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Ich sehe dich

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Eddie Munson Nancy Wheeler Robin Buckley Steve Harrington
18.06.2022
27.06.2022
6
12.568
4
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Dieses Kapitel
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23.06.2022 1.768
 
Als sie ihre Teller geleert hatten, füllte Eddie ihre Tassen erneut auf und sie saßen einfach nur zusammen am Tisch, genossen den faulen Morgen.
Steve wirkte recht zufrieden mit vollem Magen und einer Schmerztablette, die allmählich ihre Wirkung entfachte.

Eddie trank einen Schluck Kaffee und musterte Steve über den Rand seiner Tasse hinweg. Wahrscheinlich irrte er sich, aber ihm war, als hätte der andere ihn vorhin mit mehr als nur Neugier gemustert. Eddie hatte kein Problem damit, sich vor Freunden zu zeigen, solange diese es ebenso hielten. Steve war nicht der Typ der sich von ein bisschen  bloßer Haut aus der Ruhe bringen ließ. Eddie dachte an das Boot, daran wie breit Steve's Schultern im Halbdunkeln gewirkt hatten und an seine perfekte Form, als er ins Wasser gesprungen war. Und wenn er sich die Szene immer wieder mal ins Gedächtnis rief, dann war das allein seine Sache, fand er.

"Mh... die Tablette wirkt...", murmelte Steve erleichtert und schloss die Augen, legte seinen Kopf auf die auf dem Tisch verschränkten Arme.
Eddie wollte seine Hand durch das braune Haare gleiten lassen. Er hob sie bereits, ließ sie wieder sinken, zögerlich.

"Mh...", machte Steve leise.
Eddie hob seine Hand erneut und dieses Mal strich er sachte mit den Fingerspitzen durch die Unordnung, die er fabriziert hatte.
"Ich bring das wieder in Ordnung.", erklärte er leise, in der Hoffnung, dass Steve nicht zurück wich.
Steve wich nicht zurück. Er schlug auch nicht Eddie's Hand weg, sondern ließ dessen Finger bereitwillig durch sein Haar gleiten.

Eddie schluckte, während er sich darum bemühte die Strähnen sanft zu entwirren. Es erstaunte ihn noch immer, wie mühelos er und Steve sich angefreundet hatten. Unter normalen Umständen wären sie sich gepflichtig aus dem Weg gegangen, aber die Sache mit Vecna hatte sie unvermutlich aufeinander treffen lassen. Eddie konnte sich noch gut daran erinnern wie sehr er unter Strom gestanden hatte, als er Steve in Todesangst gegen die Wand gepresst hatte, die abgebrochene Flasche an seinen Hals gedrückt. Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt gewesen. Dennoch, ein Blick in die braunen Augen des jungen Mannes hatte ausgereicht um zu wissen, dass er ihm keinesfalls etwas hätte antun können.

Eddie schmunzelte, in Gedanken, als er damit fortfuhr Steve's Haare mit seinen Fingern zu durchkämmen.
Nach einer kleinen Weile wandte Steve den Kopf etwas, damit er halbwegs zu Eddie aufsehen konnte. Er wirkte gelassen, beinahe träumerisch und der Ältere grinste.
"Ganz schön verwöhnt bist du.", neckte er freundlich.

"Stimmt gar nicht.", murmelte Steve. Seine Stimme klang dumpf, weil sein Mund noch immer halb in seinen Armen vergraben war.
"Bin nur schon lange nicht mehr angefasst worden.", gestand er.

Eddie erstarrte.
"Die Hose bleibt an, mein Lieber.", sagte er, weil sein Mund wie so oft schneller reagierte als sein Verstand.
Steve rollte dramatisch mit den Augen.
"Schnauze, Munson.", sagte er, aber ohne jeglichen Biss. Der Teil von seinem Gesicht der sichtbar war, lief rosa an.
Eddie lachte leise.
"In Ordnung."

Auch wenn es nicht mehr viel zu entwirren gab, hörte Eddie nicht auf damit mit Steve's Haaren zu spielen. Er hatte schon begriffen, was sein Freund gemeint hatte, und er fühlte mit ihm. Es stimmte schon, es konnte sehr einsam werden, wenn man so gut wie keinen Körperkontakt bekam.

Eddie betrachtete Steve, sah nicht weg, als sich ihre Blicke begegneten.
"Dann ist das nicht komisch für dich...?", fragte er leise, nur um sicherzugehen.
"Was...?", murmelte Steve. "Das wuscheln...?"
Eddie nickte.
"Nö... ist nett. Ist es komisch für dich?", entgegnete Steve, beinahe besorgt.
"Überhaupt nicht.", sagte Eddie wahrheitsgemäß. "Ich finde es auch nett. Auch wenn es vermutlich nicht üblich unter männlichen Freunden ist.", fügte er hinzu.

Steve gab ein kleines gleichgültiges Geräusch von sich.
"Ist doch egal. Wir sind auch keine üblichen Leute.", meinte er leichthin.
Dagegen konnte Eddie schlecht etwas sagen.
"Folgender Vorschlag.", sagte er dann nach einer kleinen Weile. "Film, Couch und mehr Streicheleinheiten?", schlug er todesmutig vor, wohlwissentlich, dass jeder voran gewagte Schritt einer zu viel sein konnte.

Steve dachte nur kurz darüber nach.
"Klingt gut. Aber keine Beschwerden wenn ich einschlafe, Munson. Deine Hände sind nämlich ziemlich beruhigend."
Eddie wäre am liebsten von seinem Platz aufgesprungen und hätte in die Luft geboxt. Steve fand seine Hände beruhigend. Er fand ihn nicht eklig. Er wollte mehr Streicheleinheiten.
Möglichst unauffällig nahm er einen tiefen Atemzug, um sein wie wild schlagendes Herz zu beruhigen und grinste Steve an.
"Na dann komm. Du darfst den Film auch aussuchen.", sagte er großmütig.

Steve grunzte und tat dann überrascht.
"In meinem eigenen Haus? Eure Selbstlosigkeit ist kaum zu übertreffen!"
Eddie grinste breit und schoss von seinem Stuhl hoch, verbeugte sich so tief, dass seine langen Haare beinahe den Boden berührten.
"Selbstlos und Edelmut sind meine zweiten Vornamen! Stets zu Diensten, nobler Herr!"
Er lauschte Steve's Lachen mit Schmetterlingen im Bauch. Als er sich wieder aufrichtete, erhob sich Steve ebenfalls, ein bisschen schwerfällig von seinem Kater.

"Na dann... auf zur Couch.", sagte er in einem Tonfall, als wären sie dabei eine tagelange Wanderung auf sich zu nehmen.
Eddie kicherte. "Das Auenland wartet! Ich kann schon die Erdbeeren riechen!", frohlockte er mit verstellter Stimme und marschierte dann beschwingt die paar Meter zum Wohnzimmer.

Steve hatte keine Ahnung wovon sein Freund da redete, aber lachte erneut. Es war leicht sich in Eddie's Anwesenheit albern und entspannt zu fühlen. Als er Eddie folgte, dachte er darüber nach, ob er jemals jemand anderem als seiner aktuellen Freundin erlaubt hatte mir seinen Haaren zu spielen, obwohl er die Antwort schon kannte.

Eddie setzte sich auf das Sofa und wippte mit dem Fuß. Er musste irgendwas tun, damit er nicht vor Aufregung platzte.
"Okay, lass mal sehen..." Steve kratzte sich den Rücken und wühlte sich durch das Regal mit den Videokassetten.
Eddie betrachtete ihn dabei, ein seeliges Grinsen im Gesicht.

"Aha..." Steve zog eine der Kassetten aus dem Regal und startete den Fernseher, legte die Kassette in the VHS-Player ein.
"Was hast du ausgesucht?", wollte Eddie interessiert wissen.
Steve ließ sich unzeremoniell auf das Sofa plumpsen.
Sein Oberschenkel streifte Eddie's und dieser biss sich für einen Moment auf die Wangeninnenseite.
"Lass dich überraschen. Ist perfekt zum Entspannen." Steve streckte sich und dann machte er es sich bequem.

Eddie staunte nicht schlecht, als sich der Jüngere seitlich hinlegt und den Kopf wie selbstverständlich in seinen Schoß legte.
"Okay so...?", fragte er leise.
Eddie nickte ehe er realisierte, dass Steve das ja nicht sehen konnte.
"Ja, total okay. Voll okay.", stammelte er deshalb und war sich ziemlich sicher, dass das hier in die Rubrik "mittleres Wunder" gehörte.

Der Film startete und für einen Moment lenkte ihn der Fernseher ab. Er konnte nicht anders als zu lachen, als die ersten ihm wohlbekannten Sekunden des Films über die Mattscheibe liefen.

"E. T.? Wirklich?", neckte er, fand es aber ausgesprochen niedlich.
"Ruhe auf den billigen Plätzen. Ich mag den Film.", gab Steve zurück.

Eddie grinste und sah auf den jungen Mann herab. Er wirkte so entspannt und als er wieder damit anfing durch sein Haar zu streichen, gab der Jüngere ein zufriedenes Geräusch von sich.
Eddie hätte ewig so dasitzen können. Steve war so warm, ein bisschen wie eine Katze, die sich behaglich zusammenrollte.
"Ich warte darauf, dass du anfängst zu schnurren...", murmelte er gutmütig.

Steve grunzte.
"Solange du deine Hand da lässt wo sie ist, mach ich alles.", erwiderte er.
Eddie schluckte.
"Vorsicht mit solchen Angeboten, Stevie.", säuselte er, wohlwissentlich, dass er vermutlich zu viel hinein interpretierte. Zu offensichtlich flirtete. Sicher, Steve war binnen kurzer Zeit recht anhänglich geworden, aber das hatte nichts zu bedeuten, richtig? Das hier war ein äußerst heterosexuelles Kuscheln unter Freunden, nicht mehr. Dass Eddie gerade dabei war sein Herz zu verlieren, das war ganz allein seine Sache.

Für eine Weile schwiegen sie und sahen auf den Fernseher.

"Eddie...?", murmelte Steve dann.
"Hm...?", machte Eddie.
"Ist das wirklich nur ein Taschentuch?"

Eddie hob die Brauen. Wollte Steve jetzt wirklich darüber reden? Wollte er selbst das? Es kam ihm vor als würde er im Begriff sein, die Büchse der Pandora zu öffnen.

"Nein, kein Taschentuch.", sagte er dann. Es half ja nichts, er konnte sich nicht ewig verstecken. Nicht, wenn er den leisesten Hauch einer Hoffnung hatte, dass Steve ihn dennoch akzeptieren würde.

"Was dann...?", hakte Steve nach. "Du machst ja ein Riesengeheimnis daraus."
"Naja... manchmal ist es besser nicht gleich alles preiszugeben.", erwiderte Eddie, nicht direkt ausweichend, aber unsicher wie er das Thema angehen sollte.

Steve drehte den Kopf ein wenig, sodass er Eddie einen genervten Blick zuwerfen konnte.
"Na los... denkst du wirklich es ist so schlimm, dass ich schreiend den Raum verlasse?", scherzte er, um die Stimmung aufzulockern.

Eddie lachte nicht sondern guckte betreten drein, schwieg.

Anscheinend war das hier ernster als gedacht. Steve hatte das Gefühl, dass er das hier behutsam angehen musste, auch wenn das nicht seine Stärke war.

"Eddie...? Du weißt, dass du mit mir reden kannst, oder?", sagte er vorsichtig.
Der andere nickte, aber der besorgte Gesichtsausdruck wollte nicht weichen. Also war es etwas wirklich wichtiges, das ihm auf dem Herzen lag. Er wollte ihm die Sorgen nehmen.

"Es ist nur schwer darüber zu reden.", fing Eddie nach kurzem Zögern an.
"Okay.", sagte Steve schlicht, blieb geduldig.
Eddie machte ein kleines frustriertes Geräusch. "Ich hasse das hier...", murmelte er. "Ich hasse es mich immer wieder erklären zu müssen aber das ist wohl meine eigene Schuld.", schimpfte er.

Es klang ehrlich gestresst und Steve setzte sich langsam auf.
"Hey... Ist schon gut, lass uns drüber reden.", versuchte er den Älteren zu beruhigen.
Es hatte nicht die erwünschte Wirkung. Eddie stöhnte und rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht.
Steve fand, dass er ungewohnt müde aussah. Und ängstlich.

"Okay... lass mich ausreden und unterbrich mich nicht, ja? Ich kann das sonst nicht durchziehen.", bat der Langhaarige ohne Steve dabei anzusehen.
"Klar. Ich halte den Mund.", entgegnete Steve und machte eine Bewegung als würde er einen unsichtbaren Reißverschluss an seinem Mund zuziehen.

Eddie holte tief Luft.
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