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A different path

von Eulchen68
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Harry Potter Hermine Granger OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
18.06.2022
27.11.2022
41
134.519
52
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
24.11.2022 2.782
 
39.

Die erste Woche des neuen Schuljahrs war geschafft. Minerva McGonagall saß in ihrem liebsten Sessel und starrte in die flackernden Flammen in ihrem Kamin. Es war ruhig geblieben in dieser ersten Woche und trotzdem fühlten sich die ersten Tage eines neuen Schuljahres immer besonders anstrengend an. Wieder in die gewohnte Routine zu finden, den neuen Schülern zur Seite zu stehen und sich mit den Kollegen klimatisieren. All das erforderte Anstrengungen. Anstrengungen, die sie in jüngeren Jahren deutlich besser weggesteckt hatte.

Ein Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken und sie stand auf, um durch den Türspion zu sehen. Als sie sah, wer zu ihr wollte, öffnete sie sofort.

„Severus“, grüßte sie ihren Kollegen und trat zur Seite, damit er hereinkommen konnte.

„Minerva.“ Severus Snape grüßte sie mit einem kurzen Nicken und trat in ihre Privaträume. Wie immer, wenn sie die erste Woche hinter sich gebracht hatten, kam er zu ihr. Es hatte sich in den letzten zwölf Jahren als eine Routine ergeben, die sie beide nicht aufgeben wollten.

„Wie war deine erste Woche?“, fragte sie, als sie sich ebenfalls setzte und mit einem Wisch ihres Zauberstabes zwei Gläser Scotch herbeirief. Zu ihren Treffen gehörte ein guter Tropfen. Bei ihm gab es Whiskey, bei ihr gab es schottischen Scotch.

„Anstrengend“, stellte Severus seufzend fest, „ich denke, ich werde die Weasley Zwillinge irgendwann in einen der verlassenen Kerkerräume sperren und zum Schuljahresende wieder herauslassen.“

„Ich hörte schon, sie haben direkt in der ersten Stunde einen Kessel in die Luft gesprengt“, sagte Minerva nickend. Sie hatte schon damit gerechnet, dass ihr Kollege diesen Vorfall ansprechen würde. Die Gerüchteküche hatte gebrodelt am Mittwochnachmittag. Die Zwillinge hielten meist nicht damit hinterm Berg, wenn sie den Tränkemeister wieder zum Schäumen gebracht hatten. Wenn es um ihre Streiche ging, konnten sie verschwiegen sein, doch bei so etwas waren sie Traschtanten. Es brachte ihnen einen gewissen Ruhm in ihrem Haus.

„Sie brüsten sich damit“, stellte Severus fest und sie nickte.

„Ich gehe davon aus, dass du sie schon ausreichend bestraft hast?“ Minerva betrachtete ihren jüngeren Kollegen eingehend.

„Wochenlanges Kesselputzen“, sagte er schulterzuckend, „aber das wird sie auch nicht abhalten.“

„Du weißt, ich argumentiere nur ungern auf diese Art, aber ich vermute, es liegt einfach in der Natur dieser Jungen. Sie wollen sich von ihren Brüdern abgrenzen.“

„Leider hast du damit vermutlich Recht“, sagte Severus seufzend. Er massierte sich einen Moment mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel.

„Mit den anderen Klasse lief es hoffentlich besser?“ Ein wenig hoffnungsvoll betrachtete sie ihn und tatsächlich bildete sich ein Lächeln auf dem Gesicht ihres Gegenübers.

„Ich sage es nur ungern, aber tatsächlich scheinen unter den neuen Erstklässlern einige Talente zu stecken“, sagte Severus schmunzelnd. „Eine meiner neuen Schülerinnen, eine Hufflepuff, hat sich in der ersten praktischen Stunde wirklich passabel geschlagen.“

Nun wurde Minerva doch hellhörig. Auch wenn man Severus nachsagte, dass er sich nur für seine Schlangen interessierte, so wusste sie es doch besser. Vor allem interessierte er sich für Talent. Leider lag dieses Talent meist bei den Schülern, die schon lange in der magischen Welt unterwegs waren und dementsprechend gefördert worden waren. Und diese Schüler landeten häufig in Slytherin.

„Um welche Schülerin handelt es sich?“, fragte sie nach einigen Sekunden der Stille. Sie wusste, dass sie ihre Neugierde nicht verstecken konnte. Schon gar nicht vor einem Mann wie Severus, der Menschen las wie ein Buch.

„Amelie Dursley. Ich weiß, dass der Nachname mir entfernt bekannt vorkommt. Ich muss ihn schon mal irgendwo gelesen haben, aber ich kann mich einfach nicht erinnern, wo“, sagte Severus und ihm war anzusehen, wie sehr ihn das frustrierte.

„Das kann ich dir sagen.“ Sie wartete einen Moment, nur um ihn ein wenig zu ärgern und es funktionierte hervorragend.

„Jetzt mach es nicht so spannend, geheimniskrämerisches Weib“, fluchte er genervt. „Du weißt, wie sehr ich das hasse. Woher kenne ich den Namen?“

„Von Lily Potter“, sagte Minerva ruhig, „Amelie Dursley ist die Tochter von Petunia. Sie ist Lillys Nichte.“

Einige Momente war es so still, dass das Flackern des Kamins fast unangenehm laut wurde. Severus starrte sie eine ganze Weile an. Dann nahm er einen großen Schlucke seines Scotchs. „Das ist unmöglich."

„Nein, das ist es nich“, erwiderte Minerva lächelnd. „Du weißt selbst, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein zweites Kind in einer Familie magisch ist. Es lag immer im Bereich des Möglichen, dass Petunias Kinder magisch sein könnten. Wir hatten so etwas schon vermutet, du erinnerst dich?“

„Nicht in meiner Vorstellung“, gab er ungewohnt ehrlich zu.

Er schien eine ganze Weile zu überlegen und sie ließ ihn. Manchmal brauchte er diese Zeiten, in denen er seinen Gedanken nachgehen konnte, und sie hatten noch genug Zeit, bevor die Sperrstunde begann. Außerdem gab es nichts dringendes zu besprechen. Das Schuljahr hatte ungewohnt ruhig begonnen, abgesehen von diesem Unfall mit den Wichteln. Das würde sie auf jeden Fall noch mit ihm besprechen müssen.

„Miss Dursley scheint mir anders zu sein, als Ihre Mutter“, sagte Severus irgendwann ernst.

„Wobei auch Petunia Dursley sich verändert hat“, sagte Minerva lächelnd, „Ich habe Amelie für ihren Besuch in der Winkelgasse abgeholt und die Umstände waren … außergewöhnlich. Es hat mich sehr gewundert, als Mrs. Dursley sich gegen Ihren Mann gestellt hat, um das Mädchen zu verteidigen.“

Mit hochgezogener Augenbraue sah ihr Kollege zu ihr herüber. „Das hätte ich nicht erwartet.“

„Niemand hätte damit gerechnet“, stellte sie fest und zuckte ein wenig mit den Schultern. Sie war ehrlich beeindruckt von Dieser Frau gewesen, die nun ernsthafte Probleme mit ihrem Mann zu haben schien. Johlend hatte ihr in einem Brief geschildert, dass Petunia Dursley zurzeit bei ihnen lebte. Näher hatte sie jedoch nicht darauf eingehen wollen.

„Ich werde das Talent dieses Mädchens im Auge behalten“, sagte Severus, mehr zu sich selbst, als zu ihr. „Vielleicht war es nur Glück, dass ihr der Trank fehlerfrei gelungen ist, doch wenn nicht, könnte sie bis zur UTZ Klasse eine Menge Wissen anhäufen.“

Minerva lächelte stumm und betrachtete ihn eine Weile. Er schien in Gedanken noch bei seinem Unterricht zu sein und sie wollte ihn nur ungern unterbrechen. Es kam nur selten vor, dass er von jemandem ehrlich beeindruckt war. Und er erkannte Talent, wenn er es sah.

Sie wartete noch einige Sekunden, doch dann entschied sie, dass er auch in seinen eigenen Räumen weitergrübeln konnte. Jetzt hatte sie noch etwas mit ihm zu besprechen.
Sie räusperte sich und tatsächlich sah er fast sofort zu ihr herüber.

„Was brennt dir auf der Seele? Du siehst aus, als würdest du gleich platzen.“ Severus betrachtete sie süffisant grinsend und sie warf ihm nur einen genervten Blick zu.

„Wir müssen über den neuen Kollegen sprechen“, stellte Minerva fest und lehnte sich seufzend in ihrem Sessel zurück, „Ich habe am ersten Schultag fast zwei Stunden damit verbracht, einige entflohene Wichtel wieder einzufangen, die unser neuer Professor in seinem Klassenraum freigelassen hat.“

„Ich hörte davon“, sagte er und noch immer sah er ein wenig belustigt aus. Doch als sie nickte, wurde er wieder ernster. „Ich hatte damit gerechnet, als ich von Lockharts Anstellung gehört habe. Er war in unserer Schulzeit schon ein Aufschneider.“

„Stimmt, du warst zwei Jahre unter ihm“, erinnerte sie sich schnaubend, „Ich kann mich kaum noch an ihn erinnern, wenn ich ehrlich bin.“

„Das wundert mich nicht“, sagte Severus nickend, „er hat es immer gut geschafft, sich bedeckt zu halten, wenn es um die Lehrer ging. Die Schüler kannten ihn als Schwätzer, der behauptet hat, mit diversen Mädchen geschlafen zu haben.“

„Vermutlich stimmte nichts davon“, sagte Minerva kopfschüttelnd.

„Nein, die Mädchen haben immer geleugnet, auch nur mit ihm alleine gewesen zu sein“, sagte er und ein gemeines Grinsen huschte über sein Gesicht. „Irgendwann hat er sich jedoch ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt.“

„Diese Geschichte möchte ich gerne hören“, stellte sie fest und lehnte sich mit ihrem Scotch ein wenig weiter zurück.

„Er hat behauptet, etwas mit Jolene Burke gehabt zu haben.“

„Nein!“ Entgeistert schüttelte Minerva den Kopf. Sie konnte sich gut denken, wie das Ganze ausgegangen war. Vermutlich hatte Jolene ihn ins letzte Jahrhundert geflucht und dafür sogar Nachsitzen riskiert. „Wie schlimm ist es ihm ergangen?“

„Oh, Burke hat ihre Slytherin-Seite gezeigt“, sagte Severus und ein wenig Anerkennung schwang in seiner Stimme mit. Etwas, das nur selten passierte, wenn es um die Gryffindors aus seinem Jahrgang ging. „Wir waren zu dem Zeitpunkt erst in der vierten Klasse. Sie ist also zu Lockhart, hat sich vor ihm aufgebaut und ihn sehr lange mit unergründlichem Blick gemustert. Ich stand zufällig in der Nähe, weil ich mit Lily unterwegs war.“

„Sie hat ihn verflucht?“

„Du denkst zu Gryffindor“, sagte Severus kopfschüttelnd. „Sie hat nur einige Sekunden abgewartet und dann sehr berechnend gesagt: „Ich wusste nicht, dass ich seit neustem auf Idioten stehe, vor allem, weil ich mit vierzehn doch ein wenig zu jung für so etwas bin. Ich denke, das Ministerium und mein Bruder sollten davon erfahren, dass ein fast volljähriger Schüler sich an einer Minderjährigen vergriffen hat.“ Ich dachte wirklich, Lockhart würde gleich hintenüber kippen, so blass, wie er wurde.“

Minerva hatte Schwierigkeiten, nicht loszuprusten und den Scotch, den sie hatte trinken wollen, quer durch ihr Wohnzimmer zu spucken. Verzweifelt versuchte sie, keine Sauerei zu verursachen, während Severus sie belustigt dabei beobachtete.

„Ich kann nicht glauben, dass sie das getan hat“, sagte sie, nachdem sie sich endlich ein wenig beruhigt hatte.

„Glaub es ruhig“, sagte er mit einem Augenzwinkern, „ich muss zugeben, das war der erste Tag, an dem ich ehrlich beeindruckt von Jolene Burke war.“

„Gab es noch andere Tage?“ Nun war ihr persönliches Interesse geweckt. Normalerweise sprach sie ihn nicht auf Jolene oder irgendjemand anderen aus seinem Jahrgang an. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, diesen Teil seines Lebens nicht zu besprechen. Doch er hatte es von selbst angesprochen und sie würde ihn so schnell nicht wieder vom Haken lassen.

„Einige“, sagte er ungewohnt ehrlich. „Zum einen, der Tag, an dem sie Sirius Black mitten in der großen Halle in eine Wanduhr verwandelt hat, weil er irgendeinen Streich an ihr versucht hat.“

„Daran kann ich mich auch gut erinnern“, sagte Minerva lachend, „ich hatte das dringende Bedürfnis, ihr Punkte dafür zu geben, aber ich musste ihr Nachsitzen verpassen. Unangebrachte Verwandlung außerhalb des Unterrichts.“

Severus verzog den Mund zu einem kurzen, gehässigen Grinsen, doch dann wurde er sehr ernst. „Und es gab noch einen anderen Tag, an dem sie meine Anerkennung verdient hat. Als Lily und Potter gestorben sind und sie den Jungen zu sich genommen hat.“

„Sie hat Harry schon vom ersten Moment an geliebt“, sagte Minerva verwundert, „sie war am Tag der Geburt bei Lily im Krankenhaus, obwohl sie damals schwer verletzt im St.-Mungos lag. Getroffen von einem schwarzmagischen Fluch, bei einem Einsatz.“

„Ich kann mich daran erinnern“, sagte Severus nickend, „aber darum geht es mir nicht. Ich weiß nicht, ob es dir bewusst war, aber die Schüler wussten es alle. Jolene Burke wollte keine eigenen Kinder. Sie hat sehr deutlich gemacht, dass sie niemals dazu in der Lage sein würde, ein Kind großzuziehen. Und trotzdem hat sie keine Sekunde gezögert, als es um Harry ging. Ein Kind, dass nicht ihr eigenes ist und dass auch bei Lilys Schwester hätte aufwachsen können.“

„Harry hätte bei Petunia Dursley nur gelitten, das hat sie selbst sogar zugegeben“, sagte Minerva kopfschüttelnd.

„Das ändert nichts daran, dass Burke die letzten zehn Jahre nichts anderes getan hat, als dafür zu kämpfen, Harry Potter eine Mutter zu sein“, sagte Severus schulterzuckend, „ich sage nicht, dass sie mir damit sympathischer geworden ist. Ich sage nur, dass sie sich meine Anerkennung damit verdient hat.“

Minerva nickte langsam. Auf eine gewisse Weise konnte sie seinen Gedankengang verstehen und soweit sie sich erinnerte, war er mit Jolene in der Schulzeit nicht verfeindet gewesen. Sie hatten sich zwar nicht verstanden, aber die meiste Zeit waren sie sich einfach aus dem Weg gegangen.

„Ich kann dich bis hierhin denken hören, Löwin“, grummelte Severus augenverdrehend, „und ich weiß genau, dass du dich gerade an jeden Moment erinnerst, in dem ich mit Burke zu tun hatte.“

„Ich habe nur darüber nachgedacht, wie ihr in der Schule zu einander gestanden habt“, gab sie ehrlich zu.

Severus nickte langsam. Er schien darüber nachzudenken, ob er überhaupt darauf eingehen sollte, doch dann gab er sich augenscheinlich einen Ruck. „Ich habe nichts gegen sie. Wir haben kaum etwas miteinander zu tun gehabt und ehrlich gesagt hat sie für mich eine Verbesserung bedeutet. Seit Black sich mit ihr anfreundete, hat er das Interesse an mir verloren.“

„Also könnte ich dich vielleicht überzeugen, dich mal mit Jolene zu unterhalten?“ Minerva beobachtete ihren Kollegen sehr genau.

„Warum sollte ich das tun?“

„Weil es irgendwann notwendig werden könnte“, sagte sie langsam. Severus zog lediglich eine Augenbraue nach oben und bedeutete ihr, weiterzusprechen. „Schon im letzten Jahr hat sich herauskristallisiert, dass Albus nicht die sichersten Entscheidungen trifft. Sollte das in den kommenden Jahren so bleiben ...“

„Wird Burke alles dafür tun, damit jedes Kind sicher ist“, beendete er den Satz. Sie nickte. Seine Miene war unergründlich, als er ihre eigentliche Frage beantwortete. „In diesem Fall würde ich mit Burke zusammenarbeiten.“

„Das erleichtert mich sehr“, gab Minerva ehrlich zu und lächelnd schüttete sie ihnen ein weiteres Glas Scotch ein. Dankbar nickte Severus und nahm es entgegen. „Albus Verhalten im letzten Jahr hat mich ehrlich beunruhigt.“

„Mich auch“, sagte er langsam. „Und nicht nur uns. Die Eltern einiger meiner Schüler haben mir zum Schuljahresende geschrieben. Vor allem Lucius Malfoy war mehr als ungehalten.“

„Nun, das glaube ich gerne“, sagte Minerva kopfschüttelnd.

„Auch wenn Lucius Malfoy kein angenehmer Zeitgenosse ist“, begann Severus langsam, „er sitzt im Schulbeirat und hat einen gewissen Einfluss. Und seiner Frau liegt viel an Draco. Sie würde niemals zulassen, dass ihm etwas passiert, solange sie es irgendwie verhindern kann.“

„Das klingt, als hättest du näheren Kontakt zu der Familie?“ Davon hörte Minerva zum ersten Mal und sie war erstaunt. Abgesehen vom allgemeinen Schriftverkehr hielten die meisten Hauslehrer sich von den Eltern ihrer Schützlinge fern. Es brachte nur Unannehmlichkeiten, eine solche Freundschaft zu pflegen. Schnell schrien andere Eltern nach Unfairness und Vorzugsbehandlung. Vor allem bei den Schlangen, die sich auf ihren Reichtum und Einfluss etwas einbildeten.

„Schon seit Jahren“, sagte Severus ungewohnt ehrlich, „mit Narzissa war ich schon in meiner Schulzeit befreundet. Sie war in Lockharts Jahrgang, falls du dich daran erinnern kannst. Zu Lucius Malfoy habe ich nur sporadischen Kontakt, vor allem wenn es um seinen Sohn geht. Er versucht sich Vorteile zu erkaufen, was ihn nicht sonderlich sympathisch macht.“

„Sie erschien mir bis jetzt nicht wie eine liebevolle Mutter“, kommentierte Minerva zweifelnd.

„Nun, sie ist es aber. Zumindest im privaten Rahmen“, sagte er schulterzuckend, „sie versucht vieles abzufangen, was den Jungen angeht.“

Minerva nickte verstehend. Die Erziehung einiger reinblütiger Kinder war hart, das wusste auch sie. Vor allem von den Schülern, die unerwartet in ihr Haus gekommen waren und unter den Folgen des Hutes zu leiden hatten.

„Wie schlimm ist es bei den Malfoys?“, fragte sie nach einigen Sekunden der Stille. Auch wenn sie den jungen Draco Malfoy nicht sonderlich sympathisch fand, wünschte sie ihm trotzdem nichts Schlechtes.

„Ich behalte es seit dem letzten Jahr im Auge“, sagte Severus langsam. Er schien mit sich zu hadern, ob er sie einweihen wollte, doch dann seufzte er. „Vor allem sein Vater und sein Großvater legen viel Wert auf die alten Traditionen. Das schließt auch alte Erziehungsmethoden mit ein. Soweit ich weiß, haben zwei seiner Mitschüler, Vincent Grabbe und Pansy Parkinson, ein Auge auf ihn. Sie sollen ihren Eltern melden, wenn der Junge aus der Reihe tanzt.“

„Dann kann er sich nicht einmal in Hogwarts wirklich frei bewegen“, stellte sie fest und schüttelte traurig den Kopf. „Gibt es etwas, das wir tun können?“

„Nicht auf deine Art“, sagte er harsch, „vorzupreschen und die Welt in Schutt und Asche zu legen, wird es nur noch schlimmer machen.“

„Wenn es etwas auf Slytherin-Art gibt, bei dem ich dir helfen kann, dann sag mir nur Bescheid“, sagte sie lediglich. Sie wusste selbst, dass es nicht helfen würde, die Malfoys auf ihr Verhalten anzusprechen oder gar drastischere Wege einzuleiten.

„Ich werde vielleicht auf dich zukommen“, sagte er lediglich und leerte sein Glas, „und jetzt sollte ich langsam in meine Räume zurückgehen. Es wird spät und ich habe morgen Aufsicht beim Frühstück.“

Ein wenig erschrocken sah Minerva auf ihre Uhr. Tatsächlich war seit einer dreiviertel Stunde schon Sperrstunde. Mit einem Nicken ihrerseits erhoben sie sich beide. Höflich brachte sie ihn zur Tür und verabschiedete sich, bevor sie sie öffnete. Die Porträts auf den Fluren hatten Ohren und unnötige Gerüchte über ihre Freundschaft brauchten sie nicht. Es reichte, dass einige Lehrer Bescheid wussten, wenn auch nur um Groben. Albus war bis heute nicht dahinter gekommen, dass sie sich ab und an auf ein Getränk trafen und über die wichtigen Dinge hier in Hogwarts sprachen.
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