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Melodie der Liebe

von Tasha88
Kurzbeschreibung
OneshotLiebesgeschichte / P12 / Gen
Gregor
11.06.2022
11.06.2022
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Es gibt zu wenige Conny x Gregor Geschichten - ich versuche das zu ändern ;)

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Ein Seufzen entkommt Gregor und er schließt einen Augenblick seine Augen um die Ruhe zu genießen. Da drinnen ist so unglaublich viel los. Er ist einfach nur froh, dem Ganzen entkommen zu sein, auch wenn es sich nur um ein paar Minuten handeln wird. Warum hat er sich von seinem Verein auch überreden lassen, hier aufzutauchen? Okay, ja, es gehört zu seinem Job wohl auch dazu, auf solchen Veranstaltungen aufzutauchen, immerhin ist diese von einem seiner Werbepartner organisiert worden. Diesen Teil seines Jobs bräuchte er wirklich nicht, ihm reicht es, wenn er mit dem Fußball über den Platz laufen kann. Vorzugsweise noch Tore schießen, am liebsten gegen starke Gegner, mehr hat er sich nie gewünscht. Er ist dankbar dafür, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte. Er liebt es, Fußball zu spielen, daran hat sich noch nie etwas geändert. Von seinen früheren Freunden spielen nur noch wenige und das eigentlich hauptsächlich nur zum Spaß. Er kennt wenige, die ebenfalls Profifußballer geworden sind. Und zu seinen früheren Mannschaftskameraden hat er leider auch kaum noch Kontakt. Hauptsächlich nur zu seinem besten Freund und früheren Kapitän - was aber hauptsächlich daran liegt, dass dieser seine Schwester geheiratet hat. Er ist froh darüber, die beiden sind glücklich miteinander. Und er selbst … er wird in weniger als einem Jahr bereits 30, in dieser Richtung hat sich aber nichts getan, zumindest war die eine Richtige noch nicht dabei. Seufzend trinkt er einen Schluck aus seinem Bierglas und läuft dann einfach ein wenig weiter. Dieser Flur scheint wohl nicht für die Öffentlichkeit gedacht zu sein, denn es ist dunkel, die Party steigt nun einmal vorne in dem großen Hauptsaal. Doch für ihn passt das so gerade ganz gut. Er ist für dieses Gewusel nicht gemacht … und das aus seinem Mund. Ein schiefes Grinsen huscht über sein Gesicht, ehe er weiter läuft.

Plötzlich bleibt er stehen, als Töne an seine Ohren gelangen. Ist das etwa ein Klavier? Neugierig läuft Gregor weiter und die Musik wird immer lauter. Da scheint wirklich jemand auf einem Klavier zu spielen. Vor einer angelehnten Türe bleibt er stehen, aus diesem Raum scheint die Musik zu kommen. Vorsichtig schiebt er sie auf und streckt seinen Kopf hinein.
Mitten in dem dunklen Raum steht ein Klavier, nur durch die großen Fenster scheint ein wenig Licht herein, erhellt alles zumindest ein klein wenig. Gerade so, dass er die Frau erkennen kann, die an dem Musikinstrument sitzt und deren Finger über die Tasten huschen. Sein Herz macht einen Satz, als Erinnerungen zurückkommen. Erinnerungen an die Zeit, als er noch ein Kind war, als er gerade an die Kitahara gekommen war. An ein junges Mädchen, das sein Herz zum Tanzen gebracht hatte. Mit ihrem Lächeln, ihrer Musik. Einfach sie. Sein Blick mustert die Frau am Klavier, versucht zu erkennen, ob sie es sein könnte. Früher hatte das Mädchen die dunklen, schwarzen Haare immer offen getragen, ihre Locken waren weit den Rücken hinunter gefallen, hatten ihr schönes Gesicht umspielt. Diese Frau hat die Haare zu einer Hochsteckfrisur auf dem Kopf aufgesteckt. Doch es ist zu dunkel, um etwas zu erkennen. Es wirkt alles grau und schwarz. Nur das blaue Kleid gibt ein wenig Farbe ab, da das wenige Licht von draußen darauf fällt.
“Das ist wunderschön”, bringt er hervor und tritt in den Raum.
Ein unharmonischer Ton erklingt, als die Musikerin erschrickt und neben die Tasten greift.
“Entschuldigung”, gibt Gregor von sich und fährt mit seiner freien Hand am Hinterkopf durch seine seit jeher unordentlich abstehenden Haare, “ich wollte sie nicht erschrecken. Ich habe nur die Musik gehört und sie hat mich an früher erinnert.”

“An früher?”, erklingt eine sanfte Stimme. Gregor versucht herauszuhören, ob es vielleicht ihre ist, doch er kann es nicht sagen. Aber gut, das ist fast zwanzig Jahre her.
“Ja. Ich kannte mal ein Mädchen, das wunderschön gespielt hat. Ich habe es geliebt, ihr zuzuhören, ihrer Musik zu lauschen.”
“Wirklich?”
“Ja.” Er lacht auf. “Es hat mich irgendwie immer … ja, beruhigt. Irgendwie kann ich das gerade ganz gut gebrauchen.”
“Wirklich?”
“Ja.” Ein Seufzen entkommt Gregor. “Das da draußen … so eine Veranstaltung, die vielen Menschen, die Smalltalk halten wollen. All das, das ist nicht so meines.”
“Was ist es dann?”
Nun erscheint ein zufriedenes Lächeln auf seinen Zügen. “Mit dem Fußball über das Feld zu rennen, das reicht mir an sich. Aber das hier …” Und wieder ein Seufzen.
Ein helles Lachen erklingt, das Gregor bis ins Innere vordringt.
“Setzen Sie sich doch zu mir. Ich schenke ihnen gerne noch ein wenig Beruhigung. Ruhe kann man es ja nicht nennen.”
Einen Augenblick zögert Gregor, ehe er losgeht. “Würden manche Menschen es nicht auch Beruhigungsmusik nennen?”, fragt er, als er beim Klavierankommt.
“Da haben Sie wohl auch recht.” Die Musikerin klopft neben sich auf die Bank vor dem Klavier. “Setzen Sie sich doch.”
Nach einem erneuten Zögern tut Gregor das. Sein Blick legt sich auf die Frau neben sich, doch ihr Profil liegt im Dunkeln, er kann trotz der Nähe kaum etwas erkennen.
“Haben Sie ein Lieblingslied?”, fragt sie ihn.
“Ein Lieblingslied?”
“Ja, ein Lied, das Sie gerne auf dem Klavier hören. Ein Lied, das Sie eben an früher erinnert.”
“Hmm …” Er überlegt, denkt nach, da kommt ihm die Erinnerung und ein Lächeln erscheint auf seinen Zügen. “Für Elise von Beethoven. Ist zwar nichts besonderes, aber ich mag es. Und dieses Mädchen hat es früher immer für mich gespielt.”
“Ist sie jemand besonderes?”, erklingt ihre Stimme und ebenso die ersten Töne des Liedes.
“Ja. Jemand ganz besonderes.” Das Lächeln auf Gregors Zügen wird wehmütig. “Leider war ich damals noch sehr jung. Zu jung um zu begreifen, was sie für eine besondere Person war. Damals war mir der Fußball wichtiger. Das ist er auch heute noch, aber mir ist inzwischen bewusst, dass es auch wichtigeres gibt. Ich wünschte, mir wäre es damals bewusster gewesen, sie war mir doch sehr wichtig.”
“Eine gute Freundin?”
“Ja.” Gregor lacht und fährt sich wieder mit einer Hand durch die Haare, während er mit der anderen sein Bierglas festhält. “Ich würde behaupten, sie war meine erste Liebe.” Er lässt seine Hand sinken, legt sie ebenfalls um das Bierglas. “Nur war ich wie gesagt zu jung. Irgendwann hat es sich verlaufen, der Kontakt ist abgebrochen. Es ist schade. Ich frage mich oft, wie es wohl wäre, wenn ich mir damals mehr Mühe gegeben hätte.” Die Töne von Beethovens “Für Elise” erfüllen den Raum. Gregors Blick liegt auf den Tasten. “Sie war einfach wundervoll. Das schönste Mädchen, das ich je gekannt habe. Ehrlich gesagt”, er lacht leise, “ich verfolge sie in den Medien. Sie ist eine sehr talentierte Pianistin geworden und ich bin mir sicher, dass ihre Musik immer noch so wundervoll ist wie damals, vermutlich sogar besser.” Er stockt und wendet sich neben sich, hebt eine Hand entschuldigend hoch. “Das soll natürlich nicht bedeuten, dass Sie nicht gut spielen, ganz im Gegenteil.”
Wieder erklingt dieses helle Lachen. “Alles gut, ich verstehe Sie. Menschen, die einem etwas bedeuten sind einfach etwas besonderes.”

Gregor lässt seine Hand sinken und lächelt. Etwas besonderes, stimmt, das hatte er doch zu Beginn dieses Gesprächs gesagt.
“Ja, das ist sie.” Er legt seinen Kopf in den Nacken. “Sie war damals das schönste Mädchen der Welt, heute ist sie die schönste Frau der Welt. Ich denke sehr viel an sie, sehr oft. Gerade in den letzten Jahren ist sie mir immer mehr ins Gedächtnis gekommen und irgendwie vermisse ich sie auch. Immer wenn ich irgendwo einen Artikel über sie finde, hole ich ihn mir und lese.” Er senkt seinen Kopf wieder und schüttelt schmunzelnd seinen Kopf. “Das klingt, als würde ich sie stalken, aber so ist es nicht. Ich hoffe, ich sorge jetzt nicht dafür, dass Sie Angst bekommen.”
“Keine Sorge, das ist nicht so. Im Gegenteil, ich kenne es. Bei mir gibt es auch eine Person aus meiner Vergangenheit und ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich irgendetwas von ihm mitbekomme. Es bedeutet mir ebenfalls etwas. Auch er ist eine ganz besondere Person und ich vermisse ihn, trotz der langen Zeit, die zwischen damals und heute liegt. Es wäre schön, ihn wieder zu sehen.” Immer noch huschen ihre Finger über die Tasten, die Melodie hüllt Gregor ein.
“Wünschten Sie sich auch manchmal”, beginnt er stockend, “dass Sie mehr Mut hätten, wieder Kontakt zu dieser besonderen Person aufzunehmen?”
Kurz stockt auch sie, dann nehmen ihre Finger die Arbeit wieder auf. “Oh ja, das wünsche ich mir sehr oft. Doch dann bin ich mir unsicher, ob er das wollen würde …”
“So geht es mir auch. Ich meine, schlussendlich ist es ja meine Schuld, dass der Kontakt zwischen uns weniger geworden ist. Ich habe den Fußball höher gesetzt als sie, vielleicht, nein, ziemlich wahrscheinlich habe ich sie damit verletzt. Das alles bereue ich heute. Und … wer weiß, es ist immerhin fast zwanzig Jahre her … Vielleicht ist sie ja verheiratet, auch wenn ich darüber nichts gefunden habe. Aber sie könnte auch schon jemanden an ihrer Seite haben, ich will da nichts kaputt machen oder riskieren …”
“Sie können schlussendlich aber nicht wissen, was ist. Das weiß nur diese Person. Sie werden es nie erfahren, wenn Sie den Kontakt nicht suchen. Und vermutlich würden Sie das schlussendlich auch bereuen.”
“Hmm, da haben Sie recht.” Gregor dreht seinen Kopf, sieht die Frau neben sich an. “Würden Sie es jetzt machen, den Kontakt zu Ihrer besonderen Person suchen? Nach diesem Gespräch mit mir?”
Wieder stockt sie, doch als sie redet, klingt ein Lächeln in ihrer Stimme mit. “Wenn ich Ihnen jetzt sage, dass ich es mache, machen Sie es auch?”
“Ich denke”, Gregor runzelt seine Stirn, umfasst sein Bierglas fester, “ich sollte es.” Er nickte. “Doch, ich werde es machen. Wie sieht es mit Ihnen aus?”

Noch ehe eine Antwort erklingt, öffnet sich die Türe hinter ihnen.
“Entschuldigung? Wir wären dann soweit und-”
“Ich komme”, erklärt die Musikerin und unterbricht den Satz damit. Sie steht auf, geht um die Klavierbank herum und bleibt neben Gregor stehen, der aufblickt, aber immer noch nicht viel erkennen kann.
“Vielen Dank dafür, dass Sie für mich gespielt haben und auch danke dafür, dass Sie mich an sie haben erinnern lassen. Diese Erinnerungen sind ebenfalls etwas besonderes.” Er lächelt wehmütig.
Eine Hand legt sich auf seine Schulter, dann beugt sie sich zu ihm hinunter. Gregors Herz nimmt einen Schlag zu, noch mehr, als ihre Lippen plötzlich über seine Wangen streifen.
“Du bist nicht der Einzige, für den diese Erinnerungen etwas besonderes sind, Gregor.”
Und damit richtete sie sich wieder auf und verlässt den Raum.
Wie erstarrt sitzt Gregor da, blickt auf die Türe, die offen steht und durch die die Musikerin verschwunden ist. Sein Herz schlägt von innen hart gegen seinen Brustkorb und er hebt eine Hand, streift damit über die Wange, die gerade geküsst worden ist.
Du bist nicht der Einzige, für den diese Erinnerungen etwas besonderes sind, Gregor.

Ihre Aussage wirbelt in seinem Kopf herum. Da wird es ihm plötzlich klar. Er hat ihr seinen Namen gar nicht gesagt, woher also kannte sie ihn? Das kann doch nur bedeuten … Als es ihm bewusst wird, springt er auf und stürmt aus dem Raum. Im Flur bleibt er stehen, sieht sich um, während sein Herz noch stärker als gerade schlägt. Er rennt los, in die Richtung, in der die Veranstaltung stattfindet. Sie muss dort sein, sie muss einfach!
Das Stimmengewirr, das ihn vorher noch erschlagen hat, ist jetzt total nebensächlich. Sein Bierglas stellt er auf einem der Stehtische ab, während er durch den großen Saal läuft und seine Augen von einer Seite zur anderen huschen, alles genau absuchen, hoffen, sie wieder zu sehen.

“Sehr geehrte Damen und Herren”, erklingt eine laute Stimme durch die Lautsprecher und wie auch alle anderen Menschen wird Gregors Aufmerksamkeit auf die Bühne gelenkt, wo gerade einer der Gastgeber mit einem Mikrofon steht. “Wir freuen uns, ihnen nun unseren musikalischen Gast für diesen Abend vorzustellen.”
Noch ehe der Name genannt wird, macht Gregors Herz einen erneuten Satz. Hinter dem Gastgeber steht ein Flügel auf der Bühne, das kann doch nur bedeuten, dass …
“Hier ist Conny Uesugi, eine berühmte Pianistin. Wir wünschen Ihnen viel Freude mit ihrer wunderschönen Musik.”
Und da steht sie, Conny. Sie ist es wahrhaftig. Gregor schluckt. Sie ist wunderschön. Viel schöner, als jedes Bild je hätte zeigen können. Ein Lächeln liegt auf ihren Lippen, als sie zum Flügel geht.
“Es ist mir eine Freude, hier bei Ihnen zu sein”, spricht sie in das Mikrofon, das dort angebracht ist. “Ich habe mich schon sehr gefreut, in der Nähe meines Elternhauses spielen zu dürfen. Doch heute macht mich etwas anderes noch viel glücklicher. Zu Beginn ist eigentlich ein anderes Lied angekündigt, wie sie auch den ausgelegten Heften entnehmen können. Doch ich werde nun ein ganz besonderes Lied spielen. Ein Lied, das ich mit einer ebenso besonderen Person verbinde und das schon sehr lange Zeit. Diese Person bedeutet mir, trotz der langen Zeit, sehr viel und ich will sie nicht noch einmal gehen lassen. Ich hoffe sehr, dass diese Person genauso empfindet.”
Gregor steht im Publikum und starrt Conny regelrecht an, kann seinen Blick nicht von ihr nehmen. Und dann ertönen die ersten Takte von “Für Elise” und ein Lächeln breitet sich auf seinen Zügen aus. Nein, er wird sie nicht mehr gehen lassen, nie wieder.

~ it's not the end - it's the begin ~
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