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The fall of Fushiguro Megumi

von Scatach
Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Megumi Fushiguro Yuji Itadori
21.06.2022
21.06.2022
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„Hey Megumi, Hammer, dass du wieder fit bist.“

Gerade noch so schaffte es Megumi, nicht erschrocken zusammenzuzucken und panisch aus der Wanne zu springen. Naja, hätte ohnehin nicht funktioniert mit seiner ausgekugelten Schulter, dem gebrochenen Arm, den Löchern in seinem Brustkorb und dem halb zertrümmerten Becken. Man hatte mal wieder so richtig schön die Scheiße aus ihm rausgeprügelt. Warum bekam das alles eigentlich immer er ab?

Seufzend drehte er seinen Kopf marginal in die Richtung des unerwünschten Besuchers, der grinsend durch die halb geöffnete Tür herein schielte. Dass er Fushiguro gerade nackt in einer dampfenden Badewanne vorgefunden hatte, schien ihn nicht im Mindesten zu interessieren. „Klar, Itadori, ich bin top fit“, erwiderte Megumi mit vor Sarkasmus triefender Stimme und äußerst flachem Blick. „Was willst du?“

„Nur mal nach dir sehen, Satoru meinte, du könntest etwas Gesellschaft gebrauchen.“

Klar, wenn ihm nicht Satoru Gojo mit seinem stichelnden Gehabe auf den Sack ging, dann war zumindest davon auszugehen, dass sich die Blindschleiche einen Spaß daraus machen würde, eine weitere Nervensäge in Megumis Richtung zu schicken.

Wieso ich?, dachte er augenrollend, während mit seinem linken, immerhin nur ausgekugelten und wieder eingerenkten Arm ungeschickt nach der Shampooflasche angelte.

„Ich komm klar“, murrte er, schaffte es aber nur, die Shampooflasche umzuschmeißen, statt sie zu greifen. Resigniert ächzend ließ er den Kopf hängen.

„Brauchst du Hilfe?“, fragte Itadori neugierig, wartete aber gar nicht auf eine Antwort, sondern marschierte einfach in den Raum.

Entsetzt versuchte Megumi, mit den Beinen von ihm fort zu strampeln und schob seine linke Hand als Sichtschutz zwischen die Beine. Wäre allerdings aufgrund der geradezu lächerlichen Menge an Badeschaum nicht nötig gewesen. Beim Einlassen des Wassers war ihm die gesamte Dose hinein gefallen und er hatte weder die Energie, noch die Nerven gehabt, sie wieder rauszufischen.

„Was zum…? Bleib gefälligst, wo du bist, Idiot!“, keifte er den unbeirrbaren Itadori an.

„Ach, hab dich nicht so, hast schließlich nichts, was ich nicht auch habe. Oder gibt’s da was, was du mir nicht erzählt hast?“ Grinsend zwinkerte Yuji ihm zu.

„Hohlkopf“, grummelte Megumi zurück, entspannte sich aber wieder ein bisschen, auch wenn er sich etwas tiefer unter das schäumende Nass sinken ließ.

„Ist ziemlich schwer, das in deinem Zustand alleine hinzukriegen, oder? Komm, ich helf dir.“ Und noch während er das sagte, packte Itadori die Shampooflasche und trat beschwingt hinter das Kopfende der Wanne, an dem Megumi saß.

„Was? Nein, ich brauche keine-“ Abrupt brach Megumi ab, als sich eine von Yujis Händen warm und leicht auf seine nackte Schulter legte. Geschockt versteifte er sich und seine Augen wurden groß.

„Hey entspann dich, ich guck dir auch nichts weg“, erscholl Itadoris Stimme hinter ihm. Sie war jetzt nicht mehr überenergetisch oder plaudernd, sondern sanft und wirklich beruhigend, während seine Finger sachte zudrückten, um Megumis Schultern dazu zu locken, sich wieder zu entspannen. Die Worte und Geste lösten eine Wärme in ihm aus, von der sich Megumi nicht entsinnen konnte, sie überhaupt jemals verspürt zu haben. Sie erblühte auf seinem Schulterblatt, breitete sich weiter über seine Wirbelsäule aus und sammelte sich nervös flatternd und gleichzeitig wohlig ruhig in seiner Magengegend.

Er schluckte, sowas hatte er noch nie gefühlt und er musste sich arg zusammenreißen, um nicht zu erschauern, oder sich der Berührung entgegen zu lehnen. Es war, als wäre sein Hirn kurzgeschlossen worden und er hörte weder das Schnappen des Shampoodeckels, noch die Frage, die Itadori ihm stellte.

Wie ferngesteuert nickte Fushiguro einfach nur, stierte blicklos, als wäre er gelähmt und nicht mehr ganz bei sich, auf die echt hässlichen, hellblauen Fliesen mit den Schäfchen darauf und dachte darüber nach, wie bescheuert es eigentlich war, Schafe auf Badezimmerfliesen zu pinseln. Welcher Schwachmat hatte sich das denn ausgedacht? Wären Seesterne oder Palmen nicht viel sinnvoller? Und außerdem, wieso sollte man Fliesen denn überhaupt bemalen? Könnte man nicht einfach –

Seine total sinnbefreiten Gedankengänge stoppten abrupt, als sich Yujis einshampoonierte Hände auf seinen Kopf legten.

Als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen, jagte etwas wie ein Blitz durch ihn, löste eine Gänsehaut auf Nacken und Armen aus und ließ ihn leise die Luft einziehen. Diesmal konnte er ein Erschauern nicht zurückhalten.

„He, ist dir kalt?“, fragte Itadori unschuldig und vielleicht sogar etwas besorgt über seine Schulter.

Mit staubtrockener Kehle schüttelte Megumi den Kopf und stierte einfach nur geradeaus, als Yujis Finger begannen, sich in seine tintenschwarzen Strähnen zu schieben und das Shampoo gleichmäßig über sein Haar zu verteilen. Mit leichtem Druck pressten sich die Fingerspitzen gegen seine Kopfhaut, um die Seife zaghaft einzumassieren, wanderten vor bis zu seiner Stirn, um dann an den Seiten nach hinten zu gleiten und über seinen Nacken zu streichen. So vorsichtig, so fürsorglich…so liebevoll.

Megumis Kehle schnürte sich zu. Wann war das letzte Mal gewesen, dass ihn jemand so berührt hatte? Hatte ihn überhaupt jemand jemals so berührt? Tsumiki hatte ihn früher oft liebevoll berührt, aber das war anders gewesen, schwesterlich. So etwas wie jetzt, er glaubte nicht, dass er das jemals zuvor erlebt hatte, glaubte aber auch nicht, dass er es zugelassen hätte. Hatte nicht geglaubt, dass er es brauchte und war jetzt fassungslos darüber, wie sehr seine stoische, abweisende Rüstung unter solch simplen Berührungen zu bröckeln begann. Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie sehr er sich nach so etwas gesehnt hatte, wie sehr er sich in seinem Innersten gewünscht hatte, einmal zärtlich und fürsorglich angefasst zu werden. Nicht immer nur von einem Eck ins nächste geprügelt von Sonderflüchen oder seinen Teamkameraden beim Training. Nicht immer nur triezend in die Seite oder die Wange gezwickt von seinem gutmeinenden, aber eben doch oft nervtötenden Mentor.

Sondern so berührt, als wäre er etwas Besonderes, etwas, um das man sich kümmern musste – um das man sich kümmern wollte.

Ein Stechen hinter seinen Augen, ein Brennen in seinem Rachen, ein Druck, der sich immer weiter aufbaute, als seine Atmung zu einem Schluckauf überzugehen drohte.

Gott, wie erbärmlich. Er würde doch jetzt nicht wirklich anfangen zu heulen.

Hinter ihm plauderte Yuji unbeirrt über irgendeinen Film, den er sich angesehen hatte und bei dem er von einem – Plüschbären? – vermöbelt worden war. Machte das überhaupt Sinn?

Megumi konnte sich nicht auf die Stimme konzentrieren, spürte nur die Hände auf seinem Kopf, die Finger in seinem Haar, die wieder und wieder hindurch strichen, als würden sie ihn beruhigen wollen. Als wollten sie ihm sagen, dass er loslassen konnte, dass er jetzt gerade nicht stoisch und stark sein musste, dass er sich einfach fallen lassen konnte. So tröstend, so beruhigend, so beschützend.

Sein Atem stockte. Das Brennen hinter seinen Augen wurde unerträglich. Energisch biss er die Zähne zusammen und schüttelte hilflos den Kopf, doch es brachte nichts. Heißes Nass überschwemmte seine Augen, floss über die Ränder, als wäre ein Staudamm unter der Brandung jahrelang unterdrückter Emotionen gebrochen und verfing sich an dunklen, langen Wimpern um daran hängen zu bleiben wie schimmernde Kristalle, die sich verzweifelt an Würde festzuklammern versuchten. Bis er die Lider zusammenpresste und die Tränen fielen; ungehemmt und so erlösend. Es tat so weh und fühlte sich zur gleichen Zeit so unfassbar gut an – so heilend.

Völlig unbewusst legte er den Kopf etwas in den Nacken, schmiegte sich wie ein hungerndes Tier in die Bewegungen von Yujis Hand und ließ zu, dass ein wohliges Erschauern seinen Körper packte und zittern ließ, während die Tränen ungehemmt weiter flossen, um all diese giftigen Gedanken an Schwäche auszubluten und die Wunde zu reinigen, die jetzt langsam von viel zu spät anerkannten Sehnsüchten und Bedürfnissen vernäht wurde.

„Weißt du, ich habe mich immer gefragt, wie dein Haar eigentlich so stachelig sein kann. Gelst du es? Aber wenn nicht, wie kann es dann sein, dass deine Haare gleichzeitig so unfassbar weich sind?“, plapperte Yuji hinter ihm weiter, während er mit der sanften Massage seiner Finger fortfuhr.

Bebend atmete Megumi aus und hob schwerfällig seinen linken Arm, um sich leise schniefend über die Augen zu wischen.

„Im Ernst, jetzt, wo ich weiß, wie weich es ist, will ich es gar nicht mehr loslassen, aber du- Megumi?“

Megumis Bewegung und das Schniefen zerrten Itadoris Hände von dem nassen, eingeseiften Haar fort und nach einem kurzen Rascheln von Bewegung erschien ein neugieriges Gesicht mit großen goldbraunen Augen vor Megumi.

Aufmerksam musterten sie ihn, bevor sie sich kurz zusammenzogen und dann entsetzt und besorgt rund wurden. „Oh Gott, Megumi, du weinst ja…es ist das Shampoo, oder? Ich hab nicht aufgepasst und du hast was davon in die Augen bekommen, stimmt’s? Scheiße, Mann, das tut mir so leid, lass mich…lass mich nur kurz…“

Mit einem leisen Lachen sah Megumi zu, wie Yuji panisch auf der Suche nach einem Waschlappen durch das Bad wuselte und dabei ununterbrochen schuldbewusste Entschuldigungen brabbelte.

Langsam schloss er die Augen, senkte den Kopf und murmelte fast schon liebevoll: „Du bist so ein Idiot, Yuji.“

~❃~


Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an Charakteren und Plot von Jujutsu Kaisen

A./N.
Wow, never ever hätte ich gedacht, dass SO schnell wieder was Originales von mir hier landen würde...noch dazu etwas, das nicht betagelesen wurde und das ich kein einziges Mal überarbeitet habe. Tatsächlich ist dieser Oneshot auch nur aufgrund einer Inspo-Gruppe entstanden unter dem Thema 'Jemand so touch-starved, dass ihm die Tränen kommen, als ihm jemand anderes die Haare wäscht' (Danke dafür, liebe somali77). Die Idee zu Megumi und Yuji kam...quasi sofort. Und daher: Tada, hier ist ein kurzer OS zu den beiden. Ja, er ist kurz und trotzdem hätte er niemals so lang werden sollen...danke Hirn, aber nur aufgrund dessen ist er jetzt auch hier.
Keine Ahnung, ob das, was mein Hirn da wieder zusammenfabriziert hat, irgendeinen Sinn ergibt und tatsächlich bin ich der festen Überzeugung, dass ich nicht sonderlich gut darin bin, etwas anderes als Brutalität zu schreiben...naja, mal sehen, was ihr dazu sagt :D
Türelü und ich hoffe, ihr hattet viel Spaß beim Lesen.
Eure Scatach
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