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Buried hearts

von TheWInd
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
HIM
22.06.2022
01.07.2022
10
21.574
 
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23.06.2022 2.222
 
Helsinki, Pihlajasaari Beach

Mit einem kleineren Motorboot waren Jack, Taylor und die Jungs rüber nach Pihlajasaaren gefahren, jetzt hockten sie gemeinsam und mit Bierflaschen in der Hand auf den kargen, glatten Felsen und sahen zum verblassten Sonnenuntergang hinüber. Es war merklich kalt geworden, dazu peitschte ein heftiger, ungemütlicher Wind über die kleine Insel und auch die Wellen türmten sich mehr und mehr auf, da die See unruhig und rau war. Doch Jack machte das nichts aus, im Gegenteil. Immer wieder sah er zum blassen Himmel hinüber, der kaum noch Wärme oder Licht spendete, während er die kühle Bierflasche in den Händen drehte und dann wieder zu Taylor hinüber sah, der neben ihm auf dem vom Wind glatt geschliffenen Felsen saß und die Schultern hochgezogen hatte. Er trug dazu einen dicken, langen Mantel. Seine Wangen waren vom eisigen Wind gerötet. Und er rieb die Hände immer aneinander um sie warm zu halten.
Jack seufzte auf. Das letzte, blasse Novemberlicht spiegelte sich in Taylors Gesicht wieder, besonders in dessen Augen. Er konnte den Blick einfach nicht von ihm abwenden, und merkte erst jetzt, dass auch der andere Mann seine Blicke bemerkt hatte. Taylor räusperte sich, während er ihn fragend von der Seite her ansah.
„Hey Jack, alles klar?“
Der Angesprochene fuhr leicht zusammen, „Ja… sicher, ich…“
Taylor sah ihn noch immer an, dann nahm er einen Schluck Bier, während das letzte Licht über dem rauen Meer verblasste und auch das Boot kaum noch zu erkennen war. Die Wellen schlugen rauschend und krachend gegen die glatten, grauen Felsen.
„Du siehst unglücklich aus. Schon seit wir hier in Finnland sind. Jack, was ist es? Ist es wegen Vil, ja?“
Der jüngere der beiden Männer nickte schließlich seufzend, auch er drehte die Flasche zwischen den Händen, dann sah er wieder auf und holte Luft, während der kalte Nordwind an seinen Haaren und seinen Kleidern zerrte und das Meer immer mehr aufpeitschte.
„Sollte ich denn glücklich sein, mm? Ich meine... das Album.“ Er zog kurz die Schultern hoch, „Wir machen kaum mehr Fortschritte und ich denke, dass Ville unzufrieden ist. Ich weiß nicht genau was er denkt, oder was er haben will, aber er ist gestresst, angespannt und in sich gekehrt und nein er ist nicht zufrieden, nein wirklich nicht. Er nickt bloß, wenn wir spielen, aber ich spüre einfach keine sonderlich große Begeisterung mehr bei ihm.“
Taylor brummte neben ihm. Noch immer hatte er die Schultern gegen den kalten, eisigen Wind hochgezogen, auch Keith und sein Bruder Shane waren ein wenig näher zusammen gerückt, und es war Shane der in der Dunkelheit auf den Felsen aufgestanden war. „Los Jungs, lasst uns sehen, dass wir noch zurück an Land kommen, es wird zu schnell dunkel. Verdammt noch mal!“
Jack sah auf. Das Licht war bloß noch ein letzter Fetzen am fernen Horizont über dem brausenden Meer. Er seufzte. „Was denkst du, mm?“
Taylor stand ebenfalls auf, seine Knochen fühlten sich kalt und unbeweglich an, sodass er leicht das Gesicht verzog, und dann über die Felsen hinunter bis zu dem kleinen steinigen Strandabschnitt hinunter kletterte. Jack war direkt hinter ihm, fast wäre er sogar gegen ihn gestoßen, doch er konnte sich im letzten Moment noch abfangen.
Taylor rauchte eine Kippe.
„Nein er ist nicht zufrieden. Jack...“ Er senkte seine Stimme zu einem Flüstern, obwohl das aufgrund des lauten Tosen des Meeres nicht nötig gewesen wäre und beugte sich weiter zu Jack hinüber, sodass dieser seine Kleidung spüren konnte, wie auch seine ernsten, besorgten Blicke. „Ich dachte er wüsste was. Er war auch mir gegenüber so seltsam.“
Jack sah auf. „Was? Was meinst du?“
„Das wegen uns. Weiß er es?“
Jack schüttelte den Kopf und drückte kurz Taylors Arm, da es nun in der herauf dämmernden Dunkelheit kaum mehr zu sehen war. „Nein. Nein er weiß nichts. Es ist wegen dem Album und wegen John und... ich weiß auch nicht. Ich kann kaum mehr mit ihm reden. Weder wegen der Songs noch wegen sonst irgendetwas. Ich glaube er will es gar nicht mehr hören und ich fühle mich einsam hier in Helsinki. Verdammt einsam. Kann ich heute Nacht in dein Hotel kommen, ja?“
Taylor ging über den schmalen Sandstreifen, die Steine knirschten unter seinen Schuhen, während das Wasser immer wieder gluckernd gegen den Strand lief und auch das kleine Motorboot heftig schaukeln ließ. Shane war schon an Bord und winkte den anderen.
„Was? Zu mir? Willst du das wirklich?“, fragte er sichtlich überrascht und zog dabei in der Dunkelheit die Augenbrauen hoch. „Jack... findest du nicht, du solltest lieber bei ihm sein? Er ist dein Freund und... was soll er denken, wenn du nächtelang unterwegs bist? Und dann auch noch mit mir? Jack das ist nicht gut. Es ist schön und aufregend, ja und ich werde hart bei dem Gedanken daran, aber es ist weder gut noch richtig und wir sollten... ich weiß nicht ob wir es noch länger so miteinander tun sollten.“
Doch Jack winkte ab, ließ ihn los und ging an ihm vorbei in Richtung Boot. „Er weiß es nicht und mittlerweile glaube ich wirklich, dass er sich nicht mehr sonderlich für mich interessiert. Er fragt ja nicht mal mehr wie es mir geht und ich habe nicht das Gefühl, als ob er mich sehen wollte. Er hat nicht einmal geschrieben oder angerufen... bitte, kann ich mitkommen?“
Taylor holte Luft. „Ich mag dich sehr, das weißt du, und ich stehe auf dich. Aber ich... ich weiß nicht, Jack. Ich habe Daniel und... du Ville und... warum redet ihr nicht darüber? Und warum denkst du, dass er dich nicht mehr sehen will? Hat er was gesagt, Jack? Irgendwas?“
Jack ging an ihm vorbei und kletterte ins schwankende Boot, Taylor und Shane folgten ihm, dann legten sie auch schon ab und hielten auf eine kleine Helsinkiner Bucht zu. Die Wellen schwabten beinahe über die Bordwand, das kleine Motorboot schaukelte und schlingerte gefährlich und fast schien es als würden sie sich immer mehr von den noch weit entfernten Lichtern der Stadt entfernten, als sich ihnen zu nähern. Jack umklammerte die hölzerne Reling, während er auf das dunkle, tosende Meer hinaus sah. Taylor hockte neben ihm auf der schmalen Bank, während Keith das Boot durch die Wellen manövrierte.
„Das versuche ich ja,“ begann Jack mit hochgezogenen Schultern, da ihm das heftige Geschaukel mehr und mehr zusetzte. „Aber er blockt einfach ab. Oder besser gesagt er hört mir nicht zu und ich denke wirklich, dass ich Luft für ihn bin. Es ist als würde er mich gar nicht mehr wirklich sehen oder auf mich anspringen. Ich bin ihm gleichgültig geworden.“ Er holte gequält Luft, dann sah er den Bandkollegen wieder an. „Ville reagiert kaum mehr auf mich, er will es nicht wissen und es ist ihm gleich ob ich abends weg bin oder nicht, er regt sich ja nicht mal mehr darüber auf! Und er stellt auch keine Fragen, er will nicht wissen wie es war oder warum ich weg war, er lässt es einfach zu und ist daheim. Ich... ich habe es wirklich schon oft versucht, das kannst du mir glauben, aber er will nicht. Er reagiert nicht mal mehr auf mich.“
„Sondern?“, fragte Taylor, der beinahe schreien musste um den lauten Lärm zu überdecken.
„Die Songs. Er ärgert sich über die Riffs und er ist mit dem ganzen Sound nicht zufrieden und dann fängt er wieder mit Dad an und... ich? Was bin denn ich noch für ihn? Luft? Oder nur noch sein mittelmäßiger Gitarrist? Oder Johns Sohn, der ihn ständig an seinen toten Ex erinnert? Und mehr nicht? Ich weiß nicht was er in mir sieht oder sehen will, oder was ich ihm noch bedeute. Ich weiß es einfach nicht und er zeigt es nicht. Ich weiß einfach nicht warum, was ich falsch gemacht habe oder warum ich mich so vernachlässigt fühle. Ich weiß es nicht. Und es tut weh. Aber wenn ich bei ihm bin werde ich ständig daran erinnert. Und das ist auch schmerzhaft. Ich halte das nicht mehr aus, Taylor. Deswegen will ich bei dir sein. Lieber bei dir als bei ihm.“
Taylor seufzte auf.
„Ich kenne Ville ein wenig, aber ich denke dennoch, dass du mit ihm darüber reden solltest, Jack. Und Sex ist kein Reden, mm?“
„Nein,“ der andere Mann kicherte und suchte in der schaukelnden Dunkelheit nach seiner Hand. „Aber es ist schön. Wir könnten es nachher unter der Dusche zusammen tun, Taylor, du und ich und dann wären wir die ganze Nacht zusammen und könnten morgen weiter an dem Song proben...“
Taylor keuchte schmerzerfüllt auf, auch er umklammerte seine Hand sehnsüchtig und fuhr ihm mit dem Daumen zärtlich über die Handoberfläche.
„Und Ville?“
Jack zögerte, dann schüttelte er den Kopf. „Ja wir haben auch noch Sex, aber es ist anders geworden. Er ist mir fremd geworden... und dieses Klackern... es macht mir noch immer Angst. Und wenn ich ehrlich bin schrecke ich auch noch immer davor zurück. Und die Narbe sieht schlimm aus. Ich weiß, dass ich mich nicht so anstellen sollte und ja ich bin dankbar, dass er noch da ist, aber doch nicht so...!“
„Ist es so schlimm?“
„Ja... ja das ist es. Und ich habe Angst ihn körperlich zu sehr anzustrengen, ich höre ihn dann immer so schwer atmen und dann vergeht mir alle Lust und er sieht mich enttäuscht an. Es ist schwieriger als zuvor. Wir liegen dann nebeneinander und halten uns an den Händen, aber mehr geht dann irgendwie nicht mehr. Ich kann nicht wild mit ihm vögeln, wenn ich weiß, dass es sein Herz vielleicht nicht aushält, das kann ich einfach nicht.“
„Wegen seinen Herzklappen? Aber er kommt doch gut zurecht, oder?“
Jack zuckte in der Dunkelheit die Schultern, während sie sich heimlich an den Händen hielten und über das tosende, dunkle Meer hinweg sahen. Jack holte Luft. „Ja sicher, aber ich habe Angst, dass er sich überanstrengt oder wieder Herzrasen bekommt, ich weiß dann einfach nicht was ich tun soll und breche ab. Ich...“
„Hast du ihn denn gefragt?“
„Nein.“
„Jack. Rede mit ihm, ich bitte dich. Ihr seid ein Paar und da muss man auch über solche Dinge sprechen, auch über Sex. Besonders über Sex. Und wenn du denkst, dass es zu anstrengend für ihn ist dann frag ihn einfach oder ihr nehmt eine andere Stellung oder... keine Ahnung aber macht etwas, ja? Und wenn er es doch will, denkst du nicht er kann sich und seinen Körper mittlerweile so gut einschätzen, dass er auch weiß wie weit er gehen kann? Oder wie lange und wie heftig? Er liebt dich und er will mit dir schlafen, Jack, das weiß ich. Ich habe seine Blicke gesehen. Es waren traurige, aber noch immer hungrige Blicke, wenn er dich ansieht.“
Jack wirkte überrascht.
„Was? Wirklich? Taylor nein du musst dich irren.“
Der andere Mann zuckte mit den Schultern. „Ich habe es bei den Proben in den Finnvox Studios mehrfach gesehen und auch gespürt, Jack und ja ich bin mir sicher. Sehr sicher sogar, denn die anderen hat er nicht so angesehen, nein. Du bist ihm wichtig, nur kann er es vielleicht im Augenblick nicht so zeigen, mm?“
„Und warum nicht? Hast du eine Ahnung, wie ich mich die ganze Zeit über fühle? Ich bin Luft für ihn, und das immer, wenn ich in seiner Nähe bin. Und ich kann es ihm einfach nicht recht machen und allmählich habe ich auch keine Lust mehr dazu.“
Taylor hielt sich noch immer am schaukelnden Boot fest, während sie sich mehr und mehr dem sandigen Ufer näherten, obwohl der Anleger in den aufkommenden Wellen wie auch der Dunkelheit kaum mehr zu erkennen war.
„Dann sag es ihm. Er ist sich darüber bestimmt gar nicht bewusst.“
„Du brauchst ihn nicht zu verteidigen, ich weiß was ich sehe und auch was ich dabei fühle.“
Taylor zog die Schultern hoch. „Schon gut, du hast Recht ich sollte mich nicht einmischen, aber ich habe einfach einen anderen Eindruck und ich will dir das mit Vil nicht kaputt machen. Du bist mit ihm glücklich, du bist sogar mit ihm hier her gezogen!“
„Ja... das habe ich...“
„Und?“
das Boot drohte fast zu kentern, so hart schlugen die Wellen gegen das dunkle Holz. Auch die anderen Jungs wurden heftig durchgeschüttelt, erst allmählich kam das Ufer immer näher, dann legten sie auf einmal und kletterten erleichtert auf den Steg, während Keith das Boot weiter über den Strand zog und schließlich fest machte.
Jack lief neben Taylor her. „Was und?“
„Bereust du es etwas schon, dass du nun hier lebst?“
„Ja... kann schon sein...“
Taylor schüttelte den Kopf, denn er wusste, dass er zusammen mit den anderen nach den Aufnahmen erst einmal wieder in die USA zurück kehren würde, ehe dann die Tour starten würde. Aber Jack lebte jetzt hier. Er schüttelte wieder den Kopf, bis sich ihre Hände in der Dunkelheit berührten und sie sich aneinander festhielten. Beim Laufen berührten sie sich immer wieder an den Armen oder den Schultern, da der Strand steil anstieg. Jack leerte seine Bierdose und beförderte sie in den nächsten Mülleimer, dann standen sie bereits oben an der Straße und warteten in der Kälte wie auch im immer heftiger werdenden Wind auf ein Taxi. Taylor sah ihn nochmals fragend an, als ein Paar Scheinwerfer auf der Straße zu erkennen war und auf sie zuhielt.
„Zu mir?“, brummte er leise, sodass die anderen ihn nicht hören konnten. Und Jack nickte bloß. „Ja, zu dir.“
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