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Neun Monate

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character)
21.06.2022
23.06.2022
4
11.517
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23.06.2022 3.036
 
-Morias Sicht-

Die kritische Zeit war vorüber, was nicht hieß das ich jetzt weniger auf mich und unser Baby Acht geben musste. Sowohl ich mir auch fühlte, die Sorge um Lucius wuchs mit jeden Tag, den ich hier verbrachte. Nathan hatte zwar versucht Kontakt mit Abraxas aufzunehmen und war auch nach Wiltshire gereist, doch bis heute wusste niemand von uns wie es meinen Sohn dort erging. Heute war einer der wenigen Tage an denen Gaël nicht hier war. Camille ging es nicht so gut, weshalb Frank zuhause blieb und Gaël für ihn einsprang. Elinor hatte ein wahres Wunder vollbracht mit ihren Tränken. Ich verspürte weder Übelkeit noch machte mir der Kreislauf zu schaffen. Nachdem ich mich fertig umgezogen hatte, machte ich mich auf den Weg in den Salon um Elinor Gesellschaft zu leisten, auch wenn ich mich lieber zurückgezogen hätte, aber diese Frau hatte schon so viel für mich getan in den letzten Wochen. Verwundert sah ich zu Nathan der im Salon stand und scheinbar auf mich wartete.

„Es gibt Neuigkeiten.“ Meinte er knapp zur Begrüßung und verzog das Gesicht, was nicht Gutes zu bedeuten hatte.

„Erzähl schon.“

„Abraxas hat in England erzählt, das du schwer erkrankt seist und deshalb in Frankreich geblieben bist, weil die Chancen auf eine Heilung dieser Krankheit hier höher währen als dort. Wir beide haben versucht Lucius möglichst „normal“ zu erziehen, wie du weißt. So dass er beide Welten akzeptiert. Nun dieser Zug ist abgefahren. Abraxas hat ganze Arbeit geleistet in den letzten Wochen. Der Junge spricht wie sein Vater und behandelt seit neuestem auch die Hauselfen so wie es Abraxas für richtig hält. Laut Dolly ist Wiltshire die Hölle auf Erden, seit du nicht mehr da bist. Lucius hat anfangs immer wieder nach dir gefragt, allerdings ließ er dies recht schnell bleiben, nachdem er beinahe eine ganze Woche im Kerker saß. Als ich dort war und mit ihm gesprochen habe, sagte er etwas davon dass du ihn nicht haben willst und Abraxas lügen würde was deine Krankheit betrifft. Ich fand es besser Lucius vorerst in dem Glauben zu lassen dass du wirklich krank bist, da ich nicht beurteilen kann ob er sich nicht eines Tages verquatscht. Noch sieht man nicht das du schwanger bist, also würde ich vorschlagen Lucius an Weihnachten nach Saint-Malo zu holen. Ob Abraxas dem zustimmen wird, ist die andere Frage, aber…“

„Du bringst sie damit in Gefahr Nathan!“ kam es wütend hinter uns. Gaël stand in der Tür und sah zornfunkelnd zu meinem Schwager.

„Was schlägst du dann vor?! Den Jungen hierher zu bringen?!“ zischte Nathan und schüttelte verständnislos den Kopf.

„Hierher nicht. Ich spreche mit Frank, er kann sich aus Morias Heiler ausgeben, schließlich ist er auf Seuchen spezialisiert.“ Antwortete Gaël zynisch und setzte sich neben mich.

„Welche Seuche habe ich den?“ fragte ich genervt.

„Keine Ahnung. Frank fällt schon etwas ein. Nichts hoch Ansteckendes was dennoch mit Vorsicht zu genießen ist. Ich bin Psychologe und kenn mich nur ein wenig in diesem Gebiet aus, andere liegen mir wahrlich mehr. Offene Brüche und so weiter.“ Maulte er leise und presste die Kiefer aufeinander. Sanft strich ich über seinen Unterarm und musterte ihn besorgt.

„Es muss nicht sein das Lucius…“

„Ich mache mir nur sorgen, das ist alles. Ich finde die Idee ganz schön Weihnachten zusammen mit deinem Sohn zu feiern, aber die Gefahr das Abraxas erfährt, wo du dich in Frankreich aufhältst, ist danach um einiges höher. Auch wenn ich Frank darum bitte bei ihnen unterzukommen, über die Feiertage.“ Unterbrach er mich mit einem gequälten Lächeln. Soweit hatte ich im ersten Moment nicht gedacht. Ich wollte Lucius unbedingt wieder sehen, aber Gaëls Sorge war nicht unbegründet. Resigniert seufzte ich und drückte kurz seine Hand.

„Es ist besser wenn er nicht hierher kommt. So gerne ich ihn sehen würde, es würde zu viele Menschen gefährden. Menschen, die mir in den letzten Wochen sehr wichtig geworden sind und die mir gezeigt haben was es heißt eine Familie zu sein. Dennoch würde ich Lucius gerne ein Weihnachtsgeschenk zukommen lassen, damit er nicht denkt ich hätte ihn vergessen, denn dem ist nicht so.“ gab ich schließlich leise von mir. Nathan nickte verstehend und stand schließlich auf.

„Schickt eine Eule, sobald ich Postbote spielen sollte.“ Verabschiedete er sich mit säuerlicher Miene.

„Ewig können wir uns nicht verstecken. Ich werde sehen was ich tun kann um Lucius hierher zu holen. Abraxas verdirbt den Jungen und das mit gerade einmal sechs Jahren.“ Merkte Gaël nach einer Zeit des Schweigens an. Dankbar sah ich zu ihm, denn zu mehr war ich im Augenblick nicht fähig. Ich hatte als Mutter versagt, wie also sollte ich für dieses Kind, was in mir heran wuchs eine gute Mutter sein, wenn ich nicht einmal fähig war meinen Sohn zu schützen. Nein, stattdessen hatte ich mich in die Arme eines anderen Mannes geflüchtet. Und plötzlich war da wieder dieses unheimliche Gefühl, diese grausame Kälte die von einen auf den anderen Moment meinen Körper gefangen nahm. Ich nahm Gaël neben mir nicht mehr war, es fühlte sich an als wenn ich in eine andere Dimension geschleudert wurde.

Siehst du welche Schande du über diese Familie gebracht hast?!“ hörte ich die Stimme meines Vaters. Krampfhaft versuchte ich dagegen anzukämpfen und nicht auf sie zu hören.

Du bist für all den Schmerz verantwortlich den dein Sohn ertragen muss! Du ganz allein!“ Es klang wie ein zischen, dennoch erkannte ich die Stimme meiner Mutter.

Du hast dich verführen lassen und den Namen Rosier beschmutzt! Es wäre besser gewesen wenn wir dich damals ertränkt hätten! Du bist eine Schande für das Haus Rosier! Abraxas kann froh sein so eine Hure wie dich los zu sein!“ Ich kämpfte mit den Tränen, versuchte erneut meine Eltern aus meinem Kopf zu bekommen. Warum kamen sie immer wieder und quälten mich so sehr? Wieso?

„Moria?“ Die Stimme klang anders, liebevoll und vertraut.

„Moria sieh mich an!“ Schlagartig öffnete ich die Augen und sah direkt in die bernsteinfarbenen Augen von Gaël der mich besorgt musterte.

„Was ist los Liebling?“ Ich konnte Gaël nicht davon erzählen, er würde mich für verrückt erklären und womöglich ins Hospital einliefern lassen.

„Mir war plötzlich ganz schwarz vor Augen.“ Brachte ich stockend hervor und hoffte er würde mir diese Lüge abkaufen. Tote zu sehen war selbst für Hexen ungewöhnlich, zumindest hatte ich davon noch nie gehört, aber ich sah sie seit meiner Kindheit und sie waren alles andere als nett. Sie waren grauenhaft und verfolgten mich überall hin. An manchen Tagen schaffte ich es sie los zu werden, aber sie wurden immer wütender und grausamer.

„Ich bringe dir etwas zu essen hoch.“ Meinte Gaël fürsorglich.

„Nein es geht schon wieder.“ Murmelte ich leise. Ich wollte jetzt nicht alleine sein, denn dann würden sie wieder zurückkommen und dort weiter machen, wo sie eben unterbrochen wurden. Erschöpft lehnte ich meinen Kopf an Gaëls Schulter und versuchte das eben geschehene so gut es mir möglich war zu verdrängen.

„Ich appariere gegen Mittag ins Ministerium und spreche mit unserem Anwalt. Mal sehen, ob wir gegen Abraxas eine Chance haben.“ Setzte Gaël mich über seine Pläne in Kenntnis und strich sanft über meinen Rücken. Ich genoss die Berührung und die Wärme, die diese in mir auslöste. Gaël hatte ein Händchen dafür diese Geister zu vertreiben, auch wenn er nichts davon wusste. Zögerlich griff ich nach dem Brötchen dass Gaël mir unter die Nase hielt. Mir war so gar nicht nach essen, aber er würde solange mit mir hier sitzen bleiben, bis ich gegessen hatte.

„Ich dachte du musst ins Hospital?“ fragte Elinor verwundert.

„Ich war dort, es ist alles soweit in Ordnung, sollte etwas Dringendes sein kontaktieren sie mich.“ Antwortete Gaël schon fast gleichgültig.

„Können wir ein wenig auf den Länderein spazieren gehen?“ fragte ich leise und sah unsicher zu Gaël hoch.

„Natürlich, aber zieh dir etwas Wärmeres an. Camille hat es ziemlich erwischt und du hattest genug Probleme in der ersten Schwangerschaft.“ Antwortete Gaël liebevoll und drückte mir einen Kuss auf die Stirn. Manchmal nervte es mich wie überführsorglich Gaël war, aber am Ende hatte er doch recht. Krank zu werden war keine Option und Camille hatte wirklich schwer zu kämpfen. Es fehlte mir sie nicht ständig um mich zu haben. Camille war eine gute Zuhörerin und bremste Gaël hier und da mal ein, wenn er es mal wieder damit übertrieb mich in Watte einzupacken. Vielleicht könnte ich ihr von dieses Tagträumen erzählen? Nachdem ich mich umgezogen hatte und noch eine Weile darüber nachgedacht hatte, wie klug es wäre jemanden anderen davon zu erzählen ging ich wieder nach unten. Gaël nickte zufrieden und bot mir seinen Arm an. Ich mochte diese morgendlichen Spaziergänge durch den frisch gefallenen Schnee, quer über die Länderein, vor allem die Stille, die dort herrschte. Das Einzige was man hören konnte was das knirschen des Schnees unter unseren Füßen.

-Gaëls Sicht-

Moria war nach unserem Spaziergang erschöpft eingeschlafen. Zeit, die ich nutzen konnte, um nach Paris zu reisen. Ich wollte es zumindest versuchen, Lucius aus Abraxas Fängen zu befreien, auch wenn die Chancen mehr als gering standen. Moria hatte den Ehebruch begangen und laut meinen Informationen somit das Sorgerecht auf ihren Sohn verwirkt. Merlin sei Dank wusste Mathis dass die Kake am Dampfen war, wenn ich auch nur einen Fuß in dieses Gebäude setzte. Die Familie Dumont war dank meines Vaters in Ungnade gefallen. Auch wenn es nur noch wenige waren die wussten was er getan hatte, so sah man ihr Misstrauen schon von weiter Ferne. Ich erzählte Mathis alles was ich wusste und hoffte das die Häusliche Gewalt in diesem Fall, die Moria und auch Lucius durch Abraxas erleiden mussten, uns helfen würde.

„Gaël das Problem an dieser Sache ist Lord Malfoy selbst.“ Gab er mit säuerlicher Miene von sich.

„Das Abraxas das Problem ist, weiß ich selbst auch, aber wie mir scheint hast du selbst Erfahrungen mit diesen Mann gemacht.“ Erwiderte ich zynisch.

„Direkt nicht, aber ich kenne genug Geschichten von meinen Kollegen. Dieser Mann fährt mit einer Horde Anwälten auf, die alle hinter ihm stehen. Er wird Zeugen auftreiben, die diese Familie nicht einmal kennen und trotzdem werden sie für Lord Malfoy aussagen. Das englische Zauberreiministerium versucht seit Jahren, Beweise zu finden, dass dieser Mann ein Anhänger von „Du weißt schon wem“ ist. Aber egal was sie versuchen, dieser Mann kommt mit all seinen Machenschaften und seiner Grausamkeit durch. Ich wünschte ich könnte euch in diesem Fall helfen, aber gegen Abraxas Malfoy hat keiner eine Chance, egal welchen Anwalt du fragen wirst, sobald dieser Name fällt, lehnen alle ab. Schütz Moria und euer Kind. Vielleicht kannst du Lucius eines Tages nach Frankreich holen, aber nicht jetzt. Komm nicht auf die glorreiche Idee den Jungen zu entführen nur um seine Mutter glücklichen zu machen. Du fängst dir einen Krieg ein, den du mit deinem Leben bezahlen wirst und nicht nur du. Wenn man den Geschichten, die über die Todesser erzählt werden, Glauben schenken mag, wird auch sie sterben. Er wird sie töten und du wirst das Ganze mitansehen müssen. Ich weiß du willst nur das Beste für sie, aber das Beste ist die Füße still zuhalten und eines Tages wenn der Junge groß genug ist und auch versteht was eigentlich wirklich vor sich geht in England, dann kannst du dorthin gehen und mit ihm reden. Aber nicht jetzt.“ Erklärte er mir und sah mich beinahe flehend an.

„Mal angenommen es würde sich hier nicht um das Ehepaar Malfoy handeln. Hätten wir dann überhaupt eine Chance?“

„Schwierig zu sagen. Nehme ich alle Scheidungsverfahren der letzten Jahre her, würde ich sagen, nein. Das Gericht entscheidet teils automatisch für den Mann, vor allem dann wenn der Ehebruch nachweislich von der Frau ausging. Die Eheverträge sind zum Großteil so ausgelegt, dass die Ehefrau bei solche einem Vergehen alles verliert, der Mann hingegen hat das Recht auf eine Mätresse, sollte die Frau ihren ehelichen Pflichten nicht nachkommen. So etwas ist viel leichter nachzuweisen als Häusliche Gewalt.“ Antwortete er zähneknirschend.

„Das ist zum verrückt werden! Man wird quasi seine ganze Ehe lang gequält und es gibt keinen Ausweg aus dieser Hölle, weil das Arschloch, das einen Jahrelang missbraucht am längeren Hebel sitzt?!“ zischte ich wütend.

„Hast du schon einmal eine Frau hier im Ministerium gesehen, die im Gamot, Schulrat oder dergleichen sitzt? Oder als Auror, als Anwältin, oder einem höheren Posten arbeitet? Ich vertrete nicht die Meinung, die der Großteil unserer Gesellschaft hat, aber laut ihnen ist eine Frau nun einmal das schwächere Geschlecht. Und Schwäche wird nicht gerne gesehen. Das sollte deine Frage beantworten Gaël.“

„Ich habe nicht einmal eine Heilerin in meinem Hospital.“ Murmelte ich abwesend.

„Es gibt nur sehr wenige Frauen, die es wagen eine solche Ausbildung zu machen, geschweige denn überhaupt zu arbeiten. Die wenigen die hier arbeiten sind Großteils von ihrer Familie verstoßen worden. Wie vorhin erwähnt, ich würde euch gerne helfen in diesem Fall, aber mit Lord Malfoy und seinen Anwälten lege ich mich nur unter dem Imperius an.“

„Vielen Dank trotzdem.“ Gab ich resigniert von mir. Ich verabschiedete mich von Mathis und apparierte zu Frank. Ich hatte im Augenblick nicht den Kopf dafür Moria all das zu erzählen. Frank beäugte mich kritisch als ich bei ihm im Salon auftauchte. Leicht gequält erzählte ich ihm von meinem Gespräch mit Mathis. Frank nickte verstehend und deutete mit nach oben zu folgen. Leicht verwirrt über diese Aufforderung folgte ich ihm in sein Arbeitszimmer.

„Camille und ich haben zwar aus Liebe geheiratet, aber diese Klausel mit der Mätresse ist wohl üblich in jedem Ehevertrag.“ Meinte er leise und hielt mir ein Stück Pergament entgegen. Aufmerksam las ich mir dies durch und schüttelte kurz darauf den Kopf. Camille war verheiratet und trotzdem arbeitete sie als Krankenschwester. Bis zu dem Gespräch mit Mathis ging ich davon aus, dass es völlig normal war, scheinbar nur in meiner eigenen Welt.

„Ich nehme mal an euer Ehevertrag ist schon fast ein Witz, würde man ihn mit den der Malfoys vergleichen.“

„Möglicherweise. Nur halte ich davon nichts. Es ist üblich einen Ehevertrag zu erstellen, aber ich halte es für unnötig wenn man sich liebt. Bei Moria und Abraxas sieht das ganze anders aus, sie wurden einander versprochen. Als ich Camille kennenlernte hat sie über die Ausbildung zur Medihexe nachgedacht, aber vor fünfzehn Jahren war es noch verpönter das eine Frau im medizinischen Bereich arbeitet wie heute, also habe ich sie unterstütz in diesem Fall. Und heute arbeiten wir Seite an Seite zusammen auf der Station für sämtliche magische Erkrankung. Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen und sollte ich Vater einer Tochter werden, dann hoffe ich das mein Kind den Willen ihrer Mutter hat, etwas zu verändern. Verstehst du Gaël? Wir sind nicht das stärkere Geschlecht wie die meisten glauben unsere Frauen leisten oft so viel mehr, nur sieht dies kaum jemand. Du machst alles richtig und ich hätte nicht anders als du gehandelt, aber wie Mathis sagt, es wäre ein unnötiges Verfahren und wer weiß, ob dies Moria und dem Jungen nicht noch mehr schaden würde. Sobald es Camille wieder besser geht, kommen wir vorbei, vielleicht hat sich Moria bis dahin ja abgefunden mit der Situation. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie nicht schon wusste das sie keine Chance hat, gegen Abraxas.“ Sie hatten alle Recht und das nervte mich. Mir waren die Hände gebunden. Ich konnte nichts, aber auch rein gar nichts gegen Abraxas Malfoy machen! Das Einzige was ich tun konnte war warten, aber wer wusste schon ob es dann nicht zu spät war. Ich wollte Franks Zeit nicht noch länger in Anspruch nehmen, weshalb ich mich relativ schnell wieder auf den Weg zurück nach Avignon machte. Moria spielte mit Elinor Schach, was ausnutze um noch ein wenig zur Ruhe zu kommen. Würde ich jetzt mit Moria sprechen würde ich wohl ausrastet und direkt nach England apparieren um diesem Arschloch den Hals umzudrehen. Abraxas Einfluss war größer als ich anfangs gedacht hatte, selbst hier in Frankreich. Das Einzige was mich wirklich ablenken konnte war mich selbst fortzubilden im Medizinischen Bereich. Für mich stand relativ früh fest das ich Psychologe werden wollte, dennoch war ich den anderen Fachgebieten nie gänzlich abgeneigt. Krampfhaft versuchte ich mich auf die Zeilen in dem Buch zu konzentrieren, was mir einfach nicht gelingen wollte. Ich fühlte mich wie ein Versager, weil Moria ihren Wunsch nicht erfüllen konnte. Sie hatte es doch verdient auf Händen getragen zu werden und dass man ihr jeden Wunsch von den Augen ab las. Aber egal was ich versuchte, Abraxas stand immer dazwischen. Genervt von mir selbst schleuderte ich das Buch in die Ecke und fuhr mir durchs Gesicht. Erschrocken zuckte ich zusammen als sich plötzlich zwei Hände auf meine Schultern legte.

„Ich habe alles versucht, es tut mir leid.“ Murmelte ich leise vor mich hin und sah hinter mich. Moria nickte kaum merklich und setzte sich auf den Schreibtisch.

„Du kannst nichts dafür Gaël. Hör auf dir die Schuld daran zu geben.“

„Hätte ich den Kuss damals unterbunden, dann wärst du jetzt nicht von deinem Sohn getrennt.“ Meinte ich gequält.

„Wer weiß, ob ich dann noch leben würde.“ Flüsterte sie leise und sah mich durchdringlich aus ihren grünbraunen Augen an. Ich hatte Moria noch nie so sprechen hören, weshalb ich sie einfach nur anstarrte, nicht wissend was ich darauf erwidern sollte.

„Gaël, dieser Mann treibt mich in den Tod.“ Setzte sie leise nach, strich sanft über meine Wange und setzte sich schließlich auf meinen Schoß. Ich schlang meine Arme um ihren zierlichen Körper. Abwesend streichelte ich über die kleine Wölbung. Wie oft hatte Moria in dieser Ehe schon mit den Gedanken gespielt sich das Leben zu nehmen? Dass die letzten Jahre nicht spurlos an ihr vorübergegangen waren, war mir durchaus bewusst, doch dass es so schlimm für sie war, all das zu ertragen, schockierte mich letzten Endes doch zutiefst. Moria sprach selten über die Ehe mit Abraxas und ich wollte auch nicht weiter nachfragen was ihr alles wiederfahren war.

„Danke das du es versucht hast.“ Ich hörte diese Worte nur am Rande viel zu sehr war ich in meinen Hassgedanken über Abraxas gefangen, der diese wundervolle Frau in meinen Armen, offensichtlich gebrochen hatte. Es würde wohl für keinen von uns beiden gut enden sollten wir jemals aufeinander treffen. Ich würde alles vergessen was ich geschworen hatte. Ja ich würde sogar freiwillig nach Nurmengrad gehen.
 
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