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Eine Band mit gewissen Vorzügen

von Klopapia
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Christian "Flake" Lorenz Christoph "Doom" Schneider Oliver Riedel Paul Landers Richard Kruspe Till Lindemann
20.06.2022
16.07.2022
13
20.027
3
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.06.2022 1.313
 
Hallo und willkommen in einem neuen Kapitel. Ich möchte an dieser stelle eine Triggerwarnung im Bezug zu physischem Kindesmissbrauch einfügen. Wenn du dich mit diesem Thema nicht wohlfühlst, lies bitte maximal bis zum 'Throwback'.
Ich wünsche dir trotzdem viel Spaß mit dem Rest des Kapitels.

+

Wir verlassen das Hotel und bedanken uns bei dem gesamten Personal welches eine großartige Arbeit geleistet hat und uns jeden Wunsch von den Augen abgelesen hat. Ich stecke der Reinigungskraft ein großzügiges Trinkgeld zu und verlasse das Hotel so schnell ich kann. Endlich am Bus angekommen schmeißen wir unsere Koffer und Taschen hinein und suchen uns Plätze.

Kaum startet der Motor des Busses, sind Oliver und Christoph eingeschlafen.

Flake liest eines seiner Lieblingsbücher dessen Seiten dem Alter geschuldet bereits vergilbt und hauchdünn sind, er sieht mal wieder so begeistert aus als würde er diese Zeilen zum ersten Mal lesen.

Till hat sich seine Kopfhörer in die Ohren gesteckt und schaut aus dem Fenster, er sieht nachdenklich aus, was wohl in seinem Kopf abgeht?

Paulchen daddelt an seinem Handy rum, vermutlich schreibt er mit irgendwelchen Weibern, die er in München kennt. Ich muss schmunzeln.

Till sieht zunehmend konzentrierter aus und ich beschließe, der Sache auf den Grund zu gehen. Mein Hintern landet unsanft in dem Sitz neben dem Riesen, er erschrickt und sieht mich entsetzt an. ,,Was fällt dir ein, mich so zu erschrecken? Spinnst du?”, macht er mich blöd an. ,,Hey, sorry, war nicht so gemeint. Du sahst nur so nachdenklich aus und ich wollte wissen, was einen Till Lindemann so beschäftigen kann.”, entschuldige ich mich, setze mich bequem hin und beobachte ihn. ,,Paul und du.”, er flüstert diese Worte, den Blick starr zum Fenster gerichtet und die Natur beobachtend.

Mein Gesicht füllt sich mit Entsetzen.
Was hat er da gerade gesagt? Paulchen und ich sind der Grund, warum er seit Tagen so ruhig und nachdenklich ist?
,,Wie meinst du das?

Till schaut mir ernst in die Augen. ,,Ihr habt es schon wieder getrieben, war ja kaum zu überhören. Du weißt, dass ich das nicht gut finde. Was, wenn sich einer von euch in den anderen verguckt? Und dann einer von euch eifersüchtig wird weil der andere doch wen anders vögelt? Dann leidet nicht nur ihr, sondern die ganze Band. Ich hab keinen Bock auf Stress oder dass die Band zerbricht. Du kennst mich lange und gut genug um zu wissen, dass die Band mein Herzensprojekt ist, das, wofür ich mein Leben lang gekämpft habe. Du weißt auch, wie schlecht es mir vor ‘Rammstein’ ging. Man Richard, du kennst mich in und auswendig, merkst du nicht wie sehr du mich damit verletzt?” Nach einer kurzen Pause dreht er seinen Kopf erneut Richtung Fenster, ,,wenn du der Band schadest, meine ich.

Wow, das hat gesessen. Die Standpauke ist zwar nichts Neues, aber heute hatte sie so etwas extrem ernstes und wenn ich mich nicht irre lag eine gewisse Trauer in Tills Stimme.

Wortlos setze ich mich an meinen Platz zurück, denke über Tills Worte nach und lasse meinen Blick über die vorbeiziehende Landschaft gleiten.
Bäume in allen Grüntönen die eine Farbpalette hergibt.
Felder in allen Formen und Farmen, bestückt mit Mais, Hafer, Weizen, einfach allem.
Auf den Weiden stehen grasende Schafe, badende Kühe.
Pferde galoppieren über die Felder, ihre Reiter und Reiterinnen strahlen vor Freude, kein Wunder bei so einem sonnigen Tag.
Ich sauge all diese schönen Anblicke in mich auf, schöpfe neue Kraft und Vorfreude auf die morgige Show. Das Gespräch mit Till lässt mich trotzdem nicht los, ich denke lange und viel über seine Worte nach und beschließe das noch heute Abend mit ihm zu klären.

Gedankenversunken verlasse ich die Realität und begebe mich ins Land der Träume, wo der Horror mich bereits erwartet.
Verschwommene, abstruse Grimassen, hässliche Fratzen und schwarze Gestalten schreien mir entgegen: ,,Bald, kleiner Sven, ganz bald bist du wieder zu Hause! Allein! Nur wir werden bei dir sein! Niemand wird dich beschützen! Wir holen dich zurück in die Tiefe! Du wirst uns nie los, NIEMALS!
,,NEEEEIIIIIN, lasst mich in Ruhe, lasst mich endlich in Ruhe!”, verschwitzt wache ich auf, schaue mich um.
Gut, niemand hat etwas mitbekommen, alle zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Schnell greife ich zu meinen Beruhigungstablette, nehme mir eine, trinke einen großen Schluck Wasser hinterher und wische mir den kalten Schweiß von der Stirn.
Den Rest der Fahrt verbringe ich damit, aus dem Fenster zu starren, doch ohne all die schönen Dinge wahrzunehmen. Ich blicke ins Leere, kann keinen klaren Gedanken fassen und versuche wieder in der Realität anzukommen. Es gelingt mir nicht und bei jedem Blinzeln erscheinen die Kreaturen erneut und schreien meinen Namen. Den Namen, den ich vor Jahren ablegte und hoffte, damit auch all die Erinnerungen abzulegen.


Throwback

,,Na kleiner Sven, wo versteckst du dich heute? Etwa wieder unter dem Bett? Du dummer dummer kleiner Junge. Na komm schon raus, ich finde dich sowieso! Je schneller du dich zeigst, desto schneller ist es vorbei! NA KOMM SCHON DU KLEINE RATTE!” Ich krieche unter dem Bett hervor und gehe ins Wohnzimmer, wo er bereits auf mich wartet. Meine Beine zittern, ich weine. Er lacht, so ein grausames Lachen habe ich noch nie zuvor gehört oder gesehen. Ich hasse ihn, ich hasse ihn so sehr. ,,Ich habe dich vorhin gehört, du hast wieder mit deiner Gitarre gespielt, nicht wahr?” ,,Ja”, antworte ich stolz, ,,ich werde immer besser, vielleicht werde ich sogar mal berühmt!” ,,SEI STILL! Du bist so ein dummer Junge, wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst dieses dämliche Geklimper lassen?! Du hast dieses verdammte Ding rausgeholt, ehe ich mein erstes Bier trinken konnte. Du weißt wie ich das finde. Aber da du es ja nicht zu lernen scheinst, muss ich andere Methoden anwenden, das hast du nun davon.” Er stampft wütend und fluchend in mein Zimmer und holt meine Gitarre. Er hebt sie in die Luft ,,Nein, bitte nicht, ich spiele auch nur noch draußen. Versprochen. Lass das, bitte!” Ich flehe ihn  an, greife nach seinem Arm und ZACK. Er schlägt hart zu. Meine Nase fängt sofort an zu bluten, es fließt in Strömen mein helles T-Shirt hinunter. Ein paar Zähne fliegen aus meinem Mund und mein Kiefer hat laut geknackt, ich vermute er hat ihn gebrochen. Ein weiteres Mal. Noch bevor mein Schmerz einsetzt, höre ich ein lautes Krachen. Meine Gitarre. Oh nein. Er hat es wirklich getan. Ich habe zwei Jahre auf diese Gitarre gespart. Jetzt liegt sie in tausenden Einzelteilen vor mir. Mein Stiefvater steht lautstark lachend auf, nimmt sich sein Bier, zündet eine Zigarette an und verlässt das Zimmer.

Ich sammele die Einzelteile meines wertvollsten Eigentums zusammen, gehe in mein Zimmer und lege sie behutsam aufs Bett. Meine Tränen vermischen sich mit dem Blut aus meiner Nase und meinem Mund, es rinnt mein Gesicht entlang.
Ich versuche unter Tränen die Einzelteil wieder zu einer Gitarre zusammenzusetzen doch es gelingt mir nicht. Ich schmeiße mich auf mein Bett und schreie in mein Kissen, ich muss hier weg. So schnell es geht.

,,Hey, Richard, alles klar bei dir? Richard? Bist du da? Hallo?
Ich spüre eine warme Hand auf meiner Schulter, die mich in die Realität zurück zu holen versucht.
Die stummen Tränen, die meine Wangen herabliefen wische ich schnell weg, bevor ich mich umdrehe und Flake so überzeugend wie möglich versuche anzulächeln. ,,Klar, war nur mit den Gedanken woanders, was gibt’s?
,,Na das hab ich gemerkt. Wir sind da, falls du es nicht mitbekommen hast. Komm schon, schnapp dir deine Sachen, wir haben noch zwei Stunden bis wir im Restaurant sein müssen und ich glaub ne Dusche könntest du gut verkraften.
,,Klar, schon auf dem Weg”, ich schnappe mir hastig meine Sachen und verlasse den Bus, auf dem Weg zu den anderen atme ich ein paar Mal tief durch um die Erinnerungen ein weiteres Mal in die Abgründe meines Gehirn zu verbannen.
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