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Sharp Fangs / Ashen Masks

von Ari Fey
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Übernatürlich / P18 / MaleSlash
Goro Akechi Protagonist
11.06.2022
22.09.2022
14
68.459
4
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Dieses Kapitel
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22.09.2022 5.637
 
So gut. So gut, so unendlich gut. Ich kann nicht aufhören. Ich kann nicht aufhören. Ich kann nicht—

“S-Stopp—”

Akechis Stimme klang heiser, leise. Sein Herz schlug schnell und kräftig, so laut, dass es das Rauschen in Akiras Ohren übertönte. Sein Körper war warm, wo er gegen Akiras gepresst war, Akira hielt ihn aufrecht, eine Hand zwischen seinen Schulterblättern, die andere fest in seinem weichen Haar vergraben.

“Hör auf und r-reiß dich zusammen, Joker!” Der kommandierende Ton schnitt durch Akiras Bewusstsein wie ein Messer. Er schreckte innerlich zurück, hielt seinen Körper unter Kontrolle. Er wollte nicht riskieren, Akechi ernsthaft zu verletzten. Nicht noch mehr.

Er lockerte den Griff in Akechis Haar, seine Fingerspitzen entkrampften sich langsam. Als er locker ließ, atmete Akechi tief ein, Akira fühlte es, als wären es seine eigenen Lungen, welche sich mit Luft füllten. Als der Nebel in seinem Kopf sich langsam lichtete, realisierte er, in welcher Position er war; wie tief seine Zähne in Akechis Halsbeuge steckten. Er schluckte.

Er wird mir nie verzeihen, aber, fuck, er schmeckt so gut. Akiras Gedanken rasten durcheinander, kreierten eine ganz neue Art von Chaos. Akechis Geschmack brannte auf seiner Zunge, so süß und fruchtig wie Honig, mit einem Hauch Zitrone. Er glühte förmlich, sein Hals voller roter Flecken unter blasser Haut.

Verdammt, was hatte er nur getan?

Akechis Hand krallte sich in seinen Oberarm, er zitterte am ganzen Körper. Vorsichtig, um ihn nicht zu verletzen, löste Akira seine Zähne aus Akechis Hals. Er starrte auf die den Abdruck seiner Zähne, zwei identische Löcher, umgeben von einem Halbmond aus Rot. Unwillkürlich leckte er sich über die Lippen, schmeckte den süßen Rest von Akechis Blut.

“Akechi, ich—” seine Stimme hörte sich fremd in seinen Ohren an, rau und heiser, “es tut mir so leid.”

Sanft legte er eine Hand in Akechis Nacken, hielt seinen Kopf aufrecht. Akechis Lider flatterten, als sein unfokussierter Blick Akiras traf. “Spar dir das,” er nahm einen zitternden Atemzug, “dafür ist es zu spät…”

Akiras Herz blieb stehen, Kälte ergriff Besitz von ihm, als stände er nackt in seinem Schneesturm. War es das, dann? War es das, was Shido wollte?

Akira lehnte seine Stirn gegen Akechis, schloss seine Augen. “Ich wollte nicht—”  Ich wollte dich nicht verletzen. Aber das war gelogen, oder nicht? Denn Akechis Blut war unvergleichlich; Akira würde töten, um mehr und mehr davon zu bekommen.

Ein Teil von ihm war erschrak vor seinen eigenen Gedanken, vor seinem Verlangen nach Akechi. Aber… andererseits, war es ganz und gar nicht neu. Akechis Duft hatte ihn wochenlang an den Rand des Wahnsinns getrieben. Je näher er ihm gekommen war, desto größer wurde das Bedürfnis, von ihm zu nehmen, ihn zu kosten.

Aber nichts, rein gar nichts, hätte ihn auf die harsche Realität vorbereiten können, welche der Biss mit sich brachte. Akira hätte sich nie auf ihn gestürzt wie eine hungernde Bestie, hätte er eine andere Wahl gehabt.

Akira löste sich von ihm, warf einen Blick auf Akechis blasses Gesicht, als sich seine flatternden Lider schlossen. Sein Atem wurde flach, viel zu flach. Es war zu viel.

Ich lasse ihn nicht zurück. Das Chaos in Akira kam zu einem abrupten Halt, als das starke Bedürfnis, Akechi in Sicherheit zu bringen, ihn überwältigte, wie eine Welle im Sturm. Er würde Akechi nicht hier zurücklassen, und er würde Shido auf keinen Fall die Genugtuung geben, seinen Willen zu erfüllen. Shido würde für das bezahlen, was er ihnen angetan hatte.

Er sah, wie sich die Verletzungen an Akechis Hals langsam von selbst schlossen. Als Reinblüter konnte er das; konnte nach seinem Biss dafür sorgen, dass keine Spuren an seinem Opfer zurückblieben. Noch nie, in seinem gesamten Leben, war er so erleichtert über diese Fähigkeit, wie in diesem Moment.

Es würde nicht rückgängig machen, was geschehen war, aber Akechis Körper heilte, und das war alles, was zählte.

“Ich bringe dich hier raus,” versprach er ihm. “Keiner von uns wird verlieren.” Shido hat keine Ahnung, mit wem er sich angelegt hat.

Entschlossenheit ließ ihn klarer denken, ließ das Chaos seiner Gedanken auf ein einziges Ziel konzentrieren, Akechi zu beschützen, sie lebendig hier raus zu bringen. Er fühlte, wie Kraft— Magie— durch seine Adern glitt, warm und voller Energie. Das Gefühl war so mächtig, dass sich alles in ihm anspannte, als stünde sein Körper unter Strom. Wie fließendes Wasser, suchte es sich einen Weg nach draußen.

Akira blinzelte ungläubig, als das, was er fühlte, sich vor seinen Augen manifestierte. Schatten, schwarze, dunkle Schatten, breiteten sich nach und nach in dem weißen Raum aus. Seine Schatten. Seine Magie.

Zuerst überfluteten sie den Boden, bis sie an den Wänden nach oben krochen, wie schnell wachsender Efeu. Der Raum färbte sich dunkel, als wäre plötzlich eine sternenlose Nacht hereingebrochen.

Was… Wie konnte das sein? Das war unmöglich. Dazu war er in der Lage?

“Wieso hast du das nicht schon eher gemacht?” Akechis heisere Stimme schnitt durch seine Gedanken. Er klang beinahe… amüsiert. Akira schüttelte sanft den Kopf, als er einen Blick auf Akechi warf. Er blinzelte müde zu ihm herauf, aber er war wach, sein Herz schlug immer kräftiger.

Akira wusste, dass er ihn nicht sehen konnte. Es war zu dunkel, dennoch hatte er sein Gesicht in Akiras generelle Richtung gedreht. “Ich wusste nicht, dass das möglich ist. Das ist noch nie vorher passiert.”

Akechi hob skeptisch eine Augenbraue, schien aber zu erschöpft, um weitere Fragen zu stellen. Stattdessen sagte er, “Ich kann nichts sehen. Gib mir das Messer.” Akechis kommandierender Ton brachte ihn beinahe zum Lachen.

“Wofür?”

Akechi schnaubte leise. “Damit ich mich nicht schon wieder von dir retten lassen muss.” Und dann, leiser, sagte er, “Ich bin nicht nutzlos, nur weil ich ein bisschen Blut verloren habe…”

Akira unterdrückte das Bedürfnis zu lächeln. Natürlich würde Akechi keine Schwäche zeigen, selbst nicht in einem Moment, in welchem er tatsächlich physisch geschwächt war. Er lehnte sich zur Seite, weit genug um gerade so den Haft des Dolchs zu erreichen. “Verletz dich nicht,” sagte er sanft, als er den Haft in Akechis wartende, geöffnete Handfläche legte. Oder mich.

“Keine Sorge,” Akechi nahm einen tiefen Atemzug. Allein das Sprechen schien ihn anzustrengen, trotzdem schien er es verbergen zu wollen. “Ich habe nicht vor, hier zu sterben.”

Gott, allein der Gedanke, Akechi zu verlieren, ließ das Blut in Akiras Venen gefrieren. Das überwältigende Bedürfnis, ihn zu beschützen, kam zurück, als könnte er allein sich zwischen jegliche Gefahr und Akechi stellen.

Fuck, Akechis Blut zu trinken, hatte etwas in ihm verändert, er konnte es fühlen, aber er wusste nicht, was genau es war.

Und er hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken. Mit einem lauten Knall, sprang die Tür an der gegenüberliegenden Wand auf. In der Dunkelheit erkannte Akira zwei bewaffnete Männer in Anzügen, welche sich suchend nach ihm umsahen. Für ihre menschlichen Augen war es zu dunkel, um etwas zu erkennen. Sie hielten zwei Taschenlampen, doch der grelle Strahl wurde von der Dunkelheit verschluckt.

Ein winziges Grinsen breitete sich auf Akiras Lippen aus. Das wird leichter, als gedacht.

“Schnapp ihn dir! Lass ihn nicht entkommen!” kommandierte der eine, während der andere hinter ihm den Raum betrat.

“Halt dich an mir fest,” wisperte Akira an Akechis Ohr. Sein Herz machte einen winzigen Sprung, als er den Schauer fühlte, welcher durch Akechis Körper glitt.

Akira hatte damit gerechnet, dass Akechi widersprechen würde. Doch entgegen seiner Erwartung, ließ er sich bereitwillig von Akira tragen; er legte seine Beine um Akiras Mitte, seine Arme um Akiras Schultern, bis seine Front an Akiras Rücken gepresst war. Vorsichtig, um keinen Laut von sich zu geben, schlich Akira um die Männer herum, verließ den Raum und schloss die Tür hinter ihnen, sperrte sie ein.

“Das war beinahe zu leicht,” murmelte Akechi leise, sein Atem kitzelte Akiras Ohr.

Akira zuckte mit den Schultern. Es gab andere Prioritäten. “Wir müssen einen Weg hier raus finden—”

Akechi nickte. “Wo sind wir?”

Akira sah sich um. Vor ihm erstreckte sich ein schmaler Flur mit einer Treppe am Ende. Die Wände waren weiß, über ihnen flackerte kaltes Licht. Es roch nach Desinfektionsmittel. Shidos Labor? War das möglich? Akiras Herz machte einen hoffnungsvollen Sprung. Wenn sie hier waren, würden auch die anderen hier sein. Aber Akira hatte keine Waffen, abgesehen von seiner Fähigkeit.

Als könnte Akechi seine Gedanken lesen, sagte er, “Wir brauchen Waffen, wenn wir hier raus kommen wollen.”

Akiras grinsen wurde breiter. “Ich dachte, es existiert kein ‘Wir’?”

Er konnte förmlich hören, wie Akechi mit den Augen rollte. Er musste wirklich erschöpft sein, denn er entgegnete nichts, außer einem leisen, “Wie ich bereits sagte: Ich habe nicht vor, hier zu sterben.” Sein Ton war humorlos, beinahe resigniert. Akira schluckte schwer, als er seinen Griff um Akechis Beine korrigierte. Das Grinsen auf seinen Lippen verschwand.

*


Goro


Irgendetwas stimmte nicht.

So nah an Akira gepresst zu sein, sich auf ihn zu verlassen — es war so absurd, dass es sich ganz und gar nicht falsch oder seltsam anfühlte. Besonders, nachdem Akira ihn gebissen hatte. Im ersten Moment hatte sein Körper sich gewehrt, den Biss abgelehnt. Er erinnerte sich dumpf an die Panik, welche ihn überkommen war, als Akira seine Zähne in ihm vergraben und nicht locker gelassen hatte.

Aber nach kurzer Zeit war die Panik verschwunden, und es blieb nicht mehr übrig, als dieses seltsame, warme, angenehme Gefühl. Goro sträubte sich dagegen zuzugeben, was es war. Vertrauen. Oder so etwas in der Art. Genau so sehr sträubte er sich dagegen, zuzugeben zu wollen, dass es ihm gefallen hatte.

Es war schwer zu beschreiben, aber… etwas hatte sich geändert. Etwas in ihm hatte Akira freiwillig nachgegeben, und es hatte sich ganz und gar nicht falsch angefühlt. Verdammt, ein Teil von ihm hatte darauf vertraut, dass Akira aufhören würde, bevor es zu viel wurde.

Trotzdem hatte er mehr genommen, als er sollte. Goros Kopf schwirrte, seine Fingerspitzen kribbelten und fühlten sich immer noch taub an. Er umfasste den Haft des Dolchs fester, und… Akira schien nicht im Geringsten darüber besorgt zu sein, dass Goro ihm so nah war, mit einer Klinge in der Hand.

Fühlte er es auch? Dieses seltsame… Vertrauen?

“Wir müssen vorsichtig sein,” sagte Akira, holte ihn aus seinen wirren Gedanken. “Ich höre niemanden vor uns, aber… wir sollten nach Waffen suchen. Und nach den anderen, sollte das hier wirklich Shidos Labor sein.”

Richtig. Die Phantoms.

Goro nickte. Akiras wirres, schwarzes Haar strich über seine Wange. Sein Körper fühlte sich schwer an, er bezweifelte, dass er schnell wieder in der Lage sein würde, auf eigenen Beinen zu stehen. Aber er würde eher hier zurückbleiben, als das zuzugeben.

“Besorg mir eine Pistole,” sagte er, während Akira die Treppe vor ihnen nach oben lief, die Tür mit dem Fuß zur Seite stieß. Er könnte schießen, während Akira damit beschäftigt war, ihn zu tragen. Wie erbärmlich, dachte Goro, und trotzdem… mochte er es, irgendwie.

Etwas stimmte definitiv nicht mit ihm.

Hinter der Tür lag eine weitere Treppe, während neben ihnen ein kleiner Flur zu einem offenen Foyer führte, welches verlassen aussah. Eine Art Rezeption stand in der Mitte des Foyer, dahinter lag ein weiterer Durchgang und, wie Goro vermutete, eine weitere Treppe, welche nach oben führte.

Akira schlich die Stufen nach oben. Goro bewunderte, wie er es schaffte, sich so lautlos zu bewegen, als er realisierte, dass der Boden unter seinen Füßen sich nach und nach dunkel färbte. Er sah sich um, drehte den Kopf so weit wie möglich nach hinten. Seine Augen weiteten sich, als er bemerkte, dass die Schatten ihnen zu folgen schienen. Dunkelheit umgab sie, breitete sich neben ihnen aus, wie Nebel an einem kalten Morgen.

“Wie kann das sein?” murmelte er, bemerkte nicht, dass er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte.

“Beeindruckt, hm?” antwortete Akira. Der vertraute, selbstsichere Ton seiner Stimme ließ Goros Herz schwach flattern.

Er schnaubte leise, anstatt eine Antwort zu geben. Er wollte Akira nicht die Genugtuung geben, zuzugeben, wie beeindruckt er war. Obwohl… verwundert wohl eher zutraf. Sicher, er hatte beobachtet, wie Joker mit Schatten verschmelzen konnte, aber dass er sie aktiv erschuf? Das war neu.

Im oberen Bereich erstreckte sich ein Flur mit mehreren Zimmern links und rechts, welche jeweils mit Zimmernummern ausgestattet waren, darunter standen die Bezeichnungen für verschiedene Vorlesungssäle. Goro blinzelte, als würde er aus einem Traum aufwachen. Auf den Dokumenten in Shidos privater Suite, war die Adresse einer alten Universität angegeben gewesen.

Shido hatte sie tatsächlich in sein Labor bringen lassen.

Dieser verdammte Bastard.

“Akechi?” Akira klang vorsichtig. Goro realisierte, wieso, als er auf seine zitternde Hand sah, welche den Dolch hielt.

Goro schüttelte den Kopf, als ihm ein humorloses Lachen entglitt. “Wofür hält er uns? Für verdammte Versuchskaninchen?”

Akiras Schultern spannten sich augenblicklich an. “Das ist also tatsächlich sein—”

“Hey! Was ist das? Was… Was soll das? Wer seid ihr?” Die erschrockene, quietschende Stimme unterbrach Akira. Akira drehte sich einmal um die eigene Achse, in Richtung der Stimme. Goro entdeckte eine junge Frau in einem weißen Kittel, ihre dunklen Haare zu einem Dutt zusammengebunden.

Akira fluchte leise, als er in die entgegengesetzte Richtung rannte, weg von ihr. Er folgte einer weiteren Treppe nach oben, öffnete die erstbeste Tür zu seiner linken.

Der Raum, in welchem er geflüchtet war, entpuppte sich als Überwachungsraum, mit mehreren eingeschalteten Monitoren, welche über zwei Wände montiert waren. Goros Augen weiteten sich, als er die zwei Männer entdeckte, welche in dem Raum feststeckten, aus dem sie geflüchtet waren. Einer von ihnen hämmerte wütend gegen die Tür, der andere stand mit verschränkten Armen hinter ihm. Die Dunkelheit war aus dem Raum verschwunden.

Goros Augen sprangen von Bildschirm zu Bildschirm. Er entdeckte zwei weitere Räume, in welchen metallene Pritschen aufgestellt waren, daneben mehrere Tabletts mit Werkzeugen, welche zu verpixelt waren, um sie genauer zu erkennen.

Er wollte sich nicht vorstellen, was damit gemacht wurde. Sein Blick fiel auf Akira, in seinem Profil erkannte er, wie er seinen Kiefer anspannte, wie seine Augen eiskalt und hart wurden. Wie damals, in Kaneshiros Club, kurz bevor er Kaneshiros Handgelenk gebrochen hatte.

“Akira—”

Akira antwortete ihm nicht, stattdessen ließ er ihn sanft auf seine Füße gleiten. Goro schwankte ein wenig, stützte sich auf einem Tisch neben ihm ab. “Akira! Bleib bei mir—” wiederholte er, als Akira sich von ihm entfernen wollte. Er legte eine Hand um sein Handgelenk.

Akira drehte sich blitzschnell zu ihm, seine Augen so voller Wut, dass Goro für einen Moment glaubte, er würde sich erneut auf ihn stürzen.

Doch als er Goro sah, wurde sein Ausdruck augenblicklich sanfter.

“Ist einer von ihnen… ich meine… sind sie hier?” Goro deutete vage auf die Bildschirme.

Akira nickte kurz, bevor er sich umdrehte. Goro hatte keine Ahnung, wie die anderen Phantoms aussahen, oder wer sie waren. “Wir holen sie hier raus,” sagte er, während er seinen Griff um Akiras Handgelenk verstärkte. “Wir finden sie, und dann—”

Bevor er den Satz beenden konnte, wurde die Tür zu dem Raum geöffnet. Ein weiterer Mann in einem schwarzen Anzug und einem dampfenden Pappbecher in der Hand betrat den Raum. Als die Tür ins Schloss fiel, fiel sein Blick auf ihn und Akira. Seine Augen weiteten sich. Er ließ den Becher fallen, verschüttete Kaffee auf dem Boden. Er hob eine Hand, vermutlich um das Headset an seinem Ohr zu aktivieren, doch Akira kam ihm zuvor.

Er war so schnell, dass Goro ihn kaum beobachten konnte. Er riss den Dolch aus Goros Hand, stürzte sich auf den Mann, presste seine Schulter gegen die Tür und hielt die Klinge an seine Kehle.

Goro reagierte so schnell er konnte, obwohl sein Kopf noch immer schwirrte. Während Akira ihn festhielt, griff Goro nach der Pistole an seinem Gürtel, entfernte sie aus der Halterung. Er zog das Magazin heraus und lächelte als er sah, dass es noch fast voll war.

“Sag mir sofort, wo sie sind,” Akiras Stimme war dunkel, drohend, “und gib mir deine verdammten Schlüssel.”

“Ich habe keinen Schlüssel—”

“Schwachsinn,” Akira fletschte die Zähne, während mehr und mehr Dunkelheit aus ihm floss, wie Nebel. “Sag es mir, und ich töte dich schnell.”

“W-Was—”

Goro rollte mit den Augen. Wie dramatisch, Joker, dachte er, während er die Anzugtaschen des Manns abtastete. Er fand einen Schlüsselbund in seiner rechten Tasche.

Die Schlüssel klirrten sanft in seiner Hand. Die weit aufgerissenen Augen des Mannes sprangen zwischen dem Schlüsselbund in Goros Hand und Akira hin und her. “Ich werde nichts sagen,” erwiderte er.

“Und ich werde dich nicht am Leben lassen,” zischte Akira, “es sei denn, du verrätst uns, wo sie sind!”

Der Mann schüttelte den Kopf. “Ich weiß nicht, von dem du redest!”

“Ich denke, das weißt du ganz genau. Wie hat Shido uns genannt, ‘Versuchsobjekte’? Und wie viele von ihnen hat er wohl hier, hm? Sag mir, wo sie sind!”

Der Mann zitterte am ganzen Körper, während mehr und mehr Dunkelheit ihn umhüllte, wie ein Kokon. Goro bezweifelte, dass er bald noch etwas sehen konnte.

“K-Keller, rechts. Sie werden bewacht—” der Rest des Satzes verwandelte sich in ein lautes, verzweifeltes Gurgeln. Goro musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass Akira ihm die Kehle durchgeschnitten hatte.

Die Schatten zogen sich langsam zurück. Zum Vorschein kam die Leiche des Mannes, als Akira den leblosen Körper zur Seite stieß.

“Musste das sein?” Goro musterte Akira mit einer Mischung aus Entsetzen und… fuck, was war das, Verständnis?

Akira zuckte mit den Schultern, bevor er sich umdrehte, auf die Bildschirme starrte. Goro setzte sich auf den Tisch neben der Tür, ignorierte die Blutlache zu seinen Füßen. Sein Kopf schwirrte von seinem eigenen Blutverlust.

Er blinzelte, und plötzlich stand Akira neben ihm, legte sanft eine Hand an seine Wange, musterte ihn besorgt. Dieselbe Hand, welche zuvor die Klinge gehalten hatte, welche die Kehle des Mannes durchtrennt hatte.

Goro sollte ihn verabscheuen, oder nicht? Ihn wenigstens dafür verurteilen, aber so sehr er es wollte, er konnte sich nicht dazu bringen. Seine Sicht verschwamm etwas an den Rändern, sein Kopf wie mit Watte gefüllt.

“Goro,” Akira strich mit dem Daumen über seine Wange. Seine Stimme klang so klar, wie Glas. “Ist alles okay?”

Goro schnaubte leise. “Abgesehen davon, dass du mich mit einer Blutkonserve verwechselt hast?”

Akira zuckte unwillkürlich zusammen, antwortete nicht, doch seine Wangen färbten sich rot.

“Wie auch immer,” sagte Goro, “wir sollten keine Zeit verschwenden.”

*


Akira


Akechi folgte ihm widerwillig, dicht auf den Fersen. Er konnte fühlen, wie sehr es ihm widerstrebte, sich auf Akira verlassen zu müssen. Doch anstatt ihm wieder und wieder zu versichern, dass Akira ihn lebendig hier raus bringen würde, hoffte er, dass Akechi diese seltsame Verbindung ebenfalls spürte.

Dieses seltsame… Vertrauen. Akira vermutete, das mehr dahinter steckte, doch im Moment hatte er andere Prioritäten.

Nachdem sie den Überwachungsraum verlassen hatten, hatte Akechi die Tür abgeschlossen, damit niemand die Leiche finden würde. Doch es war ohnehin zu spät; die Wissenschaftlerin, die sie vorher gesehen hatte, hatte offenbar Alarm geschlagen. Die Flure füllten sich mit Männern in schwarzen Anzügen, welche die Räume und Zimmer kontrollierten, Anweisungen in die Mikrofone an ihren Headsets murmelten.

Es war wesentlich schwerer, an ihnen vorbeizuschleichen, mit Akechi unmittelbar hinter ihm. Er konnte nicht zu schnell sein; Akechi war noch wackelig auf den Beinen und er weigerte sich, sich weiter von Akira tragen zu lassen.

Er und sein verdammter Stolz. Akira vermied es, die anderen zu töten, jedenfalls bis sie den Keller erreicht hatten. Er wollte nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen und eine Spur hinterlassen.

Als sie den Keller erreichten ohne entdeckt zu werden, klopfte Akiras Herz voller Aufregung. Angespannt schlich er durch die Gänge, bis er die einzelnen Zellen im hinteren Bereich des Untergrunds erreichte. Die Luft hier war trockener. Es gab keine Fenster, nur flackerndes Neonlicht.

Hinter dichten Glaswänden, welche sich aneinander reihten und die einzelnen Zellen bildeten, sah er zuerst Anns hellblondes Haar, welches matt um ihre Schultern hing. Sie blinzelte aus müden, eisblauen Augen zu ihm, rieb sich über die Augen, als würde sie träumen.

Doch als Akira nicht verschwand, sondern ihr ein erleichtertes Lächeln zuwarf, sprang sie auf, legte beide Hände an die Scheibe zwischen ihnen. Akira wurde warm, als er die Erleichterung auf ihrem Gesicht sah. Er wollte nichts lieber tun, als sie zu umarmen. Fuck, wie sehr er sie vermisst hatte.

“Hey,” sagte Akira leise, seine Stimme heiser. “Lange nicht gesehen, hm?”

Ann rollte mit den Augen, ein breites Lächeln auf den Lippen. Akiras Herz brach etwas, als er sah, dass das Lächeln ihre Augen kaum erreichte. “Du hast lange genug auf dich warten lassen.”

Akira nahm Akechi den Schlüssel aus der Hand, schloss das metallene Schloss an der verstärkten Glastür auf. Ann fiel ihm um den Hals, sobald sie die Chance dazu hatte. Sie fühlte sich leichter an, als Akira sie in Erinnerung hatte, schmaler. Wut nagte an ihm, doch er hielt es zurück, zu erleichtert darüber, sie endlich gefunden zu haben.

Akechi räusperte sich hinter ihnen. Akira grinste, als er sich von ihr löste. “Ann, das ist Akechi. Akechi, Ann.”

Anns Augen weiteten sich. Ihr Blick sprang aufgeregt zwischen ihm und Akechi hin und her. “Du bist—” sie musterte Akira misstrauisch, bevor ihre Lippen sich zu einem breiten Lächeln verzogen. “Wow! Der Detektiv-Prinz, hm? Gut gemacht, wie auch immer du das angestellt hast. Du musst mir unbedingt alles erzählen—” sie warf Akechi ein warmes Lächeln zu. “Und du bist jetzt auf unserer Seite?”

Akechi machte einen Schritt zurück, während er defensiv beide Hände hob. “Ich denke nicht—” er räusperte sich, “ich meine—”

“So weit waren wir noch nicht,” murmelte Akira in Anns Richtung. “Und wir haben keine Zeit.”

Ann nickte, während sie Akechi weiterhin musterte. Sie wendete sich ab, als Akira sie weiter zog, an mehreren leer stehenden Zellen vorbei. “Wo sind die anderen?”

“Yusuke ist am Ende des Gangs,” sagte sie, während sie hinter Akira herstolperte, nicht weniger unsicher auf den Beinen, als Akechi. “Sumire und Kasumi sind gegenüber von ihm.”

Akira nickte, dann warf er beiden einen ernsten Blick zu. “Bleibt in meiner Nähe. Ich habe einen Plan, uns hier raus zu bringen, aber ich weiß nicht, ob es klappt…” er biss sich nervös auf die Lippe. Die Kraft, die ihn durchströmte, seitdem er Akechi gebissen hatte, pulsierte noch immer in ihm, wie ein zweiter Herzschlag. Kraftvoll und voller Leben.

“Und was genau ist dein Plan, Joker?” Akechi hob skeptisch eine Augenbraue.

“Keine Zeit für Erklärungen,” erwiderte Akira. “Du musst mir wohl einfach vertrauen…”

Er hörte, wie Akechi leise murmelte. “Das hat ja bisher auch so wunderbar funktioniert.”

Akira antwortete nicht; Akechi musste wissen, dass er ihn hören konnte. Oder er hatte die Worte nur versehentlich laut ausgesprochen. Was auch immer es war; er würde Akechi beweisen, dass er ihm vertrauen konnte. Und durch ihre seltsame, neue Verbindung, wusste er, dass Akechi fühlen konnte, dass Akira ihn nicht in Gefahr bringen würde.

Akira lief zum Ende des Gangs, Akechi und Ann folgten ihm. Links und rechts neben ihm standen leere Zellen, welche alle ziemlich gleich aussahen. Weiße Wände, metallene Bettgestelle und ein kleines Zimmer, in welchem ein rudimentäres Badezimmer zu finden war. Die Zellen hier waren größer, als die, in welcher Akira damals festgehalten wurde. Der Anblick jagte ihm eiskalte Schauer über den Rücken. Erinnerungen drängten sich an den Rand seines Bewusstseins, welche er mit aller Kraft zurückhielt.

Yusuke entdeckte ihn schneller, als Kasumi und Sumire. Sein sonst so passives Gesicht verzog sich zu einem erleichterten Lächeln, seine blutunterlaufenen Augen glänzten. Wie bei Ann, war sein sonst so glänzendes, schwarzes Haar matt geworden, hing ihm wirr in die Stirn. Akiras Herz versetzte ihm einen Stich, als er ihn aus der Zelle holte. Die weißen, sterilen Klamotten hingen ihm lose um den schmalen Körper.

“Bist du wirklich hier?” fragte Sumire vorsichtig, als Akira ihre Zelle erreichte. Sie stützte ihre Zwillingsschwester, Kasumi, während sie die Zelle verließen. “Wie hast du uns gefunden…?”

“Hast du an mir gezweifelt?” Akira warf ihr ein halbherziges Lächeln zu, als er sie für einen kurzen Moment in seine Arme schloss. Sie krallte sich an ihn und er fühlte, wie sie erschauderte, wie ihre Schultern zuckten. “Hey…” er hoffte, dass seine Stimme beruhigend klang. “Ich bringe uns hier raus.”

Sumire nickte, während sie ihr Gesicht an seiner Brust vergrub. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Akechi den Blick abwendete. Fuck, hoffentlich verstand er es nicht falsch, aber… Akira hatte keine Zeit, ihm alles zu erklären. Nicht hier, nicht jetzt. Zuerst musste er sie in Sicherheit bringen und dann — dann hoffte er, dass Akechi nicht sofort das Weite suchen würde.

“Haltet euch an mir fest. Ich weiß nicht, ob es funktioniert, aber…” Akira nahm einen tiefen Atemzug, um seine Nerven zu beruhigen. “Uns bleibt keine andere Wahl.”

Akechi legte widerwillig eine Hand an seinen Arm, während die anderen sich ebenfalls um ihn versammelten. Akira nahm einen weiteren Atemzug um sein rasendes Herz zu beruhigen. Er musste sich konzentrieren. Er schloss die Augen, ließ die Schatten aus seinen Händen gleiten, bis sich die Dunkelheit um sie sammelte, wie ein Schild.

Die Macht, die ihn durchflutete, war unvergleichlich mit allem, was er bisher gefühlt hatte.
Seine Gedanken fokussierten sich auf ein einziges Ziel: der Dachboden des Leblanc. Sein Versteck. Er hatte keine Ahnung, wo er sonst hin sollte, wo sie sicher sein würden.

Vor seinem geistigen Auge sah er die knarrenden, alten Dielen, den Staub in der Luft, wenn die Sonne durch die alten Fenster schien. Er dachte an den Futon an der hinteren Ecke des Raums, an die Dachbalken, an welchen er die Spinnweben zählen konnte. Er dachte an den Geruch von frisch gemahlenem Kaffee, als ein lauter Knall ihn beinahe aus seinen Gedanken holte.

Entfernt nahm er wahr, wie jemand schrie, eine männliche, unbekannte Stimme. Es klang wie ein ‘Schnappt sie! Da sind sie!’, gefolgt von lauten Schüssen.

Doch bevor auch nur eine der Kugeln sie erreichen konnte, Akira hörte das laute Zischen in der Luft, verschwamm die Realität und verformte sich. Der Boden unter ihm verschwand, der starke Geruch nach Desinfektionsmittel drang immer mehr in den Hintergrund, die weißen Räume lösten sich in wirre Formen auf, als würden sie immer mehr zu einer blassen Erinnerung werden.

Akiras Kopf schwirrte, als jeder Funken Energie seinen Körper verließ, als die Schatten ihn und die anderen sicher aus dem Labor brachten. All seine Kraft konzentrierte sich nur darauf, ihn und die anderen in Sicherheit zu bringen.

Als er das nächste Mal die Augen öffnete, blinzelte er gegen die untergehende Sonne, welche rotgolden durch die alten, verschmutzten Fenster strahlte. Der vertraute Duft nach Kaffeebohnen umfing ihn, ebenso wie die Kälte der Winterluft, welche durch die Spalten in den Wänden und Dielen drang.

“Akira!” Morganas aufgeregte Stimme drang zu ihm wie durch Nebel, doch dann fühlte er das Gewicht von Morganas menschlicher Gestalt, als er beide Arme um ihn legte, ihn in eine feste Umarmung zog. “Wir dachten, du wärst —” er konnte es nicht aussprechen, seine Stimme zitterte, doch Akira wusste, was er sagen wollte. Wir dachten, du wärst tot.

Akira klopfte ihm sanft auf die Schulter, als er die Umarmung erwiderte. Morganas flauschige Katzenohren kitzelten seine Wange, als er sich von ihm löste. Immer, wenn Morgana von Emotionen überwältigt war, fiel es ihm schwer, seine menschliche Gestalt beizubehalten, weshalb die Katzenohren hervorkamen, ohne dass er es kontrollieren konnte. Hätten seine Ohren ihn nicht verraten, dann wäre es der Ausdruck von purer Erleichterung in seinen blauen Augen, als er Akira ansah. “Wo warst du?” fragte er, doch bevor Akira antworten konnte, räusperte sich Ann laut.

“Morgana?” fragte sie mit heller, melodischer Stimme.

Morgana drehte sich langsam um, seine Augen wurden immer größer, als er ein Mitglied der Phantoms nach dem anderen sah. Er schniefte leise, als seine blauen Augen weich und glasig wurden. “Ihr seid hier—” er schluckte. “Wie— Wie kann das sein?” Er drehte sich zurück zu Akira.

Akira lächelte sanft. “Wir sind aus Shidos Labor geflohen, und…” er wurde ernst, als er vage auf Akechi deutete. “Akechi hat uns dabei geholfen.” Akira hatte erwartet, dass Akechi etwas erwidern würde, doch als er sich zu ihm drehte, entdeckte er den kalten, unlesbaren Ausdruck auf seinem Gesicht.

Akechi blieb still, musterte die anderen mit eiskalter Skepsis.

Morgana zuckte unwillkürlich zusammen, seine Ohren legten sich flach an seinen Kopf, als sein Blick auf Akechi fiel. “Du bist hier…?”

Seine Worte holten Akechi aus seiner Starre. Sein Blick wurde kalt, beinahe feindselig, als er Morgana musterte. “Ja, aber keine Sorge. Ich hatte nicht vor, zu bleiben.” Seine Worte stachen durch Akira wie ein Pfeil, obwohl sie nicht direkt an ihn gerichtet waren. Akechi entglitt ihm, und das wollte er um jeden Preis verhindern.

Diese seltsame Verbindung — er fühlte sie noch immer, auch wenn der Rest seiner Kräfte langsam nachließ, schwächer wurde. Und wenn er richtig lag, dann wollte Akechi nicht gehen. Er war nur… unsicher. Ängstlich. Aber das würde er niemals zugeben; nein, seine Reaktion auf derartige Gefühle war es schließlich, andere konsequent auszuschließen. Aber dieses Mal konnte Akira hinter seine starre Maske sehen.

Akira griff nach seinem Handgelenk, bevor Akechi sich abwenden konnte. Er verstärkte seinen Griff, als Akechi sich los reißen wollte, machte sich zu nutzen, dass Akechi noch immer geschwächt war.

“Geh nicht,” sagte er sanft. “Noch nicht, wenigstens. Ich… Ich erzähle dir alles, versprochen. Keine Geheimnisse mehr. Aber zuerst musst du mir vertrauen. Kannst du das, Akechi?”

Akechis Augen weiteten sich, bevor er scharf den Kopf zur Seite wendete. Akira sah, wie seine Unterlippe zitterte, bevor er leise nachgab, “Meinetwegen. Aber wenn du es noch einmal wagst, mich anzulügen—”

“Schneidest du mir die Kehle durch?” Akira lächelte schwach. “Kein Grund für Drohungen, Akechi. Ich habe nicht vor, dich weiter zu täuschen…”

“Denkst du wirklich, dass das eine gute Idee ist?” mischte Morgana sich ein. Akira nickte, ohne Akechi aus den Augen zu lassen.

“Ohne Akechi hätte ich es nicht aus dem Labor geschafft. Er ist wichtig für uns,” er ignorierte Akechis humorloses Lachen, seine zitternde Hand in seinem Griff. Stattdessen sah er zu Ann, Yusuke, Sumire und Kasumi. Sie mussten müde und hungrig sein, genau so wie Akechi. “Wenn das Leblanc noch sicher ist, ist es Sojiros Haus auch,” sagte er, bevor er sich direkt an Morgana wendete. “Er wird uns helfen, oder nicht?”

Morgana nickte. “Ja, das wird er. Aber—”

“Bring sie zu ihm,” kommandierte Akira. “Sojiro hat noch einige Blutkonserven, richtig? Und… wenigstens für heute Nacht sollten wir uns ausruhen.”

“Oh, ist Futaba-chan bei ihm?” Anns Augen leuchten auf, als sie Morgana sanft am Ärmel seines Longsleeves packte. “Ich habe sie so vermisst. Ihr müsst uns alles erzählen, was wir verpasst haben—”  Wie immer, hatte Ann die Situation verstanden; sie wusste, dass Akira mit Akechi allein sein wollte. Wenn sie eine Fähigkeit hatte, dann war es, die Beziehungen ihrer Gegenüber sofort zu durchschauen. Obwohl Akira sah, wie müde sie war, zog Ann Morgana langsam zur Treppe, während die anderen ihr folgten. Sumire und Kasumi umarmten ihn zum Abschied, während Yusuke eine Hand an seine Schulter legte.

Akira sah ihnen hinterher. Er atmete erleichtert aus, als die Glocke im unteren Bereich des Café schellte, als die Tür ins Schloss fiel. Als er mit Akechi allein war, fühlte sich die plötzliche Stille zwischen ihnen allerdings nur noch Schwerer an.

Es gab so viel, was er Akechi verheimlicht hatte. So viel, was er ihm sagen wollte, um ihn zu überzeugen, zu bleiben, ihm noch eine Chance zu geben.

Akechi seufzte leise, als er langsam den Blick hob, seine Augen funkelten rubinrot in der untergehenden Sonne. “Also? Fang an, Joker.” Er betonte den Codenamen mit einem spöttischen Unterton.

Hm, sein richtiger Name wäre wohl ein guter Anfang, oder nicht?

“Wie du willst, Detective,” erwiderte er. Er nahm einen tiefen Atemzug, bereitete sich darauf vor, Akechi festzuhalten, sollte er fliehen wollen, doch im Moment sah Akechi zwar skeptisch, aber nicht mehr so feindselig aus, wie noch auf Shidos Yacht. “Mein Name ist weder Akira Kurusu, noch Joker.

Akechi schnaubte, während er die Arme vor der Brust verschränkte. “Warum überrascht mich das nicht?”

Akira biss sich auf die Lippe. Es war riskant, aber… er trat einen Schritt näher zu Akechi. “Du bist clever, Akechi. Deine Instinkte sind besser als die, eines durchschnittlichen Menschen—”

“Spar dir das,” hakte Akechi ein. “Ich will keine Komplimente. Ich will, dass du mir die Wahrheit sagst. Wer bist du wirklich, hm?”

Akira wich nicht zurück, trotz Akechis harschem Ton. “Mein Name… ist Ren Amamiya.”


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Hey, Ari hier! Erst einmal Danke für die vierte Empfehlung, das freut mich wirklich sehr. ♥ Ich wollte mich für die Interaktion bedanken, jede Empfehlung, jeder Favorit und jedes Review motivieren mich wirklich sehr. :)

Und nun zur Story: Wow! Nach 65k Wörtern haben wir es geschafft, dass sich beide *endlich* bei ihren richtigen Namen nennen können! Das nenne ich Character-Development! Aber Spaß beiseite -- ich hätte nicht gedacht, dass ein Vampire AU mir so viel Spaß machen würde.  Ich freue mich darauf, wenn endlich die *Enemies/Rivals*-Phase überstanden ist, obwohl das sicher auch kein leichter Weg wird, und noch eine Weile dauern könnte, schließlich muss Akechi erst einmal verkraften, dass Akira nie existiert hat und Joker ihn manipuliert und getäuscht hat... Wow, das nenne ich mal rote Flaggen in einer Beziehung!

Falls sich jemand fragt: Und was ist mit Ryuji, Haru und Makoto? Well, Haru ist, wie in Kapitel 6 erwähnt, die Tochter des einzigen einflussreichsten Reinblüters in der Stadt, welcher nicht, wie die anderen Familien, vertrieben wurde! Genauere Erklärungen dazu folgen im nächsten Kapitel. Ich weiß, Exposition-Dumps sind nicht so gut, aber hier geht es leider nicht anders. Ich hoffe, dass es trotzdem interessant wird.

Und Makoto ist, als Sae-sans Schwester, kein Vampir :) Wird sie noch relevant? Das bleibt offen!

Ryuji ist... nicht so weit weg, keine Sorge! Aber auch er ist kein Vampir/Reinblüter! Aber er ist dennoch involviert, wie genau, kommt in den nächsten Kapiteln. Yay! :)

Okay, das war's. Danke für's Lesen!

PS: Sorry an meine Smut-Lover (falls ihr existiert, ich habe keine Ahnung ob hier jemand nur für den Smut liest, just taking a wild guess), aber keine Sorge, die Durstrecke dauert nicht mehr lange!! (Ich will's auch nicht übertreiben...)
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