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A different path

von Eulchen68
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Harry Potter Hermine Granger OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
18.06.2022
27.01.2023
55
177.277
63
Alle Kapitel
159 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
20.11.2022 3.105
 
38.

Das Klingeln des Telefons ließ Jolene zusammenzucken. Sie hatte sich noch nicht daran gewöhnt, dass sie dieses Gerät angeschafft hatten.

„Was ist das für ein Lärm?“ Sirius streckte den Kopf in ihr Büro und sah sie verwirrt an.

„Das Telefon“, sagte Jolene und erhob sich, doch ihr Partner war schneller. Er drehte sich auf dem Fuße um und rannte in den Flur. Kurze Zeit später hörte das Klingeln auf und sie hörte Sirius Stimme.

„Ich weiß nicht genau, wie das hier funktioniert, Petunia! Warte, ich bringe dieses Ding zu Jolene, dann kann sie mit dir sprechen. Mist, jetzt habe ich irgendeinen Knopf gedrückt. Petunia, kannst du mich noch hören?“ Sirius erschien in der Tür und streckte ihr das Telefon entgegen. „Ich glaube, ich habe aufgelegt.“

„Ich rufe sie zurück“, sagte Jolene kopfschüttelnd und begann, die Nummer zu wählen, die sie von Petunia bekommen hatte. „Du weißt, dass du dich mit dem Telefon vertraut machen musst? Nicht nur die Dursleys, sondern auch die Grangers können uns darüber erreichen.“

„Ich weiß“, sagte Sirius und starrte auf das Telefon, dass bei jeder Eingabe ein leises Geräusch von sich gab. „Ich glaube, du solltest mir das nochmal erklären.“

„Wir setzen uns da heute Abend dran“, versprach sie und drückte auf den grünen Hörer. „Jetzt telefoniere ich erstmal mit Petunia.“

Sirius nickte und ließ sie in ihrem Büro wieder alleine. Sie blickte ihm einen Moment lang hinterher. Wie immer, ließ er die Tür auf. Sie hatten sich das zu der Zeit angewöhnt, als Harry noch sehr klein gewesen war. So konnten sie ihn immer hören und er konnte immer zu ihnen kommen. Seit er aus dem Haus war, hatten sie das Verhalten einfach beibehalten.

„Dursley?“ Petunias Stimme drang ein wenig blechern durch den Telefonhörer, doch sie war gut zu verstehen.

„Petunia, du hast versucht, uns anzurufen“, sagte Jolene belustigt, „aber Sirius kommt mit dem Telefon noch nicht so gut klar.“

„Das habe ich gemerkt“, stellte Petunia fest und sie lachte ein wenig. Ein ungewohntes Geräusch, vor allem weil sie nicht wirklich fröhlich dabei klang. „Aber du scheinst damit halbwegs klarzukommen.“

„Ich habe mich in diesem Geschäft wirklich gut beraten lassen“, sagte Jolene zufrieden, „auch wenn der Verkäufer ein wenig verwirrt von meinen Fragen war. Aber darum geht es jetzt nicht. Warum rufst du an?“

„Ich brauche jemanden, mit dem ich sprechen kann.“ Petunia klang traurig und Jolene wusste sofort, dass ihre Arbeit eine Zeit liegen bleiben musste. Am Wochenende würde sie noch genug Zeit haben, sich darum zu kümmern. Seit Harry nicht da war, hatte sie die Wochenenden wirklich frei, da konnte sie auch ein bisschen arbeiten.

„Soll ich nach Little Whining kommen?“, fragte sie schnell und erhob sich von ihrem Schreibtisch. „Du weißt, ich kann in ein paar Minuten da sein.“

„Das würde mir sehr helfen“, sagte Petunia.

„Dann bin ich in zehn Minuten bei dir“, versprach Jolene, „ich sage nur eben den Männern Bescheid und ziehe mir etwas anderes an.“

„Bis gleich“, murmelte Petunia und schon im nächsten Moment hatte sie aufgelegt. Ein wenig verwundert starrte Jolene auf den Telefonhörer, doch dann besann sie sich und verließ ihr Büro. Das Telefon stellte sie auf die Station im Flur. Kurz warf sie einen Blick in die Küche, doch die war leer, weshalb sie die Treppe wieder nach oben stieg. Zuerst steckte sie den Kopf in Remus Büro,d er tatsächlich am Schreibtisch saß und über einigen komplizierten Runen brütete.

„Ich besuche Petunia“, sagte Jolene und er hob den Kopf nur kurz und nickte.

Als sie das Büro gerade wieder verlassen wollte, schien er die Worte verarbeitet zu haben, denn sie hörte, wie er das Pergament zur Seite schob. „Ist etwas passiert?“

„Ich weiß es nicht“, sagte Jolene ehrlich, „aber sie hat angerufen und braucht jemanden zum Reden. Ich appariere gleich nach Little Whinging.“

„Mach das“, sagte Remus nachdenklich.

„Bis später“, sagte sie lächelnd, „sollte ich heute Abend nicht zuhause sein, müsst ihr euch selbst um Abendessen kümmern.“

„Das sollten wir schaffen“, sagte Remus belustigt, „manchmal tust du wirklich so, als wären wir kleine Kinder.“

„Weil ihr euch manchmal so verhaltet“, stellte sie fest und zuckte mit den Schultern. Sie wartete den folgenden Kommentar nicht mehr ab. Stattdessen ging sie zu Sirius herüber, der ebenfalls an seinem Schreibtisch saß. Er arbeitete an einigen Fallakten. Seit einiger Zeit erlaubte das Ministerium den langjährigen Angestellten, ihre Schreibtischarbeit zuhause zu erledigen.

„Ich habe schon gehört, was du zu Remus gesagt hast“, sagte ihr Partner und stand auf. Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Kümmer dich um Petunia. Wir kommen zurecht.“

Sie lachte und küsste ihn. Genau deswegen würde sie diesen Mann heiraten. Weil sie immer an einem Strang zogen. Sie konnte sich immer auf ihn verlassen, egal was sie sich in den Kopf setzte. Egal wie wenig er Petunia bei ihrem ersten Treffen gemocht hatte, er hatte sie von Anfang an unterstützt und irgendwann war auch ihm klar geworden, dass sie Recht hatte. Petunia hatte sich verändert. Vor allem, seit sie den Brief von Lily in den Händen gehalten hatte.

„Du weißt, dass ich dich liebe“, stellte sie fest und küsste ihn ein weiteres Mal, „aber du weißt nicht, wie sehr.“

„Doch, auch das weiß ich“, sagte er leise und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, „und jetzt kümmer dich um Petunia. Ich werde vorsorglich das Bett im Gästezimmer beziehen. Wer weiß, was bei den Dursleys im Moment los ist.“

„Du bist ein Schatz“, sagte sie und drehte sich um. „Ich bin heute Abend spätestens wieder zuhause.“

„Ich weiß“, sagte er noch, doch da war sie schon aus der Tür heraus. Sie huschte nur kurz ins Schlafzimmer und zog sich eine Jeans und ein Hemd über. Sie wollte nicht unbedingt in einem seriösen Umhang mitten in einer Mugglegegend auftauchen.

Sie schnappte sich aus der Küche nur noch ihre schlüssel und ein wenig Mugglegeld, damit sie vielleicht etwas Essen gehen konnten. Dann verließ sie das Haus und apparierte außerhalb ihrer Schutzzauber.

In einer Seitengasse tauchte sie wieder auf. Auf einer Landkarte hatte sie schon in den Ferien nachgesehen, wo sie ungesehen apparieren konnte. Sie sah sich kurz um und tatsächlich war die Gasse leer und es gab nur ein einziges Fenster, das zu dieser Gasse führte. Ein Toilettenfenster, das mit blickdichter Folie beklebt worden war. Perfekte Voraussetzungen.

Schnell machte sie sich auf den Weg in den Ligusterweg. Sie schauderte, als sie in die Straße einbog. Hier hatte sie vor vielen Jahren gestanden, um ihren Patensohn in Empfang zu nehmen. Wobei sie eher um ihn hatte kämpfen müssen.

Schnell überquerte sie die Straße und klopfte an der Hausnummer 4. Es dauerte nur einige Sekunden, bis die Tür sich öffnete und Petunia Dursley vor ihr stand.

„Was ist passiert?“ Entgeistert schob Jolene sich in den Flur und schloss die Tür hinter sich. Petunia sah fürchterlich aus. Ihr rechtes Auge war zugeschwollen und dunkelrot angelaufen. Auch an ihrem Hals prangte ein dunkler Fleck. Ob sie noch schlimmer verletzt war, konnte Jolene nicht sagen, denn trotz der noch warmen Temperaturen trug Petunia eine lange Bluse.

„Wir haben uns gestritten“, sagte Petunia leise und bedeutete Jolene, ihr zu folgen. In der Küche standen zwei Tassen und eine Kanne Kaffee.

„Das sieht nicht nach einem Streit aus“, sagte Jolene, während Petunia ihr Kaffee eingoss und die Tasse an sie weiterreichte. „Das sieht eher nach einer Prügelei aus, aber ich vermute, dein Gegner sieht weitaus besser aus, als du gerade.“

„Vernon ist so wütend geworden“, sagte sie leise und ließ sich an den Küchentisch fallen. Sie wirkte mit einem Mal erschöpft und klein. Der Kampfgeist von vor drei Tagen, als sie in London Pizza gegessen hatten, war verschwunden und zurückgeblieben war nur eine leere Hülle.

„Er hat dich geschlagen“, sagte Jolene, ohne einen Vorwurf in der Stimme. Sie war wütend, aber nicht auf Petunia. Wie konnte dieser Mann es wagen, seine eigene Frau zu schlagen?

„Ihm ist die Hand ausgerutscht“, versuchte Petunia die ganze Sache ein wenig herunterzuspielen und ihr Blick fiel kurz auf die Uhr, die über der Tür zum Flur hing. Jolene folgte dem Blick. Es war gerade einmal halb zwölf. Vermutlich wollte Petunia wissen, ob ihr Mann schon von der Arbeit kommen könnte.

„Ungefähr zehn Mal?“, fragte Jolene mit hochgezogener Augenbraue, „oder ist dir so kalt, dass du bei dreißig Grad Außentemperatur dringend etwas Langärmliges tragen musst?“

Ein wenig ertappt zuckte Petunia zusammen. Sie sagte jedoch nichts dazu, sondern starrte einfach schweigend in ihre Kaffeetasse. Jolene betrachtete die Frau einige Sekunden, die sie vor ein paar Wochen noch nicht einmal gekannt hatte. Sie machte sich Sorgen. Nicht nur, weil es Lilys Schwester war, sondern auch, weil sie gemerkt hatte, dass Petunia ein wirklich netter Mensch sein konnte. Sie kümmerte sich um ihre Tochter und versuchte ihr Leben zu ordnen, was sich im Moment als schwierig erwies. Sie hatte eine Entscheidung getroffen, die ihre ganze Welt auf den Kopf stellte, nur, weil sie ihr Kind nicht im Stich lassen wollte.

„Du hast mich angerufen, weil du Hilfe brauchst“, sagte Jolene nach einigen Sekunden sanft. „Und ich bin hier, weil ich dir helfen möchte. Was kann ich tun?“

„Ich weiß es nicht.“ Petunia hob den Blick von ihrem Kaffee und Tränen schimmerten in ihren Augen. „Bis heute morgen war ich der festen Überzeugung, dass ich das alles noch retten kann. Ich dachte, Vernon würde sich damit arrangieren, dass Amelie nach Hogwarts geht, aber es wird mit jedem Tag schlimmer. Er droht damit, dass sie nach dem Schuljahr nicht mehr zurückkommen darf und dass sie über Weihnachten in der Schule bleiben muss.“

Jolene schnaubte. „Das ist hoffentlich nicht sein Ernst.“

„Doch, ich glaube, er meint das vollkommen ernst“, stellte Petunia leise fest und schüttelte den Kopf. „Aber ich kann meine Tochter doch nicht bitten, in den ersten Ferien in dieser Schule zu bleiben. Heute Morgen kam schon ein Brief von ihr, dass sie gut angekommen ist.“

„Sie hat Heimweh“, sagte Jolene und Petunia nickte langsam, „und du vermisst sie auch. Niemals würde Amelie in Hogwarts bleiben, wenn sie die Chance hat, Weihnachten mit dir zu feiern.“

„Aber wenn sie nicht hierhin kommen kann“, murmelte Petunia leise und Jolene brach es fast das Herz. Es war deutlich zu sehen, wie sehr die zweifache Mutter litt.

„Dann kommt sie zu uns“, entschied Jolene. „Und du solltest auch zu uns kommen. Nicht nur über Weihnachten, sondern im Allgemeinen. Du kannst nicht hierbleiben und dich weiter von deinem Mann schlagen lassen. Vielleicht kommt er zur Vernunft, wenn er heute Abend merkt, dass du nicht mehr hier bist. Leg ihm einen Zettel auf den Tisch mit unserer Telefonnummer, dann kann er anrufen, wenn er sich beruhigt hat. Nur unsere Adresse bekommt er nicht.“

„Und euch würde es nichts ausmachen, wenn ich .... und was ist mit Dudley? Er darf an den Wochenenden nach Hause ....“ Petunia schien alles andere als überzeugt von der Idee zu sein.

„Sirius bezieht gerade das Bett in einem der Gästezimmer“, erklärte Jolene ruhig, „wir haben uns schon gedacht, dass irgendetwas vorgefallen ist. Und für deinen Sohn haben wir auch noch ein Zimmer, in dem er schlafen kann. Wir besorgen uns ein Auto, damit wir ihn am Wochenende abholen können. Sirius hat irgendwann nach seinem Abschluss einen Führerschein gemacht, aber ich glaube der ist nur für Motorräder. Remus kann aber auf jeden Fall Auto fahren.“

„Aber Dudley ist ....“

„Er ist nicht magisch“, beendete Jolene nickend und sie schenkte ihr ein kurzes, aufmunterndes Lächeln, „Petunia, ich bin Kinderpsychologin. Das kann man nur an einer ganz regulären Universität studieren. Bevor ich mit magischen Kindern gearbeitet habe, habe ich ein halbes Jahr im regulären Jugendamt ein Praktikum geleistet. Ich weiß, dass dein Sohn kein Fall für eine Behörde ist, ich will damit nur sagen, dass ich weiß, wie man mit Kindern umgeht. Egal ob sie eine Lampe schweben lassen können oder nicht.“

Ein schmales Grinsen bildete sich auf Petunias Gesicht und schließlich nickte sie langsam. „Es ist vermutlich auch für die Kinder besser, wenn wir eine Zeitlang bei euch unterkommen. Nicht nur für Amelie, sondern auch für Dudley. Er sollte nicht sehen, wie seine Mutter geschlagen wird.“

„Dann pack ein paar Sachen ein“, sagte Jolene nickend, „und dann kümmern wir uns darum, dass wir hier rauskommen. Es wäre sehr unklug, wenn ich heute noch auf deinen Mann treffen würde.“

Petunia stand auf und sah einen Moment aus dem Fenster, bevor sie sich umdrehte und die Küche verließ. Jolene blieb sitzen und wartete einfach ab. Sie wollte hier weg. Es war wirklich kein guter Plan, wenn sie auf Vernon treffen musste. Sie würde ihn ins letzte Jahrhundert hexen, soviel stand für sie fest.

Es dauerte nur einige Minuten, bis Petunia wieder in der Küche stand. Sie hatte zwei große Taschen bei sich, die sie nun auf den Boden stellte. Ein wenig verunsichert sah sie zu Jolene herüber, die direkt auf die Beine gesprungen war und schon nach einer der Taschen griff.

„Hast du alles?“, fragte sie vorsichtig.

„Ich denke schon“, sagte Petunia leise. Sie warf einen kurzen Blick ins Wohnzimmer, schüttelte dann jedoch den Kopf und wandte sich wieder an Jolene. „Meinst du, ich sollte Fotos mitnehmen?“

„Wenn du länger bei uns bleiben möchtest, können wir auch nochmal wiederkommen“, sagte Jolene und lächelte ein wenig, „und wenn du Unterstützung brauchst, dann schicke ich die beiden Männer mit dir. Sirius und Remus sehen zwar aus wie zwei halbstarke Idioten, aber zumindest Sirius muss zweimal im Jahr eine Prüfung in Nahkampf und körperlicher Fitness ablegen.“

„Danke“, flüsterte Petunia und als ihr wieder die Tränen in den Augen standen, schloss Jolene sie kurzerhand in die Arme. Sie hielt sie einfach fest, solange sie weinte, und wartete ab, bis es vorbei war. Solche Tränen mussten geweint werden, das wusste sie nur allzu gut. „Er ist wirklich nicht fair.“

„Nein, das ist er nicht“, sagte Jolene leise und strich ihr über den Rücken.

Nach einer ganzen Weile löste Petunia sich aus der Umarmung und wischte sich die Tränenspuren aus dem Gesicht. „Lass uns gehen.“

„Sollen wir mit der Bahn fahren? Ich glaube, wir müssen dann ein ganzes Stück vom Bahnhof aus laufen“, sagte Jolene und schnappte sich beide Taschen, damit Petunia ihre Schuhe anziehen konnte. „Oder ich appariere uns direkt vor unser Grundstück, aber das ist nicht ganz angenehm.“

„Lily hat mich nach ihrem Abschluss einmal mitgenommen“, sagte Petunia nickend, „ich denke, das ist die beste Möglichkeit, auch wenn mir Autofahren deutlich lieber ist.“

„Kann ich gut verstehen“, sagte Jolene lachend und reichte ihr die Hand. Als sie sie ergriff, nickte sie ihr zu, um sie vorzuwarnen, und apparierte mit ihr gemeinsam vor ihr Gartentor.
Petunia sah aus, als wollte sie sich am liebsten übergeben, doch sie fing sich schnell wieder. Immer wieder atmete sie tief durch, bis ihre Gesichtsfarbe wieder gesünder aussah. Gemeinsam gingen sie durch das Gartentor und auf das Haus zu.

Sie hatten die Treppe vor dem Haus noch nicht erreicht, als die Tür sich schon öffnete und Sirius und Remus im Türrahmen erschienen.

„Wir haben schon Mittagessen gemacht“, stellte Sirius fest und er strahlte dabei so begeistert, dass Jolene sich ein Lachen verkneifen musste. Sogar Petunia sah ein wenig belustigt aus.
Im Vorbeigehen klopfte Jolene ihrem Partner auf die Schulter. „Das habt ihr aber fein gemacht.“

Remus prustete neben ihr los und Petunia gab ein glucksendes Geräusch von sich.

„Ich bin doch kein Hund“, beschwerte Sirius sich beleidigt, doch er nahm ihr die Taschen ab und stellte sie kurzerhand auf der Treppe ins Obergeschoss ab.

„Stimmt, du bist ein erwachsener Mann“, sagte Jolene augenverdrehend, „deswegen schaust du auch, als hättest du einen Orden verdient, weil du Mittagessen gekocht hast.“

„Eigentlich habe ich gekocht“, korrigierte Remus grinsend und hielt ihnen die Tür zum Wohnzimmer auf, „aber Sirius hat ganz brav das Gemüse geschält.“

„Jetzt werdet ihr unfair!“, sagte Sirius, als sie in der Küche standen. Jolene bedeutete Petunia, sich schon mal zu setzen, und wandte sich dem Backofen zu, in dem ein Gemüseauflauf langsam gar wurde. „Ich bin eigentlich im Dienst und trotzdem habe ich beim Kochen geholfen.“

„Remus ist auch noch am Arbeiten“, stellte Jolene fest, „und ich habe meine Aufgaben auf später verschoben, weil etwas wichtiges dazwischengekommen ist. Tu nicht so, als wärst du der Einzige, der in diesem Haus einen festen Job hat.“

Grummelnd setzte Sirius sich an den Küchentisch und sah zu Petunia herüber. „Also, ich finde, ich bekomme eindeutig zu wenig Lob in diesem Haus.“

„Ich habe dich gelobt“, sagte Jolene augenverdrehend und begann den Tisch zu decken, „auf eine, für die Aufgabe, angemessene Art und Weise.“

„Das sehe ich anders.“ Mit verschränkten Armen saß Sirius am Küchentisch und sah zu Jolene herüber. „Ich finde, du solltest netter zu mir sein.“

„Stimmt“, sagte Remus sarkastisch, „schließlich macht er dich nach über vierzehn Jahren endlich zu einer ehrbaren Frau.“

„Er macht mich höchsten zu einer Idiotin, weil ich einen Kindskopf heirate“, sagte Jolene und wandte sich an Petunia, „und kurz vor Weihnachten kommst du doch hoffentlich auch zu unserer Hochzeit, richtig?“

Etwas überfahren nickte Petunia. „Natürlich.“

„Sehr gut, Amelie und Dudley sind natürlich auch eingeladen“, sagte Sirius schnell, „schließlich gehören die beiden auch zu Harrys Familie. Auch wenn wir Dudley bis jetzt noch nicht kennenlernen konnten.“

„Am Wochenende lernen wir ihn kennen“, sagte Jolene überzeugt. Sie war sich sicher, dass Petunia bis zum Wochenende nicht zu Vernon zurückkehren würde. „Da fällt mir ein, Sirius, du müsstest bitte ein Auto mieten, damit wir den Jungen aus der Schule abholen können am Freitag.“

„Das bekomme ich hin.“ Sirius sprang auf und begann in einer der Schubladen zu wühlen. „Ich glaube, wir haben hier irgendwo sogar noch einen Flyer von der Autovermietung im Dorf. Die verleihen Kleinwagen und Minibusse.“

„Bitte, besorg uns keinen Minibus!“ Remus schüttelte entgeistert den Kopf und kümmert sich dann darum, den Auflauf aus dem Ofen zu holen. „Und ich hoffe, Petunia kann Autofahren. Niemand ist freiwillig der Beifahrer von Sirius Black! Ich kann zwar fahren, habe aber keinen Führerschein. Darum kümmere ich mich aber zeitnah.“

„Ich kann fahren“, sagte Petunia schnell und strich sich die Haare aus dem Gesicht. Jolene war sich sicher, dass die beiden Männer das Veilchen schon gesehen hatten, doch sie hatten den Anstand, es nicht zu erwähnen. Stattdessen kümmerten sie sich um das Mittagessen.

„Dann wäre das geklärt“, stellte Sirius fest, „ich darf nicht fahren.“

„Weil alle Beteiligten an ihrem Leben hängen“, sagte Jolene und deckte den Tisch. Sie warf Petunia einen verschwörerischen Blick zu und tatsächlich war ein Stück ihrer Traurigkeit aus ihrem Gesicht verschwunden. Sie schien sich nicht unwohl zu fühlen in ihrer Küche. Es freute Jolene, dass sie Lilys Schwester einen Ort geben konnte, an dem sie sich entspannen konnte. Sie würden es Amelie und Harry erklären müssen, doch das hatte Zeit. Erst einmal würden sie sich darum kümmern, dass Petunia sicher war.
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