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Die Geheimnisse des Majo-Viertels // magisch – mystisch - zauberhaft

von LoriiFee
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Atemu Bakura - König der Grabräuber Isis / Ishizu Ishtar Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Mokuba Kaiba Seto Kaiba
14.06.2022
22.09.2022
6
22.570
6
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
22.09.2022 3.265
 
Hallo an alle die hier mitlesen! :-D
Ich bin wieder aus meiner Versenkung gekrochen! :-D
Hab eine etwas stressige Phase hinter mir und zwischenzeitlich auch einfach kaum Lust zu schreiben... :-O
Aber hier bin ich wieder und bringe das nächste Kapitel mit!
Ich hoffe es gefällt! :-D
Alles Liebe
Lorii



Klirrend drehten sich die Schlüssel im Türschloss, als Joey die Tür zu seiner Wohnung aufschloss. Sogleich schlug ihm der Duft nach Curry und gekochtem Reis entgegen.
„Hey Kleines!“, rief er laut, um seine Ankunft kundzutun.
„Du kommst spät!“, ertönte die fröhliche Stimme seiner kleinen Schwester Serenity, bevor sie auch schon den Kopf aus der Küche streckte und ihm verschmitzt zulächelte.
„Das Essen ist gleich fertig! Es gibt dein Lieblingscurry!“
„Mhmmm!! Trifft sich gut, ich sterbe vor Hunger!“, verkündete der Blonde feierlich.
„Du stirbst immer vor Hunger!“, schmunzelte Serenity, während sie sich wieder dem Herd zuwandte.

Joey lehnte sich in den Türrahmen zur Küche und sah seiner kleinen Schwester bei den letzten Handgriffen zu, bevor sie das heutige Abendessen auf den Tisch stellte.
Sie war in den letzten Monaten neben der Schule zur perfekten kleinen Hausfrau mutiert, um Joey zu entlasten.
Es tat ihm weh, dass ihr sorgloses Leben ebenfalls schon so früh geendet hatte und er hätte sich für sie gewünscht, dass sie ihre Teenager-Zeit wesentlich unbekümmerter verbringen konnte, ganz so, wie ihre Freundinnen.
Aber es war leider nicht zu ändern.
Und immerhin waren sie zusammen.
„Was hat dich aufgehalten?“, fragte Serenity zwischen zwei Bissen und riss ihren Bruder somit aus seinen schwerfälligen Gedanken.
„Ich hab dir wieder Nachschub besorgt.“, entgegnete Joey, während er das Fläschchen mit Serenitys Medizin auf den Tisch stellte.
„Ah! Sehr gut!“, entgegnete sie erfreut, „Das letzte Fläschchen war schon fast leer!“

„Was für ein Glück, dass du Yami kennengelernt hast, was? Ich würde ihn auch gerne mal treffen, er scheint sehr nett zu sein!“, führte Serenity ihr Gespräch fort.
Joey schluckte den überdimensionierten Bissen in seinem Mund herunter, bevor er sich bedächtig den Mund abwischte.
„Sein Viertel ist ein wenig zwielichtig, weißt du… Und er hat ziemlich viel zu tun und kommt somit kaum raus. Aber irgendwann ergibt es sich bestimmt mal, okay?“, wiegelte der Blonde ab.
Serenity fixierte ihn für einige Sekunden mit einem undefinierbaren Blick, bevor sie schlussendlich vage lächelte.
„Ist gut, Joey!“
Ein wenig zerknirscht machte sich der Blonde über den Rest seines Currys her.
Selbstverständlich gefiel es ihm nicht seiner kleinen Schwester gegenüber nicht zu 100% aufrichtig zu sein, aber in seinen Augen hatte er mehr als nur gute Gründe dafür.

Unruhig tigerte Joey vor einem kleinen Café auf und ab. Die Kapuze seines schwarzen Hoodies hatte er tief in sein Gesicht gezogen und seine Hände steckten in der Tasche vor seinem Bauch und umklammerten unerbittlich den Griff seines Butterflymessers.
Bestimmt schritt er hier schon seit einer halben Stunde auf und ab und versuchte sich Mut zu machen für das, was er heute noch vorhatte.
Wieder kam ihm der Arzttermin von vor einer Woche in den Sinn, zu dem er seine Schwester begleitet hatte.
"Sie werden in Kürze erblinden!", hatte ihnen der Weißkittel nüchtern mitgeteilt und damit dafür gesorgt, dass das Leben der Geschwister in einem Sekundenbruchteil erbebte, wie bei einem Erdbeben der Stärke 6 auf der Richterskala.
Vollkommen bewegungsunfähig hatte er auf dem harten, kalten Plastikstuhl gesessen und dem Arzt entgegengestammelt, ob es nicht doch etwas gäbe, was sie noch tun konnten.
Als der Mediziner schließlich von einer Therapie zu sprechen begann, schöpfte er kurz neue Hoffnung, nur um nach der Nennung der Kosten erneut in einen tiefen Abgrund zu stürzen.
So viel Geld hatte er nicht!!!
Gebauer gesagt hatte er gar nichts!
So schnell es ihm irgendwie möglich war, war er von Zuhause abgehauen, um seinem alkoholkranken Vater nicht länger als Punchingball zu dienen und hatte sich etwas Eigenes gesucht.
Die Schule hatte er neben seinen Jobs mit Ach und Krach geschafft und danach hatte er es sogar irgendwie bewerkstelligt einen Studienplatz zu ergattern.
Nebenbei nahm er jeden erdenklichen Job an, um sein Leben irgendwie zu finanzieren.
Und doch hätte er nicht zufriedener sein können, denn er wusste, seine harte Arbeit würde sich irgendwann auszahlen und spätestens nach seinem Studienabschluss würde er sich einen besser bezahlten Job suchen können und dann würde alles leichter werden.

Zwischenzeitlich war allerdings seine noch minderjährige Schwester zu ihm gezogen, da sie es in der Gegenwart des neuen Mannes ihrer Mutter nicht mehr aushielt.
Ständig suchte dieser Mann ihre Nähe, natürlich unter harmlosen Vorwänden, was Serenity mehr als nur unangenehm war.
Schlussendlich hatte sie sich ihrem Bruder anvertraut, der daraufhin ihre Mutter so lange bearbeitet hatte, bis sie Serenity erlaubte bei Joey zu wohnen, solange sie sich regelmäßig meldete.
Das machte seine finanzielle Situation nicht besser.
Für die Sicherheit seiner Schwester nahm er allerdings so gut wie alles in Kauf und so hatten sie sich zu einem gut eingespielten Team entwickelt, bis Serenitys Augen immer schlechter geworden waren.
Sie brauchten ganz dringend Geld für diese beschissene Therapie!

Abermals stierte Joey über die Straße und durch die Auslage, wo er den alten Inhaber des Cafés dabei beobachtete, wie er ein paar Geldscheine in die altmodische Kasse legte.
"Jetzt komm schon, du Feigling!", schimpfte er sich selbst, bevor er die Schultern straffte und die Straße überquerte.
Das Adrenalin schoss durch seinen Körper, beschleunigte seine Atmung und sorgte dafür dass sein Puls anstieg.
"Lass es lieber bleiben, sonst tust du dir noch weh!", ertönte plötzlich eine gelangweilte Stimme nahe des Baumes, der neben dem Eingang stand.
Eine Silhouette löste sich aus dem Schatten und ein weißhaariger, junger Mann kam lässig auf Joey zugeschritten.
Vollkommen vor den Kopf gestoßen starrte Joey auf sein Gegenüber.
„Was?“, stotterte er verwirrt.
„Dein Vorhaben! Lass es bleiben! Es geht ohnehin in die Hose und bei den wenigen Kröten in der Kasse zahlt es sich überhaupt nicht aus!“, erwiderte der Fremde gelangweilt.
Joey verengte die Augen.
„Ich weiß nicht wovon du sprichst und jetzt mach dich vom Acker!“, presste er hervor.
„Bist du tatsächlich so blöd wie du aussiehst?“, spottete der Weißhaarige.
Zornesröte stieg in Joeys Wangen, die man aufgrund der Dämmerung und der Kapuze ohnehin nicht sehen konnte.
"Verpiss dich einfach, du Freak! Du hast ja keine Ahnung!", knurrte der Blonde.
„Au contraire, mon ami! Ich weiß so einiges! Und ich weiß auch, dass du für einen Überfall nicht der Typ bist! Dir fehlt einfach dieser Killerinstinkt, den man dazu braucht!", stichelte der Fremde weiter.
Wütend biss Joey sich auf die Unterlippe.
Er machte ein paar rasche Schritte auf sein Gegenüber zu, ließ das Messer, welches immer noch in seiner rechten Hand lag hervorschnellen und hielt es dem Weißhaarigen an die Kehle.
„Ach ja?“, flüsterte er mit blitzenden Augen, „Für meine Schwester bin ich bereit weit zu gehen… sehr weit!“, zischte er grimmig und in der Hoffnung, dass sein Auftreten mächtig Eindruck schindete.
Langsam näherte er sich dem Gesicht des Fremden, während er angestrengt versuchte nicht zu blinzeln.
In Actionfilmen erzielte diese Geste immer eine bestimmte Wirkung und er hoffte, dass es sich nun bei ihm genauso verhielt.
„Jetzt bist du wohl nicht mehr so mutig! Verpiss dich jetzt endlich, bevor ich dir die Kehle aufschlitze!“, wisperte er mit bemüht kalter Stimme, wobei er seine verräterisch zitternden Finger verfluchte.
Der Weißhaarige rührte sich nicht vom Fleck, wirkte aber zu Joeys Ärger nicht ein bisschen eingeschüchtert oder ängstlich.
"Der Pudel macht einen auf Pitbull Terrier, herzallerliebst! Wieso glaubst du das machen zu müssen?", fragte er stattdessen ruhig, "Was ist mit deiner Schwester?"
Joey umklammerte den Griff seines Messers ein wenig fester.
"Sie wird erblinden, wenn ich das Geld für eine Therapie nicht aufbringen kann. Und das werde ich nicht zulassen!", erklärte der Blonde energisch und schluckte den Kloß an unangenehmen Gefühlen, die sich an die Oberfläche kämpfen wollten, entschlossen hinunter.

Plötzlich hob der Weißhaarige seinen Blick.
Ein gewaltiger Schmerz durchfuhr Joey und er ließ das Messer fallen, damit er sich die Hände seitlich an den Kopf pressen konnte.
Da war so viel Schmerz in seinem Kopf. Und so viele Bilder. Grausame Bilder. Und Schatten. Deformierte Körper, die doch so wirkten wie sonst auch und gleichzeitig furchtbar entstellt waren.
Gefühle, die ihn erschraken und bestürzten, die dafür sorgten, dass sich sein Innerstes nach außen stülpte und ihm den Eindruck vermittelten nun genau zu wissen, was man unter Grauen und Entsetzen verstand.
Und so plötzlich wie es gekommen war, war es auch wieder weg.
Immer noch keuchend kniete Joey auf dem Gehweg.
Sein ungebetener Gesprächspartner war verschwunden.
Aber immer noch konnte er dessen Stimme in seinem Kopf hören.
"Der Weg den du beschreitest wird dir nichts als Leid und Schmerz bringen! Ich gebe mich zwar normalerweise nicht mit Pfeifen wie dir ab, aber zufällig kenne ich jemanden der das tut und der dir womöglich auch noch helfen kann!"
Und in Joeys Kopf manifestierten sich weitere Bilder.
Eine smaragdgrüne Straßenbahn einer Linie die er nicht kannte... die 13 wenn er das recht deutete... ein schmutziges, schäbiges Viertel... eine schmale Holztür mit einem komischen Zeichen darauf... Sträucher, Blumen, Bäume und Kräuter... eine zierliche Gestalt, deren Kleidung im lauen Wind leicht wogte... amethystfarbene Augen...
Keuchend stand Joey auf.
Seine Beine fühlten sich an, als wären sie mit Wackelpudding gefüllt und sein Kopf schmerzte.
Mit einem letzten Blick auf die Auslage des Cafés verwarf er sein heutiges Vorhaben und trottete erschöpft nach Hause, wo er wie ein Stein ins Bett fiel.

Am nächsten Tag wachte er wie gerädert auf. Die ganze Nacht hatten ihn wirre Träume heimgesucht. Szenen aus längst vergangenen Tagen, damals, als seine Familie noch heil und sie alle glücklich waren.
Dann veränderte sich die Szenerie und die schönen Bilder wichen düstereren und verworreneren.
Und immer wieder mischte sich diese seltsame Straßenbahn und die eigenartige Holztür in seine Gedanken.

Am Nachmittag hielt ihn dann schließlich nichts mehr in seiner Wohnung und er versuchte dieser merkwürdigen Sache auf den Grund zu gehen.
Und kurze Zeit später stand er tatsächlich vor der schmalen Holztür.
Nachdem er sich dazu überwinden konnte einzutreten, durchquerte er den abgefahrensten Garten, den er je gesehen hatte.
Nachdem er schon eine Weile umhergestreunt war und sich vor lauter Umsehen fast den Hals verrenkt hatte, wurde er schließlich unvermittelt angesprochen: „Wer bist du und was machst du hier?“

Joey wirbelte herum und sah sich einem jungen Mann mit sternförmiger Frisur gegenüber.
„Äh… keine Ahnung, ehrlich gesagt!“, gab er zu, „So ein weißhaariger Typ hat mich hergeschickt!"
Erkenntnis blitzte in den amethystfarbenen Augen des Fremden auf, bevor er grübelnd die Augenbrauen zusammenzog.
"Du bist verzweifelt!"
Es war keine Frage, sondern eine Aussage.
"Ja.", bestätigte Joey ohne Umschweife.
Unbehaglich trat der Blonde von einem Fuß auf den anderen, da seine Beine soeben unangenehm zu kribbeln begonnen hatten.
"Es geht dir dabei nicht um dich selbst.", fuhr der Bunthaarige fort, wobei er abermals keine Frage gestellt hatte.
"Nein.", bestätigte Joey erneut, "Es geht um meine Schwester. Sie wird erblinden, wenn ich nicht einen Haufen Geld für eine teure Therapie auftreibe."
Der Fremde schwieg für eine kurze Zeit, bevor er seinen Blick abwandte und in die Ferne richtete.
"Tut mir leid, aber mit Geld kann ich leider nicht dienen.“, erklärte er bedauernd.
Diese Aussage überraschte Joey nicht.
Keine Ahnung was er sich von dieser hirnrissigen Aktion erwartet hatte, aber bestimmt nicht, dass ihm ein mildtätiger Unbekannter einen ganzen Batzen Geld schenkte.
"Aber ich kenne womöglich einen anderen Weg um ihr zu helfen.", sprach der kleine Fremde schließlich unvermittelt weiter und sorgte so dafür, dass sich Joeys Aufmerksamkeit unverzüglich wieder auf ihn richtete.
"Welchen?", japste der Blonde atemlos.
"Magie.", entgegnete der Bunthaarige schlicht.
Eine ganze Weile starrte Joey dem Anderen daraufhin ins Gesicht und suchte nach einem Anzeichen von unangebrachter Belustigung und Amüsement.
"Aha... Schon klar!“, verbittert verzog er das Gesicht, „Ich seh vielleicht so aus, aber ich bin kein Trottel. Sag dem gruseligen Freak, dass er mich schön drangekriegt hat. Ich hoffe ihr habt euch gut auf meine Kosten amüsiert. Sayonara, ihr Spinner!"
Und mit diesen Worten stapfte Joey rauchend vor Zorn davon.
Nach einigen Minuten Fußmarsch, ihm war nicht bewusst, dass er auf dem Hinweg so lange gebraucht hatte, hielt er plötzlich auf eine kleine Gestalt zu.
Als er näherkam erkannte er, dass es sich wieder um den kleinen Bunthaarigen von vorhin handelte.
"Wie hast du mich überholt?", fragte er völlig perplex.
"Das habe ich nicht, du läufst lediglich im Kreis!", entgegnete jener gelassen.
Irritiert lief Joey weiter und erhöhte dabei sein Tempo.
Nach einigen Minuten, als der Bunthaarige das zweite Mal an seinem Horizont auftauchte, gerieten seine Schritte ins Stocken.
"Wie machst du das? Ich bin die ganze Zeit in dieselbe Richtung gelaufen!", fragte Joey entgeistert und vergaß über seine Verblüffung tatsächlich seinen Ärger.
Ein mildes Lächeln huschte über das Gesicht des kleinen Bunthaarigen.
"Das hier ist meine Welt und ich bestimme die Regeln."

Eine ganze Weile und ein mehr als eigenartiges Gespräch später war Joey gewillt Yami, so hieß der bunthaarige Fremde nämlich, zu glauben.
Zumindest wünschte er es sich, mehr als alles andere auf der Welt.
Auf Yamis Frage "Was bist du bereit für meine Hilfe zu tun?" wusste er somit nur eine einzige Antwort, die er dem Anderen auch ohne Umschweife kundtat.
"Alles."

Zu Beginn war er sich nicht sicher, wie er Yami einschätzen sollte.
Und auch die Vereinbarung, die er für den Erhalt von Serenitys Medizin eingehen musste, bereitete ihm anfangs Bauchschmerzen.
Doch mit der Zeit hatte er Yami und dessen einzigartige Fähigkeiten zu schätzen gelernt und sah ihn längst als seinen Freund an, auch wenn ihm vollkommen klar war, dass der kleine Bunthaarige ihm gegenüber nicht mit offenen Karten spielte.


*-*-*-*

Unbewusst leckte Seto sich über die Lippen.
Noch immer glaubte er den süßen Honiggeschmack von Yamis Lippen auf den seinen wahrzunehmen. Vermutlich bildete er es sich aber auch ein, immerhin war es schon einige Stunden her.
Obwohl er mittlerweile genug Zeit hatte, um darüber nachzudenken, wusste er immer noch nicht, welcher Teufel ihn geritten hatte, den kleinen Bunthaarigen einfach so zu küssen, als dieser mehr oder weniger hilflos in seinen Armen hing.
Es war ein eher kurzer Kuss gewesen. Zart und unschuldig.
Und doch konnte er nicht leugnen, dass sein Herz kurzzeitig vor Aufregung zu Flattern begonnen hatte.
Als er ihn schlussendlich beendete, wurde ihm das erste Mal so richtig bewusst, dass es danach ja irgendwie weitergehen musste.
Yami wirkte die ganze Zeit wie erstarrt, aber nun käme er nicht drum herum zu reagieren.
Doch was wären die möglichen Szenarien?

Dieser Kuss könnte offenlegen, dass sie einander auf sexueller Ebene nicht abgeneigt waren und könnte sie auf eben jener weiterführen.
Andererseits könnte Yami die Sache aber auch als ungewollten Übergriff empfinden und mit Verärgerung reagieren.
Oder...

Er könnte ihn auch mit großen Glubschaugen und etwas belämmertem Gesichtsausdruck anstarren. Was er hiermit auch tat.
Seto beschloss vorerst nichts zu tun, sondern Yamis ersten Schachzug abzuwarten.
"Ähm..", Yami räusperte sich, brachte Abstand zwischen sie beide und strich sein Hemd glatt.
Er mied Setos Blick.
"Danke...", sagte er leise, "Also fürs Auffangen!", setzte er hastig nach.
Er schritt zum Tisch und begann mit fahrigen Bewegungen das benutzte Geschirr zu verrücken.
Übersprungshandlung!, schoss es Seto durch den Kopf.
So etwas beobachtete er häufig, wenn er Geschäftspartner in die Mangel nahm.
Sie putzten ihre Brillen, kratzten sich oder kauten auf ihren Nägeln.
Das würde dafür sprechen, dass Yami nervös war.
Dann schien ihm plötzlich etwas eingefallen zu sein, woraufhin er hastig den Tisch verließ und in die andere Richtung schritt... nur um gegen den Eimer, der nach wie vor auf dem Boden stand, zu stoßen und ins Trudeln zu geraten.
Blitzschnell schnellte Setos Arm nach vorne und umschloss Yamis Handgelenk, um einen drohenden Sturz abzufangen.
Er stellte ihn wieder aufrecht hin und beschloss diesem jämmerlichen Schauspiel ein Ende zu bereiten.

"Okay... Wenn du mit dieser Sache ein Problem hast, kannst du es auch einfach sagen! Mach da jetzt kein Riesending draus.", begann er recht ruppig.
Kurz blickte ihm Yami in die Augen, bevor er den Blick wieder abwandte.
"Ich hab damit kein Problem... Es ist nur...", er blickte überall hin, nur nicht zu Seto, "... Das war... Ich meine ich hab..."
"Mein Gott, jetzt stell dich nicht so an. Du tust ja so, als wäre das dein erster Kuss gewesen."
Kurz traf ihn Yamis Blick bevor jener wieder in die Ferne blickte.
"Also eigentlich... Ist das auch so...", er rieb sich verlegen über den linken Unterarm.


Seto blickte aus der Glasfront seines Büros auf die Stadt hinab.
Yami schien nach seinem überraschenden Vorstoß nicht wütend zu sein.
Es schien also, dass er seine Rechts- und PR-Abteilung wegen dieser… Sache… nicht bemühen musste.
Der CEO atmete tief durch.
Er würde lügen, wenn er darüber nicht erleichtert wäre. Diese… Angelegenheit… hätte ansonsten sehr schnell sehr peinlich und unangenehm für ihn werden können.
Aber er schätzte Yami nicht so ein, dass er versuchen würde, einen finanziellen Vorteil aus diesem… Zwischenfall… zu ziehen.

Nach Yamis Offenbarung hatte er seine liebe Mühe, dass ihm der Mund nicht aufgeklappt war.
Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet.
Yami schien ein wenig jünger zu sein als er selbst, aber volljährig war er bestimmt schon längst. Er hatte ein hübsches Gesicht und schöne, funkelnde Augen.
Und obwohl er sich kleidete wie ein Hobbit aus Mittelerde, war er auf seine Art... irgendwie war er ganz niedlich... ja, doch, das konnte man schon so stehenlassen...
Dass sich bisher noch keiner, egal ob Mann oder Frau für ihn interessiert hatte, schien Seto unglaubwürdig.
Aber warum hätte er lügen sollen?
Für gewöhnlich spielten die Menschen mehr Erfahrung vor als sie hatten und nicht weniger.
Abgesehen davon würde das seine alberne Nervosität und Aufregung bei einer doch so simplen Sache erklären.

Er dachte an den Moment zwischen ihnen beiden zurück.
Yami hatte eine Gänsehaut gehabt. Am Hals und an den Unterarmen hatte sich bei ihm in jenem Moment eine Gänsehaut gebildet.
Entweder war ihm kalt gewesen…
Schwachsinn!!
Abgesehen davon gab es noch weitere Empfindungen, die eine Gänsehaut auslösen konnten.
Unter anderem Erregung… oder Angst…
Ungehalten schüttelte Seto den Kopf, um diese Grübeleien zu unterbinden.
Sie führten ohnehin zu nichts!
Entnervt klappte er seinen Laptop zu, um den heutigen Arbeitstag zu beenden und nach Hause zu gehen.

*-*-*-*

Einatmen… Ausatmen… Einatmen… Ausatmen…
Im Schneidersitz und mit geschlossenen Augen saß Mokuba in seinem Zimmer und fokussierte sich auf seine Atmung, so wie es ihm gezeigt wurde.
Er atmete tief in seinen Bauch, bis er spürte, dass sich der Bereich um seinen Nabel merkbar abhob.
Und jetzt meine gesamte Energie auf einen Punkt konzentrieren…, führte er gedanklich weiter aus, während er sich seine Energie als kleine gleißende Funken vorstellte, die in seinem Kopf umherwirbelten.
Kurz bevor er das Gefühl hatte, den rotierenden Funkenstrudel unter Kontrolle bringen zu können, begann sehr zu seinem Ärger seine linke Augenbraue zu zucken und störte seine Konzentration.
Der Teenager öffnete die Augen und atmete resigniert durch.
So ganz wollte es noch nicht klappen, aber er fand trotzdem, dass er immer besser wurde.
Zumindest bilde ich es mir ein!, dachte er und grinste schief.
Nachdem er aufgestanden war, kramte er sein Mathebuch aus seinem Rucksack und setzte sich an seine verbliebenen Hausaufgaben
Bevor Seto deshalb wieder rumstresst!

Fortsetzung folgt…


PS: Die Szene in der Yami Joey fragt, was er bereit ist für seine Hilfe zu tun wurde SEEEHR STARK von einer anderen Szene inspiriert. Wer hat sie erkannt? ;-)
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