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Blick in eine Männerfreundschaft

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Asher Millstone Oliver Hampton
16.06.2022
16.06.2022
1
1.063
 
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Blick in eine Männerfreundschaft



Kurzbeschreibung:
Asher will mit dem Joggen anfangen und Oliver hilft ihm bei den ersten Trainingseinheiten. Doch es dauert nicht lange, bis der eigentliche Grund für seine Motivation zur Sprache kommt: Michaela. Und Asher lernt, dass gerade der stille, schüchterne Oliver wunderbar dafür geeignet ist, um mit ihm über Liebeskummer und Selbstzweifel zu reden.




AN: Diese kleine Kurzgeschichte ist aus reiner Verzweiflung heraus entstanden, als ich in meinem Urlaub ohne Internet dasaß und „How to get away with murder“ nicht weiterschauen konnte. Bis zum Ende der 3. Staffel war ich gekommen und genau dort ist die FF auch zeitlich einzuordnen. Als Michaela sich auf keine Beziehung mit Asher einlassen will, und zwischen Asher und Oliver die ersten Anzeichen einer Freundschaft zu erkennen sind.
Ich weiß, dass man Olli in der Serie die meiste Zeit vor dem PC sitzen sieht. Aber bei dem Body muss er einfach irgendeine Art von Sport treiben – soweit zumindest mein Headcanon ;)


*

„Komm‘ schon, Mann – die letzten zehn Sekunden. Nicht nachlassen!“ Oliver hielt den Blick auf seine Armbanduhr gerichtet, während er locker vor Asher her joggte. Rückwärts und mit einem so entspannten Lächeln auf dem Gesicht, als befände er sich auf einem Sonntagsspaziergang. Ein letzter Rest an Stolz ließ Asher die Zähne zusammenbeißen.
„Drei, Zwei, Eins – und das war’s! Gut gemacht.“ Mit diesem Lob fiel Oliver zurück ins Gehen und kam an Ashers Seite, der es ihm dankbar gleichtat. „Die dritten fünf Minuten. Jetzt wieder eine Weile normal laufen und dann weiter.“
„Ja, ja, ja – jetzt reib‘ mir doch nicht dauernd deinen Trainingsplan unter die Nase!“, beschwerte sich Asher und merkte selbst, wie kindisch er sich dabei anhörte. „Du brauchst mir keinen Mut zu machen. Es ist absolut sinnlos. Ich mache mich total zum Affen. Und dich gleich mit dazu!“ Das meinte er ernst. Ohne ihn – den schwitzenden, übergewichtigen Trampel – hätte Oliver hier in seinem schwarzen Sport-Outfit eine richtig gute Figur abgegeben. Keiner hätte auf die Brille geachtet. Die Frauen hätten ihm bewundernd hinterhergeschaut, nicht konsterniert. Und Asher hätte seinem Freund diesen stillen Triumph gerne gegönnt.
„Unsinn. Heute sind doch kaum Leute unterwegs.“ Natürlich war Oliver die Bitterkeit in seiner Stimme nicht entgangen. Und er hatte Recht. Asher sollte dankbar sein. Der Fairmount Park war wirklich nicht so überlaufen wie sonst. Sie hatten sich das richtige Wetter ausgesucht: Der Himmel war bedeckt, auf den Kieswegen glänzten große Pfützen und die Luft roch immer noch nach Regen. Die satten Grünflächen waren eine Wohltat für Augen und Seele. Doch Asher konnte es nicht genießen.
„Verdammtes Seitenstechen!“, mit schmerzverzerrtem Gesicht presste er sich die Hand an den Bauch.
„Du atmest ja auch viel zu hektisch. Gleichmäßig Luft holen, darum geht es. Und immer im Rhythmus bleiben. Je langsamer, desto besser.“
„Du musst es ja wissen, Alter!“, keuchte Asher. Oliver seufzte nur und schüttelte lächelnd den Kopf.

„Wieso tust du dir den ganzen Stress überhaupt an?“, fragte er. „Ich meine, ich finde es ja gut, dass du dich mehr bewegen willst, aber: Warum? Michaela hat dich doch schon nackt gesehen. Sie hat doch schon längst mit dir geschlafen. Wozu sich noch extra für sie verbiegen wollen?“ Er war ehrlich interessiert. Trotzdem wurde Asher ungeduldig.
„Weil sie eben nur mit mir vögelt. Dafür bin ich ihr gut genug. Aber mehr will sie nicht. Das hat sie ganz klar gesagt. Eine Beziehung mit mir will sie nicht!“ Jetzt war es ihm herausgerutscht. Jetzt hatte er indirekt zugegeben, sich in Michaela verliebt zu haben. Und Oliver verstand. Alles. Denn er sagte nichts, sondern ging nur schweigend weiter und starrte bedrückt auf seine Turnschuhe.
„Ich meine: Woran soll es denn sonst liegen?“, schob Asher frustriert hinterher. Oliver deutete ein Schulterzucken an. „An deiner vulgären Art?“
Asher warf ihm einen bitterbösen Blick zu. „Die Frage war rhetorisch gemeint, Mann!“
„Oh, sorry.“
Grob packte Asher ihn am Oberarm und zwang ihn so dazu stehenzubleiben und ihn anzusehen.

„Sei ehrlich, Olli. Würdest du es tun?“, wollte er wissen und wies in übertriebener Geste auf seinen Körper. „Würdest du damit jemals freiwillig schlafen?“
„Na klar!“ Ein Lächeln zupfte an Olivers Mundwinkel. Seine Antwort kam ohne Zögern und ohne die geringsten Zweifel. Asher schämte sich dafür, dass ihm auf einmal die Kehle eng wurde. Er musste schlucken.
„Echt jetzt?“
„Natürlich.“ Das Grinsen wurde breiter; bis es von einem Ohr zum anderen reichte, die verdächtig rot angelaufen waren. „Stelle ich mir total gemütlich vor: Mich mit dir im tiefsten Winter in einer Daunendecke zu vergraben. Du bist nur eben nicht schwul. Und ein paar deiner Charakterzüge …“, hier geriet er ins Stocken. Asher konnte regelrecht dabei zusehen, wie er innerlich in sich zusammenschrumpfte. Er zog den Kopf zwischen die Schultern, versteckte die Hände in den Jackentaschen. Sein Körper schien ihm mit einem Mal viel zu groß. Trotzdem schaffte er es, den Blickkontakt nicht abbrechen zu lassen. „… das ist einfach nicht so meins. Damit komme ich nicht gut klar. Anfangs hast du mich unglaublich verunsichert.“
„Du hattest Angst vor mir?“, unterbrach Asher ihn erschrocken.
„Anfangs“, beeilte Oliver sich zu erklären. „Ich hab dich nicht gekannt. Ich konnte dich nicht einschätzen. Inzwischen ist das anders. Ehrlich. Als Kumpel bist du super! Nur – ich könnte mich, glaube ich, nie in dich verlieben. … Tut mir Leid.“

„Muss dir nicht leid tun“, Asher zuckte ungerührt mit den Schultern. „Von dir will ich ja auch nichts. Was nicht heißt, dass ich dich nicht mag. Ich will Michaela!“ Ein Stich blieb bei der Nennung ihres Namens nicht aus. Dafür wurde er diesmal nicht von der üblichen Frustration eingeholt. Denn Oliver streckte rechtzeitig den Arm aus und zog ihn fest an seine Seite.
„Ich werde noch mal versuchen mit ihr zu reden“, versprach er. „Vergiss nicht, sie ist auch meine Freundin. Und wir wissen beide, wie launisch sie sein kann. Sie wird vielleicht einfach noch mehr Zeit brauchen, um sich darüber klar zu werden, was sie will – hm?“ Das machte Asher tatsächlich neuen Mut. Auch wenn er noch nicht recht begriff, wie Oliver das immer fertigbrachte.
„Du bist viel zu gut für diese Welt, Olli. Weißt du das eigentlich?“, seufzte er.
„Ich erinnere dich in fünf Minuten noch mal dran“, kam die feixende Antwort, gepaart mit einem freundlichen Schulterklopfen. „Und jetzt weiter. Und das Atmen nicht vergessen!“ Damit setzte er sich wieder in Bewegung. Höher aufgerichtet diesmal, die Schritte federnder als vorher. Er freute sich unbändig über das Kompliment. Um das zu erkennen, reichte selbst Ashers Einfühlungsvermögen.



ENDE
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