Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die leise Stimme der Verlockung

Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Romance / P12 / FemSlash
Böse Königin / Regina Mills Emma Swan
12.06.2022
12.06.2022
1
3.119
10
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
12.06.2022 3.119
 
Die leise Stimme der Verlockung


Konzentriert starrte Emma auf die kleine Sanduhr, die vor ihr auf einem Beistelltisch stand. Sie versuchte, sich von nichts ablenken zu lassen, doch das war einfacher gesagt als getan. Dieser Ort allein war schon eine große Ablenkungsgefahr für sie. Der Gedanke, dass sie sich unter der Erde umgeben von etlichen Gräbern befand, war beunruhigend. Ebenso beunruhigend war die Tatsache, dass sie sich langsam daran gewöhnte, je öfter sie hier war. Dazu kamen die ganzen magischen Bücher, Fläschchen und wer weiß was Regina noch alles in ihrer Gruft beherbergte. So genau wollte Emma es eigentlich gar nicht wissen. Die schlimmste Ablenkung von allen waren aber nicht die dumpf schlagenden Herzen, die sich gleich gegenüber des Eingangs hinter einem Samtvorhang in ihren Schatullen befanden – nein, das hatte Emma schon lange ausgeblendet –, sondern Regina, die ruhig etwa einen Meter von ihr entfernt stand und sie beobachtete. Sie gab keinerlei Zeichen von Ungeduld preis und doch machte es Emma wahnsinnig, Reginas Blick auf sich zu spüren. Forschend, abwartend.
Warum bewegte sich diese verdammte Uhr nicht endlich? Wie lange versuchte sie es schon? Eine halbe Stunde oder fünf Minuten? Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit. Genervt stieß sie schnaubend Luft aus.
„Deine Magie ist nicht dein Feind“, erklärte Regina zum wiederholten Mal und Emma warf ihr einen zweifelnden Blick zu. Das sollte sie Henry und der Platzwunde an seinem Kopf erklären. Emma zuckte bei der Erinnerung zusammen. Als ihre Magie bei dem Verhör Ingrids vollkommen außer Kontrolle geraten war, hatte sie sich in ihren VW Käfer gesetzt und war auf einen Waldweg geflüchtet, um sich zu beruhigen und niemandem gefährlich zu werden. Henry hatte sie natürlich gefunden. Sie hatte ihm nicht wehtun wollen. Sie hatte nur gewollt, dass er sie in Ruhe ließ.

„Ich möchte etwas ausprobieren“, sagte Regina nun und trat an ihre Seite. „Vertraust du mir?“
„Natürlich“, entgegnete Emma ohne zu zögern und das Lächeln, dass Regina ihr daraufhin schenkte, ließ die Schmetterlinge in Emmas Bauch Saltos schlagen. Das Gefühl verstärkte sich, als Regina hinter sie trat und ihre Hände auf ihrer Hüfte ablegte.
„Schließ die Augen“, befahl Regina. „Stell dir nur den Tisch und die Sanduhr vor.“
Hölle, wie sollte sie das machen, wenn Regina hinter ihr stand und ihr Worte ins Ohr raunte, egal, wie banal sie auch sein mochten? Sie spürte die Wärme, die von Regina ausging, ihren Atem, der ihren Nacken streifte und die Hitze, die sich dadurch in ihr ausbreitete.
„Nun stell dir vor, wie die Sanduhr über dem Tisch schwebt. Ein paar Zentimeter reichen. Überlege nicht, wie es passiert. Stell es dir einfach nur vor.“
Emma biss sich auf die Unterlippe. Sie versuchte es, doch ihre Gedanken wanderten immer wieder zu Regina und wie nahe sie ihr war. Sie spürte die Wärme ihrer Hände durch den Kleiderstoff hindurch.
Never know how much I love you. Never know how much I care. When you put your arms around me. I get a fever that's so hard to bear. You give me fever.
Hervorragend, jetzt hörte Emma auch noch eine Stimme, die sie triezte und sich über sie lustig machte. Sie zeigte ihrem Unterbewusstsein gedanklich den Mittelfinger und hoffte, dass es zumindest für den Rest ihrer Lernstunde den Mund hielt.
„Ich glaube nicht, dass das funktioniert“, gestand sie. Sie war einfach zu abgelenkt. Trotzdem war sie enttäuscht, als Regina sich von ihr entfernte. „Tut mir leid.“
„Das muss es nicht“, versicherte Regina. „Vielleicht brauchst du einfach nur etwas mehr Motivation.“ Das Lächeln, das sie jetzt zur Schau stellte, beunruhigte Emma auf eine ganz andere Art und Weise. Ein hinterlistiges Funkeln trat in braune Augen und Emma fühlte sich plötzlich, als würde sie in der Falle sitzen. Es war lächerlich. Regina würde ihr nichts antun. Das hatten sie hinter sich gelassen.

Sie beobachtete, wie Regina hinter den Tisch mit der Sanduhr trat, so dass er sich zwischen ihnen befand. Mit einem Wink ihrer Hand und etwas Magie erschien ein blutroter Apfel neben der Sanduhr. Regina zog ein Fläschchen aus dem Regal hinter sich und gab zwei Tropfen daraus auf den Apfel, der daraufhin grün schimmerte, bevor er seine ursprüngliche Farbe annahm.
„Was hast du vor?“
„Keine Sorge, der ist nicht für dich“, versprach Regina in einem Tonfall, der Emma Gänsehaut verursachte. Als Regina nach dem Apfel griff, wurde Emma mit einem Mal eiskalt. Sie würde doch nicht …? Emma wollte ihr das Obst aus der Hand schlagen, doch dafür war sie zu weit entfernt. „Was hast du auf den Apfel gegeben? Das kannst du nicht machen!“
Entschlossen starrte Regina sie über den Apfel hinweg an, der schon gefährlich nahe an ihren Lippen war. „Dann halte mich davon ab.“ Sie öffnete den Mund weiter, um von dem Apfel abzubeißen, zeitgleich riss Emma die Hände hoch, ohne wirklich zu wissen, was sie vorhatte oder tun sollte. Was sie wusste war, dass der Apfel verschwinden musste und das so schnell wie möglich.
„Nein!“ Magie schoss aus ihren Handflächen und kollidierte mit dem Apfel, der sofort zu einem Häuflein Staub zerfiel. Fein rieselte er durch Reginas Finger auf den Boden.
„Das war hervorragend, Emma!“ Regina trat hinter dem Tisch hervor und kam auf sie zu. Es war die Art und Weise, wie Regina ihren Namen aussprach. Emma konnte einfach nicht anders, als Regina breit lächelnd anzustrahlen.
Sun lights up the daytime. Moon lights up the night. I light up when you call my name. And you know I'm gonna treat you right. You give me fever.
Sie schüttelte den Kopf über sich selbst und setzte eine finstere Miene auf. „Tu das nie wieder! Das war reiner Zufall. Was wäre passiert, wenn meine Magie nicht reagiert hätte? Wie hätte ich das Henry erklären sollen?“
Regina hob eine Augenbraue. „Glaubst du wirklich, ich würde etwas zu mir nehmen, was mir ernsthaft schadet? Das war lediglich ein Schlafmittel. Ich bin dir dennoch dankbar, dass du mich davon abgehalten hast, es zu nehmen. So komme ich nur ein bisschen zu spät zu der Verabredung mit Robin.“

„Oh.“ Emmas Magen fühlte sich an, als ob er ihr in die Kniekehle sacken würde. Sie sollte sich für Regina freuen, dass ihr Seelenverwandter sich dafür entschieden hatte, bei ihr zu bleiben, obwohl Emma es – unbeabsichtigt und unwissend – geschafft hatte, seine längst verstorbene Ehefrau aus der Vergangenheit zurückzuholen, doch sie konnte es nicht. Das Ganze war eine einzige Katastrophe! Als sie erfahren hatte, wen sie vor dem Tod bewahrt hatte, hatte sie für einen Moment zu hoffen gewagt, dass sie nun die Chance haben könnte, auf Regina zuzugehen, ihr endlich sagen zu können, was sie fühlte, aber scheinbar war sie bereits zu spät. Wieder einmal.
„Wenn du möchtest, kannst du noch bleiben und weiter üben“, räumte Regina ihr ein, während sie den Staub von ihrer Kleidung klopfte. „Morgen um die gleiche Zeit. Denke daran, die Tür zu verriegeln, wenn du gehst.“
„Klar“, bestätigte Emma und musste sich zu einem Lächeln zwingen. Die Freude darüber, dass Regina ihr genügend Vertrauen entgegen brachte, sie in ihrem Heiligtum allein zu lassen, bekam einen gehörigen Dämpfer, wenn sie daran dachte, warum Regina sie in erster Linie allein zurückließ.
Als Regina dicht vor sie trat, hielt sie unbewusst den Atem an. „Du kannst das, Emma“, machte sie ihr Mut. „Du musst nur an dich glauben. Ich tue es.“
Emma setzte zu einer Erwiderung an, doch da löste sich Regina schon im Nebel ihrer Magie auf.
„Du tätest gut daran, ihr zu folgen.“
Emma fuhr zu der Stimme herum. Ihre Hand wanderte automatisch an ihren Gürtel, wo sie normalerweise ihre Waffe trug. Nur, dass sie ins Leere griff, weil sie ihre Waffe nicht bei sich hatte. Sie war nicht im Dienst. Suchend wanderte ihr Blick durch die Gruft. Da war niemand. Sie entspannte sich. Vermutlich brauchte sie nur eine Pause.
„Hier bin ich.“
Sie wirbelte herum, doch auch dort war niemand.
„Oder hier?“
Anstatt in Panik zu verfallen, spürte Emma, wie ihr langsam der Geduldsfaden riss. „Ich habe wirklich keine Lust auf irgendein Spielchen.“
„Zu schade. Ich spiele so gern.“
Nun kam die Stimme aus Richtung der Sanduhr. Angestrengt starrte Emma Löscher in die Luft und tatsächlich kam etwas zum Vorschein, was sie weniger überraschte, als es das vor einem Jahr noch getan hätte. „Natürlich gibt es dich auch“, grollte sie und schenkte der gestreiften Katze, die sich neben der Sanduhr materialisierte einen bösen Blick. „Was willst du?“

„Eine gute Frage, aber du stellst sie dem Falschen“, schnurrte der Kater und wiegte die Schwanzspitze leicht hin und her. Interessiert schnupperte er an der Sanduhr und stupste sie dann mit der Vorderpfote an. „Ticktack, die Zeit läuft ab. Du solltest dich beeilen.“
„Von was redest du? Wie kommst du überhaupt herein?“ Emma konnte nur hoffen, dass er die Uhr nicht vom Tisch stieß. Es fehlte ihr noch, Regina zu erklären, warum sie kaputt war.
„Durch die Tür, natürlich.“ Er ließ von der Sanduhr ab und blickte sie nun direkt an. Seine Katzenschnauze verzog sich zu einem Grinsen, das Emma noch in ihren Albträumen wiederfinden würde. In der Zeit, in der sie in Storybrooke lebte, hatte sie einiges gesehen, doch dieser Kater war wirklich gruselig. „Aber genug von mir. Du solltest deiner Königin folgen.“
„Regina ist nicht meine Königin.“ Was wollte dieses seltsame Tier nur von ihr? Und wie bekam sie ihn hier heraus? Regina würde ihn bestimmt ungern hier vorfinden.
Seine blaugrünen Augen funkelten amüsiert. „Aber das hättest du gern.“
War es wirklich so offensichtlich, dass selbst eine Katze sie durchschaute? Wenn er es wusste, wer tat es noch? Plötzlich spürte sie eine beklemmende Enge in der Brust. „Das ist lächerlich. Regina ist mit dem Waldschrat zusammen.“
Der Kater kicherte, wobei er doch ernsthaft die Pfote vor die Schnauze hielt. Seine Barthaare zuckten nach vorn. „Mag sein, aber du möchtest etwas anderes.“
„Ja“, platzte es aus Emma heraus, worauf sie sich sofort korrigierte. „Nein. Ich will, dass sie glücklich ist. Das ist sie mit ihm. Zumindest war sie das, bevor ich alles ruiniert habe. Sie liebt ihn.“
„Vielleicht tut sie das, vielleicht aber auch nicht.“ Nachdenklich neigte er den Kopf zur Seite, dann sprang er von dem Tisch herunter und eilte in eines der angrenzenden Räume. „Lass es uns herausfinden.“
Emma starrte ihm nach. Was redete er da nur?
„Los, los! Ticktack!“
Sie würde doch einem Hirngespinst nicht folgen. Sollte er allein spazieren gehen. Sie wandte sich wieder der Sanduhr zu. Sie würde dieses Ding solange anstarren, bis es sich endlich bewegte. Regina würde morgen stolz auf sie sein, wenn sie ihr zeigte … Was war, wenn der Kater etwas wusste, von dem sie nichts ahnte? Nein, das war absurd. Regina war glücklich mit Robin oder würde es zumindest bald wieder sein. Doch was war, wenn nicht? Emma biss sich auf die Unterlippe. „Ach, verdammt!“ Sie wirbelte herum und eilte dem Kater hinterher. Es war ihre Schuld, sie hatte Marian aus der Vergangenheit mitgebracht. Sie hatte Regina ein Happy End versprochen und sie würde nicht ruhen, bis sie es bekam. Suchend blickte sie sich in dem Raum um, von dem sie glaubte, den Kater hineinschlüpfen gesehen zu haben. Wo war das verdammte Tier? Vermutlich saß er unsichtbar ganz in der Nähe und lachte sich ins Pfötchen, weil sie ihn suchte. Sollte er sich doch jemand anderen suchen. Sie verließ den Raum Richtung Ausgang. Was sie jetzt brauchte, war etwas Ordentliches zu Essen. Möglicherweise hatte ihr erschöpfter und hungriger Geisteszustand diese sprechende Katze auch nur erfunden. Oder sie wurde verrückt.

„Du läufst in die falsche Richtung, meine Liebe“, erklang es da zu ihren Füßen.
Emma verschränkte die Arme vor der Brust. „Ach, ja? Das ist der einzige Ausgang. Wie soll ich Regina sonst folgen?“
„Zum einen hast du Magie“, begann der Kater aufzuzählen, „zum anderen kannst du ihr nicht folgen, wenn du nicht weißt, wohin sie gegangen ist.“ Mit erhobenem Schwanz lief er in die Hauptkammer der Gruft zurück.
Klugscheißer. Emma folgte ihm langsam. „Also gut, was schlägst du vor, wie ich sie finden soll? Sie kann sich überall mit ihm getroffen haben.“ Sie beobachtete, wie er schnurstracks den Raum durchquerte, bis hin zu dem roten Vorhang direkt gegenüber. Vorsichtig näherte sie sich mit Reginas Warnung im Hinterkopf, nichts anzufassen. Sicher geschah noch nichts Schlimmes, wenn sie einen Vorhang zur Seite schob. Sie griff nach dem schweren Stoff und zog ihn zur Seite. Da war er, der große Runde Spiegel mit den eisernen Sonnenstrahlen, den sie bisher nur in Henrys Märchenbuch gesehen hatte. Er hing perfekt auf Augenhöhe. „Auf gar keinen Fall“, lehnte sie ab, als sie erkannte, was sie gefunden hatte.
„Warum nicht?“, schnurrte es neben ihr. „Der Spiegel macht die Arbeit für dich. Du musst ihm nur sagen, wen oder was du sehen willst. Und du willst doch wissen, ob deine Königin glücklich ist, nicht wahr?“
Emma biss sich auf die Unterlippe. Der Kater hatte nicht unrecht. Sie musste einfach wissen, ob Regina glücklich mit Robin war oder ob sie ihr Glück mit dieser verdammten Zeitreise zerstört hatte. Sie würde nur einen kurzen Blick erhaschen. Mehr brauchte sie nicht. „Na gut.“ Tief atmete sie ein. „Spiegel, zeig mir Regina!“
Nichts.
Der Kater neben ihr lachte. „Etwas kreativer. Spieglein, Spieglein … lass dir etwas einfallen.“
Finster starrte Emma auf ihn hinab. Mehr Hilfe konnte sie wahrscheinlich nicht erwarten. Sie sah den Spiegel an, als könne er ihr sagen, was er von ihr hören wollte. „Spieglein, Spieglein ich mache mir Sorgen, wo ist die Königin verborgen.“
Neben ihr erklang ein ersticktes Geräusch.
„Es hat sich gereimt, oder nicht?“, fuhr sie den Kater gereizt an. Sollte er lachen, der Spiegel gab sich mit ihrem Amateurreim offensichtlich zufrieden, denn seine Oberfläche begann Wellen zu schlagen und ihr Spiegelbild verschwand. Für einen Moment war lediglich eine dunkelblaue, blanke Oberfläche zu sehen, als ob sie in einen endlos tiefen Teich sehen würde, dann materialisierte sich ein Bild.

Emma runzelte die Stirn. Regina und Robin saßen nahe beieinander auf – was war das? – ein umgestürzter Baum? Es würde zum Rest der Szenerie passen. Wo Emma hinsah, war Wald. Wie sollte sie diesen Ort finden? Storybrooke war meilenweit von Wald umgeben! Was sie mehr beunruhigte waren die ernsten Gesichter der beiden.
„Ist das wirklich, was du willst?“, fragte Robin. Er rieb sich mit einer Hand den Nacken, als wüsste er nicht, was er mit seinen Händen anfangen sollte.
„Ja“, bestätigte Regina mit einem traurigen lächeln. „Es tut mir leid, dass ich es nicht eher erkannt habe. Ich habe mich so an die Idee eines Seelenverwandten geklammert, dass ich alle anderen Gefühle verdrängt habe. Was ich wirklich will, mag unerreichbar für mich sein, aber es ist nicht richtig, dich festzuhalten, nur damit ich nicht allein bin.“
Emma spürte, wie ihr Unterkiefer leicht herab sank. Sie benötigte einen Augenblick, um die Bedeutung der Worte zu erfassen. Regina ließ Robin gehen, weil sie jemand anderen wollte? Wen?
Robin nickte verstehend. „Wenn du denjenigen wirklich liebst, will ich dir nicht im Wege stehen.“
„Mehr, als ich es je für möglich hielt“, bestätigte Regina.
Ein Kloß bildete sich in Emmas Kehle. Sie schluckte. „Wie schalte ich dieses Ding ab?“ Sie wollte nichts mehr hören. Sie hatte geglaubt, Regina an Robin zu verlieren war schwer, doch offenbar war da schon lange vorher jemand gewesen. Sie hatte nie eine Chance gehabt. „Genug!“, befahl sie dem Spiegel, in der Hoffnung, dass er verstand. Nur am Rande bekam sie mit, dass Robin wieder das Wort ergriff. Mürrisch trat sie zurück und zog den Vorhang an seinen Platz zurück.
„Was wirst du jetzt tun?“, fragte der Kater, der sich mittlerweile auf einer der vielen Truhen ausgestreckt hatte.
Seufzend nahm Emma neben ihm Platz. „Ich weiß es nicht.“ Was sollte sie jetzt tun? Ihr erster Gedanke war es, Killian aufzusuchen. Er war nicht perfekt, aber das war sie auch nicht und er bemühte sich wirklich. Bisher hatte sie ihn immer noch ein wenig auf Distanz gehalten.
Sollte sie so tun, als hätte sie das Gespräch nie mitbekommen oder sollte sie Regina die Wahrheit sagen und – was? Ihr anbieten herauszufinden, ob derjenige, den sie liebte nicht doch dasselbe empfand? Sie hatte Regina ein Happy End versprochen.

„Emma!“ Wie angestochen sprang Emma auf, als sie Reginas Stimme hörte. Sie blickte neben sich, doch der Kater war verschwunden. Kurz darauf betrat Regina den Raum. „Hier steckst du. Ich habe gehofft, dass du noch da bist. Wenn dir danach ist, können wir mit unserer Stunde fortfahren.“
„Ich … ich dachte, du bist bei Robin“, stammelte Emma, die nicht erwartet hatte Regina vor ihrer nächsten Zauberstunde morgen wiederzusehen. Würde Regina bemerken, was sie getan hatte?
„Das war ich“, bestätigte Regina. Sie hielt inne, als überlege sie, ob sie mehr sagen sollte. „Wir sind überein gekommen, dass nicht mehr als Freundschaft zwischen uns sein kann.“
„Oh.“ Emma hoffte, dass sie überrascht aussah, immerhin hatte sie es gerade live miterlebt. Trotzdem musste sie mitspielen. Sie wollte nicht, dass Regina ihr Vertrauen in sie verlor. Sie hätte diesen Spiegel nie anfassen dürfen! „Wegen Marian? Regina, hätte ich gewusst, wer sie ist, dann …“
„Nein! Emma, nein.“ Plötzlich stand Regina so dicht vor ihr, dass ihr die Luft zum Atmen fehlte und ihr leicht schwindelig von ihrem Parfum wurde. „Wir wissen beide, dass du sie trotzdem gerettet hättest. Ich mache dir nicht zum Vorwurf, dass du dieser Frau das Leben gerettet hast. Ich weiß, dass ich etwas anderes behauptet habe, aber in Wahrheit war ich nur wütend auf mich selbst.“ Emma blinzelte. Sie wollte etwas sagen, doch Regina sprach schon weiter. „Vielleicht wäre ich glücklich mit Robin geworden, aber er wäre immer nur die zweite Wahl gewesen.“
„Verstehe“, presste Emma hervor. Reginas Parfum war so verlockend, dass sie sich beherrschen musste, sich nicht vorzubeugen. Ihr Blick huschte zu der kleinen Narbe an Reginas Oberlippe. Es wären nur ein paar Zentimeter und ihre Lippen würden sich berühren. Sie räusperte sich. „Kann ich irgendetwas tun? Ich habe es dir versprochen.“
„Es ist möglich, dass du dein Versprechen nicht halten kannst, aber das wäre in Ordnung“, versprach Regina und hielt ihren Blick gefangen, als ob sie versuchte, ihre Gedanken zu lesen. Aber das konnte sie nicht, oder? Nervös begann Emma ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen zu verlagern. „Was sollte es für einen Grund geben, dass ich mein Versprechen nicht einhalten kann?“
„Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden.“ Regina hob ihre rechte Hand und Emma konnte sehen, dass sie zitterte. Ihre Fingerspitzen waren kühl an ihrer Wange. Was hatte Regina vor? Und dann war Emma nicht mehr fähig, zu denken. Reginas Lippen lagen weich auf ihren und Wärme durchflutete ihren gesamten Körper.
Fever! 'Til you sizzle. What a lovely way to burn.

_______________________________________________

Mein Beitrag zu dem Projekt Let’s get Romantic!.

Song-Prompt: Sun lights up the daytime, moon lights up the night - I light up when you call my name (Peggy Lee – Fever)
Person: Grinsekatze
Truhe: Sanduhr
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast