten sollte oder nicht, sah er nochmal zur Reiterin, doch diese hatte ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihr Pferd gelenkt und schien dem Tier einen unsichtbaren Befehl gegeben zu haben, die Steinchen auf dem Weg knirschten unter der Last des Tieres und er blieb einfach dort stehen, wo er war.  Langsam ging das graue Tier an ihm vorbei und er drückte sich etwas zur Seite, er hatte zwar keine Angst vor Pferden, aber die Vorstellung eben war eindrucksvoll und hinterließ einen ordentlichen Respekt.

Als die vermeintliche Gefahr, in Form eines behuften Vierbeiners, vorbei war, löste sich seine starre, kurz wandte er den Kopf nach hinten und sah noch wie der dunkle Schweif des Pferdes rhythmisch hin und her schwang als die Reiterin eine schnellere Gangart wählte. Auch er sollte sich wieder bewegen, nicht dass sein Körper zu schnell auskühlte, also spannte er seine Muskeln an und verfiel in ein angenehmes Lauftempo zurück, diesmal aber weit aufmerksamer als zuvor. Er mochte die Laufroutine, es gab ihm seit der Oberschule, die Gelegenheit seinen Kopf freizubekommen und der war zurzeit ziemlich voll. Das beständige Tempo, das regelmäßige ein und ausatmen wirkte fast wie eine Entspannungsübung. Obwohl er seinen Körper damit durch die Gegend beförderte.

Das Herz von Finnja pumpte immer noch das Adrenalin durch ihren Körper, ihre Hände zitterten leicht, sie versuchte sich zusammen zu reißen, immer wieder sagte sie sich in Gedanken >>Es war nur eine alltägliche Situation<<. Sie spürte, wie ihr Pferd noch schreckhafter auf allen möglichen Regungen reagierte. Sie musste sich entspannen, solange sie selbst angespannt war wie ein Bogen, würde Vailuna sich auch so verhalten. Pferde sind Spiegel, wenn man selbst angespannt ist, überträgt es sich auf das Tier.  Finnja ärgerte sich über sich selbst, ihr Unfall vor über einem Jahr ließ sie einfach nicht los.

Entschlossen holte sie tief Luft, versuchte sich an das zu erinnern was sie gelernt hatte, ihre innere Mitte zu finden. Doch das war gar nicht so einfach, kurz dachte sie an den Mann, aber richtig beachtet hatte sie ihn nicht, nur dass er dunkle Haare hatte und einen Schlafzimmerblick. Langsam beruhigte sich wieder ihr Herzschlag, sie kam ein paar Sekunden später wieder so weit runter, so dass sie ihre Stute erneut in einen flotten Trab antreiben und sich so wieder an dem Gefühl der Freiheit erfreuen konnte. Sobald der Wind anfing ihr übers Gesicht zu streichen und die Schritte von Vailuna beruhigend über den Feldweg dumpf zu hören waren, schüttelte sie komplett das nagende Gefühl der Unsicherheit ab.

Nach einer halben Stunde hatte sie den Weg zurück in die Stallungen gefunden, es war ein schöner Stall, fast schon obszön luxuriös. Die Ställe in Österreich waren oft alte Kuhställe, die zu Pferdeställen umgebaut wurden. Dieser Stall hier wurde extra für die Pferde erbaut und auf deren Bedürfnisse abgestimmt. Es gab einen Waschplatz, draußen sowie drinnen, Solarium für das Pferd. Da sich hier viele Sportpferde zur Ausbildung befanden gab es sogar Extras wie ein Laufband, ein Laufband im Wasser, Führmaschine und noch viele anderes was sie noch nicht entdeckt hatte oder für sie nicht zugänglich war.

Es war gerade keiner der anderen Reiter anwesend, um ehrlich zu sein war Finnja ganz froh darüber, diese distanzierte Höflichkeit in Japan machte ihr immer wieder Probleme. Den Anflug von Zweifel schob sie gekonnt zur Seite und strich lobend über den Muskulösen Hals des Pferdes kurz danach schwang sich dann mit einer geschmeidigen Bewegung aus dem Sattel. Als ihre Beine wieder festen Boden zu spüren bekamen, hatte sie kurz das Gefühl, statt Knochen Wackelpudding in den Knien zu haben, es war immer wieder dasselbe Gefühl, wenn man vom Pferd abstieg. Finnja steckte die Steigbügel nach oben und führte die Apfelschimmel Stute zurück in den hellen Stall, die Boxen waren groß und großzügig mit Stroh sowie Einstreu gepolstert.

Der Stall kostet eine Stange Geld, doch es ist ein Kombipaket mit dem Kurs, nach dem Kurs würde sie sich wohl eher einen etwas weniger Luxuriösen und dafür Preiswerteren Stall suchen. Luxus ist großartig, aber auch sie schwimmt nicht in Geld. Als sie Vailuna absattelte und die Ausrüstung gerade in die Sattelkammer zu ihrem zugewiesenen Spind brachte, kam ihr wieder der Mann in den Sinn.

Etwas röte kroch auf ihre Wangen, sie war für japanischen Standards wohl sehr unhöflich gewesen. Hoffentlich würde sie ihn nicht mehr wieder sehen. Es wäre einfach zu peinlich. Finnja hatte zwar vor 2 Jahren angefangen die Sprache zu lernen und im Krankenhaus konnte sie es noch weiter lernen, doch die Gepflogenheiten, das Distanzierte, Zurückhaltende Verhalten der Japaner war für sie sehr fremd und auch noch schwer umzusetzen. Sie ist jetzt kein extrem extrovertierter Mensch, doch leider hatte sie eine große Klappe und vor allem wenn man sie ärgerte, konnte sie schnell die Ruhe verlieren und mal etwas unhöflicher werden. Was in ihrem Land als Unhöflich galt musste wohl hier einem Tabu gleichkommen. Umarmungen waren hier sowieso etwas fremdes, in Österreich war es normal das man Freunde mit einer Umarmung begrüßte oder mit Küsschen auf der Wange.

Seufzend hob sie den Sattel hoch, zielte auf den Sattelständer und wuchtete das Leder Ungetüm nach oben. Die Trense, der Teil, der das Pferd im Maul hatte, wurde von ihr abgewaschen und zu dem Sattel gehängt. Helm und Schoner legte sie darunter und Schloss die Türe. Diese hatte einen Pin-Code, hypermodern, erneut schüttelte sie den Kopf. In Japan ist so vieles anders, fremd, neu und aufregend.
Wie immer hatte sie ihre Taschen zuvor mit ein paar Leckerlies für ihre Stute vollgestopft, auch wenn ihr für einen Moment echt der Arsch auf Grundeis ging, war sie Stolz darauf keine Panikattacke bekommen zu haben. Als sie das 1. mal wieder auf dem Pferd saß hatte sie sich so versteift und eine Panikattacke bekommen, dass das arme Pferd nicht wusste wie ihm geschah. Sie hatte Glück ein Treudoofes Tier gehabt zu haben, ein anderes hätte einfach gebockt bis das Stück Brett, was sie in dem Moment auch war, vom Rücken ‘entfernt’ wurde. Finnja kam erst mit der Hilfe ihrer Freundin, Natsu, runter und hatte es nach ein paar Tagen tatsächlich geschafft in der Reithalle eine Runde zu drehen.

Natsu ist auch der Grund, warum sie hierher nach Japan kam, die kleine orangehaarige, quirlige 21-Jährige hatte sich extrem schnell in das Herz von Finnja geschlichen. Sie hatte zwar keine Ahnung von Pferden, wusste aber wie man jemanden aus einer Panikattacke rausholt beziehungsweise beruhigt. So lernte Finnja Schritt für Schritt wieder ihr Vertrauen zu finden. Das Einzige was ihr jetzt noch fehlt ist die Mitte, die verdammte Mitte zu ihrem Selbst und dem der Pferde. Dann wäre sie wieder im Einklang. Zumindest hoffte sie das.

Ihre Füße hatten sie wieder zu ihrem Pferd gebracht und in Gedanken strich sie durch das grau weiß gesprenkelte Fell von Vailuna, ihre Finger fuhren durch die kurzen Haare und verhakten sich in der dunklen, langen Mähne. Seitdem sie keine Turniere mehr ritt, brauchte sie Vailuna auch keinen akkuraten Haarschnitt mehr verpassen. Sie sah hübsch aus mit ihrer dunkelgrauen Mähne, die sich über ihren Hals erstreckte. Vailuna schnaubte zufrieden und malmte auf ein paar Heuhalmen herum die sie gerade nach intensiver Suche auf dem Boden gefunden hatte.

Lächelnd holte Finnja eines der Leckerlies raus, legte es auf die flache Hand und bot es der Stute an, diese ließ nicht lange auf sich warten, hatte sie ja doch sofort den Geruch des Leckerlies in ihre Nase bekommen. Vailuna nahm das Leckerli mit Spitzen Lippen und leckte danach die Hand von Finnja ab, diese musste lachen, egal was sie bedrückte. Pferde konnten ihr immer ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Auch wenn sie mit beteiligt, waren an den Unfall, den sie hatte. Erneut drohten die Gedanken über den Unfall über sie hereinzubrechen, energisch schob sie diese wieder weg, es war noch nicht an der Zeit darüber nachzudenken. Sie holte weitere Leckerlies aus der Tasche und Vailuna ließ eins nach dem anderen zwischen ihren Lippen verschwinden.

Finnja schmuste noch eine Runde mit ihrem Pferd, sie wurde auffordernd angestupst, ob sie nicht noch ein Leckerli hat, doch sie hatte schon alle an ihren grauhaarigen Staubsauger Namens Vailuna verfüttert. Kurz darauf verabschiedete sie sich von ihrer Stute und schlenderte durch den Stall, es war nun Vormittag, die Sonne begann stärker zu strahlen. Die frische Luft wich langsam dem Flirren des Spätsommers und Finnja lächelte leicht, egal wo man war, ein Stall roch auch in Japan wie ein Stall. Auch wenn er Hypermodern war, es war ein Stall. Genüsslich sog sie den herben Duft der Pferde, sowie die süße des Heus ein.

Voller Tatendrang strebte sie auf ihr Fahrrad zu, verabschiedete sich von den Leuten wenigen Leuten, die nun doch schon hier waren und schwang sich in den Sattel. In der nächstgrößeren Stadt, Okey man kann es auch Dorf nennen, befand sich ihre Wohnung, ca. 20 Minuten Radweg zum Stall. Kurz kicherte sie, die Leute würden es sicher nicht gutheißen, wenn sie ihre Stadt Dorf nennen würde, sie wirkten so als wären sie sehr stolz darauf. Nach nur 10 Minuten schnaufte sie schon wie eine Dampflok und hatte das Gefühl bald von ihrem Fahrrad zu kippen. Über ihr Gesicht liefen schon kleine Schweißtropfen und ihr Herz hämmerte in der Brust. Man möchte doch meinen das eine so erfahrene Reiterin doch mehr Kondition hatte, oder? Zähneknirschend strampelte sie weiter, die Kondition hatte sie im Krankenhaus irgendwo, neben ihrer Würde, verloren. Wieso musste es auch so dermaßen heiß sein?

Natürlich gab es in der Stadt.. Dorf? Stadt! Eine Schule oder mehrere, so genau wusste sie das nicht, so ganz durchgeblickt hatte sie das Schulsystem in Japan nicht, es war wesentlich länger als bei ihrer alten Heimat. Doch Busse waren, wie auch zu Hause eine Rarität. Daher blieb ihr tatsächlich nur der Weg des Drahtesels, was ja für ihre verloren gegangene Kondition ziemlich gut ist. Sie bog die Straße zu ihrer Wohnung ein und freute sich auf eine Dusche, die Hitze hatte nun erst recht eingesetzt und der schweiß bahnte sich seinen Weg nach unten und dass an Körperstellen die sie lieber nicht voller Schweiß hatte.

Derweil in der Stadtmitte, betrat Osamu seinen Laden, er war frisch geduscht und fühlte sich voller Tatendrang. Auf seinen Kopf hatte er ein Basecap gesetzt, nach der Dusche standen ihm die Haare mal wieder in alle Richtungen ab. Er grüßte die Aushilfskraft Kojo Ghinma, der für ein kleinen Nebenverdienst immer wieder den Laden übernahm, wenn Osamu keine Zeit hatte. Da er noch bis Mittag Dienst hatte, bog der dunkelhaarige in die Küche ab und bereitete ein paar Onigiri vor. Denn essen war seine Leidenschaft, neben Volleyball, doch das Essen liebte er ein Stück mehr und deshalb hatte er sich für diesen Weg entschieden. Bereut hatte er es bisher keinen einzigen Tag. Das Radio dudelte einen Song nach dem anderen, während er mit geschickten Handgriffen den Reis zu Dreiecken formte, teilweise mit Füllung oder anderen Dekorationen. Er hatte aus Nori kleine Augen und Münder geschnitten und beklebte gerade die Onigiri damit, sie sahen nun aus wie kleine Onigiri-Männchen, die eine grüne Nori-Hose trugen und dazu ein Gesicht hatten.

Osamu machte das besonders gerne für die Kinder, diese mochten solche Spielerein. Er brachte gerade eine neue Ladung hinter die Theke, als er die Klingen der Türe hörte, er stellte das Tablett ab und wollte den neuen Kunden begrüßen, doch dieser Stand schon weiter im Raum als er dachte und seine Breite Brust prallte gegen einen kleineren Körper, der daraufhin mit einem stöhnen auf dem Boden aufkam. “Entschuldigen Sie bitte! Ich habe sie nicht gesehen.” brabbelte er und die Person hob den Kopf an, die silbrigen Haare kamen ihm irgendwie bekannt vor. Sie lächelte und er versank beinahe in den grünen Augen. Er musste besonders bekloppt aussehen, so halb kniend und mit offenem Mund.

Schnell hatte er sich wieder gefangen und half der jungen Frau auf die Beine.  Nun erinnert er sich auch an die Haare, sie musste die Reiterin gewesen sein, dessen Pferd sich so bedrohlich gebärdet hatte. “Dann sind wir wohl Quitt, würde ich sagen.” hörte er ihre sanfte Stimme mit dem Harten Akzent. Verwirrt sah er sie an, bis bei ihm der Groschen fiel. Sie meinte wohl weil ihr Pferd ihn erschreckt hatte und er sie umgerannt hatte. Peinlich berührt fasste er sich in den Nacken und strich über die kurz rasierten Haare. “Ähm, nun ja, wenn Sie meinen. Ich würde ihnen trotzdem gerne als Entschädigung ein oder zwei Onigiri nach Wahl anbieten.” Er beobachtete, wie sich das Gesicht veränderte, sie strahlte vor Freude und meinte,” So ein Angebot kann ich nicht ablehnen, aber ich möchte Ihnen sagen, dass sie das nicht tun müssen.” Sie stand nun direkt neben ihm, er war wesentlich größer als sie, sie ging ihm gerade bis zum Kinn, wenn überhaupt. Obwohl er sich fast sicher war, dass sie größer war als die Durchschnittliche Japanerin. Ein wohliger Duft schwebte zu seiner Nase, beinahe hätte er ja mit dem würzigen, herben Geruch von Pferden gerechnet, aber es war Cocos und Pfirsich die seine Sinne kitzelten. “Ich bestehe darauf, bitte, suchen Sie sich welche aus!” er bewegte seine Hand zur Theke, dort stand schon Kojo der die westlich aussehende Frau mit großen Augen anstarrte.

Osamu räusperte sich leise, Kojo schien das aus seiner Starre reißen und er begrüßte die Frau höflich. Sie schien eine helle Freude an den Onigiri zu haben die er gerade gebracht hatte, sie nahm sich einen welcher ein fröhliches Gesicht machte. Wenn es sie Glücklich machte, war er auch zufrieden, Kojo packte ihr das Onigiri in eine Tüte und gab sie ihr. Etwas steif bedankte sie sich für das Essen und sie drehte sich wieder zu Osamu, dieser hatte die ganze Prozedur beobachtet. Sie hatte einen leichten rot Schimmer auf ihrer hellen Haut. “Vielen Dank für das Onigiri, ich wollte mich noch für meine Unhöflichkeit von heute Morgen entschuldigen. Vailuna, mein Pferd, hatte mich so abgelenkt, dass ich mich völlig danebenbenommen habe.” ratterte sie runter. Irritiert hob der dunkelhaarige eine Augenbraue, “Kein Problem, mir war es sowieso lieber, dass Sie ihr Pferd unter Kontrolle hatten als auf Höflichkeiten zu achten.” lächelte er und Finnja starrte ihn mit großen Augen an, er konnte goldene Sprenkel in ihren Iriden erkennen.

Beinahe wäre er zurückgeschreckt, sie standen sich näher als man es eigentlich sollte, doch es schien sie nicht zu stören. Aus diesen Westlichen Leuten wurde er nicht sonderlich schlau, klar hatte er schon ein paar Mal welche Getroffen, doch sie kamen ihm immer so anders vor. Erneut schlich sich ein Lächeln über ihre Lippen und auch Osamu ließ sich zu einem Lächeln mitreißen. “Vielen…D-Dank! Dann werde ich mal…” sie zeigte auf die Türe und schon war sie weg. Osamu starrte ihr Hinterher und von hinten konnte er ein Kichern hören. “Halt bloß die Klappe!” maulte er über seine Schulter zu dem Jungen.

So schnell Finnja konnte flüchtete sie aus dem Onigiri laden, ohne dass es wie eine Flucht aussehen sollte. Dieser Ladenbesitzer sah verdammt gut aus, dieser Schlafzimmerblick, der hatte sich direkt in ihr Höschen geschummelt, mit der lächeln Kombination wäre es fast um sie geschehen. Entsetzt über sich selbst und ihrer durchdrehenden Libido packte sie das Onigiri aus und biss hinein, beinahe wäre sie gestolpert, es schmeckte himmlisch! Die silberhaarige achtete nicht sonderlich auf den Weg und fand sich prompt wieder auf dem Boden, auf ihren Hintern. Verwirrt starrte sie nach oben, da stand er wieder, der Ladenbesitzer!

Irritiert sah sie ihn an, was machte er hier, hatte er sie extra angerempelt? Verwirrt rappelte sie sich auf und starrte den großgewachsenen Mann nieder. Dieser betrachtete sie kurz und ging ans ihr vorbei, als sie das Wort “Tourist” hörte. Empört stampfte Finnja mit ihrem Fuß auf und zog an der Jacke des Mannes. “Entschuldigen Sie mal, sie haben mir doch das Onigiri gegeben und jetzt beschimpfen Sie mich als Tourist? Sie waren doch gerade noch in diesem Laden und nicht hier!” fauchte sie ihn an.

Atsumu sah sich die wohlgeformte Frau genauer an, sie war überhaupt nicht sein Beuteschema, aber dennoch hätte er nicht erwartet, dass sie ihn so anfahren würde. Als sie ihm vorwarf das er ihr ein Onigiri gegeben hatte konnte er sich nicht mehr halten und lachte aus voller Kehle. Ihre Augenbrauen zuckten besorgniserregend, bevor er sich ein Fangen würde, erklärte er schnell. “Sorry, aber ich habe Ihnen bestimmt kein Onigiri gegeben, da würden Sie bestimmt nicht mehr hier stehen. Sondern unter der Erde liegen, kochen kann ich gar nicht!” Ihm fiel auf wie die Frau rot wurde, sie hatte ihn wohl mit seinem Zwilling verwechselt, obwohl er seine Haare immer noch blondierte.

Nun sagte sie gar nichts mehr, ihr Gesicht glich der einer Tomate, amüsiert grinste Atsumu über das Verhalten der Frau und beobachtete, wie sie schnell Reißaus von ihm nahm. Bisher hatte er es noch nie geschafft das eine Frau von ihm weglief. Eher das Gegenteil, nicht nur weil er in der Olympischen Nationalmeisterschaft 2021 gespielt hatte, sondern weil es viel zu viele Frauen gab, denen der Gedanke gefiel von Zwillingen vernascht zu werden.

Kopfschüttelnd bog Atsumu um die Ecke, als ob sie sowas tun würden. Sie sind zwar Zwillinge aber sich eine Frau zu teilen ging doch zu weit. Er stieß die Türe auf und diese Kündigte sein Antreten mit einem hellen Bimmeln der Glocke an. Osamu stand hinter der Theke und lächelte als er ihn erkannte. “Hey was machst du schon hier Tsumu?” wurde er begrüßt, mit dem Spitznamen, den sie sich vor vielen Jahren gegeben hatte, weil sie westliche Namen so cool fanden. “Samu, ich habe doch gesagt das ich vorbeikomme und bei den Vorbereitungen helfen werde.” brummte er. Dieser sah ihn erstaunt an, “Um ehrlich zu sein habe ich damit gar nicht gerechnet.” Wütend knurrte er seinen Bruder an, “Siehste mal, hier bin ich. Aber sag mal was hast du mit der Europäerin gemacht? Die hat mich gerade wie eine Furie angefahren.”

Osamu horchte auf und sah seinen Bruder neugierig an, dieser strich sich gerade die blondierten Strähnen aus dem Gesicht. Bevor er antworten konnte, wurde die Türe mit solch einer Wucht aufgestoßen das er kurz befürchtete das Glas würde zerschellen. Lärmend kamen die Oberschüler in den Laden und gesellten sich um Atsumu. Natürlich war es der Volleyballclub, der sich gerade in seinen Laden einfand. Er würde später Fragen was es mit der Frau auf sich hatte, die Jugendlichen bestellten bei ihm gerade eine Menge Onigiri, sie setzten sich dazu in die kleine Essecke, die er liebevoll eingerichtet hatte und bombardierten Atsumu mit fragen.

Dem Zuspieler schien die Aufmerksamkeit zu gefallen und ließ es sich nicht zu nehmen von der Olympiade in Tokio zu erzählen. Osamu spielte nicht mehr Offiziell Volleyball, aber es gab den sogenannten Nachbarschafts-Club, dort spielten die Erwachsenen, die immer noch gerne den Sport nachgingen, aber Arbeitstechnisch es nur als Hobby ausüben können. Das war ihm genug, schließlich hatte er ja seinen Onigiri Laden. Der ein richtiges hoch erlebt hatte, als er die Onigiri am Stadion in Tokio verkauft hatte. Kurz hatte er damit geliebäugelt, ob er nicht nach Tokio ziehen würde, um zu expandieren, doch die Trennung von seiner Ex ließ ihn das ganze nochmal überdenken. Also blieb er hier in dem kleinen Städtchen und erfreute sich an anderen Annehmlichkeiten.

“Samu, wo bleiben die Onigiri!” hörte er seinen Bruder über das Stimmengewirr maulen, resigniert seufzte er, er hatte sich in den Jahren überhaupt nicht verändert, immer noch die große Klappe. Er stellte eine Platte mit Onigiri auf den Tisch und die Jungs fielen wie ausgehungerte Grashüpfer über die Köstlichkeiten her.

Osamu stellte sich wieder hinter die Theken, die Frau ließ ihm gerade keine Ruhe. Er meinte sie zu kennen, nicht von heute Morgen, sondern irgendwoher anders. Aber ihm wollte es ums Verrecken einfach nicht einfallen, oder er wurde verrückt, was etwas suboptimal wäre, aber auch eine Möglichkeit. Woher sollte er bitte eine junge europäisch aussehende Frau kennen, ist ja nicht so als würden die hier nicht auffallen wie ein Leuchtfeuer in der Arktis.
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