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Mein Leben mit einem Drogenkranken Bruder/verstorben am 24.06.22

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 / Gen
21.06.2022
12.07.2022
21
9.244
4
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22.06.2022 397
 
Ich habe die Morgenstunden damit verbracht, mal wieder etwas aufzuräumen und habe mir sogar die Dreckecken vorgenommen. Ich bin ein totaler Putzmuffel und räume nur auf, weil ich Angst habe, dass bei mir eines Tages Ratten leben könnten. Grade in dem Augenblick als ich mich mit einer Tasse Tee hinsetze, um etwas zu entspannen, vor meinem Dienst klingt das Telefon, mit einer mir unbekannten Nummer. Es ist eine Krankenschwester der Psychiatrie, in der mein Bruder ist. Sie fragt, ob ich mit ihm Telefonieren will, ich willigte ein, leider kann sie die Verbindung nicht herstellen, wegen einem Defekt, sie meinte in ein paar Minuten würde das andere Telefon frei und ob ich in 10 Min. noch Zeit hätte. Die habe ich, aber eine Anruf kommt nicht, nicht in 10 Min. nicht in einer Stunde. Ich überlege zurückzurufen, aber ich tue mich schwer, mit meinem Bruder zu reden.
~~~
Meine erste Patientin kommt nicht, wir beschließen deshalb den Praktikanten loszuschicken, um Eiscreme zu kaufen. Dann sitze ich mit Victoria hinter dem Haus, sie raucht, als ein Mann, der wahrscheinlich Mitte 40 ist, sich an uns vorbeiquetschen will. Ich rufe ihm hinterher dass ich die Hoffnung hatte, er würde unser neuer Freund werden, er lacht, setzt sich zu uns und raucht eine mit. Das ist Leben. Diese verrückten, schönen Augenblicke, die man hat.
Später kommt der Reiseführer, ich schaue mir seinen Fuß in der Mittagspause an und gebe ihm meine Meinung um was er den Arzt bitten soll. Er drückt mir zum dank 10 € in die Hand. Ich würde das Geld normalerweise in unsere Trinkgeldkasse tun. Aber David war Samstag da, meinte er hätte kein Geld mehr, und ob ich ihn was leihen könnte, damit er Essen kaufen kann. Dann ist er zu Elody gerannt und hat bei ihr dasselbe getan. Mit dem Geld hat er Drogen gekauft und sich zugedröhnt. Ich habe kein Geld mehr auf dem Konto, ich kann es also gebrauchen.
Nach der Arbeit gehe ich einkaufen. Ich kaufe von dem Trinkgeld etwas Fleisch, das ich dann mit etwas Brot esse. Ich frage Eldoy wie es in der Klinik war, sie hat heute David besucht. Bekomme aber keine Antwort mehr. Insgesamt war es ein schöner Tag. Die Ängste, die mich noch am Vortag so gequält haben, waren heute viel besser. Erst jetzt am Abend, wo ich Ruhe habe, schleichen sie sich wieder an mich ran.
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