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Terra - Vergil of the dark

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Edward Anthony Masen Cullen Isabella "Bella" Marie Swan
20.06.2022
27.06.2022
5
25.508
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
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23.06.2022 3.859
 
Und hier direkt der Anschluss, damit das Kapitel komplett ist!
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
Eure
Simple




Kaptitel 3 -Teil 2


„Ist das dein Freund“, kam es nun neugierig und direkt von James, als Edward nicht mehr zu sehen war. Sie standen in der Küche und bereiteten das Abendessen vor. Victoria wusch das Gemüse und lauschte still dem Gespräch, wohingegen Poechan es sich auf dem Schafsfell vor dem Kamin bequem gemacht hatte und vor sich hin döste. Bellas Körper fing an zu kribbeln. „Wie kommst du denn darauf“, stotterte sie, weil sie sich nicht zu verhalten wusste. Mit dieser direkten Frage überrumpelte er sie völlig. James lächelte erneut ein schiefes Lächeln und der Schalk saß tief in seinen Augen. „Ich glaube, er fragt dich, weil du eine bildschöne Frau bist und allein in Begleitung dieses Mannes reist“, schaltete sich nun auch Victoria ein. „Es ist nur natürlich, dass er dann so etwas denkt. Auch wenn ich nun vielleicht nicht mehr so aussehe, aber in meiner frühen Jugend war ich auch recht ansehnlich und hatte den ein oder anderen Verehrer.“ Bella wurde rot. Einerseits weil die Beiden ein Thema ansprachen, dass sie seit sie in diese Welt gekommen war, gezielt zu verdrängen versuchte, andererseits weil leichtes Unbehagen in ihr aufkam, als sie merkte wie sehr Victoria sich anbiederte und mit ihren Worten nach Aufmerksamkeit lechzte.

„Nein, es ist nichts zwischen uns. Wir kennen uns auch noch nicht so lange“, antwortete sie daher knapp und konzentrierte sich auf das Schälen des Gemüses. „Dann kannst du es ja noch gar nicht beurteilen, ob da etwas zwischen euch ist“, schlussfolgerte Victoria altklug und ihr Mundwinkel zuckte wieder bis zu ihrem linken Auge hoch. Diese Frau hatte so heftige Ticks, dass ihr Gesicht sekundenweise vollkommen entstellt war und das machte es Bella umso schwerer ihren Worten zu lauschen. Beschwichtigend legte James seiner Schwester die Hand um die Taille, eine Geste, die zweifellos merkwürdig wirkte. Dann lächelte er wie ein Liebhaber mit verhangenem Blick zu ihr hinab. Es fehlte nur noch, dass er sich im nächsten Augenblick zu ihr hinter beugte, um sie zu küssen.

„Ach, das glaube ich nicht“, entgegnete James gleichgültig und sah sie forsch an, während er sich mit einer Hand das Kinn kratzte. Eine Bewegung, die Bella das letzte Mal in dem Film der Pate gesehen hatte und in James Fall einfach lächerlich wirkte. Trotzdem machte ich langsam ein mulmiges Gefühl in ihr breit. „Dieser Kerl passt schließlich nicht zu dir. Also rein optisch meine ich. Ihr harmoniert nicht miteinander.“ Perplex und ungläubig traute Bella ihren Ohren nicht. Wie konnte er es sich erlauben innerhalb so weniger Stunden ein solchen Urteil über Edward zu fällen? Er wurde ihr mit Sekunde zu Sekunde unsympathischer. „Arroganter, aufgeblasener Idiot“, schoss es ihr plötzlich schnippisch durch den Kopf.

„Wie kommst du denn auf so was?“, entfuhr es ihr nun ungehalten. Victoria hatte derweil das letzte Salatblatt gewaschen und wandte sich nun Poechan zu. „Ich weiß auch nicht. Sei doch mal ehrlich. Zum einen seine fette und hässliche Narbe im Gesicht. Außerdem hat dieser unterkühlte Mensch nichts besonders an sich. Eigentlich ist er ein ziemliches Lauch.“ Bei diesen Worten spannte James seinen Bizeps an und führte ihr so seine Muskeln vor, fast so als wollte er ihr sagen, dass er viel stärker und männlicher war als Edward. Bella rollte genervt mit den Augen bei einem solchen Alpha-Tier-Gehabe. Sie wollte die Unterhaltung nun abwürgen. Mit einem Mal wurde ihr James wirklich unliebsam.

„Seine Narbe stört mich kein bisschen Und ich mag ihn“, antwortete sie knapp, in der Hoffnung das Gespräch nun endlich zu beenden. Außerdem wollte sie die Gastfreundschaft der Beiden nicht gefährden oder überstrapazieren. „Du stehst doch auf ihn“, kam es nun mit leiser und unterdrückter Wut, von der Bella sich nicht erklären konnte woher sie plötzlich kam, von James. Sie blickte auf und sah ihn an. Sein Gesicht war hart wie Stein. „Das habe ich nicht gesagt“, rechtfertigte sie sich unnötigerweise. Warum verteidigte sie sich nun? „Warum reist du mit ihm? Er ist ein Dämon!“ Nachdem Bella seine Worte vernommen hatte, wich sie einen Schritt vor ihm zurück und wurde mit einem Mal hellhörig. Oberflächlich betrachtet sah man Edward nicht an, dass er ein Dämon war. Das einzige was ihn für andere verriet war sein Geruch, aber diesen konnte man nur so intensiv wahrnehmen, wenn man selbst ein … Panisch riss sie die Augen auf. War es möglich, dass James und Victoria auch Dämonen waren? Schnellen Schrittes überbrückte James die Distanz zwischen ihnen und drängte Bella gegen die Wand. Erschrocken keuchte die junge Frau auf.

„Gib es zu, du hast ihn!“, spie er ihr wütend ins Gesicht. Verwirrt blickte sie ihn an und versuchte ihn mit aller Gewalt auf Abstand zu halten, doch er war zu stark und drängte sie unerbittlich näher an die Wand. „Bitte. Ich weiß nicht, was du meinst, bitte geh weg von mir“, flehte sie ihn an, da sie zwischen ihm und dem kalten Gestein gefangen war. Sie bekam kaum noch Luft. James dachte aber nicht daran auch nur einen Schritt beiseite zu treten.

„Gib mir den Terramelett! Du hast ihn. Rück ihn raus!“, schrie er sie an und seine Augen waren mit einem Mal von Wildheit und Wahnsinn durchzogen. Am Rande nahm sie das Jaulen von Poechan wahr. Und als sie zu ihm herüberblickte, sah sie mit Schrecken eine grüne, riesige Kobra dort wo bis vor kurzem noch Victoria gestanden hatte. Die Kobra hatte sich um seinen Hals gewickelte und biss immer wieder zu. Sie hatte keine Zeit auf das Gesehene zu reagieren oder gar Poechan zu Hilfe zu eilen, da James bereits seine kräftigen Hände um ihren Hals legte und feste zu drückte. Bella hatten keinen Platz zum Ausweichen mehr. Gleich würde ihr Schwarz vor Augen werden.

„Gib ihn her“, seine Stimme war jetzt der pure Wahnsinn, als er sie anschrie und bespuckte. Sein ganzer Körper war urplötzlich von schwarzen Schuppen übersäht. Während er unentwegt zudrückte, hörte sie Poechan im Hintergrund erneut aufheulen. Sie bekam keine Luft mehr! Wo war Edward bloß? Mit einem Ruck hob Bella das Knie an und traf James gezielt in seinen Weichteilen, sodass dieser wütend zischte und einen Augenblick seinen eisernen Griff um ihren Hals lockerte. Diesen Moment nutzte sie, um sich zu befreien. Sie wollte zu Poechan zu Hilfe eilen, doch weit kam sie nicht. Schnell hatte er sie wieder eingeholt und sich ihr in den Weg gestellt. Groß und einschüchternd baute er sich vor ihr auf. Er wollte, dass sie sich klein und machtlos neben ihm fühlte. Er genoss seine Überlegenheit gegenüber körperlich schwächeren. Er wollte, dass sie vor Angst erzitterte. Doch diesen Gefallen würde sie ihm nicht tun!

„Wenn du glaubst, dass du mir so leicht entkommen kannst, du wertloses Stück Dreck von Mensch, dann hast du dich aber geschnitten“, während er sprach, zischte seine Zunge zwischen seinen Lippen hin und her. „Wenn du mir den Terramelett nicht freiwillig gibst, wirst du sterben.“

„Ich habe ihn nicht“, versuchte Bella es ihm in ihrer Angst begreiflich zu machen. Wo sollte sie hin? Der Ausgang war ihr versperrt, Poechan würde vermutlich auch nicht mehr lange durchhalten und von Edward war keine Spur zu sehen. Ein weiteres Zischen von der Seite ließ sie herumfahren. Seine Schwester, die sich bereits vollständig in eine Kobra verwandelt hatte, kam nun auch auf sie zu geschlängelt. Bella riskierte einen schnellen Blick zu dem Lýkos, der bewusstlos auf dem Boden lag und sich nicht mehr rührte. „Bitte sei nicht tot“, dachte sie verzweifelt.

„EDWARD“, schrie sie, als nun auch Victoria immer näher kam. James lachte dreckig auf. „Er wird dich nicht hören du Menschenabschaum. Ich rieche den Terrameletten ganz deutlich an dir! RÜCK IHN RAUS!!“ Er schubste sie durch den Raum und Bella stürzte beinahe zu Boden. Plötzlich hörte sie, wie die Türe mit einem lauten Knall eingetreten wurde und im Türrahmen stand kein anderer als…

„Edward“, flüsterte sie und Tränen der Erleichterung traten ihr in die Augen. „Frau dich nicht zu früh, du Hure“, zischte nun auch Victoria und schlängelte weiter mit einem unheilvollen Zischen auf sie zu. Edward zog blitzschnell sein Schwert und die giftgrüne Kobra hielt bedrohlich einige Meter vor ihm an. „Du kommst gerade rechtzeitig, um ihren Tod mitanzusehen“, kam es nun von James, als er erneut auf Bella zuschritt und ihr einen so kräftigen Fauststoß ins Gesicht verpasste, dass ihr Kopf gegen die Wand schleuderte  und sie Sterne sehen ließ. Wie konnte es diese elende Schlange wagen, ihre Hand gegen eine wehrlose Frau zu legen?!

„Wenn du sie noch einmal anfasst, bist du tot“, kam es tonlos von Edward. Die Wut, die er in diesem Moment empfand durchtränkte den gesamten Raum und ließ sogar James für eine Sekunde erschaudern. Er zog sein Schwert. „Dann musst du erst an mir vorbei“, zischte Victoria geistesgegenwärtig und senkte ihren Kopf für einen kräftigen Biss, den er mit seinem Schwert jedoch gekonnt parierte und mit einem weiteren schnellen Schlag trennte er ihr den hässlichen Schlangenkopf vom Rumpf ab. Das rostfarbene Blut spritzte umher, als der Rest des Kobrakörpers leblos in sich zusammensackte. „So das war die Erste“, kam es erzürnt von ihm, „komme ich zu dir.“ Während Victoria zusammengesackt war, hatte James einen grollenden Schrei ausgestoßen. Wutverzerrt hatte er den kurzen Abstand zwischen Bella und sich überbrückt, um sie erneut zu würgen. Dieses Mal würde er sie zu Tode drosseln, das wusste sie. „DU hast mir meine Gefährtin genommen, ich nehme dir deine!“, schrie er im völligen Wahn. „Nein, nicht schon wieder du Bastard“, schoss es Bella schnell durch den Kopf. Und sie reagierte dieses Mal schnell und instinktiv mit einem gezielten Tritt gegen seine Kniescheibe. Überrascht sackte James kurz nach vorn. Diesen Augenblick nutzend verpasste sie ihm drei gezielte Schlage gegen den Kehlkopf und als er sich zusammenkrümmte, beendete sie diesen Zweikampf wie sie es in ihrem Sport gelernt hatte, mit einem harten Ellenbogenstoß. Noch nie hatte sie ihr Karate in der Realität ausprobieren müssen. Nun konnte sie ihrem Trainer auf Knien dafür danken, dass die Techniken wirklich funktionierten. Regungslos blieb James am Boden vor ihr liegen und es machte sich trotz allem Erleichterung in ihr breit, als sie feststellte, dass er noch atmete. Er war wohl nur bewusstlos.

Edward sah sie mit seinen goldenen Augen und überraschtem Gesichtsausdruck an, während er sein Schwert wieder zurück in die Scheide gleiten ließ. „Warum hast du mir DAS verschwiegen“, fragte er verständnislos mit zusammengezogenen Augenbrauen ungläubig. Gleichgültig zog Bella die Schultern hoch: „Na ja, du hast nicht gefragt.“ Fassungslos betrachtete er sie.

„Komm“, kam es nun rasch von Bella, „du musst mir helfen. Poechan ist schwer verletzt. Er liegt am Feuer und ist bewusstlos.“ Eilig liefen sie zu dem Lýkos und Edward beugte sich über ihn, um seine Verletzungen zu begutachten. Aus mehreren Wunden quoll dickes rotes Blut und besudelte seinen eisblauen Pelz. Es war so viel Blut, dass Bella Angst hatte, dass für ihn jede Hilfe zu spät kam. Zum Glück stellte Edward fest, dass die Wunden allesamt nicht tief waren, doch das Gift der Kobra setzte ihm zu und verbreite sich schnell in seinem Körper. Wäre Poechan bloß ein gewöhnlicher Wolf gewesen, hätte er den Angriff von Victoria sicherlich nicht überlebt. Aber glücklicherweise war er ein zäher und robuster Dämon.

„Es sieht schlimmer aus, als es wirklich ist, er wird schon wieder. Poechan ist stark“, beruhigte er sie und beugte sich vor, um die Wunden schnell mit seinem Speichel zu verschießen. Dieses Unterfangen erwies sich alles anderes als einfach, da der Pelz des Lýkos sehr dicht war. Als sich Edward aber zum dritten Mal hinabsenkte, schlug der Wolf bereits langsam die Augen auf und winselte herzzerreißend und kläglich. „Ist schon gut, mein Junge“, kam es sanft von ihm. So liebevoll hatte sie Edward noch nie sprechen gehört. „Meinst du, du kannst aufstehen? Wir sollten weg von hier und im Wald unser Lager aufschlagen. Dort sind wir sicher.“ Der eisblaue Lýkos winselte erneut, richtete sich aber vorsichtig auf. Er schwankte leicht, als er auf wackeligen Beinen tapsig zur Türe lief. Bella sah sich noch einmal im Raum um. In der einen Ecke lag der bewusstlose und mit schwarzen Schuppen übersäte James, dessen Verwandlung in eine Schlage noch unvollendet war. Er erinnerte sie an eine halbfertige schwarze Mamba. Und in der anderen Ecke des Raumes lag die geköpfte Victoria. Aus den Enden von Kopf und Rumpf quoll immer noch dickes und rostfarbenes Blut. Es sah ekelig aus. Sie unterdrückte die Aufkeimende Übelkeit, als sich dann auch noch der faulige Gestank des Schlangenblutes im Raum breit machte, schritt sie schnell hinter Poechan ins Freie.

„Es ist besser, wenn ich dich den kurzen Weg auf meinem Rücken trage“, stellte Edward fest, da sich der Wolf gerade so selbst auf den Beinen halten konnte. Bella nickte ehe sie vorsichtig auf seinen Rücken stieg und ihre Hände zögerlich um seinen Oberkörper schlang. Für seine Verhältnisse sprang er langsam hinter dem noch immer mitgenommen aussehenden Lýkos her. Tief sog Bella die fische und klare Nachtluft ein und nahm dabei unterschwellig seinen Geruch wahr. Edward roch nicht aufdringlich, aber herb, nach Gräsern und Mooses, aber auch männlich. Besser und exquisiter als jedes Männerparfüm, das sie bisher je gerochen hatte. Sachte und möglichst unauffällig legte sie den Kopf an seine Schulter. Sie war zu erschöpft um sich dieser Gedanken und Geste zu schämen. Er bewegte sich gleichmäßig und geschmeidig fort, während der Wind ihr durch Gesicht peitschte. Heimblick sog sie seinen Duft nochmal sein und versuchte ihn festzuhalten so gut es ging.

Sie brauchte etwas, um das Erlebte zu verarbeiten, aber warum sollte sie es nicht trotzdem genießen auf Edwards Rücken durch die Nacht zu fliegen. Sie spürte bei jedem erneuten Sprung seine starke Muskulatur und sein Duft betörte sie und ließ ihren Körper kribbeln. Noch nie war sie ihm so nahe gewesen. Es war merkwürdig, dass sie nach einer Szenerie wie gerade an nichts anderes denken konnte, als an seine Nähe und ihren Körper, der sich an seinen warmen schmiegte. Ein stummes Seufzen entfuhr ihr. Sie war rettungslos verloren, wenn sie schon so über ihn dachte. Als sie das Dorf weit genug hinter sich gelassen hatten und die dicht behangenen Bäume des Waldes ihnen genügend Schutz boten, blieb er stehen und setzte sie ab. Erschöpft ließ sich Poechan unter einem Baum nieder und schlief beinahe sofort ein. Edward tat es ihm gleich und sah sie fragend von unten herab an.

„Möchtest du mir vielleicht irgendwas erklären?“, kam es abwartend von ihm, während er eine Augenbraue hochzog und sie fragend, wenn auch belustigt ansah. Zögerlich ließ sie sich neben ihm nieder. Seine Nähe machte ihn nervös, wenn er sie wie jetzt gerade so intensiv mit seinen golden Augen ansah.

Sie wusste, dass er auf die Kampfszene zwischen ihr und James anspielte. „Ich habe bei mir zuhause lange Zeit gelernt, wie ich mich in solchen Situationen verteidigen kann. Auch Menschen können kämpfen“, entgegnete sie schlicht, als sie sich gegen den Stamm neben ihn lehnte und die Augen schloss. Er antwortete nicht. Wenn überhaupt antwortet er sowieso immer nur mit dem Nötigsten.

Diese Frau war ihm ein Rätsel. Einerseits wirkte sie so klein, so zart und beschützenswert, andererseits hatte sie vor wenigen Minuten einen Halbdämonen erledigt. Edward war gelinde gesagt beeindruckt von ihr. Das hätte er einem Menschen nicht zugetraut.

„Warn das auch Anthroposdämonen?“, fragte sie plötzlich. Er schüttelte den Kopf. „Nein, Bella. Das waren Halbdämonen. Fürchterliche Biester, wenn du mich fragst. Und bereits als Menschen sind sie ziemlich widerlich.“ „Was ist der Unterschied zwischen einem Halbdämonen und einem Anthopos wie dir?“, fragte sie neugierig weiter, gegen die aufwallende Müdigkeit kämpfend. Sie liebte es seiner Stimme zu lauschen. Edward lehnte seinen Kopf ebenfalls gegen den Baumstamm. Sein Gesicht war nun ihrem sehr nahe und ihr Atem beschleunigte sich. „Halbdämonen sind an die Tagesform gebunden. Bei Tag erscheinen sie in Menschengestalt. Deswegen war es mir auch nicht möglich ihren Geruch wahrzunehmen. Obgleich ich – wie du dich vielleicht erinnerst – von Anfang an ein ungutes Gefühl hatte.“, er blickte sie durchdringend und ermahnend an. Die Retourkutsche hatte sie nun wohl mehr als verdient und daher erwiderte sie nicht darauf.

„Bei Nacht verwandelt sie sich dann in ihre wahre Gestalt. James und Victoria waren in Wirklichkeit Schlagen. Eine grüne Kobra und eine schwarze Mamba. Anthoposdämonen hingegen behalten ihre Gestalt und sind von keinen Umwelteinflüssen abhängig. Wir sind vollwertige Dämonen“, beendete Edward seine für seine Verhältnisse ausschweifenden Ausführungen.

Plötzlich sprang Edward auf und blickte alarmiert Richtung Himmel. „Was ist los“, fragte Bella mit einem Mal wieder hellwach und besorgt. „Jane und Alex.“ Sie blickte hoch und sah einen schwarzen und einen grauen Punkt, die sich beide schnell am Himmel fortbewegten. Ein Schauer überkam sie, als die daran dachte, dass es noch nicht lange her war, dass diese riesige Motte sie fast getötet hätte. Ihr Blick fiel auf die dunkeln Verfärbungen am Handgelenk, die von Janes Gift und Alecs anschließender Heilung herrührten und bei dem Anblick des Monsters erneut zu brennen schienen.

„Was wollen die beiden hier?“, flüsterte sie leise in die Dunkelheit hinein. „Sei still“, kam es schnell von Edward, „ich höre etwas. Es ist Alecs Stimme.“ Und mit einem Mal ertönte eine leid klagende, voller Kummer erfüllte beanspruchte Stimme in der Nacht: „Bald ist es vollbracht! Wenn ihr euch den Stein noch aneignen wollt, dann müsst ihr Eile walten lassen.“ Rein ist Unrein und Unrein ist Rein. Gut ist Böse und Böse ist gut, stimmte Alec ein dunkles Lied an, dass sich immer weiter wiederholte und schließlich verklang. Es dauerte nicht lange und von den beiden war nichts mehr am Himmel zu sehen. Die Nacht war wieder still und nichts ließ darauf schließen, dass die zwei Dämonen soeben über ihnen her gezogen waren.

„Was hat das zu bedeuten?“, fragte sie Edward, „warum haben sie uns nicht angegriffen? Sie hätten doch riechen können, dass Poechan noch schwer verletzt ist und wir somit leichte Beute für sie sind.“ Nachdenklich zog er die Augenbrauen zusammen. Auch wenn er sich nicht gerne eingestand, aber in diesem Punkt hatte Bella recht. Sie wären gerade jetzt ein leichtes Ziel für die Beiden gewesen. Und was war das für ein seltsames, dunkles Lied, das Alec soeben angestimmt hatte? Wut stieg in dem sonst so beherrschten Dämon auf. Wie gerne hätte er einfach sein Schwert gezogen und die Beiden erledigt. Sie waren so nah an ihm vorbeigezogen und nun war Poechan schwer verletzt. Somit konnte er nur hier stehen, ihnen hinterher starren und nichts ausrichten. Und das zum wiederholten Mal. Wie er es hasste zur Untätigkeit verdammt zu sein und wie sehr er Jane verabscheute.

Bella merkte, wie sich Edwards Hand um seinen Schwertknauf zornig verkrampfte. So angespannt und wütend hatte sie ihn bisher noch nicht erlebt. Selbst im Kampf mit James und Victoria, bei dem Poechan schwer verletzt auf dem Boden gelegen hatte, war er ruhig geblieben. Natürlich, er wollte den Terramelett haben, das wusste sie. Aber wofür, das hatte er ihr bisher noch nicht gesagt. Wieder einmal wurde ihr bewusst, dass sie praktisch nichts von ihm wusste. Dann erinnerte sie sich an etwas.

„Riechst du den Stein eigentlich?“, fragte sie ihn urplötzlich. Edward blickte sie verwirrt an, während er die Hand um den Knauf seines Schwertes lockerte. Bis er schießlich gänzlich von der Waffe abließ und sich gegen einen Baum lehnte. „Ich verstehe deine Frage nicht.“ Bella erinnerte sich an die Worte, die James ihr entgegen geschrien hatte, als er sie töten wollte. „Na ja, ich meine, du kannst alles riechen. Kannst du nicht riechen, ob der Stein noch bei Jane und Alec ist?“ Er brauchte einen Augenblick um den Sinn ihrer Frage zu verstehen, ehe er zu einer Antwort ansetzte.

„Ich bin kein Hund. Ich kann keine Gegenstände riechen. Lediglich die Körpergerüche von Menschen und Dämonen nehme ich verstärkt wahr, wenn es das ist, was du meinst.“ Er blickte sie eindringlich an, während er mit ihr sprach, was Bella wieder einmal verunsichert. „Das ist merkwürdig, denn als James mich würgte, meinte er, er könne den Terramelett an mir riechen. Deswegen hatte er uns angegriffen.“ Ungläubig sah Edward sie an, er konnte sich keinen Reim auf diese Aussage machen. Er selbst konnte keinen fremden Geruch an der Frau, die ihm gegenüber stand ausmachen. Das wäre ihm tatsächlich sofort aufgefallen. Sie roch stark nach einem blumigen, leichten Parfüm, was ihn ein bisschen an Erdbeeren erinnert. Das waren vermutlich noch Restbestände aus ihrer Welt, ehe sie hierher gekommen war. Er rümpfte die Nase, da er diese künstlichen Gerüche nicht leiden konnte.

„Was hat es mit dem Terrameletten auf sich, Edward“?“, fragte sie ihn nun direkt. Etwas in ihr sagte, dass sie ein Recht darauf hatte die Wahrheit von ihm zu erfahren. Innerhalb war sie binnen von vierundzwanzig Stunden deswegen beinahe zweimal getötet worden. „Ich sagte doch bereits, dass es sich dabei um einen Bernstein handelt“, kam es knapp und distanziert von ihm, als er die Augen schloss. Seine Narbe schimmerte im schwachen Licht der Sterne leicht rötlich. Sie war gut verheilt, würde aber immer als Mahnmal sein Gesicht zieren. Eine Ermahnung an sich selbst niemals unachtsam zu sein oder sich in Sicherheit zu wähnen.

„Aber das ist nicht alles, oder?“, harkte Bella weiter nach. „Nein“, gab Edward gepresst zu, „das ist nicht alles. Du gibst keine Ruhe bis ich dir mehr erzählt habe, nicht wahr?“ Er öffnete nun wieder seine Augen und Bella hielt seinem unnachgiebigen Blick trotzdem stand. Oh wie ihm die Dickköpfigkeit dieser Frau auf die Nerven ging! „Der Terramelett gehörte einer Frau, die ich einst kannte. Eines Tages überfielen Jane und Alec das Gebiet, in dem sie sich mit ihren Bewohnern niedergelassen hatte. Ich war ebenfalls dort und leistete gemeinsam mit ihnen Widerstand. Aber in einem Augenblick der Unachtsamkeit verwundete Jane mich und seitdem bin ich auf der Suche nach ihr. Ich will Rache.“ Er hielt inne und sie merkte, dass er einen wesentlichen Teil in seinen Erzählungen aussparte, aber für die heutige Nacht beschloss sie es gut sein zu lassen und ihn nicht weiter zu bedrängen.

„Danke, dass du es mir erzählt hast. Ich schätze deine Ehrlichkeit sehr“, sie lächelte ihn offen und herzlich an und ihm stockte kurz darauf der Atem. Zögerlich erwiderte er ihr Lächeln. Konnte es sein, dass er sich doch so langsam an diese wilde und dickköpfige Frau gewöhnte? Dass ihm ihr kühnes und verwegenes, aber dennoch herzliches Naturell gefiel? Er schüttelte den Gedanken schnellstmöglich ab. Auch wenn es nach dem heutigen Tag unnötig war sie in Samthandschuhe zu packen, das hatte sie im Kampf mit James eindeutig unter Beweis gestellt, so war er ihr gegenüber immer noch skeptisch. Kurz blickte er in ihre warmen braunen Augen, als sie sich erneut neben ihm niederließ und sich ebenfalls wieder an den Stamm lehnte. Erschöpft schloss Edward seine Augen. Kurz ließ er den anstrengenden Tag in seinen Gedanken Revue passieren: Sie waren nach wie vor auf der Suche nach Jane, nicht zu vergessen der Angriff von James und Victoria. Scheinbar waren sie nicht die Einzigen, die den Terrameletten von Jane und Aley stehlen wollten. Und Poechan und er waren wohl bei weitem nicht die Einzigen, die für das Armulett töten wollten. Was für eine ermüdende Erkenntnis und was für ein seltsamer Tag! Und alles nur, weil Zappy sie in dieses Dorf geschickt hatte, manchmal könnte er dieses rosafarbene Fellknäuel erwürgen.
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