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War Eagles

Kurzbeschreibung
GeschichteSci-Fi / P18 / Mix
Sabaton
12.06.2022
12.06.2022
2
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Tank überbrüllte mühelos den Lärm: „Angel, hilf mir mal hier!“ Gemeinsam wuchteten sie die riesige, unhandliche Bassbox an ihren Platz. Big H baute sein Schlagzeug auf, Bear stimmte seine Gitarre und Eye-Patch hüpfte und sprang über die Bühne wie ein Eichhörnchen auf Ecstasy. Der ganz normale Wahnsinn vor einer Show. Scarface und Skull standen am Eingang und warfen alle paar Minuten einen Blick nach hinten; sie warteten auf das Signal von Sniper oder Smiley, dass sie die Türen fürs Publikum öffnen konnten. Das Signal kam, die Leute strömten in die alte Industrieruine außerhalb Stockholms. Scarface und und Skull behielten den Außenbereich im Auge: Die Regierung, sprich: die Konzerne, der jegliche Art von Veteranen-Institutionen ein Dorn im Auge waren, konnte jederzeit auf die Idee kommen, ein Exempel zu statuieren. Und wer wusste schon, ob sich unter den Gästen Verräter befanden… Um genau so etwas zu verhindern, warfen Smiley und Sniper drinnen einen scharfen Blick auf die Gäste, aber auch ihnen konnte etwas entgehen. Den Gästen jedenfalls waren die Eagles kein Dorn im Auge, sie feierten ausgelassen.

Nach etwa der Hälfte des Konzerts flog krachend das große Doppeltor auf, und die Hölle brach los: geworfene Granaten, das Knattern vollautomatischer Waffen, panisch kreischende Gäste. Innerhalb von Sekunden herrschte dichter Rauch. Die Band ließ die Instrumente stehen und liegen, die waren nicht so wichtig, weil ersetzbar. Der Rauch zwang den Angreifern eine Feuerpause auf, die Tank nutzte: „Leute, beruhigt euch. Die wollen uns, nicht euch. Wir helfen euch, hier rauszukommen,…“ Eine Feuersalve zwang ihn zm Abtauchen, er hechtete hinter eine der großen Boxen. Verdammte Axt! Sie hatten doch ein Abkommen mit einem der Warlords. Der sollte ihnen die Regierungstruppen vom Hals halten, während sie die Moral des Widerstandes verstärkten. Riskant, aber nicht zu ändern, wollten sie weiterhin auftreten.

Die Leute beruhigten sich tatsächlich, als Tank den Lärm genauso mühelos wie zu Anfang überbrüllte. Eye-Patch und Angel halfen ihnen, den Hexenkessel zu verlassen, in den sich die ehemalige Fabrik verwandelt hatte. Bear und Scarface deckten ihren Rückzug (und ihre Kameraden), während sich Tank hinter den Boxen verschanzte und auf eine Gelegenheit wartete, Sniper an der Front zu ersetzen, damit dieser sein Können von hinter der Linie her einsetzen konnte. Zumal er, Tank, im Nahkampf (beziehungsweise weiter vorne) am besten war.

Die Gelegenheit kam, und die beiden Männer tauschten ihre Positionen. Ruhig zielte Sniper und schaltete (zur Tarnung nicht allzu systematisch) die Offiziere der gegnerischen Truppen aus, während Tank weiter vorne unter ihnen wütete. Big H, Skull und Smiley nahmen die Feinde von der Seite her unter Beschuss. Die Männer waren ein eigespieltes Team, was auch der Gegner bemerkte. Außerdem machte jetzt noch eine Schlägertruppe von besagtem Warlord Ärger.

Schließlich donnerte Tank: „Ok. Das Wichtigste zuerst: sind wir vollzählig?“ Genau das waren sie nicht. Sniper und Bear fehlten. Der muskulöse Mann fluchte: „Eye, ruf Lox an. Sie soll herausfinden, wo sie sind und sie, wenn es geht, befreien. Aber nicht im Alleingang!“ Danach beruhigte er sich ein wenig. Er war zwar nicht der Anführer, offiziell hatte Scarface (als der Älteste) das Sagen. Aber Tank war so etwas wie der Stellvertreter. Apropos Scarface: Wo war der überhaupt? Unterdessen funkte Eye-Patch Lox an. Der kleine, drahtige Mann mit dem langen, blonden Haar legte gerade auf, als ein Abgesandter des Warlords auftauchte.

„Scarface! He, Scarface! Wo bist du?“ donnerte Skull.

„Tot!“, erwiderte Big H, der gerade aus dem hinteren Bereich nach vorne kam, auf den staubigen Boden sank und zu weinen begann. Er trug seinen Namen nicht ohne Grund, war aber der Jüngste von ihnen.

„Scheiße!“, brüllte Skull, „denen reiß ich den Arsch so dermaßen auf...“ Smiley ging zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter, während Angel Big H zu trösten versuchte.

Nachdem der erste Schock vorbei war, drängelte sich Tank zu dem Abgesandten durch: „Du kannst mit mir reden, ich bin der Stellvertreter.“

„OK. Ich heiße Ben. Und du bist...?“

„Nenn mich Tank.“

„Wir haben zu spät Wind bekommen von der Aktion. Muss ihm Geheimen geplant worden sein.“

„Habt ihr keine Spione dort?“

„Zur Zeit nicht. Es ist verdammt schwer, welche einzuschleusen, und noch schwerer, Leute zu finden, die den Job machen wollen. Wenn ihr Leute habt...“ Am liebsten hätte Tank diesem Ben seine Faust in die Fresse gepflanzt. Sie hatten drei Leute verloren, drei Brüder, verdammt noch mal, und der Typ laberte davon, wie schwer es doch sei, den Konzernen Spione in den Pelz zu setzen. Erzähl mir was, das ich noch nicht weiß, dachte Tank frustriert und voller Trauer. Scarface, sehr groß, sehr dünn und das Gesicht voller Narben, war kein Kämpfer gewesen, aber trotz seiner schroffen Art ein guter Diplomat und Planer. Ein gutes Stück älter als sie alle, war er im Krieg ihr CO gewesen, eigentlich eher eine Vaterfigur. Oder ein großer Bruder. Blieb nur zu hoffen, dass Bear und Sniper noch lebten...

Ben verabschiedete sich; Tank scharte die verbliebenen Eagles um sich, schon, um sich davon zu überzeugen, dass kein weiterer fehlte. Skull, Smiley, Big H, Eye-Patch, Angel. Und er selber. Alle sahen ihn fragend an. Richtig, er war jetzt ja so etwas wie der Anführer.

„Aufladen, abrücken“, Tank zuckte die Achseln, „das heißt, wenn wir noch ein Fahrzeug haben...“

„Das ist hin“, meldete Eye-Patch.
Ben, der noch nicht fort war, mischte sich ein: „Ihr könnt eins von uns haben.“ Tank nickte. Die Männer luden ihr verbliebenes Equipment auf und fuhren ins Lager.


„Meinst du, die anderen haben es geschafft?“, fragte Sniper. Bear zuckte die Achseln:

„Da bin ich so schlau wie du.“ Die beiden unterhielten sich leise, um nicht die Aufmerksamkeit der Wachen auf sich zu ziehen. Sie waren getrennt voneinander verhört worden; auf der Fahrt hatten die Typen von der Regierung aufgepasst wie die Schießhunde, dass sich die Gefangenen nicht unterhielten. Nach dem Verhör jedoch waren sie in einer Zelle gelandet, beide ziemlich zusammengeschlagen. Als sie ein leises Pfeifen hörten, fuhren sie zusammen. Noch dazu kam das Pfeifen aus der Zelle.

Aus dem Lüftungsschacht in der Wand grinste Lox sie an. Die junge Frau war ziemlich klein und so schmal, dass sie mühelos durch Lüftungsschächte passte. Hinter ihr kam Pär durch. Die beiden kletterten heraus und Lox wisperte: „Wir haben nicht viel Zeit. Tank hat mit Viper verhandelt, dass der den Wachkommandanten besticht, aber...“ Die beiden nickten, zum Fragen stellen war nicht der Zeitpunkt, obwohl sie durchaus welche gehabt hätten. Schon hackte Lox das Türschloss. Zehn Minuten später standen sie auf der Straße, als die Sirene losging.

„Scheiße!“, fluchte Pär, „da lang. - Könnt ihr rennen?“

„Wahrscheinlich eher nicht.“

„Lox, renn du vor und sag ihnen, dass sie uns entgegenkommen sollen.“ Diese salutierte und war zehn Sekunden später um die Ecke verschwunden. Pär setzte sich an die Spitze und ging eilig vor, ein Tempo, bei dem die beiden Verletzten gerade noch mithalten konnten. Bear stolperte und stürzte; er kam nur mit Hilfe seiner beiden Freunde wieder hoch. Wachen und Drohnen durchkämmten die Gegend.

„Das war's“, ächzte Sniper, als ein Geländewagen neben ihnen hielt. Die Beifahrertür ging auf und ein grinsender Tank schaute heraus. Binnen Sekunden wurde ihnen hineingeholfen, und der Wagen brauste davon.
 
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