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Welcome To The Colorful Parade

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Romance / P16 / MaleSlash
18.06.2022
13.08.2022
9
16.275
7
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
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06.08.2022 1.408
 
Sam und ich drängen uns durch die Menge der tanzenden Menschen zu der kleinen Bar mit dem in Neon leuchtenden Schild darüber. Vor der Bar stehen einige schon etwas angeheiterte Menschen, die darauf warten von Lila, die heute Abend arbeitet, und zwei weiteren Barkeepern beachtet zu werden. Ich dränge mich dreist durch die Wartenden an einen freien Platz vor der Bar und Lilas Gesicht verzieht sich zu ihrem besten verträumten Lächeln, als sie mich bemerkt.

"Levi!", begrüßt sie mich so freudig, als hätten wir uns ewig nicht gesehen. "Wer ist denn dein hübscher Freund?" Sie schaut Sam strahlend an und mustert ihn von oben bis unten.

Ich merke ihm an, dass er sich bei dieser Musterung ein wenig unwohl fühlt und springe ein.

"Das ist Sam, wir waren früher zusammen in der Schule und sind jetzt seit einer Woche Mitbewohner." Ich wende meinen Blick zu Sam.

"Sam, das ist Lila, wir sind beide im Verein und kennen uns schon ziemlich lange."

Die beiden begrüßen sich und mir fällt auf, dass die Menschenansammlung hinter uns immer größer wird.

"Was willst du denn haben?", frage ich Sam.

Er studiert einen Moment die Karte: "Rum-Cola."

"Okay, die Runde geht auf mich." Ich bestelle zwei Rum-Cola und wir drängen uns zurück in Richtung Tanzfläche. An einem Stehtisch machen wir Halt. Sam legt ein ziemliches Tempo beim Leeren seines Getränks vor. War wohl echt kein guter Abend bei ihm. Doch da es mittlerweile um elf ist, bin ich auch schon nicht mehr ganz nüchtern.

Nach dem Getränk gibt Sam noch eine Runde aus und beim Austrinken der Getränke bewegen wir uns am Rand der Tanzfläche ein bisschen im Takt. Ich merke, dass meine altbekannte Zigarettensucht wieder hochkommt, wie so oft wenn ich betrunken bin, und mir kommt ein Einfall. Vielleicht würde dieser sogar eine Erinnerung bei Sam auslösen.

"Hast du Lust mit aufs Dach zu kommen?", frage ich Sam. Er schaut mich verwirrt an und macht eine Geste, dass er durch die Lautstärke nicht verstanden hat, was ich gesagt habe. Ich komme etwas näher, lege eine Hand auf seine Schulter und wiederhole die Frage. Er nickt begeistert und wir machen uns auf den Weg. In einem Hinterzimmer, in dem wir immer unsere Taschen lagern, bediene ich mich an Lilas Drehzeug. Ich weiß, dass sie damit kein Problem hat.

Fragend schaue ich Sam an. "Willst du auch eine?"

"Yes, please!", antwortet er "Nach dem Abend brauche ich echt eine." Dann lächelt er und sagt etwas verlegen "Obwohl er immer besser wird, seit ich hier bin."

Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen und packe das Drehzeug in meine Hosentasche. "Dann auf, auf."

Ich führe Sam durch eine Reihe verwinkelter dunkler Gänge, bis wir an einer steinernen Treppe ankommen.

"Habt ihr schon mal überlegt, hier 'nen Horrorfilm zu drehen?", kommentiert Sam unsere Reise.

Ich muss lachen. "Eigentlich wurde hier sogar schon mal einer von ein paar Medienstudenten gedreht." Dann füge ich mit gespielt gruseliger Stimme hinzu: "Diese wurden danach niiieee wieder gesehen."

Sam schnaubt. "Na genau."

Ich lache und wir beginnen mit dem Aufstieg. Die solide Holztür, welche zum Dach führt, ist zum Glück offen. Ich hatte auch ganz vergessen, mir einen Schlüssel zu besorgen. Ich öffne sie und frische Luft strömt in meine Nase. Ich mache ein paar Schritte aufs Dach und atme tief durch, während Sam durch die Tür tritt.

Ich führe Sam zu meinem Lieblingsplatz, einer Bank, relativ nah am Rand des Daches, auf der man einem wunderschönen Ausblick auf die Stadt hat. Ich habe keine Ahnung, welcher Wahnsinnige diese Bank durch die verwinkelten Korridore geschleppt und die steile Treppe hoch aufs Dach gebracht hatte, aber ich bin dieser Person sehr dankbar. Ich vermute auch, dass Alkohol dabei im Spiel gewesen sein könnte.

Wir setzen uns nebeneinander auf die Bank und ich hole das Drehzeug wieder aus der Tasche. "Soll ich dir eine drehen?", frage ich Sam.

"Ja bitte, Kippen drehen gehört leider nicht zu meinem Skillset."

Ich drehe uns jedem eine Zigarette und gebe eine davon Sam, zusammen mit meinem Feuerzeug. Er mustert es kurz und lacht dann.

"Niedlich."

Auf meinem Feuerzeug ist ein Regenbogen-pupsendes Einhorn zu sehen.

Er zündet seine Zigarette an und reicht mir dann grinsend das Feuer. Es ist schön, ihn so unbeschwert lächeln zu sehen. Ich nehme den ersten Zug und merke, wie entspannt ich mich mit ihm fühle.

"Weißt du", sagt er, "Ich hätte echt nicht erwartet, dass der Abend noch so schön wird."

"Wieso nicht?", frage ich.

"Das Essen mit meiner Familie war furchtbar, wie immer, das ruiniert normalerweise immer für 'ne ganze Weile meine Stimmung."

Ich schaue ihn verständnisvoll an. "So schlimm? Was ist denn passiert?"

"Ach, eigentlich nicht mal irgendwas Neues. Es ist einfach nur..."

Er sucht nach Worten.

"Meine Familie versucht nach außen hin immer, so perfekt zu tun. Aber keiner interessiert sich wirklich für den anderen. Meinem Vater ist es nur wichtig, dass er irgendwelche Aufträge an Land zieht. Meine Mutter möchte, dass alles immer perfekt läuft und bemerkt gar nicht, dass sie dabei zu 'nem eiskalten Roboter geworden ist. Und mein ach so toller kleiner Bruder macht immer alles richtig. Er weiß immer was er sagen soll, hat die perfekte Freundin und deswegen schenken meine Eltern ihm Aufmerksamkeit. Ich..."'

Er hat sich in Rage geredet, nimmt nun wieder einen Zug von der Kippe und fügt etwas leiser hinzu. "Ich pass da einfach nicht rein, so sehr ich es auch versuche."

"Das tut mir voll Leid", sage ich und lege mitfühlend einen Arm um ihn. Er lehnt an meine Schulter und greift dann nach der Hand, die ich über seine Schulter gelegt habe.

"Ich bin echt betrunken, tut mir Leid das ich dich hier so vollheule", sagt er entschuldigend, bleibt aber weiterhin in seiner Position.

"Alles gut, ich bin auch betrunken und es ist besser, wenn man sowas mal los wird, anstatt es immer nur in sich hineinzufressen", sage ich und streiche mit dem Daumen sanft über seine Hand.

Danach schweigen wir und rauchen den Rest unserer Kippen auf. Sam sitzt weiterhin an mich gekuschelt da und ich merke wie sich mein Herzschlag stetig verschnellert. Nach einer Weile beginne ich wieder, seine Hand zu streicheln und hoffe, dass er nicht bemerkt, wie nervös ich auf einmal bin. Auch er beginnt plötzlich, meine Hand zu streicheln und mein Herz macht einen Sprung. Ich hätte nicht gedacht, dass es noch schneller schlagen kann, aber das tut es.

Ich schaue ihn von der Seite an und sein hübsches Profil sieht auf einmal nachdenklich aus. In meinem Kopf taucht ein Bild von Sam und mir auf, wie wir auf einem anderen Dach in einer ähnlichen Position sitzen und er mir sein Herz ausschüttet.

Dann ohne Vorwarnung bricht Sam den Zauber. "Lass mal was neues zu trinken holen und schauen, wie es Arthur und Min geht."

Er lässt meine Hand los und richtet sich auf. Ich nehme meinen Arm von seinen Schultern, hebe meinen Becher auf und trinke den letzten Schluck.

"Ja, lass das machen", sage ich etwas lahm. Es hat wohl keinen Sinn zu hoffen, dass er sich noch irgendwann erinnert.

Schweigend gehen wir den Weg zurück zur Party. Ich will irgendwas sagen, aber mir fällt nichts ein. Arthur und Min sitzen am selben Ort, wo wir sie zurückgelassen haben und scheinen sich prächtig zu verstehen. Wir setzen uns dazu und Sam geht eine neue Runde Getränke holen. Wir reden und lachen und es ist, als wären wir nie auf dem Dach gewesen.

Um vier Uhr morgens sind wir zu Hause. Ich gehe direkt ins Bett, aber brauche noch ziemlich lange, bis ich schlafen kann. Würde sich Sam morgen wieder nicht daran erinnern? Was war das überhaupt gewesen? Ich wollte doch nicht, dass das nochmal passiert! Aber wieso kann ich dann nicht mehr aufhören an ihn zu denken?

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Was denkt ihr ist in dieser ominösen Nacht in der Vergangenheit passiert? Und kann Sam sich wirklich nicht erinnern? Schreibt uns doch gerne mal, was ihr so denkt. :)

Und vielen Dank an LynnRise für das liebe Review!

Liebe Grüße, Jin und Maeve <3
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