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Fremdgesteuert

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Cato Clove
16.06.2022
16.06.2022
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16.06.2022 672
 
a/n: um 23:57 an einem mittwochabend löst ausgerechnet dieser kleine text meine vorübergehende schreibfaulheit. clove ist mal wieder platzhalter für meine late night thoughts, was auch sonst? viel spaß, falls das einer liest lol.


Fremdgesteuert


Sie ist allein mit ihren Gedanken, nachts, wenn keine Stimme laut genug ist, die in ihrem Kopf zu übertönen. Es sind diese Momente, in denen Clove beginnt, an ihrem Verstand zu zweifeln.
Denk an etwas Schönes, ermahnt sie sich immer wieder, aber alles Gute, was ihr einfallen will, liegt entweder in der Vergangenheit oder noch weit vor ihr.
Blutige Tränen rinnen über ihre Wangen, Klagelaute werden von dem harten Kissen erstickt. Trauer ist eine Schwäche, die sie sich nicht leisten kann, in ihrer Position nicht erlauben darf. Zitternd liegt sie da, beobachtet die flimmernden Lichter an der ewig grauen Zimmerdecke, die nur für ihre Augen bestimmt sind, und kann nur hoffen, dass keines der Mädchen in ihrem Schlafsaal es ihr gleich tut.
Clove hat keine Angst vor dem Tod, denn es fühlt sich an, als hätte er sie bereits ereilt. So muss es sich anfühlen, denkt sie, während ihr Herzschlag das einzige Lebenszeichen ist, das ihren Verstand an die Gegenwart kettet.
Sie hat ihren Schlaf verloren, noch bevor die letzte Lebensfreude ihrem Körper entwichen ist.
Es ist nicht ihr eigenes Ziel, das sie verfolgt, fühlt sich nicht an wie ihr eigener Körper, in dem sie verweilt.
Mit den Fingerspitzen streicht sie über die hölzerne Bettkante, ihre Beine tragen sie aus dem Schlafsaal, instinktiv, noch bevor sie weiß, wohin ihre Reise führt.
Er hat ihr den Rücken gekehrt, lehnt lässig gegen die einsame Küchenzeile. Die Gewissheit, dass sie sich die Finger verbrennen wird, genügt, um sie wach zu halten. Dort zu halten, in dem sonst so leeren Raum, mit ihm.
„Kannst du nicht schlafen?“ Die Frage ist so überflüssig wie der Abstand zwischen ihnen, und sie erwartet keine Antwort. Ihre Erwartungen werden nicht enttäuscht.
Er hebt nicht einmal den Blick, als sie sich neben ihn stellt, aus dem Fenster in das dunkle Nichts blickt, das seine Aufmerksamkeit so erregt hat. Die Sterne scheinen nicht für sie. Niemals für sie.
Ihr ausgehöhltes Herz macht einen Satz, als er die Stille bricht.
„Hast du dir das gut überlegt?“, fragt er, und Clove hätte beherzt aufgelacht, wenn die kalte Leere in ihr nicht so einnehmend wäre. Als wäre es jemals ihre Wahl, ihr Ziel, ihre Entscheidung gewesen.
Die Wahrheit ist, dass sie abgelehnt hätte, wenn jemand sie gefragt hätte. Vor all den Jahren, vor dem Beginn ihres Untergangs. Doch niemanden interessiert, was sie denkt. Niemanden, bis auf ihn.
„Und hast du es dir gut überlegt?“, stellt sie die Gegenfrage. Der gequälte Ausdruck seiner Augen trifft sie tiefer, als sie geglaubt hatte, fühlen zu können.
„Ich werde alles tun, was nötig ist“, sagt er, ohne den Blick von ihr zu lösen.
„Mich töten?“ Die Frage verlässt ihre Lippen, bevor sie darüber nachdenken kann, ob sie sie stellen will. Ob sie bereit ist für die Antwort, die er ihr geben muss. Es steht zwischen ihnen, stand in den letzten Wochen unausgesprochen zwischen ihnen, wie eine Wand aus Feuer.
„Du könntest dich weigern“, schlägt er leiser vor, sein Blick verliert sich wieder in dem dunklen Nichts.
Sie weiß, dass sie das nicht tun kann. Er weiß, dass sie das nicht tun wird.
Der Funken, der übergesprungen ist, erlischt, erstirbt in dem unendlichen Nichts ihres Daseins.
Seine Berührung ist sanft, er fängt die Träne auf, ehe sie der Spur über ihre Wange folgen kann. Ein federleichter Kuss auf ihre feuchte Stirn und sie greift nach seiner warmen Hand, die ihr kaltes Herz wärmen soll.
Wenn nichts im Leben eine Bedeutung hat, ist dann jede Sekunde unendlich wertvoll oder vollkommen wertlos?
„Gute Nacht, Clove.“
„Gute Nacht, Cato.“
Doch sie verlassen niemals den Raum, sehen Hand in Hand dabei zu, wie das dunkle Himmelszelt sich langsam hellrosa färbt. Sie warten auf das Ende des Anfangs, den Anfang vom Ende, und als der Morgen einbricht, sind es ihre Namen, die über den Marktplatz gerufen werden.
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