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Der Betriebsausflug

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P12 / Het
Bibi Blocksberg Dr. Eichhorn
14.06.2022
27.08.2022
12
19.300
4
Alle Kapitel
31 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
14.06.2022 1.562
 
Hallo,

eigentlich arbeite ich gerade an einer anderen Geschichte, bei der ich aber nicht so richtig voran komme. Doch bei einem Ausflug mit meiner Familie kam mir gestern spontan diese Idee. Viel Spaß mit dem ersten Kapitel!
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"Nun komm schon. Hab dich nicht so!" fordert Bibi Robert lachend auf, während sie zu ihrem Chef herunter sieht. "Wer ist eigentlich auf die blöde Idee gekommen den Betriebsausflug in einem Hochseilgarten zu machen?" fragt Robert, der noch immer am Boden steht und skeptisch zu seiner jungen Kollegin auf sieht. "Du hast mich beauftragt, mir etwas zu überlegen, dass wir alle machen können. Melanie und Trude waren sofort begeistert und du hast auch zugestimmt. Kann ja keiner ahnen, dass du so ein Angsthase bist." rechtfertigt Bibi sich.

Da hat sie Recht. Als Robert Bibi vor einiger Zeit den Auftrag gegeben hat sich etwas geeignetes für den gemeinsamen Betriebsausflug der Mitarbeiter der Praxis 'Doktor Eichhorn und Co.' auszudenken, hat Bibi sich wirklich den Kopf zerbrochen, was sie machen könnten. Trude, die Sprechstundenhilfe der Praxis, ist zwar mit ihren 57 Jahren noch rüstig und fit, hat aber Angst vor allem, was mit Wasser zu tun hat. Melanie, die Tierarzthelferin, verabscheut hingegen alles, was mit Enge oder Dunkelheit zu tun hat. Mit Tieren sollte es auch nichts sein, denn sie wollen den Tag ja Mal mit etwas ganz anderen verbringen als dem, was sie sonst so tun. Das hat die Auswahl natürlich ziemlich eingeschränkt. Aber dann ist Bibi die Idee mit dem neuen Hochseilgarten gekommen, der vor ein paar Monaten in der Nähe von Rotenbrunn eröffnet hat. Es schien perfekt zu sein. Platz, Licht und Weite für Melanie, von Wasser keine Spur und Robert hatte lediglich angegeben, sich beim Ausflug nicht langweilen zu wollen. Nun, langweilig scheint dem Chef der Gruppe nun nicht gerade zu sein, wie er da sehr langsam und sehr vorsichtig die Leiter zur ersten Plattform erklimmt.

"Siehst du, ist doch ganz hübsch hier oben." stellt Bibi fest, als Robert endlich neben ihr steht. "Naja." murmelt er und lässt seinen Blick über die Anlage gleiten. So weit das Auge sieht: Seile, Stationen und Hindernisse, die zum Teil hoch oben in den ausladenden Baumkronen zu verschwinden scheinen. Die beiden anderen Kolleginnen sind schon weit vor ihnen. In zügigem Tempo hangeln und balancieren sie sich von Aufgabe zu Aufgabe. Robert sieht ihnen erleichtert hinterher. Wenn die beiden Frauen sich ohne ihn auf den Weg machen, geht zwar der teambildende Aspekt des Ausfluges etwas verloren, aber ihm bleibt vielleicht zumindest vor den beiden die ein oder andere Peinlichkeit erspart. Bleibt noch Bibi. Bei seiner jungen Tierarzt-Kollegin sieht die Sache anders aus. Bibi kann zwar unter Umständen sarkastisch und frech sein, aber spätestens wenn sie merkt, dass er ernstlich Höhenangst hat, wird sie ohne wenn und aber zu ihm stehen. Und diesen Beistand wird er definitiv brauchen, wenn er diesen Parcour schaffen will. Also ist er sehr froh, dass sie die Geduld aufbringen auf ihn zu warten.

Bibi betrachtet Robert von der Seite, wie er seinen Blick über die Anlage schweifen lässt und dabei scheinbar tief in Gedanken versunken ist. Wie so oft ertappt sie sich dabei, wie sie ihren Chef genauer angeschaut, als es üblich wäre und wie ihr gefällt, was sie da sieht. Das dunkelblaue T-Shirt, was er heute trägt, hat genau die richtige Form und Größe. Es betont seinen durchaus muskulösen Oberkörper, ohne zu gewollt auszusehen und die Jeans, die er dazu gewählt hat ist locker genug um ihm die nötige Bewegungsfreiheit zu geben die er fürs klettern brauchen wird und sitzt dabei trotzdem perfekt, so dass Bibi heute wohl bestimmt noch den ein oder anderen Blick auf den Hintern von Robert werfen wird. Innerlich seufzend wendet sie den Blick ab. Sie kann es ganz eindeutig nicht mehr leugnen sich in ihren Chef verliebt zu haben, obwohl sie es erstaunlich lange geschafft sich selbst etwas vor zu machen.

"Los, lass uns weitermachen." sagt Bibi um sich nicht wieder in Gedanken über Altersunterschiede, Anstand und eine korrekte Angestellten-Chef-Beziehung zu verstricken.  "Gut. Ladys first." sagt Robert und deutet Bibi mit der Hand an ihr galant den Vortritt zu lassen. Bibi zuckt gelassen mit den Schultern, hakt die Karabiner ihres Sicherungsgurtes um und geht los. Das erste Hindernis ist weder besonders aufregend, noch anspruchsvoll. Es handelt sich lediglich um eine Hängebrücke, die zwischen zwei Plattformen gespannt ist. Zügig erreicht Bibi die Plattform und dreht sich zu Robert herum. Überrascht stellt sie fest, dass der noch immer drüben auf der anderen Seite steht. Offenbar hat er gewartet, bis sie angekommen ist, bevor er sich auf den Weg macht. Nun läuft er langsam zu ihr herüber.

"Was für ein Glück, dass keiner hinter uns ist, du würdest den ganzen Verkehr hier aufhalten." stellt Bibi spöttisch fest. Eigentlich hatte sie mit einer schlagfertigen Antwort, oder wenigstens einen Spruch aller: "in der Ruhe liegt die Kraft." gerechnet, schließlich sind die beiden Tierarzt in ganz Falkenstein für ihre Kabbeleien und freundschaftlichen Wort-Duelle bekannt. Aber dieses Mal erntet sie nur einen Blick, den sie nicht so richtig zu deuten weiß.

Die nächste Station ist schon etwas schwieriger, denn dieses Mal sind die einzelnen Bretter der Hängebrücke nicht miteinander verbunden, sondern sind frei schwingend, so das man vorsichtig von einen Balken zum nächsten balancieren muss. "Oh weh." kommentiert Robert, als er die Konstruktion sieht. "Ach was. Das ist doch noch gar nichts. Ein bisschen Geschick, ein bisschen Konzentration, dann ist das ganze ein Klacks." sagt Bibi und betritt das erste Brett. Etwa bis zur Hälfte macht Bibi eine gute Figur. Leichtfüßig und sicher geht sie von Brett zu Brett. Doch dann wird sie zu leichtsinnig. Statt sich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren genießt sie nebenbei die Aussicht durch den Wald und so tritt sie daneben und rutscht ab. Ihr Sturz wird natürlich von ihrem Gurt abgefangen und schon Sekunden später steht sie wieder sicher auf den Brettern und kann die Aufgabe zuende bringen. Als sie die Plattform erreicht dreht sie sich wieder zu Robert um. Sie rechnet fest mit einem fiesen Grinsen und einem spitzen Kommentar. Was musste sie auch den Mund so voll nehmen. Doch zu ihrer Überraschung macht Robert sich nur konzentriert und ohne ein Wort über ihren Fauxpas zu verlieren auf den Weg zu ihr herüber. Irritiert beobachtet Bibi ihn dabei. Irgendwas ist heute anders. Er lässt sich sich sonst keine Gelegenheit entgehen sie zu necken und so eine Steilvorlage würde er sonst definitiv nutzen. Doch auch als er die andere Seite erreicht und neben ihr steht, sagt er kein Wort, sondern bedeutet Bibi nur mit einer Geste die nächste Aufgabe in Angriff zu nehmen. Nachdenklich greift Bibi nach dem Halteseil und balanciert den Balken entlang, der zur nächsten Plattform führt. Von dort aus beobachtet sie ihren Chef weiter. Nicht nur, dass er auffallend still ist, er scheint auch angespannt zu sein. Man merkt es vielleicht nur, wenn man ihn gut kennt, aber Bibi entgeht nicht, dass seine Hände sich regelrecht um das Halteseil verkrampfen und auch nicht, dass seine sonst so bedachten, selbstsicheren und flüssigen Bewegungen heute angespannt und unsicher wirken. Sollte sie ihn darauf ansprechen, was mit ihm los ist? Die nächsten beiden Stationen denkt Bibi über diese Frage nach. Doch dann geht ihr das Schweigen von Robert so sehr auf die Nerven, dass sie nicht anders kann, als ihn zu fragen. "Was ist mit dir los?" will sie vorsichtig von ihm wissen, als sie die nächste Plattform erreicht haben. "Was soll schon sein?" antwortet Robert ausweichend. "Das weiß ich nicht, sonst würde ich ja nicht fragen. Mir ist nur aufgefallen, dass du sehr still bist und irgendwie angespannt wirkst." erklärt Bibi ruhig. "Angespannt ist gar kein Ausdruck." meint Robert. "Ängstlich trifft es wohl besser." fügt er noch hinzu, während er zaghaft nach unten späht. "Ängstlich? Du willst mir jetzt aber nicht sagen, dass du Höhenangst hast, oder?" fragt Bibi nach. "Doch. Genau das." antwortet Robert nur. Bibi denkt einen Augenblick nach. Doch, das würde passen. Die verkrampfen Hände am Halteseil, seine langsamen und bedachten Bewegungen und auf den Plattformen hält er sich möglichst weit mittig auf. "Warum hast du nichts gesagt, als ich meine Idee dem Team vorgestellt habe?" will Bibi wissen. "Ihr drei wart so begeistert, da wollte ich nicht der Spielverderber sein, das ist man als Chef sowieso schon oft genug." meint Robert. Darüber kann Bibi nur den Kopf schütteln. "Du bist ein guter Chef. Keiner von uns sieht dich als Spielverderber. Ich zumindest könnte mir keine bessere Arbeitsstelle vorstellen und ich denke, die anderen beiden sehen das ähnlich." wendet Bibi ein, woraufhin Robert sie kurz geschmeichelt anlächelt. "Trotzdem wollte ich euch die Freude gönnen. Außerdem dachte ich mir, dass das doch Mal eine gute Gelegenheit wäre mich meiner Angst zu stellen. Nur weiß ich gerade wirklich nicht, ob das so eine gute Idee war." gibt Robert zu. "Doch, das war eine gute Idee." findet Bibi. Auffordernd hält die ihm die Hand hin. "Komm! Stellen wir uns deiner Angst. Ich helfe dir!" sagt sie dabei. Robert zögert nur ein paar Sekunden, dann ergreift er Bibis Hand und drückt sie dankbar.
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