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Nachwuchssorgen I

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi / P18 / Gen
13.06.2022
15.09.2022
20
13.418
3
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13.06.2022 756
 
Weil sie sich beeilen muss, nimmt das junge Mädchen heute den Weg durch den Park. Den Bus zum Bahnhof hat sie sie knapp verpasst und ihr Fahrrad steht mit einem Platten zu Hause. Sie meidet normalerweise den Weg, weil er vor allem in der Dunkelheit nur spärlich beleuchtet ist und hier ab und an zwielichtige Gestalten umherlaufen. Aber so spart sie mindestens zehn Minuten Wegstrecke ein und wäre dann noch pünktlich an der Haltestelle, um die Straßenbahn zu bekommen.
Lea geht schnellen Schrittes voran, sie hat ihre Kopfhörer abgesetzt, um ihre Umgebung besser wahrnehmen zu können. Augenscheinlich ist es ruhig, aber nur wenige Meter später hört sie jemanden schreien und sie kann zwei Personen vor sich erkennen, die wild miteinander gestikulieren. Sie denkt kurz über einen Richtungswechsel nach, dann aber müsste sie wieder mehrere hundert Meter zurück gehen, denn rechts von ihr liegt ein kleiner See und links ist hinter dichten Sträuchern und Büschen eine viel befahrene Straße, die in die falsche Richtung führt. Es bleibt ihr also nichts anderes übrig, als an den Männern unauffällig und mit genügend Abstand vorbei zu gehen, wenn sie pünktlich an der Schule ankommen will. Die beiden sind sowieso so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie sie bisher noch nicht bemerkt haben.
Je näher sie den beiden Typen allerdings kommt, desto bewusster wird ihr, wie falsch ihre Entscheidung war.

Es fällt ein Schuss. Lea will weglaufen, in Deckung gehen, aber wohin? Hier gibt es in unmittelbarer Nähe keine Möglichkeiten, um Schutz zu suchen. Bis sie wieder klar denken kann, vergehen für sie wertvolle Sekunden.

Einer der Männer geht getroffen und stöhnend in die Knie, wird aber von dem anderen Mann weiter mit der Waffe bedroht. Er versucht sich wieder aufzurappeln, drückt dabei eine Hand auf die blutende Wunde an seinem Oberschenkel, steht aber dennoch noch einmal taumelnd auf.

Lea versucht sich so unauffällig wie möglich zu verhalten, zieht aus ihrer Hosentasche ihr Handy und wählt den Notruf. Langsam geht sie rückwärts, ein paar Meter entfernt gibt es einen Baum, hinter dem sie sich verstecken könnte, lässt dabei die beiden Männer zu keiner Sekunde aus den Augen. Aber plötzlich dreht sich der Mann mit der Waffe zu ihr um, kommt auf sie zu gerannt, schlägt ihr das Handy aus der Hand, packt sie unsanft am Arm und reißt sie herum. “Das hättest du besser nicht getan!” blafft er sie an und hält ihr die Waffe an den Kopf. Adrenalin schießt in ihren Körper. Der Angreifer wirbelt sie umher, nimmt ihr Handy auf. Lea gerät ins Straucheln und stürzt zu Boden. Auf dem Rücken liegend schaut sie ihrem Angreifer ins Gesicht, der sie breit angrinst, seine Waffe auf sie richtet, aber nicht abdrückt. Stattdessen stellt sich der andere Mann zwischen die beiden, der sichtlich Schmerzen hat. “Lass sie in Ruhe!” sagt er schwer atmend. Die Waffe ist auf ihn gerichtet und der Angreifer drückt ohne ein weiteres Wort zweimal ab.
Das erste Projektil trifft den bereits verletzten Mann am Hals, das zweite Projektil verfehlt Lea um Millimeter. Blut spritzt aus der Wunde am Hals des Mannes und er versucht vergeblich dieses aufzuhalten, in dem er seine Hand dagegen drückt.
Der Angreifer wirft Leas Handy in einen Mülleimer, während das getroffenen Opfer zusammensackt. Lea ist starr vor Angst. Der Angreifer geht auf sie zu “Du dumme Göre. Denkst du, du kannst hier die Heldin spielen?” schreit er und schaut grinsend zu seinem Opfer, das leblos am Boden liegt. “Kein Mucks, sonst knall ich dich auch ab!” zischt er das junge Mädchen an, zieht sie hoch, drückt ihr die Waffe in die Flanke und schiebt sie querfeldein über den Rasen, durch das Dickicht und in Richtung der Hauptstraße, durch den ansonsten menschenleeren Park, zur Straße.
Lea gehorcht dem Mann, um die Situation nicht noch schlimmer zu machen. Sie wirft noch einmal einen Blick über ihre Schulter und auf den Verletzten, der am Boden liegt, dessen Blut den Rasen rot verfärbt und der vermutlich bereits tot ist. “Los jetzt!” treibt der Angreifer sie weiter an und sie kommen vor einem alten, schwarzen Golf zum Stehen. “Rein da!” blafft der ihr unbekannte, junge Mann sie an, reißt ihr den Rucksack von den Schultern, schmeißt ihn auf die Rückbank und schubst Lea auf den Beifahrersitz. Vorsichtshalber fesselt der Mörder seine Geisel mit Kabelbindern an die Innenverkleidung der Autotür. Lea aber wagt es sowieso nicht sich auch nur eine Millimeter zu bewegen oder gar lauter auszuatmen als nötig. Sie sitzt still neben dem Mörder und versucht nicht durchzudrehen und sich von ihrer Angst beherrschen zu lassen.
 
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