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Mein Leben mit einem Drogenkranken Bruder/verstorben am 24.06.22

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 / Gen
21.06.2022
12.07.2022
21
9.244
4
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21.06.2022 664
 
Die Tagebucheinträge sind real, alles, was darin beschrieben steht, passiert jetzt gerade echt irgendwo in Deutschland. Ich werde Namen und andere persönliche Sachen abändern, der Rest ist echt. Da ich versuchen möchte regelmäßig etwas hochzuladen, kann es sein, dass aufgrund der schnelle manchmal die Rechtschreibung leidet (ich versuche mir Mühe zu geben), aber bitte tragt es mir nicht nach.
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Meine Tante Else hat mich gezwungen meiner Mutter Bescheid zu geben das mein Bruder wieder im Krankenhaus liegt. Eigentlich wollte ich das nicht machen. Sie ist erst vor 2 Tagen in den Urlaub gefahren. Ich wollte ihr eine unbeschwerte Zeit ermöglichen. Aber sie meinte, sie wöllte es wissen, wenn mit ihren Kindern was ist. Also habe ich nun geschrieben das David wieder in der Psychiatrie ist. Ich habe ihr gesagt, dass er wieder etwas genommen hatte und ein Freund ihn dazu gebracht hat, sich wieder einweisen zu lassen. Was ich ihr nicht gesagt habe ist, dass er komplett zugedröhnt war, nur noch wirres Zeug geredet hat und angefangen hat seinen Abschiedsbrief zu schreiben. Und er dann mithilfe der Polizei in eine Geschlossene gebracht wurde. Ich sage ihr, sie soll sich nicht sorgen, ich habe alles unter Kontrolle.
Ich habe nix unter Kontrolle.
Ich habe Angst.
Ich möchte wieder Kind sein, mich zurückziehen, das denken und handeln jemand anderen überlassen. Aber da geht nicht, ich bin die Erwachsene und ich muss handeln.
Aber ich möchte, dass sie ihren Urlaub genießt und wenigstens mal 2 Wochen Ruhe hat von der seelischen Dauerbelastung. Tante Else war okay damit, es reicht, wenn Mum erfährt was los war, wenn sie wieder da ist.
Ich habe Elody gesagt, dass ich ihren Sohn, meinen Neffen und das Kind meines Bruders heute vom KiGa abhole, ihr geht es mit der Situation nicht besonders und sie ist froh, wenn ich ihr etwas helfe. Also fahre ich mit ihm in den Garten meiner Eltern gießen. Ich versuche eine gute Tante zu sein und den Wegfall meines Bruders irgendwie auszugleichen, da ich es als meine Pflicht sehe eine nun alleinstehende Mutter nicht allein zu lassen mit ihrem Kind.
Dann gehe ich zum Kickboxen, ich habe einen kleinen Streit mit meinem Trainer. Ich mag meine Trainer, sehe zu ihnen auf und will auch, dass sie mich respektieren, heute zieht mich dieser kleine Streit besonders runter. Er bohrt sich tief in mich, ich muss die ganze Zeit beim Training an meinen Bruder denken "bald ist er Tod, bald kommt der Anruf wo sie dir mitteilen, dass er gestorben ist, bald steht dein Polizei vor deiner Tür und sagt dir, dass sie seine Leiche gefunden haben." Diese Gedanken schießen mir den ganzen Tag schon durch den Kopf. Ich gehe nach dem Training noch ins Fitnessstudio, um in die Sauna zu gehen, mein Rücken schmerzt von all dem Kummer, denn ich schon den ganzen Tag in mir trage. Die Sauna wird mir helfen, weniger Schmerzen zu haben und emotional etwas runterzufahren. In der Sauna treffe ich auf den Reiseführer. Der Reiseführer ist ein Mann in seinen mittleren 60ern, der seine Frau vor 20 Jahren an Krebs verloren hat. Er hat sie damals gepflegt bis sie gestorben ist, da waren sie bereits 20 Jahre verheiratet, jetzt hat er der Liebe abgeschworen, weil er nie wieder so leiden will. Der Reiseführer hellt mein Alltag immer auf und ich bin froh ihn zu sehen, ich weiß nicht genau, warum er überhaupt im Studio ist, ich sehe ihn wenn dann nur auf dem Fahrrad oder in der Sauna. Aber meistens quatscht er mit andern Leuten. Und immer so laut, dass jeder im Umkreis von 20 Meter alles von der Unterhaltung mitbekommt. Ich finde ihn toll und bin immer froh ihn zu sehen. Durch ihn schaffe ich es mal kurze Zeit nicht an David zu denken, an die unmittelbare Gefahr die droht. Er fragt mich zum Schluss wo ich arbeite, ich bin Physio und er will mal zu mir kommen. Das ist mein Lichtblick und es macht mich schon etwas stolz.
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