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Tödliche Spiele - Peetas Sicht

von Anna55
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Het
Katniss Everdeen Peeta Mellark
16.06.2022
16.06.2022
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890
 
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Als ich aufwachte schien die Sonne durch mein Fenster. Mir war sofort klar, was für ein Tag heute war. Die Ernte.
Sonst läge ich niemals zu einer Zeit im Bett, wo die Sonne so hoch am Himmel steht.
Sonst wäre ich schon seit mehreren Stunden auf den Beinen.
Mein Tag beginnt an jedem Tag, außer dem der Ernte, in der Bäckerei.
An Wochentagen bin ich dort, bis die Schule beginnt und am Wochenende den ganzen Tag.
Wochentags backe ich mit Vater morgens frische Brötchen und nachmittags, was immer meine Mutter verlangt. Stuten, Blechkuchen, oder Laugengebäck.
Die Wochenenden sind mir am liebsten. Dann backe ich nicht, sondern male. Oder eher verziere. Wunderbare, teilweise mehrstöckige Torten für die wenigen reichen Händler von Distrikt 12. Oder den Bürgermeister. Er liebt Erdbeertorten.
An den Wochenenden bin ich von morgens an stundenlang in der Bäckerei und verziere die Torten.
Ich habe angefangen, als ich 12 war. Davor hatte ich nur Plätzchen verziert, das hatte mein Vater mir früh beigebracht.
Ich war als Kind immer in der Bäckerei. Es war warm, duftete nach Brot und Köstlichkeiten und manchmal gab mein Vater mir etwas zu naschen.
Ich bin gerne in der Bäckerei. Sie ist mehr ein Zuhause als dieses Haus, wo wir schlafen und essen.
Ins besonders wenn ‚Ausschlafen‘ mit etwas so Negativem wie der Ernte verbunden ist.
Daher stand ich auf und beschloss zur Bäckerei zu gehen, in der Hoffnung, dass mein Vater dort sein würde. Wäre er dort, könnte ich helfen und versuchen, die Ernte zu vergessen. Wäre mein Mutter dort, dürfte ich nicht helfen. Sie kann uns am Tag der Ernte nicht sehen. Vater sagt, weil sie Angst hat uns zu verlieren, weil wir ihr so viel bedeuten. Als sie 10 war, wurde ihre Schwester gezogen. Sie stand da und konnte nichts tun. Deshalb ist sie immer so furchtbar wütend, deshalb kann sie uns nicht sehen. Besonders mich nicht. Weil ich so warm und gebend bin, sagt Vater. Er meint, ihre Schwester war ebenso. Doch ihr Tod hat alles Gebende aus Mutter rausgezogen.
Er hat es mir einmal erzählt, als wir abends ein Eichhörnchen gemeinsam aßen.
Ich glaube, es stimmt. Wenn die Ernte ist, muss mein Vater immer meine sonst so kalte Mutter halten. Auf dem großen Platz dreht sie sich immer weg, die gesamte Ernte steht sie da, den Kopf an Vaters Brust gepresst, und hält sich die Ohren zu. Zitternd.
Aber ich will nicht länger an die Ernte denken. Daher zog ich mich an und ging zur Bäckerei. Ich hatte Glück: mein Vater war da. Er war gerade dabei Plätzchen zu verzieren. Ich trat ein fragte: „Darf ich helfen?“ Vater antworte: „Natürlich, komm her.“ Ich ging zu ihm und setzte mich neben ihn auf die Bank. Ich fragte: „Wo ist Mutter?“ Vater antwortete: "bei Marian Undersee“.
Ah, natürlich. Die beiden wurden Freundinnen in der Schule, nachdem Marian auch ihre Schwester verlor. Seitdem ich denken kann, geht meine Mutter zu Marian.
Marian hat auch eine Tochter, aber wir haben nichts miteinander zu tun. Sie ist sehr verschlossen und macht nur manchmal etwas mit Katniss Everdeen.
Mein Vater reißt mich aus meinen Gedanken: „Hier“ sagt er und reicht mir ein rundes, duftendes Plätzchen und ich beginne, es zu verzieren. Plätzchen für Plätzchen verzieren wir, schweigend. Ich verliere mich in den Bildern, die ich erschaffe, bis mein Vater sagt: „Wir müssen uns fertig machen“ Also gehen wir zu unserem Haus, ziehen uns unsere ‚gute‘ Erntekleidung an und gehen mit meiner Mutter, die zurück ist, und meinen Brüdern, Cabba und Ryen, zum Marktplatz.
Dort angekommen gehen Cabba und ich ins Areal, ich etwas weiter hinten, weil Cabba älter ist als ich, und meine Eltern und Ryen gehen an den Rand.
Auf einer Plattform vorne sitzt Bürgermeister Undersee, der Mann von Marian, der Freundin meiner Mutter. Daneben steht ein leerer Stuhl und daneben wiederum sitzt Effie Trinket, die Betreuerin von Distrikt 12. Sie trägt ein furchtbares grellgrünes Kostüm, dazu eine blassrosa Perücke. Wer erschaffft solche Farben? Wer findet solche Farben schön? Ich weiß es nicht.
Naja, jetzt war das auch egal, denn die Stadtuhr schlägt zwei. Ich spüre wie meine Händ schwitzig werden, als Bürgermeister Undersee die Geschichte von Panem vorliest. Eine auf Grauen beruhende, von Grauen durchzogene Geschichte. Eine Geschichte, wo ein Menschenleben nichts wert ist. Weder der Natur, noch den Menschen selbst. Wo alle Menschen zu Figuren, Spielbällen, werden, welche von überstarken Kräften hin und hergeworfen werden.
Danach liest er die kurze Liste der Sieger von Distrikt 12 vor. Nur einer lebt noch: Haymitch Abernathy, ein gebrochener Mann, der seinen Kummer in Alkohol ertränkt und soeben auf die Bühne gekommen ist, irgendetwas schreit und sich auf den leeren Stuhl fallen lässt.
Wir klatschen höflich, während er versucht Effie Trinket zu umarmen, was sie nur mit Mühe abwehren kann. Irgendwie ist es lustig. Ich muss mir ein seltsames, angstvolles Lächeln verkneifen.
Unser unglücklich aussehender Bürgermeister versucht daraufhin, die Aufmerksamkeit auf Effie zu fokussieren, indem er sie vorstellt.
Falsch fröhlich wie immer, trabt sie nach vorne, ihre Perücke ist verruscht. Sie plappert etwas über die Ehre, hier sein zu dürfen, obwohl es keine Ehre ist und sie Haymitch nicht ausstehen kann.
Schließlich geht sie zur Kugel mit den Mädchennamen. Mein Blick gleitet zu dem einzigen Mädchen, dass mir wirklich wichtig war. Doch es nicht ihr Name, den Effie verliest, es ist die andere Everdeen.
Primrose.
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